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Psalm 40-49

Psalmen 40 bis 40

Psalm 40: Herausgezogen aus Schlamm

Beharrlich habe ich auf den Herrn geharrt, da neigte er sich zu mir und erhörte mein Schreien. Ps 40:2

In diesem Vers hören wir die Stimme des sanftmütigen Lammes Gottes. Während seines ganzen Leidens, bei seinem Seelenkampf in Gethsemane, beim Gerichtsprozeß und während er am Kreuz hing: kein Blick des Zornes, kein Wort des Murrens, keine Tat der Rache entfuhr dem geduldigen Gotteslamm. Er harrte und hoffte, übte Geduld, und Geduld bis zur Vollendung. Der Gesalbte des Herrn trägt unter den Duldern die Krone. Hat Jesus so still geharrt, sollten wir uns dann ungeduldig verhalten?

Er zog mich aus der Grube des Verderbens, aus dem schmutzigen Schlamm und stellte meine Füße auf einen Fels. Er machte meine Schritte fest. Ps 40:3

Da der Mensch vom Herrn abgefallen war, geriet er in einen solchen Schlamm. Als Bild wird hier auf eine antike Zisternen abgespielt, die als Brunnenschächte als eine Art Gefängnis benutzt wurde. Unten fault der Schlamm. Es ist kalt. Winzige Tiere krabbeln an den Wänden hoch. Es stinkt, fault und ist dunkel. Es ist ein Ort des Schreckens. Durch Christus Erlösungstat wird der Mensch aus dieser Schlammgrube seiner eigenen sündlichen Natur gezogen. Von oben streckt sich Jesus nach unten und zieht uns von unten nach oben. Wir sind schwach. Jesus stellt den Wankenden daher auf die Füße, erhebt ihn auf einen Felsen, den Christus, gibt ihm Stärke und richtet ihn auf.

Er gab mir ein neues Lied in meinen Mund, ein Lob für unseren Gott. Ps 40:4

Wohl dem, der sein Vertrauen auf den Herrn setzt. Ps 40:5

Herr, mein Gott, wie zahlreich sind die Wunder, die du getan hast und deine Pläne, die du für uns gemacht hast. Dir ist nichts gleich! Wollte ich sie verkündigen und davon reden, es sind zu viele, um sie aufzuzählen. Ps 40:6

Es gehört zu unserem Glück, dass hinter allen Begegnissen unseres Lebens die Hand Gottes wirkt. Glückselig sind wir, wenn wir sie auch sehen, denn sie sind zahlreich. Denken wir nur an das Wunder unserer Geburt, der Bewahrung und Versorgung während unseres Lebens! Denken wir dann an das Wunder, dass wir glauben können, dass Gott in einem toten Herzen den Schrei nach ihm geweckt hat. Denken wir an das Wunder der Vergebung der Sünden, der Gabe des ewigen Lebens, der Gabe des Heiligen Geistes, des Trostes durch den Heiligen Geist, der Erkenntnis Gottes und seines Sohnes.

Ohren aber hast du mir bereitet. Brandopfer und Sündopfer hast du nicht verlangt. Ps 40:7

Jesus führte ein Leben in vollkommener Abhängigkeit von seinem Gott und Vater. Er lebte von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes hervorging. Sein ganzes Leben von der Krippe bis zum Kreuz war dadurch gekennzeichnet, dass seine Ohren auf die Worte seines Gottes und Vaters gerichtet waren. Jesus war schnell zu hören und allezeit bereit, seines Vaters Willen zu erfüllen. In allem suchte er, dem Vater zu gefallen: in seinem Reden und Tun, im Umherziehen und in der Aufnahme der Sünder. Sein Leben war ein Dienst und sein Sich-Verzehren eine immerwährende Fürsprache. Das “siehe” wird immer dann gebraucht, wenn Gott wunderbar in die Geschicke des Menschen eingreift. Das alte Testament spricht und atmet vom Kommen des Messias.

Da sprach ich: Siehe, ich komme, in der Buchrolle steht von mir geschrieben. Ps 40:8

Deinen Willen zu tun, mein Gott, begehre ich, und dein Gesetz ist in meinem Herzen. Ps 40:9

Ich habe Gerechtigkeit als frohe Botschaft verkündigt. Ps 40:10

Der Wille Gottes, durch seines Sohnes Menschwerdung und Tod die Sünder zu erlösen, war Christus eine Freude, und aller Kränkungen der Menschen ungeachtet führte er ihn mit Freuden aus. Christi Hingabe war ein freiwilliges Opfer aus Liebe. Jesus ist es, der das Werk getan hat. Der Vater fasste den Ratschluss der Erlösung, Jesus führte ihn aus. Das Werk ist getan; es ist vollbracht. Wir brauchen keinen Versuch zu machen, es zu tun. Wir können nicht tun, was bereits getan ist. Wir könnten es nicht tun, wenn es auch noch nicht getan wäre. Der Mensch kann viel, aber er kann weder sich noch seinen Bruder erlösen.

Deine Gerechtigkeit verbarg ich nicht in meinem Herzen. Ich redete von deiner Wahrheit und von deinem Heil. Deine Gnade und Wahrheit verschwieg ich nicht vor der großen Gemeinde. Ps 40:11

Du, Herr, wollest dein Herz nicht vor mir verschließen. Lass deine Gnade und deine Wahrheit mich allezeit behüten! Ps 40:12

Die Gnade Gottes lehrt uns, dass unsere Schwachheit so vollständig ist, dass wir ganz und gar auf Gottes Bewahren angewiesen sind. Es bleibt mir gar nichts anderes übrig, als mich beständig auf Gott zu werfen, denn auf mich gestellt, gehe ich in die Irre und gehe ich unter. Siehe, dass deiner Fehler mehr sind, als die Haare deines Hauptes, mehr als die Sandkörner am Meeresstrand. Erwäge besonders den Undank gegen Gott. Unsere Sünden sind unzählbar. Jesus war ohne Sünde, aber er ließ unser aller Sünde auf ihn treffen und er nahm unsere Missetaten auf sich, als wären sie seine eigenen. Er, der von keiner Sünde wusste, wurde für uns zur Sünde gemacht. Wessen Gott sich aber erbarmt, dessen erbarmt er sich bis ans Ende.

