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Psalm 60-69

Psalm 60 bis 69

Psalm 60: Gebet in Bedrängnis

Stelle uns wieder her! Ps 60:3
Heile seine Brüche. Ps 60:4

Das gleiche kann bisweilen auch von unserem persönlichen inneren Leben gesagt werden. Dieses wird manchmal so tief erschüttert, dass es, wie ein Gebäude nach heftigem Erdbeben, nahe daran ist krachend zusammenzubrechen. Niemand anders als der Herr selbst kann seine Brüche heilen und uns vor dem Äußersten bewahren.

Damit deine Geliebten befreit werden, rette durch deine Rechte und erhöre uns! Ps 60:7

Drückende Not treibt die Menschen zu kühnen und dringenden Bitten, wie wir hier sehen. Im Glauben dürfen wir bitten und erwarten, dass, wenn wir ganz am Ende sind, Gott beginnt. Unsere Verlegenheiten sind Gottes Gelegenheiten. Hier ist von den Geliebten die Rede. David war des Herrn Liebling. Schon sein Name weist darauf hin, denn David heißt Geliebter. Im Hebräischen steht ein Wort, das einen besonders oder innig Geliebten bezeichnet und eine ungemeine Zärtlichkeit in der Liebe ausdrückt. Solche zärtliche Liebe hatte Gott gegenüber uns.

Gott hat gesprochen in seinem Heiligtum: Ich will frohlocken! Ps 60:8

Gottes Reden wendet die Stimmung. Gottes Reden wendet auch unseren Gang von der Finsternis ins Licht. Darum frohlocken wir. Gottes Reden bringt unseren Willen unter Gottes Willen und macht so all unseren Gedanken des Zweifelns ein Ende. Nun findet die Seele Ruhe, nun werden die Sorgen durch Frieden und die nagenden Fragen durch göttliche Gewissheit vertrieben. Mach denn auch du guten Gebrauch von Gottes Zusagen und verbanne alle Zweifel, wo dir noch Verheißungen gelten.

Hast du uns, o Gott, nicht verstoßen? Ps 60:12

Sich nur das auszusuchen, was uns zu glauben behagt, ist genau das Gegenteil von glauben. Glauben wir, dass Gott uns retten kann, dann glauben wir auch, dass Gott uns verwerfen kann. Glauben wir, dass Gott uns erhöhen kann, dann glauben wir auch, dass Gott uns erniedrigen kann. Es ist große Torheit, Gott nur im Blick auf das Schöne und Wünschenswerte glauben zu wollen. Es ist die Torheit des Wunschdenkens. Nehmen wir das Gute aus Gottes Hand, müssen wir auch das Widerwärtige aus Gottes Hand nehmen. Eines aber ist sicher: Am Ende steht nicht die Verzweiflung, sondern die Freude und das Vertrauen auf Gottes Gegenwart.

Schaffe uns Hilfe in der Drangsal. Menschenhilfe ist ja nichtig! Ps 60:13

Es ist nichtig, auf den Menschen zu hoffen. Hieran entscheidet sich alles: Ist Gott mit uns? Sind wir mit Gott? Wir müssen mit ihm sein, uns an ihn lehnen, ihm folgen, ihm vertrauen. Vertrauen wir auf unsere eigenen Fähigkeiten, lässt Gott uns unterliegen, wie er es bereits so oft getan hat. Von Gott kommt alle Kraft, und jedes Gelingen ist sein Werk. Gottes Wirken ist allerdings kein Freibrief für die menschliche Trägheit, vielmehr der beste Ansporn zu mutiger und energischer Arbeit. Ist uns in der Vergangenheit geholfen worden, so wird uns auch künftig Hilfe zuteilwerden. In dieser Überzeugung wollen wir entschieden ans Werk gehen.

Mit Gott werden wir Gewaltiges vollbringen. Ps 60:14

Mit Gott wollen wir Taten tun. Ps 60,14

Psalm 61: Unter Gottes Schutz

Höre, o Gott, mein Schreien, achte auf mein Gebet! Ps 61:2

Wenn es uns so ernst wird mit dem Beten, dass wir zu Gott schreien, so brauchen wir nicht zu zweifeln, dass Gott ernstlich auf unser Flehen achten wird. Wie trostvoll ist der Gedanke, dass der Herr allezeit auf das Schreien der Seinen hört und nie vergisst, um was sie ihn gebeten haben! Zu den größten Wundern der Gnade Gottes gehört, dass wir zu Gott rufen dürfen und dass wir dabei wissen, dass er uns hört. So beten wir: Herr, schenke meinem Gebet Beachtung und gib die Antwort, welche deine Weisheit für gut findet.

