Anmeldung ->

Philothea

Franz von Sales (Philothea)

Die nächsten vier Wochen und dann nochmal im August für 3 Wochen gibt es Gedanken aus dem Werk “Philothea – Anleitung zum frommen Leben” von Franz von Sales (1567-1622). Es ist das Buch, das mich am stärksten geprägt hat. Absolut lesenswert. Vom Schreibstil habe ich versucht, seine Gedanken an das Heute anzupassen. Franz von Sales fasst seine Gedanken häufig in Bilder. So bleiben sie besser hängen. Aus diesen Bildern lasse ich am Ende ein Meditationsbild entstehen.


Feuer und Flamme

Ich liebe den Herrn. Ps 116:1

Fromm ist man nicht dann, wenn man möglichst viele Gebete aufsagt oder andere religiöse Praktiken durchführt. Anders herum: Am Anfang der Frömmigkeit steht immer die wahre Gottesliebe. Diese Gottesliebe ist das Feuer, das in unseren Herzen brennt. Wenn dieses Feuer der Gottesliebe hohe Flammen schlägt, dann heißt es Frömmigkeit. Diese Flammen können sein: Bereitschaft, Entschlossenheit und Sorgfalt im Leben nach dem Willen des Herrn. Ist die Liebe das Feuer, dann sind die Flammen die Frömmigkeit oder in einem anderen Bild: Ist die Liebe eine Pflanze, dann ist die Frömmigkeit ihre Blüte. So hat die ganz Gott hingegebene Seele nichts anderes zu tun, als in Gottes Umarmung zu ruhen, wie ein Kind im Schoße der Mutter.  

Diese Fügsamkeit gegenüber Gott, die Willensbereitschaft in der Hingabe an alles, was seinen Dienst betrifft, ist nichts anderes als die Ausübung der Frömmigkeit. Johannes Paul II


Die Jakobsleiter

Eine Leiter war auf die Erde gestellt, die reichte mit der Spitze bis an den Himmel. 1. Mose 28:12

Die Jakobsleiter ist ein schönes Bild für ein frommes Leben. Eine Leiter ist ein Gerät zum Hinauf- und Hinabsteigen mit Sprossen, die links und rechts in zwei Holme eingepasst sind. Die beiden Holme stellen das Gebet dar. Das Gebet verbindet die Erde mit dem Himmel, uns Menschen mit Gott. Auf den Sprossen der Leiter dagegen steigt man sowohl hinab, um den Mitmenschen zu helfen und sie zu lieben und man steigt empor zur Liebesvereinigung mit Gott. Kontemplation und Aktion.    

Echte Frömmigkeit und wahre Gottesliebe lenken uns hin zur Arbeit, zu der manchmal mühsamen Erfüllung unserer täglichen Pflichten. Josefmaria


Allerlei Früchte und Blüten

Da sprach Gott: Die Erde lasse junges Grün sprossen, samentragende Pflanzen und Fruchtbäume, welche je nach ihrer Art Früchte auf Erden erzeugen. Gen 1,11

Bei der Schöpfung befahl Gott den Pflanzen, Frucht zu tragen, jede nach ihrer Art. So gibt er auch uns den Auftrag, Früchte der Frömmigkeit zu tragen, jeder nach seiner Art. Es gibt nicht DIE Frömmigkeit. Bei einem Priester sieht sie so aus, bei einem Lehrer so und bei einem LKW-Fahrer wiederrum so. Eines ist aber allen gleich: Die Früchte der Frömmigkeit sind anderen nützlich z.B. in der eigenen Ehe, wo mit wachsender Frömmigkeit man sich umso herzlicher und zärtlicher begegnet oder im Umgang mit dem Nächsten, wo wir schneller als früher Nachsicht und Barmherzigkeit walten lassen oder im Umgang mit Schwächeren, denen wir in Fürsorge zugedacht sind. Was sind die Blüten unseres Herzens anderes als eben dies.  

