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Gottesliebe

1. Freundschaft mit Gott

Das Einzigartige an dieser Liebe ist: Nicht wir haben Gott geliebt, sondern er hat uns seine Liebe geschenkt. 1. Joh 4:10

Diese Liebe ist Freundschaft mit Gott. Es ist keine Liebe, die etwas haben will. Denn durch die Gottesliebe lieben wir Gott um der Liebe seiner selbst willen in Anbetracht seiner Güte. Von Ewigkeit her liebte Gott jede Seele. Wir wissen um seine Liebe zu uns, da er sie laut verkündet hat. Er treibt er seine heilige liebevolle Beziehung zu uns auf die Spitze, indem er sich schenkt in Christus. Die Freundschaft ist echte Freundschaft, weil sie gegenseitig ist. Gott weiß doch, daß wir ihn lieben. Wir besprechen uns mit ihm jederzeit, so oft wir wollen, im heiligen Gebet, da wir all unser Leben, unsere Bewegung und unser Sein nicht nur mit ihm haben, sondern in ihm und durch ihn.

In ihm leben, weben und sind wir. Apg 17:28


2. Der liebende Blick auf den Menschen

Darum, weil du kostbar bist in meinen Augen und wertgeachtet und ich dich lieb habe, so gebe ich Menschen für dich hin und Völker für dein Leben. Jes 43:4

Gott betrachtet uns mit Augen der Liebe, deshalb sind wir in seinen Augen teuer und wertvoll. Er sieht uns jetzt schon so, wie wir einst, geläutert von unseren Sünden, in der Herrlichkeit des Himmels sein werden. Er sieht uns jetzt schon in unserer künftigen Schönheit. Das ist der Blick Gottes auf uns. Was für ein Geschenk, diesen Blick Gottes auf uns zu kennen! Dieser Blick seiner barmherzigen Liebe heilt. Er heilt die Wunden der Sünde und den Schmerz, den die unbarmherzigen Blicke der anderen uns zugefügt haben. Dieser Blick Gottes auf uns vermag uns wieder aufzurichten, wenn wir im Blick auf unsere Schwachheit und Sünde verzagt und traurig am Boden liegen.


3. Schön bist du!

Schön bist du, meine Freundin, ja, du bist schön. Hdl 1,15

Neun Mal sagt der Bräutigam (Jesus) im Hohenlied zu seiner Geliebten (du): Schön bist du! Er kann es nicht oft genug wiederholen, so hingerissen ist er von ihrer Schönheit. Wie Liebende immer wieder die Schönheit des anderen bewundernd betrachten, so hört auch Gott nicht auf, den Menschen mit dem bewundernden Blick der Liebe zu betrachten. Der König nennt sie Freundin! “Ihr aber seid meine Freunde.” (Joh 15:15) Welch barmherziges Herabneigen Gottes zu uns! Die Schönheit der Seele ist eine Gabe Gottes. Er verleiht sie ihr durch den Heiligen Geist. Dieser Geist ordnet, was in Unordnung geraten ist, und stellt die durch die Sünde verunstaltete menschliche Natur wieder her. Er formt uns nach dem Bild des Sohnes zu einer neuen Schöpfung um. Der Heilige Geist macht unser Herz demütig und mild, gleich dem Herzen Jesu.

Alles an dir ist schön, meine Freundin. Hdl 4,6-7


4. Gottes Liebe ist das Wertvollste

Süßer als Wein ist deine Liebe. Hdl 1,2

Die Liebe des dreifaltigen Gottes ist größer und höher als alles, was es in der Welt gibt. Nur sie vermag das Herz ganz und dauerhaft zu erfüllen, nur sie schenkt Genuss ohne böses Erwachen, festliche Freude ohne Verdrängung der Wirklichkeit, die Ekstase der vollkommenen Hingabe ohne Verlust der Identität. Solange wir das nicht verstanden haben, werden wir nicht aufhören, irdischen Gütern nachzujagen, als vermöchten sie endgültige Erfüllung zu schenken. Nur wenn wir die alles überragende Güte Gottes erkennen, werden wir uns lösen von falschen Bindungen an irdische Güter. Dann werden wir freie Menschen. Der Tod trennt die Seele der Sterbenden vom Leib und von allen Dingen der Welt. Auch die heilige Liebe trennt die Seele der Liebenden von ihrem Leib und von allen Dingen der Welt. Es gibt hier nur den einen Unterschied, daß der Tod dies immer in Wirklichkeit tut, was bei der Liebe für gewöhnlich nur im Herzen geschieht.