Vom Ende der Erde rufe ich zu dir, da mein Herz verschmachtet: Führe du mich auf den Felsen, der mir zu hoch ist! Ps 61:3

Der Beter ist weit weg und tief unten. Er betet vom Ende der Erde. Zudem steht er vor einem Felsen, der ihm zu hoch ist. Und zu allem ist er auch ohne Kraft. Wenn wir nicht er kennen, wie tief wir gefallen und wie arm wir sind, werden wir nicht beten. Weil wir Gottes Hilfe nötig haben, beten wir. Wir sind nie so weit von Gott entfernt, dass Gott uns nicht mehr hören könnte. Wir sind nie so tief unten, dass Gottes Arm nicht dahin reichte. Not bringt uns Gott und Gott uns nahe. Der Glaube erringt seine größten Siege in den härtesten Kämpfen.

Du bist meine Zuflucht geworden. Ps 61:4

Die Erfahrung ist die Nährmutter des Glaubens. Aus der Vergangenheit sammeln wir Gründe, Gott in der Gegenwart zu vertrauen. Darum ist er die immer gegenwärtige Zuflucht, die einzig wirkliche Zuflucht, die vollkommen sichere Zuflucht. Der Glaube des Beters weiß: Der Herr genügt; er hat schon in der Vergangenheit genügt. Er wird auch diesmal genügen. Bei Gott ist unsere wahre Heimat. Wer mit Gott Gemeinschaft hat, ist stets daheim.

Lass mich ewiglich wohnen in deinem Zelt. Ps 61:5

Lass mich bergen im Schatten deiner Flügel! Ps 61:5

Die Küken unter den Flügeln der Henne, wie sind sie da so wohlgeborgen, so bequem gebettet, so glücklich! Wie warm ist es am Herzen der Mutter, wie sanft ist die Decke der schützenden Flügel! Gottes Herablassung erlaubt uns, das Bild auf uns anzuwenden, und wie lehrreich und tröstlich ist es! O dass wir doch dem Herrn noch völliger vertrauen würden! Wir können es nie zu bedingungslos tun. Der Schirm seiner Fittiche ladet zu ungestörtester Ruhe.

Denn du, o Gott, hast auf meine Gelübde gehört, du hast mir das Erbteil derer gegeben, die deinen Namen fürchten. Ps 61:6

Er bleibe ewiglich vor Gottes Angesicht. Gib, dass Gnade und Treue ihn behüten! Ps 61:8

Der Messias Christus thront vor Gottes Angesicht ewiglich und das ist unsere Sicherheit, unsere Freude und Ehre. Denn dort thront er zu unseren Gunsten und wie wir jetzt seinen Schutzes genießen, so werden wir einst mit ihm den Platz vor Gottes Angesicht genießen. Christus ist unser Hoherpriester, der für uns vor Gott eintritt. Die Herrlichkeit des Christus wird ewig sein. Er wird ewig herrschen und er wird ewig vor Gott Vater sein. Wie kostbar ist uns der Name Jesus! Sein Name ist über allen Namen. Nichts wünschen wir mehr, als dass sein Name bekannt und für immer gepriesen werde.

So will ich deinem Namen lobsingen allezeit, um meine Gelübde zu erfüllen Tag für Tag. Ps 61:9

Psalm 62: Stille zu Gott

Nur auf Gott wartet still meine Seele. Ps 62:2

Es ist heute eine der großen Herausforderungen, den Geist der Stille wieder zu erlangen. Wir brauchen einen Ort in uns selbst und immer wieder auch äußere Räume, wo es keinen Lärm gibt, wo der Geist Gottes zu uns sanft und still sprechen kann. Wir brauchen die Fähigkeit, selbst Schweigen zu werden, ein Schweigen, welches das Wort Gottes erfüllen kann. Mehr denn je sollte jeder sich üben, wie ein Mönch inmitten des Alltagslärm zu leben und dennoch die Stille in sich zu haben. Ist nicht immer einfach. Unsere Herzen sind unsere Klöster und auf dem Grund jeder Aktivität gibt es die Stille, die man nur mit Gott teilt, gerade dann wenn viel los ist.
Wo die Stille mit dem Gedanken Gottes ist, da ist nicht Unruhe noch Zerfahrenheit. Franz von Assisi

Nur er ist mein Fels und mein Heil, meine sichere Burg. Ich werde nicht allzu sehr wanken. Ps 62:3

Gott ist unser eigentlicher und vollkommen ausreichender, niemals trügender Schutz. Wir mögen hier und da wanken, aber fallen werden wir nicht. Wer zuversichtlich weiß, dass der Herr seine Hilfe und sein Heil ist, kann nicht völlig niedergeworfen werden. Gott hilft! Denn in Christus hat er uns den sicheren Fels gegeben, auf dem wir stehen. Wir können nicht Christen sein ohne den Felsen, der Christus selber ist. Er gibt uns Halt und Festigkeit sowie Freude und Gelassenheit.

