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Psalm 80-89

Psalm 80 bis 89

Psalm 80: Hirte und Weingärtner

Höre uns, Gott, du Hirte Israels, der du dein Volk wie eine Herde hütest! Ps 80:2

Wir dürfen ganz gewiss sein, dass Gott, der sich herablässt, uns ein Hirte zu sein, gegenüber unserer Klage nicht taub sein wird. Der Name Hirte, der hier Gott beigelegt wird, ist von besonderer Zartheit und großer Fürsorge. Der Herr wird im ganzen Psalter nur noch in Psalm 23,1 als Hirte genannt. Für unsere Herzen sind solche innige und vertraute Gottesnamen sehr kostbar, denn der Hirte kennt die Seinen und sie kennen ebenso den Hirten. Jeden einzelnen kennt er beim Namen.

Zeige deine Macht den Stämmen Ephraim, Benjamin und Manasse! Komm und hilf uns doch! Ps 80:3

O Gott, stelle uns wieder her und lass dein Angesicht leuchten, so werden wir gerettet! Ps 80:4

Stelle uns wieder her! Diese Bitte enthält das Eingeständnis, dass wir abgewichen sind und aus eigener Kraft nicht zurückkehren können. Diese Bitte enthält das Eingeständnis unseres völligen Angewiesenseins auf Gott. Darum beten wir um sein leuchtendes Angesicht. Denn wohin der Mensch sich auch wenden mag, die Seele bereitet sich Schmerzen, wenn das Ziel außerhalb von Gott liegt. Wir sind aber gerettet, wenn Gott sich uns wieder in Gnade zuwendet.

O Gott der Heerscharen, stelle uns wieder her und lass dein Angesicht leuchten, so werden wir gerettet! Ps 80:8

Allmächtiger Gott, wende dich uns wieder zu! Schau vom Himmel herab und rette dein Volk! Kümmere dich um diesen Weinstock. Ps 80:15

Hatte der Beter den Herrn in Vers 1 als Hirten seines Volkes angerufen, spricht er jetzt von ihm als dem Weingärtner, der den Weinstock heckt und pflegt. Gott schenkt uns seine Gnaden in dem Maße, wie wir ihrer bedürfen. Er ist eine Quelle, aus der ein jeder Wasser nach seinen Bedürfnissen schöpft: Wer sechs Eimer davon braucht, schöpft sechs; drei schöpfe, wer drei benötigt; ein Vogel braucht einen Schnabel voll Wasser, und nimmt auch einen Schnabel voll. Gott verfehlt nie, uns zu helfen, wenn die Zeit da ist und wenn wir von unserer Seite aus alles getan haben, was wir konnten. Gottes Sohn segnet stets und viel mehr die unscheinbaren als die aufsehenerregenden Anfänge.

Beschütze den König, den du erwählt hast, den Mann, der durch dich erst stark wurde! Dann wollen wir nie mehr von dir weichen. Erhalte uns am Leben, dann wollen wir dich loben. Ps 80:18‭-‬19

Es gefällt Gott, den Menschen durch Menschen zu helfen. Vollkommen geholfen hat er uns durch das fleischgewordene Word Jesus Christus. Christus ist unser Mittler, unser Sachwalter und unser Hoherpriester. Ohne ihn können wir nicht bestehen. Alles Straucheln will uns lehren, wie nötig wir ihn haben, damit wir uns ihm anvertrauen und uns von ihm führen, tragen und bewahren lassen. Der Herr Jesus ist ein so wunderbarer Führer, dass er das Leben und das Licht der Menschen ist. Wenn er unsere Seelen heimsucht, werden wir wieder frisch belebt werden und dann wird unser Lobpreis dem Namen des dreieinigen Gottes zu Ehren emporsteigen.

O Herr, Gott der Heerscharen, stelle uns wieder her! Lass dein Angesicht leuchten, so werden wir gerettet! Ps 80:20

Psalm 81: Jubel und Gehorsam

Singt fröhlich Gott, der unsere Stärke ist,jauchzt dem Gott Jakobs! Ps 81:2

Gott ist uns zur Stärke geworden. Wir sind hilflos. Wir sind niedergeworfen. Wir vermögen nichts. Gott allein vermag und er hat seine Macht zu unserem Heil eingesetzt. Darum jubeln wir. Jubel ist ein Ausdruck großer Freude, Freude über unser Erlöstseins, Jubel über unsere Rettung. Ja: Die Erlösten sind das glückselige Volk, das den Jubelschall kennt. Singet ihm fröhlich, denn unserm gütigen Herrn gebührt von Herzen kommender Lobpreis! Seine Liebestaten sprechen lauter, als unsere Dankesworte je sein Lob verkünden können.

Stimmt ein Lied an. Ps 81:3

Ich habe die Last von seiner Schulter genommen, seine Hände sind den Tragkorb losgeworden. […] Als du mich anriefst in der Not, da brachte ich dir Rettung. Ps 81:7-8

Wie hier erinnert Gott sein Volk immer wieder an das elende Sklavendasein in Ägypten. Ebenso erinnern uns die Apostel an unser elendes Dasein vor unserer Errettung. Gott nun hat die Last von unseren Schultern genommen, denn das Joch Jesus ist leicht. Das soll unsere Dankbarkeit mehren und somit unseren Willen zum Gehorsam stärken. Gehorsam kommt von Hören. Nehmen wir uns stets jeden Tag neu vor auf Gott zu hören. Er teilt sich uns mit durch sein Wort in der Bibel, durch andere Menschen und vielerlei andere Eingebungen.

Höre, mein Volk, ich will dich ermahnen. Israel, wenn du mir doch Gehör schenken wolltest! Ps 81:9

Mein Volk hat meiner Stimme nicht gehorcht. […] Sie wandelten nach ihrem eigenen Rat. […] O dass doch mein Volk mir gehorsam wäre, und Israel in meinen Wegen wandelte! Ps 81:12-14

Die herablassende Liebe äußert sich in schmerzlicher Klage. Der barmherzige Gott kann es nicht sehen, wie die Menschen sich durch ihr Sündigen Jammer aufhäufen, ohne dass sein Mitleid tief erregt wird. Darum bittet er aufs Herzbewegendste und versucht sie, zu sich zu ziehen, um ihnen Leben zu geben, Leben in Fülle. Seine Gnadenschätze sind unerschöpflich. Mag unser Elend noch so groß, unsere Sünde noch so mächtig sein, die Gnade des Herrn ist immer noch größer, noch mächtiger.

