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Psalm 20-29

Psalm 20 bis 29

Psalm 20: Gebet für den König

Der Herr erhöre dich, wenn du in Not zu ihm rufst. […] Er sende dir Hilfe. Ps 20:2-3

Ich muss mir nicht ständig vormachen, dass ich das schon irgendwie schaffen werde. Ich brauche mir nicht zu beweisen, dass ich mit den Problemen alleine fertig werden kann. Ich darf auf Gottes Hilfe, wie sie sich auch immer gestaltet, vertrauen. Nur darum beten muss ich :

Herr, eile mir zu helfen! Durch solche und ähnliche Gebete wollen wir um die Gnade flehen, ungewöhnliche und hervorragende Werke zu vollbringen, aber auch die gewöhnlichen öfter und eifriger zu tun, bei geringfügigeren Versuchungen mit größerer Festigkeit Widerstand zu leisten und bei schwereren mit mehr Tapferkeit zu kämpfen. Franz von SalesGott rettet

Wir wollen laut über deine Rettung jubeln. Ps 20:6

Christus kommt in die Welt ohne Kriegsheere, aber mit der Macht des Geistes und führt den endgültigen Schlag gegen das Böse und den Machtmißbrauch, gegen die Anmaßung und den Stolz, gegen die Lüge und den Egoismus. Durch den Sieg Jesus Christus können wir jubeln.

Gebet: Barmherziger Jesus, Du starke Ruhe und sichere Burg meiner Seele, vermehre mein Vertrauen und vollende meinen Glauben an Deine Macht und Güte. Wenn ich auch der ärmste Deiner Verehrer und der letzte Deiner Diener bin, so will ich doch groß und vollkommen sein im Vertrauen, daß Du mein Heil und meine Rettung bist für die ganze Ewigkeit. Dieses mein Vertrauen sei meine Empfehlung bei Dir, jetzt und alle Zeit, am meisten aber in der Stunde meines Todes

Nun weiß ich, dass der Herr seinem Gesalbten hilft. Ps 20:7

Wir aber stehen fest und halten uns aufrecht. Ps 20:9

Stellen wir uns die Oberfläche eines Sees vor, über dem die Sonne scheint. Wenn die Oberfläche dieses Sees ruhig und unbewegt ist, dann kann sich die Sonne in fast vollkommener Weise im See widerspiegeln und zwar um so vollkommener, je ruhiger dieser ist. Wenn dagegen die Oberfläche des Wassers bewegt und unruhig ist, dann kann das Bild der Sonne sich nicht darin widerspiegeln. Ähnlich ist es mit dem, was in unserer Seele bei der Begegnung mit Gott geschieht. Je friedvoller und ruhiger eine Seele ist, um so stärker vermag Gott sich in ihr widerzuspiegeln, und je stärker sein Bild sich in uns einprägt, um so mehr kann seine Gnade in uns wirksam werden. Wenn unsere Seele jedoch unruhig und verwirrt ist, dann ist es für die Gnade Gottes sehr viel schwerer, in ihr zu wirken. Jacques Philippe

Hilf uns! Er, der höchste König, wird uns erhören. Ps 20:10

Psalm 21: Hilfe für den König

Aus diesem Psalm wurde schon im Judaismus ein Hymnus zu Ehren des Messias-Königs. Damit wurde der Weg für die christologische Deutung bereitet, die in der Liturgie vorgenommen wird.Krone des Lebens

Du hast eine Krone aus Feingold auf sein Haupt gesetzt. Ps 21:4

Jesus ist unser König, der durch Liebe herrscht. Einst trug Jesus die Dornenkrone, jetzt aber schmückt die Krone der Herrlichkeit sein Haupt. Einst starb Jesus. Aber nachdem er von den Toten erweckt worden ist, stirbt er hinfort nicht. Er lebt und wir sollen auch leben. Wir können Jesus nicht zu hoch ehren. Wenn wir diesen Psalm beten, werden wir sehen, daß sich hinter dem Bild des jüdischen Königs das Antlitz Christi, des messianischen Königs, abzeichnet. Er ist der Sohn in vollem Sinne und damit die vollkommene Gegenwart Gottes inmitten der Menschheit. Er ist Licht und Leben.

Er bat dich um Leben, du hast es ihm gegeben. Ps 21:5

Du setzt ihn zum Segen für immer Ps 21:7

Gott macht den König zum Segen, d. h. durch den König erhält das Volk alles, was es zum Leben braucht. Das ewige Leben hat hier nichts mit dem Jenseits zu tun, sondern es ist ein Leben ohne Not. Das war damals weniger selbstverständlich als bei uns hier und heute. Hungersnöte durch Kriege oder Dürren oder weitern Katastrophen waren relativ häufig. Nicht Not leiden müssen, war ein naheliegender Wunsch. Seine Erfüllung war der Segen Gottes. Wenn Gott da ist und dem Menschen sein Gesicht zuwendet, dann erfährt der Mensch die gütige und heilvolle Zuwendung Gottes. Der Segen ist das Zeichen der gütigen und liebenden Gegenwart Gottes. Jesus ist der immer währende Segen für uns.

Erhebe dich, Herr, in deiner Kraft, so wollen wir deine Stärke besingen und preisen! Ps 21:14

Der Psalm endet mit einer Bitte für den König und der Überzeugung, dass der Herr auf unser Rufen, das heißt auf unsere Gebete, hört. Denn der Sieg in unserem täglichen Leben ist nicht etwas aus uns selbst, sondern er ist von dem Herrn. Er gibt uns die Kraft. Hast du das Vertrauen? Und dankst du täglich für diese Gnade? Oder wurschtelst du weiter mit deinen Sorgen und Problemen? Sieh auf den Herrn Jesus am Kreuz, wo Er alles für uns vollbracht hat. Dann wirst du über den Sieg jubeln.

Psalm 22: Leiden und Herrlichkeit Christi

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ps 22:2

Das ist ein Ruf, den der sterbende Jesus am Kreuz ausstieß. Er bringt die ganze trostlose Lage des Messias, des Sohnes Gottes zum Ausdruck, der dem Drama des Todes gegenübersteht, einer Wirklichkeit, die in völligem Gegensatz zum Herrn des Lebens steht. Fast gänzlich von den Seinen verlassen, von den Jüngern verraten und verleugnet, umgeben von Menschen, die ihn beleidigen, steht Jesus unter der erdrückenden Last einer Sendung, die durch Erniedrigung und Tod hindurchführen muß. Darum ruft er zum Vater. Aber sein Ruf ist kein verzweifelter Ruf. Er beschreitet in seiner Bitte einen qualvollen Weg, der am Ende des Psalms jedoch in den Lobpreis einmündet, in das Vertrauen auf den göttlichen Sieg. Benedikt XVI

Mein Gott, Tag und Nacht rufe ich zu dir um Hilfe, aber du antwortest nicht und schenkst mir keine Ruhe. Ps 22:3

Das ist ein Appell, der an einen Gott gerichtet ist, der fern zu sein scheint, der nicht antwortet und der ihn scheinbar verlassen hat. Gott schweigt, und dieses Schweigen zerreißt das Herz des Beters, der unablässig ruft, aber keine Antwort findet. Tage und Nächte vergehen, in einer unermüdlichen Suche nach einem Wort, nach einer Hilfe, die nicht kommt. Gott scheint so fern, so abwesend zu sein, scheint ihn vergessen zu haben. Das Gebet bittet um Hören und Erhörung, es will einen Kontakt herstellen, es sucht nach einer Beziehung, die Trost und Heil spenden kann. Aber wenn Gott nicht antwortet, dann verhallt der Hilferuf im Leeren, und die Einsamkeit wird unerträglich. Und dennoch nennt der Beter unseres Psalms in seinem Ruf den Herrn gleich dreimal mein Gott, in einem Akt äußersten Vertrauens und Glaubens. Allem Anschein zum Trotz kann der Psalmist nicht glauben, daß die Verbindung mit dem Herrn vollkommen abgebrochen ist. Benedikt XVI

Du bist doch der heilige Gott! Du bist es, dem das Volk Israel seine Loblieder singt. Psalm 22:4

Auf dich haben unsere Väter vertraut; sie vertrauten, und du hast sie errettet. Ps 22:5

Das Volk, dem der Beter angehört, war Gegenstand der Liebe Gottes und kann seine Treue bezeugen. Begonnen bei den Erzvätern und dann in Ägypten und in der langen Pilgerschaft in der Wüste, im Aufenthalt im Gelobten Land, wo es mit aggressiven und feindlichen Völkern in Berührung kam, bis hin zur Finsternis der Verbannung war die ganze biblische Geschichte eine Geschichte der Hilferufe des Volkes und der rettenden Erhörung durch Gott. Und der Psalmist erwähnt den unerschütterlichen Glauben seiner Väter: Sie vertrauten. Dieses Wort wird dreimal wiederholt. Ja: Dreimal nacheinander wird es hervorgehoben: sie vertrauten, sie vertrauten, sie vertrauten. Sie ließen sich vom Vertrauen nicht abbringen; denn das war ihr Lebenselement.

