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Madeleine Debrel

Meditationen von Madeleine Delbrêl


Kehrt um zu Gott. Mk 1:15 

Bekehrung ist ein entscheidender Augenblick, der uns abkehrt von dem, was wir über unser Leben wissen, damit wir, Auge in Auge mit Gott, von Gott erfahren, was er davon hält und daraus machen will. In diesem Augenblick wird Gott für uns zum Allerwichtigsten, wichtiger als alles andere, wichtiger als jedes Leben, selbst und vor allem das unsrige. Ohne diesen höchsten, überwältigenden Primat des lebendigen Gottes, der uns einfordert, seinen Willen unserem Herzen vorstellt, damit es in Freiheit Ja oder Nein antworte, gibt es keinen lebendigen Glauben. Madeleine Delbrêl


In deiner Hand liegt meine Zukunft. Psalm 16:5 

Wenn die Bekehrung das blendende Hingerissensein unseres ganzen Seins zu Gott ist, dann muss sie, um völlig wahr zu sein, doch auch völlig dunkel sein. Den lebendigen Glauben haben heißt von ihm geblendet sein, um von ihm gelenkt zu werden und es fällt uns schwer, uns ihm anzuvertrauen. Immer wieder gibt es in uns die Tendenz, dass wir aus dem neuen Leben, der neuen Welt, in der Gott uns leitet, wieder das alte Leben machen und eine Welt, die sich der Mensch selbst erbaut. Madeleine Delbrêl

Vertrauen bedeutet nichts zu wissen über meine Zukunft, nur dies: Gott ist bei mir und führt mich. Das allein genügt. 


Christus in euch. Kol 1:27

Wir haben nur ein Ziel, und zwar nicht das Ziel, etwas zu tun, sondern das Ziel, etwas zu leben: das Abbild Jesu Christi zu sein, indem wir sein Evangelium leben. Unsere Spiritualität besteht letztendlich darin: Jesus zu sein, Jesus zu leben, Jesus zu sterben. Jede Art von Regel kehrt immer wieder dahin zurück. Das ist das Fundament für alles; ein Fundament, ohne das wir nichts tun und nichts erleiden könnten. Es geht darum, dass wir uns selbst absterben und zulassen, dass Christus durch seinen Geist heute in uns Gestalt annimmt. Der heute lebende Jesus. Madeleine Delbrêl


Jeder soll Gott an dem Platz dienen, an dem ihn Gottes Ruf erreichte. 1. Kor 7:20

Es gibt Leute, die Gott nimmt und für sich reserviert. Andere gibt es, die lässt er in der Masse, die zieht er nicht aus der Welt zurück. Es sind Leute, die eine gewöhnliche Arbeit verrichten, die gewöhnliche Verheiratete oder gewöhnliche Unverheiratete sind. Leute, die gewöhnliche Krankheiten und gewöhnliche Traueranlässe haben. Leute, die ein gewöhnliches Haus und gewöhnliche Kleider haben. Es sind Leute des gewöhnlichen Lebens. Leute, die man auf einer beliebigen Straße antrifft. Wir Leute von der Straße, glauben aus aller Kraft, dass diese Straße, diese Welt, auf die Gott uns gesetzt hat, für uns der Ort unserer Heiligkeit ist. Madeleine Delbrêl

Betrachte heute bewusst den Platz, zu dem Gott dich berufen hat zu dienen, sei es nun familiär oder beruflich oder einem anderen Lebensfeld


Ich bin bei euch alle Tage. Mt 28:20 

Wieder beginnt ein Tag. Jesus Christus will ihn in mir leben. Er ist mit mir unter den Menschen von heute gegenwärtig. Begegnen wird er allen, die ins Haus kommen, allen, die ich auf der Straße treffe. Ihnen allen zu begegnen, ist er gekommen. Alle will er zum Heil führen. Denen, die mit mir sprechen, hat er etwas zu sagen. Denen, die etwas brauchen, hat er etwas zu geben. Im Lärm gibt er Stille, in der Aufregung Frieden. Der Platz in der Welt, an den Gott mich stellt, kann mich nicht hindern, mit ihm verbunden zu sein. Jesus, der in uns ist, ist unaufhörlich zu allen gesandt, am heutigen Tag, der gerade beginnt, zu allen Menschen, in unserer Zeit, zu allen Zeiten, in meiner Stadt und auf der ganzen Welt. Gepriesen sei der neue Tag! Er ist wie Christi Geburt für die Erde. Denn Jesus in mir wird diesen Tag mit mir leben. Madeleine Delbrêl