Er würde sie mit dem besten Weizen speisen. Ja, mit Honig aus dem Felsen würde ich dich sättigen! Ps 81:17

Psalm 82: Gericht

Wie lange wollt ihr ungerecht richten? Ps 82:2

Diese Mahnung gilt immer wieder auch uns, wenn wir nach unserem Sinne schalten und walten. Viel zu häufig fallen wir in eine Ich-Bezogenheit, wo wir alles an uns selber und unseren Maßstäben beurteilen und richten. Mal verurteilen wir diesen, mal jenen, je nach individuellem Blickpunkt. Vor solch einem Denken warnt uns Gott. Nehmen wir uns diese Mahnung an. Richten wir nicht über den anderen. Lernen wir immer und überall Gutes zu tun und uns vor allem dem Hilfsbedürftigen zu zuwenden.

Schafft Recht dem Geringen und der Waise, den Elenden und Armen lasst Gerechtigkeit widerfahren! Ps 82:3

Gott hat ein besonderes Auge auf die Niedrigen. Stets will er auch uns dazu hinbewegen, dieses Sehen von ihm zu lernen. Mit Gottes Auge zu sehen, bedeutet sich um die Armen zu kümmern, um jene, die unsere Zuwendung brauchen. Jesus hat sie uns nicht als Geschwister überlassen, sondern als wären sie er selbst, der Heilung bedarf, Nahrung, Kleidung, der getröstet, geheiligt, gerettet, kurzum: geliebt werden muß. Der Nächste ist dein Bruder, ist deine Schwester, ist deine Familie, die Christus selbst adoptiert hat und uns anvertraut.

Befreit den Geringen und Bedürftigen. Ps 82:4

Mache dich auf, o Gott, richte die Erde. Ps 82:8

Wir leben nicht so, als seien Gut und Böse dasselbe, weil Gott ja nur barmherzig sein kann. Das wäre eine Täuschung. In Wirklichkeit leben wir in einer großen Verantwortung. Wir haben Talente erhalten, und wir sind beauftragt, dafür zu arbeiten, daß sich diese Welt Christus öffnet und erneuert wird. Aber obwohl wir in diesem Sinne arbeiten und in unserer Verantwortung wissen, daß Gott der wahre Richter ist, sind wir auch sicher, daß dieser Richter gütig ist. Wir kennen sein Angesicht, das Angesicht des auferstandenen Christus, des für uns gekreuzigten Christus. Daher können wir seiner Güte sicher sein und mit großem Mut vorangehen.

Psalm 83: Gebet in Kriegsgefahr

Bleibe nicht ruhig, o Gott, schweige nicht und sei nicht still, o Gott! Ps 83:2

Es gibt nicht nur unser Schweigen, das uns zum Hören des Wortes Gottes bereit macht, sondern oft stehen wir in unserem Beten dem Schweigen Gottes gegenüber, haben wir gleichsam ein Gefühl des Verlassenseins, scheint uns, daß Gott nicht hört und nicht antwortet. Aber wie bei Jesus ist dieses Schweigen Gottes kein Zeichen seiner Abwesenheit. Der Christ weiß gut, daß der Herr anwesend ist und zuhört, auch in der Finsternis des Schmerzes, der Ablehnung und der Einsamkeit. Jesus versichert den Jüngern und einem jeden von uns, daß Gott in jedem Augenblick unseres Lebens unsere Nöte gut kennt. Benedikt XVI

Schweigt Gott, so schweige du nicht, sondern schreie so lange, bis er zu schweigen aufhört. An sich wirkt Gott immer, seine Arbeit kann nicht ruhen. Aber Gott verbirgt oft sein hilfreiches Wirken vor unseren Augen und gebraucht Mittel und Wege, die wir nicht verstehen.

Sie müssen erkennen, dass du allein der Herr bist, der Herrscher über die ganze Welt! Ps 83:19

Das Kreuz ist der Thron, von dem aus er das erhabene Königtum Gottes, der die Liebe ist, offenbart hat: durch seine Selbsthingabe zur Sühne der Sünden der Welt hat er die Macht des Herrschers dieser Welt besiegt und hat endgültig das Reich Gottes errichtet. Dieses Reich wird sich am Ende der Zeiten in seiner ganzen Fülle offenbaren, nachdem alle Feinde, und zuletzt auch der Tod, unterworfen sein werden. Dann wird der Sohn das Reich dem Vater übergeben, und schließlich wird Gott alles und in allem sein. Der Weg, um dieses Ziel zu erreichen, ist lang und erlaubt keine Abkürzungen, denn jeder Mensch muß die Wahrheit der Liebe Gottes aus freiem Willen annehmen. Er ist Liebe und Wahrheit, und weder die Liebe noch die Wahrheit drängen sich je auf: Sie klopfen an die Tür des Herzens und des Verstandes, und dort, wo sie eintreten dürfen, bringen sie Frieden und Freude. Das ist Gottes Art zu herrschen. Das ist sein Heilsplan, ein Geheimnis im biblischen Sinne des Wortes, das heißt ein Plan, der sich nach und nach in der Geschichte offenbart.

Psalm 84: Freude am Hause Gottes

Wie lieblich sind deine Wohnungen, o Herr der Heerscharen! Ps 84:2

Der Beter war von tiefer Sehnsucht ergriffen. Seine innerste Seele begehrte nach seinem Gott. Sein ganzes Wesen war von diesem Sehnen ergriffen. Dieser Durst nach Gott ist eines der unfehlbaren Kennzeichen des Erlösten. Meine Seele, mein Denken, meinen Willen, alles zieht es zu meinem Gott, zu seinen Wohnungen. War damals der Tempel damit gemeint, ist nun die Wohnung Gottes unser Leib.

