Anmeldung ->

Abschied nehmen

Abschied nehmen


Abschied fällt schwer

Jeder Abschied fällt schwer. Bleibt doch jeweils ein Stück des eigenen Herzens zurück. Mauerhofer

Diese Woche feiern wir Allerheiligen und Allerseelen, eine Woche, in der wir besonders der Verstorbenen gedenken, die wir verabschieden mussten. Indem ich Abschied nehme von diesem Menschen, wird mir meine Beziehung zu ihm bewusst. Wir sind diese Woche im Kloster und es ist sehr berührend, wenn man zusammen mit den Schwestern an den Gräbern ihrer Mitschwestern steht. Diese Woche werde ich die Impulse unter dem Thema “Abschied nehmen” fassen. Abschied nehmen müssen wir nicht nur von Menschen, sondern auch von anderen: zerplatzte Lebensträume, überhöhte Selbstbilder, die Durchschnittlichkeit meiner selbst u.v.m. Immer wieder muss ich Abschied nehmen und damit etwas Liebgewonnenes loslassen. Abschiede sind anstrengend und trotzdem nötig, vor allem der Abschied von Menschen und der eigene Abschied aus dieser Welt: unser Tod


Vielfältigkeit der Abschiede

Sie küssten und umarmten Paulus zum Abschied; viele weinten laut, vor allem deshalb, weil er ihnen gesagt hatte, sie würden ihn nicht wiedersehen. Apg 20:37

Abschied gehört existentiell zu deinem Leben. Es gibt keinen Abschied, der nicht auch traurig ist. Denn Abschied hat mit Trennung und Veränderung zu tun. Und das fällt uns Menschen nicht ganz leicht. Die Art der Abschiede sind vielfältig: Banale Verabschiedungen im Alltag, schöne Abschiede, wenn man weiß, dass man sich wieder treffen wird, schmerzende Abschiede, wenn man weiß, dass man einen lieb gewonnenen Menschen nie wieder sehen wird, euphorische Abschiede, wenn man zu neuen Ufern aufbricht u.v.m. Denke heute bewußt über deine vergangenen Abschiede nach, die dich geprägt haben. Sie sind ein Teil von dir. Gottes reicher Segen begleite dich durch diesen Tag.


Abschied – Das, was war, umarmen

Jesus selbst blieb zurück, denn er wollte erst noch die Leute verabschieden. Mt 14:22

Wenn wir einen Besuch verabschieden, umarmen wir uns oder geben einander fest die Hand und schauen uns an. Meine Frau bekommt zum Abschied einen Kuss. Das ist wichtig: Man will einander noch einmal spüren, noch einmal nahe sein. Auch mit den Verstorbenen machen wir das. Wir streicheln sie noch einmal, spüren die Nähe, erzählen von ihrem Leben. Wo immer möglich, sollten Abschiede (Todesfälle, Arbeitswechsel, Krankheit, Auszug aus dem Elternhaus u.v.m.) langfristig so gestaltet sein, dass wir das, was war, umarmen unabhängig in wieweit es emotional gefärbt ist. Das ist eine lebensbejahende, lebensannehmende Haltung. Auch in den Evangelien ist Abschied ein großes Thema bis hin zum Abschied beim Passahmahl. “Wie sehr habe ich mich danach gesehnt, mit euch dieses Passahmahl zu essen, bevor ich leiden muss, sagte er.” (Lk 22:15)


Abschied: Für das was war, danken

Wir danken dir, o Gott – ja, dir allein gilt unser Dank! Denn du bist uns nahe! Von deinen Wundern erzählen wir. Ps 75:2

Im Alltag sagen wir häufig danke, mal floskelhaft, mal echt gemeint. Abschied und Dank gehören zusammen. Als Jesus von seinen Jüngern Abschied nimmt, dankt er seinem Vater für sie. Wenn wir von etwas oder von jemandem Abschied nehmen, ist es wichtig, zurück zu denken, was gut war und bewusst Danke zu sagen für Gottes Wunder, die sich hier ereigneten. Um wie viel leichter fällt es weiterzuziehen, wenn man es versöhnt und dankbar tun kann. Im Gottesdienst beten und danken wir ganz bewusst für das Leben der Verstorbenen. Wenn wir der Dankbarkeit richtig Raum geben, dann leuchtet der Abschied wie ein See in der Abendsonne. Und wie ist das, wenn wir einmal Abschied nehmen müssen von dieser Welt – werden wir es dankbar tun können


Abschiede – Neues Land erobern

Ich lasse das, was hinter mir liegt, bewusst zurück, konzentriere mich völlig auf das, was vor mir liegt. Phil 3:13

Das Leben erfordert immer wieder, Bekanntes loszulassen und weiterzugehen. Wer am Alten emotional haften bleibt und nicht bewusst loslässt, kann auch nur schwer neues Land erobern. Es braucht innere Freiheit, um sich wieder mit ganzem Herzen auf neue Gegebenheiten einzulassen. Paulus bringt das in diesem Vers auf den Punkt: sich bewusst auf das vor einem Liegende konzentrieren. In der Phase des Loslassens fällt das schwer und das ist auch in Ordnung. In dieser Zeit darf ich nachsichig mit mir selbst sein und mir auch Zeit für den Abschied geben. Denn nur wenn ich Altes bewusst loslasse, bin ich offen für eine Neues.


Jeder Abschied eine Chance

Befiehl dem Herrn dein Leben an und vertraue auf ihn, er wird es richtig machen. Ps 37:5

Der Abschied ist nicht nur wichtig, um neues Land zu erobern. Jeder Abschied ist eine Chance, in der ich Halt in Gott erfahren kann und meine Gottesbeziehung wächst. Für mich bedeutet es, dass Jesus sich in Umbruchszeiten von mir wünscht, dass ich ihm meine Ängste und Sorgen vor dem Ungewissen, aber auch die Trauer um den Verlust des Alten abgeben soll und wissen darf, dass er einen guten Weg für mich hat. Gerade wenn der Boden unter den Füßen wackelt, darf ich mich auf Gott fokussieren und wissen: Er ist in der Umbruchszeit bei mir und er geht auch weiterhin mit mir. Dieser Gedanke tröstet mich und lässt mich wieder lächeln. Auch wenn ich Abschiede immer noch nicht madg, weiß ich: Es geht weiter und es wird gut.


Der große Abschied: der Tod

Weinend kommen wir auf die Welt, während alle um uns herum lächeln. Wir sollten so leben, dass wir lächelnd aus dieser Welt scheiden, während alle um uns herum weinen. Persisches Sprichwort

Es liegt nicht in unserer Hand, wann, wo, unter welchen Umständen, ob alleine oder im Beisein von Menschen, friedlich oder schmerzvoll wir von dieser Welt geben. Voll Vertrauen legen wir die Gnade einer guten Sterbensstunde in Gottes Hand. Die Hoffnung, lächelnd aus der Welt zu scheiden, voll Dankbarkeit für das gelebte Leben, friedlich und ohne Angst, lebt in mir. Dennoch: nicht mein Wille geschehe, sondern deiner Herr! “Und wenn ich spüre, dass es mit mir zu Ende geht, dass ich alt und müde werde, verwandelt Er den Schmerz des Abschieds in die Freude des Heimkommens.” (Thielicke) “Für Liebende gibt es im Grunde keinen Abschied – sie begleiten einander immer.” (Josefmaria)