Meine Verschuldungen haben mich ergriffen. Ich kann sie nicht überschauen. Se sind zahlreicher als die Haare meines Hauptes und mein Mut hat mich verlassen. Ps 40:13

Herr, lass es dir gefallen, mich zu retten. Herr, eile mir zu Hilfe! Ps 40:14

Auch der Errettete braucht noch Errettung, tägliche Errettung vor Unglauben, vor Mutlosigkeit, vor Sünden, vor Irrlehren. Daher rufen wirtäglich zum Herrn: Lass dir gefallen, mich zu retten! Wir sollten täglich das Wort Gottes mit Sanftmut aufnehmen, weil es unsere Seelen zu erretten vermag. Wir sollen im Gebet und in der Gemeinschaft und im Brechen des Brotes verharren, weil uns das vor vielen Fehltritten und vor manchem Schaden zu erretten vermag.

Es sollen fröhlich sein und sich freuen in dir alle, die dich suchen. Die dein Heil lieben, sollen allezeit sagen: Der Herr ist groß! Ps 40:17

Bin ich auch elend und arm, für mich sorgt der Herr. Du bist meine Hilfe und mein Retter. Mein Gott, säume nicht! Ps 40:18

Psalm 41: Gebet eines Kranken

Wohl dem, der sich des Armen annimmt. Der Herr wird ihn erretten zur bösen Zeit. Ps 41:2

Die Selbstsucht ist ein böser Krebs am Herzen, während Freigebigkeit Seele und Leib fröhlich macht. Glücklich ist der, dessen Frömmigkeit sich in der Liebe gegen über dem Nächsten als fruchtbar erweist. Der Arme ist vielgestaltig: Schwache, Hilfsbedürftige, Kranke, Geringgeachtete, Bedrängte, Verzweifelnde..Als Kinder Gottes sollten wir genauso wie unser Herr einen besonderen Blick für die Schwachen und Leidenden haben. Gleichzeitig dürfen wir darum wissen, dass unser Herr für uns da sein wird, wenn wir durch schwere Zeiten gehen. Hoch über alle an deren ragt an barmherziger Liebe für die Hilfsbedürftigen unser Heiland empor, der sich unserer Niedrigkeit so angenommen hat, dass er, obwohl er reich war, doch arm wurde um unsertwillen.

Der Herr wird ihn bewahren und am Leben erhalten, er wird glücklich gepriesen im Land. Ps 41:3

Der Herr wird ihn erquicken auf seinem Krankenlager. Du machst, dass es ihm besser geht, wenn er krank ist. Ps 41:4

Welch zartes Mitgefühl drückt dieses Bild aus. Gottes Arme werden seine Seele stützen. Die Heilung der Seele sollte uns stets ein noch viel ernsteres Anliegen sein als die Genesung des Leibes. Die Arznei, die er uns gibt, ist seine Gnade und Liebe. Kein Arzt gleicht dem Herrn, kein stärkendes Mittel gleicht seinen Verheißungen, kein Wein gleicht seiner Liebe. Ja, Gott allein heilt uns. Thomas von Aquin sagt: Mich heilt weder Kraut noch Pflaster, sondern dein Wort, Herr, das alles heilt.

Herr, sei mir gnädig! Heile meine Seele, denn ich habe gegen dich gesündigt! Ps 41:5

Auch mein Freund, dem ich vertraute, der mein Brot aß, hat die Ferse gegen mich erhoben. Ps 41:10

Christus führt diese Stelle an und bezieht sie auf Judas. Judas tauchte mit dem Herrn das Brot in dieselbe Schüssel. Durch den Kuss der Liebe verriet er den Herrn. Auf uns bezogen: Letztendlich müssen wir akzeptieren, dass manche Menschen eben nicht hilfreich und barmherzig sein werden. Unsere Zuversicht ist ja letztendlich auch nicht in den Menschen, sondern bei Gott. Er kann uns stärken und trösten.

Du aber, Herr, sei mir gnädig und richte mich auf, so will ich es ihnen vergelten. Ps 41:11

Nach der Karwoche kommt der Ostertag. Schau wie die Seele des Beters zu ihrem Gott flieht, wie sie mit dem »Du aber« gleichsam wieder aufatmet und wie sie sich hoffnungsfreudig an die Gnade des Herrn anklammert. Wir dürfen in aller Not letztendlich immer auf unseren gnädigen Gott vertrauen. Wir sollten aufmerksame Beobachter seiner Gnade sein. Wir haben doch Jesus zum Herrn, dem alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben ist. Schau doch: Jesus wurde Macht gegeben, sich aus dem Grab zu erheben. Seine Erniedrigung endete in der Erhöhung.

Daran erkenne ich, dass du Gefallen an mir hast, dass mein Feind nicht über mich triumphieren darf. Ps 41:12

Gelobt sei der Herr, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen, ja, Amen! Ps 41:14

Psalm 42: Sehnsucht nach Gott

Wie ein Hirsch nach frischem Wasser lechzt, so sehne ich mich nach dir, o Gott! Ps 42:2

Die Liebe verwundet das Herz durch die Sehnsucht, die sie weckt. Da diese Sehnsucht nicht gestillt werden kann, quält sie. Das von Liebe zu Gott erfüllte Herz sehnt sich danach, ihn unendlich zu lieben, muß aber erkennen, daß es dies nie vollkommen kann. Diese aussichtslose Sehnsucht bohrt sich wie ein Dorn in uns hinein. Trotzdem ist dieser Schmerz liebenswert. Da er sich danach sehnt zu lieben, leidet er. Aber da er es liebt, sich zu sehnen, empfindet er zugleich Freude.

