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Weggehen von Gott

Die Gefahr des Trübewerdens der Gottesliebe

Wer steht, sehe zu, daß er nicht falle. 1 Kor 10,12

Sind die meisten Menschen beständiger als David und Petrus, die doch Kinder des Heiles waren und dann doch, wenn auch für kurze Zeit, von dieser Liebe abgefallen sind? Wer kann wohl sicher sein, in dieser Schiffahrt des irdischen Lebens die Gottesliebe zu bewahren, da solche Menschen so furchtbaren Schiffbruch erlitten haben? Wenn unsere Seele in diesem Leben auch die göttliche Liebe in reichem Maß besitzt, so ist sie dennoch nie so sehr davon erfüllt, daß sie diese nicht durch eine Versuchung verlieren könnte. Solange wir in diesem Leben sind, tragen wir immer tausenderlei Stimmungen und Armseligkeiten mit uns herum. Daher besteht große Gefahr, daß unsere Liebe ihren Gegenstand wechselt und trübe wird.


Die Gefahr der Blendung durch Scheingüter

Jetzt sehen wir nur ein undeutliches Bild wie in einem trüben Spiegel. 1. Kor 13:12

Es ist unmöglich, Gott zu schauen und ihn nicht zu lieben. Hier auf dieser Welt aber, wo wir Gott nicht sehen, sondern ihn nur durch die Schatten des Glaubens wie in einem Spiegel ahnend wahrnehmen, ist unsere Erkenntnis nicht so groß, daß sie nicht von Scheingütern überlistet und überrumpelt werden könnte. Da die Sicherheit und Wahrheit des Glaubens immer von Dunkelheit begleitet ist, kann sich vieles einschleichen und gleich kleinen Füchsen unseren blühenden Weinberg zerstören. Wir neigen uns einmal nach rechts zur göttlichen Liebe hin und bald darauf wieder nach links zur irdischen Liebe, je nachdem die göttliche Einsprechung oder die Versuchung ein williges Ohr findet.

Fangt uns doch die kleinen Füchse , denn sie verwüsten den Weinberg, wenn die Reben in schönster Blüte stehn. Hdl 2:15


Die Gefahr der lässlichen Sünde

Aber ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast. Offb 2:4

Die Liebe drängt das Herz, mit dem sie sich vermählt hat, sie durch gute Werke fruchtbar zu machen, weil sie sonst zugrunde gehen muß. Die läßliche Sünde aber nimmt der Liebe ihre Stärke und Wirkkraft und lähmt sie. Sie kann dann nicht mehr so glühend, tatbereit, blühend und fruchtbar sein. Anhänglichkeiten an läßliche Sünden halten die Liebe gleichsam wie eine Sklavin gefangen. Daher: hütet euch vor sog. kleinen läßlichen Sünden. Beispiel: Wer kleinen Zornesausbrüchen nachgibt, wird zum Schluß ein unerträglicher Wüterich. Wer leicht Scherzlügen gebraucht, steht in großer Gefahr, lügenhafte Verleumdungen zu begehen.


Die Gefahr der Versuchung

Jeder Einzelne wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde gereizt und gelockt wird. Jak 1:14

Die Liebe tastet die Freiheit nicht an und deshalb kann es oft so kommen, daß das Schlechte seine Reize tief in unser Herz hineinwirft und wir zu großes Gefallen daran finden. Die Neigung, an der Versuchung Freude zu empfinden, liegt in unserer Natur. Entweder zeigt die Versuchung uns nämlich etwas, das unseren Sinnen als köstliches Gut erscheint oder ein Gut, das nützlich zu sein scheint, uns zu bereichern, um die Begierlichkeit der Augen, Geiz und Habsucht in uns wachzurufen. Gleich den Dornen wird es die himmlische Gnadensaat ersticken. Gott will es aber nicht verhindern, daß wir Versuchungen erleiden, damit durch unseren Widerstand die Liebe erstarke und im Kampf den Sieg erringe.


Der frei Wille als Ursache des Versagens

Das ist dein Verderben, Israel, dass du gegen mich, deine Hilfe, bist! Hosea 13:9

Wir allein sind die Ursache unseres Verderbens. Gott ist die Sonne der Gerechtigkeit und sendet uns in weitaus genügendem Maße die Strahlen seiner Einsprechungen, erwärmt unsere Herzen mit seinen Segnungen und rührt einen jeden durch das Werben seiner Liebe. Jene die sich locken und dann ziehen lassen und der Einsprechung folgen, haben allen Grund, sich zu freuen, keinen Grund aber, sich zu rühmen, denn sie verdanken alles Gott. Jene aber, die in der Sünde verharren, haben wohl Grund zu jammern. Die Schuld daran müssen sie aber sich allein zuschreiben, da sie das Licht verachtet haben, seinem Werben gegenüber sich mürrisch verhalten und sich gegen seine Eingebung verhärtet haben.


