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Psalm 70-79

Psalmen 70 bis 79

Psalm 70: Hilferuf

Eile, o Gott, mich zu retten, o Herr, mir zu helfen! Ps 70:2

Tag für Tag bitten wir Gott um Hilfe. Unsere Gebrechlichkeit und die vielfältigen Gefahren, in denen wir uns befinden, machen dies zu einer beständigen Notwendigkeit. Wir sind voller Hoffnung, denn wir wissen: Wir brauchen wirklich vor nichts Angst zu haben, der liebe Gott sorgt immer und in allem für uns. Er läßt uns nie zappeln, er läßt nur Prüfungen zu, die uns zum Nutzen gereichen, wenn wir an seiner Hand hindurchgehen. Er sorgt für uns weit besser, als es Menschen vermögen.

Es sollen fröhlich sein und sich an dir freuen alle, die dich suchen und die dein Heil lieben, sollen allezeit sagen: Gott ist groß! Ps 70:5

In Gott sich freuen ist das Schönste. Diese Freude ist dann unsere Stärke. Alle Menschen sollen Grund zu jubelnder Freude haben. Obgleich das Fragen nach Gott, das Suchen seiner Gnade, im Dunkel beginnt, es führt zum Licht. Diejenigen, welche Gottes Gnade geschmeckt haben und mit ihr in ewigem Liebesbund vermählt sind, empfinden nicht nur Freude im Herzen, sondern fühlen sich auch getrieben, mit heiliger Unermüdlichkeit zu anderen von dem Heil zu reden, das ihre Seele mit solchem Glück erfüllt, und die Menschen aufzurufen, mit ihnen Gott zu preisen. Die Gottes Heil lieben, lieben den, der das große Heil wirkt.

Ich aber bin elend und arm. O Gott, eile zu mir! Meine Hilfe und mein Retter bist du. O Herr, säume nicht! Ps 70:6

Beim Flehen ist unsere Armut offenbar unser Reichtum, gerade wie im Kampf und in der Arbeit unsere Schwäche unsere Stärke ist. Mögen wir alle dieses Rätsel gut lernen. Er hält sich nicht für groß und nicht für würdig. Er weiß, dass er Gottes freiem Erbarmen alles verdankt und bildet sich nichts auf seine eigenen Qualitäten ein. Diese Demut vor Gott gibt große Freimütigkeit vor Gott. Er wagt, den Ewigen zu drängen: Eile zu mir! Zögere nicht! Das ist unerhört, und doch ist es angemessen.

Psalm 71: Schutz im Alter

Bei dir, Herr, suche ich Zuflucht. Lass mich niemals zuschanden werden! Ps 71:1

Lasst uns unser Vertrauen ganz und allein auf ihn setzen. Stunde um Stunde müssen wir uns an den ewig treuen Gott klammern. Auf ihn wollen wir uns stützen wie jemand, der auf einem Felsen seinen Stand einnimmt. Je besser wir mit dem Herrn bekannt werden, desto fester wird unser Zutrauen zu ihm sein. Gott weiß um unseren Glauben und doch hört er es gern, dass wir diesen bekennen. Sind wir stark, so sind wir es in Gott. Sind wir sicher, so ist es der Fall, weil unsere Zuflucht uns birgt. Können wir im Sturm heiter blicken, so liegt das daran, dass unsere Seele in Gott als ihren sicheren Hafen eingelaufen ist.

Errette mich durch deine Gerechtigkeit und befreie mich. Neige dein Ohr zu mir und hilf mir. Ps 71:2

Du bist mein schützender Fels, meine sichere Burg. […] Du bist meine Hoffnung, Herr, dir vertraue ich von Kindheit an! Ps 71:3;5

Nicht nur steht unsere Hoffnung auf Gott, sondern er selbst ist unsere Hoffnung. Er soll mein Fels, meine Burg, mein Gott, meine Zuversicht, meine Hoffnung, mein Ruhm sein. Alles, was mein ist, sei sein, alles, was sein ist, mein. Ehe ich überhaupt fähig war, die Macht zu verstehen, die mich stützte, wurde ich schon von ihr getragen. Gott kennt mich, ehe wir irgendetwas kennen, und erhält mich, ehe ich eine Ahnung davon habe. Gottes Obhut waltet über meinem Leben, noch ehe ich zu bewusstem Leben erwache.

Auf dich habe ich mich verlassen vom Mutterleib an, vom Mutterschoß an hast du für mich gesorgt. Mein Rühmen gilt dir allezeit. Ps 71:6

O Gott, sei nicht fern von mir! Mein Gott, eile mir zu Hilfe! Ps 71:12

Wir sind täglich auf ihn angewiesen, dass er uns trage, bewahre und rette. Darum müssen wir und darum wollen wir von ihm abhängig bleiben, und darum rufen wir täglich zu ihm, dass er uns trage und durchtrage. Wissen wir, dass Gott uns nahe ist, so fühlen wir uns sicher, und das mit gutem Recht. Es ist dem Kind im Dunkeln ein Trost, wenn es des Vaters Hand fassen kann.

Nie werde ich aufhören, auf dich zu hoffen, immer mehr will ich dich loben. Ps 71:14

Wenn ich mich des Gegenwärtigen nicht freuen kann, so will ich vorausblicken auf das, was in Zukunft mein sein wird, und mich so dennoch freuen. Der Glaube fristet sein Leben auch da, wo andere nichts zu essen sehen, und singt sein Lied auf schneebedeckten Zweigen. Wir dürfen allezeit in stillem Hoffen auf Gott harren. Denn wir haben allezeit Grund dazu. Wir wollen allezeit die Hoffnung festhalten. Denn sie ist ein Trost, der niemals trügt.