Zu dir schrien sie und wurden gerettet. Sie vertrauten dir, und du hast sie nicht enttäuscht. Ps 22:6

Ein Wurm bin ich, kein Mensch mehr, nur noch Hohn und Spott hat man für mich übrig. Alle Leute machen sich über mich lustig. Wer mich sieht, verzieht sein Gesicht und schüttelt verächtlich den Kopf. Ps 22:7-8

Der Herr wurde gegeißelt und niemand kam zu Hilfe. Er wurde mit Speichel besudelt und niemand kam zu Hilfe. Er wurde geohrfeigt und niemand kam zu Hilfe. Er wurde mit Dornen gekrönt und niemand kam zu Hilfe. Er wurde ans Kreuz geschlagen und niemand rettete ihn. Nichts! Keine Hilfe. Warum? Um welchen Lohn hat er das alles gelitten? All das, was er gelitten hat, ist ein Kaufpreis. Wofür?

Bedenke, was für ein Preis für dich bezahlt worden ist und du wirst keines Menschen Knecht sein; das Kreuz nennt er nämlich einen Kaufpreis. Man darf das Kreuz aber nicht einfach nur mit dem Finger machen, sondern zuerst mit dem Herzen, voll innigen Glaubens. Chrysostomus

Überlass Gott deine Not!, lästern sie, der soll dir helfen und dich retten! Er liebt dich doch, oder etwa nicht? Ps 22:9

Du, Herr, hast mich aus dem Leib meiner Mutter gezogen. Schon an ihrer Brust hast du mich Vertrauen gelehrt. Ps 22:10

Gott war dennoch im Leben des Beters gegenwärtig, mit unbestreitbarer Nähe und Liebe. Der Herr ist der Gott des Lebens, der das neugeborene Kind zur Welt kommen läßt und es mit väterlicher Liebe umsorgt. Und wenn vorher die Treue Gottes in der Geschichte des Volkes ins Gedächtnis gerufen wurde, so ruft der Beter jetzt seine persönliche Geschichte der Beziehung zum Herrn in Erinnerung, indem er zu dem besonders bedeutenden Augenblick des Beginns seines Lebens zurückkehrt. Dort erkennt der Psalmist trotz der Trostlosigkeit der Gegenwart eine göttliche Nähe und Liebe, die so tief verwurzelt sind.

Du bist mein Gott, seitdem mein Leben begann. Seit der Stunde meiner Geburt bin ich auf dich angewiesen. Ps 22:11

Bleib mir jetzt doch nicht fern! Groß ist meine Angst! Weit und breit gibt es keinen, der mir hilft. Ps 22:12

Die einzige Nähe, die der Psalmist spürt und die ihn erschreckt, ist die der Feinde. Daher muß Gott zu ihm kommen und ihm beistehen, denn die Feinde umgeben den Beter, sie umringen ihn, und sie sind wie mächtige Stiere, wie Löwen, die den Rachen aufsperren, um zu brüllen und zu reißen. Die Feinde scheinen unbesiegbar, sie sind zu wilden, gefährlichen Tieren geworden, während der Psalmist gleichsam ein kleiner, machtloser, wehrloser Wurm ist. Diese Bilder sollen auch zum Ausdruck bringen, daß im Menschen, wenn er brutal wird und seinen Bruder angreift, etwas Animalisches die Oberhand gewinnt und er alle menschlichen Züge zu verlieren scheint. Die Gewalt birgt immer etwas Bestialisches in sich, und nur das rettende Eingreifen Gottes kann dem Menschen seine Menschlichkeit zurückgeben.

Es umringen mich große Stiere. Ps 22:13

Sie sperren ihr Maul gegen mich auf wie ein reißender und brüllender Löwe. Ps 22:14

Meine Kraft schwindet wie Wasser, das versickert, und alle meine Knochen sind wie ausgerenkt. Mein Herz verkrampft sich vor Angst. Ps 22:15

Für den Psalmisten, der so grausamen Angriffen ausgesetzt ist, scheint es nunmehr kein Entrinnen zu geben, und der Tod beginnt, von ihm Besitz zu ergreifen. Mit dramatischen Bildern, die wir in den Berichten von der Passion Christi wiederfinden, wird die Vernichtung des Leibes des Verurteilten beschrieben, der unerträgliche brennende Durst, der den Sterbenden quält und der einen Widerhall findet in der Bitte Jesu: Mich dürstet.

Meine ganze Kraft ist dahin, verdorrt wie eine staubige Tonscherbe. Die Zunge klebt mir am Gaumen. Du lässt mich im Tode versinken. Ps 22:16

Hände und Füße haben sie mir durchbohrt. Ps 22:17

Seht den Menschen, welchen ihr gekreuzigt habt; seht die Wunden, welche ihr geschlagen; erkennet die Seite, welche ihr durchbohrt habt; denn durch euch und euertwegen wurde sie geöffnet. Jesus hat uns mit einem menschlichen Herzen gekannt und geliebt. Sein Herz, das um unseres Heiles willen durchbohrt wurde, ist das Symbol jener unendlichen Liebe, mit der er den Vater und jeden Menschen liebt.

Christsein bedeutet nicht etwa, sich selbst sehr anzustrengen, sondern sich den durchbohrten Händen Jesu anzuvertrauen. Corrie ten Boom

Schon teilen sie meine Kleider unter sich auf und losen um mein Gewand. Ps 22:19

Jesus, meine Liebe! Deiner Kleider beraubt, stehst du da mit einem zerfleischten Leib, aber mit der Sanftmut eines Lammes, das zur Schlachtbank geführt wird. Dein ganzer Leib erzittert. Es presst sich mir das Herz vor Schmerz zusammen, da ich wahrnehme, dass das Blut aus allen Teilen deines heiligsten Leibes dringt.

Ganz entblößt ist nun der Herr, von allem gänzlich entäußert, in vollkommenster Armut. Nur das Kreuz ist sein eigen. Christus ist der Weg, um zu Gott zu gelangen aber der Christus am Kreuz. Und um das Kreuz zu besteigen, muß das Herz frei sein, losgelöst vom Irdischen. Josemaria

Herr, wende dich nicht länger von mir ab! Nur du kannst mir neue Kraft geben, komm mir schnell zu Hilfe! Ps 22:20

Dieser Ruf öffnet die Himmel. Er verkündigt einen Glauben, eine Gewißheit, die über jeden Zweifel, jede Finsternis und jede Verzweiflung erhaben ist. Und die Klage verwandelt sich, macht dem Lobpreis Platz in der Annahme des Heils. So öffnet sich der Psalm zur Danksagung, zum großen abschließenden Lobgesang. Der Herr ist zu Hilfe gekommen, er hat den Armen errettet und ihm sein barmherziges Antlitz gezeigt. Tod und Leben sind einander begegnet, in einem untrennbaren Geheimnis, und das Leben hat triumphiert, der Gott des Heils hat sich als unbestrittener Herr erwiesen. Es ist der Sieg des Glaubens, der den Tod in das Geschenk des Lebens umwandeln kann, den Abgrund des Schmerzes in einen Quell der Hoffnung.

