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Gottes Nähe

Gottes Nähe


Wir danken dir, Gott, wir danken dir und verkündigen deine Wunder, dass dein Name so nahe ist. Ps 75,2

Das Bild stammt von René Magritte und heißt Ladenhüter. Unten: Trostlosigkeit, keine Menschenseele. Oben auf der Wolke ein blasser Gottvater. In der Mitte gähnende Leere. Die Realität unten und der Himmel oben weisen keine Verbindung auf. Der Künstler will sein Bild als Frage verstehen. Ist Gott uns nahe? Mit Weihnachten können wir antworten: Ja, in Jesus Christus ist uns Gott näher gekommen, als wir uns das je vorstellen können. Nach dem Durchschreiten der Geburtsgeschichte nach Lukas wird uns nun dieses weihnachtliche Wochenthema der Nähe Gottes durch die kommende Woche führen.


Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen. Ps 145,18

Gestern im Gottesdienst hatte eine Frau in der Bank hinter mir wahrscheinlich einen Schlaganfall. Ich habe den Notarzt gerufen, meine Frau war derweilen bei ihr. O Herr, lass uns zutiefst begreifen, dass du uns auch durch den Nächsten nahe bist. Du Gott bist nicht weit weg von uns. Du hast dein Zelt aufgeschlagen bei uns. In Jesus bist du einer von uns geworden, mit Leib und Blut wie wir. Bei der Himmelfahrt bist du nicht irgendwohin weit weggegangen. Du selbst als einer von uns bleibst bei uns. Wir können du zu dir sagen, mit dir reden. Du hörst auf uns, und wenn wir aufmerksam sind, hören wir auch, dass du Antworten gibst. Ich suche die Herzensanbindung an dich, indem ich dich anrufe aus der Sehnsucht heraus, dich zu lieben.


Erschienen ist die Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Gottes. Titus 3,4

Das ist das Reich Gottes: Gott selbst ist nahe! Er ist nahe, weil er Mensch geworden ist, Mensch bleibt und stets bei uns ist in seinem Wort, in der heiligen Eucharistie und in allen Gläubigen. Wir dürfen uns diesem Gott nähern. Das Reich Gottes verkündigen heisst daher, heute von Gottes Nähe zu uns zu sprechen. In Jesus ist Gott mit uns und für uns. Er geht mit uns unsere Wege.


Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch. Jak 4,8

Einem jedem von uns ist Gott nahe, ausnahmslos. Meister Eckart schreibt dazu: Der Mensch soll sich in keiner Weise je als fern von Gott ansehen, weder eines Gebrechens wegen noch wegen irgendetwas sonst. Und wenn dich auch je deine großen Vergehen so weit abtreiben mögen, dass du dich nicht als Gott nahe ansehen könntest, so solltest du doch Gott als dir nahe annehmen.


Blicke uns freundlich an! Ps 67:2

Gottes Nähe kann nicht verdient werden, weder durch gute Werke noch durch geistliche Übungen. Nur eines tut Not: sich anschauen lassen durch Gott. Mein Morgengebet beginnt damit, dass ich vor allem mündlichen Gebet einfach da sitze, ruhig werde und mich von ihm freundlich anschauen lasse. Durch diesen Blick finde ich in Gott mein Du. Und der Mensch, dessen Ich in Gott sein Du gefunden hat, der kehrt ein in seine Ruhe und der findet sein Du auch in jedem Menschen, der ihm begegnet auf dem Weg seines Lebens.


Denn kein anderes Volk, ganz gleich wie groß, hat Götter, die ihm so nahe sind wie uns der Herr ! Wann immer wir zu unserem Gott rufen, hört er uns.5. Mose 4:7

Immer wenn wir beten hört uns dieser nahe Gott. Dabei müssen nicht immer viele Worte fallen. Guardini dazu: Es gibt ein Gebet, in welchem es nicht darum geht, einfach zu sagen, was man auf den Herzen hat, sondern in der Nähe Gottes zu weilen. Dieses Gebet neigt dazu, immer weniger Worte zu brauchen; aber nicht weil es sich im Gesagten erschöpft, sondern weil es im Grunde überhaupt nicht in Worte eingeht.


Du bist bei mir! Ps 23,4

Wir werden Gottes liebende Nähe zwar nicht immer spüren, aber wir bleiben trotz gegenteiliger Gefühle, Ängste und Zweifel von ihr umgeben und dürfen uns in ihr bergen. Allerdings wird es in solchen Zeiten oft notwendig sein, dass wir uns die liebende Nähe Gottes von andern zusprechen lassen. Wohl dem, der in solch dunklen Tagen auf die Zuwendung und Ermutigung durch andere Christen zählen und ihre Hilfe in Anspruch nehmen kann!