Anmeldung ->

Psalm 50-59

Psalmen 50 bis 59

Psalm 50: Rechter Gottesdienst

Der Mächtige, Gott der Herr, er redet und ruft die Erde vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang. Ps 50:1

Es ist der Allmächtige, es ist der Schöpfer, der die Erde gerufen hat. Gott, der Schöpfer, der die Sonne und die Erde und die Menschen auf ihr erschaffen hat: er ist erschienen, er hat sich selbst geoffenbart. Am Ende der Tage hat Gott im Sohn geredet. Dort ist er in seiner ganzen Gnade und Wahrheit hervorgestrahlt. Dort hat er Leben ans Licht gebracht.

Aus Zion, der Schönheit Vollendung, erscheint Gott im Lichtglanz. Ps 50:2

Unser Gott kommt und schweigt nicht. Verzehrendes Feuer geht vor ihm her, und rings um ihn stürmt es gewaltig. Ps 50:3

Gott redet. Redet schon immer. Redet immer wieder. Schon am Anfang der Schöpfung: Es werde! Gott redet. Unser Gott kommt und schweiget nicht. Er will nicht schweigen und er kann nicht schweigen. Wobei er immer wieder das Unerwartete sagt. Das Unbequeme oft auch. Aus Liebe. Gott redet. Er redet auch heute. Er redet durch sein Wort. Er redet durch andere Menschen. Er redet durch Träume und Eingebungen. Gott kommt. Alle anderen gehen. Gott spricht. Alle anderen schweigen. Folgerichtig redet die Bibel von stummen Götzen.

Er ruft dem Himmel droben zu und der Erde. Ps 50:4

Der Himmel verkündet seine Gerechtigkeit. Ps 50:6

Ich will keinen Stier aus deinem Haus nehmen, keine Böcke aus deinen Hürden. Ps 50:9

Gott will kein frommes Getue. Am Beispiel des Opferkultes in Israel wird klar, dass es Gott nicht in erster Linie um einen perfekten Gottesdienst geht. Die Meinung, wir würden uns durch Beten, Singen, Opfer usw. ein Verdienst bei Gott erwerben, ist ein Grundfehler des Menschen. Gott ist kein heidnischer Götze, der so etwas braucht. Gott ist der Herrscher des Universums, dem alles gehört und dem man deshalb nichts schenken kann. Der wahrhaftige Gott kann nur an aufrichtigem Gottesdienst des Herzens Gefallen finden. Es ist undenkbar, dass äußerliche Dinge ihn irgendwie erfreuen könnten, außer insofern diese unserem Glauben und unserer Liebe Ausdruck verleihen.

Opfere Gott Dank und erfülle dem Höchsten deine Gelübde. Ps 50:14

Gott will ein frommes Herz. Dank, Gehorsam und Bitte sind also, was Gott fordert, aber nicht anstatt der Opfer, sondern als Kern und Inhalt derselben. Er will diese Dinge durch die Opfer ausgedrückt und gleichsam verkörpert wissen. Anstelle des frommen Aktionismus soll ein Herz stehen, das sich vor diesem gewaltigen Gott in Dankbarkeit beugt und sich ihm bis hinein in die tiefsten Nöte des menschlichen Lebens ausliefert. Wer das tut, wird erfahren, dass dieser Gott gerade da am meisten zu erleben ist, wo wir es am wenigsten vermuten würden: in den Niederungen des Lebens.

Bringe deine Opfer wirklich vor dem Gott dar, der ins Herz sieht. Gib ihm echte Beweise deiner Liebe, leiste ihm den schuldigen und versprochenen Dienst, halte ihm den Herzensgehorsam, den du gelobt hast.

Rufe mich an am Tag der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich ehren! Ps 50:15

Was für eine beglückende Einladung! Komm, du mühselige und beladene Seele, eile. Gerade darin offenbart sich ja der Glaube, zeigt sich das Vertrauen, beweist sich die Liebe. Denn in der Stunde der Gefahr nehmen wir Zuflucht zu denen, die wir lieben. Gott sehnt sich danach, dass die Menschen ihn begreifen und ergreifen, weil nur er der Weg ist, auf dem das Leben gelingen kann.

Wenn wir Gott anrufen, beweist das, dass wir von nirgends sonst Gutes erwarten und nirgends sonst Zuflucht suchen. Johannes Calvin

Wer mir dankt, der bringt damit ein Opfer, das mich wirklich ehrt. Er macht den Weg frei, auf dem ich ihm Rettung bringe! Ps 50:23

Bringe deine Liebe und Dankbarkeit Gott als Opfer dar, so ehrst und verherrlichst du ihn. Wer seinen ganzen Weg der göttlichen Leitung unterstellt und darauf bedacht ist, mit seinem Leben Gott zu ehren, der bringt ein Opfer dar, welches Gott durch seinen geliebten Sohn annimmt. Ein solcher Mensch wird immer mehr zunehmen an Erkenntnis und Erfahrung des Heils des Herrn. Vergangenes loben, preisen, dankbar annehmen ist ein Weg, der die Augen dazu befreit, auch heute das Gute zu erkennen und es für morgen zu erwarten und zu erhoffen. Singe das Gute von gestern und du siehst das Gute von heute.