Die Blumen beginnen zu blühen. Hoheslied 2:12


Der Sonnenaufgang – Geduld mit sich selbst

Wer aber Gott gehorcht, dessen Leben gleicht einem Sonnenaufgang: Es wird heller und heller, bis es lichter Tag geworden ist. Sprüche 4:18‭-‬19

Die Sonne ist nicht plötzlich da. Sie geht langsam auf. Wenn wir uns dazu entscheiden fromm zu leben, legen wir unseren “alten” Menschen nicht von jetzt auf gleich ab, es ist ein Prozess, der Schritt für Schritt vor sich geht und mit Mühe verbunden ist. Wir brauchen daher Mut und Geduld. Wenn wir auf unserem Weg mit unseren vielfältigen Unvollkommenheiten konfrontiert werden, so soll uns dass nicht unruhig oder mutlos machen. Das Bemühen um die Reinigung unserer Seele kann und soll nur mit unserem Leben ein Ende finden. Regen wir uns also nicht auf über unsere Unvollkommenheiten: unsere Vollkommenheit besteht eben darin, daß wir die Unvollkommenheiten bekämpfen. Unser Sieg besteht darin, daß wir uns ihnen nicht beugen.


Die gegenwärtige Uhr

Jetzt ist der Tag des Heils! 2. Kor 6:2

  Wenn wir uns dazu entscheiden, fromm zu leben und uns ganz der Gottesliebe hinzugeben, verändert das unser Leben grundlegend. Ein altes Leben wird darin zurück gelassen. Eine Versuchung liegt darin, sich immer wieder nach diesem alten Leben umzuschauen oder träumerisch in die Zukunft zu blicken. Frommes Leben ist immer gegenwärtiges Leben. Wir sind wie eine “alte” Uhr, die man täglich aufziehen muss, damit sie gegenwärtig im Hier und Jetzt tickt. Jeder, der für seine Seele Sorge trägt, sollte diese Uhr am Morgen und am Abend aufziehen, um sie wieder instand zu setzen und auf Gott zu stimmen  

Dieses Leben ist kurz, aber von großem Wert, da wir durch dasselbe das ewige erwerben können. Selig, die es verstehen, es in diesem Sinn zu gebrauchen. Franz von Sales


In den Fußstapfen Jesu gehen

Christus hat für euch gelitten, euch ein Beispiel hinterlassend, damit ihr seinen Fußstapfen nachfolgt. 1.Petr 2,21

Meine Seele, du bist Gottes fähig! Begnüge dich daher nicht mit weniger als mit Gott. Blicke auf zum Himmel, verliere ihn nicht um der Erde willen! Blicke auf zu Jesus. Lass dich ganz in ihn hinein fallen, so dass du von Herzen sagen kannst: Ich gehöre nicht mehr mir, ob ich lebe oder sterbe: ich gehöre meinem Heiland. Ich habe kein Ich und kein Mein mehr. Mein Ich ist Jesus, mein Anteil ist, ihm zu gehören. Die Liebe Christi bewegt mein Herz, Jesus immer enger nachzufolgen, in seine Fußstapfen zu treten. Das ist ein frommes Leben. Im konkreten Leben bedeutet es nichts anderes, als die Liebe zu leben.  

Bleib treu und beharrlich bei deinem Vorhaben eines frommen Lebens!


Rohr und Säule

Erkennt, dass der Herr allein Gott ist! Er hat uns geschaffen, wir gehören ihm ! Ps 100:3

Dienen wir Gott voll Freude. Was immer du zu tun beginnst, rufe zuerst den Herrn an. Lass nicht ab, ihm Dank zu sagen. Ohne die göttliche Gnade können wir nichts, mit ihr aber alles vermögen. In der Hand der himmlischen Gnade wird das gebrechliche Rohr zur unerschütterlichen Säule. Sei also in Frieden und lege alle ängstlichen Gedanken und Vorstellungen beiseite.  

Denn der Herr ist gut zu uns, seine Gnade hört niemals auf, für alle Zeiten hält er uns die Treue. Ps 100:5


Gott hat mich erschaffen

O Gott, ich bin das Werk Deiner Hände Ps 138,8

Es ist noch nicht lange her, da warst du noch nicht auf der Welt. Du warst nicht. Gott hat dich aus diesem Nichts hervorgehen lassen, um dich zu dem zu machen, was du bist, ohne daß er dich gebraucht hätte, einzig durch seine Güte. Dankbarkeit steigt in mir auf. Ich will mir der Ehre bewußt sein, daß er mir das Leben geschenkt hat und es ausschließlich zur Erfüllung seines Willens gebrauchen. Mein Gott, ich opfere Dir das Sein auf, das Du mir gegeben. Ich schenke und weihe Dir mein Herz.  