Er selbst berühre mich im Innern. Gregor der Große

Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott: Wann werde ich kommen und vor Gottes Angesicht erscheinen? Ps 42:3

Das ist ein glückseliger Durst, der sich durch nichts stillen lässt als durch die Gemeinschaft mit Gott selbst. Meine Seele ist von unersättlichem Verlangen nach der Nähe Gottes erfüllt. Wie ein unter glühender Sonne verschmachtender Wüstenwanderer, der keinen Tropfen mehr in seinem Wasserschlauch hat und die Quellen versiegt findet und nur noch eines weiß: Ich muss trinken oder sterben, so muss ich meinen Gott haben. Wenn wir doch alle ein derart unersättliches Verlangen nach dem höchsten Gut hätten! Diese unsere Sehnsucht wird einmal vollkommen gestillt werden (Offb 22,4). Achte darauf, dass du bei deinem Beten wirklich Gemeinschaft mit Christus genießt und suche ihn, bis er sich dir offenbart.

Meine Tränen sind meine Speise bei Tag und bei Nacht, weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott? Ps 42:4

Wo ist dein Gott? Mit solch einer Frage machte der Satan sich sogar an den Heiland selber heran und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden. Er wollte ihm Zweifel an seiner Gottessohnschaft einflüstern. Der Satan hat ich einst selbst von Gott losgerissen, und seither geht sein ganzes Bestreben danach, auch andere von Gott zu trennen, und er hat sogar versucht, zwischen Gott den Vater und den Sohn einen Keil zu treiben. So arbeitet er auch darauf hin, die Christen von ihrem Haupt, Christus, zu entzweien.

Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken für die Rettung, die von seinem Angesicht kommt! Ps 42:6

Das Heilmittel lautet: Harre auf Gott. Ruhe nicht, bis du dein Herz dazu gebracht hast, mit stiller Zuversicht auf Gott zu trauen. Gott ist unwandelbar. Darum ist seine Gnade der Grund unerschütterlicher Hoffnung. Die Lampe der Hoffnung ist nicht davon abhängig, dass ihr von außen Öl zugeführt wird. Ihr Licht wird durch innerliche Erfahrungen der Gnade Gottes gespeist, die den Mut stets neu beleben. Ist es hier unten auch ganz finster, so wird der Tag doch wieder dämmern. Warum bist du denn dann so beunruhigt? Es ist der Kelch, den dein Vater dir gibt. Willst du ihn nicht trinken?

Mein Gott, meine Seele ist betrübt in mir. Darum gedenke ich an dich im Land des Jordan und der Hermongipfel, am Berg Mizar. Ps 42:7

Warum denke ich an dich? Weil meine Seele kraftlos ist. Gibt es Besseres, als sich auf Gott zu besinnen?Denn wenn ich auch arm bin, du bist reich. Wenn ich auch schwach bin, du bist mächtig. Wenn ich auch tief unglücklich bin, du bist der Glückselige. Wohl uns, wenn wir zu unserm Gott fliehen. Das ist eine gesegnete Trübsal, die uns antreibt, auf einem so sicheren Felsen, wie du, Herr, es bist, Zuflucht zu suchen! Ich will dessen gedenken, wie gütig du gegen mich in vergangenen Zeiten gewesen bist, wie du mein Elend angesehen, auf die Stimme meines Flehens gehört und mich aus der Drangsal errettet oder aber mir Kraft gegeben hast, sie zu ertragen. Ich will dessen gedenken, wie oft ich deine Gnadennähe empfunden habe.

Eine Flut ruft der anderen beim Rauschen deiner Wasserstürze. Alle deine Wellen und Wogen sind über mich gegangen. Ps 42:8

Der Beter ist in große Tiefen gesunken, Tiefen, wo er keinen Halt mehr hat. Und doch hält ihn etwas: Es sind deine Wogen und deine Wellen, die über ihn gehen. Das ist das Licht des Glaubens. Es mag noch so schwach schimmern, aber wo es ganz finster ist, ist das schwächste Licht eine unermessliche Wohltat. In aller Not darf ich wissen: Gott sendet die Wellen, und darum beuge ich mich unter Sein Schicken.

Herr, schenke mir deine Gnade! Und nachts singe und bete ich zu Gott, in dessen Hand mein Leben liegt. Ps 42:9

Gottes Gnade ist ein sicherer Rettungsgurt, der uns in stürmischer See über Wasser hält. Nie wird uns ein Tag anbrechen, wo wir gänzlich von Gott verlassen wären. Denn der lebendige Gott ist der Gott unseres Lebens. Von ihm haben wir das Leben erhalten, in seiner Gemeinschaft verbringen wir es in Gebet und Lobpreis, ihm weihen wir es, und in ihm wird es einst seine Vollendung finden. Lass deinen Anker in diesem sicheren Grund eingesenkt bleiben. Gott ist treu, er ist die Liebe, darum ist Hoffnung.

Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, dass er meine Rettung und mein Gott ist! Ps 42:12

Psalm 43: Bring mich zurück

Schaffe mir Recht, o Gott, und führe meine Sache. […] Errette mich. […] Du bist der Gott meiner Stärke. Ps 43:1-2

In Gott selbst ist die Seele des Gläubigen verankert. Diesen Anker kann niemand ausreißen. Damit wird Gott zur Stärke. Alle Stärke, die ich habe, gehört dir. Darum suche ich Hilfe bei dir, der sie gewähren kann. Alle meine Stärke ruht in dir. Darum überlasse ich alles ganz deinen Händen. Ich kann mit innerem Frieden darüber hinwegkommen, dass die Menschen mein Tun missdeuten und entstellen, wenn nur mein Gewissen mir bezeugt, dass du auf meiner Seite bist.