Nur auf Gott wartet still meine Seele, denn von ihm kommt meine Hoffnung. Ps 62:6

Still, das heißt schweigend, untertan, wartend, vertrauend, achtsam auf Gottes Lenkungen. Wir sind auf Gott ausgerichtet und suchen seine Gegenwart. Dort kommen wir zur Ruhe. Es ist wichtig, dass wir in Nöten nicht hektisch rasen und toben, sondern still bleiben vor dem Herrn, still auf seine Hilfe harrend. Nur immer still, meine Seele! Der Glaube hört die nahende Erlösung, weil er gelernt hat still zu sein. Unterwirf dich völlig, vertraue unerschütterlich, harre geduldig! Wir erfahren es ja, dass das Herz ebenso schnell in krankhafte Verstimmung gerät wie der Kopf seine Ruhe und Klarheit verliert.

Nur zu Gott. Wende dich hin im Kreuze, wo du willst. Wirst du dich nicht zu Gott wenden, so wirst du keine Ruhe finden. Johann Arnd

Meine Zuflucht ist in Gott. Vertraue auf ihn allezeit, o Volk, schüttet euer Herz vor ihm aus! Gott ist unsere Zuflucht. Ps 62:8-9

Verlass dich darauf, dass Jesus sich auch deiner kleinen Anliegen annimmt. Du darfst in allen Dingen deine Zuflucht zu ihm nehmen. Er hat mich gerettet, er erhält mich. Wir sollen und dürfen auf Gott vertrauen nicht nur, wenn es licht ist um uns her, sondern auch, wenn wir ganz im Dunkel sind. Darum: Schüttet euer Herz vor ihm aus. Ihr, denen er seine Liebe geoffenbart hat, lasst auch euer Inneres vor ihm offenbar werden. Er hat sich euch ganz hingegeben. Haltet ihr nun auch nichts vor ihm zurück. Je mehr wir Gott lieben, desto fester vertrauen wir auf ihn.

Wenn der Reichtum sich mehrt, so hängt euer Herz nicht daran! Ps 62:11

Alle Macht liegt allein in Gottes Händen. Ps 62:12

Alles geht von Gott, von der Allmacht seiner dreieinigen Liebe aus, die in Jesus Fleisch geworden ist. Wenn wir wirklich an die Liebe und Allmacht Gottes glauben, brauchen wir keine Angst zu haben. Denn mit den Worten von Augustinus wissen wir ja: Du trägst Sorge, Allmächtiger, um einen jeden von uns, als sei er allein deine Sorge, und du wachst für alle, als seien sie nur einer. Darum: Hüten wir uns, dass unser Herz sich nicht unmerklich von Gott, dem Geber aller guten Gaben, löst und sich an die Gaben heftet.

Auch die Gnade kommt von dir! Ps 62:13

Psalm 64: Abgrund des Herzens

Höre, o Gott, mein lautes Klagen, schütze mein Leben vor dem Schrecken des Feindes! Verbirg mich vor der Schar der Bösen, vor dem Toben derer, die Unrecht tun. Ps 2-3

Viele Martyrer haben ähnliches gelitten, aber nichts ragt so hervor wie das Haupt der Martyrer: bei ihm sehen wir besser, was jene an sich erfahren haben. Er ward beschützt vor der Menge der Bösen, denn Gott beschützte ihn, ja der Sohn selbst und der Mensch, den er trug, beschützte sein Fleisch, da er Menschensohn und Gottessohn ist, Gottessohn wegen der Gestalt Gottes, Menschensohn wegen der Gestalt des Knechtes. Deshalb lag es in seiner Macht, sein Leben hinzugeben und es wieder an sich zu nehmen. Was konnten ihm seine Feinde antun? Sie töteten den Leib, die Seele konnten sie nicht töten. Augustinus

Ihre Zungen sind scharf geschliffene Schwerter, und ihre bissigen Worte verletzen wie Pfeile. Ps 64:4

In den Psalmen werden wir immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass das Böse seinen Ausgang im Wort hat, dass die tiefsten Verwundungen mit Worten geschlagen werden. Worte können wirken, ohne dass man weiß, wer sie eigentlich in Umlauf gesetzt hat, sie wirken aus dem Versteck, d.h. der Urheber braucht sich nicht als Täter zu offenbaren und das Opfer ist unvorbereitet und wehrlos. Gerade heute sehen sich viele Menschen Worten ausgesetzt, gegen die sie hilflos sind, vor allem dann, wenn diese Worte sich über Medien völlig unkontrollierbar verbreiten.