Die Liebe ist stark wie der Tod Hld 8,6


5. Das erste und größte Gebot

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken. Das ist das erste und größte Gebot. Mt 22:37‭-‬38

Dieses Gebot gibt, einer Sonne gleich, allen anderen heiligen Gesetzen, allen göttlichen Anordnungen und allen heiligen Schriften Glanz und Würde. Alles ist dieser himmlischen Liebe wegen gemacht und alles bezieht sich auf sie. Alle Ratschläge, Ermahnungen, Eingebungen und die übrigen Gebote sind wie Blüten an dem heiligen Baum dieses Gebotes und das ewige Leben ist dessen Frucht. Alles, was nicht auf die ewige Liebe hinzielt, zielt auf den ewigen Tod. O himmlische Liebe, wie liebenswert bist du unseren Seelen! Gepriesen sei auf ewig die Güte, die uns mit solcher Liebe befiehlt, daß wir sie lieben, obwohl ihre Liebe so wünschenswert und notwendig für unser Glück ist, daß wir ohne sie nur unglücklich sein können!


6. Befreiung von Anhänglichkeiten

Habt nicht lieb die Welt, und nicht was in der Welt ist. Wenn einer die Welt lieb hat, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm. 1. Johannes 2:15

Alle wahren Liebenden sind sich darin gleich, daß alle ihr ganzes Herz Gott schenken und dies aus ganzer Kraft tun. Ungleich aber sind sie dadurch , daß sie alle es anders und auf verschiedene Weise tun. Es gibt solche, die zwar fest entschlossen sind, Gott zu lieben, aber doch noch schwach sind. Sie lieben wohl die göttliche Güte, ihre heilige Liebe ist aber vermengt mit so vielen anderen Zuneigungen, daß sie sozusagen noch im Kindesalter steht. Sie lieben außer dem Herrn noch eine Unzahl überflüssiger, eitler und gefährlicher Dinge. Ihre Liebe ist noch schwach und jung und da sie von einer Menge anderer Anhänglichkeiten umgeben ist, kann sie nicht so viele Früchte hervorbringen, als wenn sie das ganze Herz besäße. Wenn die Liebe zu geschaffenen Dingen unseren Geist auf ihre Seite ziehen und zum Ungehorsam gegen Gott verleiten will, dann stellt sich die gottliebende Seele dem entgegen mit der Frage: Wer ist wie Gott? Was haben die geschaffenen Dinge Gutes an sich, das es das menschliche Herz mehr als Gott anziehen könnte? Weltliche Reichtümer und Genüsse haben etwas Verlockendes, wer aber in diese Äpfel beißt, wird betäubt werden. Wer ihnen zu große Aufmerksamkeit schenkt, stirbt daran. Um solcher Trugbilder von Genüssen willen verlassen wir die Liebe des himmlischen Bräutigams! Wie können wir aber dann sagen, daß wir ihn über alles lieben, wenn wir seiner Gnade solch geringfügige Eitelkeiten vorziehen?


7. Die Gottesliebe geht über alles

Liebt den Herrn , euren Gott, bemüht euch immer wieder darum, denn es geht um euer Leben! Jos 23:11

Alle Gottliebenden haben das gemeinsam, daß sie Gott über alles lieben. Es ist die Liebe, die über jede andere Liebe vorherrschen und alle unsere Leidenschaften beherrschen muß. Das ist es, was Gott von uns fordert. Die Liebe, die wir ihm entgegenbringen, muß die herzlichste sein, die unser ganzes Herz beherrscht. Sie muß die innigste sein, die unsere ganze Seele in Beschlag nimmt, die allgemeinste, die all unsere Fähigkeiten in ihren Dienst stellt, die erhabenste, die unseren ganzen Geist erfüllt und die standhafteste, die unsere ganze Stärke und Kraft in Tätigkeit setzt.