Siehe, Herr, ich habe zu dir gefleht und bin getröstet. Die Hoffnung hat es mich so gelehrt. Ich bin froh, weil ich auf dich vertraut habe, werde ich nimmermehr zuschanden werden.

Mein Mund soll erzählen von deiner Gerechtigkeit, von deinen Hilfserweisen Tag für Tag, die ich nicht zu zählen weiß. Ps 71:15

Es ist unsere Pflicht, in dem Maße Zeugnis abzulegen, wie unsere Erfahrung uns dazu befähigt, und anderen das nicht vorzuenthalten, was wir geschmeckt und unsere Hände betastet haben. Von allen, die es in ihrer eigenen Geschichte erlebt haben, soll es überall verkündigt werden, wie treu Gott ist im Retten, im Befreien aus der Hand der Feinde und im Erfüllen seiner Verheißungen. Wir können den Mund, den Gott uns gegeben hat, auf keine Weise so sehr nützlich brauchen, wie wenn wir die Gerechtigkeit Gottes verkündigen, wie sie sich in der Errettung der an Jesus Glaubenden enthüllt.

Ich will rühmen deine Gerechtigkeit, dich allein! Ps 71:16

O Gott, du hast mich gelehrt von Jugend auf, und bis hierher verkündige ich deine Wunder. Ps 71:17

Wer ist ein Lehrer wie er? Es kann niemand lehren wie er. Was sind das doch für Wunder, die er vollbringt: Er erzieht das Herz eines Selbstverliebten, Gott mehr zu lieben als sich selbst. Er macht einen Widerspenstigen willig, ihm zu gehorchen, und dabei wird dem Willen des Widerspenstigen nie Gewalt angetan. Ganz freiwillig fügt er sich dem Willen eines anderen. Er versteht es, Blinden Dinge zu zeigen, die sie nie hatten sehen können, er lehrt die Lahmen Wege zu gehen, die sie nicht kannten und nie hätten gehen können, selbst wenn sie sie gekannt hätten.

Deine Gerechtigkeit, o Gott, reicht bis zur Höhe, denn du hast Großes getan. O Gott, wer ist dir gleich? Ps 71:19

Gott, wer ist dir gleich, sei es an Größe oder an Güte, an Macht oder an Barmherzigkeit, an Gerechtigkeit, Wahrheit oder Treue, an Vollkommenheit seines Wesens oder der Werke seiner Hände? Wie deine Werke, so bist auch du selbst über alles erhaben. Dir kommt niemand gleich, und dir macht’s niemand nach. Darum beugen wir uns tief und beten dich im Staube an. Das ist die rechte Herzenshaltung und Stellung des Gläubigen. Wenn er Gott naht, tritt er in ein Gebiet ein, wo alles unendlich erhaben ist. Wunder der Liebe blühen auf allen Seiten, und auf Schritt und Tritt muss er staunen über das, was Gerechtigkeit und Gnade, zu treuem Bunde vereint, miteinander hervorgebracht haben.

Der du uns viel Not und Unglück hast sehen lassen, du machst uns wieder lebendig und holst uns wieder herauf aus den Tiefen der Erde. Ps 71:20

So tief der Herr uns sinken lassen mag, er wird dem Hinabgleiten eine Schranke setzen und uns zur rechten Zeit wieder emporziehen. Selbst wenn wir ins Grab versenkt werden sollten, haben wir den Trost, dass es tiefer mit uns nun nicht mehr gehen kann, sondern dass wir wieder emporsteigen und zu einem besseren Land auffahren werden und dies alles, weil der Herr ein so mächtiger Heiland ist.

Du machst mich umso größer und tröstest mich wiederum. Ps 71:21

Meine Lippen sollen jubeln, wenn ich dir lobsinge, und meine Seele, die du erlöst hast. Ps 71:23

Ich will zu mir selbst, zu dir, mein Gott, und zu meinen Mitmenschen reden, und mein Thema soll deine Gerechtigkeit sein. Der Herr, unsere Gerechtigkeit. Das ist der Kern des Evangeliums: Jesus ist in die Welt gekommen, um uns seine Gerechtigkeit zu geben. Er will uns seine Gerechtigkeit nicht nur vorleben. Sondern er will sie an uns weitergeben. Jesus ist sozusagen sehr “mitteilsam”, was seine Gerechtigkeit angeht. Es geht dabei um die Gerechtigkeit, die aus Sündern Gottes Kinder macht.

Meine Zunge soll täglich von deiner Gerechtigkeit reden. Ps 71:24

Psalm 72: Der Friedensfürst

O Gott, gib deine Rechtssprüche dem König und deine Gerechtigkeit dem Königssohn, damit er dein Volk richte mit Gerechtigkeit. Ps 72:1-2

Drei mal wird die Gerechtigkeit in Vers 1-3 genannt. Jesus ist der gerechte König, ja die Gerechtigkeit selbst. Unsere Gerechtigkeit liegt so in ihm gegründet. Christ ist der Mensch, der seine Gerechtigkeit nicht mehr bei sich selbst sucht, sondern bei Jesus Christus allein. Der Thron des gerechten Königs ist das Kreuz, die nun ebenso seine Gnade sichtbar werden lässt. Die Verbindung von Gnade und Gerechtigkeit kann nur in dem Sühneopfer des Herrn Jesus Christus deutlich gemacht werden. Am Kreuz sehen wir, wie gnädig der Herr ist und wie gerecht.