Sie brüten Gemeinheiten aus. Ps 64:7

Das Herz eines jeden Menschen ist ein Abgrund, und wir können froh und dankbar sein, wenn uns diese Tatsache meistens verborgen ist, in Bezug auf uns selbst und in Bezug auf die anderen. Doch immer wieder werden uns die Augen geöffnet, vor allem dann, wenn „ganz normale“ Menschen plötzlich etwas tun, was so grauenvoll ist, das wir nur noch mit Entsetzen reagieren können. Machen wir uns nichts vor, in jedem von uns ist dieser Abgrund, und danken wir Gott, wenn wir ihn nie bis in seine Tiefe erfahren müssen.

Psalm 65: Gottes gute Gaben

Auf dich harrt der Lobgesang, o Gott, in Zion, und dir wird das Gelübde erfüllt werden! Ps 65:2

Zu Gott kommen ist der Kern aller wahren Religion. Wir kommen zu ihm voller Reue, Vergebung bei ihm suchend, aber auch hoffnungsvoll, seine Gaben erflehend, des Dankes voll, für seine Wohltaten ihn preisend, freudevoll, uns seinem Dienste weihend. Wasser fließt widerstandslos aus dem Gefäß, wenn wir es neigen. So wünschen wir, uns widerstandslos Gott zu ergeben, uns an ihn zu verlieren. Wir sehnen uns nach dem Tag, da unser Wille in Gottes Willen aufgeht.

Du erhörst Gebet. Darum kommt alles Fleisch zu dir. Ps 65:3

Welch herrlicher Name ist das doch, der hier dem Gott und Vater unsers Herrn Jesus Christus beigelegt wird: der Gebetserhörer. Gott hat nicht nur in vergangenen Zeiten Gebet erhört. Er tut es jetzt und muss allezeit Gebet erhören, da er sich niemals ändert. Jedes rechte und aufrichtige Gebet wird so gewiss erhört, wie es dargebracht wird. Fleisch sind wir und darum schwach, gebrechlich und sündig. Darum haben wir das Beten nötig. Viele kommen zu dir in demütigem Glauben und werden mit Gutem gesättigt. Aber noch mehr werden wir durch die Anziehungskraft deiner Liebe zu dir gezogen werden.

Missetaten überwältigen mich. Unsere Übertretungen: du wirst sie sühnen. Ps 65:4

Das Empfinden, wie groß die Sünde ist, lässt uns noch tiefer erfahren, welches Glück es ist, dass Gott uns zum Heil erwählt hat. Was für ein Trost, dass unsere Sünden, die uns zu mächtig sind, dies nicht auch für Gott sind! Sie würden uns von Gott fernhalten. Er aber fegt sie hinweg, tut sie sich selber und uns aus den Augen. Sie sind uns zu stark, nicht aber unserem Erlöser, der mächtig ist, ja allmächtig, uns von ihnen zu erretten. Wenn wir unsere Kleider gewaschen und hell gemacht haben im Blute des Lammes, dann können wir in Gott wohlgefälliger Weise das Lied anheben zu Ehren dessen, der auf dem Thron sitzt, und zu Ehren des Lammes.

Wohl dem, den du erwählst und zu dir nahen lässt, dass er wohne in deinen Vorhöfen! Wir werden uns sättigen von den Gütern deines Hauses, deines heiligen Tempels! Ps 65:5

Gottes Segnung umfasst unsere Erwählung und Berufung, in der wir ihm nahen dürfen, aufgenommen werden in die Gemeinschaft mit ihm nach dem Wohlgefallen seines Willens. Das allein ist reiches Glück. Durch das Blut seines Sohnes sind wir mit Gott versöhnt und durch seinen Geist zu vertrauter Gemeinschaft mit ihm geführt, sodass wir mit Freimut ihm nahen können. Sehet, welch eine Liebe der Vater uns erzeigt hat und welch ein Glück er uns zuteilwerden lässt, dass wir in seinem Hause wohnen dürfen und es nie und nimmer zu verlassen brauchen.

Du wirst uns antworten durch furchtgebietende Taten in Gerechtigkeit, du Gott unseres Heils, du Zuversicht aller Enden der Erde und des fernsten Meeres. Ps 65:6

Du suchst das Land heim und bewässerst es und machst es sehr reich. Der Strom Gottes hat Wasser in Fülle. Ps 65:10

Der Beter stellt Gott hier dar als das Land durchwandelnd wie ein Gärtner, der seinen Garten besieht und jede Pflanze tränkt, die es nötig hat, und das nicht dürftig, sondern so reichlich, bis das Erdreich ganz mit dem erfrischenden Trunk gesättigt ist. Gottes Bach, worin der Regen aus dem Himmel auf die Erde hinabgeleitet wird, ist unerschöpflich. Gott macht das Land fruchtbar. Wir sind nur der Boden. Er selbst gibt sich als das lebendige Saatgut. Er spendet auch das Wasser ohne das nichts wachsen kann. Ach Herr, suche so deine Gemeinde heim und auch mich, das arme, welke Pflänzchen! Auch unsere Äcker müssen vom Herrn bereitet werden, wenn sie Frucht tragen sollen. Lass deine Gnade mich ganz über fluten. Bewässere mich.