Warum hast du mich verworfen? Ps 43:2

Gott gibt uns nicht ein Anästhetikum, wenn uns die Seele schmerzt. Er übertäubt unseren Kummer nicht, sondern er hilft uns, diesen zu Gott in Beziehung zu setzen. Der Herr verstößt die Seinen nicht, wenn er sie auch für eine Weile wie Verstoßene behandelt. Die Antwort wird nicht selten lauten: Weil du ein Gotteskind bist und in das Ebenbild deines Hauptes, Jesus Christus, umgestaltet werden musst, und weil eine derartige Drangsal den Geist läutert und prächtige Früchte hervorbringt.

Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten, mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen. Ps 43:3

So betet nur, wer weiß, dass er erstens in der Finsternis ist und zweitens, dass kein Licht in ihm selbst ist. Mit dem Sohn Gottes kam das Licht in die Welt. Das Licht des Heiligen Geistes und die Wahrheit Gottes, wie sie sich in Jesus offenbart, diese ziehen uns aufwärts, heiligen und vollenden uns. Darum sind sie fähig, uns in die herrliche Gegenwart Gottes zu führen. Wir suchen Licht und Wahrheit als praktische Führer, die uns zur vertrautesten Gemeinschaft mit Gott leiten.

Wie die Sonne ihre Strahlen ausschickt, so entsendet der Herr seine Huld und seine Treue für all die Seinen. Wie die ganze Natur im Sonnenschein frohlockt, so werden auch die Gläubigen von glückseliger Freude erfüllt, wenn ihr Gott ihnen seine Liebe und Wahrhaftigkeit offenbart, die wie goldene Sonnenstrahlen auch die dunkelste Umgebung mit heiterem Glanz erfüllt.

Ich komme zum Altar Gottes, zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist, und dich preise auf der Laute, o Gott, mein Gott! Ps 43:4

Wir wollen nicht vergessen, dass der Zugang zu dem Gott durch den einen Altar des Opfers von Golgatha vermittelt wird, von welchem auf ewig der liebliche Geruch des einen vollkommenen Opfers aufsteigt. Was für eine wunderbare und erhabene Stätte ist dieser Altar Gottes! Dieser Altar bedeutet jetzt die Herrlichkeit und ewige Wirksamkeit des einen Opfers, mit dem Christus sich selbst Gott für uns dargebracht hat. In der Kraft dieses Opfers nahen wir zu Gott.

Darum ist der Herr ist nicht nur der Quell, der Geber und Erhalter seiner Freude, sondern diese seine Freude selbst. Diesem Gott zu nahen, der für uns eine derartige Glückseligkeit darstellt, danach sollte unsere Seele sehr wohl hungern und dürsten.

Ich will zu Gott kommen. Ps 43,4

Zu Gott zu gehen schließt Unterwerfung und Freundschaft ein. Ich will zu Gott gehen, um ihm als meinem Gebieter meine Huldigung darzubringen. Ich will zu ihm gehen, um zu hören, was er sagt. Ich will zu ihm gehen, um mir bei ihm Rat zu holen und mit ihm vertraulich zu reden, und will sehr dankbar sein, dass ich in einer Welt voller Drangsale und Versuchungen einen solchen Freund als Berater und Helfer habe. Ich will meinen Kummer vor seinem treuen Herzen ausschütten. Ich will ihn an meinen Freuden Anteil nehmen lassen. Ich will ihm meine Sünden bekennen. Zwar weiß er um sie, aber er soll sie auch aus meinem Mund hören. Ich will ihm meine Ängste sagen, will ihm klagen, wie niedergeschlagen ich oft bin, wenn ich merke, wie sich diese oder jene Leidenschaft machtvoll in mir erhebt. Ich will ihm meine Hoffnungen mitteilen; denn inmitten aller Entmutigungen hoffe ich trotz allem. Ich will zu ihm gehen und ihm das alles, alles sagen. Ich will vor ihm mein ganzes Herz aufdecken und alle meine Last auf ihn werfen. Und wenn die Not mich nicht zu ihm treibt, dann zieht mich meines Herzens Sehnsucht zu ihm, der meine Freude und Wonne ist.

Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, dass er meine Rettung und mein Gott ist! Ps 43:5

Wenn Gott dein ist, warum dann diese Niedergeschlagenheit? Wenn seine Hand dich ergriffen hat, um dich aufzurichten, was klebst du so am Staub? Der Tau der Liebe senkt sich hernieder, darum, du müdes Herz, lass dich erfrischen und wieder aufrichten. Gibt es einen stichhaltigen Grund, dass du dir den Frieden deines Herzens so rauben lassen solltest? Warum willst du dich unvernünftigem Kummer hingeben, der niemand nützt, sondern nur dir Angst macht und deinen Gott verunehrt? Warum willst du mit düsteren Vorahnungen der Schwermut dein Herz belasten, bis es zusammenbricht? Harre auf Gott.

So gewiss die Sonne am Himmel steht, so gewiss wird auch Gottes Kindern das Licht wieder aufgehen, wenn sie auch eine Weile im Dunkeln wandern müssen. Die Zeit des Trauerns wird bald enden und die Zeit des Dankens und Preisens anbrechen. Auf, mein Herz, blick zum Fenster hinaus, hol das Fernrohr des Glaubens herbei und sieh, wie deine Erlösung naht.

Psalm 44: Vergiss uns nicht

O Gott, mit unseren eigenen Ohren haben wir es gehört, unsere Väter haben es uns erzählt, was du für Taten getan hast. Ps 44:2

Vom Hören: Gott, wir haben mit unsern Ohren gehört. Wir haben es nicht nur gehört, sondern auch beachtet, mit gespanntester Aufmerksamkeit und herzlicher innerer Anteilnahme gehört.