Meine Seele verlangte und sehnte sich nach den Vorhöfen des Herrn. Nun jubeln mein Herz und mein Leib dem lebendigen Gott zu! Ps 84:3

Der Beter konnte und durfte noch nicht eingehen in die Gegenwart Gottes selbst. Aber ihm war der Vorhof eine Verheißung auf eine volle ständigere Gemeinschaft mit Gott. Wir nun dürfen ins Allerheiligste eingehen, denn wir haben durch Christus im Geist Zugang zum Vater. Und doch stehen auch wir in einem ganz bestimmten Sinn noch im Vorhof: Wir sind noch nicht vom Glauben zum Schauen gekommen. Wir sind zwar im Geist und im Glauben bereits da, wohin unser Herr uns voran gegangen ist. Aber wir sehnen uns mit einer nie zur Ruhe kommenden Sehnsucht nach der vollen Gemeinschaft. Wir haben unseren Herrn noch nicht gesehen, und doch lieben wir ihn

Hat doch der Sperling ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für sich, wo sie ihre Jungen hinlegen kann: deine Altäre, o Herr der Heerscharen, mein König und mein Gott! Ps 84:4

Der Psalm spielt hier in beeindruckender Weise auf die Fürsorge Gottes auch für die geringsten seiner Geschöpfe an. Er bewundert diese Fürsorge mit Herzensfreude. Gott lässt auch den wertlosesten Vogel ein Haus und den ruhelosesten Vogel ein Nest finden. Welche Zuversicht und Seelenruhe sollte uns dies geben! Sperling und Schwalbe kennen den nicht, dessen Fürsorge sie genießen. Du aber, meine Seele, lass dir nicht an den Wohltaten Gottes genügen, sondern freue dich an dem lebendigen Gott selbst, genieße die Gemeinschaft mit ihm!

Das zweifache mein ist sehr kostbar. Der Beter hält seinen Gott mit beiden Händen fest, entschlossen, ihn nicht loszulassen.

Wohl denen, die in deinem Haus wohnen. Sie preisen dich allezeit! Ps 84:5

Dies ist der einzige Psalm mit einer dreifachen Seligpreisung (V. 5.6.13). Diese erste Seligpreisung nennt den einzigen Ort, an dem die Seele glückselig werden kann: in Gottes Haus. Was dem Psalmisten dieses Haus so lieb und wert machte, war die Gegenwart Gottes. Er begehrte, allezeit in Gottes Gemeinschaft zu weilen, sein ganzes Leben mit Gott zuzubringen. Wer Gott so nah ist, dessen Leben muss Anbetung sein. Wahrhaft und für immer glückselig sind, die in diesem Haus wohnen, die dort ihr Zuhause haben und für immer dort bleiben.

Glücklich sind alle, die ihre Stärke in dir suchen, die gerne und voll Freude zu deinem Heiligtum ziehen. Ps 84:6

Sicher ist es gut, an seinen Fehlern zu arbeiten, so entwickeln wir uns weiter, auch wenn wir nie fehlerfrei werden. Ich tappe häufig in die gleichen Fehler. Es ist jedoch ebenso wichtig, sich seiner Stärken bewusst zu werden und sie für das Reich Gottes einzusetzen im Bewußtsein, dass alle Stärke vom Herrn kommt. Schätze deine geschenkten Stärken. Das ist vereinbar mit einer demütigen Haltung und ist keine Eitelkeit, denn Gott selbst hat uns ja diese Stärken geschenkt und so rühmen wir uns nicht selbst, sondern Gott. Zu sich kommen heißt: die Wahrheit verstehen. Und die Wahrheit ist, dass wir viele gute Talente von Gott geschenkt bekommen haben und es ist sein Wille, dass wir sie auch einsetzen.

Wenn sie durch ein dürres Tal gehen, brechen dort Quellen hervor. Ps 84:7

Dieser Vers hat mich durch eine anstrengende Zeit begleitet oder im Bild gesprochen durch ein dürres Tal. Auch wenn es verständlich ist, dass wir dieses Tal schnell hinter uns lassen wollen, so brechen gerade dort oft Quellen hervor, beinhaltet die Notlage auch einen Gewinn. Der Gewinn, die hervorbrechende Quelle, kann z.B. sein, dass unwichtige Dinge zurück treten und stattdessen die vernachlässigte Liebe zum Herrn und das Vertrauen gestärkt werden. Wie häufig habe ich das schon bei mir erlebt und so den Segen der Not bzw. des dürren Tals erkannt.
Herr, lass mich erkennen, dass die Kreuze des Alltags Holz für das Feuer der Liebe sein können, dass das dürre Tal zum Segen wird, weil dort die Quelle zu dir hervorbricht. Dir vertraue ich, Dein bin ich, in Ewigkeit. Amen.

Sie schreiten von Kraft zu Kraft, erscheinen vor Gott in Zion. Ps 84:8

Der Beter ist unterwegs zum Ziel. Das Heiligtum ist der Ort der Freude. Dort wird gejubelt, hier aber wird geweint. Der Erlöste ist durch die Erlösung in dieser Welt ein Fremdling geworden. Darum ist ihm die Welt nur noch Weg zum Ziel, nur noch Schule, in der Gott ihn für sein Haus erzieht. Statt wie andere Wanderer ihre Kräfte zu verbrauchen und zu ermatten, wandern sie mit immer gesteigerter Kraft dem Ziel zu. Jeder Einzelne wird immer frischer und fröhlicher beim Wandern. Sie erreichen alle glücklich das Ziel. Zion ist der Sammelpunkt, wo alle sich vereinigen; dort wandelt sich die heilige Sehnsucht aller in die Freude glückseligen Genusses.

Herr, Gott der Heerscharen, höre mein Gebet. Du Gott Jakobs, achte darauf! Ps 84:9

Gläubige sind Fremdlinge in dieser Welt und leben von anderen Kraftquellen, als diese Welt kennt. Sie leben aus Gott, sie sind Beter. Sie beten, weil sie ohnmächtig, ihr Gott aber allmächtig ist, weil sie blind, bei ihm aber das Licht ist, weil sie Bettler sind und nichts haben, er aber alles besitzt. Das Gebet richtet sich an den Herrn. Er ist der Ewige, der vor allem war und deshalb Urheber von allem ist.

