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10 Zuwenden

Zum Nächsten hörend will ich gehen.


Ich werde mich ihnen wieder zuwenden. Jer 24:6

Wenn ich mich dem anderen zuwende, folge ich Gottes Wegen, der sich mir immer wieder neu zuwendet. Wenn ich die Zuwendung zum Nächsten aus meinem Leben weglasse und nur fromm sein möchte, dann verdorrt auch die Gottesbeziehung. Dann ist sie nur noch korrekt, aber ohne Liebe. Nur meine Bereitschaft, auf den Nächsten zuzugehen, ihm Liebe zu erweisen, macht mich auch fühlsam Gott gegenüber. Nur der Dienst am Nächsten öffnet mir die Augen dafür, was Gott für mich tut und wie er mich liebt. Diese Zuwendung ist nicht immer leicht ist und kostet bisweilen Überwindung. Benedikt XVI schreibt hierzu: In dieser täglichen Passion, die den Menschen erst erfahren lässt, wie vielfach sein Ich ihn bindet, in dieser täglichen Passion und nur in ihr wird der Mensch Stück um Stück geöffnet für Gott und für den Nächsten.


Er bringt der Welt Frieden und wendet sich den Menschen in Liebe zu. Lk 2:14

Gottes liebende Zuwendung gibt uns Orientierung und Motivation im Handeln für unsere Mitmenschen in Wort und Tat. Die Zuwendung Gottes hat in Jesus Christus eine menschliche Gestalt gefunden. Er will, dass alle Menschen seine Liebe erfahren. Deshalb wollen wir Zuwendung leben. Der Mensch mit seiner Würde, seinen Bedürfnissen, Wünschen und Nöten steht für uns im Mittelpunkt. Jeder Mensch hat eine unantastbare Würde und Einmaligkeit, die ihm von Gott gegeben ist. Darum wird jede Person von uns gleichermaßen geschätzt.


Ich habe mich Jerusalem wieder voll Erbarmen zugewandt. Sach 1:16

Und so wenden wir uns auch dem Nächsten im Erbarmen zu. Die wirkliche Frage lautet hier nicht: Was können wir einander bieten?, sondern: Wer können wir füreinander sein? Zweifellos, es ist wunderbar, wenn wir einem Nachbarn etwas reparieren, einem Freund einen guten Rat, einem Kollegen einen hilfreichen Tipp geben, einem Kranken Linderung verschaffen können. Aber es gibt ein größeres Geschenk als das alles. Das ist das Geschenk unseres eigenen Lebens, das aus allem, was wir tun, hervorleuchtet. Je älter ich werde, desto mehr entdecke ich, dass mein größtes Geschenk, das ich anzubieten habe, meine eigene Freude am Leben ist, mein eigener innerer Friede, mein eigenes Schweigen und meine Einsamkeit, mein eigenes Gefühl, mich wohlzubefinden. Wenn ich mich selbst frage: Wer hilft mir am meisten?, dann muss ich zur Antwort geben: Der Mensch, der bereit ist, sein Leben mit mir zu teilen. Неnri Nouwen


Herr, gib mir ein hörendes Herz! 1 Kön 3,9

Nur wer sich innerlich auftut und auch still sein kann und schweigen, ist ein wahrhaft Hörender. Zuhören ist eine Tugend und eine Kunst. Und es ist etwas ganz Wichtiges und Wesentliches, wo immer Menschen zusammenleben. Wir können hinhören und weghören; wir können überhören und gespannt zuhören; wir können ein offenes Ohr haben und uns auch taub stellen. Einander anhören, gut zuhören, den anderen ausreden lassen, ihn nicht ständig mit den eigenen Gedanken unterbrechen. Die echte Freundschaft erfordert nicht zuletzt das herzliche Bemühen darum, die Ansichten unserer Freunde zu verstehen, auch wenn wir sie nicht teilen oder nicht akzeptieren können

Fragen wir darum täglich: Öffne ich dem andern, z.B. dem Ehepartner, dem Mitbruder, der Kollegin Ohr und Herz?


Sie sollen Gutes tun und gern von ihrem Reichtum abgeben, um anderen zu helfen. 1. Tim 6:18

Auch wenn hier im engeren Sinne der materielle Reichtum gemeint ist, ist es auch auf uns selbst übertragbar. Denn wir geben das Wertvollste, wenn wir uns selbst geben, uns von Herzen dem anderen zuwenden. Hier sollten wir nicht knausrig sein. Was ist unser Leben nichts anderes als eine kurze Stunde, die Gott gehört. Tun wir in dieser Stunde Gutes. Es lohnt die Mühe.

Dein Leben darf kein fruchtloses Leben sein. Sei nützlich. Hinterlasse eine Spur. Leuchte mit dem Licht deines Glaubens und deiner Liebe. Josemaría Escrivá


In meinem Namen werden sie ihr Leben führen. Sach 10:12

Wenn wir unser Leben in Gottes Namen führen, dann besteht dies in vielseitigen Aspekten aus Zuwendung zum Nächsten. Unser Einsatz für den Nächsten besteht dabei nicht ausschließlich in Taten. Was der Heilige Geist in Gang setzt, ist nicht ein übertriebener Aktivismus, sondern vor allem eine  aufmerksame  Zuwendung zum anderen. Diese liebevolle  Zuwendung ist der Anfang einer wahren Sorge um seine Person, und von dieser Basis aus bemühe ich mich dann wirklich um sein Wohl.