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Wüstenväter

Spiritualität der Wüstenväter


Die Wüstenväter

Gott, mein Gott bist du, dich suche ich. Ps 63:2

„Was sucht ihr?“ fragt Jesus im heutigen Evangelium. Die Antwort selbst (=Jesus) stellt uns die Frage, ein geheimnisvolles Paradoxum unseres Glaubens. Einer der wichtigsten Fragen in deinem Leben, die immer wieder gestellt werden muss: Was suchst du? Was ist dir wichtig? Was treibt dich an? Wohin willst du? Was ist dein Fundament? In dieser Woche wird es um die Spiritualität der Wüstenväter gehen. Wüstenväter waren frühchristliche Mönche, die seit dem 3. Jahrhundert ein zurückgezogenes, durch Askese, Gebet und Arbeit bestimmtes Leben in den Wüsten Ägyptens und Syriens führte. Ihr Leben war bestimmt durch die Suche nach Gott. Sie haben einen Reichtum an Sprüchen und Dialogen hinterlassen. Immer wieder fasziniert mich, dass diese Menschen vor 1700 Jahren im Prinzip mit den gleichen Problemen zu kämpfen hatten, die gleichen Fragen stellten und sich mit den gleichen Themen beschäftigten wie wir heute, vor allem mit der Frage: Was suche ich?


Dankbarkeit

Wenn wir uns immer an das Schlechte erinnern, was Menschen uns angetan haben, zerstören wir die Kraft, an Gott sich zu erinnern. Abba Makarios

Es ist ein festes Ritual meiner Frau und ich, dass wir uns abends stets Zeit nehmen, auf den Tag zurück zu blicken – was jeder so erlebt hat. Sicherlich muss man sich da auch Luft machen, was nicht so tolle war, wer uns aufgeregt hat usw. Mit den Jahren haben wir gelernt unsere Wahrnehmung so zu disziplinieren, auch und vor allem das wahr zu nehmen, was schön war und dafür dankbar zu sein. Es gibt immer und für jeden gute Situationen am Tag und wenn es nur Kleinigkeiten sind. Ja: „Sei freudvoll alle Zeit … und danke für alles!“ (Abba Benjamin). „Der wahre Mönch sollte Gebet und Jubelruf ständig in seinem Herzen tragen,“ (Epiphanius) selbst wenn´s ein Mist-Tag war:

Gesegnet ist, der Kummer mit Dankbarkeit erträgt. (Abba Copres)


Neuanfang – Gegenwart

Abba Pior machte an jedem einzelnen Tag einen ganz neuen Anfang.

Dein Leben im Hier und Jetzt in der Gegenwart ist etwas ganz wichtiges in deiner gelebten Spiritualität. Nur im Hier und Jetzt ist dir eine lebendige Jesus-Beziehung möglich. Vielfach entfernen wir uns von dieser innigen Verbindung, lassen uns von den Wirrnissen des Alltags dahin reißen. Ein ganz wichtiger Punkt bei unserer christlichen Spiritutalität ist, dass Umkehr immer und überall möglich ist. Gott schließt nie die Türe! Auch wenn wir untreu werden in Gedanken, Worten oder Werken, so bleibt er treu. Der Spruch von Abba Pior macht mir genau das möglich: jeder Tag ist ein neuer Anfang, eine neue Chance, ein „Re-Start“. Dieses Geschenk Gottes, dass wir jeden Tag neu anfangen dürfen, egal wie´s gestern gelaufen ist, lässt sich für mich in Worten nicht ausdrücken. Also: Fangen wir heute neu an! Wir können keine Seite im dem Buch unseres Lebens löschen, aber wir können jeden Tag ein neues Kapitel anfangen.


Wüstenväter: Gott vor Augen

Jemand fragte Abt Antonius: „Was muss jemand tun, um Gott zu gefallen?“ Der alte Mann erwiderte: „… wer immer du bist, habe immer Gott vor deinen Augen“