Mit Regenschauern machst du es weich und segnest sein Gewächs. Deine Fußstapfen triefen von Fett. Ps 65:11-12

Alles ist erfüllt von Jubel und Gesang. Ps 65,14

Psalm 66: Dankbarer Rückblick

Jauchzt Gott, alle Welt! Ps 66:1

Soll sich unser Lobpreis anderen mitteilen, dann dürfen wir ihn nicht in der Kammer unseres Herzens verschließen, sondern müssen Gott laut loben. Unsere Stimme soll den Herrn loben und unser Herz soll mit dem Munde übereinstimmen. Die Herrlichkeit Gottes sollte der Gegenstand, seine Verherrlichung der Zweck unseres Singens sein. Unsere Ehre ist es, dass wir Gott ehren können und alle wirkliche Ehre, die uns wird, sollten wir Gott zuschreiben, denn es ist seine Ehre. Soli Deo gloria, das sei der Wahlspruch aller wahrhaft Gläubigen.

Besingt die Herrlichkeit seines Namens, macht herrlich sein Lob! Ps 66:2

Alle Welt wird dich anbeten und dir lobsingen, sie wird deinem Namen lobsingen! Ps 66:4

Kommt her und schaut die Großtaten Gottes. […] Er verwandelte das Meer in trockenes Land, durch den Strom gingen sie zu Fuß. Dort freuten wir uns in ihm. Ps 66:6

Wir dürfen die Werke Gottes sehen. Und wir sollen dies auch, denn es stärkt unseren Glauben und unser Herz. Wir nehmen zum einen Teil an der Freude über die damaligen Ereignisse (z.B. Auszug aus Ägypten), aber noch mehr über das Wirken und die Werke Gottes in unserem eigenen Leben. Interessant und bedenkenswert: sie freuten sich in ihm. Es ist nicht so sehr das, was er getan hat, als vielmehr das, was er ist, was in uns solch heiliges Frohlocken erweckt.

Er herrscht ewiglich in seiner Macht. Ps 66:7

Preist unseren Gott, ihr Völker, lasst laut sein Lob erschallen, der unsere Seelen am Leben erhielt und unsere Füße nicht wanken ließ! Ps 66:8-9

Zu jeder Zeit ist die Erhaltung des Lebens und besonders des Lebens der Seele, Grund zu Dank, besonders aber, wenn es uns auferlegt war, schwere Trübsale zu erleiden, die uns erdrückt hätten, wenn der Herr nicht unser Beistand gewesen wäre. Gebenedeit sei Gott, dem es gefallen hat, unseren Seelen das Leben zu bewahren. Es ist eine große Gnade, wenn man in Zeiten, wo ein Unglück nach dem anderen über einen hereinbricht, vor Schritten der Verzweiflung behütet wird, wenn man unter schweren Lasten aufrechterhalten wird, dass man nicht hinsinkt.

Du hast uns geprüft, o Gott, und hast uns geläutert, wie man Silber läutert. Ps 66:10

Die Prüfungen mussten sein, sonst wären wir nicht geläutert worden. Erziehendes Leiden musste sein, sonst wären wir der Heiligkeit Gottes, unseres Vaters, nicht teilhaftig geworden. Also wollen wir Gott dafür danken. Es ist ein Beweis seiner besonderen Fürsorge für seine Erwählten. Gott lässt die Seinen in den Prüfungen nicht untergehen. Er erhält ihnen den Glauben und nachdem die Prüfungen ihr notwendiges Werk getan haben, führt er sie aus dem Ofen und aus dem Wasser heraus in die Fülle. Das sollen wir in der Drangsal vor Augen haben. Dann können wir uns inmitten der Drangsal freuen.

Du hast uns schwere Lasten auf unsere Schultern gelegt. Ps 66:11

Wir sind in Feuer und Wasser gekommen, aber du hast uns herausgeführt in die Fülle. Ps 66:12

Ich will mit Brandopfern in dein Haus kommen. Ps 66:13

Das beste Opfer, das wir Gott bringen können, ist die gehorsame und gläubige Hingabe des Herzens. Gott will von uns nicht tote Tiere, sondern das lebendige Herz. Möge das unser Brandopfer, unser Ganzopfer sein, dass wir Leib und Seele, unser ganzes Wesen, dem Herrn weihen. Ein Mensch gibt Gott dabei immer das Beste. Er schleppt bildlich gesprochen kein halb verhungertes Tier zum Altar, sondern sucht die fettesten aus, die sich auf der Weide finden, und lässt ihren Duft auf dem heiligen Feuer im Rauch emporsteigen.