Du hast mich erhört! Ps 22:22

Ich will meinen Brüdern deinen Namen bekannt machen, vor der ganzen Gemeinde will ich dich loben. Ps 22:23

Der Name Gottes, sein Wesen und sein Walten, wird durch das Evangelium Jesu Christi der ganzen Welt kundgemacht. Zur Demut und Verehrung wird aufgerufen. Demut aber besteht darin, dass man nicht nur freiwillig seine Niedrigkeit anerkennt, sondern sie liebt und gern auf sich nimmt. Sei eine Blume unter vielen, ohne dich für etwas Besseres zu halten. Denke stets daran, was Gott dich in deiner Schönheit als Kind Gottes geschaffen hat und dir unzählbar Gutes tut. Sei dankbar, was er dir alles gegeben hat. Was haben wir denn Gutes, das wir nicht empfangen hätten? Demut heißt nicht, sich vor Menschen bücken, sondern Gott allein die Ehre geben.

Begegnet ihm mit Demut und Verehrung. Ps 22:24

Die Armen sollen wieder essen und satt werden. Die den Herrn suchen, sollen ihn preisen. Euer Herz lebe auf, es lebe ewig! Ps 22:27

Die Armen essen und werden gesättigt. Es ist die weltweite Eucharistie, die aus dem Kreuz hervorgeht. Nun sättigt Gott weltweit die Menschen, die Armen, die seiner bedürfen. Er gibt ihnen die Sättigung, die sie brauchen: Gott selbst, sich selbst. In diesem Mysterium wird die Liebe Christi immer mitten unter uns greifbar. Hier gibt er sich immer wieder hin. Hier läßt er sein Herz immer wieder durchbohren; hier hält er seine Verheißung aufrecht, die Verheißung, daß er vom Kreuz her alles an sich ziehen wird. In der Eucharistie erlernen wir selber die Liebe Christi.

Alle Völker werden sich vor ihm niederwerfen. Psalm 22:28Beugen der Knie

Der Herr ist König. […] Vor ihm werden ihre Knie beugen alle. Ps 22:29-30

Jetzt ist es geschehen. Durch das Kreuz Christi ist Gott zu den Völkern gekommen, aus Israel hinausgegangen, der Gott der Welt geworden. Und nun beugt der Kosmos die Knie vor Jesus Christus, was auch wir heute in wunderbarer Weise erleben dürfen: In allen Kontinenten, bis in die einfachsten Hütten hinein, ist der Gekreuzigte gegenwärtig. Der Gott, der gescheitert war, bringt nun durch seine Liebe den Menschen wirklich dazu, die Knie zu beugen, und überwindet so die Welt mit seiner Liebe.

Die kommenden Generationen werden ihm dienen, eine wird der nächsten von ihm erzählen. Psalm 22:31

Selbst die Menschen, die noch nicht geboren sind, werden von seinen gerechten Taten hören, und man wird sagen: Der Herr hat es vollbracht! Ps 22:32

Es ist vollbracht! In dem Geheimnis seines Gehorsams bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz wurde der neue und ewige Bund verwirklicht. In seinem gekreuzigten Leib haben sich die Freiheit Gottes und die Freiheit des Menschen in einem unauflöslichen, immerwährenden Bündnis endgültig zusammengefunden. Auch die Sünde des Menschen ist durch den Sohn Gottes ein für allemal gesühnt worden. In seinem Tod am Kreuz vollzieht sich jene Wende Gottes gegen sich selbst, in der er sich verschenkt, um den Menschen wieder aufzuheben und zu retten: Liebe in ihrer radikalsten Form.

Laß mich, Herr, doch erkennen und einsehen, was zuerst kommt: Dich anzurufen und dann Dich zu loben oder zuerst Dich zu erkennen und dann Dich anzuru anzurufen? Aber wer ruft Dich an ohne Dich zu kennen? Denn er könnte ja, wenn er Dich nicht kennt, das eine für das andere anrufen. Aber ruft man Dich nicht an, um Dich zu erkennen? Es heißt doch: ‘Wie sollen sie den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben?’ (Röm 10,14) ‘Den Herrn sollen preisen, die Ihn suchen.’ (Ps 22,27) Denn wenn sie Ihn suchen, werden sie Ihn finden, und wenn sie Ihn gefunden haben, werden sie Ihn loben. Ich will Dich suchen, Herr, indem ich Dich anrufe, und ich will Dich anrufen, indem ich an Dich glaube. Denn verkündet wurdest Du uns! Der Glaube, Herr, den Du mir gegeben, den Du mir eingehaucht hast durch die Menschheit Deines Sohnes und durch das Amt Deines Verkünders, er ruft Dich an. Augustinus

Psalm 23: Hirtenpsalm

Der Herr ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln. Ps 23:1 

Dies drückt gegenseitige Vertrautheit und Fürsorge aus. Jesus ist der Hirte, ich bin sein Schäflein. Er zeigt uns den Weg und so können wir zuversichtlich mit ihm gehen trotz der Schwierigkeiten, die auf dem Weg liegen mögen. Mag sein, dass ich nicht alles habe, was ich wünsche. Aber mangeln wird mir nichts, was mir wirklich notwendig und heilsam ist. Ich habe alles und sogar mehr als genug nicht darum, weil ich etwa viel Geld, eine gute Gesundheit u.a. habe, sondern weil der Herr mein Hirte ist. Darum leidet der Gläubige keinen Mangel, wenn er auch von all den anderen Dingen nichts hätte. Es gibt nichts, das ihn reicher machen könnte, als er schon in Jesus ist, unserem Hirten 

Mit Gott ist überall gut sein; ohne Ihn nirgends. Franz von Sales

Er weidet mich auf grünen Auen und führt mich zu stillen Wassern. Ps 23:2 

Welch wundervolle Bildsprache der Psalmen. Der Hirte weidet uns auf grünen Auen und führt zu stillen Wassern. Dies sind Bilder des Lebens. Er ist ja das Leben selbst. Die grünen Auen können für das Gottes Wort stehen, das immerfort grünt, erblüht und voller Kraft ist, wenn wir es essen und wiederkäuen. Die stillen Wasser können als Bild für das Wirken des heiligen Geistes gesehen werden. Sein Wasser reinigt, erfrischt und macht unser Leben fruchtbar. Stille Wasser sind es, denn der Heilige Geist ist ein Geist der Stille: Er ist nicht laut da wo er wirkt.

So gehe wiederkäuend mit diesem oder einem anderen Vers aus dem Wort Gottes durch den Tag und vertraue voller Zuversicht auf die Leitung durch den heiligen Geist. 

Er erquickt meine Seele. Er führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Ps 23:3 

Wenn deine Seele voll Sorge ist, belebt Jesus sie. Wenn deine Seele trauert, tröstet er sie.  Wenn Sünden deine Seele drücken, vergibt Jesus dir. Wenn Schwäche dich beugt, kräftigt Jesus dich. Wenn du gehst, dann führt Jesus dich. O wie gut ist es, immerfort seine Hilfe zu ersuchen. Sage dir immer wieder, dass Jesus helfen wird und du wirst sehen, dass er es tun wird. Wenn er vielleicht auch nicht so hilft, wie du es dir wünschst, dann wird er Dir dennoch Kraft geben in allen Situationen zum Tragen deiner Kreuze, die dich mit dem Leiden Jesus verbinden. 