Im ganzen Land wird Gerechtigkeit herrschen. Ps 72:3

Er wird herabkommen wie Regen auf die Aue, wie Regenschauer, die das Land bewässern. Ps 72:6

Alles, was Jesus tut, ist Liebe und seine Gegenwart erquickt uns wie frisches Wasser. Wie der trockene Erdboden den Regen trinkt, wird meine Seele das Lebenswasser trinken. Der Herr kommt auf meine Seele als ein milder, befruchtender Regen, um sie zu erleuchten und zu beleben, zu trösten und zu stärken. Aus dieser Bewässerung wird als Frucht sein Friede in unserer Seele wachsen. Sein Friede ist tief und dauerhaft. Darum wird Fülle von Frieden sein, Friede in allen Beziehungen: Frieden mit Gott, Frieden mit dem Nächsten, Frieden mit seinem eigenen Gewissen.

In seinen Tagen wird der Gerechte blühen, und Fülle von Frieden wird sein. Ps 72:7

Er wird den Armen retten, wenn er um Hilfe schreit, und den Elenden, der keinen Helfer hat. Ps 72:12

Die Armen und Elenden sind wir. Unser kindliches Schreien rührt das Herz des Vaters und ruft seine Allmacht herbei. Diese rettende Nähe kann nicht verdient werden, weder durch gute Werke noch durch geistliche Übungen. Nur eines tut Not: sich anschauen lassen durch Gott. Einfach da sitzen, ruhig werden und mich von ihm freundlich anschauen lassen und dann auf seinen Blick antworten. Das ist Gebet.

Das Gebet ist die höchste Leistung, deren der Menschengeist fähig ist. Das Gebet ist eine Jakobsleiter auf der des Menschen Geist zu Gott empor- und Gottes Gnade zum Menschen herniedersteigt. Edith Stein

Über den Geringen und Armen wird er sich erbarmen, und die Seelen der Armen retten. Ps 72:13

Selig sind die Armen, die sich als arm erkennen. Denn diese werden zum Retter um Hilfe rufen. Der Herr ist nicht für die Gesunden gekommen, sondern für die Kranken, nicht für die Gerechten, sondern für die Sünder. Er wird ihnen sein Mitleid und Erbarmen kundtun. Er wird es nicht zulassen, dass die Trübsale sie zu Boden drücken. Er der Hirte unserer Seelen und die wahrhaft Armen, diejenigen, welche sich ihrer Dürftigkeit, Schwäche und Unwürdigkeit bewusst sind, werden bei ihm die beste Hilfe und das ewige Heil, finden.

Er wird ihre Seele erlösen aus Bedrückung und Gewalt und ihr Blut wird kostbar sein in seinen Augen. Ps 72:14

Er wird leben. Ps 72:15

Es lebe der König Christus! Er wurde getötet. Aber er ist auferstanden. In ihm leben nun auch wir. Bonhoeffer sagt: Jesus Christus, der Auferstandene, das bedeutet, dass Gott aus Liebe und Allmacht dem Tod ein Ende macht und eine neue Schöpfung ins Leben ruft, neues Leben schenkt in Christus. Benutzen wir im Gebet immer wieder seinen Namen. Rufen wir seinen Namen an. Es ist der Name, der über allen Namen ist: Jesus Christus. Nie wird Jesu Name untergehen.

Sein Name bleibt ewiglich. Ps 72:17

Gepriesen sei sein herrlicher Name ewiglich und die ganze Erde sei erfüllt von seiner Herrlichkeit! Amen, ja, Amen! Ps 72:19

Psalm 73: Gott nahe sein

Nur gut ist Gott gegen Israel, gegen die, welche reinen Herzens sind. Ps 73:1

Hilf mir, o Gott, dass ich, in wie große Unruhe und Verwirrung ich auch geraten mag, doch von Dir nie schlecht denke! Auch wenn ich dich nicht verstehen kann, lass doch meinen Glauben an dich nicht aufhören. Du bist gut gegen die, welche du in deiner Gnade gut gemacht hast, und wirst das Herz, das du erneuert hast, nicht fallen lassen. Ein reines Herz ist ein Herz, das Gott allein begehrt, es hängt ungeteilt an ihm. Darauf kommt es mehr an als auf alles andere, dass wir uns ein Herz erhalten, dem Gott allein genügt.

Fast wäre ich gestrauchelt mit meinen Füßen, wie leicht hätte ich einen Fehltritt getan! Ps 73:2

Wie dankbar müssen wir ihm sein, dass er uns in seiner Gnade festhält und dafür sorgt, dass unser Fuß im Seelenkampf nicht gleitet und wir der Welt anhängen. Welchen Schein diese Dinge auch in den Augen der Welt haben mögen, so sind sie doch nur wie ein mit schönen Blumen bedeckter ekelhafter Dunghaufen, sind in Gottes Augen so hässlich und widrig, wie es nur sein kann. Und wie schnell ist die Schönheit alles Irdischen dahin!

Darum ist Hochmut ihr Halsschmuck. […] Sie bilden sich sehr viel ein. Ps 73:6-7

Hochfahrend reden sie. […] Wenn ich gesagt hätte: Ich will ebenso reden! Siehe, so hätte ich treulos gehandelt. Ps 73:8;15

Es ist nicht immer klug, dem Ausdruck zu geben, was man denkt. Wenn unsere törichte Gedanken in uns verschlossen bleiben, schaden sie wenigstens nur uns selber. Sind sie aber einmal ausgesprochen, so kann das Unheil groß sein, das sie anrichten. Wo wir irgendwie Verdacht schöpfen, wir könnten Unrecht haben, ist es besser, still zu sein. In solchen Dingen den Mund zu halten kann nicht schaden. Dagegen kann es das größte Unheil anrichten, wenn wir in Hast und Unruhe gefasste Meinungen ausbreiten.