Brandopfer von fetten Schafen will ich dir darbringen samt dem Rauch von Widdern. Ps 66:15

Ich will erzählen, was er an meiner Seele getan hat! Ps 66:16

Ich will immer aufs Neue die Barmherzigkeit rühmen, die Gott mir, meiner Seele erwiesen hat. Alle Christen sollten von dem Zeugnis ablegen, was Gott an ihnen getan hat, damit andere dadurch Mut gewinnen, ebenfalls auf den Herrn zu trauen. Jeder spreche dabei für sich selbst, denn das persönliche Zeugnis ist das glaubwürdigste und nachdrücklichste. Erfahrungen, die man nur anderen nachspricht, sind wie eine aufgewärmte Speise: Es fehlt der frische Geschmack, die Anziehungskraft.

Zu ihm rief ich mit meinem Mund, und sein Ruhm war auf meiner Zunge. Ps 66:17

Gott hat erhört, er hat geachtet auf die Stimme meines Flehens. Ps 66:19

Lass Dich erbarmen, weil Du mich arm an guten Werken siehst. Lass Dich erbarmen, wenn Du die Menge meiner Sünden und Fehler siehst. Ich will ganz arm vor Dir sein, mit leeren Händen, um den Reichtum Deiner Gnade zu empfangen. Lass mir Deine Barmherzigkeit zuteilwerden. Blicke herab und lass Dich anziehen von meiner Armut und lass Dich drängen von Deiner Liebe.

Sein Name werde gepriesen. Ihm soll die ganze Liebe meines Herzens gehören. Der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet. Er verstößt weder mein Gebet noch mich.

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht abgewiesen noch seine Gnade von mir gewendet hat! Ps 66:20

Psalm 67: Gottes Segen

Gott sei uns gnädig und segne uns. Er lasse sein Angesicht leuchten über uns. Ps 67:2

Gott sei uns gnädig. So betet, wer weiß, dass er Gnade braucht. Segne uns. So betet, wer weiß, wie arm er ist. Er weiß, dass an Gottes Segen alles gelegen ist. Er lasse uns sein Angesicht leuchten. Das ist der Inbegriff, Ausdruck der Summe von allem göttlichen Segen. Gott wendet dem Beter sein Angesicht zu und sagt ihm damit, dass er ihn liebt, dass er bei ihm ist, um ihn zu bewahren, zu tragen, zu versorgen. Diese drei Bitten schließen alles in sich, was wir bedürfen.

Segen ist zugesprochene Gegenwart Gottes. Peter Hahne

So erkennt man auf Erden deinen Weg, dein Heil unter allen Völkern. Ps 67:3

Dein Weg, das ist dein Christus. Dein Heil, das ist dein Jesus. Bei aller Unterschiedlichkeit unserer Wege ist uns eines gemeinsam: Jesus ist der Weg und das Heil. Haben wir ihn immer und allezeit vor unseren Augen, machen wir uns immer wieder bewusst, dass überall, wo ich bin, auch er ist, dass ich mein ganzes Leben in seiner Gegenwart lebe. Wir stehen unter seinem Schutz, daher kann uns die Welt nichts anhaben. Ob du schläfst oder wachst, was du auch tust, wenn Gott dir vor Augen ist, ist alles gut.

Es sollen dir danken die Völker. […] Die Nationen sollen sich freuen und jauchzen. Ps 67:4-5

Das Land gibt sein Gewächs. Es segne uns Gott, unser Gott. Ps 67:7

Das Land ist unser Leben. Das Gewächs sind die Tugenden, die in den Werken sichtbar werden. Bilden wir uns nichts auf unsere Tugenden ein, sie sind allein die Frucht, die aus Gottes Segen wachsen, die aus seinem freundlichen Blick auf uns erblühen. Er wird uns überschütten mit seinen guten Gaben, denn er ist Liebe. Gott ist gut und handelt an uns gut. Er allein ist unsere Rettung. Freude und Jubel ist darüber in unserem Herzen. Dank und Preis sei Gott!