Die ganze Heilige Schrift ist von Gott eingegeben. 2. Tim 3:16

Das Evangelium ist kein Buch unter anderen: Es ist wie eine Begegnung, die Christus jedem und jeder von uns schenkt, bis ans Ende der Zeiten; eine Begegnung von Person zu Person, ein wahres, intimes, konkretes Herz-zu-Herz. Wenn wir unser Evangelium in Händen halten, sollten wir bedenken, dass das Wort darin wohnt, das in uns Fleisch werden will, uns ergreifen möchte, sein Herz auf das unsere gepfropft, sein Geist dem unseren eingesenkt, damit wir an einem neuen Ort, zu einer neuen Zeit, in einer neuen menschlichen Umgebung sein Leben aufs Neue beginnen. Madeleine Delbrêl

Sorge dafür, daß die heiligen Schriften vorgelesen werden. 1. Tim 4:13 


Bleibt in meiner Liebe! Joh 15:9

Wir denken, dass wir, wenn wir für Gott ganz kleine Dinge tun, ihn ebenso lieben können wie mit großen Aktionen. Wir wissen zweierlei: zum einen, dass alles, was wir tun, nur klein sein kann; zum anderen, dass alles, was Gott tut, groß ist. Das beruhigt uns angesichts dessen, was zu tun ist. Darum wird auch durch unsere kleinen Taten die Liebe zu Gott und die Liebe zu unserem Nächsten vollkommen eins. Jede Tat lässt uns Gott in Fülle empfangen und in Fülle weitergeben. Dann wird das Leben ein Fest. Jede kleine Unternehmung ist ein gewaltiges Ereignis, in dem uns das Paradies geschenkt wird oder in dem wir selbst das Paradies verschenken können. Reden oder schweigen, etwas flicken oder einen Vortrag halten, einen Kranken pflegen oder auf der Schreibmaschine schreiben, all das ist nur die Rinde einer herrlichen Realität: der Begegnung der Seele mit Gott, die sich in jeder Minute erneuert. Madeleine Delbrêl


Wer Ohren hat, der soll auf meine Worte hören! Mt 13:43 

Es gilt, das Wort des Herrn zu hören. Dazu muss man hinhorchen und nicht wieder weghören, die nötige Zeit einsetzen, sich nicht davonmachen; das Wort empfangen und es bewahren. Christus, unser Meister und Herr, ist jetzt nicht mehr sichtbar auf Erden; ich werde so sehr auf sein Wort im Evangelium hören und ich werde, Wort für Wort, versuchen, das zu tun, was er gesagt hat, damit ich ihn in allem, was ich in seinem Sinne tue, immer besser kennenlerne. Mit ihm beginnt und endet alles in diesem Satz: „Du sollst lieben.“ Das ist eine unwiderrufliche Weisung. Madeleine Delbrêl

So habt nun acht, wie ihr hört! Lk 8:18


Atemzüge

Unsere Zeit gewährt uns ganz bestimmte, von Gott gegebene Atemzüge: An uns ist es, sie zu entdecken und davon Gebrauch zu machen. Wenn unser Tag so vollgestopft ist, dass Pausen unmöglich sind, dann fordert das Wort des Herrn so viel Glaube und Achtung, dass wir wissen: Seine göttliche Kraft kann ihm stets Raum verschaffen. Dann sehen wir es aufleuchten, während wir eine Straße entlanggehen, unsere Arbeit verrichten, zwischen zwei Bemerkungen eines Mitmenschen, beim Aufwachen und beim Einschlafen. Madeleine Delbrêl