O Gott, unser Schild, sieh doch. Blicke auf das Angesicht deines Gesalbten ! Ps 84:10

Letztlich ist das Antlitz des Gesalbten das Angesicht des Messias, des Christus Gottes. Gott hat sein Werk angenommen, ihn zu sich erhöht, ihn zum Mittler zwischen Gott und seinem Volk gemacht. Wenn Gott nur auf unseren Herrn Jesus sieht, so sind wir vor allem beschützt, das uns schaden könnte. Sieht Gott das Antlitz seines Gesalbten an, so werden wir imstande sein, auch sein Antlitz mit Freuden anzublicken. Auch wir sind durch Gottes Gnade Gesalbte des Herrn, und unser Wunsch ist, dass er uns in Christus Jesus mit liebendem Auge anblicke.

Ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend. Ich will lieber an der Schwelle im Haus meines Gottes stehen, als wohnen in den Zelten der Gottlosen! Ps 84:11

Und selbst wenn wir alle weltlichen Genüsse auskosten könnten, so wären sie doch auch nicht einmal im Verhältnis von tausend zu eins zu vergleichen mit den Freuden, welche der Dienst Gottes gewährt. Des Herrn Liebe schmecken, sich des Heilands erfreuen, die Verheißungen im Glauben beschauen, die Kraft fühlen, mit der der Heilige Geist die kostbare göttlich Wahrheit dem Herzen nahebringt: das alles sind unsere Freuden, welche uns unaussprechlich kostbar sind. Ja, ein einziger Blick auf Gottes Liebe ist besser als ein ganzes Menschenleben, verbracht in sinnlichen Vergnügungen.

Denn Gott, der Herr, ist Sonne und Schild. Ps 84:12

Gott ist Sonne. Gott erhellt meine Gedanken und meinen Lebenshorizont. Sein Licht bringt eine andere Perspektive und Farbe in meine Lebenswirklichkeit. Manches, was im Dunkeln bedrohlich wirkt, schrumpft bei Tageslicht. Gottes Gegenwart vermag meine dunklen Gedanken aufzuhellen. In seinem Licht schrumpfen meine Sorgen. Das tut gut. Gott ist Schild. Der Schutz vor Umständen oder Menschen, die mich bedrohen, ist notwendig. Der Christ findet noch heute beides, Licht und Schutz, in dem Herrn, seinem Gott. Der Herr ist uns eine Sonne für Zeiten des Glücks, ein Schild für Zeiten der Gefahr.

Wer in Lauterkeit wandelt, dem versagt er nichts Gutes. Ps 84:12

Wir müssen aufrichtig sein und uns keinerlei Bösem zuneigen. Dann schüttet Gott seinen ganzen Segen über uns aus. Gott hat alles Gute, es gibt nichts Gutes außerhalb von ihm, und es gibt nichts Gutes, das er für sich zurückbehalten müsste oder uns aus irgendeinem Grunde versagen wird, wenn wir nur bereit sind, es zu empfangen. Er, der seinen eigenen Sohn nicht verschonte, um uns Gnade und Leben schenken zu können, wie sollte er uns mit ihm nicht auch alles schenken? Er wird uns alles an geistlichen Gütern geben, denn diese sind die höchsten. Und er wird uns auch an zeitlichen Gütern geben alles, was wir brauchen.

O Herr der Heerscharen, wohl dem Menschen, der auf dich vertraut! Ps 84:13

Dies ist die dritte Seligpreisung. Die erste nannte den Ort aller Glückseligkeit: das Haus Gottes; die zweite das Herz der Glückseligen: Es ist einfältig und sucht und findet darum alle Stärke in Gott. Diese dritte Seligpreisung nennt das Mittel zur Glückseligkeit: Es ist der Glaube oder das Vertrauen. Auf den Herrn zu vertrauen enthält alles, was in diesem Psalm gesagt worden ist. Wer ihm vertraut, findet den Weg in sein Haus und bleibt in ihm. Wer ihm vertraut, hat in seinem Herzen gebahnte Wege. Wer ihm vertraut, ist ein Fremdling in dieser Welt. Wer ihm vertraut wird finden, dass Gott Sonne und Schild ist und dem nichts vorenthält, der alles auf ihn gesetzt hat und alles von ihm erwartet.

Psalm 85: Gerechtigkeit und Frieden

Herr, du hast deinem Land Gnade gewährt. Ps 85:2

So sehr wir uns auch anstrengen und wir sollen uns anstrengen und wachsam sein, wir machen Fehler und tun aus welchen Gründen auch immer das Falsche. Egal nun, was passiert und wie viele Fehltritte es sein mögen: wir gerade darüber nicht in eine resignierte Unruhe, sondern vertrauen uns umso stärker der Gnade Gottes an. Seine Gnade ist ein kräftiges Belebungsmittel der Hoffnung. So wissen wir, dass jeder, der an Jesus glaubt, den Segen der Sündenvergebung genießt. 

Die Schuld deines Volkes hast du vergeben und alle seine Sünden zugedeckt. Ps 85:3

So stelle uns wieder her, du Gott unsres Heils. Ps 85:5

Immer wieder fallen wir, immer wieder stellt uns das Leben Herausforderungen, immer wieder! Immer wieder aber stellt uns Gott wieder her, reicht uns seine helfende Hand des Heils und belebt uns neu. Ja Herr: Belebe uns mit deiner Lebenskraft, denn Leben ist Freude! Du bist das Leben und darin ist Freude. Wenn wir geistlich träge werden, müde von allerlei Dingen, so lasst uns diesen Vers von Herzen beten: Stelle mich wieder her. Belebe mich neu! Der Herr wird es tun. Wenn wir dann den erquickenden Tau der Gnade verspüren, so wollen wir uns freuen. Ja: unsere Glückseligkeit wird es dann sein, uns über unseren Herrn zu freuen, der unsere Stärke ist. 

Willst du uns nicht wieder neu beleben, damit dein Volk sich an dir erfreuen kann? Ps 85:7

Herr, lass uns deine Gnade schauen und schenke uns dein Heil! Ps 85:8

Die Liebe des Herrn zu uns ist unergründlich und unfassbar in Worte zu fassen. Er allein kann uns den Frieden und das Heil schenken. Er allein hilft allen und weist keinen ab. Er allein ist alles in allem für uns. Die Glückseligkeit des Menschen besteht so ganz und gar in der Liebe zu Jesus Christus, unserem höchsten Gut, unserem Erlöser. Das allein gibt jedem Tag seine Mitte und seinen tiefsten Sinn. Das allein ist das Schauen der Gnade in Christus, der uns sein Heil schenkt. 