Psalm 51: Vierter Bußpsalm

O Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte. Tilge meine Übertretungen nach deiner großen Barmherzigkeit! Ps 51:3

Die Vergebung der Sünden ist eine Tat der freien Gnade. Gott ist unendlich, so ist auch seine Gnade unermesslich. Darum nehmen wir mit Recht zu dieser Eigenschaft Gottes unsere Zuflucht. Was braucht der Sünder so dringend wie einen gnädigen Gott? Denn nichts als Gottes Gnade kann ihn retten. Wie die Sonne einen Nebel auflöst, so tilgt Gott die Übertretungen. So groß wie unsere Sünde ist, so groß, nein, größer muss Gottes Erbarmen sein. Herr, lasse die ganze Flut deiner erbarmenden Liebe über mich ergießen. Wasche mich bis auch der letzte Fleck verschwunden und auch nicht eine Spur meiner Verunreinigung mehr zu finden ist.

Wasche mich völlig rein von meiner Schuld und reinige mich von meiner Sünde. Ps 51:4

Ich erkenne meine Übertretungen und meine Sünde ist allezeit vor mir. Ps 51:5

Ich bringe meine Sünde vor Gott, nicht ein Versehen, ein Fehler, ein Ausrutscher, sondern meine Sünde. Wir müssen unsere Sünde erkennen und bekennen. Wohl dem, dessen Herz von Schmerz über die Sündigkeit einer seiner Taten durchbohrt ist. Gegen Gott, gegen den Urheber aller Dinge, gegen den Geber aller guten Gaben haben wir gesündigt. Alle Sünde ist immer Sünde gegen Gott, weil sie gegen seinen Willen handelt. Ohne Erkenntnis der Sünde werde ich weder Gottes Heiligkeit noch Gnade je erkennen, und kenne ich diese nicht, wird meine Sünde an mir haften bleiben.

An dir allein habe ich gesündigt und getan, was böse ist in deinen Augen, damit du recht behältst, wenn du redest, und rein dastehst, wenn du richtest. Ps 51:6

Siehe, in Schuld bin ich geboren, und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen. Ps 51:7

Siehe, du verlangst nach Wahrheit im Innersten. So lass mich im Verborgenen Weisheit erkennen! Ps 51:8

Gott begehrt nicht nur äußerliche Tugendhaftigkeit, sondern innere Reinheit. Tiefinnerliche Wahrheit und Aufrichtigkeit, echte Frömmigkeit, ganze Treue, das ist es, was Gott begehrt. An frommem Schein ist ihm nichts gelegen. Er sieht auf das, was im Verborgenen des Herzens ist. Gott gefällt Wahrheit im Innern. Er will, dass wir im Innern so sind, wie wir uns nach außen geben. Es ist ihm sehr verhasst, wenn Menschen sich vor den Menschen im weißen Gewand zeigen, während ihr Herz voller Unreinheit ist.

Entsündige mich mit Ysop, so werde ich rein; wasche mich, so werde ich weißer als Schnee! Ps 51:9

Der Psalmvers deutet auf die Reinigung vom Aussatz oder von der Berührung eines Leichnams hin. In beiden Fällen wurde beim Besprengen der Ysop gebraucht. Die Wiederholung (entsündigen, waschen) zeigt an, wie sehr eine wirkliche, geistliche Reinigung notwendig ist. Wir nun sind rein gewaschen im Blute Christi. Nichts anderes als sein Blut kann meine Blutflecken tilgen. Das erzeugt in unseren Seelen Freude und Frohlocken.

Lass mich Freude und Wonne hören, damit die Gebeine frohlocken, die du zerschlagen hast. Ps 51:10

Verbirg dein Angesicht vor meinen Sünden und tilge alle meine Missetaten! Ps 51:11

Erschaffe mir, o Gott, ein reines Herz, und gib mir von Neuem einen festen Geist in meinem Innern! Ps 51:12

Am Anfang der Welt schufst du einen Menschen. Schaffe in mir einen neuen Menschen! So komm denn und offenbare abermals deine Schöpfermacht. Du gnadenreicher Gott, der du mich einst geschaffen hast, schaffe mich neu, und zwar in meinem tiefsten Innern. Das Herz ist das Steuer der Seele, und solange der Herr dies nicht in der Hand hat, segeln wir einen falschen Kurs. Entziehe mir nicht deinen Trost und Rat, deinen Beistand und deine belebende Kraft. Ich bin sonst ohnmächtig wie ein Toter.

Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Ps 51:13

Dein Geist ist es, der mich weise macht. Überlasse mich nicht meiner Torheit. Dein Geist ist meine Stärke. Überantworte mich nicht meiner eigenen Schwäche. Treib mich nicht von dir weg und geh du nicht von mir. Halte du das Band fest, das mich mit dir verknüpft. Ist doch die Verbindung mit dir meine einzige Rettungshoffnung. Es ist dein Geist, der uns dein Angesicht schauen lässt, es ist dein Geist, der uns Gewissheit der Vergebung und Annahme bei Gott gibt, es ist dein Geist, der uns fest macht.

Gib mir wieder die Freude an deinem Heil, und stärke mich mit einem willigen Geist! Ps 51:14

Herr, tue meine Lippen auf, damit mein Mund dein Lob verkündige! Ps 51:17

Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein zerbrochener Geist. Ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz Wirst du, o Gott, nicht verachten. Ps 51:19

Die Ausdrücke zerbrochener Geist und zerbrochenes Herz weisen auf tiefen Schmerz im innersten Sitz des Lebens hin. Die Freude über die Vergebung verbannt den Schmerz und die Zerknirschung über die Sünde nicht. Diese bleiben. Je tiefer die Erkenntnis der Sünde und je wahrer der Schmerz der Reue ist, desto inniger wird auch die Dankbarkeit für die empfangene Vergebung und Versöhnung sein. Das weiche, demütige, zerbrochene Herz ist darum das beste Dankopfer. So kostbar ist vor Gott ein wahrhaft gebeugter Geist, der zermalmt ist von dem Bewusstsein, wie sehr er der empfangenen Gnade unwert ist, sodass er nicht nur ein Opfer sondern der Inbegriff aller Dankopfer ist. Er ist das Gott wohlgefällige Opfer.

Tue wohl an Zion nach deiner Gnade. Ps 51:20

Charles de Foucauld hat die einzigartige Schlüsselstellung des Psalms 51 für die christliche Spiritualität in einem Gebet einmal so zusammengefasst:

„Ich danke dir, mein Gott, dass du uns dieses göttliche Gebet des ‚Miserere’ geschenkt hast. Dieses ‚Miserere’, dieses ‚Herr, erbarme dich’, ist unsere Bitte Tag für Tag. Immer wieder sprechen wir diesen Psalm und machen ihn oft zu unserem Gebet. Er umfasst den Inhalt all unserer Gebete: Anbetung, Liebe, Opfer, Dank, Reue, Bitte. Der Psalm beginnt mit der Besinnung über uns selbst und der Erkenntnis unserer Schuld. Er geht weiter zum Nächsten und bittet für die Umkehr aller Menschen, um dann aufzusteigen bis zur Betrachtung Gottes.“

Psalm 52: Grüner Ölbaum

Deine Zunge trachtet nach Schaden wie ein scharfes Schermesser, du Betrüger. Ps 52:4

Ein scharfes Messer trennt Seile durch. Die Lüge zerschneidet die Bande, die uns an Gott binden und seine Heiligen zusammenhalten. Sie zerfetzt das fein geknüpfte Netz des Lebens. Wie furchtbar ist eine Zunge des Truges! Sie trennt, was Gott zusammengefügt hat. Sie zersetzt, was Gott zueinander gesetzt hat. Sie verbreitet Tod, wo Gott Leben gegeben hat.

Du ziehst das Böse dem Guten vor, redest lieber Lüge als Gerechtigkeit! Du liebst alle verderblichen Worte, du trügerische Zunge! Ps 52:5-6

Seht, das ist der Mann, der Gott nicht zu seiner Zuflucht machte, sondern sich auf seinen großen Reichtum verließ und durch seine Habgier mächtig wurde! Ps 52:9

Die innere Freiheit ist die Voraussetzung für die Überwindung der Korruption und der Habgier, die bereits die Welt verwüsten. Eine derartige Freiheit kann nur gefunden werden, wenn Gott unser Reichtum wird. Sie kann nur im geduldigen täglichen Verzicht gefunden werden, durch den sie sich als wahre Freiheit entfaltet. Es geht vor allem um die Reinigung des Herzens, dank der man den Besitz als Verantwortung, als Aufgabe gegenüber den anderen anerkennt, indem man sich unter Gottes Blick stellt und sich von Christus führen läßt, der reich war und um unsertwegen arm geworden ist. Benedikt

Ich aber bin wie ein grüner Ölbaum im Haus Gottes; ich vertraue auf die Gnade Gottes für immer und ewig. Ps 52:10

Der Ölbaum ist ein immergrüner und fruchtbarer Baum. So soll unser Verhalten den Menschen stets nutzbringend sein. Weiter: Bekanntlich stehen und grünen Ölbäume außerdem länger als alle anderen Bäume in der ganzen Schöpfung. Das bedeutet: Wir sind fest verwurzelt in Gottes Verheißungen. Ewig vertrauen wir der Gnade, weil sie selbst ewig ist. Mit vollkommener Ruhe dürfen wir ihr daher trauen. Wie nun seine Gnade ewig währt, so soll auch mein Dank niemals schweigen.