Vom Erzählen: Was wir mit den Ohren hören, wirkt viel stärker auf uns als was wir mit den Augen lesen. Das sollten wir beachten und jede sich bietende Gelegenheit nutzen, das Evangelium von unserm Herrn mit der lebendigen Stimme zu verkündigen, denn das ist das weitaus wirksamste Mittel zu seiner Verbreitung.

Dein Arm hat ihnen geholfen und das Licht deiner Gegenwart. Du bist derselbe, mein König, o Gott. Gebiete du Rettung für Jakob! Ps 44, 4-5

Weil Gott allein König ist, kann nur er die Rettung gebieten. Befiehlt er sie, geschieht sie auch. Und er rettet, damit wir uns ihm als König unterwerfen. Das Wissen um die völlige Abhängigkeit von Gott ist unerlässlich. Das Sich Verlassen und Vertrauen auf eigene Macht ist nicht gut. Denn vertrauen oder sich verlassen gehört allein Gott zu. Je weniger Vertrauen wir in uns selber oder irgendetwas außer Gott setzen, desto gewisser ist, dass unser Glaube an Gott aufrichtig ist.

Denn ich verlasse mich nicht auf meinen Bogen, und mein Schwert kann mir nicht helfen. Ps 44:7

In Gott rühmen wir uns alle Tage, und deinen Namen loben wir ewiglich. Ps 44:9

Unser Dank und Lobpreis soll beständig zum Herrn aufsteigen. Selbst wenn wir keine neuen Liebestaten erfahren würden, sollten wir doch den Herrn preisen für das, was er an seinem Volke bisher getan hat. Lassen wir den hohen und erhabenen Lobgesang erschallen, indem wir uns an die ewige Liebe erinnern, die uns erwählt, um einen teuren Preis erlöst und uns dann mit der ganzen Fülle Gottes erfüllt hat.

Was vermögen wir wider ihn? Nichts. Was vermögen wir ohne ihn? Nichts. Ist er nicht für uns, ist alles wider uns. Ist er aber für uns, wer mag dann wider uns sein?

Dies alles ist über uns gekommen, und doch haben wir dich nicht vergessen, noch treulos gehandelt gegen deinen Bund. Ps 44:18

Vielfältig beschreibt der Beter das Leid, dass ihm widerfährt und dennoch bezeugt er seine Treue zu Gott im Leid. Können wir mitten in großer Not Gott mit liebendem Gehorsam anhangen, dann steht es wohl um uns. Menschen, die Gott um des irdischen Lohnes willen dienen, den sie von ihm zu bekommen hoffen, werden ihn bald verlassen, wenn sich Drangsal und Verfolgung erhebt. Aber nicht so der aufrichtige Christ. Er kann seines Gottes nicht vergessen, auch wenn ihn Unglück um Unglück trifft, eins schlimmer als das andere.

Unser Herz hat sich nicht zurückgewandt, noch sind unsere Schritte abgewichen von deinem Pfad. Ps 44:19

Ja, um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag. Wie Schlachtschafe sind wir geachtet. Ps 44:23

Der Vers wird von Paulus Röm 8,36 angeführt zum Beweis der Tatsache, dass die Gemeinde Gottes zu allen Zeiten Verfolgung erlitten hat. Die Kirche hat die Bezeichnung Schafe oder Herde nicht allein darum, dass sie ihre große Unschuld beweise, niemand Gewalt noch Unrecht tue, still, sanftmütig und freundlich sei, sondern auch, dass angezeigt werde, wie sie dem Kreuz, mancherlei Anfechtung, Trübsal, Angst und Not unterworfen sei und jedermann unter den Füßen liegen müsse.

Herr, erhebe dich! Warum schläfst du? Wache auf. Ps 44:24

Dass der Psalmist noch immer betet, ist ein Beweis dafür, dass über den Erschütterungen des Leides sein Glaube nicht aufgehört hat. Nicht in der trotzigen Haltung des Haderns mit Gott, wohl aber im demütigen Geist des Flehens und Forschens dürfen wir Gott über das Warum fragen, wenn seine Führungen geheimnisvoll sind.

Warum verbirgst du dein Angesicht und vergisst unser Elend und unsere Bedrängnis? Ps 44:25

Unsere Seele ist in den Staub gebeugt und unser Leib klebt am Erdboden. Ps 44:26

Der Leib klebt am Boden. Ich werde so stark am Irdischen und bloß Menschlichen festgehalten, dass ich mich aus eigener Kraft nicht losreißen und aufraffen kann. Ich bin auf Gottes Eingreifen angewiesen und rufe darum mit Ernst, mit Ehrfurcht und mit Glauben: Stehe auf und hilf uns! Der Beter bindet die Erhörung seiner Bitte nur noch an Gott und an Gottes Treue. Er hat verstanden, dass Gott alles, was er uns an Gutem tut und gibt, um seinetwillen tut. Er tut uns Gutes, weil er ist, wie er ist, nicht weil wir was wir sind.

Steh auf und komm uns zur Hilfe! / Erlöse uns, weil du gütig bist! Ps 44:27

Psalm 45: Ein Hochzeitslied 

Ein Lied der Liebe. Ps 45:1

Der Psalm ist ein Liebeslied zur Hochzeit des Königs. Doch ist es nicht ein sinnlich sentimentales Liebeslied, sondern ein himmlisch erhabener Gesang von einer ewigen Liebe. Wir bete heute diesen Psalm im Blick auf Jesus Christus, den ewigen, himmlischen König. Die Braut des Königs ist die Kirche. Wir können in der Braut zugleich Maria sehen, die das Urbild der Kirche ist. Einige Verse des Psalms haben daher Eingang gefunden in die liturgischen Texte der Marienfeste.