Dir erscheint vielleicht alles sinnlos und alles wertlos und so trüb und hart und dunkel. Schau auf zum Kreuz. Suche die Liebe Christi, höre nicht auf durch das Dunkel weiter zu gehen. Klaus Stefan

Wenn ich auch wanderte durchs Tal der Todesschatten, so fürchte ich kein Unglück. Ps 23:4 

Alles Wandern hat ein Ziel. Der Tod ist nicht das Ziel, sondern der Durchgang zum Licht. Wir bleiben nicht im Tal, sondern wandern zum Licht des ewigen Lebens bei Gott. Das Wann und Wie liegt in Gottes Vorsehung. An uns liegt es allein zu glauben. Wer mit Jesus wandert, fühlt sich sicher, auch in der finsteren Schlucht des Leidens, der Ungewißheit und aller menschlichen Probleme. Bedenkenswert: hier ist nicht vom Tod, sondern vom Todesschatten die Rede. Kein Mensch fürchtet sich aber vor einem Schatten. Denn ein Schatten kann niemand den Weg versperren. 

Der Tod ist das Tor zum Licht am Ende eines mühsam gewordenen Weges. Franz von Assisi 

Du bist bei mir. Dein Stecken und dein Stab, die trösten mich. Ps 23:4 

Das “Du bist bei mir” ist ein Ausdruck unerschütterlichen Vertrauens, der die Erfahrung tief verwurzelten Glaubens zusammenfaßt! Die Nähe Gottes verändert die Wirklichkeit, die finsteren Schluchten verlieren all ihre Gefährlichkeit und ihre Bedrohungen. Die Herde kann ruhig wandern, begleitet vom vertrauten Klang des Stabes, der auf die Erde stößt und die beruhigende Gegenwart des Hirten anzeigt. Stecken und Stab sind Bilder seiner liebreichen Fürsorge. 

Schau die unfassbare Tiefe der Liebe des göttlichen Herzens Jesu. Herr, schenke uns, dass wir Dich sehnsuchtsvoll lieben und nicht der Lauheit dieser Welt zum Opfer fallen. 

Dein Stecken und dein Stab, die trösten mich. Ps 23:4

Der Stecken ist ein Knotenstock in der Hand des Hirten. Er dient als Waffe, um den Angriff wilder Tiere auf die Herde abzuwehren und diese Feinde in die Flucht zu schlagen. In der geistlichen Bedeutung spricht der Stecken davon, dass der Herr Jesus die Seinen vor den Gefahren der Welt bewahren kann. Er beschützt sie, damit sie dem Feind nicht zur Beute werden.

Der Stab hat eine andere Funktion. Der Hirte benutzt ihn, um seine Schafe zu leiten. Wenn sie vom rechten Weg abkommen, bringt er sie mithilfe seines Stabs wieder zurück. So leitet der Herr Jesus die Erlösten auch auf gefahrvollen Wegstrecken sicher ans richtige Ziel.

Nun stellt sich vielleicht die Frage: Wie trösten uns der Stecken und der Stab? Bei der Bewahrung durch den Stecken dürfen wir daran denken, dass unser Herr allmächtig ist und jeden Feind bezwingen kann. Bei der Leitung durch den Stab wird uns bewusst, dass unser Hirte allwissend ist und nie einen Fehler macht. Liegt darin nicht ein grosser Trost? Andacht des Kalenders Näher zu Dir

Du, Herr, bist bei mir. Ps 23:4

Immanuel Kant hat gesagt, dass er trotz des Lesens vieler guter Bücher, in ihnen nichts gefunden hat, was sein Herz so still und froh gemacht hat, wie die vier Worte aus dem Psalm 23 „Du bist bei mir“. Dem kann ich 100% zustimmen. Aus Gott heraus zu handeln bedeutet letztlich mit ihm handeln, zu glauben, dass er DA ist. „Wer nämlich zu Gott kommen will, muss darauf vertrauen, dass es ihn gibt.“ (Heb11:6). Wir tragen Gott selbst in die Welt, weil wir seine Kinder sind und er als Vater uns auf eine unvorstellbare Weise begleitet. Welch Gnade. Welch Geschenk! Ja, Herr: DU BIST BEI MIR!

Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde. Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, mein Becher fließt über. Ps 23:5 

Jesus nimmt uns mit einer großherzigen Gastfreundschaft auf. Er ist der göttliche Gastgeber. Die Tischgemeinschaft mit ihm drückt tiefe Verbundenheit aus. Er salbt unser Haupt mit Öl. Das ist ein Bild für den Beistand des heiligen Geistes. Weiter: Er füllt unseren Becher überfliessend. Das ist das Leben in Fülle, das über das strikt Notwendige hinausgeht. Wir allein müssen täglich neu seine Einladung dankbar annehmen und ihn ohne Wenn und Aber an die erste Stelle unseres Lebens setzen. 

Die Entscheidung für Christus erfordert, dass wir einen einzigen Weg, und nicht zwei Wege auf einmal gehen. Roger Schutz

Nur Güte und Gnade werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Haus des Herrn immerdar. Ps 23:6 

Der Himmel ist das Ziel. Bei Gott zu wohnen, in seiner Nähe und Güte, ist das Verlangen und die Sehnsucht eines jeden Gläubigen. In der Nachfolge des Hirten Jesus Christus werden wir dorthin geführt. Gottes Güte und Gnade sind der Geleitschutz dorthin. Bitten wir mit Glauben, daß der Herr uns gewähre, auch auf den schwierigen Wegen stets als hörende Herde auf seinen Pfaden zu wandern, daß er uns in sein Haus, an seinen Tisch aufnehme und uns zum Ruheplatz am Wasser führe, damit wir die Gabe seines Heiligen Geistes annehmen und aus seiner Quelle trinken können. 

Psalm 24: Macht hoch die Tür

Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt. Ps 24:1

Alles ist durch das Wort entstanden. Das Wort nun wurde Fleisch und hat unter uns gewohnt. Er kam in sein Eigentum heißt es, weil ihm, dem Herrn, ja die Erde gehört, weil alles durch ihn entstanden ist und in ihm Bestand hat. Erleben wir nicht die Größe und Macht des Herrn in der Schöpfung? Als kleines Kind kommt er nun in sein Eigentum, geboren von einer Frau, so dass er uns Bruder und Freund wird. Klein macht sich das Wort, durch das alles entstanden ist, um mir zu begegnen. Gepriesen sei die Herrlichkeit des Herrn.

Wer darf auf den Berg des Herrn steigen? Und wer darf an seiner heiligen Stätte stehen? Ps 24:3

Die reines Herzens sind, werden Gott schauen. Es geht allein um unser Herz. Unser wahres Leben liegt im inneren Menschen, darum ist Herzensreinheit eine unumgängliche Notwendigkeit. Die innersten Falten des Herzens müssen daher die reinigende Kraft der Gnade erfahren. Nur mit reinem Herzen können wir im Kind in der Krippe den Schöpfer und Erlöser sehen und erkennen.

Wer unschuldige Hände hat und ein reines Herz, wer seine Seele nicht auf Trug richtet und nicht falsch schwört. Ps 24:4

Der wird Segen empfangen von dem Herrn und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heils. Ps 24:5

Du empfängst Segen und Gerechtigkeit als Geschenk Gottes. Wir kommen zum Kind in der Krippe, um eben dies von ihm zu empfangen. Zuallerst sind wir also immer Beschenkte und Empfangende. Sicherlich versuchen wir durchaus ein gutes Leben zu führen und viel dem Nächsten zu geben. Doch auch dies ist eine Frucht der Arbeit des Heiligen Geistes am Menschenherzen in uns. Also: die wesentlichen Dinge können wir nicht machen, sondern nur empfangen. Aber wir können uns empfänglich machen in dem Maße, in dem wir uns zur Verfügung stellen.

Daran erkennt man Gottes wahres Volk, Menschen, die nach ihm fragen: es sind die, Herr, die deine Nähe suchen und vor dein Angesicht treten. Ps 24:6

Hat schon das Suchen des Herrn eine so starke Wirkung, welche heiligende Macht muss dann im Finden des Herrn liegen! Die Nähe des Herrn zu suchen, heißt, Gemeinschaft mit dem Herrn zu begehren. O dass wir immer mehr danach hungerten und dürsteten, das Angesicht des Herrn in seiner ganzen Herrlichkeit zu schauen! Das wird uns antreiben, uns stetig innerlich zu reinigen und in Lauterkeit zu wandeln vor dem Herrn.

