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Führung durch Gott

Führung durch Gott

– Impulse von Franz von Sales aus Gottesliebe –


1. Vielfältigkeit der Gnadengaben Gottes

Deine Vorsehung, o großer, ewiger Vater, leitet alle Dinge! Weish 14,3

Diese Vorsehung dehnt sich auf alles aus, herrscht über alles und führt alles zu ihrer Verherrlichung. Jeder von uns hat überschwenglich alles Nötige, um sein Heil zu erlangen. Die Gnadengaben sind jedoch sehr unterschiedlich. Jeder hat seine eigene Gnade. Die Kirche Jesu gleicht einem Garten, geschmückt mit der Lieblichkeit unzähliger Blumen, die sich alle in Größe, Farbe, Duft und Schönheit voneinander unterscheiden. Doch hat jede ihre Kostbarkeit, ihre Anmut, ihre Farbenpracht und alle zusammen bilden durch die Vereinigung ihrer Mannigfaltigkeit die Vollendung einer höchst ansprechenden Schönheit.


2. Gottes zarte Eingebungen

Jesus drehte sich um und sah Petrus an. Da fielen Petrus die Worte ein, die der Herr zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn heute Nacht kräht, wirst du dreimal geleugnet haben, mich zu kennen. Lk 22:61

Wir wachen auf, aber nicht von selbst. Göttliches Eingreifen hat uns geweckt. Als Beispiel sei hier die Verleugnung Jesus durch Petrus genannt. Am Boden liegend hätte sich Petrus niemals mehr erhoben, wenn nicht das Krähen des Hahnes, ein Werkzeug der göttlichen Vorsehung, sein Ohr getroffen und der liebreiche Blick seines Erlösers gleich einem Liebespfeil sein steinernes Herz verwundet hätte. Gott wirbt um uns, er lockt uns liebevoll an sich durch zarte und heilige Eingebungen. Er tut uns keinen Zwang an. Er wirft in unsere Herzen frohe Empfindungen als Lockmittel. Er berührt machtvoll, zugleich aber so zart.


3. Unsere eigene Empfänglichkeit

Lasst die Gnade, die Gott euch schenkt, in eurem Leben nicht ohne Auswirkung bleiben. 2. Kor 6:1

Wir weisen oft diese Eingebungen zurück und verweigern Gott so unsere Liebe. Niemals entzieht Gott uns seine Gaben, außer wir ziehen unsere Herzen von ihm zurück. Eine Quelle mag noch so stark fließen, sie kann einen Garten nur entsprechend dem Durchmesser der Leitungen, die ihm das Wasser zuführen, begießen. So umflutet auch der Heilige Geist, gleich einer Quelle lebendigen Wassers unser Herz, um in uns seine Gnade zu ergießen. Er will aber, daß sie nur mit der freiwilligen Zustimmung unseres Willens einströme. Daher wird er sie uns nur nach dem Maß seines Wohlgefallens und unserer eigenen Empfänglichkeit und Mitwirkung spenden.


4. Gottes Führung

Jetzt aber bleibe ich immer bei dir, und du hältst mich bei der Hand. Du führst mich nach deinem Plan und nimmst mich am Ende in Ehren auf. Ps 73:23‭-‬24

Nicht immer sehen wir seine Eingebungen deutlich und direkt, aber definitiv spüren und sehen wir die Folgen. Es ist wie mit der Sonne, die wir auch nicht sehen können, wenn die Erde von Nebel bedeckt ist. Wir bemerken nur eine größere Helligkeit, sehen sie sozusagen, ohne sie zu sehen und spüren ihre Wärme und Wirkung. Wenn eine Seele die unzähligen Gnaden und Hilfen schaut, mit denen ihr Gott in der Zeit ihrer Pilgerschaft zur Seite steht, mit welcher Innigkeit küßt diese Seele dann Gottes gütige Hand, die sie auf ihrem Weg lenkt, stützt und trägt. Diese Seele bekennt, daß sie von ihrem göttlichen Heiland all ihre Seligkeit empfangen hat.


5. Welch Tiefe des Reichtums

O welche Tiefe des Reichtums sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Gerichte, und wie unausforschlich seine Wege! Röm 11:33

Die Beweggründe des göttlichen Willens werden wir erst verstehen, wenn wir das Angesicht dessen sehen, der von einem Ende zum anderen mächtig wirkt,
Kommt es nicht oft vor, daß wir nicht einmal bei Menschen verstehen, wie und warum sie dies und jenes tun? So erscheint auch uns die Welt wie ein großes Uhrwerk, ausgestattet mit einer solchen Fülle von Tätigkeiten und Bewegungen, daß wir uns des Staunens darüber nicht erwehren können. Wozu im besonderen jeder einzelne Teil da ist und auf welche Weise er dem allgemeinen Ziel dient oder warum er gerade so und nicht anders gemacht ist, das vermögen wir nicht zu begreifen, außer der göttliche Handwerker offenbart es uns.


