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Spiritualität von unten

Spiritualität von unten


Was ist das?

In deinen Augen sind wir alle unrein geworden, selbst unsere guten Werke sind bloß ein schmutziges Kleid. Wegen unserer Sünden sind wir wie verdorrtes Laub, das zu Boden fällt und vom Wind weggeblasen wird. Jes 64:5

Spiritualität von oben: hier orientieren wir uns an Tugendenden, versuchen gut zu sein, barmherzig, liebend. Das macht ein jeder von uns jeden Tag und das ist wichtig, unerlässlich, aber unzureichend. Es braucht ebenso eine ….

Spiritualität von unten: Nicht unbedingt deine Tugenden und gute Werke sind es, die dich für Gott öffnen, sondern deine Schwächen und die haben wir alle. Ich könnte da einige von mir aufzählen. Spiritualität von unten bedeutet einen Aufstieg zu Gott durch ein Hinabsteigen in die Wirklichkeit der eigenen Schwächen, Verletzungen, Sünden, Grenzen, unserer ganz eigenen Wüste und “Wüste muss jeder erleben, der Frucht tragen soll.” (Charles de Foucauld)


Wir sind der Stall

Würde Gott in Bethlehem auch tausendfach geboren, und nicht einmal in dir selbst, du wärest immerdar verloren! Silesius

Christus wurde im Stall geboren. Für C. G. Jung ist das ein wichtiges Symbol geworden. Er meint, du solltest immer daran denken, dass du nur der Stall bist, in dem Gott geboren wird. Du bist nicht der Palast, nicht das neu erbaute und schön eingerichtete Haus. Dein wie auch mein Stall sind nicht blank geputzt. Da liegen bei uns auch Mist und Unrat, vermischt mit Stroh und Heu. Ja, du und ich, wir reinigen auch immer wieder unseren Stall, in dem wir Reue zeigen, zur Beichte gehen u.v.m. Aber stets sammelt sich von neuem der Mist an. Wir sind einfach nicht vollkommen. Dennoch: Gerade dort, wo all unser Mist in uns liegt, will Gott in uns geboren werden. Du und ich, wir können Gott keine saubere Stube anbieten, sondern nur den schmutzigen Stall unseres Herzens. Das ist uns peinlich. Aber es befreit uns von dem Wahn, als ob wir die Gottesgeburt verdient hätten. Gott will in uns geboren werden, weil er uns liebt, nicht weil wir ihm etwas vorweisen können.    


Der Schatz im Acker

Gottes himmlisches Reich ist wie ein verborgener Schatz, den ein Mann in einem Acker entdeckte und wieder vergrub. In seiner Freude verkaufte er sein gesamtes Hab und Gut und kaufte dafür den Acker mit dem Schatz. Mt 13:44

Der Schatz im Acker steht für das eigene Selbst, das ursprüngliche Bild Gottes von uns. Dieses eigene Selbst, findest du nicht in luftigen Höhen, in Idealen, an denen du immer wieder scheiterst, sondern du findest den Schatz in der Erde, im Schmutz, du musst dir die Hände dreckig machen. Erst wenn du geerdet in deiner Menschlichkeit stehst mit all dem Schwachen, offenbart sich in uns Gott. Ich spüre das immer wieder als Lehrer, der mit körper- und geistigbehinderten Schülern arbeitet. Neben all der Freude, die mir diese Arbeit bereitet, fordert sie mich bisweilen auch stark, bringt mich an meine Grenzen, konfrontiert mich mit meinen Schwächen und erdet mich dadurch und das ist gut so. “Wenn du siehst dass ein junger Mönch mit seinem eigenen Willen nach dem Himmel strebt, halte seine Füsse fest, ziehe ihn nach unten, denn es hat für ihn keine Nutzen” (Smolitsch). Gott segne dich und diesen Tag und deine Menschlichkeit.    


Die Perle in der Muschel

Mit Gottes himmlischem Reich ist es auch wie mit einem Kaufmann, der auf der Suche nach kostbaren Perlen war. Als er eine von unschätzbarem Wert entdeckte, verkaufte er alles, was er hatte, und kaufte dafür die Perle. Mt 13:45‭-‬46

Von den biblischen Bildern diese Woche ist dieses mein Highlight aufgrund des biologischen Hintergrunds, denn: die Perle entsteht aus den Wunden der Muschel. Ist echt so!