8. Die Liebe ist das Leben unseres Herzens

Wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein. Mt 6:21

Die Liebe ist das Leben unseres Herzens. Alle unsere Affekte folgen unserer Liebe. Wessen Herz Beute einer niedrigen, verwerflichen Liebe geworden ist (Geldgier, Ehrsucht, Geilheit), der unternimmt nur, was sich darauf bezieht. Sie werden zu Sklaven dessen, was sie lieben. Sie haben kein Herz in der Brust, keine Seele in ihrem Herzen, keine Liebe in ihrer Seele als nur dafür. Ebenso ist es aber auch mit der Gottesliebe. Wer einmal die Liebe zu Gott in etwas reichlicherem Maße besitzt, hat kein anderes Verlangen als nach Gott, keine Furcht außer vor Gott, keine Hoffnung außer auf Gott, keinen Mut außer durch Gott, keine Freude außer in Gott. Alle seine Regungen werden in dieser einzigen himmlischen Liebe ihre Ruhe finden.


9. Gott Verlangen nach unserer Liebe

Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Offb 3:20

Jesus hat Sehnsucht danach, dass wir ihn lieben. Seine Liebe zielt nach unserem Heil, unser Heil aber nach seiner Liebe. Mit welcher Liebe verlangt doch das göttliche Herz nach unserer Liebe! Die Sonne überströmt alles mit ihrer belebenden Wärme und spendet jedem die nötige Kraft, Früchte zu bringen. Genau so belebt auch die göttliche Güte alle Seelen und ermutigt die Herzen zur Liebe. Er geht sogar von Tür zu Tür, klopft an und beteuert, daß er bei jedem, der ihm auftut, einkehren und Gastmahl mit ihm halten, jede Art Gnade und Wohlwollen ihm erzeigen wird

Jetzt streckt er seine Hand durch die Öffnung in der Tür. Mein Herz schlägt bis zum Hals, weil er in meiner Nähe ist. Hoheslied 5:4


10. Schätze im Himmel

Sammelt euch Schätze im Himmel. Mt 6,20

Ein einziger Schatz genügt nach dem Willen dieses göttlichen Liebhabers nicht. Er will, daß wir viele Schätze besitzen, daß unser Schatz aus vielen Schätzen bestehe. Das will heißen, daß wir ein unersättliches Verlangen haben sollen, Gott zu lieben, um immerfort Liebe auf Liebe zu häufen. Was treibt die Bienen mehr an, ihren Honig zu vermehren, als die Liebe, die sie zu ihm haben? Fühlen wir in uns das Verlangen nach der heiligen Liebe, so wissen wir, daß wir zu lieben beginnen. Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen Deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer Deiner Liebe.

O lieben! O voranschreiten! O sich selbst sterben! O zu Gott gelangen! Augustinus

11. Liebesverlangen Gottes

Deine Gestalt gleicht einer hohen Dattelpalme, und deine Brüste sind wie ihre Früchte. Ich sagte mir: Ich will auf die Palme steigen und nach ihren reifen Früchten greifen. Freuen will ich mich an deinen Brüsten. Hoheslied 7:8‭-‬9

Das Liebesverlangen Gottes nach uns ist geistiger Natur, aber das Bild der geschlechtlichen Liebe vermag die Heftigkeit und Leidenschaftlichkeit der göttlichen Liebe herauszustellen wie kein anderes. Ja, viel größer ist das Verlangen Gottes nach dem Menschen, als der Mensch es sich je ausdenken könnte, und viel größer, als der Mensch je nach der Gemeinschaft mit Gott verlangen könnte. Wenn man nicht schweigen will, bleibt keine andere Möglichkeit, als die stärksten Bilder der Schöpfung für das Verlangen Gottes nach dem Menschen zu verwenden.


