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12 Mitfühlen

Freud und Leid fühlend verstehn


Wenn ein Glied leidet, leiden alle anderen mit. 1. Kor 12:26

Es ist immer problematisch, wenn einer, dem es gut geht, einen anderen trösten soll, dem es nicht gut geht (Krankheit, Liebesverlust etc.). Wir müssen es akzeptieren, dass in einem ersten Augenblick unsere Worte hier nur als blosse Worte erscheinen mögen. Dennoch: Wenn diese Menschen spüren können, das wir Mitleidende sind, dass wir mit ihnen das Kreuz in Gemeinschaft mit Christus tragen wollen, indem wir vor allem für und noch besser mit ihnen beten, ihnen auch mit einem von Sympathie, von Liebe erfüllten Schweigen beistehen, ihnen helfen, soweit es uns möglich ist, dann können wir glaubwürdig werden. 

Freud und Leid fühlend verstehn….bemühe dich um diesen Geist des Mitfühlens.


Seid voller Mitgefühl. 1. Petrus 3, 8

Wenn die Bibel von Jesu Mitleid spricht, dann verwendet sie das Wort: splanchnizomai. Es meint: In den Eingeweiden ergriffen werden. Die Eingeweide sind für die Griechen der Ort der verwundbaren Gefühle. Jesus öffnet sich dem Leid des Menschen. Er ist verwundbar. Daher spürt er die vielfältigen Leiden der Menschen, auch deine! In dieser Einfühlung ist Jesus das große, vollkommene Vorbild. Einfühlung in andere ist eine wichtige menschliche Fähigkeit und die Voraussetzung von Mitleid. Es meint die Solidarität mit dem Leid des anderen, nicht nur oberflächlich, sondern tief – eine Solidarität, die auch tätig wird, aktiv dem anderen hilft. Allerdings heißt es nicht, im Mitleid zu zerfließen. Denn dann helfe ich dem anderen nicht wirklich! Gott segne dich und diese Woche, der Allmächtige mache dein Herz enfühlend, damit du die Werke tun kannst, welche die Weisheit für dich vorbereitet hat.


Neben jedem Altar machen sie sich weiche Polster aus den Kleidern, die sie den Armen als Pfand wegnehmen. Amos 2:8

Diese Menschen, die Amos hier ermahnt, hatten kein Mitgefühl. Die Tugend des Mitgefühls bedeutet aber dem anderen zu sagen: Gut, dass es dich gibt! Wahres Mitgefühl besteht darin, die Fehler des Nächsten zu ertragen. Gerade bei Menschen, die uns nicht so liegen, hat diese Tugend ihren großen Stellenwert. Dies tun wir nicht aus eigener Kraft: “Alle Bewegung, durch die wir zur Liebe bewegt werden, in der bewegt uns nichts anderes als der Heilige Geist.” (Meister Eckhart). Wie wichtig ist daher das Wort des Herrn, in seiner Liebe zu bleiben. Der Herr sieht nicht so sehr auf die Größe der Werke als auf die Liebe, mit der sie getan werden


Jesus sah, wie sie und auch die Trauergäste weinten. Da war er tief bewegt und erschüttert.  Joh 11:33‭-‬35

Jesus kann es sich leisten, Mitleid zu haben, weil er mit Gott eins ist. Und dort, wo er mit Gott eins ist, hat das Leid des anderen keinen Zutritt. Das ist auch eine wichtige Bedingung für unser Mitleid: Wir sollen unser Herz für den anderen öffnen, mit ihm fühlen, mit ihm leiden. Aber es braucht einen Bereich in uns, der nicht vom Leid des anderen infiziert wird, einen Raum, in dem wir uns zurückziehen können, um von dort aus das Leid des anderen zu spüren. Wir sind solidarisch mit dem Leidenden, aber wir lösen unsere Grenzen nicht auf. Wir haben in uns einen Raum, zu dem das Leid des anderen keinen Zutritt hat. Nur so können wir in und durch Gott Kräfte entwicklen, dem anderen zu helfen.

Mitleid ist die höchste Form der Liebe – vielleicht die Liebe selbst. Heinrich Heine


Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen, denn sie waren erschöpft und hilflos wie Schafe, die keinen Hirten haben. Mt 9:36

Wenn du einem anderen helfen willst, dann musst du mit ihm fühlen und leiden können. Aber du brauchst zugleich auch eine Distanz zu seinem Leiden. Wenn du mit seinem Leiden gleichsam verschmilzt, wenn du keine Grenze hast zu seinem Leid, dann gehst du unter im Meer seines Leidens, ohne ihn daraus retten zu können. Es gibt ein Mitleid, das keine Grenze kennt. Das Mitleid, das Jesus in der Bibel meint, ist anders. Ich kann mein Herz dem anderen nur öffnen, wenn ich in meiner Seele zuhause bin. Wenn ich in mir einen festen Stand habe, wenn ich in Gott ruhe. Wenn ich mit dem anderen grenzenlos mitleide,dann bedauere ich mich selbst, wie schlimm die Welt ist. Aber ich werde das Leid dadurch nicht lindern. Anselm Grün