Eine Deutung ist: Die Perle steht für Christus. In der Auseinandersetzung mit unseren eigenen Wunden (eigene Persönlichkeit, Beziehungskrisen, Krankheit, Scheitern u.v.m.) begegnen wir Christus. Die Wunden tun weh und schmerzen, aber in diesen Wunden finden wir die Verwiesenheit auf die Perle Christus.

Eine andere Deutung ist: die Perle steht für schöne Sachen, die aus unseren Wunden entstanden ist. Ich z.B. habe in der Auseinandersetzung mit meiner eigenen Introvertiertheit (das hat mich lange gequält!) gerlernt Stück für Stück auch aus mir raus zu gehen, wie gestern bei der Nikolausfeier. Bedenke heute deiner vergangenen Wunden und Perlen, lerne sie zu schätzen und sei gewiß: Es werden nicht die letzten sein. Hier nun ein Bild von gestern von mir als Nikolaus.  


Die Münze im Haus

Eine Frau hat zehn Silbermünzen gespart. Eines Tages verliert sie eine davon. Sofort zündet sie eine Lampe an, stellt das ganze Haus auf den Kopf und sucht in allen Ecken. Endlich findet sie die Münze. Lk 15:8‭-‬9

Das Bild ist ein anderes. Die Aussage ist die gleiche wie die vorherigen Tage. Unser Inneres gleicht einem Haus. Im Durcheinander unseres Hauses stehen wir in der Gefahr die Verbindung zum Herrn Jesus zu verlieren. Zu viele Baustellen in unseren Seelen, zu viele Gedanken um teil Nichtiges. Nur wenn wir uns diesem Durcheinander stellen, d.h. das Haus auf den Kopf stellen, uns vor dreckigen Stellen nicht drücken, werden wir Christus finden. Beachtet, dass man kein Haus fegen kann, ohne vorübergehend Unbequemlichkeit und Verwirrung zu erregen. Ein etwas derbes Zitat dazu stammt von Abt Dorotheus: Dein Abfall wir dein Erzieher sein.    


Weizen und Unkraut

Sollen wir hingehen und das Unkraut ausreißen? fragten die Arbeiter. Nein, dabei würdet ihr ja den Weizen mit ausreißen. Mt 13:28‭-‬29

In dir wächst Weizen und Unkraut. Das Unkraut versuchen wir allzu oft vor anderen zu verbergen, um ein möglichst schönes Bild nach aussen ab zu geben, Schein und Sein, daraus können im Extremfall ganze Lebenslügen aufgebaut werden. Wer das Unkraut, das “Nicht-so-Schöne” in sich verdrängt, gerät in eine Sackgasse, denn es lässt sich nicht verdrängen. In uns wächst Weizen UND Unkraut. Das ist Fakt! Das Unkraut können und dürfen wir nicht negieren, sondern müssen es Gottes unbegreiflicher Barmherzigkeit hinhalten. Klar und für das Weizen können und dürfen wir ganzem Herzen und Verstand sagen: “Gott sei Dank!”    


Das Hochzeitsmahl

Bitte lieber die Armen, Verkrüppelten, Gelähmten und Blinden an deinen Tisch. Lk 14:13

Gott erwählt das Schwache. Die Hochmütigen bringt er zu Fall. Gerade als fest im Glauben stehende und verankernde Christen sollten wir uns vor der Hochmut hüten, ständig der Liebe zugeneigt. Ich muss da immer wieder aufpassen: Sie arbeiten mit behinderten Menschen. Oh toll! Sie schreiben täglich diese christlichen Impulse. Oh toll. Was bin ich für ein toller Mensch. Und Zack, bin ich ausgeladen. Die Demut im Sinne des Erkennens der eigentlichen Menschlichkeit ist die Eintrittskarte zum königlichem Hochzeitsmahl. “Gott sucht sich nicht den vollkommensten Menschen, um sich mit ihm zu verbinden, sondern er nimmt menschliches Wesen an, wie es ist.” (Bonhoeffer). Machen wir uns in diesem Geiste auf zur Krippe. Gott sei alle Herrlichkeit und Ehre.