Er hat dich erschaffen, nicht du hast dich selbst gezeugt. Ps 100,3


Gottes tut mir Gutes

Ich will den Herrn loben und nie vergessen, wie viel Gutes er mir getan hat. Ps 103:2

Betrachte immer wieder all das Gute, dass der Herr am dir tut: Freuden allerlei Art! Du bist sein geliebtes Kind. Er lenkt dich auf deinem Weg. Er vergibt dir noch und noch. Er bleibt dir treu und ist dir immer nah, gerade auch in den schweren Stunden. Empfangen dürfen wir ihn im verwandelten Brot, ansprechen an allen Orten zu jeder Zeit, so sind wir nie allein. Welch Gnade! Welch Geschenk! Betrachte und staune wie gütig Gott gegen dich ist. Dankbarkeit! Mein Gott, du sollst in Zukunft allein der Gegenstand meines Denkens sein. Deshalb gab er uns den Verstand, ihn zu erkennen, das Gedächtnis, sich seiner zu erinnern. In dieser Absicht sind wir erschaffen.  

Denen, die Gott lieben, verwandelt er alles in Gutes, auch ihre Irrwege und Fehler lässt Gott ihnen zum Guten werden. Augustinus


Gott wird mich holen zur bestimmten Stunde

Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden. Ps 90:12

Bedenke deinen Tod. Unbestimmt ist der Tag deines Todes, wo wir von allem Weltlichen Abschied nehmen müssen, von allem Besitz, von Menschen, ja von unserem Leib selbst, der schon ein paar Tage nach unserem Tod vergraben wird. Nachher wird kaum noch jemand an dich denken. Herr, gib ihm die ewige Ruhe, wird man sagen, das ist alles. Tod, wie bist du gewaltig! Bete zu Gott. Wirf dich in seine Arme. Da du die Stunde nicht kennst, zu der du die Welt verlassen mußt, hänge dein Herz nicht an die Welt. Danke Gott, daß er dir die Mittel bietet, dich für diesen Tag zu sichern und dir Zeit zur Buße gewährt. Deine Sorge sei, daß der Übergang ins Jenseits ein glücklicher werde.


Gott im Himmel ist unser Ziel

Die Völker werden in dem Licht leben. Offb 21:24

Wie begehrenswert ist dieser Ort, immer dürfen wir dort Gottes Anblick genießen. Welche Freude, immer mit seinem Schöpfer verbunden zu sein! Erwecke eine innige Sehnsucht nach dieser herrlichen Stätte. Wandere nach diesem gesegneten Land und meide Dinge, die dich vom Weg dorthin abbringen. Wende dich deinem gütigen und barmherzigen Gott zu und sei unwiderruflich entschlossen, ihm zu dienen und ihn zu lieben, jetzt und ewig. Weihe ihm zu diesem Zweck deinen Geist mit all seinen Fähigkeiten, deine Seele mit all ihren Kräften, dein Herz mit all seiner Liebe, deinen Leib mit all seinen Sinnen.  

Dieses Leben ist ein Vorzimmer des Himmels. Unsere größten Freuden sind nur die ersten Früchte und der Vorgeschmack der ewigen Freude, die noch kommen wird. Ja, das Beste kommt noch. Corrie ten Boom


Lossagen von der Anhänglichkeit zur Sünde

Tote Fliegen bringen duftende Salben zum Stinken. Pred 10:1

Bleiben Mücken an einer Salbe hängen und gehen zugrunde, dann verdirbt die Salbe. Was bedeutet dieses Bild: Sünden und allerlei Unvollkommenheiten (Lügen, unschöne Worte etc.) schaden dem Frommen im Innersten nicht. Sie passieren uns. Kein Mensch ist ohne Sünde. Oft verfehle ich mich in Wort und Tat. Hängt er allerdings daran und hat im Inneren kein Problem damit oder gar Freude daran, schlägt dies in der Seele Wurzeln und verdirbt so die eigene Frömmigkeit. Wir können nie ganz frei von läßlichen Sünden sein, jedenfalls können wir es nicht lange bleiben. Aber von der Anhänglichkeit an sie können wir wohl frei werden.  