Es segne uns Gott. Ps 67:8

Psalm 68: Gottes Sieg

Die Gerechten aber werden sich freuen und fröhlich sein vor Gottes Angesicht und jubeln vor Freude. Ps 68:4

Die Gegenwart Gottes ist die Quelle der Freude. Die vollkommene Freude besteht darin, die Gemeinschaft mit Gott zu genießen. Nun ist Gott Liebe. Eine vollkommene Freude kann also nur derjenige haben, der in der Liebe ist, denn darin ist er in Gott. Christus möchte, dass diese Freude uns erfüllt. Jesus weiß aber auch um die Gefahr, denn der tiefste Grund der Freude des “Gott-mit-uns” steht Zeit unseres Lebens in Gefahr verschüttet zu werden, weil wir den weltlichen Hindernissen zu viel Macht einräumen oder das, was diese Freude stützt und fördert zu wenig pflegen.

Singt Gott, lobsingt seinem Namen! Ps 68:5

Ein Vater der Waisen, ein Anwalt der Witwen ist Gott. Ps 68:6

Waisen und Witwen waren in der damaligen Zeit hilflos. Soziale Absicherung-Systeme gab es nicht. Gott nimmt sich nun derer an, die von niemandem aufgenommen werden, auch uns. Gott bringt Einsame nach Hause. Die Sünde hatte uns zu Einsamen gemacht, weil Sünde immer Trennung von Gott bedeutet. In der Vergebung führt er uns nun zurück zu sich selbst. Bis auf diesen Tag und immer ist Gott der Beschützer der Schutzlosen. Er ist erhaben und doch so herablassend und mitleidvoll, dass er an die Elenden in tatkräftiger Liebe denkt.

Den Einsamen gibt er ein Zuhause, den Gefangenen schenkt er Freiheit und Glück.  Ps 68:7

Du ließest so viel Regen fallen, dass das ausgedörrte Land wieder fruchtbar wurde. Ps 68:10

Wie aus dem trockenen Weizen ohne Feuchtigkeit kein Teig werden kann, noch ein Brot, so konnten wir viele nicht eins werden in Christus Jesus ohne das Wasser, das vom Himmel kommt. Und wie die trockene Erde, wenn sie keine Feuchtigkeit empfängt, auch keine Frucht bringt, so würden auch wir, die wir von Haus aus trockenes Holz sind, niemals im Leben ohne den Gnadenregen von oben Frucht bringen.  Irenäus von Lyon

Du hast für sie gesorgt, du gütiger Gott!Ps 68:11

Gott trägt uns, er ist unsre Hilfe. Ps 68,20

Glauben erfordert Mut, ein Risiko einzugehen, die Bereitschaft, Schmerz und Enttäuschung hinzunehmen. Wer Gefahrlosigkeit und Sicherheit als das Wichtigste im Leben ansieht, kann keinen Glauben haben. Angst, Rückzug, möglichst wenig machen um möglichst wenig falsch zu machen, ist eine große Gefahr. Ich war früher ein sehr ängstlicher Mensch. Wird alles gut gehen? Was werden die anderen denken? Heute, wenn dieses Gefühl wieder in mir aufsteigt, fasse ich allen Mut zusammen, springe ins Wasser des Ungewissen und sage mir: auch wenn es schief geht, Gott trägt uns, er ist unsre Hilfe.

Gott ist für uns ein Gott der Rettung, und Gott, der Herr, hat Auswege aus dem Tod. Ps 68:21

Preist Gott, den Herrn. Ps 68:27

Lobet den Herrn so gut ihr es könnt. Nehmt alle Kräfte zusammen, wenn ihr ihn preist. Werdet im Lob nicht müde, den nie werdet ihr ihn ganz begreifen, ist er doch größer als unser Herz. Der höchste Lobpreis sei unser Bekenntnis, daß wir nie imstande sein werden, ihn gebührend zu preisen. In einer Atmosphäre anhaltender Danksagung und Anbetung ernährt sich so die christliche Gemeinschaft von Gott.

Lobsingt dem Herrn. Ps 68:33

Psalm 69: In schwerer Not

Hilf mir, o Gott, denn die Wasser gehen mir bis an die Seele! Ps 69:2

Es kann uns verwirren, ja, erschüttern, dass der Gott, den wir als unseren Retter kennen, uns überhaupt in tiefe Wasser sinken lässt. Sobald wir glauben können, ist aber der Qual des Unbegreiflichen der Stachel gezogen. Die Not schmerzt noch, aber wir wissen, dass Gott weiß, was er tut, wenngleich wir nicht wissen, wofür es gut sein soll. Diese Anfangsverse erinnern auch an Jesus in seinen Todesstunden. Jesus versank vollends in den Fluten des Todes und des Gerichts für dich und für mich.