So sann ich denn nach, um dies zu verstehen. Aber es war vergebliche Mühe in meinen Augen bis ich in das Heiligtum Gottes ging und auf ihr Ende achtgab. Ps 73:16-17

Er trat aus dem Kreis des sinnlich Wahrnehmbaren ein in das Gebiet des Unsichtbaren. Was er nicht weiß, weiß sein Gott. Er muss gar nicht wissen. Er muss aber vertrauen. Das Licht, das er nicht hat, ist bei Gott. In dessen Haus sieht er wieder klar, denn dort offenbart sich ihm Gott. Bei Gott wohnt das Licht und erst in seinem Licht sehen wir das Licht. Es ist immer so: Wir denken erst dann recht, wenn wir von Gott her und auf Gott zu denken. Alles, was uns befällt, müssen wir zu Gott in Beziehung setzen. Das kann man auch Glauben nennen, praktischen, lebendigen Glauben.

Als mein Herz verbittert war und ich in meinen Nieren das Stechen fühlte, da war ich töricht und verstand nichts; ich verhielt mich wie ein Vieh gegen dich. Ps 73:21-22

Das Herz können wir auch umschreiben als den Sitz des Willens, die Nieren als den Sitz des Verstandes. Solange unser Wille sich gegen Gottes Willen aufbäumt, wird unser Inneres erbittert. Die Bitterkeit weicht erst, wenn unser Wille sich Gottes Willen beugt. Empört sich aber unser Wille, sticht es uns auch im Verstand: Dann scheint uns alles, was Gott wirkt und fügt, widersinnig und an stößig. Ein Trost: Das ist große Gnade, dass Gott die Seinen nicht fallen lässt, dass sie immer sein Eigentum bleiben und auch dann bei ihm sind und bei ihm bleiben dürfen, wenn sie töricht gedacht haben.

Dennoch bleibe ich stets bei dir. Du hältst mich bei meiner rechten Hand. Ps 73:23

Jetzt aber bleibe ich immer bei dir, und du hältst mich bei der Hand. Du führst mich nach deinem Plan und nimmst mich am Ende in Ehren auf. Ps 73:23‭-‬24

Nicht immer sehen wir seine Eingebungen deutlich und direkt, aber definitiv spüren und sehen wir die Folgen. Es ist wie mit der Sonne, die wir auch nicht sehen können, wenn die Erde von Nebel bedeckt ist. Wir bemerken nur eine größere Helligkeit, sehen sie sozusagen, ohne sie zu sehen und spüren ihre Wärme und Wirkung. Wenn eine Seele die unzähligen Gnaden und Hilfen schaut, mit denen ihr Gott in der Zeit ihrer Pilgerschaft zur Seite steht, mit welcher Innigkeit küßt diese Seele dann Gottes gütige Hand, die sie auf ihrem Weg lenkt, stützt und trägt. Diese Seele bekennt, daß sie von ihrem göttlichen Heiland all ihre Seligkeit empfangen hat.

Du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich danach in Herrlichkeit auf! Ps 73:24

Ich habe es aufgegeben, mir meinen Weg selbst zu wählen. Ich gebe überhaupt jedes Grübeln über Gottes Wege auf und lege meine Hand in die meines himmlischen Vaters mit dem Wunsch, von ihm geleitet zu werden. Bei Ihm ist Rat und wenn wir uns von ihm leiten lassen, werden wir gewiss recht geführt. Was Gott beschließt und was er zuteilt, ist gut, und wie er mich führt, ist richtig, auch wenn ich in dieser Welt gering und zuweilen geplagt bin. Besser kann es uns nie gehen, als wenn er uns leitet.

Wen habe ich im Himmel außer dir? Und neben dir begehre ich nichts auf Erden! Ps 73:25

Nichts ist begehrenswert außer Gott. Gott ist besser als alles auf Erden. Fürwahr, mein Erlöser, wenn ich sollte im Himmel sein und fände dich im Himmel nicht, so würde ich den Himmel für keinen Himmel achten. Drum, mein Herr Jesu, wenn ich dich mit Tränen, mit Seufzen, mit Flehen, mit Händeaufheben, mit Verlangen, Harren und Hoffen suche, so verbirg dich nicht, sondern lass mich dich finden. Denn, Herr, wenn ich nur dich habe. Weil du dort bist, ist mir der Himmel wirklich der Himmel. Dich haben, heißt alles haben. Darum wollen wir in den Himmel, weil du Jesus dort ist.

Wenn mir auch Leib und Seele vergehen, so bleibt doch Gott ewiglich meines Herzens Fels und mein Teil. Ps 73:26

Mir aber ist die Nähe Gottes köstlich. Ich habe Gott, den Herrn, zu meiner Zuflucht gemacht, um alle deine Werke zu verkünden. Ps 73:28

Je näher wir uns an Gott halten, desto weniger werden wir von den Reizen und Leiden der Erde angefochten. Der Zugang zu dem Allerheiligsten ist ein bewährtes Heilmittel für zahlreiche Übel. Die Nähe Gottes ist für alle gut und kostbar. Sie ist es auch für mich ganz persönlich. Es ist unter allen Umständen gut für mich und wird es stets sein, dem größten Gut, dem Urquell alles Guten, Gott selbst, zu nahen.

