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Ausrichtung auf Gott

Impulse von Franz von Sales aus Gottesliebe


Der geistliche Kampf

Nachdem die Begierde dann schwanger geworden ist, bringt sie die Sünde zur Welt. Jak 1:15

Jeder von uns hat viele Gefühle, Neigungen, Gewohnheiten, Leidenschaften, Fähigkeiten und Kräfte. Über dieses Vielerlei hat Gott den lenkenden Willen gesetzt. Aber die Macht des Willen ist nicht uneingeschränkt und er ist fehlbar. Er kann den Augen nicht das Sehen oder den Ohren nicht das Hören verbieten. Wie oft haben wir sinnliches Begehren, die unserem Willen widersprechen. Darin besteht der tägliche geistliche Kampf zwischen Geist und Fleisch. Auch wenn wir die Versuchung fühlen, können wir unsere Zustimmung zu ihr verweigern. Der Wille hat so viel Macht über dieses Begehren, daß er es zurück schlagen kann. Wir können nicht die Begierde verhindern, wohl aber, daß sie die Sünde gebäre. So richten wir uns nach Gott aus.

Jeder, der sündigt, ist ein Sklave der Sünde. Joh 8:34


Der Wille zum Guten

Ich suche dich. Ps 63:3

Uns gefällt die Begegnung mit dem zu Liebenden. Es zieht uns an. Wir suchen. Wir streben nach Vereinigung. Wir richten uns aus nach Gott. Dies ist der Anfang der Liebe. Dieses Wohlgefallen setzt den Willen in Bewegung und läßt ihn seine Ruhe im geliebten Wesen finden, wenn er mit ihm vereinigt ist. Es ist wie mit Eisen und Magnet. Das Eisen hat eine so innige Beziehung zum Magnet, daß es sich ihm zuwendet, sobald es seine Kraft verspürt. Liebe ist wie ein Baum. Der Wille zum Guten ist die Wurzel. Die Bewegung zum Guten hin ist der Stamm. Die Äste sind das Suchen und Bemühen zum Guten hinzugelangen. Die Frucht aber ist die Vereinigung mit ihm, der uns Frieden bringt.

Frieden hinterlasse ich euch. Meinen Frieden gebe ich euch. Joh 14:27


Die Entscheidung

Vater, wenn es dein Wille ist, dann lass diesen bitteren Kelch des Leidens an mir vorübergehen. Lk 22:42

Es gibt den niederen und höheren Seelenteil. Der höhere Teil wird Geist, der niedere Gefühl genannt. Was ist damit gemeint? Jesus betete, daß der Kelch des Leidens an ihm vorübergehe. Damit drückte er sein Gefühl aus angesichts des bevorstehenden Leidens. Im Geist aber nahm er den Tod freiwillig auf sich. Täglich erfahren wir diese widerstrebende Willensregungen in uns, aber nur solange, bis sich der Wille entscheidet.

Aber nicht was ich will, sondern was du willst, soll geschehen. Lk 22:42


Die Gleichförmigkeit Liebender

Wie freue ich mich über den Herrn, möge ihm mein Lied gefallen! Ps 104:34

Das Herz, das an Gott Wohlgefallen gefunden hat, kommt nicht umhin, Gott auch Wohlgefallen bereiten zu wollen. Das ist die Quelle der Gleichförmigkeit Liebender. Sie gestaltet uns zu dem um, was wir lieben. So wird man auch durch das Gefallen an Gott ihm gleichförmig. Mit der Freude, die unser Herz an dem hat, was es liebt, nimmt es auch dessen Eigenschaften an, denn die Freude öffnet weit das Herz. Deshalb bildet uns auch das heilige Wohlgefallen in Gott um, den wir lieben. Wer immer wahrhaft an Gott sein Gefallen findet, sehnt sich danach, in aller Treue Gott zu gefallen und sich ihm ganz gleichzuformen, um ihm zu gefallen.

Deine Anweisungen sind meine Lieder geworden. Ps 119:54


Die Gleichförmigkeit mit Gottes Willen

Setzt euch zuerst für Gottes Reich ein und dafür, dass sein Wille geschieht. Mt 6:33

Die Gleichförmigkeit unseres Herzens mit Gottes geoffenbartem Willen besteht darin, daß wir das alles wollen, was die göttliche Güte als ihre Absicht offenbart, daß wir glauben, was sie lehrt, erhoffen, was sie verspricht, fürchten, was sie androht, lieben und tun, was sie befiehlt und verlangt. Durch seinen Willen verlangt Gott, daß wir das tun, was er uns sagt. Er gibt uns alles dazu, was wir brauchen, mahnt und drängt uns, dies auch zu verwenden. So treibt er uns dazu an, mahnt uns, muntert uns auf, regt uns dazu an, hilft und unterstützt uns. Unsere Liebe aber gibt das Herz ihm hin und weiht es ihm mit inniger Liebe. Die Liebe des Wohlwollens, die Gott alles unterwerfen will, unterwirft folglich unser Verlangen und Wollen dem geoffenbarten Willen Gottes.