Ich bin versunken in tiefem Schlamm und habe keinen Stand. Ich bin in tiefes Wasser geraten, und die Flut überströmt mich. Ps 69:3

Um deinetwillen trage ich Schmach und Schande bedeckt mein Angesicht. Ps 69:8

Sie besudelten sein heiliges Angesicht mit Speichel und bedeckten es mit Wunden, sodass Pilatus mit seinem Rufe Ecce homo die Aufmerksamkeit der Welt auf ihn richtete als auf ein beispielloses Bild des Elends und der Schande. Teurer Heiland, es war unsere Schmach, die dir zu tragen gegeben wurde. Als du für uns zur Sünde gemacht wurdest, erlittest du solche Schändung. Dank, ewig Dank sei dir, dass du es erduldet hast. Wir schulden dir mehr, als unser Herz begreifen kann, dass du dich in deiner Liebe so unergründlich tief erniedrigt hast!

Gott, nach deiner großen Gnade erhöre mich mit deiner treuen Hilfe! Ps 69:14

Selbst der eine, der von keiner Sünde wusste, rief Gott bei seiner großen Güte an. Wie viel mehr sollten wir so beten! Alle bitteren Lebenserfahrungen können uns nicht den Blick auf Gott, auf seine Gnade, Güte und Hilfe verstellen. Im Elend ist uns keine Eigenschaft Gottes so kostbar wie seine Gnade und wenn die Leiden groß werden, schätzen wir umso mehr die Größe dieser seiner Gnade. Gottes Gnade allein ist gut. Gottes Gegenwart ist allein Licht. Nichts als seine Nähe und das Licht seines Angesichts können trösten.

Lass mich Rettung finden. Ps 69:15

Erhöre mich, Herr, denn deine Gnade ist freundlich. Wende dich zu mir nach deiner großen Barmherzigkeit. Ps 69:17

Verbirg dein Angesicht nicht. […] Nahe dich meiner Seele, erlöse sie. Ps 69:18-19

Jesus ist nie fern, er ist immer da. Die Nähe ist der Stil Gottes, der uns auch in der Menschwerdung nahegekommen ist. Der Herr tröstet in der Nähe, er macht keine leeren Worte, er bevorzugt die Stille, die Kraft der Gegenwart. Er spricht wenig, aber er ist nahe. Dass Gott sich unserer Seele nahen möge, ist alles, was wir ersehnen.

Die Schmach hat mein Herz gebrochen, und ich bin elend. Ich wartete auf Mitleid, aber da war keines und auf Tröster, aber ich fand sie nicht. Ps 69:21

Jesus sah hinab in die ganze Tiefe. Er hatte den Menschen geliebt und für seine Liebe wurde er an gefeindet. Niemand war da. Er war vollständig allein. Die Liebe des Herrn war grenzenlos. Als er sein Alles gab, wandten sich die Menschen mit der ganzen Kraft gegen ihn, als er ihnen seine arglose Seele entblößte, zerfetzten sie ihn erbarmungslos. Er dürstete nach Liebe, aber man gab ihm Essig in seinem Durst.

Sie gaben mir Galle zur Speise und Essig zu trinken in meinem Durst. Ps 69:22

Sie verfolgen den, welchen du geschlagen hast. Ps 69:27

Ich aber bin elend und voller Schmerzen. Deine Rettung, o Gott, berge mich in der Höhe! Ps 69:30

Wie gewiss war sich unser Erlöser Jesus Christus des Sieges, da er zu loben und danken gelobte, während er noch im Leiden war! Auch unser Glaube sieht den freudvollen Ausgang aller Trübsale voraus und drängt uns dazu, schon jetzt die fröhliche Zukunftsmusik des Dankes zu beginnen, die in immer volleren und herrlicheren Akkorden erklingen wird in die Ewigkeiten der Ewigkeiten.

Ich will den Namen Gottes loben mit einem Lied und ihn erheben mit Dank. Ps 69:31

Wenn das die Elenden sehen, werden sie sich freuen. Ihr, die ihr Gott sucht, euer Herz soll aufleben! Ps 69:33

Der Herr hört auf die Armen. Ps 69:34

Die seinen Namen lieben, werden darin wohnen. Ps 69:37

Die seinen Namen, d. h. seine geoffenbarten Vollkommenheiten lieben, werden am Ende dort wohnen, wo er wohnt. Sie werden Ruhe und Frieden genießen. So endet dieser Psalm der außergewöhnlichen Leiden und Bitterkeiten mit dem Ausblick auf die ewige Ruhe und die nie endende Wonne der Erlösten. Wahrhaftig, das Ende einer Sache ist besser als ihr Anfang.

Berühre mein Herz mit Deiner Barmherzigkeit. Durchatme mich mit Deinem Wehen. Heile meine Wunden. Heilige meine Gedanken und befreie mich von allen Ketten der Sünde und der schlechten Gewohnheiten.