Gott nahe zu sein ist mein Glück. Ps 73,28

Lassen Sie Ihren Verstand einfach werden, stellen Sie nicht soviel Überlegungen und Widerreden an, sondern gehen Sie Ihren Weg einfach und voll Vertrauen. Es gibt für Sie in dieser Welt nur Gott und Sie. Alles andere soll Sie nur in dem Maße berühren, als und wie Gott es Ihnen befiehlt. Ich bitte Sie, schauen Sie nicht soviel da- und dorthin, richten Sie Ihren Blick gesammelt auf Gott und auf sich. Zerpflücken Sie daher nicht, was die anderen tun, noch was aus ihnen wird, sondern schauen Sie auf die anderen mit guten, liebevollen und gütigen Augen. Erwarten Sie von ihnen nicht mehr Vollkommenheit als von sich selbst und seien Sie nicht erstaunt über die Vielzahl der Unvollkommenheiten. Franz von Sales

Psalm 74: Zerstörtes Heiligtum

O Gott, warum hast du uns verworfen für immer, warum raucht dein Zorn gegen die Schafe deiner Weide? Ps 74:1

Die Feinde Israels haben den Tempel zerstört, aber schlimmer noch: Gott schien sein Volk vergessen zu haben. Zu Beginn des Psalms wird die Frage nach dem Warum des Handelns Gottes gestellt. Warum? So fragt einer, wenn er Gottes Wege und Werke nicht begreifen kann. Der Beter leidet darunter, dass Gott Böses geschehen lässt. Im Glauben bestanden sie darauf, dass sie die Herde Seiner Weide sind, und doch waren ihre derzeitigen Lebensumstände alles andere als eine schöne, fette Weide

Gedenke an deine Gemeinde. Ps 74:2
Erhebe deine Schritt. Ps 74:3

Unsere eigenen Zeichen sehen wir nicht. Es ist kein Prophet mehr da, und niemand bei uns weiß, wie lange. Ps 74:9

Das Volk hat kein Licht und weiß nicht, wie lange die Not noch dauern soll. An etwas Sichtbarem konnte sich ihr Glaube nicht mehr orientieren. Ihr Glaube verwirklichte sich jetzt nur noch in der Hoffnung und in der Überzeugung von Dingen, die man nicht sieht. Doch gerade in dieser Zeit des Verlusts und ohne den sichtbaren Beistand bewährten sie sich. Auch ohne den sichtbaren Beistand pflegten sie eine lebendige Glaubensbeziehung zu ihrem Gott. So kann sich auch jeder Gläubige unserer Tage auf die großen Taten Gottes, auf das Werk von Golgatha, die Niederwerfung von Sünde, Tod und Teufel stützen. Unsere Zuversicht für die Gegenwart stärkt sich an frohen Rückblicken auf die Vergangenheit.

Gott ist ja mein König von Urzeit her, der Rettung gab in diesem Land. Ps 74:12

Dein ist der Tag, dein ist auch die Nacht, du hast den Mond und die Sonne bereitet. Ps 74:16

Gottes Schöpfungswerke veranschaulichen Gottes Walten. Er macht das Licht und auch die Finsternis, er tötet und er macht lebendig, er zerschlägt und er heilt. Der Gott, der jetzt Nacht über das Land und über die Stadt gebracht hat, wird über aller Nacht des Leidens auch das Licht der Wiederherstellung aufgehen lassen. Wir können weiter aus der regelmäßigen Folge der Jahreszeiten schließen, dass der düstere Kummer so wenig wie der Winter das ganze Jahr beherrschen wird, sondern dereinst Blumen der Hoffnung sprossen und lachende Früchte der Freude reifen werden.

Der Winter, meine Lieben, wird vorübergehen, und es wird ein nie endender Frühling anbrechen, der umso reicher an Schönheit sein wird, je heftiger der Sturm zuvor getobt hat. P. Pio

Sommer und Winter hast du gemacht. Ps 74:17

Lass den Unterdrückten nicht beschämt davongehen, sondern lass die Elenden und Armen deinen Namen preisen! Ps 74:21

Gott ist ein Gott, der in besonderer Weise auf den Elenden und Armen achthat. Denn er ist Liebe. Auch wenn der Beter lange auf Gottes Antwort warten muss, so wird er mit aller Gewissheit nicht leer zurückgeschickt. So werden sie dir begeisterten Gemütes ihre schönsten Lieder weihen. Es ist nicht die Weise des Herrn, zuzulassen, dass irgend jemand zuschanden wird, der auf ihn traut.

Steh auf o Gott! Ps 74:22

Psalm 75: Gott richtet

Wir danken dir, o Gott, wir danken dir, denn nahe ist dein Name. Man verkündet deine Wundertaten! Ps 75:2

Der Psalm beginnt mit Dank für ein ganz großes Gnadenwunder: Mit seinem Namen ist Gott selbst den Seinen nahe. Gottes Nähe ist ein Ausdruck seiner erwählenden Gnade. Für diese unendliche Güte ist eine Dankbarkeit ohne Grenzen angebracht. Die Menschen sollen nie vergessen, dass sie Gott, dem treuen Schöpfer und Erhalter, alles verdanken. Das fördert in uns die Demut und bewahrt uns vor Hochmut.