12. Die Liebe des Kreuzes

Unter dem Apfelbaum, da habe ich deine Liebe geweckt. Hoheslied 8:5

Die unzerstörbare Einheit der Liebe nimmt ihren Anfang vom Apfelbaum, dem Baum der Liebe: das ist der Baum des Kreuzes. Dort hat Christus alles Trennende auf sich genommen. Durch Kreuz und Auferstehung hat er uns aus dem Todesschlaf der Gottferne geweckt. Das Kreuz ist Zeichen einer sich völlig entäußernden Liebe, des reinsten und stärksten Verlangens Gottes nach dem Menschen, der sich seiner Liebe verweigert. Bei einem Siegel ist das Wachs untrennbar mit dem Papier verbunden. Das Siegelzeichen zeigt, wem das Blatt Papier gehört. Der Bräutigam bittet die Braut, ihn wie ein Siegel an Herz und Arm zu tragen d.h., ihn in jedem Moment in ihrem Herzen und in ihren Gedanken zu tragen und ihn anzubeten in Liebe.

Setze mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel an deinen Arm! Denn die Liebe ist stark wie der Tod, Hohelied 8:6


13. Gott gibt die Liebe

Was besitzt du, das du nicht empfangen hast? 1. Kor 4:7

Die Liebe des Menschen zu Gott verdankt ihren Ursprung, ihre Entfaltung und ihre Vollendung der ewigen Liebe Gottes zu den Menschen. Er war es, der seine Finger auf deine Lippen legte, die aufeinander gepreßten Zähne öffnete, in dein Herz heilige Gnadenregungen warf und du hast sie empfangen. Dann fuhr Gott fort, durch verschiedenartigste Hilfsmittel deinen Geist zu stärken, bis er endlich den Genesungstrank seiner Liebe in dein Herz ergoß. Die Gottesliebe macht uns zu Bürgern des himmlischen Jerusalem. Der Entschluß, Gottes Willen allem vorzuziehen, ist das Wesensstück der heiligen Liebe. Die Eigenliebe dagegen macht uns zu Sklaven.

Tue deinen Mund weit auf, so will ich ihn füllen! Ps 81:11


14. Die Verborgenheit des Geliebten

Ich öffnete meinem Geliebten: Doch der Geliebte war weg, verschwunden. Mir stockte der Atem: Er war weg. Ich suchte ihn, ich fand ihn nicht. Ich rief ihn, er antwortete nicht. Hdl 5,6

Was den liebenden Gott dazu bewegt, sich zu verbergen, ist aus der Wirkung zu ersehen, die sein Handeln auf die Seele hat. Sie, die gerade noch so wenig Liebe zeigte und so träge auf die Gegenwart des Geliebten reagierte, sie wird nun durch die Abwesenheit des Geliebten verwandelt. Erst in seiner Abwesenheit bemerkt sie, wie sehr sie seiner Gegenwart bedarf. Die Anwesenheit des Geliebten hatte ihre Liebe nicht mehr gefördert. Seine Abwesenheit lässt die Liebe in der Form des schmerzlichen Vermissens in neuer Tiefe aufbrechen. Sie ruft, sie sucht – nun ist ihr kein Weg mehr zu weit. Auch wenn der liebende Gott sich dem Menschen entzieht – es geschieht aus Liebe!


15. Liebesverlangen des Menschen

Ich gehöre meinem Geliebten, und ihn verlangt nach mir. Komm, mein Geliebter, wandern wir auf das Land. Hdl 7,11

Der Mensch hat erkannt, wie sehr sich Gott nach ihm und seiner Liebe sehnt. Diese Liebe drängt ihn, seinerseits zu lieben und ganz Gott zu gehören. Er will aus seinem Leben auf immer eine Gabe machen, die Gott wohlgefällt. Er will sich in allem Gott hingeben und seinen Willen tun. Er versteht nun, wie sehr sich Gott an seiner Liebe und Hingabe freut. Die Braut sehnt sich danach, mit dem Geliebten allein zu sein in der Zurückgezogenheit, im stillen Gebet. Schon früh am Morgen verlangt uns danach. Wenn es uns gelingt, schon am Morgen in einer Zeit des Gebets bei Gott zu sein, werden wir leichter den ganzen Tag über in seiner Gegenwart bleiben können