Es ist schon ein Teil des Findens, wenn du weißt, was du zu suchen hast. Augustinus

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, daß der König der Ehren einziehe! Ps 24:7

Hier sind die Türen und Toren des Tempels zu Jerusalem in altisraelitischer Zeit gemeint. Die Kirche griff den Text bereits früh auf und erwartete im Advent den König Christus mit dem Ruf: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. Wer ist aber der mächtige Gott, der einzieht? Er ist ein Kind in den Armen seiner Mutter Maria. Das fordert von uns Demut und Offenheit. Die Tore unseres Herzens müssen wir weitmachen und die Türen unserer Seele in der Welt hoch, damit Christus täglich neu darin kommen kann, ein tägliches Weihnachten.

Wer ist dieser König der Herrlichkeit? Es ist der Herr, der Starke und Mächtige, der Herr, der Held im Streit! Ps 24:8

Er ist der König der Herrlichkeit! Ps 24:10

Mein guter Jesus, seliger König der ewigen Herrlichkeit, Dir wende ich mich zu. Ich umfange Dich mit der ganzen Kraft meiner Seele. Ich bete Dich von ganzem Herzen an, ich erwähle Dich heute für immer zu meinem König. Dir will ich unverletzliche Treue bewahren. Ich gebe mich dir ohne Widerruf hin und verpflichte mich zum Gehorsam gegen deine heiligen Gesetze und Anordnungen. Franz von Sales

Er ist der König der Herrlichkeit. Er ist unser König! Er zeigt uns seine Liebe und sein Erbarmen. Dies sei die Wahrheit, die euer Leben verwandelt, die in euch den Glauben und die Hoffnung stärke. Ich segne euch von Herzen. Benedikt XVI

Psalm 25: Leitung und Vergebung

Zu dir, o Herr, erhebe ich meine Seele. Ps 25:1

Im Gebet schwingt sich die Seele dem Himmel zu. Erhebet eure Herzen! Erhebe dich oft zu Gott durch kurze und herzerfüllte Herzensgebete. Wenn unser Geist ständig innig mit Gott verkehrt, dann wird er ganz vom seinem Duft durchdrungen. Wie wenig Liebe kann dagegen ausgetauscht werden, wenn ich beim Gebet nicht im Herzen bei Gott bin und ihm ganz und gar vertraue.

Das ist höchste Weisheit: sein Herz zu göttlichen Dingen erheben. Thomas von Kempen 

Mein Gott, ich vertraue auf dich! Ps 25:2

Von welcher Innigkeit und Vertrautheit zeugt diese Anrede! Welch himmlische Musik liegt in dem Wort: Mein Gott! Das Vertrauen verbindet uns mit Gott und bringt uns immer näher zu ihm. Solange der Anker unseres Glaubens in Gott versenkt ist, ist auch im heftigsten Sturm für uns keine Gefahr. Augustinus hat das so ausgedrückt: Die Welt gleicht einem Meer, das Sturm und Ungewitter aufwühlen. Liebst du Gott, so wandelst du über den Wogen, und unter deinen Füßen liegt die Flut. Liebst du die Welt, so wirst du von ihr verschlungen.

Keiner wird zuschanden, der auf dich harrt. Ps 25:3

Herr, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Pfade! Ps 25:4

Es gilt zu unterscheiden: mein Weg und Gottes Weg. Im Glauben wenden wir uns ganz seinen Wegen zu und beten: Nicht mein, sondern dein Wille geschehe und zeige mir deine Wege durch dein Wort und durch deinen Heiligen Geist. Welch Gnade ist es, wenn der Herr uns leitet und aus dem freien Willen einen guten Willen macht. So sollen wir uns Gott zur Verfügung stellen als solche, die ihren Willen in dem seinen aufgehen lassen und darum nur eine Sorge haben, nämlich, wie sie ihm gefallen mögen.

Die einzige Absicht dessen, der sich dem Gebet hingibt, muss die sein, mutig daran zu arbeiten, seinen Willen dem Willen Gottes gleichförmig zu machen. Theresa von Avila

Du bist der Gott meines Heils. Auf dich harre ich allezeit. Ps 25:5

Gott ist Urheber und Vollender des Heils. Vom Vater erwählt, vom Sohn erlöst und vom heiligen Geist gesalbt haben wir den Grund unserer ewigen Hoffnung gefunden. Ja: oft ist es nicht einfach für uns. Unser Glaube muss stets zur Läuterung durch Prüfungen hindurch. Dennoch sollen wir voll guter Zuversicht sein, auf Gottes Hilfe warten und durch Geduld alle Schwierigkeiten besiegen. Auf Gott harren heißt, auf ihn schauen, wie der Bettler auf seinen Wohltäter blickt mit dem ernstlichen Verlangen, eine Gabe von ihm zu empfangen. Gottes harren heißt nach ihm begehren, wie der Bräutigam nach der Braut. Gottes harren heißt in Abhängigkeit von Gott leben, wie ein Kind sich in allem vom Vater abhängig weiß. Ihm vertraut es, auf ihn wirft es seine Sorgen.

Gedenke, o Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Gnade, die von Ewigkeit her sind! Ps 25:6

Beim Aufstehen und beim Niederlegen und den ganzen Tag hindurch sollte uns der Gedanke an diese Liebe Gottes zu uns begleiten, die sich in seiner Barmherzigkeit am klarsten und schönsten offenbart.  Die göttliche Liebe ist eine immer fließende Quelle, die nie versiegt. Und diese Quelle steht allen offen, die nur ihr nahen. Darum komm und schöpfe! So wie David und ebenso der sterbende Verbrecher am Kreuz, darum beten, dass Gott ihrer gedenkt, bete ebenso: Herr denke an mich.

Gedenke aber an mich nach deiner Gnade, um deiner Güte willen, o Herr! Ps 25:7

Allen, die ihre Schuld eingestehen, zeigt er, was richtig ist und wie sie nach seinem Willen leben sollen. Ps 25:9

Wundere dich nicht über deine Schwächen. Habe Mut! Wer ist denn ohne Fehler? Mit gutem Willen kannst du dich allmählich bessern. Nimm dich selbst an, so wie du bist. Erniedrige dich, aber ohne dich abzuwerten. Vergieße Tränen ehrlicher Reue,  doch ohne die Hoffnung in das Erbarmen Gottes zu verlieren, das immer größer sein. Fasse den Plan, dich zu bessern, doch ohne dich zu überheben, denn allein aus Gott sollst du deine Kraft schöpfen. Deine Sache ist es, Steine wegzuschaffen und Dornengestrüpp auszureißen. Sache Jesu ist es, zu säen, zu pflanzen, zu pflegen und zu bewässern. Aber selbst wenn du arbeitest, ist es doch er, der am Werk ist. Denn ohne Christus könntest du gar nichts ausrichten. Pater Pio

Um deines Namens willen, o Herr, vergib meine Schuld; denn sie ist groß! Ps 25:11

Der Glaube baut allein auf die Güte des Schöpfers. Der Name Gottes ist die Offenbarung seines Wesens. Durch die Vergebung der Sünden macht Gott seine herrlichste Eigenschaft seines Seins uns kund: Barmherzigkeit. Unser Herz also erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Lasst uns im Glauben auf den Bund stützen, den Gott in Jesus auf ewig mit uns geschlossen hat. Gnade und Wahrheit sind in ihm.

Himmlischer Arzt, dein Kranker leidet schwer. Darum heile du ihn. Nicht aufgrund meiner Werke, sondern um deines Namens Willen, vergib mir.