Um die Anhänglichkeit an die Sünden zu vermeiden, will ich sie benennen und bekennen.


Jeden Tag neu die Flügel schwingen

Ein Vogel weiß nicht, dass er fliegen kann, bevor er seine Flügel benutzt. Wir erfahren Gottes Liebe in unseren Herzen, sobald wir danach handeln. Corrie ten Boom

Vögel fallen zu Boden, wenn sie nicht ständig die Flügel bewegen. Deshalb mußt du oft deinen Entschluß erneuern, Gott zu dienen, sonst fällst du in den früheren Zustand zurück oder noch tiefer. Erwägunge stets die Gnade der Berufung. Ist es nicht ein Glück, im Gebet mit Gott sprechen zu können, ihn lieben zu dürfen, viele Leidenschaften gedämpft zu sehen, die dich beunruhigten, von vielen Sünden und Gewissensnöten verschont zu sein, die heilige Kommunion oft empfangen zu dürfen? Wie groß sind doch diese Gnaden!  

Wie ich jeden Tag essen und trinken muss, um zu leben, so muss ich auch jeden Tag Christus aufs Neue genießen. Hermann Heinrich Grafe


Jeden Tag neu die Saiten stimmen

Wie freue ich mich über den Herrn – möge ihm mein Lied gefallen! Ps 104:34

Dieser Vergleich des Franz von Sales hat mich als Musiker natürlich besonders angesprochen, denn eine verstimmte Gitarre ist eine Qual für die Ohren: Ein Gitarrenspieler zupft an allen Saiten und stimmt die falsch klingenden richtig, indem er sie entweder spannt oder nachläßt. So prüfen wir nacheinander die Liebe, den Haß, die Wünsche, die Furcht, die Hoffnung, die Traurigkeit und die Freude unserer Seele. Stimmen sie nicht gut zur Melodie, die wir spielen wollen, d. h. zur Ehre Gottes, dann können wir sie mit seiner Gnade darauf abstimmen, damit sie harmonisch zusammenklingen. Man erkennt den Zustand der Seele an den Leidenschaften, indem man sie der Reihe nach abtastet: wie steht es mit meiner Geduld, Sanftmut, Freude usw.  

Wer die Saiten seiner Seele von Gott am Beginn des Tages im Gebet stimmen lässt, der wird nicht verstimmt durch den Tag gehen. Friedhold Vogel


Die Quelle des Gebetes

Du bist eine sprudelnde Quelle mit frischem Wasser. Hld 4:15

Man zieht sich zu Gott zurück, wenn man sich zu ihm erhebt und man erhebt sich zu ihm, um sich in ihn zurückzuziehen. So sind die Erhebungen zu Gott und das Zurückziehen in die geistige Einsamkeit eng miteinander verbunden. Das Gebet versetzt uns in die Wärme der göttlichen Liebe, es macht uns innerlich hell und reinigt uns so von allem Dunklen. Das Gebet ist die Quelle, deren Wasser in uns unsere guten Wünsche zum Blühen bringt und unser so oft erhitztes Herz abkühlt. Denn im Gebet sind wir direkt mit ihm verbunden, wird er selbst zur sprudelnden Quelle für uns.  

Das Gebet des Christen ist niemals ein Monolog. Josemaría Escrivá


Auf Christus schauen

Ich bin das Brot des Lebens. Joh 6:48

Jesus nennt sich das Brot des Lebens. Wie zu jedem Essen zumeist das Brot gehört, so sollen auch wir Christus in allen unseren Gebeten und Handlungen betrachten, ansehen und suchen. Wenn du Christus oft betrachtest, wird deine Seele von ihm erfüllt, du lernst seine Art und Weise kennen und deine Handlungen nach den seinen formen. Kinder lernen sprechen, indem sie der Mutter zuhören und alles nach zu sprechen versuchen. So werden auch wir, wenn wir Christus betrachten, sein Denken und Fühlen beobachten, bald durch ihn reden und handeln.  