Seid nicht übermütig! Ps 75:5

Gott ist der Richter. Ps 75:8

Das Begegnen mit ihm ist der entscheidende Akt des Gerichts. Vor seinem Anblick schmilzt alle Unwahrheit. Die Begegnung mit ihm ist es, die uns umbrennt und freibrennt zum Eigentlichen unserer selbst. Unsere Lebensbauten können sich dabei als leeres Stroh, als bloße Großtuerei erweisen und zusammenfallen. Aber in dem Schmerz dieser Begegnung, in der uns das Unreine und Kranke unseres Daseins offenbar wird, ist Rettung. Sein Blick, die Berührung seines Herzens heilt uns in einer gewiß schmerzlichen Verwandlung “wie durch Feuer hindurch”. Aber es ist ein seliger Schmerz, in dem die heilige Macht seiner Liebe uns brennend durchdringt, so daß wir endlich ganz wir selber und dadurch ganz Gottes werden. So wird auch das Ineinander von Gerechtigkeit und Gnade sichtbar: Unser Leben ist nicht gleichgültig, aber unser Schmutz befleckt uns nicht auf ewig, wenn wir wenigstens auf Christus, auf die Wahrheit und auf die Liebe hin ausgestreckt geblieben sind. Er ist im Leiden Christi letztlich schon verbrannt. Im Augenblick des Gerichts erfahren und empfangen wir dieses Übergewicht seiner Liebe über alles Böse in der Welt und in uns. Der Schmerz der Liebe wird unsere Rettung und unsere Freude. Benedikt XVI

Ich aber will es ewig verkünden. Dem Gott Jakobs will ich lobsingen. Ps 75:10

Psalm 76: Gott der Richter

Gott ist in Juda bekannt, sein Name ist groß in Israel. Ps 76:2

Obwohl Gott in der ganzen Welt bekannt ist aufgrund seiner Schöpfungswerke, die etwas von seinen unsichtbaren Herrlichkeiten bezeugen, so ist er doch am allermeisten bekannt in der sichtbaren Gemeinde, wo sein Wort ergeht und seine Werke am klarsten ausgelegt werden. Da, wo Gott nun bekannt ist, ist sein Name groß. Hat Gott sich uns geoffenbart, sodass wir ihn nun kennen, wird er in unserem Denken und Urteilen groß. Ja, er soll immer größer werden und unser Verlangen soll stets wachsen, dass sein Name erhoben werde. Dort, wo Menschen seinem Willen gehorchen, ist in Wahrheit seine Wohnung.

In Salem ist sein Zelt und seine Wohnung in Zion. Ps 76:3

Vom Himmel her lässt du dein Gerichtsurteil hören. […] Ja, das geschieht, wenn Gott aufsteht, um Recht zu sprechen, um den Unterdrückten im Land Rettung zu bringen. Ps 76:9-10

Der Gott, der sich in der Bibel offenbart, ist ein liebender, fühlender, emotions – und energiegeladener Gott. Er handelt und regiert. Ihm sind seine Schöpfung und unser menschliches Tun und Handeln nicht gleichgültig. Er tritt für die Unterdrückten ein. Der Allherrscher der ganzen Menschheit achtet ganz besonders auf die Armen und Verachteten.

Ihm, dem Ehrfurchtgebietenden, bringt eure Gaben dar! Ps 76:12

Psalm 77: Trost in Gottes Führung

Ich rufe zu Gott und will schreien. Zu Gott rufe ich, und er wolle auf mich hören! Ps 77:2

Auch wir werden das in unserer Stunde der Not erfahren: der Gott aller Gnade wird zur rechten Zeit auf uns hören. Zeiten der Not sollen Zeiten anhaltenden Flehens sein. Besonders in Zeiten innerer Anfechtung, wenn Gott sich uns scheinbar entzogen hat, gilt es, ihn zu suchen, und zwar zu suchen, bis wir ihn gefunden haben. Meine Hand ist ausgereckt als Zeichen dafür, dass ich alles von oben erhoffe, als Zeichen dafür, dass meine Hände leer sind und ich darauf angewiesen bin, dass Gott sie mir füllt. Wer also Herzenskummer hat, der denke nicht daran, ihn hinunterzutrinken oder wegzulachen, sondern gehe auf seine Knie, um ihn wegzubeten.

Zur Zeit meiner Not suche ich den Herrn. Meine Hand ist bei Nacht ausgestreckt und ermüdet nicht, meine Seele will sich nicht trösten lassen. Ps 77:3

Wird denn der Herr auf ewig verstoßen und niemals wieder gnädig sein? Ist es denn ganz und gar aus mit seiner Gnade? Ps 77:8-9

Es kann für das verheißene Heil gar keine Hindernisse geben, die wir zu fürchten hätten. Der Herr wird sich zur Ausführung seines Werkes seinen Weg bereiten. Wenn irgend etwas das Kommen des Reiches Christi zurückhalten könnte, so wäre es unser Unglaube. Wirf dein Vertrauen nicht weg weil Gott seine Verheißung verzieht. Ob die Wege der Vorsehung auch kreuz und quer und rückwärts und vorwärts laufen, so hast du doch ein festes und gewisses Wort, worauf du dich verlassen kannst. Wenn die Verheißungen auch für eine Weile scheinbar verzögert werden, können sie doch niemals ungültig gemacht werden.

Hat denn Gott vergessen, gnädig zu sein, und im Zorn seine Barmherzigkeit verschlossen? Ps 77:10

Ich will gedenken an die Taten des Herrn. Ja, ich gedenke an deine Wunder aus alter Zeit. Ps 77:12

Glückliche Seele, die sich in Gott und seine Werke versenken und sich selbst vergessen kann! Wir holen uns Trost, indem wir uns die Güte des Herrn in die Erinnerung zurückrufen, die uns selbst und anderen in vergangenen Zeiten erwiesen wurde. Was wäre auch besser geeignet, alle Klagen zum Verstummen zu bringen und dem unruhigen Herzen die Ruhe des kindlichen Vertrauens zurückzugeben, als eine derartige Betrachtung der göttlichen Güte und Größe?Die Erinnerung ist hervor ragend geeignet, dem Glauben Hilfsdienste zu leisten.