Manche sehen die Vollkommenheit in einem strengen Leben, andere im Beten, im häufigen Empfang der Sakramente oder im Almosengeben. Doch sie täuschen sich. Die Vollkommenheit besteht darin, Gott aus ganzem Herzen zu lieben. Franz von Sales

Ich will hören, was Gott, der Herr, reden wird. Denn er wird Frieden zusagen seinem Volk. Ps 85:9

Oh, wie kostbar ist die Zeit! Selig diejenigen, welche sie gut zu nutzen wissen. Oft viel schneller als wir denken heißt es für uns: “Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man das Leben von dir fordern.” (Lk 12:20). Darum nutze deine Zeit für gute Dinge. Sein Wort zu hören ist immer eine kostbare Zeit, die im Tagesverlauf ihre Früchte zeigt. Unser Alltag sei durchwoben mit der Pflege der Beziehung zu Gott durch allerlei Möglichkeiten: das Aufwachgebet, das Morgengebet, durch Stoßgebete, einen Blick auf Jesus am Kreuz. Die heilige Schrift sei dabei dein täglicher Begleiter. Das alles aber nicht aus Pflicht, sondern aus der Gewissheit heraus, dass allein Christus, dem du darin begegnest, dir den Frieden bringen kann.

Gnade und Wahrheit sind einander begegnet, Gerechtigkeit und Friede haben sich geküsst. Ps 85:11

Wenn es nicht gerecht zugeht (Familie, Schule, Arbeit u.a.), wird es nicht friedlich zugehen. Gerechtigkeit und Friede sind aufs engste miteinander verbunden, wie bei einem Kuss, einer Umarmung. Dies gilt in menschlichen Beziehungen ebenso wie in der Gottesbeziehung: Gott ist zugleich ein gerechter Gott und Gott ist ein rettender Gott, der Frieden bringt. Warum? Gottes Wahrheit, die Sünde verurteilt und Sünder richtet, und Gottes Gnade, die Sündern vergibt, sind sich durch die Menschwerdung, das Leben, Sterben und Auferstehen des Sohnes Gottes einander begegnet. Darum kann Gott jetzt den Schuldigen rechtfertigen und dabei doch gerecht bleiben. Das ist zutiefst das Evangelium! 

Kein Friede ohne Gerechtigkeit wie keine  Gerechtigkeit ohne Vergebung. Johannes Paul II

Die Wahrheit wird aus der Erde sprossen und Gerechtigkeit vom Himmel herabschauen. Ps 85:12

Was ist die Wahrheit? Der Sohn Gottes. Was ist die Erde? Das Fleisch. Frage dich, woraus Christus geboren ist und du siehst, warum die Wahrheit aus der Erde hervorgesproßt ist. Die Wahrheit ist aus der Jungfrau Maria geboren. Die Wahrheit, die zu fassen der Himmel nicht ausreicht, ist aus der Erde hervorgesproßt, um in eine Krippe gelegt zu werden. Zu wessen Nutzen hat ein so großer Gott sich so erniedrigt? Sicher nicht zu seinem eigenen, sondern zu unserem großen Nutzen, wenn wir glauben. Augustinus

In Jesus, der in Bethlehem aus der Jungfrau Maria geboren wurde, sind wirklich Liebe und Wahrheit einander begegnet, haben sich Gerechtigkeit und Friede geküßt. Benedikt XVI

Dann wird der Herr auch das Gute geben, und unser Land wird seinen Ertrag abwerfen. Gerechtigkeit wird vor Ihm hergehen und den Weg bereiten für seine Tritte. Ps 85:13-14

Christus hat die Psalmen gebetet und sie zur Vollendung geführt. Deshalb gehören sie bleibend zum christlichen Gebet. Das Gute, was der Herr gibt, ist er selbst. Er schenkt sich uns ganz, wird in seiner Menschwerdung uns Bruder und Freund. Der Ertrag des Landes ist unser Glaube an ihn und die Werke, die daraus hervor gehen. Durch diesen Glauben an ihn sind wir gerecht. Er bereitet den Weg, d.h. er lenkt alle Dinge, alle Macht ist ihm gegeben und er führt uns mit Stärke zu unserem Ziel. Das ist unser Trost und unsere Hoffnung. Gelobt sei Jesus Christus 

Das gläubige Beten der Psalmen bringt uns Gottes Hilfe und lässt uns Gott nicht vergessen. Basilius von Cäsarea

Psalm 86: Hilferuf

Neige dein Ohr, o Herr, und erhöre mich, denn ich bin elend und arm. Ps 86:1

Gerade in schweren Zeit gilt es am Gebet fest zu halten. Die schönste Zeit des Tages ist, wenn du betest. Denn du sprichst mit Dem, Der dich am meisten liebt und der sein Ohr zu dir herab neigt, um deine Worte zu hören. Ja: Das Gebet am Morgen ist der Schlüssel zu den Problemen des Tages, und am Abend ist es ein eiserner Riegel, der in der Nacht schützt. Mit den Worten von Pater Pio: Das Gebet ist ein mächtiges Werkzeug, ein Schlüssel, der das Herz Gottes öffnet. P. Pio

Bewahre meine Seele, denn ich bin dir zugetan. Hilf du, mein Gott, deinem Knecht, der sich auf dich verlässt! Ps 86:2

Sei mir gnädig, o Herr; denn zu dir rufe ich allezeit! Ps 86:3

Erfreue die Seele deines Knechtes. Denn zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele! Ps 86:4

Die Seele ist da, wo der Gegenstand ihrer Liebe ist. Denn wer liebt, wird dorthin getragen und wohnt da, wo er liebt, indem er beständig an den Gegenstand seiner Liebe denkt und sich nach ihm sehnt. Wer wirklich und von Herzen Gott liebt, der erhebt seine Seele zu ihm. Von ihm allein erwarte ich Glück. Wie die Sonnenblume sich dem Himmelslicht zukehrt, so wende ich mein Herz dir zu. Ich weiß, je näher ich dir komme, desto größer wird meine Freude. Darum zieh du mich näher zu dir, während ich meinerseits dir zustrebe.