Man ist oft in der Gefahr, auf seinen eigenen Glauben zu schauen. In der Bibel steht aber: Lasst uns aufsehen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens. Corrie ten Boom


Sich in Gottes Gegenwart versetzen

Stiege ich hinauf zum Himmel, so bist du da; machte ich das Totenreich zu meinem Lager, siehe, so bist du auch da! Ps 139:8

Beginne jedes Gebet damit, dich in Gottes Gegenwart zu versetzen. Gott ist in allem und überall. Es gibt keinen Ort, wo er nicht wirklich gegenwärtig wäre. Wohin die Vögel auch fliegen, sie bewegen sich in der Luft. So finden auch wir, wohin immer wir gehen mögen, Gott überall gegenwärtig. Jeder kennt diese Wahrheit, aber wie viele gibt es, die sie wirklich erfassen und wie häufig vergessen wir es schlicht und einfach? Wenn du also betest, dann sag von ganzem Herzen zu deiner Seele: Wahrhaftig, Gott ist hier, wahrhaftig, er ist in deinem Herzen. Bete daher nicht hastig, um viel beten zu können, sondern bemühe dich, was du betest, von Herzen zu beten. Ein Vater unser innig gebetet ist mehr wert, als viele rasch und eilfertig heruntergeleiert.  

In Gott leben wir, bewegen wir uns und sind wir. Apg 17,28


Verkoste das Wort Gottes.

Dein Wort ist wie ein Licht in der Nacht, das meinen Weg erleuchtet. Ps 119:105

Die heilige Schrift sei dein täglicher Wegbegleiter. Durch sie spricht Gott zu dir. Dabei kommt es nicht unbedingt auf ein langes Studium an. Schon ein Bibelvers, echt ins Herz genommen, genügt häufig. Ein Bibelvers, der ein Gefühl in uns erweckt und uns zu ihm hinzieht und sich zuletzt im Willen zu guten Werken äußert. Spricht dich also ein Wort der heiligen Schrift an, dann bleib dabei, ohne gleich weiterzugehen, wie die Bienen von einer Blume nicht fort fliegen, solange sie Honig finden. Die heutige Hetze ist ein schlimmes Übel. Es geht nicht nur um ein schnelles Lesen in der Schrift, sondern um ein wirkliches Verkosten dieser Worte, die unsere Seele zum Heil führen.


Vorsätze für den Tag

Werdet nicht müde, Gutes zu tun! 2. Thess 3:13

So wie wir Nahrung verkosten, damit sie in unserem Körper wirkt und Kraft gibt, so soll auch das Verkosten des Wortes Gottes in uns gute Werke wirken. Mache dir Vorsätze für den Tag, möglichst konkret, also nicht einfach “Ich möchte Gutes tun” oder “Ich möchte mehr lieben”, sondern z.B. “Heute begegne ich einer einer schwierigen Person X. Ich möchte innerlich ruhig bleiben und ihr mit Sanftmut begegnen.” Es geht hier nicht nur um Wortbekenntnisse. Es ist notwendig, dass du den Entschluß, den du gefasst hast, festhälst und sorgfältig ausführst. Der Entschluss ist ja Frucht des Gebetes und des Wortes Gottes. Habe ich mir z.B. vorgenommen, jemand, der mich beleidigt hat, zu verzeihen, so suche ich an diesem Tag den Betreffenden zu begegnen, um ihn freundlich zu grüßen.


Die Blumen zeigen sich im Land. Hld 2,12

Wer in einem schönen Garten spazieren geht, nimmt gern einige Blumen mit, um sich an ihrem Wohlgeruch zu erfreuen und sie den ganzen Tag bei sich zu haben. Nimm also diesen geistlichen Blumenstrauß mit in den Tag: ein Bibelvers, der dich angesprochen hast und über denn du nachgedacht hast, Vorsätze, die du dir vorgenommen hast, die Ruhe und Stille, die du beim Verweilen beim Herrn erlebt hast. Beschließe das Gebet mit drei Dingen. Erstens die Danksagung, für die Gefühle, die Worte, die Vorsätze, die Gott dir darin geschenkt hat, dass du bei ihm verweilen durftest. Zweitens die Bitte, dass Gott dir die Gnade mitteilt, die Vorsätze auch treu durchführen zu können. Drittens die Aufopferung, dass du alles an diesem Tag zur Ehre Gottes tun wirst.  