Drei Störungen der Gottesliebe

Fangt uns die Füchse, die kleinen Füchse, die die Weinberge verwüsten, dann stehen unsere Reben in Blüte. Hdl 2,15

Die Füchse stören die Einheit der Liebenden, sie zerstören die Liebe in dreifacher Weise:

1. Verletzungen der Liebe sein. Nicht erst die großen, schon die kleinen Sünden, die scheinbar kleinen Unaufmerksamkeiten der Liebe, richten Schaden an. Auf Dauer können sie den Weinberg verwüsten, die Liebesbeziehung zerrütten. Sie werden gefangen, wenn wir sie immer neu in Demut bekennen und der Barmherzigkeit Gottes anheim geben.

2. Selbstvorwürfe: Das Festhalten an alter Schuld, obwohl sie schon längst vergeben ist. Solche Selbstvorwürfe hindern die Einheit mit Christus, weil an seine barmherzige Liebe nicht geglaubt wird. Die Füchse werden gefangen, sobald wir die Erlösungstat Christi und seine Vergebung im Glauben annehmen.

3. Zerstreute Gedanken, die bald hierhin, bald dorthin schwirren und so das Gebet, die Gemeinschaft der Liebe mit Ihm, stören. Die Füchse fangen heißt, die verstreuten Gedanken immer neu einzufangen und auf Ihn hin auszurichten.


Gott hilft uns treu zu sein

Ich, der Herr, dein Gott, ergreife deine rechte Hand und sage dir: Fürchte dich nicht; ich helfe dir! Jes 41:13

Wenn eine besorgte Mutter mit ihrem kleinen Kind ausgeht, so hilft sie ihm und stützt es, wie das Kind es braucht. So verfährt auch der Herr mit unserer Seele. Unaufhörlich ist er um jene besorgt, die seine Kinder sind. Bald läßt er sie gleichsam vor sich hergehen, ihnen bei Schwierigkeiten die Hand reichend, bald trägt er sie durch Müh und Leid hindurch, die ihnen sonst unerträglich wären. Die Beharrlichkeit und Treue ist dabei die wichtigste Gabe, die wir in diesem Leben erhoffen können und zwar von Gott allein. Gewiß würde Gott die Gläubigen nie mahnen auszuharren, wenn er nicht auch bereit wäre, jedem dazu das Können zu schenken.

Sei getreu bis in den Tod, so werde ich dir die Krone des Lebens geben! Offb 2:10


Zwei Wirkungen der Buße

Tut Buße! Mt 3,2

Unter Buße versteht man jene Reue, durch welche man die begangenen Sünden verwirft und verabscheut und sich zugleich vornimmt, das Unrecht wieder gut zu machen. Die vollkommene Buße hat zwei verschiedene Wirkungen: Kraft ihres Reueschmerzes und ihres Abscheues vor der Sünde trennt sie uns von der Sünde und Kraft des Liebesmotives versöhnt und vereinigt sie uns mit unserem Gott, von dem wir uns durch Mißachtung seiner Gebote getrennt hatten. Insofern sie uns daher als Reue von der Sünde entfernt, insofern vereinigt sie uns mit Gott. Der Antrieb zur Vereinigung in der Liebe wurzelt im Wohlgefallen, während der Antrieb zur Vereinigung in der Buße im Mißfallen wurzelt.


Ruhige Reue

Ich komme zu dir zurück, und jetzt packt mich die Reue über das, was ich getan habe. Ich erkenne meine Sünden, sie tun mir leid. Jer 31:19

Seiner begangenen Fehler wegen soll man sich betrüben mit einer starken, besonnenen, beharrlichen, ruhigen, aber nicht mit einer aufgeregten, unruhigen, verzagten Reue. Nachdem du die Beleidigung verabscheut hast, umfange liebevoll die Demut, die du wegen deines Fehlers empfindest. Demütige dich vor Gott, rufe seine Barmherzigkeit an, wirf dich vor dem Angesicht seiner Güte nieder und bitte ihn deswegen um Vergebung. Ist das geschehen, so bleib in Frieden. Bleiben wir in Frieden, damit immer Ruhe in unserem Herzen herrsche.