Der Herr zeigt ihm den Weg, den er gehen soll. Ps 25:12

Wir alle wählen am liebsten selbst unseren Weg. Aber welche Gnade ist es, wenn der Herr unsere Wahl leitet und aus dem freien Willen einen guten Willen macht. Wenn Gottes Wille unser Wille wird, lässt Gott uns unseren Willen. Gott vergewaltigt unseren Willen nicht, er lässt uns in vielem freie Wahl. Er hat aber eine feine Weise, unseren Willen durch seinen Geist so zu beeinflussen, dass wir, frei und doch von ihm geleitet, wählen, was seinem Rat gefällt. Darin macht Gott sein Meisterstück in der Erziehungskunst.

Im Gebet sprechen wir zu Gott um Wegweisung zu bekommen. In seinem Wort spricht Gott zu uns, um uns seine Gedanken und den richtigen  Weg  klarzumachen. Ernst-August Bremicker 

Seine Seele wird im Guten wohnen. Ps 25:13

Das Gute ist nicht in den Dingen dieser Erde zu finden, sondern nur in Gott. So lernen wir sowohl Überfluss zu haben wie auch Mangel zu leiden, Freude und Leid zu empfinden. Doch das Glück finden wir allein in Gott bei diesem ständigen auf und ab. Das Glück finden wir allein im vertrauten Umgang mit ihm wie mit einem Freund. Ein Freund lässt den Freund die innersten Gedanken seines Herzens lesen. So offenherzig ist Gott gegen die Seinen. Das ist das Wohnen der Seele im Guten.

Freundschaft hält der Herr mit denen, die ihn fürchten, und seinen Bund tut er ihnen kund. Ps 25:14

Meine Augen sind stets auf den Herrn gerichtet, denn er wird meine Füße aus dem Netz ziehen. Ps 25:15

In vieler Art und Weise sind die Blicke auf den Herrn gerichtet: im Blick des Glaubens und der Hoffnung, im Blick des Gehorsams, im Blick der Andacht und Verehrung, im Blick der Bewunderung und Betrachtung und zuletzt am Wichtigsten im zärtlichen Blick der Liebe. Selig, wer seine Augen nie von Gott abwendet. Der Blick auf den Herrn füllt das Herz mit tiefem Glück. Die Augen zum Himmel gerichtet, zieht er unsere Füße aus dem Netz. Das Netz ist ein Bild für die Versuchungen, innerhalb derer wir auf den Schutz des Herrn angewiesen sind.

Wende dich mir zu, Herr, und sei mir gnädig, denn ich bin einsam und niedergeschlagen. Ps 25:16

Alle, wirklich alle Menschen, so viele gute Werke sie auch tun mögen, haben dennoch das aus dem Evangelium bekannte Zöllnergebet auf den Lippen: Sei mir gnädig. In Liebe wendet er sich unseren Schwächen und Wunden zu. Alle, wirklich alle Menschen, kennen das Gefühl der Einsamkeit und Niedergeschlagenheit. Wenn wir nun so fühlen, wenden wir uns zu Gott: Führe mich aus meinen Nöten. Wir dürfen nicht über Gott, wohl aber vor Gott klagen. Wir dürfen um Hilfe rufen, wenn es mit Ergebung in seinen heiligen Willen geschieht.

In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht. Ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht. Bonhoeffer 

Mir ist angst und bange, nimm diese Last von meinem Herzen! Ps 25:17

Ängste sind vielfältig: Angst uns nahe Menschen zu verlieren, Angst Krebs zu bekommen, finanzielle Ängste, Angst vor Mißerfolg, Angst vor dem Alleinsein u.v.m. An deiner Angst kannst du sicherlich arbeiten, dennoch: Wir haben dieses Gefühl selten im Griff. Werde dir heute einer Angst ganz bewusst, die dich immer wieder begleitet. Denn wenn man seine Angst versteht, muss man vor nichts im Leben Angst haben. Denn wer die Angst annimmt, kann im Folgeschritt durch das Gebet Mut entwickeln. Mut ist Angst, die gebetet hat, denn gibst du dich immer wieder in die Hände Gottes, wirst du alle Furcht ablegen, weil du Gottes liebende Fürsorge immer tiefer erkennst.

Sieh an mein Elend und mein Leid. Ps 25:18

Unser Leben besteht nicht in Worten, sondern in der Erfahrung Gottes, gerade und vor allem auch im Leiden. Es geht nicht mystische Gotteserfahrungen, die nur wenige von uns haben werden. Es geht um die Erfahrung, die in der Bewährung des Glaubens und des Friedens Gottes liegt, von der Erfahrung des Kreuzes Jesu Christi. Wir haben ja allerlei zu danken für vielzählige Situationen, wo uns Gott bewahrt hat und uns im Leiden beisteht und es mit uns durchsteht. Und diese Erfahrung bringt Hoffnung. Denn jede überstandene Situation ist ja schon das Vorspiel der letzten Überwindung. Wir sind bewahrt und gerettet. Darauf vertrauen und hoffen wir.

Bewahre meine Seele und rette mich! Lass mich nicht zuschanden werden, denn ich vertraue auf dich! […] Auf dich allein hoffe ich! Ps 25:20-21

O Gott, erlöse Israel aus allen seinen Nöten! Ps 25:22

Jesus ist es, der uns erlöst. Er ist der vollkommene Erlöser. Sieh, wie er aus Liebe zu dir am Kreuz hing, nackt und verachtet, am ganzen Körper verwundet und an allen Gliedern ausgespannt! Und doch ist sein Herz von solcher Liebe gegen dich entzündet, dass, wenn du anders nicht gerettet werden könntest, er für dich allein alles ertragen möchte. Durch solche Betrachtung wecke dein Herz zur Dankbarkeit auf. Bestrebe öfter etwas aus dem Leiden des Herrn zu betrachten, damit dasselbe uns werde Honig im Mund, Musik im Ohr und Jubel im Herzen.

Wenn nur ein einziger Mensch auf der ganzen Welt einen Erlöser gebraucht hätte – Jesus wäre für ihn ans Kreuz gegangen. Eugenia Price 

Psalm 26: Prüfe mich

Ich bin immer aufrichtig meinen Weg gegangen. Und weil ich auf den Herrn vertraue, werde ich nicht zu Fall kommen. Ps 26:1

Das aufrichtige Gehen unseres Lebensweges werden wir dann vollziehen, wenn wir immer und in allem Gott zu gefallen suchen. Aufrichtig und echt suchen wir nach seinen Wegen, die er für uns bereitet. Nie werden wir dabei fehlerfrei sein, aber aufrichtig ist dennoch unser  Glaube und unser Bemühen. Im Glauben vertrauen wir ihm. Dieser Glaube führt uns behütet auf der Pilgerschaft in dieser Welt und lässt uns nicht fallen, weil der vollkommene Gott uns so bewahrt. Gelobt sei Gott in Ewigkeit. Amen!

Ich aber gehe ehrlich meinen Weg. Erlöse mich und sei mir gnädig! Ps 26:11

Prüfe mich, Herr, und erprobe mich. Läutere meine Nieren und mein Herz! Ps 26:2

Wir brauchen Läuterung, die eine Veränderung unserer Seele bewirkt. Die Läuterung der Seele zielt vor allem auf ungute Verhaltensweisen und Anhänglichkeiten unserer Seele an verkehrte und schlechte Dingen ab. Der Herr prüft, erprobt und läutert mich, damit ich immer reiner werde im Tun der Liebe. So geläutert, kann ich bei Kränkungen mehr die Bosheit des anderen als das eigene zugefügte Unrecht bedauern, kann ich gern für den beten, der mir Unrecht getan hat, kann ich von Herzen die Schuld vergeben. So geläutert, zögere ich nicht, andere um Verzeihung zu bitten, übe mich im Mitleid und hüte mich vor unkontrolliertem Zorn

Deine Liebe habe ich ständig vor Augen, und deine Treue bestimmt mein Leben. Ps 26:3

Unser Herz sollte im Inneren jeden Tag einen Platz suchen, einen inneren Raum, um sich dorthin inmitten der äußeren Arbeit bei jeder Gelegenheit zurückzuziehen, sich dort zu stärken und zu erholen. Führe dein Herz immer wieder in diese Einsamkeit, während du nach außenhin im Gespräch oder bei Geschäften bis. Diese geistige Einkehr kann in keiner Weise durch die Gegenwart vieler Menschen verhindert werden. Sie umgeben dich ja nur äußerlich, während dein Herz ausschließlich in der Gegenwart des Gottes bleibt. Gespräche sind ja gewöhnlich nicht so wichtig, daß man nicht von Zeit zu Zeit sein Herz davon zurückziehen könnte, um es in diese göttliche Einsamkeit zu führen. Zieh dich also zuweilen von allen Gedanken zurück in dein Herz, damit deine Seele fern von allen Menschen innigste Zwiesprache mit Gott halten kann.