Was uns als dein Wille überliefert wurde, ist für alle Zeit mein kostbarer Besitz und erfüllt mein Herz mit tiefer Freude. Ps 119:111


Der Wille des Vaters ist unser Heil

Das ist der Wille des Vaters, der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern dass ich es auferwecke am letzten Tag. Joh 6:39

Betrachten wir doch hundertmal des Tages diesen liebenden Willen Gottes. Verschmelzen wir unseren Willen mit dem seinen und rufen wir voll Innigkeit aus: O unendlich beglückende Güte! Wie liebenswert ist doch Dein Wille! Du hast uns für das ewige Leben geschaffen und Dein von unvergleichlicher Liebe glühendes Herz strömt über von Erbarmen. Wir müssen unser Heil wollen, wie Gott es will. Er will aber unser Heil, indem er danach Verlangen trägt. Dieses Verlangen ist ein echtes Verlangen. Deutlich drückt er dies im Gleichnis vom König aus, der zum Festmahl einlädt (Mt 22,2-10) und durch Bitten, Mahnen und Auffordern drängt und fast zwingt zu kommen, sich an den Tisch zu setzen und zu essen.


Dein Wille geschehe

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden. Mt 6,10

Sehen wir die Menge innerer und äußerer Güter, wie auch die so große Zahl innerer und äußerer Leiden, die die göttliche Vorsehung in ihrer überaus heiligen Gerechtigkeit und Barmherzigkeit uns bereitet hat. Öffnen wir die Arme unserer Einwilligung und umfangen wir all das ganz liebevoll, fügen wir uns dem heiligsten Willen Gottes und singen wir Gott in einem Hymnus ewiger Einwilligung: Dein Wille geschehe! Ja, Herr, Dein Wille geschehe auf Erden, wo es keine Freuden ohne Beimischung irgendeines Schmerzes gibt, keine Rosen ohne Dornen, keinen Tag ohne darauffolgende Nacht, keinen Frühling ohne vorhergegangenen Winter.


Wie ein kleines Kind

In deine Hand befehle ich meinen Geist. Ps 31:6

Ein ganz in den Willen Gottes ergebener Wille soll nichts anderes wollen, als dem Willen Gottes einfach zu folgen. Nichts mehr wollen, sich ganz der göttlichen Vorsehung überlassen. Es ist wie bei einem kleinen Kind, das noch nicht den Gebrauch seines Willens hat, um irgendetwas anderes als die Brust und das Angesicht seiner lieben Mutter zu wollen und zu lieben. Es denkt gar nicht an etwas, außer in den Armen seiner Mutter zu sein, mit der es ein Wesen zu sein glaubt. Es überläßt seiner Mutter die Sorge, dorthin zu gehen, das zu wollen und zu tun, was sie für gut findet. So mit dem Willen unseres höchsten Gutes ganz eins sein, ist sicher die höchste Vollkommenheit unseres Willens.

Sie alle sollen eins sein, genauso wie du, Vater, mit mir eins bist. So wie du in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns fest miteinander verbunden sein. Joh 17:21


Allein Gott wollen lassen

Die Liebe ist stark wie der Tod. Hld 8,6

Es ist eine heilige Haltung, Gott für alle Ereignisse, die seine Vorsehung anordnet, zu preisen und zu danken. Es ist eine heilige Haltung, es ganz ihm zu überlassen, in uns, über uns und mit uns zu schalten und zu walten, wie es ihm beliebt. Nichts wollen, sondern Gott wollen lassen! Allein in Erwartung zu sein, keine Tätigkeit, sondern ein einfaches Bereitsein, das zu empfangen, was geschehen wird. Und wenn die Ereignisse eingetreten und angenommen worden sind, verwandelt sich die Erwartung in Einwilligung und Zustimmung. Die Liebe allein gibt uns die Kraft, alles zu verlassen, vor allem unseren Eigenwillen.

Ich habe ihnen gezeigt, wer du bist. Das werde ich auch weiter tun, damit deine Liebe zu mir auch sie erfüllt, ja, damit ich selbst in ihnen lebe. Joh 17:26


Unsere Sorgen auf ihn werfen

Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. 1. Petrus 5:7

Wir dürfen uns nicht dabei aufhalten, dies oder jenes zu wünschen oder zu wollen, sondern müssen es Gott für uns wollen und tun lassen, wie es ihm gefällt. Das ist die Stille unseres Willens, der gar nichts will, sondern einfach allem zustimmt, was Gott in uns, an uns und aus uns machen will. Wir müssen „unsere ganze Sorge auf ihn werfen, weil er für uns sorgt. Herr, ich will nicht, daß das oder jenes geschieht, ich überlasse es Dir, alles für mich ganz nach Deinem Belieben zu wollen. Anstatt es zu wollen, will ich Dich preisen dafür, daß Du es gewollt hast. Wie herrlich ist diese Haltung unseres Willens, wenn er von der Sorge abläßt und stattdessen voller Lob und Dankbarkeit für Gott ist.


