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Hdl Kap 5

Hdl Kap 5


Ich schlief, doch mein Herz war wach. Da, es klopft. Mein Liebster kommt! Hdl 5:2

Der heilige Geist spricht mitten am Tag zu uns ohne unser Zutun durch Einsprechungen. Gewissermaßen weist er uns auf dieses oder jenes hin, um uns zum Guten zu führen. Freuen wir uns über solche Einsprechungen, stimmen ihnen zu und führen sie aus. Er ruft uns. An uns liegt es, ob wir ihn hören. Wie allmächtig auch die Kraft der barmherzigen Hand Gottes ist, die die Seele mit so vielen Einsprechungen, Anregungen und Lockungen rührt, umhüllt und fesselt, der menschliche Wille bleibt doch stets vollkommen frei, ohne einem äußeren oder inneren Zwang zu unterliegen.


Ich schlafe, und mein Herz wacht. Hdl 5,2

Wie armselig ist oft unsere Liebe, wie zögerlich unsere Antwort auf die Liebe des Herrn, der für uns so viel getan hat! Christus hat für uns den ganzen Weg durch das Dunkel des Leidens und die Finsternis der Gottesferne auf sich genommen. Er bittet: Wacht und betet. Wir folgen seinem Ruf oft nur zögerlich. Wie oft leben wir, obwohl unser Herz schon aufgeweckt wurde durch die göttliche Liebe, noch im Halbschlaf dahin! Wenn wir unseren täglichen Beschäftigungen nachgehen, ohne an Gott zu denken, haben wir unser Taufkleid gleichsam abgelegt und sind zu träge, uns anzukleiden. Wie oft scheuen wir die Mühe des Weges, uns aufzumachen, das bequeme Dahinleben zu unterbrechen und uns in die Gegenwart des Herrn zu begeben


Mein Geliebter streckte die Hand durch die Luke. Da bebte mein Herz ihm entgegen. Hdl 5,4

Gott lässt sich nicht entmutigen von unserer schwächlichen Liebe. Er kennt unsere Unfähigkeit, ihm aus eigener Kraft entgegenzugehen und ihm die Tür zu öffnen. Deswegen streckt er seine Hand aus: Er kommt uns mit seinem Heiligen Geist zu Hilfe, dass wir uns zu ihm aufmachen und uns seiner Gegenwart öffnen können. Erst wenn Gott seine Hand durch die Luke hereinstreckt, wenn sein Heiliger Geist in unserem Innern wirkt, dann erwacht in uns die Liebe, die uns befähigt, ihm die Tür zu öffnen.

Ich stand auf, dem Geliebten zu öffnen. Hdl 5,5


Ich öffnete meinem Geliebten: Doch der Geliebte war weg, verschwunden. Mir stockte der Atem: Er war weg. Ich suchte ihn, ich fand ihn nicht. Ich rief ihn, er antwortete nicht. Hdl 5,6

Was den liebenden Gott dazu bewegt, sich zu verbergen, ist aus der Wirkung zu ersehen, die sein Handeln auf die Seele hat. Sie, die gerade noch so wenig Liebe zeigte und so träge auf die Gegenwart des Geliebten reagierte, sie wird nun durch die Abwesenheit des Geliebten verwandelt. Erst in seiner Abwesenheit bemerkt sie, wie sehr sie seiner Gegenwart bedarf. Die Anwesenheit des Geliebten hatte ihre Liebe nicht mehr gefördert. Seine Abwesenheit lässt die Liebe in der Form des schmerzlichen Vermissens in neuer Tiefe aufbrechen. Sie ruft, sie sucht – nun ist ihr kein Weg mehr zu weit. Auch wenn der liebende Gott sich dem Menschen entzieht – es geschieht aus Liebe!


Mein Geliebter ist weiß und rot. Seine Augen sind wie Tauben. Hdl 5,10-11

Jesus ist strahlend weiß im Lichtgewand der Verklärung und der Auferstehung und rot im Blut des Kreuzestodes. Seine Augen sind wie Tauben, rein und voller Sanftmut. Diesen Blick Christi zu meditieren ist eine unerschöpfliche Quelle. Wer im Gebet den Blick Christi sucht und sich von ihm betrachten lässt, den erfüllt er mit dem lebendigen Wasser des Heiligen Geistes. Der einfache gegenseitige Blick ohne Worte ist ein tiefes Gebet, das uns umgestaltet und ihm ähnlich macht durch das Wirken des Heiligen Geistes.


Seine Küsse sind zärtlich, alles an ihm ist begehrenswert. So ist mein Liebster, mein Freund, ihr Mädchen von Jerusalem. Hoheslied 5:16

Sicherlich nicht von jedem, aber gerade von uns nah stehenden Personen tut körperliche Nähe gut, die immer Ausdruck der Seelenverbundenheit ist. Umarmungen und Streicheleinheiten geben uns ein sehr gutes Gefühl. Über Berührungen fühlen wir die Qualität der Beziehung und wir zeigen auch über Zärtlichkeiten unsere Liebe. Eine zärtliche Berührung oder Umarmung zählt oft mehr, als das gesprochene Wort. Gerade in einer verkopften, technisierten Gesellschaft sollten wir das nicht aus dem Auge verlieren. Auch Jesus selbst kommen wir nur dann näher, wenn wir uns zärtlich von ihm berühren lassen. Dir einen guten Start ins Wochenende. Sei zärtlich.