6. Demütiges Überlassen der göttlichen Vorsehung

Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge. Ihm sei die Ehre in Ewigkeit! Röm 11:36

Möchten wir doch glauben, daß Gott Urheber und Vater aller Dinge ist, daß er daher durch seine Vorsehung alles Geschehen leitet und Sorge trägt! Ganz besonders sollten wir glauben, daß er sich um Angelegenheiten von uns allen kümmert, die ihn kennen, mag auch unser Leben durch noch so viel Widriges hin- und hergeworfen werden. Wir wissen nicht, warum das so ist. Vielleicht soll uns dies, da wir zu dieser Kenntnis nicht gelangen können, ein Ansporn sein, Gottes über alles erhabenes Wissen zu bewundern. Rufen wir also bei jedem Geschehnis, aber rufen wir mit einem Herzen voll Liebe gegen die unendlich weise, mächtige und gütige Vorsehung unseres ewigen Vaters aus: O welche Tiefe des Reichtums sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes!


7. Die Eingebungen Gottes erleuchten

Das wahre Licht, welches jeden Menschen erleuchtet , sollte in die Welt kommen. Joh 1:9

Die Eingebung ist ein himmlischer Strahl, der ein warmes Licht in unserem Herzen leuchten läßt, durch das wir das Gute sehen und zu einem eifrigen Streben danach erwärmt werden. Ohne Eingebungen würden unsere Seelen träge und lahm. Dadurch erhalten wir die Kraft, das zum ewigen Heil erforderliche Gute zu wollen und zu tun.Gott haucht und flößt unserer Seele die Eingebungen des übernatürlichen Lebens ein. Der Atem des Menschen erwärmt alle Dinge, die er anhaucht. Der Atem Gottes erwärmt aber nicht bloß, sondern er erleuchtet auch in vollkommener Weise, ist doch der göttliche Geist unendliches Licht. Zahllos sind dabei die Weisen Gottes, uns Eingebungen zu spenden: durch andere Menschen, eine Predigt, durch den Anblick der Natur, durch Leiden u.v.m. O wie selig sind jene, die ihr Herz für die heiligen Eingebungen aufgeschlossen halten!


8. Friede und Demut als Kennzeichen der Eingebung

Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. Mt 11:29

Eines der besten Kennzeichen für die Güte der Eingebungen ist Friede und Ruhe des Herzens. Denn der göttliche Geist ist wohl gewaltig, aber von einer sanften, milden, friedlichen Gewalt. Dem Frieden des Herzens ist die Demut untrennbar verbunden. Demut nenne ich aber nicht einen Wortschwall, äußere Gesten, das Küssen des Erdbodens oder Verneigungen, wenn man diese Dinge ohne inneres Empfinden der eigenen Niedrigkeit tut. Denn all das ist nur ein eitles Getue schwacher Geister und muß eher eine Verzerrung der Demut als Demut genannt werden. Ich rede vielmehr von einer echten und handfesten Demut, die uns empfänglich für Zurechtweisungen, lenksam und bereit zum Gehorsam macht.


9. Gutes empfangen, Übles annehmen

Haben wir Gutes aus der Hand Gottes empfangen, warum sollten wir nicht auch Übles annehmen? Ijob 2,10

O Gott, welche Liebe liegt in diesem Wort! Ijob erwägt, daß er alles Gute aus der Hand Gottes empfangen hat und bezeugt damit, daß er die Güter nicht so sehr als Güter geschätzt hat, sondern weil sie aus der Hand Gottes kamen. Und weil es so ist, darum schließt er daraus, daß man auch die Widerwärtigkeiten mit Liebe ertragen muß, weil sie aus der gleichen Hand Gottes hervorgehen, die ebenso liebenswürdig ist, wenn sie Leiden schickt, wie wenn sie Tröstungen schenkt. Gutes wird von allen bereitwillig angenommen, aber Übel entgegenzunehmen vermag nur die vollkommene Liebe, die sie um so mehr liebt, als sie nur in Anbetracht der Hand, die sie gibt, liebenswert sind.