Denn du, Herr, bist gut und vergibst gern und du bist reich an Gnade für alle, die dich anrufen. Ps 86:5

Der Herr schenkt uns sein Gutes. Seine Vergebung ist dabei ein wundervolles Gutes. Die Quelle dieser Vergebung liegt in Christus. Die Vergebung geht von seinem Kreuz aus. Er verwandelt die Welt durch die sich hingebende Liebe. Sein am Kreuz geöffnetes Herz ist das Tor, durch das die Gnade der Vergebung in die Welt eintritt. Allein diese Gnade vermag die Welt zu verwandeln und den Frieden aufzubauen. Folgen wir ihm nach, indem auch wir vergeben. Bitten wir um Kraft, es zu tun.

Vernimm, o Herr, mein Gebet, und achte auf die Stimme meines Flehens! Ps 86:6

Am Tag meiner Not rufe ich dich an, denn du erhörst mich. Ps 86:7

Du bist groß und tust Wunder, du bist Gott, du allein! Ps 86:10

Gott ist nicht nur gut. Gott ist auch groß. Zweifeln wir nie an seiner Allmacht. Güte und Macht sind in begrenzter Vollkommenheit bei ihm vorhanden. Weil er nun groß ist, tut er Wunder. Die Vergebung ist eines dieser Wunder. Es gibt kein Wunder, das so wunderbar wäre wie die Vergebung unserer Sünden. Alles, was von ihm ausgeht, ist ein Wunder. Selbst das einfache Gänseblümchen ist ein Meisterwerk.

Das Wort “tust” steht hier in der Gegenwart. Der Herr tut jetzt gerade Wunder, sie finden vor unseren Augen statt.

Weise mir, Herr, deinen Weg, damit ich wandle in deiner Wahrheit. Richte mein Herz auf das eine, dass ich deinen Namen fürchte! Ps 86:11

Die Vorsehung bahnt mir einen Weg. Ich lege allen Eigenwillen ab und begehre nur in deinem heiligen und gnädigen Willen unterwiesen zu werden. Nicht meinen Weg sollst du mir freigeben, sondern deinen Weg mir weisen. Ich will dir folgen unbedingt. Hast du mich deinen Weg gelehrt, so gib mir auch ein ganzes Herz, den Weg zu gehen. Denn ach, wie oft ist es mir, als ob ich ein Doppelherz in mir hätte, zwei Naturen, die miteinander streiten, zwei Mächte, die in mir um die Herrschaft ringen. Ich weiß aber: Wer ein zwiespältiges Herz hat, ist unbeständig in allen seinen Wegen. Wir sollten Gott nie mit weniger als dem ganzen Herzen, der ganzen Seele und allen Kräften loben.

Ich will dich preisen, Herr, mein Gott, von ganzem Herzen, und deinem Namen Ehre erweisen auf ewig. Ps 86:12

Du aber, Herr, bist ein barmherziger und gnädiger Gott, langsam zum Zorn und von großer Gnade und Treue. Ps 86:15

Die Liebe Gottes ist eins und doch vielfältig. Sind wir traurig? Der Herr ist voller Mitleid. Haben wir mit Versuchungen zu kämpfen? Seine Gnade kommt uns zu Hilfe. Haben wir uns an ihm vergangen? Er ist langsam zum Zorn. Haben wir gesündigt? Bei ihm ist viel Vergebung. Stützen wir uns auf seine Verheißungen? Er wird sie mit ganzer Treue erfüllen.

Wende dich zu mir und sei mir gnädig! Verleihe deinem Knecht deine Stärke, und hilf dem Sohn deiner Magd! Ps 86:16

Tue an mir ein Zeichen zum Guten. Ps 86:17

Schau doch auf unsere Armut im geistlichen Leben und hilf uns aufstehen aus den kalten Winternächten des Herzens. Führe uns an Deiner Hand in das hellstrahlende Licht der wärmenden Sonne, welche Christus ist. Hilf uns in die Heilige Stadt, das himmlische Jerusalem, zu gelangen um im hellen Glanz des Lammes zu leben und Gott zu verherrlichen.

Psalm 87: Heimatrecht in Zion

Ein Loblied auf Zion, die Mutter aller Völker. Ps 87,1

Jerusalem war für den Psalmisten eine wahre Weltstadt, das heißt eine Mutter-Stadt, in deren Mitte der Herr selbst gegenwärtig ist. Die Kirche hat die Vision der heiligen Stadt in Psalm 87 immer auf sich selbst bezogen. Die Kirche ist die Mutter aller Völker, die sammelt und verbindet. Wer in der Kirche wohnt, erfährt Heil. Sinnbild dieser Stadt Zion ist weiter Maria, die das ewige Wort empfangen hat, um es der Welt zu schenken, damit wir in Jesus Christus selbst zu Bürgern des Himmlischen Jerusalem werden. In diesem Licht besingt das Christentum Maria als Tochter Zions, in deren Schoß das fleischgewordene Wort empfangen wird und in der Folge die Kinder Gottes geschaffen werden.

Der Herr liebt Zion, seine Gründung auf heiligen Bergen. […] Herrliches ist über dich verheißen, du Stadt Gottes! Ps 87:2-3

Von Jerusalem selbst heißt es: Alle seine Einwohner haben hier ihr Bürgerrecht! Ps 87:5

Vom himmlischen Jersualem spricht Paulus immer wieder. So schreibt er z.B. in Heb 12,22: “Ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem.” Durch die leibliche Geburt Gottes wurden die Kinder des irdischen Jersualems zu Kindern des himmlischen Jerusalems gemacht durch den Glauben an den Sohn Christus Jesus. Darum preisen unsere Lippen ihn, der die Quelle allen Lebens ist und im Kern das himmlische Jersualem selbst ist, in dem wir wohnen dürfen.

All meine Quellen entspringen in dir. Ps 87,7

Psalm 88: Verlassenheit und Todesnot

O Herr, du Gott meines Heils, ich schreie Tag und Nacht vor dir! Ps 88:2

Das ist ein Ausdruck des ernsthaften Gebets, wie auch unser Herr im Garten Gethsemane mit lautem Schreien und Tränen zu seinem Gott betete. Wir hören die Stimme des leidenden Erlösers. Dies nehmen wir uns zum Vorbild: durch alles Dunkel des Leidens hindurch unsere Zuflucht unmittelbar zu Gott als unserem Helfer nehmen, dem alleinigen Urheber des Heils für Leib und Seele. Unsere Klage ist keine Klage der Verzweiflung, sondern des Schmerzes, aber im Vertrauen auf eine zur von Gott bestimmten Zeit eintretenden Befreiung. Solcher Schmerz ist groß, aber nicht überwältigend. Er drückt uns aber er erdrückt ihn nicht. Wir sehen den Ausweg zwar nicht, aber wir sind nicht ohne Ausweg.