Ich preise dich ewiglich, denn du hast es vollbracht, und in der Gegenwart deiner Getreuen harre ich auf deinen Namen, weil er so gut ist. Ps 52:11

Psalm 53: Gott schaut vom Himmel

Da ist keiner, der Gutes tut. Ps 53:2

Dieser Psalm findet sich in nahezu buchstäblich im Psalm 14. Er will uns von unserer Sündhaftigkeit überzeugen und uns zur Scham und zur Gottesfurcht bewegen. Weil wir uns dazu nur unwillig bewegen lassen, muss die gleiche Wahrheit wiederholt werden. Das überführende Wort gleicht dem Hammer, mit dem man viele Male schlagen muss. Da ist keiner, der Gutes tut. Ohne Ausnahme haben die Menschen den richtigen Weg verlassen.

Gott schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, um zu sehen, ob es einen Verständigen gibt, einen, der nach Gott fragt. Ps 53:3

Gott schaut vom Himmel. Das gibt uns den Bezugspunkt, von dem aus wir uns messen müssen. So müssen wir ihn unentwegt suchen. Wiewohl Gott alles erfüllt, muss man doch nach ihm suchen und forschen, wegen der Dunkelheit, die unsern Verstand oft umhüllt. Denn Fleisch und Sinne und der Hang zum Irdischen hindern uns ihn zu erkennen, trotz seiner Allgegenwart.

Ach, dass aus Zion die Rettung für Israel käme! Wenn Gott das Geschick seines Volkes wendet, wird Jakob sich freuen und Israel fröhlich sein. Ps 53:7

Psalm 54: Gott hilft und rettet

O Gott, rette mich durch deinen Namen, und schaffe mir Recht durch deine Macht! Ps 54:3

Solange Gottes Ohr für uns offen ist, vermag uns kein Elend gefangen zu halten. Alle andern Waffen mögen versagen, aber beten in allen Anliegen ist zu allen Zeiten nütze. Bedenken wir: Der Allerhöchste, der Lenker aller Dinge, der Urheber allen Seins: er hört auf das Rufen der Menschen! Gott ist treu: Darum rettet er die Seinen gewiss und unwiderruflich. Gott ist ein Retter Gott. Sein Name heißt Jesus, denn er rettet sein Volk: “Er wird sein Volk erretten von ihren Sünden.” (Mt 1:21)

O Gott, erhöre mein Gebet, und achte auf die Reden meines Mundes! Ps 54:4

Siehe, Gott ist mein Helfer. Der Herr ist es, der mein Leben erhält. Ps 54:6

Der Herr der Welt, der über alles gebietet, ist selber der Erhalter meines Lebens. Darum bin ich voller Zuversicht. Ich bin so durchdrungen von dem Bewusstsein, mit meinem Herzen auf Gottes Seite zu stehen, dass ich ganz sicher bin, Gott auch auf meiner Seite stehen zu wissen. Gott ist für die Seinen innerlich gegenwärtig.

Gehe immer heiter und mit aufrichtigem Herzen deinen Weg so gut du kannst. Wenn du aber diese heilige Freude nicht immer einhalten kannst, so verliere wenigstens nie den Mut und das Vertrauen in Gott! P. Pio

Deinen Namen, o Herr, will ich loben, denn er ist gut! Ps 54:8

Ja, Gottes Name ist gut. Gottes Name ist lauter Liebe, Gnade, Trost, Hilfe, Freude, Friede, Leben, Heil und Seligkeit. Darum ist es auch gut, ihn zu loben. Wir sind nie so heilig und nie so glückselig wie dann, wenn unser Herz sich in Anbetung ergießt. Darum wenn dich etwas betrübt, so denke an Gottes Namen und Verheißung.

Er hat mich errettet aus aller Not. Ps 54:9

Psalm 55: Gebet in der Not

Schenke meinem Gebet Gehör, o Gott, und verbirg dich nicht vor meinem Flehen! Ps 55:2

Es steht nicht unbedingt im Widerspruch mit einem frommen Leben, dass unser Herz in Zeiten der Gefahr von Furcht erschüttert wird. Die natürlichen Gefühle werden durch unseren Glauben nicht aufgehoben, wohl aber geläutert und gemildert. In großen Nöten kann es uns so scheinen, als wenn sich Gott vor uns verberge. Aber unser liebender Gott kann sich vor unserem Gebet nicht verbergen, das Gebet findet ihn doch und dringt hin durch die Wolken und er wird unsere Gefühle läutern und mildern. Er steht uns bei in unserer Unruhe.