Ich sinne nach über alle deine Werke und erwäge deine großen Taten. Ps 77:13

O Gott, dein Weg ist heilig! Wer ist ein so großer Gott wie du, o Gott? Ps 77:14

Diesen Weg nennt er ganz richtig deinen Weg. Mein Weg wird mir immer wieder sinnlos erscheinen, solange ich ihn nur als den meinen ansehe. Kann ich aber sehen, dass es Gott ist, der mich so führt und erkenne ich damit, dass es eben doch sein Weg ist, fällt mir die Bürde von den Schultern, die mich so lange gedrückt hatte. Nirgends ist die Seele freier und nirgends ist sie glücklicher, als wenn sie die Dinge im Licht des Heiligtums sehen kann. Dort wird Gott als der Heilige erkannt und so erkennt der Gläubige, dass Gott in allen seinen Wegen, die er uns führt, heilig ist.

Du bist der Gott, der Wunder tut. Ps 77:15

Gott tut Wunder. Er tat sie in der Erschaffung der Welt, in der Erlösung seines Volkes und er tut sie fortwährend auch heute. Fortwährend gibt er Licht und Leben, erhält alles Lebendige und ernährt alle und alles. Er führt uns aus dem Dunkel des Grübelns und bösen Denkens heraus ans Licht. Mit seinem Arm erlöst er uns. Dieser Arm ist niemand anders, als der Messias und Heiland Israels. Er aber bleibt derselbe gestern, heute und in Ewigkeit..

Du hast dein Volk erlöst mit deinem Arm. Ps 77:16

Deine Fußstapfen waren nicht zu erkennen. Ps 77:20

Deine Wege sind dem Auge der Sterblichen verborgen. Deine Absichten wirst du ausführen, aber die Mittel und Wege, welche du dazu benutzt, sind oft verhüllt. Sie bedürfen keines Verbergens, denn sie sind an sich schon geheimnisvoll und unermesslich für das menschliche Verständnis. Anbetung sei dir, du Unerforschlicher! Aber wenn wir Gottes Wege auch nicht zu erforschen vermögen, so können wir ihm doch vertrauen, und eine Frömmigkeit, die einen nicht befähigt, Gott zu vertrauen, wo man ihn nicht erforschen noch sehen kann, wäre wenig wert.

Du führtest dein Volk wie eine Herde durch die Hand von Mose und Aaron. Ps 77:21

Können wir, wenn wir auf Golgatha stehen, je daran zweifeln, dass Gott treu und gerecht ist und dass er in all seinem Handeln nie aufhört, Liebe zu sein? Hier haben wir das Licht, das uns jeden noch so schweren Weg erhellt. Wer wollte nicht stark sein im Glauben, wenn er sich auf einen so starken Arm stützen kann? Darf unser Vertrauen wankelmütig sein, wenn seine Macht doch außer aller Frage steht? Lass, liebe Seele, solche Erwägungen den letzten Rest des Misstrauens in dir bannen!

Der gute Hirte führt die Seinen wie Schafe: erstens mit großer Achtsamkeit, um sie vor Wölfen zu beschützen, zweitens mit Sorgfalt und Freundlichkeit, denn das Schaf ist ein harmloses Tier; drittens mit weiser Strenge, weil die Schafe sich leicht verlaufen.

Psalm 78: Treue Gottes

Höre, mein Volk, meine Lehre. Neigt eure Ohren zu den Reden meines Mundes! Ps 78:1

Dies ist der längste der historischen Psalmen, in denen Gottes Handeln mit seinem Volk Israel von Moses bis David besungen wird. Der Psalm möchte das Volk Gottes und auch uns geschichtsbewusst machen. Auf uns übertragen: Wenn wir alle, die wir durch Jesus verändert worden sind, unsere Geschichten erzählen, erzählen wir damit, wer Gott ist. Unsere Geschichten haben nichts Kleines oder Belangloses an sich. Im Grunde gibt es gar nichts Größeres. Wie hat sich Gott in deinem Leben offenbart?

Jede Generation soll von den mächtigen Taten Gottes hören, von allen Wundern, die er vollbracht hat. Sie alle sollen auf Gott ihr Vertrauen setzen und seine Machttaten nicht vergessen. Ps 78:4;7

Er teilte das Meer und ließ sie hindurchziehen, das Wasser türmte er auf wie einen Wall. Ps 78:13

Biblisch bezieht sich dies auf den Durchzug durch das rote Meer. Ein beinhaltet ein tiefes Bild für uns: es ist gegen die Natur des Wassers, sich zu einem Wall aufzutürmen. Dieses Wunder ist so ein Bild für unsere Errettung, denn die Errettung wirkt gegen unsere sündhafte Natur. Die Sünde zieht mich herab in den Tod. In der Errettung überwindet Gott diese Kraft und führt mich einen Weg, der jedem Zugriff des Todes entzogen ist. In Christus also überwinden wir die Sünde und den Tod. Diese Fürsorge des Hirten ist beständig, Tag und Nacht.

Am Tag führte er sie mit einer Wolke und in der Nacht mit hellem Feuerschein. Ps 78:14

Dieselbe Wolke, welche am Tage Schatten bot, war zur Nacht eine Sonne. Geradeso ist es mit der Gnade: sie kühlt und wärmt, erleuchtet und beschattet, wie wir es gerade nötig haben und hilft uns, Tag und Nacht ununterbrochen unsere Wanderschaft fortzusetzen.