Dabei stimme ich ein Loblied an und erzähle von all deinen Wundern. Ps 26:7

Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Herrlichkeit wohnt! Ps 26:8

Mit der Stätte deines Hauses ist der Tempel gemeint. Nun sind wir seit der Auferstehung Christi selbst der Tempel Gottes. So finden wir Gott nur in uns selbst und dort haben wir ihn lieb. Gott in uns selbst zu finden, dazu braucht es oft Orte, die uns dabei helfen. Weil wir Menschen sind, brauchen wir Orte, die es uns leicht machen, Gott wahrzunehmen. Orte, wo sein Wesen spürbar wird. Welche Orte das für dich sind, weißt du selbst besser als ich. Für mich persönlich ist das die Kirche, wo ich in Gemeinschaft mit meinen Geschwistern Gott begegne, ihn anbete und lobe!

Nach einer alten jüdischen Legende fragen Schüler ihren weisen Rabbi: Warum gehst du zum Beten in die Wüste, wenn Gott doch überall derselbe ist? Der Rabbi antwortet: Es stimmt: Gott ist überall, und er ist überall derselbe. Aber ich bin nicht überall derselbe. Deshalb gehe ich zum Beten in die Wüste.

Ich will den Herrn loben. Ps 26:12

Psalm 27: Gemeinschaft mit Gott

Der Herr ist mein Licht und mein Heil. Vor wem sollte ich mich fürchten? Ps 27,1

In dem Moment, wo mir Gottes Angesicht verborgen ist, fallen die Sorgen und die Probleme über mich her. Darum suche ich ihn ja. Ich rufe mir seine Zusagen ins Gedächtnis. Ich schreie zu ihm. Ich gehe in die Kirche. Und ich gehe in mich. Gott hat auch in mir einen heiligen Ort. Wenn ich den finde, bin ich wirklich geborgen. Sein Licht ist in unserem Herzen. Der Herr muss das Licht sein, wodurch uns der Weg des Lebens erhellt wird, sodass wir auf diesem wandeln können. Wir brauchen die Mächte der Finsternis nicht zu fürchten. Denn der Herr ist unser Licht.

Göttliche Sonne, gehe auf über meinem Herzen und gehe nie wieder unter!

Eines erbitte ich von dem Herrn, nach diesem will ich trachten: dass ich bleiben darf im Haus des Herrn mein ganzes Leben lang, um die Lieblichkeit des Herrn zu schauen und ihn zu suchen in seinem Tempel. Ps 27:4

Gemeinschaft mit Gott: dies ist das eine Notwendige. Das sollten wir alle immer wieder begehren. Ein herzliches Verlangen haben wir, von dem Vater, der die Liebe ist, von dem Erlöser Christus und von den Geheimnissen des Geistes Gottes mehr zu hören, um so den Gott der Herrlichkeit, der unser Gott sein will, immer besser kennenzulernen und ihn desto mehr in Liebe bewundern und in Ehrfurcht anbeten zu können. Was für ein Anschauen wird das sein, wenn wir Jesu den König sehen werden in der Schönheit seiner Güte, Gerechtigkeit, Liebe und Erbarmung. Ja, wir haben Heimweh nach dem Vaterhaus droben, nach der Heimat unserer Seele und dem Wohnen im Himmelszelt. Bis dahin aber haben wir die Zusage:

Er bietet mir Schutz in schwerer Zeit.  Ps 27:5

O Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe. Sei mir gnädig und antworte mir! Ps 27:7

Das Gebet ist ein Gespräch der Seele mit Gott, eine Erhebung des Geistes zum Allmächtigen. Wenn das Gebet eine vertrauliche Unterredung mit Gott ist, so sprechen wir durch dasselbe mit Gott und Gott spricht zu uns. Wir verlangen sehnsüchtig nach ihm, atmen zu ihm auf und er hinwieder haucht uns seinen Geist ein und gießt ihn über uns aus. Mystisch nennt man das Gespräch, da es ganz im Geheimen vor sich geht. Es wird zwischen Gott und der Seele nicht anders als von Herz zu Herz gesprochen, durch eine für andere als die Sprechenden gar nicht mitteilbare Mitteilung.

Ich will Jubelopfer bringen in seinem Zelt. Ich will singen und spielen dem Herrn. Ps 27:6

Dein Angesicht, o Herr, will ich suchen. Ps 27:8

Möchten wir, dass der Herr auf unsere Stimme höre, so müssen wir Sorge tragen, auf seine Stimme zu antworten. In einem aufrichtigen Herzen sollte Gottes Wille widerhallen. Je mehr wir ihn erkennen, desto mehr werden wir ihn bewundern.

Gott, lehre mein Herz, wo und wie es Dich suche, wo und wie es Dich finde. Lass mich Dich suchen, indem ich nach Dir verlange, lass mich nach Dir verlangen, indem ich Dich suche! Lass mich Dich finden, indem ich Dich liebe, lass mich Dich lieben, indem ich Dich finde!

Verbirg dein Angesicht nicht vor mir. […] Verlass mich nicht, du Gott meines Heils! Ps 27:9

Im Herzen dieser Welt ist der Herr des Lebens, der uns so sehr liebt, weiter gegenwärtig. Er verlässt uns nicht, er lässt uns nicht allein, denn er hat sich endgültig mit unserer Erde verbunden, und seine Liebe führt uns immer dazu, neue Wege zu finden. Glaube bedeutet, Gott zu glauben. Zu glauben, dass es wahr ist, dass er uns liebt. Zu glauben, dass er lebt. Zu glauben, dass er fähig ist, auf geheimnisvolle Weise einzugreifen. Zu glauben, dass er uns nicht verlässt,  Zu glauben, dass er uns die Kräfte und das Licht schenkt, die wir benötigen, um voranzugehen.

Wenn auch mein Vater und meine Mutter mich verlassen, so nimmt doch der Herr mich auf. Ps 27:10

Zeige mir, Herr, deinen Weg. Ps 27:11

Darin zeigt sich Demut. Ich bin mir bewusst, dass ich den Weg nicht erkennen kann und bitte daher um Leitung und Führung. Gott sagt uns, wer der Mensch wirklich ist und was er tun muß, um wahrhaft ein Mensch zu sein. Er zeigt uns den Weg und dieser Weg ist die Wahrheit. Er selbst ist beides und daher auch das Leben, nach dem wir alle Ausschau halten. Er zeigt auch den Weg über den Tod hinaus.

Ich aber bin gewiss, dass ich am Leben bleibe und sehen werde, wie gut es Gott mit mir meint. Ps 27:13

Vertraue auf den Herrn ! Sei stark und mutig, vertraue auf den Herrn ! Ps 27:14

Das Vertrauen ist die entscheidende Hilfe, um die eigene Angst zu überwinden und mutig zu handeln. Mit Gottes Hilfe kannst du Mut finden, Angst zu überwinden und das Gute zu tun. Mutig wird, wer im Vertrauen auf Gott mutig handelt und den Situationen nicht ausweicht. Es bedeutet mit Haut und Haaren zu vertrauen, nicht nur hier und da ein bisschen. Das Ende von dir selbst ist der Anfang von Gott. Im Laufe der Zeit wird dieser Mut gefestigt, weil du erinnernd zurück schauen darfst auf schwierige Situationen, die du bereits mit Gottes Kraft und Gnade gemeistert haben. Schaue heute erinnernd auf eine dieser wichtigen Lebenssituation zurück, in denen dein Mut und Vertrauen gefordert waren.