Höre auf mich und antworte mir! Ich bin unruhig in meiner Klage und stöhne. Ps 55:3

O dass ich Flügel hätte wie die Taube. Ich würde davonfliegen, bis ich Ruhe fände! Ps 55:7

Jesus Christus, du mein geliebtester Bräutigam, in der Liebe so ganz rein, du Beherrscher der gesamten Schöpfung, wer gibt mir die Schwingen wahrer Freiheit, daß ich auffliege und ruhe in dir? Herr, ich bedarf wohl noch größerer Gnade, wenn ich dahin gelangen soll, daß kein Mensch und kein Geschöpf imstande ist, mir ein Hemmnis zu sein. Denn solange mich noch irgend etwas zurückhält, kann ich mich nicht frei zu dir emporschwingen. Wer gibt mir Schwingen gleich der Taube? Ich möchte entfliegen und Ruhe finden. Nachfolge Christi

Siehe, ich wollte weit weg fliehen, mich in der Wüste aufhalten. Ps 55:8

Jesus stärkte sich oft in der Einsamkeit. Es ist viel, viel besser, sich dann und wann in einsame Stille zurückzuziehen und in ihr neue Kraft für den Kampf zu suchen, als sich untentweg nach einer von der Welt abgeschiedenen Leben zu sehnen. Du musst hier aushalten und das Unwetter über dich ergehen lassen. Aber sei voller Mut. Es wird nicht lang mehr dauern, dann wirst du deine Schwingen zu einem kühneren Flug ausbreiten. Der Himmel wird dich aufnehmen.

Ich wollte zu meinem Zufluchtsort eilen vor dem brausenden Wind, vor dem Sturm. Ps 55:9

Ich aber rufe zu Gott, und der Herr wird mir helfen. Abends, morgens und mittags will ich beten und ringen, so wird er meine Stimme hören. Ps 55: 17-18

Unser physischer Körper braucht dreimal des Tages der Nahrung zur Kräftigung. Wer nun seine eigene Schwachheit kennt, weiß, dass er ebenso Kräftigung im geistlichen Leben braucht. Im beharrlichen und wiederholten Rufen zu Gott findet unsere Seele Ruhe. Der Gläubige gibt dabei keinem Zweifel Raum, ob er auch erhört werden wird. Er spricht, als hätte er schon die Antwort. Wenn unser Fenster gegen den Himmel offen steht, ist auch des Himmels Fenster uns aufgetan. Ein freimütiges Herz findet bei Gott eine freigebige Hand. Frieden wird der Herr geben, Frieden nach außen, Frieden auch in dem jetzt so beunruhigten Herzen.

Er hat meine Seele erlöst und ihr Frieden verschafft vor denen, die mich bekriegten; denn viele sind gegen mich gewesen. Ps 55:19

Wirf dein Anliegen auf den Herrn, und er wird für dich sorgen. Er wird den Gerechten in Ewigkeit nicht wanken lassen! Ps 55:23

Der Gerechte mag schwanken wie die Zweige eines Baumes im Sturm, aber nie wird er hinstürzen wie ein entwurzelter Baum, der fällt, um nie wieder aufzustehen. Wer auf dem ewigen Felsen seinen Stand nimmt, der steht sicher. Gott wird dir Tag um Tag die Kraft geben, die du nötig hast, um die dir beschiedene Mühsal und Not zu tragen. Nur eines musst du machen: Wir sollen unsere Anliegen werfen. Das zeigt, dass es eine Anstrengung des Willens braucht.

Ich aber vertraue auf dich! Ps 55:24

Psalm 56: Gott vertraue ich

Wenn mir angst ist, vertraue ich auf dich! Ps 56:4

Die Erfahrung zeigt, dass erst da wahrhaft die Hoffnung herrscht, wo die Furcht einen Teil des Herzens einnimmt. Die Hoffnung zeigt ihre volle Kraft erst da, wo sie die durch Sorgen niedergeworfene Seele aufrichtet, das durch Bekümmernis beunruhigte beruhigt. Mut ist Angst, die gebetet hat. Wir mögen uns zwar hier und da fürchten, aber die Furcht nimmt nicht den ganzen Raum meiner Seele ein, denn ich hoffe und vertraue auf den Herrn.

In Gott will ich rühmen sein Wort. Ps 56:5

Das Vertrauen auf Gott und das Vertrauen auf sein Wort sind tatsächlich so eng miteinander verflochten, wie diese Aussagen ineinander verflochten sind. Ich kann nicht anders auf Gott vertrauen, als dass ich auf sein Wort vertraue und vertraue ich auf Gottes Wort, dann vertraue ich auf Gott selbst. Darum müssen wir sein Wort kennen. Es gibt kein lebendiges und wahres Vertrauen ohne Kenntnis der Gedanken und Absichten Gottes, wie sie in der Bibel niedergeschrieben sind.