Unsere Taten und unser Gebet

Jemand hört das Wort, doch die Sorgen dieser Welt und die Verlockungen des Reichtums ersticken es, und es bleibt ohne Frucht. Mt 13:22

Neugierde, Ehrgeiz, Unruhe, Unachtsamkeit u.v.m. sind die Ursache, daß wir tausendmal mehr Hindernisse als Werke, mehr Beschäftigungen als Aufgaben haben. Diese Trödeleien, diese überflüssigen Beschäftigungen, mit denen wir uns belasten, sind es, die uns von der Liebe zu Gott abziehen, nicht aber die eigentlichen Arbeiten in Familie und Beruf. Nehmen wir nicht wie ein Chamäleon die Farbe seines Aufenthaltsortes an, die Farbe unserer Arbeiten und Gespräche, sondern bleiben wir immer ganz mit Gott verbunden, immer weiß an Reinheit, rot an Liebe und immer voll von Demut. So lieben fromme Menschen die Liebe nicht minder, wenn sie sich den äußeren Notwendigkeiten zuwenden, als wenn sie beten. Ihr Schweigen und ihre Stimme, ihre Taten und ihre Beschauung, ihre Beschäftigungen und ihre Ruhe singen in gleicher Weise in ihnen das Lied ihrer Liebe.


Hingabe an Gott

Ich bin dein. Ps 119:94

Durch die tägliche Erneuerung unserer Hingabe durchdringen wir unsere Handlungen mit der Kraft der Liebe, indem wir unser Herz von neuem der Verherrlichung Gottes weihen, wodurch es immer mehr geheiligt wird. Man verrichtet kleine Dinge dann in guter Weise, wenn man sie in sehr reiner Absicht und mit dem festen Willen tut, Gott zu gefallen. Dann heiligen sie uns in sehr wirksamer Weise. Weihen wir doch unser Leben hundertmal am Tag der göttlichen Liebe durch häufige Stoßgebete, Erhebungen unseres Herzens und geistliche Einkehr. Diese heiligen Übungen reißen unseren Geist fortwährend zu Gott empor, werfen ihn in die Gottheit hinein und führen ihm damit auch alle unsere Handlungen zu. Glücklich die Seele, die einmal allen Ernstes sich ihrer selbst entblößt und sich vollkommen den Händen Gottes überlassen hat.

Ich bleibe in ihnen, und du bleibst in mir. Genauso sollen auch sie vollkommen eins sein. Joh 17:23


Die kleinen Kreuze

Wer mir nachkommen will, der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach! Mk 8:34

Es gibt Seelen, die große Pläne schmieden, wie sie dem Herrn dienen können. Es sind aber Werke, für die sie gegenwärtig keine Gelegenheit haben. Gott bewahre uns vor solch eingebildetem Eifer, der sehr oft im Grunde unseres Herzens eine eitle, heimliche Selbstgefälligkeit nährt. Seien wir stets dagegen darauf bedacht, der Last gegenwärtiger, geringerer Kreuze nicht aus dem Weg zu gehen. Große Werke liegen nicht immer auf unserem Weg. Zu jeder Zeit aber können wir kleine in ausgezeichneter Weise, d.h. mit großer Liebe tun. So übt man die Liebe bei den kleinen, unscheinbaren Übungen der Frömmigkeit nicht nur öfter, sondern gewöhnlich auch demütiger und folglich mit mehr Nutzen und Heiligkeit. Alle sich bietenden Gelegenheiten soll man zur Übung der göttlichen Liebe benützen.


Sich selbst verleugnen

Wer mir nachkommen will, der verleugne sich selbst. Mk 8:34

Dieses Nachgeben den Launen anderer gegenüber, dieses Ertragen rücksichtsloser und lästiger Handlungen und Haltungen des Nächsten, diese Siege über unsere eigenen Launen und Leidenschaften, dieser Verzicht auf unsere kleinen Neigungen, dieses Kämpfen gegen unseren Widerwillen und unsere Abneigungen, dieses herzliche und schlichte Geständnis unserer Unvollkommenheiten, diese ständige Mühe, die wir uns geben, unsere Seele im Gleichgewicht zu erhalten, diese Liebe zu unserer Erniedrigung, diese gutmütige und freundliche Annahme der Mißachtung und der Kritik unseres Wesens, Lebens, Umgangs und unserer Handlungen: all das ist für unsere Seelen viel fruchtbarer, als wir meinen, vorausgesetzt, daß es aus heiliger Liebe geschieht.