Mein Herz fließt über mit einem lieblichen Lied. Ps 45:2

Du bist schöner als die Menschenkinder. Gnade ist ausgegossen über deine Lippen. Darum hat Gott dich gesegnet auf ewig. Ps 45:3

Christus ist schöner als alle anderen Menschen, denn er ist gleichzeitig mehr als bloßer Mensch. Der Messias ist auch Gottes Sohn. Jesus ist von so wunderbarer Schönheit, dass wir deutlich empfinden, dass alle gewöhnlichen Worte sie niemals ausreichend würdigen können. Wer in vertrautem Umgang mit dem Geliebten Jesus seiner Stimme gelauscht hat, fühlt es tief, dass nie ein Mensch so geredet hat wie dieser Mensch. Wenn unser Herz ihm verlangend entgegenschlägt, wird er sich uns offenbaren.

In deiner Pracht fahre siegreich einher für die Sache der Wahrheit, der Sanftmut und Gerechtigkeit. Ps 45:5

Du liebst die Gerechtigkeit und hasst die Gesetzlosigkeit, darum hat dich, o Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl, mehr als deine Gefährten. Ps 45:8

Das Salböl des Heiligen Geistes, mit dem Christus gesalbt wurde und dessen Duft wir bewundern, dieses Öl wird Öl der Freude genannt, denn Freude ist die Frucht des Geistes. Mit diesem Öl salbte Gott den, der die Gerechtigkeit liebte und das Unrecht hasste. Daher ist der Duft seines Salböls besser als alle Gewürze. Ja: Jesus ist ganz lieblich. Für das geistliche Auge ist er der Schönste unter den Menschenkindern, unser Ohr wird beglückt von seinen Reden und für uns duftet sein ganzes Wesen. Paulus spricht vom Wohlgeruch Christi.

Nach Myrrhe, Aloe und Kassia duften deine Kleider. Ps 45:9

Höre, Tochter, schau her und neige dein Ohr. Vergiss dein Volk und das Haus deines Vaters! Ps 45:11

Die Tochter wird angeredet vom Vater. Überraschend ist, dass dieser Vater von der angeredeten Tochter verlangt, ihr Vaterhaus zu verlassen, wobei offenbar das Haus eines anderen Vaters gemeint ist. Wer sind nun diese verschiedenen Väter? Erste Deutung: das leibliche Vaterhaus. Echte Nachfolge Christi bedeutet sich vom Elternhaus zu lösen (was natürlich nicht bedeuten soll, sich nicht um seine Eltern zu kümmern und zu ihnen wenn möglich in einer guten Beziehung zu stehen). Zweite Deutung: Der eine Vater, der verlassen werden soll, ist der Teufel: Ihr habt den Teufel zum Vater. (Joh 8:44). Der andere ist Gott Vater, dessen Kinder wir sind. Seine Kinder sind wir durch unser Geschaffensein und durch die Taufe.

Und wird der König deine Schönheit begehren — denn er ist dein Herr, so huldige ihm! Ps 45:12

Maria hat alles aufgegeben und sich ganz dem Willen Gottes hingegeben. Sie wollte nicht sich selbst verwirklichen, sondern das Wort Gottes Wirklichkeit werden lassen. Dies ist uns Vorbild auf dem Weg der Nachfolge. Der Welt abzusagen ist aber nicht leicht. Aber es muss geschehen von allen, welche dem großen König angetraut sind, denn ein geteiltes Herz ist nicht gut. Die Gemeinde des Herrn muss an Jesus allein hängen. Kann er sich mit weniger begnügen und darf sie es wagen, ihm weniger anzubieten, als ganz sein eigen sein zu wollen?

Ganz herrlich ist die Königstochter im Innern. Ps 45:14

In gestickten Kleidern wird sie dem König zugeführt. […] Man führt sie mit Freuden und Frohlocken und sie ziehen ein in den Palast des Königs. Ps 45:15-16

Freude ist für ein Hochzeitsfest angebracht. Welche Glückseligkeit wird herrschen bei den Festen im Paradies, wenn alle Erlösten heimgebracht werden! Die Freude der Seligen selber und das Frohlocken der Engel wird die Hallen des neuen Jerusalem von Jubel ertönen lassen. Der ganze Himmel wird fröhlich sein und frohlocken, wenn die Braut mit dem Lamm vermählt wird. An jenem Tag der Herrlichkeit, wenn alles vollendet werden wird, an jenem Tag wird das ganze Weltall mit Bewunderung die Schönheit der Braut des Lammes sehen. Die Braut wird zum König geführt. Sein Haus ist ihr Haus. Denn er hat seinen Vater gebeten, dass die Seinen da seien, wo auch er ist. Ja, Dank und Preis gebührt von allen unseren Herzen dem, der uns geliebt und mit seinem Blut erkauft hat.

Ich will deinen Namen verkünden in allen Geschlechtern. Darum werden dich die Völker preisen immer und ewiglich. Ps 45:18

Psalm 46: Gott ist bei uns

Gott ist unsere Zuflucht und Stärke, ein Helfer, bewährt in Nöten. Ps 46:2

Wir dürfen wir nicht nicht vergessen, dass Gott eben jetzt in diesem Augenblick meine Zuflucht sein will. Gott will uns alles sei und er allein kann es. Niemals lässt er die Seinen im Stich, wenn sie von Unglück betroffen werden. Er selbst ist unsere wahrhaftige, wirksame und beständige Hilfe. Er ist uns stets zur Seite, allezeit bereit, uns beizustehen. Denken wir in unserem geistlichen Kampf daran, seien wir getrost und stark in dem Herrn! Ruhen wir nicht, bis wir unseres ganz persönlichen Anteils an Gott gewiss geworden sind, dass wir sagen können: Er ist meine Zuflucht und meine Stärke.