Auf Gott vertraue ich und fürchte mich nicht. Was kann ein Mensch mir antun? Ps 56:5

Wer vertrauen kann, wird auch bald jubeln können. Der Psalmist ist sich dessen gewiss, dass er durch Gott, durch Gottes hilfreiches Eingreifen, das Wort des Herrn in Erfüllung gehen sehen und also Anlass haben wird, die Treue der göttlichen Zusagen zu rühmen. Gottes erfüllte Verheißungen sind ein wunderbarer Gegenstand des Rühmens. Und selbst ehe die Erfüllung da ist, dürfen und sollen wir die Zuverlässigkeit des göttlichen Wortes preisen. Was wir schon davon erlebt haben, gibt uns Grund genug dazu. Hier nun siegt der Glaube über die Furcht.

Sammle meine Tränen in deinen Krug. Ohne Zweifel, du zählst sie. Ps 56,9

Tränen gehören zur Wirklichkeit des individuellen und gemeinsamen Lebens. Starke innere Gefühle finden durch sie ihren Weg nach außen. Sie begleiten die langen Wege der Trauer und können doch nicht ungeschehen machen, was geschehen ist. Sie brechen hervor, wenn Worte fehlen. Keiner sollte seine Tränen unterdrücken. Sie können zu einer Brücke zu Gott und zum Nächsten werden. Wo unser Herz in der Tiefe angerührt und verletzt wird, wo wir in der Tiefe unserer Seele erschüttert werden und Trauer uns überfällt, können wir manchmal nicht anders als weinen. Wir dürfen es dann auch und sollten unsere Tränen nicht zurückhalten. Wir sollten sie ruhig fließen lassen in der Geborgenheit, dass Gott alle unsere Weg kennt, unsere Tränen zählt und alles seine Zeit und Stunde hat. Als Christ weiß ich zwar, dass Gott eines Tages alle Tränen abwischen wird, kein Leid und Kummer mehr sein wird

Das weiß ich, dass Gott für mich ist. Ps 56:10

Der Herr treibt uns durch seinen Geist zum Beten, wir schreien zu ihm in der Angst unseres Herzens, er hört, und er greift ein. Ja, das wissen wir, dass Gott für uns ist, und darum auch, dass niemand wider uns sein kann. Warum sollten wir uns denn auch nach anderen Helfern umsehen, wo doch Gott auf unserer Seite ist. Er spricht: Das weiß ich. Der Glaube fußt auf Felsengrund; er ist nicht ein der Fehlbarkeit unterworfenes Vermuten, sondern ein sicheres Wissen. Wir dürfen wissen, dass Gott für uns ist. Gott ist für mich. Das ist der Siegesruf des Glaubenden.

In Gott will ich rühmen das Wort, im Herrn will ich rühmen das Wort. Ps 56:11

Auf Gott vertraue ich und fürchte mich nicht. Was kann ein Mensch mir antun? Ps 56:12

Ich will dir Dankopfer entrichten! Denn du hast meine Seele vom Tod gerettet, meine Füße vom Gleiten. Ps 56:13-14

Unser Problem kann sein, daß wir die Hand Gottes in unserem Leben zu wenig beachten. Ich habe festgestellt, daß ich für die Führungen Gottes in meinem Leben viel sensibler geworden bin, als ich konkret über mein Leben nachdachte, wofür ich dankbar sein kann. Beim Danken erkenne ich an, daß jemand etwas Gutes für mich getan hat. Wofür können wir Gott danken? Für seine große Liebe, für die Erlösung, die Vergebung, Fürsorge, viele praktische Dinge usw.

Ich wandle vor dem Angesicht Gottes im Licht des Lebens. Ps 56:14

Wir sollen vor seinem Angesicht wandeln. Er hat keinen von uns befreit, damit wir unsere eigenen Wege gehen. Was wäre denn das für eine Freiheit? Die Freiheit, das Eigene zu tun, ist Knechtschaft, Knechtschaft an den Eigenwillen, Knechtschaft an unsere eigenen Lüste, Knechtschaft der Sünde. Freiheit heißt, dass wir von unserem Eigenwillen befreit sind und an Gottes Willen zuerst die Lust finden und dann dazu die Kraft, ihn zu tun. Freigemacht von der Sünde, sind wir Sklaven der Gerechtigkeit geworden.

Das sei unser Streben: In der Freiheit der Erlösten zu wandeln, in heiligem Dienst vor Gott und in glückseliger Gemeinschaft mit ihm, in stetigem Fortschreiten in der Heiligung und in dem Licht des freundlich leuchtenden Angesichts unseres Gottes!

Psalm 57: Schatten seiner Flügel

Bei dir birgt sich meine Seele und ich nehme Zuflucht unter dem Schatten deiner Flügel. Ps 57:2

Wie ein Traum, so zart erscheint der Schatten der Flügel Gottes. Dieser Schatten aber ist stärker wie alle Gewalten, alle Vermögen, alle Kräfte. Fruchtbar wird unter dem Schatten Gottes alles, was die Seele in sich schließt. Dort haben wir keine Hitze zu ertragen, denn derjenige ist unsere Erfrischung, der uns unter dem Schatten seiner Flügel schützte und schützt. Auch Kälte werden wir dort nicht erdulden, denn dort ist die Sonne der Gerechtigkeit, die mit ihrer Liebe unsere Herzen erwärmt und mit den Strahlen ihrer Gottheit unsere Augen erleuchtet, damit sie die Gottheit und Gleichheit des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes sehen.