Wir sind Christen mit Leib und Seele, wenn wir unser Leben voll und ganz durch unsere Gottesbeziehung durchdringen lassen. Früher habe ich ein verkorkstes Bild eines Christen abgegeben, bestensfalls ein kurzes pflichtgemäßes Vater unser am Morgen, das war´s. In eine Spiritualität hinein zu wachsen, die Gott unentwegt vor Augen hat, ist wichtig. Wie geht das? Es ist so simpel und denoch habe ich es jahrelang nicht erkannt. Auch wenn es bei jedem von uns etwas anders aussieht, so sind die Bausteine überwiegend gleich: mit Gott den Tag beginnen im Morgengebet (ganz wichtig!), Stoßgebete zwischendurch, vor wichtigen Situationen (Gespräche, Arbeit etc.), Gott um Hilfe bitten, biblische Impulse in welcher Form auch immer, Dankgebet am Abend, der Gottesdienst-Besuch am Sonntag u.v.m. Durch all diese Bausteine, getan aus Liebe und nicht als Pflicht, festigen wir unsere Gottesbeziehung und erkennen was wichtig ist. Gott wir bitten dich: Führe uns zum Wesentlichen! Lass uns immer dich vor unseren Augen haben.


Gottes Wille

Wünsche dir nicht immer, dass alles so geschieht, wie du es willst, sondern vielmehr so, wie Gott es wünscht. Dann wirst du ungestört und dankbar bei deinem Gebet sein. Abba Nilus

Wer Gott im Bittgebet als „Melkkuh“ mißbraucht, der bitteschön unsere Wünsche erfüllen soll, ist definitiv in einer Sackgasse christlicher Spiritualität. Wer Gott im Bittgebet als „Kellner“ mißbraucht, der bitteschön etwas Gescheites auftischen soll, wird schnell merken, dass das so nicht funktioniert. Wir dürfen Bitten haben und diese Gott sagen. Das hat auch Jesus im Garten Gethsemanie getan, als er den Vater bat, dass der Kelch seines Todes an ihm vorrüber ging. Wie endete Jesus sein Bittgebet? Damit, dass der Wille des Vaters geschehen soll. So sollte auch unser Bittgebet stets mit den Worten enden: „Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe!“ So öffnen wir uns für die Führung durch den heiligen Geist, wie Abba Cronius schreibt:

„Wenn die Seele ihren eigenen Willen aufgibt, dann wird der Geist Gottes sie betreten und sie wird begreifen, weil sie frei ist, es zu tun.“


Die zwei Grundpfeiler

Ora et labora. Bete und Arbeite!

Das benediktinische Lebensprinzip „Ora et labora“ wurde schon bei den Wüstenvätern grundgelegt. Dieses „Bete und arbeite“ kann auch für unser Leben heilsam sein, vor allem, wenn unsere Gedanken mal wieder Achterbahn fahren. Hier nun die Geschichte, die für sich stehen soll: Als Altvater Antonios in verdriesslicher Stimmung und mit düsteren Gedanken in der Wüste sass, sprach er zu Gott; »Herr, ich will gerettet werden, aber meine Gedanken lassen es nicht zu. Was soll ich in dieser meiner Bedrängnis tun? Wie kann ich das Heil erlangen?« Bald darauf erhob er sich, ging ins Freie und sah einen, der ihm glich. Er sass da und arbeitete, stand von der Arbeit auf und betete, setzte sich wieder und flocht an einem Seil, erhob sich dann abermals zum Beten; und siehe, es war der Engel des Herrn, der gesandt war, Antonios Belehrung und Sicherheit zu geben. Und er hörte den Engel sprechen: »Mach es so, und du wirst das Heil erlangen.« Als er das hörte, wurde er von grosser Freude und mit Mut erfüllt und durch solches Tun fand er Rettung.


Verachte niemanden

Es gibt keine grössere Tugend als niemanden zu verachten. Apophthegmata

Wir sehen das Verhalten des anderen und analysieren es aufgrund unserer Werte und beurteilen: toll, schlecht etc. Ist es schlecht sollten wir es nicht gut reden. Das wäre die Vogelstrauß – Methode. Aber obacht. Die Sünde hassen und den Sünder lieben. Es ist durchaus recht und gut, dass wir uns gegenseitig korrigieren, uns gegenseitig zum umdenken bewegen. Jeder von uns hat so seine Fehler, an denen er arbeitet und wenn es jemanden gibt, der da mit Rat und Tat zur Seite steht: Super! So ähnlich hatten wir das ja schon letzte Woche. Doch sollten wir uns im Klaren sein, unsere Gedanken und damit auch unsere Worte und unser Handeln können schnell umkippen hin zum Verachten. Dann bauen wir den anderen nicht auf, sondern drücken ihn runter und schürren darüber hinaus die Unruhe in unserem Herzen. Achten wir den anderen in seiner von Gott geschenkten Würde, auch oder besser gerade dann, wenn wir im Umgang mit ihm Schwierigkeiten haben.