Darum fürchten wir uns nicht, wenn auch die Erde umgekehrt wird und die Berge mitten ins Meer sinken. Ps 46:3

Wie oft begegnen wir in den Psalmen diesem Darum. Wie unvernünftig wäre es, wenn wir uns fürchten würden, da doch Gott auf unserer Seite ist! Wo er ist, da sind die Allmacht und die ewige Liebe. Warum sollten wir dann verzagen? Denn das einzige Beständige im Universum ist Gott. Alles mag wanken, er wankt nie. Himmel und Erde werden vergehen, er und seine Worte bleiben. Die Gestalt dieser Welt vergeht, Jesus Christus allein ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit.

Ein Strom mit seinen Bächen erfreut die Stadt Gottes, das Heiligtum der Wohnungen des Höchsten. Ps 46:5

Gottes Gnade spendet gleich einem mächtigen und doch sanften, das Land befruchtenden, nie versiegenden Strom den Gläubigen Erquickung und Trost. Der Strom will uns an den Heiligen Geist erinnern, den Gott vom Himmel in die Welt und in die Herzen der Gläubigen gesandt hat. Er hat die Macht, die Herzen Gott zuzuneigen und die Herzen zu ihm emporzuziehen. Der Lebensstrom, der von Gott ausgeht, gibt dem Glaubenden die Gewissheit, dass Gott für ihn und dass er bei Gott geborgen ist. Der Heilige Geist öffnet dem bedrängten Heiligen die Augen zu sehen, dass Gott gegenwärtig ist.

Gott ist in ihrer Mitte, sie wird nicht wanken. Gott wird ihr helfen, wenn der Morgen anbricht. Ps 46:6

Wie vertraut ist der Herr doch mit allem, was seine Kinder trifft, und zugleich wie hilfsbereit, weil er ja mitten unter ihnen wohnt! Gottes Gegenwart ist die einzige Sicherheit. Der Herr Jesus ist bei den Seinen im Sturm, darum kann das Schiff nicht untergehen. Der Herr ist mit uns. Der Sohn Gottes heißt daher Immanuell, mit uns ist Gott. Er erweist sich uns jetzt als der Bewahrer und Befreier.

Der Herr der Heerscharen ist mit uns. Der Gott Jakobs ist unsere sichere Burg! Ps 46:8

Kommt her, schaut die Werke des Herrn. Ps 46:9

Die richtige Blickrichtung ist für uns etwas ganz Entscheidendes. Sie hat einen zentralen Einfluss auf unser geistliches Wachstum. Ohne die richtige Blickrichtung gibt es auch nicht die Veränderung, die Verwandlung, die wir alle brauchen. Wir werden aufgefordert, die Werke des Herrn zu schauen. Wenn wir nun auf die Werke Gottes schauen, dann schauen wir auch auf das Wesen Gottes, weil seine Werke letztlich auch Auswirkungen seines Wesens sind. Da nun Gottes Wesen in Christus vollkommen offenbart worden ist, sollen wir allein auf ihn schauen und ihn nachahmen. Das „Ihm-gleich-sein“, hängt also ganz stark auch mit dem „Ihn-sehen“ zusammen. Dies beinhaltet zuvor das Wegschauen von all den unguten Dingen, die unseren Blick auf Jesus trüben. Dieses Wegsehen braucht oft auch große Überwindung. Wir werden mit so vielen Bildern überflutet, dass uns diese Bilder gefangen nehmen wollen.

In aller Welt bereitet er den Kriegen ein Ende. Ps 46:10

Seid still und erkennt, dass ich Gott bin. Ich werde erhaben sein unter den Völkern, ich werde erhaben sein auf der Erde! Ps 46:11

Es geht darum, die aktuelle Tätigkeit aufzuhören, zu pausieren, die Hände ruhen zu lassen – und die Aufmerksamkeit auf Gott auszurichten. Komm zur Ruhe. Versuche deine vielen Gedanken, deine unruhigen Gedanken zur Ruhe zu bringen, indem du dich ganz bewusst auf Gott ausrichtest. Lasst alles eigenmächtige Wollen und Wirken! Nicht nichts wollen und wirken heißt stille sein zu Gott, sondern nichts eigenmächtig wollen und wirken. Lasst alles unruhige Harren und Hoffen. Bei Gott ist es schon von ewig her entschieden, was sich hier langsam in der Zeit abwickelt. In Gottes Herz wollen wir uns bergen und flüchten,

Der Herr der Heerscharen ist mit uns, der Gott Jakobs ist unsere sichere Burg! Ps 46:12

Psalm 47: Gott ist aufgefahren

Freut euch und klatscht in die Hände, alle Völker! Lobt Gott mit lauten Jubelrufen! Ps 47:2

Unsere Freude am Herrn darf übersprudeln. Lasst sein Lob laut und fröhlich aus aller Mund und Herzen erklingen! Der Jubel wird im nächsten Vers mit einem “denn” begründet. Was ist es, was uns so freut: dass Gott erhaben ist und über die ganze Erde herrscht. Gott wird gelobt als der König, dem keiner das Wasser reichen kann, als der gute Herrscher über die ganze Erde.

Denn der Herr, der Höchste, ist zu fürchten, ein großer König über die ganze Erde. Ps 47:3

Gott ist aufgefahren mit Jauchzen, der Herr mit Hörnerschall. Ps 47:6

Dies ist ein prophetischer Ausspruch über Christi Himmelfahrt. Es ist nicht so, dass Himmelfahrt bedeutet, dass Jesus von der Erde in den Himmel geht, wie von A nach B. Er ist schlichtweg bei der Himmelfahrt nicht weg gegangen, sondern gerade dadurch in eine Seinsweise eingetreten, in der er für immer bei uns und für uns da ist. Sein scheinbares Weggehen ist also sein eigentliches Kommen. Nun ist er nicht mehr an einer einzelnen Stelle der Welt wie vor der Himmelfahrt, nun ist er für alle und allerorten mit seiner raumüberschreitenden Macht gegenwärtig und rufbar. Christus beim Vater ist nicht fern von uns, höchstens sind wir fern von ihm. Benedikt XV

Lobsingt Gott, lobsingt! Lobsingt unserem König, lobsingt! Ps 47:7

Mehrmals erfolgt die Aufforderung zum Lobpreis. Denn nicht der Anbeter ist wichtig. Der Angebetete, er allein ist wichtig. Da Gott nicht müde wird, uns seine Güte zu erzeigen, so lasst auch uns nie müde werden, ihm unseren Dank darzubringen. Seine Herrlichkeit sei der Quell unsrer Freude.