Zu Gott, dem Höchsten, schreie ich, zu ihm, der alles für mich zu einem guten Ende führt. Ps 57:3

Der Glaube ist nie stumm. Wir beten, weil wir glauben. Diesen Entschluss, zu Gott zu rufen, sollten wir alle festhalten, bis wir durch die Himmelstore eingehen. Denn solange wir auf der Erde sind, werden wir stets Veranlassung haben, uns himmlischen Beistand zu erflehen. Was Gott unternimmt, das wird er auch zu einem guten Ende führen. Er hilft uns doch ententwegt. Erinnere dich stets daran. Denn jede Gnadentat der Vergangenheit ist eine Versicherung für die Zukunft und eben daher auch ein hervorragender Grund, am Gebet anzuhalten.

Er wird mir vom Himmel Rettung senden. […] Gott wird seine Gnade und Wahrheit senden. Ps 57:4

Meine Seele ist mitten unter Löwen, ich liege zwischen Feuerbränden, wohne unter Menschenkindern, deren Zähne Speere und Pfeile und deren Zungen scharfe Schwerter sind. Ps 57:5

Der Ort, wo der Beter hier weilte, setzte ihn den größten Gefahren aus. Dennoch gab ihm der Glaube ein solches Gefühl der Sicherheit, dass er sich dort zum Schlaf zu lagern entschlossen war. Das ist eine wunderbare Frucht des Vertrauens ebenso wie der anschließende Lobpreis. Herrlich ist dieser Lobpreis, kommt er doch aus dieser gefährlichen Höhle der Löwen und mitten aus den Flammen. Das ist festes Vertrauen auf den großen Gott, dessen Größe wir nie ganz erfassen werden können. Höher als die Himmel ist der Allerhöchste.

Erhebe dich über die Himmel, o Gott, Über der ganzen Erde sei deine Herrlichkeit! Ps 57:6

Mein Herz ist fest, o Gott, mein Herz ist fest. Ich will singen und spielen! Ps 57:8

Gott hat das Herz fest gemacht. Wir selbst haben nicht die Macht über dieses zappelige Ding. Durch seine Gnade aber nun ist mein Herz fest. Ich bin entschlossen, auf dich zu vertrauen, dir zu dienen, dich zu preisen. Es hilft dabei, möglichst offen in die Zukunft zu blicken und sich nicht zu genau auszumalen, wie es nach meinen Wünschen am Besten kommen sollte oder negativ auszugrübeln, wie´s am Schlimmsten kommen könnte. Einer meiner Lieblingssprüche ist: „Es ist wie’s ist. Es kommt wie’s kommt. Das Vertrauen auf Gott ist meine Stärke. Wie sollten wir also leben? In lebendiger Offenheit gegenüber allen und allem. Egal wie’s kommt: Er ist da!

Gott, mein Herz ist voller Zuversicht, ja, ich bin ruhig geworden im Vertrauen auf dich. Ps 57:8

Wach auf, meine Seele, Harfe und Laute, wacht auf! Ich will die Morgenröte wecken. Ps 57:9

Ich will sofort, wenn ich aufwache, Gptt danken und mich zu Ihm wenden. Die ersten Minuten des Tages sind entscheidend. Später, wenn Streß und Sorgen uns bestimmen, kommen wir nur schwer wieder zum Herrn zurück. Besser, gleich beim Aufwachen gegen das Negative in uns anzugehen und auf Jesus sehen. In den Morgenstunden, wo die halbe Welt noch schläft und das Geräusch und der Lärm des menschlichen Verkehrs noch verstummt ist, wo wir selber noch nicht zerstreut sind, da ist Herz und Seele noch am nächsten bei Gott und am empfänglichsten für seine Stimme und für alle seine Einwirkungen.

Herr, ich will dich preisen unter den Völkern, ich will dir lobsingen unter den Nationen! Ps 57:10

Denn groß bis zum Himmel ist deine Gnade, und deine Treue bis zu den Wolken! Ps 57:11

Psalm 58: Richter auf Erden

Beispielverse zu Rachepsalmen

O Gott, schlage ihnen die Zähne aus! Ps 58:7

Lass sie zerrinnen wie Wasser, das sich verläuft! Legt er seine Pfeile an, so seien sie wie abgeschnitten! Ps 58:8

Diesen Leuten soll es ergehen wie Schnecken in sengender Hitze! Wie eine Fehlgeburt sollen sie das Licht der Sonne nicht sehen! Ps 58:9

Der Gerechte empfängt doch seine Frucht; es gibt doch einen Gott, der richtet auf Erden! Ps 58:12

Kommentar zu den Rachepsalmen von Bonhoeffer

Kein Stück des Psalters bereitet uns heute größere Not als die sogenannten Rachepsalmen. Hier scheinen alle Versuche mitzubeten zum Scheitern verurteilt, hier scheint nun wirklich die sogenannte religiöse Vorstufe gegenüber dem Neuen Testament vorzuliegen. Die Frage ist also: Lassen sich die Rachepsalmen als Gottes Wort für uns und als Gebet Jesu Christi verstehen? Können wir als Christen diese Psalmen beten?