16. Duftendes Salböl ist sein Name

Köstlich ist der Duft deiner Salben. Dein Name ist hingegossenes Salböl. Hdl 1,3

Wer Christus wirklich begegnet, ist fasziniert von seiner Schönheit, von dem Wohlgeruch, der von seiner Person ausströmt. Wer Christus in der Heiligen Schrift betrachtet, wird selbst erfüllt vom Duft Christi, dem Heiligen Geist. Wenn wir Jesu Namen aussprechen und dabei daran denken, wer er ist und was er für uns getan hat, dann werden wir erfüllt von der Salbung des Heiligen Geistes. Der Name Jesus bedeutet: Gott rettet. So enthält er die sich ganz entäußernde Liebe des Vaters zu uns, die er uns im Heiligen Geist mitteilt. Wenn wir seinen Namen aussprechen, tauchen wir ein in den Strom der Liebe des dreifaltigen Gottes


17. Gott im Himmel lieben

Deine Liebe habe ich ständig vor Augen, und deine Treue bestimmt mein Leben. Ps 26:3

Im Himmel werden wir Gott lieben, nicht weil wir durch das Gesetz gebunden und verpflichtet sind, sondern weil uns die Freude dazu drängt und hinreißt, mit der diese so überaus liebenswerte Gottheit unsere Herzen beschenken wird. Zweifellos wird unser Herz im Himmel oben frei von allen Leidenschaften, unsere Seele von allen Zerstreuungen geläutert, unser Geist von allen Widersprüchen befreit und unsere Kräfte allen Widerstandes ledig sein. Dadurch werden wir Gott mit einer andauernden, ununterbrochenen Liebe lieben. In diesem sterblichen Leben können wir auf diese so außerordentlich vollkommene Liebe keinen Anspruch erheben, denn wir haben weder das Herz, noch die Seele, noch den Geist, noch die Kräfte dazu. Es genügt, wenn wir aus unserem ganzen Herzen lieben und aus allen Kräften, die wir besitzen.


18. Allein Freude am Herrn

Die Eine dem Einen. Ägidius

Ein Ordensmann stellte an den frommen Bruder Ägidius die Frage, was er tun könne, um Gott wohlgefälliger zu werden. Da antwortete dieser, indem er sang: Die Eine dem Einen, die Eine dem Einen! Dann erklärte er: Gib immer deine ganze Seele, die eine, Gott allein, dem Einen. Der wahrhaftig Liebende kennt fast keine andere Freude als die an dem, was er liebt. Um diesen über alles Geliebten noch besser zu verherrlichen, sucht die Seele fort und fort sein Antlitz, d. h. sie merkt mit einer immer sorgsameren Aufmerksamkeit.


19. Die Freundlichkeit des Herrn schmecken

Schmeckt und seht, wie freundlich der Herr ist;wohl dem, der auf ihn traut! Ps 34:9

Kenntnis ist zur Weckung der Liebe erforderlich. Nie können wir etwas lieben, was wir nicht kennen. Je mehr die aufmerksame Kenntnis des Guten zunimmt, um so mehr steigert sich auch die Liebe. Dennoch: Schlichte Leute sind oft reich an Frömmigkeit und für die göttliche Liebe empfänglicher als Gebildete und Gelehrte. Wer liebt das Licht mehr, der Blindgeborene, der alles weiß oder der Bauer, der mit klaren Augen den Glanz der aufgehenden Sonne sieht und empfindet? Der Blinde weiß wohl mehr von ihr, der Bauer hat aber mehr Freude daran. Und diese Freude bringt eine viel lebendigere und innigere Liebe hervor als ein Wissen, das nur durch Gedankengänge zustande gekommen ist. Denn die Erfahrung eines Gutes macht es uns weit liebenswerter, als alles Wissen das wir darüber haben können.