Denn Gott ist König der ganzen Erde; lobsingt mit Einsicht! Ps 47:8

Gott sitzt auf seinem heiligen Thron. Ps 47:9

Psalm 48: Gottes Stadt

Groß ist der Herr und hoch zu loben in der Stadt unsres Gottes, auf seinem heiligen Berg. Ps 48:2

Wie groß Gott seinem Wesen nach ist, kann niemand erfassen. Aber das können wir alle wahrnehmen, dass er groß ist in all seinem Walten über den Menschenkindern, groß vor allem auch in den Heilstaten für sein Volk. Groß ist er darum auch in den Herzen derer, die er errettet. Wir dienen keinem unbekannten Gott. Wir kennen ihn als unsere Zuflucht in der Not. Wir freuen uns seiner als einer derart sicheren und gewissen Zuflucht und eilen zu ihm in jeder Bedrängnis.

Gott wohnt in ihren Palästen, und es ist überall bekannt: Er schenkt Zuflucht. Ps 48:4

Nun haben wir selbst gesehen, was Gott getan hat dort in der Stadt, wo der allmächtige Herr wohnt, in der Stadt unseres Gottes. Gott lässt sie für immer bestehen. Ps 48:9

Menschen in der Nachfolge Jesus sind nachdenkende, sinnende Menschen. Sie lassen Gottes Wunder nicht an ihren Augen vorüberziehen und in der Vergessenheit verschwinden, sondern sinnen eifrig über sie nach. Was für ein kostbarer Gegenstand solchen stillen Nachsinnens ist die Gnade Gottes! Wie könnte eine Seele, die Gott liebt, angesichts dieses Themas je müde werden! Wir tun gut daran, in Zeiten der Drangsal an die früher erfahrene Freundlichkeit Gottes zu gedenken, und eben so nützlich ist das in den Tagen des Wohlergehens. Die dankbare Erinnerung an Gottes Wohltaten versüßt uns manchen bitteren Trunk und läutert unsere Freuden.

Wir halten uns deine Gnade vor Augen. Ps 48:10

Er führt uns über den Tod hinaus! Ps 48:15

Das ganze Leben hindurch und bis zu unserm Sterbekissen wird er uns gnädig und sanft leiten und selbst über das Sterben hinaus wird er uns führen und zu den lebendigen Wasserbrunnen leiten. Von ihm erwarten wir Auferstehung und ewiges Leben. Diese trostvolle Hoffnung hegen wir mit Bestimmtheit nach allem, was wir von der Macht und Treue Gottes bereits erfahren haben. Dieser erhabene Gott, mit all seinen Vollkommenheiten, ist mein Gott immer und ewiglich, und selbst der Tod kann mich nicht von seiner Liebe scheiden.

Psalm 49: Gott allein gibt Erlösung

Hört dies, ihr Völker alle, horcht doch auf, alle Bewohner der Welt. Ps 49:2

Es ist dringend notwendig, dass wir unsere Ohren und Herzen zu Gott wenden und aus Gottes Wort lernen uns selbst und Gott recht zu erkennen. Denn was vor tausend Jahren durch den Geist Gottes geredet ist, das ist eben so neu, so kräftig, so lebendig, so voll Geistes, als wenn es jetzt erst geredet würde. Höre Israel! Das war Gottes erster Befehl an sein Volk Israel. Das ist auch heute so. Diesem Befehl zu folgen, ist der erste Schritt, um weise zu werden. Wer nicht zuerst auf Gott gehört hat, kann von ihm und von seinen Wegen nichts sagen. Und wer nicht selbst gehorcht, kann andere nicht lehren. Wer will, dass andere auf ihn hören, muss zuerst selbst ein Hörer sein.

Mein Mund soll Weisheit reden und das Denken meines Herzens verständig sein. Ps 49:4

Gott wird meine Seele aus der Gewalt des Totenreichs erlösen. Denn er wird mich aufnehmen! Ps 49:16

Wir werden, durch Gottes Macht lebendig gemacht. Er allein ist in der Lage, uns zu erlösen und uns dem Totenreich zu entreißen. Dies nun hat Gott Vater durch seinen Sohn Christus vollbracht. Unser erstgeborener Bruder hat Gott ein vollgültiges Lösegeld bezahlt, sodass wir nun die Erlösten des Herrn sind, gerecht vor Gott in und durch ihn. So haben wir Zugang zu Gott. Das nun ist das Schönste: wir werden bei Gott sein. Gibt es Höheres? Kann Glück größer sein?

Im Tod nimmt er das alles nicht mit, sein Reichtum folgt ihm nicht ins Grab. Ps 49:18

Die Habgier und das Besitzstreben will uns glauben machen, daß das Haben der höchste Wert unseres Daseins, unseres Lebens in der Welt wäre, um bedeutend zu erscheinen. Um uns vor dieser Habgier zu hüten, benötigen wir eine innere Freiheit gegenüber allem Materiellem. Eine derartige Freiheit kann nur gefunden werden, wenn Gott unser Reichtum wird. Sie kann nur im geduldigen täglichen Verzicht gefunden werden, durch den sie sich als wahre Freiheit entfaltet.

Der Mensch, in seiner Pracht: Hat er nicht Einsicht, geht er zugrunde wie das Vieh. Ps 49:21