Lass mein Gebet vor dich kommen, neige dein Ohr zu meinem Flehen! Ps 88:3

Meine Seele ist gesättigt vom Leiden und mein Leben ist dem Totenreich nahe. Ich werde schon zu denen gerechnet, die in die Grube hinabfahren. Ich bin wie ein Mann, der keine Kraft mehr hat. Ps 88:4-5

Dass unser Herr, der allmächtige Gottessohn, Schöpfer und Erhalter aller Dinge, wie ein Sünder kraftlos wurde, ist ganz unbegreiflich. Er wurde in Schwachheit gekreuzigt. Dabei wurde er schwach, arm und elend fremder Schuld wegen. Unser Herr, der Gerechte, wurde von den Menschen zu den Gottlosen gezählt und wie ein Gottloser hingerichtet und danach wurde er von Gott selbst zu denen gerechnet, die ihrer Sünde wegen in die Grube fahren.

Ich liege unter den Toten, bin den Erschlagenen gleich, die im Grab ruhen, an die du nicht mehr gedenkst und die von deiner Hand abgeschnitten sind. Ps 88:6

Du hast mich in die unterste Grube gelegt, in die Finsternis, in die Tiefen. Auf mir lastet dein Grimm und du bedrängst mich mit allen deinen Wogen. Ps 88:7-8

Gott legte alle Sünde auf Jesus, weil Jesus sie aus freien Stücken auf sich nahm. Damals gingen dadurch alle seine Wogen über ihn. Das war die Passion Jesus Christus. Das nun ist das Werk unserer Erlösung. Den Zorn des Vaters über die abscheulichen Sünden der Menschen, die soweit gehen, Ihn auf jede Art und Weise zu beleidigen und zu kränken, nimmt Jesus auf sich. Du, Jesus bist immer bereit, uns zu verteidigen. So nötigst Du mit der bezaubernden Macht deiner Liebe den Vater, dein heiligstes Antlitz zu betrachten, das mit all dem Hohn und Spott bedeckt ist und sagst zu Ihm:

Mein Vater, missachte doch nicht deine armen Geschöpfe. Wenn Du durch sie belästigt bist, so bist Du durch Mich belästigt. O, hab doch Erbarmen. Ich trage all diese Beleidigungen auf meinem Angesicht, um Dir im Namen aller Ersatz zu leisten.

Ich rufe dich, Herr, täglich an, strecke meine Hände aus nach dir. Ps 88:10

Mein Gott, mein Gott, zu wem soll ich mich wenden um Trost, wenn nicht zu dir, zu dir, der du den bitteren Kelch der Verlassenheit bis zur Neige geleert hast, auf dass du ein Bruder der Einsamen würdest, ein barmherziger und treuer Hoherpriester für die verlassenen Seelen. Wie ein Kind, das im Dunkeln ist, schreit mein Herz nach dir. Es ruft nach deinen liebenden Armen, nach deiner tröstlichen Stimme, nach deinem durchbohrten Herzen, dass ich an ihm mein schmerzendes Haupt ausruhen und den Pulsschlag der Liebe spüren könne.

Ich aber schreie zu dir, Herr, und am Morgen kommt dir mein Gebet entgegen. Ps 88:14

Psalm 89: Gottes Verheißungen

Die Gnadenerweise des Herrn will ich ewiglich besingen, von Geschlecht zu Geschlecht deine Treue mit meinem Mund verkünden. Ps 89:2

Die Treue Gottes ist der Anker, an dem die Seele in Zeiten des Sturmes festen Halt findet. Was immer wir um uns her vorgehen sehen oder an uns selber erfahren mögen, wir sollen doch allezeit die Gnade des Herrn preisen, da diese ganz gewiss unwandelbar dieselbe bleibt, ob wir sie nun spüren oder nicht. Das Gefühl singt dann und wann, der Glaube immerdar. Bei ihnen sollte das Loben etwas Beständiges sein, da es unmöglich ist, dass Gottes Liebe zu ihnen sich verändert hat. Wir sollen nicht nur glauben, dass der Herr gnädig ist, sondern uns auch darüber freuen. Gottes Gnade ist die Quelle, aus der alle unsre Freude entspringt, und da diese Quelle niemals versiegen kann, so sollte auch der Strom unserer Freude nie zu fließen aufhören, sondern fort und fort in kristallklaren Liedern hervor sprudeln.

Ich sage: Auf ewig wird die Gnade gebaut, deine Treue gründest du fest in den Himmeln. Ps 89:3

Ich habe einen Bund geschlossen. Ps 89:4

Einen Bund hat er geschlossen, der Unsterbliche mit dem Sterblichen, der Allmächtige mit dem Schwächsten, der Allergerechteste mit dem Allerungerechtesten, der Reichste mit dem Ärmsten, der Allerseligste mit dem Elendesten! In Christus hat er nun einen neuen ewigen Bund mit dem Menschen geschlossen. Die Himmel brachen in Jubel aus über den Wundern der Gnade, welche die frohe Botschaft von Bethlehem enthüllte. Wer kommt ihm gleich? Der Herr ist in seiner Erhabenheit unvergleichlich. Darum wollen wir uns über diesen ewig gültigen Bund freuen.

Die Himmel werden deine Wundertat preisen. Ps 89:6

Wer in den Wolken ist dem Herrn zu vergleichen? Ps 89:7

Du beherrschst das ungestüme Meer. Wenn sich seine Wogen erheben, so stillst du sie. Ps 89:10

So stillte Jesus die Stürme Galiläas, denn er ist der Herr über alles. Was Jesus bei dieser einen Gelegenheit tat, das tut Gott fort und fort im Walten seiner Vorsehung. So beherrscht auch immerdar der Lenker des Weltalls den wie die Meereswogen aufbrausenden Willen der Menschen. Wie eine Mutter ihren Säugling in Schlaf lullt, so besänftigt der Herr das Ungestüm des Meeres, den Zorn der Menschen, den Sturm des Unglücks, die Wogen der Verzweiflung und die Wut der Hölle. Darum freuen wir uns an Ihm, der all unser Heil und all unser Begehren ist. Darum preisen wir dich, darum vertrauen wir dir, darum wollen wir uns nicht fürchten vor dem, was Menschen uns tun könnten.