Die Eifersucht Gottes

Ich der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott. Den 5:9

Die Eifersucht, die Gott auf uns hat, ist keine Eifersucht des Begehrens, sondern der höchsten Freundschaft. Denn es liegt nicht in seinem Interesse, daß wir ihn lieben, sondern in unserem Interesse. Unsere Liebe bringt ihm keinen Nutzen, uns aber ist sie von großem Vorteil. Denn da er das höchste Gut ist, freut es ihn, sich durch seine Liebe mitzuteilen, ohne daß ihm daraus irgendein Vorteil erwächst. Aus Liebe zu uns will er also, daß wir ihn lieben. Wir können ja nicht aufhören, ihn zu lieben, ohne anzufangen, verlorenzugehen. Alles, was wir ihm an Liebe entziehen, ist für uns verloren. Es ist darum keine selbstsüchtige, sondern eine reine Eifersucht, die aus keiner Begierlichkeit entspringt, sondern aus einer edlen und einfachen Freundschaft.

Denn du sollst keinen anderen Gott anbeten. Denn der Herr, dessen Name Der Eifersüchtige ist, ist ein eifersüchtiger Gott. Ex 34:14


Keine Beherrschung von der Sünde

Wer gestorben ist, kann nicht mehr von der Sünde beherrscht werden. Röm 6:7

Er verbietet uns nicht, die Sünde zu fühlen, sondern nur in sie einzuwilligen. Er befiehlt nicht, daß wir die Sünde hindern, in uns einzudringen und in uns zu sein, sondern er befiehlt, daß sie nicht in uns herrsche. Sie ist in uns, wenn wir die Auflehnung des sinnlichen Begehrungsvermögens fühlen, aber sie herrscht nicht in uns, außer wenn wir ihr zustimmen. Gott will, daß wir Feinde haben, Gott will aber auch, daß wir sie zurückdrängen. Leben wir also mutig zwischen dem einen und dem anderen göttlichen Wollen. Erleiden wir in Geduld, angegriffen zu werden, aber trachten wir den Angreifern tapfer die Stirne zu bieten und Widerstand zu leisten.


Erfreue dich der Traurigkeit in der Buße

Der Büßer trauere immerzu, aber er erfreue sich immer seiner Traurigkeit. Augustinus

Es gibt eine gottgefällige Traurigkeit und zwar die der Sünder, wenn sie Buße tun. Die Traurigkeit einer echten Buße aber sollte eigentlich nicht Traurigkeit genannt werden, sondern Mißfallen am Bösen. Es sollte eine Traurigkeit sein, die nicht niedergeschlagen macht, die den Geist nicht lähmt, sondern ihn tätig, rege und bereitwillig macht. Eine Traurigkeit, die das Herz nicht niederdrückt, sondern es veranlaßt, sich immer wieder in eifervoller Andacht zu Gott aufzuschwingen. Eine Traurigkeit, die selbst mitten in den Bitternissen immer die Süßigkeit eines unvergleichlichen Trostes hervorbringt.


Trägheit des Herzens

Ich schlafe, und mein Herz wacht. Hdl 5,2

Wie armselig ist oft unsere Liebe, wie zögerlich unsere Antwort auf die Liebe des Herrn, der für uns so viel getan hat! Christus hat für uns den ganzen Weg durch das Dunkel des Leidens und die Finsternis der Gottesferne auf sich genommen. Er bittet: Wacht und betet. Wir folgen seinem Ruf oft nur zögerlich. Wie oft leben wir, obwohl unser Herz schon aufgeweckt wurde durch die göttliche Liebe, noch im Halbschlaf dahin! Wenn wir unseren täglichen Beschäftigungen nachgehen, ohne an Gott zu denken, haben wir unser Taufkleid gleichsam abgelegt und sind zu träge, uns anzukleiden. Wie oft scheuen wir die Mühe des Weges, uns aufzumachen, das bequeme Dahinleben zu unterbrechen und uns in die Gegenwart des Herrn zu begeben!


Dem Geliebten mein Herz öffnen

Mein Geliebter streckte die Hand durch die Luke. Da bebte mein Herz ihm entgegen. Hdl 5,4

Gott lässt sich nicht entmutigen von unserer schwächlichen Liebe. Er kennt unsere Unfähigkeit, ihm aus eigener Kraft entgegenzugehen und ihm die Tür zu öffnen. Deswegen streckt er seine Hand aus: Er kommt uns mit seinem Heiligen Geist zu Hilfe, dass wir uns zu ihm aufmachen und uns seiner Gegenwart öffnen können. Erst wenn Gott seine Hand durch die Luke hereinstreckt, wenn sein Heiliger Geist in unserem Innern wirkt, dann erwacht in uns die Liebe, die uns befähigt, ihm die Tür zu öffnen.

Ich stand auf, dem Geliebten zu öffnen. Hdl 5,5