Die wahre Frömmigkeit, sagt Hieronymus, hat immer Mitleid, die falsche nur Unmenschlichkeit. Franz von Sales


Ich habe Mitleid mit dir! Hos 11:8

Wenn wir andere Menschen bedauern, schwächen wir sie, tun ihnen nicht gut. “Dauern” heißt eigentlich: Leid tun. “Bedauern” ist so verstanden: ein beständiges Leid antun. Den, den ich bedauere, verletze ich immer wieder, anstatt ihn aufzurichten und zu stärken. Dagegen: Annehmen des anderen, der leidet, bedeutet, dass ich mir sein Leid selbst zueigne, dass es auch mein Leiden wird. Eben dadurch aber, dass es nun geteiltes Leid geworden ist, dass ein anderer in ihm da ist, dringt das Licht der Liebe in dieses Leiden ein. Das lateinische Wort con-solatio, Tröstung, drückt dies sehr schön aus, indem es die Vorstellung eines Mitseins in der Einsamkeit weckt, die dann keine Einsamkeit mehr ist. Das ist Solidarität, die bereit ist, wirklich zu helfen, den Rücken zu stärken.


Die wahre Frömmigkeit, sagt Hieronymus, hat immer Mitleid, die falsche nur Unmenschlichkeit. Franz von Sales

Als Jesus, der Herr, die Frau sah, war er von ihrem Leid tief bewegt. Weine nicht!, tröstete er sie. Lk 7:13

Jede Eucharistiefeier vergegenwärtigt sakramental das Geschenk, das Jesus am Kreuz aus seinem Leben gemacht hat – ein Geschenk für uns! Zugleich macht Jesus uns in der Eucharistie zu Zeugen von Gottes Mitleid mit jedem Bruder und jeder Schwester. So entsteht im Umfeld des eucharistischen Mysteriums der Dienst der tätigen mitleidenden Nächstenliebe, die darin besteht, daß ich auch den Mitmenschen, den ich zunächst gar nicht mag oder nicht einmal kenne, von Gott her liebe. Das ist nur möglich aus der inneren Begegnung mit Gott heraus, die Willensgemeinschaft geworden ist und bis ins Gefühl hineinreicht. Dann lerne ich, diesen anderen nicht mehr nur mit meinen Augen und Gefühlen anzusehen, sondern aus der Perspektive Jesu Christi heraus. Auf diese Weise erkenne ich in den Menschen, denen ich näherkomme, Brüder und Schwestern, für die der Herr sein Leben hingegeben hat, weil er sie bis zur Vollendung liebt. Benedikt XVI    


Mitleid – sich in den anderen einfühlen

Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen, denn sie waren erschöpft und hilflos wie Schafe, die keinen Hirten haben. Mt 9:36

Wenn die Bibel von Jesu Mitleid spricht, dann verwendet sie das Wort: splanchnizomai. Es meint: In den Eingeweiden ergriffen werden. Die Eingeweide sind für die Griechen der Ort der verwundbaren Gefühle. Jesus öffnet sich dem Leid des Menschen. Er ist verwundbar. Daher spürt er die vielfältigen Leiden der Menschen, auch deine! In dieser Einfühlung ist Jesus das große, vollkommene Vorbild. Einfühlung in andere ist eine wichtige menschliche Fähigkeit und die Voraussetzung von Mitleid. Es meint die Solidarität mit dem Leid des anderen, nicht nur oberflächlich, sondern tief – eine Solidarität, die auch tätig wird, aktiv dem anderen hilft. Allerdings heißt es nicht, im Mitleid zu zerfließen. Denn dann helfe ich dem anderen nicht wirklich! Gott segne dich und diese Woche, der Allmächtige mache dein Herz enfühlend, damit du die Werke tun kannst, welche die Weisheit für dich vorbereitet hat.  


Mitleiden – nicht bedauern

Mitleid ist die höchste Form der Liebe – vielleicht die Liebe selbst. Heinrich Heine

Wenn wir andere Menschen bedauern, schwächen wir sie, tun ihnen nicht gut. “Dauern” heißt eigentlich: Leid tun. “Bedauern” ist so verstanden: ein beständiges Leid antun. Den, den ich bedauere, verletze ich immer wieder, anstatt ihn aufzurichten und zu stärken. Dagegen: Annehmen des anderen, der leidet, bedeutet, dass ich mir sein Leid selbst zueigne, dass es auch mein Leiden wird. Eben dadurch aber, dass es nun geteiltes Leid geworden ist, dass ein anderer in ihm da ist, dringt das Licht der Liebe in dieses Leiden ein. Das lateinische Wort con-solatio, Tröstung, drückt dies sehr schön aus, indem es die Vorstellung eines Mitseins in der Einsamkeit weckt, die dann keine Einsamkeit mehr ist. Das ist Solidarität, die bereit ist, wirklich zu helfen, den Rücken zu stärken. Gott segne dich und diesen Tag.    