Dein sind die Himmel, dir gehört auch die Erde, der Erdkreis und was ihn erfüllt. Du hast es alles gegründet. Ps 89:12

Du hast einen Arm voll Kraft. Stark ist deine Hand. Ps 89:14

Wohl dem Volk, das den Jubelschall kennt! O Herr, im Licht deines Angesichts wandeln sie. Ps 89:16

Ihnen ist es Freude genug, dass Gott ihnen gnädig ist. Dies Glück erquickt sie den ganzen Tag und stärkt sie, dass sie ihren Pilgerweg weiter wandeln. Ja in Gemeinschaft mit ihm wandeln und mit ihm in Herzensverbindung bleiben, das ist es, worauf es ankommt. Wer im Licht dieser Sonne wandert, stößt sich nicht, und wem dieser freundliche Schein ins Herz leuchtet, der lebt ohne Angst und kann jubilieren. Wandeln heißt aber vorwärts schreiten. Die Gnade macht unsre Knöchel fest, dass wir wandeln können, und sie wird uns im Fortschreiten und Fortwirken erhalten bis ans Ende.

Über deinen Namen frohlocken sie allezeit, und durch deine Gerechtigkeit werden sie erhöht. Ps 89:17

Es gibt keine Stunde des Tages, keinen Tag in unserm Leben, da wir nicht über seinen Namen frohlocken. Die Seele, die durch Christus Jesus mit Gott in einen Bund getreten ist, ist jede Eigenschaft Gottes eine Quelle der Wonne. Einen weiteren Anlass zur Freude brauchen wir nicht. Er ist unsre Zier und unser Ruhm, wenn wir stark sind in ihm, und er ist ebenso unser Trost und unsre Stütze, wenn wir im Bewusstsein unsrer Schwäche zittern. Außer ihm haben wir weder Stärke noch Schönheit.

Denn du bist ihr mächtiger Ruhm, und durch deine Gnade wird unser Horn erhöht. Ps 89:18

Der Herr ist unser Schild, ja, der Heilige Israels ist unser König. Ps 89:19

Ich habe die Hilfe einem Helden übertragen, einen Auserwählten aus dem Volk erhöht. Ich habe meinen Knecht David gefunden und ihn mit meinem heiligen Öl gesalbt. Ps 89:20-21

Auf ihm ruhte der Geist ohne Maß und dieser machte ihn tüchtig zu all den Aufgaben der Liebe, zu welchen er ausgesondert war. Wir haben nicht einen Heiland, der sich selber dazu aufgeworfen hat, sondern einen, der von Gott uns gesandt ist. Das Öl, mit dem er geweiht ist, ist Gottes eigenes heiliges Salböl. Er ward von Gott selber ausgestattet mit dem Geist der Heiligkeit. Die Allmacht Gottes bleibt fort und fort mit Jesus in seinem Werke als der Befreier und Beherrscher seines Volkes.

Meine Hand soll beständig mit ihm sein, und mein Arm soll ihn stärken. Ps 89:22

Kein Feind soll ihn überlisten, und der Sohn der Ungerechtigkeit soll ihn nicht unterdrücken. Ps 89:23

Er wird zu mir rufen: Du bist mein Vater, mein Gott und der Fels meines Heils! Ps 89:27

Vater! Nie war ein Sohn kindlicher in seinen Bitten als dieser, welcher der Erstgeborene unter vielen Brüdern sein sollte: Jesus Christus. Mein Gott! So rief unser Heiland seinen Vater, selbst da er am Kreuze hing. An seinen Vater wandte er sich um Hilfe, da er in Gethsemane in den tiefsten Nöten war, und ihm befahl er seinen Geist in dem Augenblick seines Sterbens. In dieser echten Kindesart des Flehens sollten alle wahren Gotteskinder ihm nachahmen. Zu Gott sagen: Du bist mein Vater, dazu verhelfen uns weder Gelehrsamkeit noch Reichtum der Gaben, sondern nur die neue Geburt.

Ich will ihn zum Erstgeborenen machen, zum Höchsten der Könige auf Erden. Ps 89:28

Auf ewig bewahre ich ihm meine Gnade, und mein Bund soll ihm fest bleiben. […] Meine Gnade will ich ihm nicht entziehen und meine Treue nicht verleugnen. Ps 89:29;34

Er liebt einen jeden von uns und seine Treue ist so tief, daß sie sich auch von unserer Ablehnung nicht entmutigen läßt. Die Treue ist einer der ewig unveränderlichen Kennzüge des göttlichen Wesens, und in ihr offenbart Gott stets sonderlich seine Herrlichkeit. Wie tröstlich und glaubens stärkend ist es, Gott so entschlossen zu sehen! Er bekräftigt in den vorliegen den Worten seinen Bund und bekennt sich aufs Neue zu den von ihm aus freier Gnade übernommenen Verpflichtungen. Gott ist treu, selbst wenn wir untreu sind.

Meinen Bund will ich nicht ungültig machen und nicht ändern, was über meine Lippen gekommen ist. Ps 89:35

Und doch hast du verstoßen und verworfen und bist zornig geworden über deinen Gesalbten. Ps 89:39

Hier nun fangen verschiedene Klagen an. Gott duldet es, wenn wir klagen und unser innerstes Seeleleben vor ihm ausbreiten. Die Absicht der Klage ist doch sein Innerstes vor Gott zu entladen, und dem Zweifel und der Ungeduld zu begegnen. Entscheidend ist, um den Glauben zu kämpfen und ihn zu bewahren. Darum mündet die Klage am Ende in den Preis Gottes. Der Beter bezeugt am Schluss des Psalms durch den Lobpreis Gottes seinen stillen, gehorsamen Sinn und verbessert oder mäßigt dadurch seine Klagen.

Gepriesen sei der Herr ! Amen, ja, Amen! Ps 89:53