Ein Tag ohne Gebet ist wie ein Himmel ohne Sonne, wie ein Garten ohne Blumen. Joh Paul XXIII


Kostbare Flüssigkeit

Ich bin zur Ruhe gekommen, mein Herz ist zufrieden und still. Ps 131:2

Wer in einem schönen Porzellangefäß eine kostbare Flüssigkeit nach Hause trägt, wird gewiß vorsichtig gehen. Nach deinem Morgengebet nimm dich also in Acht, deinem Herzen keinen Stoß zu versetzen. Damit verschüttest du das Kostbare, dass du im Morgengebet gewonnen hast. Bleibe soweit möglich eine Zeit lang still, wende dich ganz ruhig vom Gebet zur Arbeit hin und halte, solange es dir möglich ist, die Stimmung und die Gefühle fest, die du beim Gebet empfangen hast. Zerstreue dich nicht sogleich, sondern schau ruhig vor dich hin. Triffst du jemand, mit dem du sprechen mußt, so tu es ruhig, schau aber zugleich auf dein Herz, damit die kostbare Flüssigkeit deiner Geistessammlung so wenig wie möglich ausfließe.  

Das Heute ist unser kostbarster Besitz. Das einzige, was wir ganz sicher besitzen. Dale Carnegie


Die Morgenübung.

Du bist mein Gott. Früh suche ich dich! Ps 63:2

All dies soll kurz und lebendig vollzogen werden, nach Möglichkeit, bevor du aus deinem Zimmer gehst, damit durch diese Übung alles von Gottes Segen befruchtet sei, was du tagsüber tust. Danke Gott für die Gnade, dass er dich in der vergangenen Nacht erhalten hat. Dann denke daran, daß der gegenwärtige Tag dir gegeben wurde, damit du durch ihn die Ewigkeit gewinnst. Nimm dir fest vor, den Tag dafür gut zu nützen. Überlege im voraus, was auf dich zukommt, welche Möglichkeiten dir geboten werden, Gott zu dienen, welche Versuchungen oder Gefahren auf dich zukommen könnten. Nimm dir vor, Gott zu dienen und alles zu meiden, was dein Seelenheil gefährdet. Zuletzt demütige dich vor Gott. Gibt zu, dass du aus eigener Kraft nichts kannst, weder das Schlechte meiden noch das Gute vollbringen kannst.


Die Abendübung und die Gewissenserforschung

Er machte abends noch einen Spaziergang, um nachzudenken und zu beten. Gen 24:63

Die Gewissensforschung am Abend beinhaltet folgende Dinge: Danke Gott, dass er dich diesen Tag erhalten hat. Prüfe dein Verhalten während des ganzen Tages. Glaubst du etwas Gutes getan zu haben, so danke Gott. Hast du aber in Gedanken, Worten oder Werken gesündigt, dann bitte Gott um Verzeihung und nimm dir vor, es bei der nächsten Gelegenheit besser zu machen. Bitte Gott um seinen Segen und begib dich zur Ruhe, die uns nach seinem Willen notwendig ist.  


Die Einkehr in den inneren Raum

Deine Liebe habe ich ständig vor Augen. Ps 26:3

Unser Herz sollte im Inneren jeden Tag einen Platz suchen, einen inneren Raum, um sich dorthin inmitten der äußeren Arbeit bei jeder Gelegenheit zurück zu ziehen, sich dort zu stärken und zu erholen und sich wie in einer Festung gegen die Versuchung zu verteidigen. Führe also dein Herz immer wieder in die Einsamkeit, während du nach außenhin im Gespräch oder bei Geschäften bis. Diese geistige Einkehr kann in keiner Weise durch die Gegenwart vieler Menschen verhindert werden. Sie umgeben dich ja nur äußerlich, während dein Herz ausschließlich in der Gegenwart des Gottes bleibt. Gespräche sind ja gewöhnlich nicht so wichtig, daß man nicht von Zeit zu Zeit sein Herz davon zurückziehen könnte, um es in diese göttliche Einsamkeit zu führen. Zieh dich also zuweilen von allen Gedanken zurück in dein Herz, damit deine Seele fern von allen Menschen innigste Zwiesprache mit Gott halten kann. Franz von Sales


Kurze Herzensgebete (Stoßgebete)