Mitleid – Grenzen setzen

Jesus sah, wie sie und auch die Trauergäste weinten. Da war er tief bewegt und erschüttert. Joh 11:33‭-‬35

Jesus kann es sich leisten, Mitleid zu haben, weil er mit Gott eins ist. Und dort, wo er mit Gott eins ist, hat das Leid des anderen keinen Zutritt. Das ist auch eine wichtige Bedingung für unser Mitleid: Wir sollen unser Herz für den anderen öffnen, mit ihm fühlen, mit ihm leiden. Aber es braucht einen Bereich in uns, der nicht vom Leid des anderen infiziert wird, einen Raum, in dem wir uns zurückziehen können, um von dort aus das Leid des anderen zu spüren. Wir sind solidarisch mit dem Leidenden, aber wir lösen unsere Grenzen nicht auf. Wir haben in uns einen Raum, zu dem das Leid des anderen keinen Zutritt hat. Nur so können wir in und durch Gott Kräfte entwicklen, dem anderen zu helfen.    


Mitleiden – aktiv nicht passiv

Seid voller Mitgefühl. 1. Petrus 3, 8

Wer mitleidet steht für den anderen aktiv ein und bleibt nicht in einer passiven bedauernden Haltung. Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter heißt es “Er hatte Mitleid” (Lk 10,33). Doch der barmherzige Samariter bleibt nicht beim Mitleid stehen. Es wird für ihn und soll für uns Ansporn zu einem Handeln sein, das dem leidenden Menschen Hilfe bringen soll (versorgt die Wunden, bringt ihn in eine Herberge etc.). Ein barmherziger Samariter ist also letztlich, wer Hilfe im Leiden bringt, wie beschaffen diese auch immer sein mag (Geld, Zeit, Dasein, Fürbitte). Für den Leidenden setzt er sein Herz, seine physisch-psychischen Kräfte und seine materiellen Mittel ein. Er gibt sich selbst, sein eigenes Ich, indem er dieses Ich dem anderen öffnet. Wir berühren hier einen der Schlüsselpunkte der ganzen christlichen Anthropologie. Der Mensch kann sich selbst nur durch die aufrichtige Hingabe seiner selbst vollkommen finden.

Werde dir heute bewusst, welche leidenden Menschen Gott dir zur Zeit auf deinen Weg sendet und wie du ihnen nach dem Willen Gottes barmherziger Samariter bist.


Mitleid – Worte Benedikt

Wenn ein Glied leidet, leiden alle anderen mit. 1. Kor 12:26

Es ist immer problematisch, wenn einer, dem es gut geht, einen anderen trösten soll, dem es nicht gut geht (Krankheit, Liebesverlust etc.). Häufig bleibt es rhetorisch und pathetisch. Dennoch: Wenn diese Menschen spüren können, das wir Mitleidende sind, dass wir mit ihnen das Kreuz in Gemeinschaft mit Christus tragen wollen, indem wir vor allem mit ihnen beten, ihnen auch mit einem von Sympathie, von Liebe erfüllten Schweigen beistehen, ihnen helfen, soweit es uns möglich ist, dann können wir glaubwürdig werden. Wir müssen es akzeptieren, dass vielleicht in einem ersten Augenblick unsere Worte nur als blosse Worte erscheinen mögen. Wenn wir aber wirklich in diesem Geist der wahren Nachfolge Jesu leben, finden wir auch die Möglichkeit, anderen mit unserer Sympathie nahe zu sein. Sympathie heisst etymologisch Mit-leiden für den Menschen, indem man ihm hilft, mit ihm betet und auf diese Weise das Vertrauen erzeugt, dass auch im finstersten Tal die Güte des Herrn vorhanden ist. Wir können das Herz nicht durch unsere Worte öffnen, sondern durch die grosse Lehre Christi, durch sein Bei-uns-Sein, und so helfen, dass das Leiden und der Schmerz tatsächlich zur Gnade des Reifens, der Gemeinschaft mit dem gekreuzigten und auferstandenen Christus wird.  


Trost, der aus dem Mitleid erwächst

In der Traurigkeit ist der mitleidende Freund ein Trost. Augustinius

Weil es für mich Wort für Wort so passt, ausnahmsweise ein copy&paste Text aus wikipedia: Trost ist zwischenmenschliche Zuwendung an jemanden, der trauert oder anderen seelischen bzw. körperlichen Schmerz zu ertragen hat. Derjenige wird getröstet. Trost kann durch Worte, Gesten und Berührung gespendet werden. Der Schmerz und die Traurigkeit des Getrösteten sollen gelindert werden; er soll spüren, dass er nicht allein gelassen ist. Seine seelische Verfassung soll gestärkt werden. Das Wort Trost hängt etymologisch mit dem indogermanischen Wortstamm treu zusammen und bedeutet Festigkeit, auch seelischer Halt, Zuversicht und Ermutigung im Leid. Das grichische Wort für Trost (paregoria) bedeutet auch Zuspruch, Ermahnung, Ermutigung.

Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, der uns tröstet in all unserer Bedrängnis, damit wir die trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden. 2. Korinther 1:3‭-‬4