10. Helfende Begleiter auf dem geistlichen Weg

Folge den Spuren der Schafe, dann weide deine Zicklein dort, wo die Hirten lagern. Hdl 1,8

Halte dich an die, die schon zur Herde Christi gehören. Sie begleiten dich. Halte dich an die Hirten. Sie führen dich. Habe Begleiter auf deinem Weg. Begleiter, mit denen du Fragen und Nöte besprechen und Rat holen kannst. Niemand soll allein bleiben. Gott führt uns in vielen Situationen durch andere Menschen. Es ist sehr sinnvoll, wenn dies in den großen Lebenslinien feste und konstante Personen sind. Ein Bäumchen, das immer wieder verpflanzt wird, kann nicht Wurzel fassen, folglich auch nicht zu seiner vollen Entfaltung gelangen und die erhoffte Frucht bringen.


11. Bild des Tanzes

Ich habe dem Herrn zu Ehren getanzt. 2. Sam 6:21

Im Bild des Tanzes ist enthalten, dass sie sich ganz vom Rhythmus des Liedes und der Führung des Bräutigams leiten lässt. Die Schönheit und Vollkommenheit des Tanzes besteht gerade darin, nicht eigene Bewegungen auszuführen, sondern bis in die geringste Körperbewegung hinein sich führen zu lassen. So ist die Tanzende durch die Musik gleichsam sich selbst enteignet. Ihre eigene Bewegungsfreiheit hat sie ganz hingegeben an die Musik, oder besser: sie gibt ihre Freiheit in jedem Moment an die Musik und lässt sich führen. So besteht die Vollkommenheit des Tanzes in Gehorsam und Hingabe an die Musik. Es ist die Freude Gottes, wenn wir uns in solcher Weise ganz führen lassen von der Musik des Heiligen Geistes.


12. Tanzfest des Gehorsams

Lobt ihn mit Tamburin und Tanz. Psalm 150:4

Um ein guter Tänzer zu sein, darf man nicht wissen, wohin es geht: man muß folgen, leichtbeschwingt, munter und vor allem nicht steif. Man darf nicht um Erklärung für die Schritte bitten, die Du uns zumutest. Es muß ja nicht unbedingt immer vorwärts gehen, sondern man muß auch verstehen, Seitenschritte zu machen, sich im Kreis zu drehen, anzuhalten und zu gleiten, statt zu gehen; und die Tanzschritte wären sinnlos, wenn die Musik nicht daraus eine Harmonie machte. Madeleine Delbrêl


13. Tanz mit dem Herrn

Dreh dich beim Tanz im Kreise. Hoheslied 7:1

Komm, Herr, und lade uns ein! Wir sind bereit, mit Dir zu tanzen: diesen Gang, jene Abrechnung, das Mittagessen, das zu kochen ist; die Nachtwache, bei der uns die Augen zufallen. Wir sind bereit zum Tanz der Arbeit, zum Tanz der Hitze, später zum Tanz der Kälte. Wenn manche Melodien in Moll sind, finden wir sie deshalb nicht traurig. Wenn uns etwas außer Atem bringt, finden wir es deshalb nicht erschöpfend. Wenn man uns drängt und stößt, nehmen wir das lachend hin, denn wir wissen, daß das beim Tanzen immer vorkommt. Lehre uns, Herr, wie sich der Tanz unseres Gehorsams in den Liebesroman einordnet, der zwischen Dir und uns begonnen hat. Gib uns Einblick in das große Orchester Deiner Pläne, in dem Du mitten in der heiteren Harmonie fremdartige Klänge zulässt. Lehre uns, unser Leben täglich neu anzuziehen wie ein Ballkleid und alles, was dazu gehört, wie unentbehrliche Kleinodien zu lieben


14. Jesus ist da und hilft

Meine Schafe hören auf meine Stimme, ich kenne sie und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde geben, und niemand wird sie meiner Hand entreißen. Joh 10, 27–28

Christus selbst führt uns durch seinen Heiligen Geist auf unserem Weg heraus aus der Gefangenschaft in uns selbst, in unserer Sünde. Er leitet uns durch die Wüste des irdischen Weges hin zum himmlischen Hochzeitsmahl. Schon auf dem Weg durch die Wüste ist Gott da und führt uns, ja er umgibt uns von allen Seiten. Aber: Erst wenn wir bereit sind, alle alten Bindungen zurückzulassen und uns ganz zu geben in Liebe, kann der Geliebte uns eine neue Heimat geben und uns einführen in sein königliches Reich. Auf dem geistlichen Weg sind wir ständig bedroht von den Mächten des Bösen. Christus will uns vor diesen Gefahren in Sicherheit bringen. Wenn wir alles zurücklassen und uns ihm ganz anvertrauen, sind wir vor allen Gefahren sicher. Wenn wir auf die Stimme des Guten Hirten hören und ihr folgen, kann uns nichts mehr etwas anhaben.