Herr, gib mir Mut und Kraft! Neh 6:9

Erhebe dich oft zu Gott durch kurze und herzerfüllte Herzensgebete, auch Stoßgebete genannt. Sie lassen sich in alle Situationen einbinden und unterstützen diese. Wenn unser Geist ständig innig mit Gott verkehrt, dann wird er ganz vom seinem Duft durchdrungen. Der Wanderer bleibt einen Augenblick stehen, wenn er einen Schluck Wasser nimmt. Dadurch unterbricht er nicht seine Reise, sondern holt sich nur Kraft, um besser voran schreiten zu können. Es ist gut, eine gewisse feste Anzahl solcher Stoßgebete parat zu haben. Wir sollten uns allerdings nicht auf bestimmte Worte festlegen, sondern aus dem Herzen frei die Worte sprechen, die dir im Augenblick die Liebe eingibt.    

Stoßgebete sind Pfeile in den Himmel. Augustinus


Einsprechungen

Ich schlief, doch mein Herz war wach. Da, es klopft. Mein Liebster kommt! Hdl 5:2

Der heilige Geist spricht mitten am Tag zu uns ohne unser Zutun durch Einsprechungen. Gewissermaßen weist er uns auf dieses oder jenes hin, um uns zum Guten zu führen. Freuen wir uns über solche Einsprechungen, stimmen ihnen zu und führen sie aus. Er ruft uns. An uns liegt es, ob wir ihn hören. Wie allmächtig auch die Kraft der barmherzigen Hand Gottes ist, die die Seele mit so vielen Einsprechungen, Anregungen und Lockungen rührt, umhüllt und fesselt, der menschliche Wille bleibt doch stets vollkommen frei, ohne einem äußeren oder inneren Zwang zu unterliegen. Franz von Sales    

Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm! Hdl 2:10


Bilder für das fromme Leben nach Franz von Sales

Die Flamme als Bild für die Frömmigkeit, die sich aus dem Feuer der Gottesliebe speist.   Die Leiter als Bild dafür, dass unser Leben ein Ineinander von Kontemplation und Aktion ist.   Die Vielfalt der Früchte als Bild für die Vielfalt der Formen der Frömmigkeit, die aber immer dem anderen nützlich sind.   Der Sonnenaufgang als Bild dafür, dass das Voranschreiten im frommen Leben nicht plötzlich, sondern Schritt für Schritt in aller Geduld vor sich geht.   Die auf zu ziehende Uhr als Bild dafür, dass frommes Leben nur gegenwärtig sein kann.   Rohr und Säule als Bild dafür, dass wir zwar schwach sind, in Gottes Kraft und Gnade jedoch stark.   Die Fußstapfen Jesu als Bild dafür, dass wir allein ihm folgen wollen.   Gottes Hände als Bild dafür, dass er mich erschaffen hat und mir Gutes tut. Gott im Himmel ist mein Ziel. Zur bestimmten Stunde wird er mich holen.   Der Flügel schwingende Vogel als Bild dafür, dass wir täglich neu unsere geistlichen Flügel schwingen müssen, um uns zu Gott zu erheben.   Die Vögel in der Luft als Bild für die Allgengenwart Gottes, in der wir leben und die wir uns am Anfang des Gebetes bewusst machen.   Die zu stimmende Gitarre als Bild dafür, dass wir täglich neu unsere Seele auf Gott hin stimmen müssen.   Die Quelle als Bild für das Gebet, dass uns in der Verbindung zu Gott Leben schenkt.   Die Biene an der Blume als Bild dafür, dass wir Gottes Wort genußvoll meditativ verkosten sollen   Der Blumenstrauß als Bild dafür, dass wir im Garten des Gebetes uns ansprechende Blumen (Bibelvers, Vorsätze, Gefühle) mit in den Tag nehmen dürfen.   Kostbare Flüssigkeit im Porzellangefäß als Bild dass wir mit der Stimmung des Morgengebets und den darin enthaltenen Geschenke Gottes sorgsam in den Tag gehen.   Der innere Raum als Bild für den Ort, an den sich unser Herz über den Tag hinweg immer wieder zurück ziehen kann und soll, um bei Gott zu verweilen   Pfeile als Bild für kurze Herzensgebete (Stoßgebete), die unerlässlich, kostbar und wirkungsvoll sind