Er ließ das Manna auf sie herabregnen, Getreide vom Himmel gab er ihnen zu essen. Ps 78:24

Das wunderbare Manna kam aus dem Himmel. Es war nicht gewöhnliches Brot, sondern Himmelskorn. Er gab ihnen so viel, wie sie brauchten. So wie der Regen segenspendend auf das dürre Erdreich fällt und Leben bringt, so kamen Gottes gute Gaben jeden Tag neu über sein Volk. Das neue ewige Himmelsmanna ist nun der Herr Jesus. Er regnet täglich neu auf uns herab. Er ist täglich neu unsere Speise. Von ihm ernähren wir uns. Er ist für uns mehr als genug. Er ist unser Ein und Alles.

Sie aßen das Brot der Engel! Gott gab ihnen mehr als genug zum Sattwerden. Ps 78:25

Ihre Reue war nicht echt. Ps 78:36

Immer wieder geht es im Psalm 78 um die Untreue des Volkes, falsche Reue und das fehlende Vertrauen. Die Geschichte Israels demonstriert die Schwachheit des Menschen, der immer wieder sündigt. Es ist dabei eine ergreifende Tatsache, dass wir mit unserer Sünde Gott weh tun. Wir bereiten ihm Schmerzen, wie sie nur jemand empfinden kann, der liebt. Aus dieser ergreifenden Tatsache heraus sollten wir uns immer wieder unserer eigenen Freiheit in der Entscheidung bewusst werden. Das Leben ist in Wahrheit immer eine Entscheidung: zwischen Ehrlichkeit und Unehrlichkeit, Treue und Untreue, Egoismus und Altruismus, Gut und Böse, Vertrauen und Mißtrauen.

Ihr Vertrauen auf Gott war schwach und unbeständig. Ps 78:37

Trotzdem blieb er barmherzig, vergab ihre Schuld. Ps 78:38

Gott bleibt gnädig. Gott bleibt barmherzig, weil er barmherzig ist, nicht weil irgend jemand es verdient hätte. Wenn die Barmherzigkeit Gottes ein Rechtsanspruch wäre, wäre sie keine Barmherzigkeit. Wäre er nun nicht barmherzig, wäre es um uns geschehen. Nur eines tut Not, dass wir unsere Schuld und Armseligkeit einsehen. Je mehr wir unsere Armseligkeit anerkennen, desto mehr Grund haben wir, unser Vertrauen auf Gott zu setzen, da wir in uns selbst nichts haben, worauf wir bauen könnten.

Wie oft lehnten sie sich gegen ihn auf in der Wüste und betrübten ihn in der Einöde. Ps 78:40-41

Sie gedachten nicht an seine Hand, an den Tag, als er sie von dem Feind erlöste. Ps 78:42

Er ließ sein Volk ausziehen wie Schafe und leitete sie wie eine Herde in der Wüste. Sie fürchteten sich nicht, so sicher führte er sie. Ps 78:52-53

Dies bezieht sich prophetisch auf Christus, den Gott zum ewigen Hirten bestimmt hat. Darum wurde er Mensch, um erlösten Menschen in allem vorangehen zu können in Leiden, Anfeindungen, Versuchungen und Ängsten. Er kennt all das, kann deshalb mitempfinden und darum auch denen beistehen, die auf dem Weg versucht werden. Ist uns der Weg auch unbekannt, so werden wir dich gut geleitet. Seine Führung ist vollkommen.

Er weidete sie mit aller Treue seines Herzens und leitete sie mit weiser Hand. Ps 78:72

Psalm 79: Am Boden zerstört

Hilf uns, du Gott unseres Heils, um der Ehre deines Namens willen, und rette uns und vergib uns unsere Sünden um deines Namens willen! Ps 79:9

Die Wurzel des Übels wird erkannt und bekannt: die Sünde. Wir haben Gott keinen einzigen Tag so geliebt, wie wir es ihm schulden. Wir haben wohl auch keinen einzigen Tag in unserem Leben unseren Nächsten so geliebt, wie wir es ihnen schulden. Dazu kommen die zahlreichen Sünden, die wir mit unseren Gedanken, Worten und Handlungen täglich begehen. Und zuletzt: kein Tag vergeht, an dem wir nicht zumindest durch Unterlassungen sündigen. So müssen wir täglich beten: Vergib uns unsere Sünden!

Dein Erbarmen komme uns eilends entgegen, denn wir sind sehr geschwächt! Ps 79:8

Lass vor dich kommen das Seufzen des Gefangenen. Bewahre durch deinen gewaltigen Arm die dem Tod Geweihten. Ps 79:11

Wenn wir uns nicht in der Lage fühlen, zu singen oder andächtig zu beten, so soll doch zumindest unser Seufzer an Gottes Ohren dringen. Mit seinem mächtigen Arm wird er uns dann helfen. Gottes Arm ist nie zu kurz, um zu retten. Denn er ist der Allmächtige. Dieser Allmächtige ist Licht und Liebe. In seiner Macht vermag er den Sünder in unverdienter Gnade aus dem Tod zu reißen und zum Leben zu führen. In der endgültigen Bedeutung ist sein Arm der Sohn, der als Retter zu uns Menschen kommt und in Ewigkeit unsere Seelen hütet. Tiefe und ewige Dankbarkeit sei ihm dafür von uns geschenkt.

Wir aber, dein Volk und die Schafe deiner Weide , wir wollen dir ewiglich danken und deinen Ruhm erzählen von ­Geschlecht zu Geschlecht. Ps 79:13