Das Gebet um die Rache Gottes ist das Gebet um die Vollstreckung seiner Gerechtigkeit im Gericht über die Sünde. Dieses Gericht muss ergehen, wenn Gott zu seinem Wort steht, es muss ergehen, wen es auch trifft. Ich selbst gehöre mit meiner Sünde mit unter dieses Gericht. Ich habe kein Recht, dieses Gericht hindern zu wollen. Es muss erfüllt werden um Gottes willen, und es ist erfüllt worden, freilich in wunderbarer Weise.

Gottes Rache traf nicht die Sünder, sondern den einzig Sündlosen, der an der Sünder Stelle getreten ist, den Sohn Gottes. Jesus Christus trug die Rache Gottes, um deren Vollstreckung der Psalm betet. Er stillte Gottes Zorn über die Sünde. So führt der Rachepsalm zum Kreuz Jesu und zur vergebenden Feindesliebe Gottes. Nicht ich kann von mir aus den Feinden Gottes vergeben, sondern allein der gekreuzigte Christus kann es, und ich darf es durch ihn. So wird die Vollstreckung der Rache zur Gnade für alle Menschen in Jesus Christus. Christus selbst betet um die Ausführung der Rache Gottes. Er führt mich so täglich zu dem Ernst und der Gnade seines Kreuzes für mich und alle Feinde Gottes zurück.

Psalm 59: Gott ist meine Stärke

Mein Gott, rette mich. Ps 59:2

Wenn wir keinen Ausweg sehen, dann ist immer ein Ausweg bei Gott. Wenn wir keine Mittel in der Hand haben, uns zu helfen, dann wissen wir, wer alle Mittel in der Hand hat. Glückselig, wer Gott vertraut und glückselig, wer sich in der Not an ihn wendet und neuen Mut schöpft. Dazu Worte von Franz von Sales: Ich wünsche Ihnen großen Mut und zwar einen, der nicht zimperlich ist; einen Mut, der ganz entschieden sagt: es lebe Jesus, und das ganz vorbehaltlos, der sich dabei weder um Süßes, noch um Bitteres, weder um Licht noch um Finsternis kümmert.

Ewache, komm mir entgegen und sieh! Ps 59:5

Du bist meine Stärke. Ps 59:10

Wir sind nicht immer stark und das müssen wir auch nicht immer sein. In Krisen oder bei Streß sind negative Zustände (Zusammenbruch, Ausgepowertsein etc.) aus dem Erlebten logisch folgend. Es ist da nun elementar wichtig, sich durch den Herrn stärken zu lassen. Er ist ja zuletzt unsere wahre Stärke. Durch das Gebet, das Lesen der Schrift und dem Empfang der Eucharistie lässt er uns seine Stärke zukommen. Was könnten wir Klügeres tun, als in der Größe unserer Schwierigkeiten einen Grund zu finden, uns auf den Herrn zu werfen?

Mein Gott wird mir entgegenkommen mit seiner Gnade. Ps 59:11

Ich aber will deine Macht besingen und jeden Morgen deine Gnade rühmen, dass du mir eine sichere Burg warst und ein Zufluchtsort am Tag meiner Bedrängnis. Ps 59:17

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, sagt ein Sprichwort. Aber man kann bei solchen Worten auch einmal die andere Seite der Wirklichkeit zu sehen versuchen, die sie uns so leicht verbergen. Lob den Tag schon vor dem Abend. Dann empfängst du ihn nicht mit Misstrauen und Vorsicht, sondern mit dem Lob des Vertrauens und der Zuversicht. Loben wir doch einmal den Tag vor dem Abend. Sagen wir ihm: Sei gegrüßt, Bote Gottes, kleines Kind der Ewigkeit unseres Gottes. Sei gelobt, Stückchen Zeit, Sei gelobt, Tag, an dem ich ein wenig abzahlen kann an den Schulden des Herzens und der Liebe, die ich bei anderen habe. Sei herzlich willkommen, du kleiner armer Tag, ich werde dich zu einem kleinen Kunstwerk machen, zu einem seligen, ernsten Spiel des Lebens, worin alles mitspielt: Gott, die Welt und mein Herz. Meint ihr nicht, dass man den Tag am Abend sicher wird loben dürfen, wenn man ihn so betend am Morgen vor Gott gelobt hat? Karl Rahner

Ich will dir lobsingen, meine Stärke. Denn Gott ist meine sichere Burg, der Gott, der mir Gnade erweist! Ps 59:18