20. Lobpreis Gottes für seine Liebe

Jauchzen lasst uns, deiner uns freuen, deine Liebe höher rühmen als Wein. Hdl 1,4

Der Lobpreis ist Jubel angesichts der Liebe Gottes, die sich in der ganzen Heilsgeschichte zeigt und der die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen einzigen Sohn gesandt hat, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Lobpreis und Freude sind Kinder der Liebe. Wenn der Lobpreis in unseren Herzen kraftlos geworden ist, liegt es daran, dass wir die göttliche Liebe aus dem Blick verloren haben. Oft genügt es dann, diese einfache Wahrheit neu in einem Akt des Glaubens anzunehmen: Er liebt mich so sehr, dass er voller Ungeduld darauf wartet, mir seine Liebe mitzuteilen. Auf diese Liebe gibt es keine andere Reaktion als Lobpreis.


21. Vollendung der Liebe in der Ewigkeit

Wir wollen uns freuen, jubeln und Gott ehren. Jetzt ist der große Hochzeitstag des Lammes gekommen. Seine Braut hat sich dafür bereitgemacht! Offb 19:7

Hier kann unsere Liebe nur beginnen, vollendet wird sie erst in der Ewigkeit. Die Seele ist Braut und Verlobte des unbefleckten Lammes schon in diesem Leben, aber noch nicht Vermählte. Die Hochzeit aber findet in der Ewigkeit statt. Sind wir einmal im Himmel als Vermählte des göttlichen Lammes, dann ist das Band, das uns mit unserem höchsten Gut vereinigt, ewig und unzertrennlich. Freilich gibt uns der göttliche Bräutigam jetzt schon, da wir noch in der Erwartung des feierlichen Kusses unzertrennlicher Vereinigung in der himmlischen Herrlichkeit stehen, oft den Liebeskuß durch tausendfache Empfindungen seiner liebreichen Gegenwart. Küßte er die Seele nicht, so würde die Seele nicht angezogen.


22. Einheit der Liebe mit Gott

Meinem Geliebten gehöre ich, und mir gehört der Geliebte, der in den Lilien weidet. Hdl 6,3

Die Einheit der Liebe mit Gott findet dadurch ihre Vollendung, dass wir in Christus bleiben. Je mehr wir in Christus bleiben, desto fester und wird unsere Liebe. Es ist dann nicht mehr nur Liebe aus menschlicher Kraft, es ist die Liebe des Bräutigams selbst, die in unsere Herzen ausgegossen ist durch den Heiligen Geist. In dieser Endgültigkeit der Liebe liegt ein Friede, eine Gewissheit, eine Freude, die durch nichts mehr zu erschüttern ist. Durch die völlige Entblößung von allem äußeren und inneren Besitz, ist die Seele sich selbst enteignet und zu solcher Selbst-Übereignung fähig gemacht worden. Dieses vollkommene Sich-Schenken in der Liebe steht letztlich nicht in unserer Macht. Es ist eine Gnade, die wir nur erbitten können.

Herr, nimm mich mir, und gib mich ganz zu eigen dir. Nikolaus von Flüe


23. Meine Seele ist Dein

Herr, ich gehöre zu dir. Ps 119:94

Meine Seele ist Dein und soll nur durch Dich leben. Mein Wille ist Dein und soll nur für Dich lieben. Meine Liebe ist Dein und soll nur nach Dir streben. Ich muß Dich lieben als meinen ersten Ursprung, denn von Dir komme ich; ich muß Dich lieben als mein Ziel und meine Ruhe, denn für Dich bin ich da. Ich muß Dich lieben mehr als mein eigenes Sein, denn dieses besteht nur durch Dich. Ich muß Dich lieben mehr als mich selbst, weil ich ganz Dir gehöre und in Dir bin.


24. Die drängende Liebe

Die Liebe Jesu Christi drängt uns. 2 Kor 5,14

Nichts drängt das Herz des Menschen mehr als die Liebe. Wenn ein Mensch sich von irgendeinem Menschen geliebt weiß, dann drängt es ihn, diese Liebe zu erwidern. Wird aber ein gewöhnlicher Mensch vom Herrn geliebt, so fühlt er sich noch mehr zur Gegenliebe gedrängt. Auf die göttliche Liebe gibt es nur eine angemessene Reaktion: Liebe, die seine Liebe mit aller Kraft zu erwidern sucht.