Psalm 28: Stärke und Schutz

Zu dir, Herr , rufe ich in der Not, du bist der Fels, bei dem ich Zuflucht suche. Ps 28:1

Wenn wir bedenken, wie bereitwillig der Herr ist, zu hören, und wie allvermögend, zu helfen, so werden wir erkennen, wie vernünftig es ist, uns mit allen unseren Anliegen rasch und unmittelbar an den Gott unseres Heils zu wenden und das mit fester Entschlossenheit der Zuversicht. Wohl mag der Kummer uns schwer niederdrücken, aber wir haben eine Zuflucht. Sende in der Not deine Seufzer daher nicht ins Leere. Richte dein Herz fest auf Gott.

Wie nahe ist uns Gott in Christus geworden!

Höre, Herr! Ich flehe dich an, ich schreie zu dir und hebe betend meine Hände zu deiner heiligen Wohnung empor. Ps 28:2

Treibt uns der Geist des Gebets, so beten wir inbrünstiger, zudringlicher und ringen im Gebet. Das Gebet fordert das ganze Herz und alle Kräfte und eine starke, nie zweifelnde Zuversicht zu Gott. So das Herz zu Gott erheben, das ist das rechte Händeaufheben, welches durch die äußerliche Gebärde ausdrückt wird. Hat Gott nun unser Gebet erhört, so soll der Dank in Wort und Tat nicht fehlen. Wer nun bitten kann, wird bald danken können. Bitten und danken gehören zusammen wie die beiden Lippen unseres Mundes. Echter Lobpreis gründet sich dabei auf Gründe und Erfahrungen.

Gepriesen sei der Herr, denn er hat meinen Hilfeschrei gehört! Ps 28:6

Er hat mir neue Kraft geschenkt und mich beschützt. Ich habe ihm vertraut, und er hat mir geholfen. Jetzt kann ich wieder von Herzen jubeln! Mit meinem Lied will ich ihm danken. Ps 28:7

Unser Gott gibt überschwänglich: Lasst uns unseren Dank nicht zurückhalten. Wir können nie genug Gott danken für die empfangene Gnade. Frohlocken soll unser Herz, dass wir ihm nah sein dürfen. Kindliche Abhängigkeit von dem unsichtbaren Gott verleiht uns eine staunenswerte Zuversicht. Und er schenkt Kraft und Stärke. Christus ist da in seiner Kraft durch den Glauben an ihn. Christi Kraft unsere Kraft, sie ergießt sich in uns, sodass wir fähig werden, zu tragen, was immer uns auferlegt wird.

Der Herr ist ihre Stärke. Ps 28:8

Herr, hilf deinem Volk! Segne uns, denn wir gehören doch dir. Führe uns wie ein Hirte und trage uns für immer in deinen Armen! Ps 28:9

Jesus spricht über sich als den guten Hirten, der seinen Schafen ewiges Leben gibt. Das Bild des Hirten ist tief im Alten Testament verwurzelt und liegt der christlichen Überlieferung sehr am Herzen. Der Titel Hirte Israels wird von den Propheten dem künftigen Nachkommen Davids zuerkannt, und daher besitzt er zweifellos messianische Bedeutung. Jesus ist der wahre Hirte Israels, weil er der Menschensohn ist, der die Natur der Menschen annehmen wollte, um ihnen das neue Leben zu schenken und sie zum Heil zu führen.

Trage du uns Jesus in deinen starken Armen, solange wir auf Erden sind und trage uns hindurch durch alle Not und Versuchungen, bis wir in der himmlischen Herrlichkeit auf ewig an deinem Herzen ausruhen können!

Psalm 29: Gottes machtvolle Stimme

Gebt dem Herrn Ehre und Lob! Ps 29:1

Gott ehren – wie geht das? Jemanden ehren ist Herzenssache und nicht nur ein Lippenbekenntnis. Wenn es nur ein Lippenbekenntnis ist, dann wird die Heuchelei dahinter schnell entlarvt. Gott ehren – das ist Herzenssache. Da ist Liebe, da ist lebendige Beziehung, die sich im Gebet ausdrückt; die sich in Liedern des Lobens und der Anbetung ausdrückt. Und die sich vor allem im Tun ausdrückt. Jesus sagt: Wer meine Gebote tut, der ist es, der mich liebt und der mich dadurch ehrt.

Gebt dem Herrn die Ehre seines Namens, betet den Herrn an in heiligem Schmuck! Ps 29:2

Die Stimme des Herrn schallt über den Wassern. Der Gott der Herrlichkeit donnert, der Herr über großen Wassern. Ps 29:3

Bezug zum Evangelium: Die Stimme Gottes ertönt bei der Verklärung Jesu. Hier tun sich die drei Apostel, die bereits längere Zeit mit Jesus unterwegs sind, schwer, diese Stimme zu hören, und meinen eher einen entfernten Donner gehört zu haben. Um Gottes Stimme zu hören, müssen wir unser Gehör schulen, wir müssen lernen, die Stille zu hören, Zeiten finden, in denen der Lärm des Alltags von uns weg bleibt, Zeiten, in denen wir mit seinem Wort, das uns in der Heiligen Schrift überliefert ist, allein sind. Dann werden wir die Kraft erfahren, die in Gottes Wort steckt, und die machtvoller ist als der stärkste Donner.

Der Donner Jahwes erschallt über den Wassern; der Gott der Herrlichkeit donnert, Jahwe über großen Wassern. Ps 29:3

Die Stimme des Herrn ist stark, die Stimme des Herrn ist herrlich. Ps 29:4

Bezug zum Evangelium: Die Stimme des Herrn lässt uns an die Taufe Jesu im Jordan, bei der Gottes Stimme aus dem Himmel Jesus Christus als Gott geliebten Sohn offenbart. Am Jordan erschallt die Stimme Gottes nicht machtvoll wie ein Gewittersturm, sondern wohl eher unscheinbar, denn nur wenige erkennen, was hier geschieht, allen voran Johannes der Täufer selbst. Gott offenbart seinen Sohn vor der Welt, aber nur wer bereit ist, Gottes leise Töne zu hören, erkennt ihn.

In seinem Tempel ruft alles Herrlichkeit!. Ps 29:9


Der Herr thront als König in Ewigkeit. Ps 29:10

Wie sollte man da nicht ein Gefühl dankerfüllter Begeisterung dafür verspüren, daß man zur Betrachtung der Herrlichkeit dieser Offenbarung zugelassen worden ist? Wie sollte man nicht gleichzeitig die Freude und die Verantwortung spüren, diesem König zu dienen, seine Herrschaft durch Leben und Wort zu bezeugen? Das ist in besonderer Weise unsere Aufgabe: der Welt die Wahrheit Christi, Hoffnung für jeden Menschen und für die ganze Menschheitsfamilie, zu verkünden. Darin sind wir Boten des Königtums Christi.

Der Herr wird seinem Volk Kraft verleihen, der Herr wird sein Volk segnen mit Frieden! Ps 29:11

Gott wird das Herz segnen und ihm seinen Frieden gewähren, sogar angesichts der Stürme, eingehüllt in den schützenden Mantel, den die Vorsehung all jenen bietet, die Gott loben und seinen Wegen folgen. Dieser Segen ist Geschenk und Auftrag zugleich. Der Christ wird so in dem Maß, in dem er in der göttlichen Gnade verwurzelt ist und mit seinem Schöpfer am Aufbau und an der Förderung der Gabe des Friedens mitarbeitet, zu einem Friedensstifter.