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Psalm 90-99

Psalm 90 bis 99

Psalm 90: Der vergängliche Mensch

Herr, du bist unsere Zuflucht. Ps 90:1

Das Unterwegssein mit Christus ist eine Kraft, die uns hilft die Kreuze und die damit verbundene Mühsal zu tragen. Wenn wir seine große Liebe in uns tragen, dann verleiht uns das Flügel, welche uns alle Beschwernisse des Lebens leichter ertragen lässt. Sich von Gott in Jesus Christus lieben zu lassen ist das kräftigende Licht. Unsere Verantwortung ist es dabei, das Fenster unserer Seele zu öffnen, damit dieses Licht Gottes in uns eintreten kann, auch wenn wir es hier und da nicht offensichtlich spüren.

Der Christ aber muss ständige Gemeinschaft mit Gott halten, muss in Gott wohnen, nicht nur je und dann zu ihm laufen. Thomas Manton

Ehe die Berge wurden und du die Erde und den Erdkreis hervorbrachtest, ja, von Ewigkeit zu Ewigkeit bist du Gott! Ps 90:2

Ist er ewig, war ihm keiner zuvor. Ist ihm keiner zuvor, ist er Anfang und Urheber aller Dinge und aller Menschen. Ist er Urheber von allem, ist er allmächtig. Ist er allmächtig, hat er alles gewirkt. Er hat uns erschaffen und er lässt unseren Leib wieder zu Staub werden. Ein Wort hat ihn geschaffen, ein Wort lässt ihn zum Staub zurück kehren. Der Mensch kehrt dem Leibe nach zum Staub zurück, aus dem er gemacht, dem Geiste nach aber zu Gott, der ihn er schaffen hat.

Du lässt den Menschen zum Staub zurückkehren und sprichst: Kehrt zurück, ihr Menschenkinder! Ps 90:3

Du lässt sie dahinfahren wie eine Wasserflut, sie sind wie ein Schlaf, wie das Gras, das am Morgen aufsprießt. Am Morgen blüht es und sprießt, am Abend welkt es und verdorrt. Ps 90:5‭-‬6

Für die Mönche war es seit jeher eine wichtige spirituelle Übung, sich täglich den Tod vor Augen zu halten. Diese Übung soll uns aber keine Angst machen, sondern uns zu einem intensiven Leben führen. Einer der alten Mönchsväter wurde einmal gefragt, warum er nie Angst habe. Darauf antwortete er: Weil ich mir täglich den Tod vor Augen halte. Wenn ich akzeptiere, dass ich begrenzt bin, dann lebe ich bewusst. Ich nehme jedes Gespräch wahr, als ob es das letzte sein könnte. Ich gehe durch die Natur mit dem Gefühl, dass es der letzte Frühling sein könnte, den ich erlebe. Dann werde ich alles intensiver erleben. Wenn ich meine begrenzte Zeit akzeptiere, dann wandelt sich die Angst vor dem Tod in eine Zustimmung zum Leben und in ein Bejahen des Augenblicks. Ich erlebe dann jeden Augenblick als die wichtigste Zeit. Ich lebe im Jetzt. Und es gibt nichts Wichtigeres, als diesen Augenblick bewusst zu leben, bewusst anderen Menschen zu begegnen, bewusst die Natur zu erleben. Anselm Grün

Wir werden nie weise werden, bis wir jeden Tag als unseren letzten rechnen. Augustinus

Unser Leben währt siebzig Jahre, und wenn es hoch kommt, so sind es achtzig Jahre und worauf man stolz ist, das war Mühsal und Nichtigkeit, denn schnell enteilt es, und wir fliegen dahin. Ps 90:10

Bedenke deinen Tod. Unbestimmt ist der Tag deines Todes, wo wir von allem Weltlichen Abschied nehmen müssen, von allem Besitz, von Menschen, ja von unserem Leib selbst, der schon ein paar Tage nach unserem Tod vergraben wird. Nachher wird kaum noch jemand an dich denken. Herr, gib ihm die ewige Ruhe, wird man sagen, das ist alles. Tod, wie bist du gewaltig! Bete zu Gott. Wirf dich in seine Arme. Da du die Stunde nicht kennst, zu der du die Welt verlassen mußt, hänge dein Herz nicht an die Welt. Danke Gott, daß er dir die Mittel bietet, dich für diesen Tag zu sichern und dir Zeit zur Buße gewährt. Meine Sorge sei, daß der Übergang ins Jenseits ein glücklicher werde.

Möge Gott Deinen Geist stärken, damit Du jeden Tag in seiner Wahrhaftigkeit handeln kannst. Gott allein ist das Ziel und der Grund unseres irdischen Lebens. Bevilacqua Giuseppe Pietro

Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen. Ps 90,12

Memento mori, gedenke, dass du sterben wirst. Das, wonach wir uns gierig-neidisch im materiellen, psychischen und spirituellen Bereich sehnen, wird vergehen. Wir gehen irgendwann alle gleich von dieser Welt. Das im Tiefsten zu erkennen und zu fühlen, verändert unser Leben, wie wir jeden Tag begehen. Darum: Memento Mori! So mahnt uns auch Teresa von Avila: „Gedenke, dass du nur eine Seele hast und nur einmal sterben wirst; dass du nur ein Leben, und zwar ein kurzes, dir selbst eigenes Leben hast, dass es nur eine, und zwar ewige Glorie gibt! Auf diese Weise wirst du von vielen Dingen lassen.“

Kehre zurück, o Herr! Wie lange noch? Und hab Erbarmen mit deinen Knechten! Ps 90:13

Wie die Sünde Gott von uns wegtreibt, so schreit die Buße zum Herrn, dass er wiederkehre. Wende dich doch wieder zu uns in Barmherzigkeit. Deine Nähe allein kann uns mit der Flüchtigkeit des Lebens aussöhnen. Denn die Freude, mit welcher uns die Gegenwart des Herrn erquickt, kann niemand von uns nehmen. Selbst der Tod kann keinen Kummer bereiten, welche die Gnade Gottes empfinden. Denn wir sehen nichts, das wir fürchten müssten. Wir sind Zeit unseres Lebens täglich fröhlich über Gottes Gnade und überlassen unsere Zukunft seinen liebenden Händen.

Sättige uns früh mit deiner Gnade, so wollen wir jubeln und fröhlich sein unser Leben lang. Ps 90:14

Schenke uns deine Liebe jeden Morgen neu! Dann können wir singen und uns freuen, solange wir leben! Ps 90:14

Unser Leben ist kurz. Unserer Körper kehrt schon bald zum Staub zurück. Wir sind wie Gras, das aufblüht und wieder verwelkt. Ende Gelände! Am Ende des Lebens steht das große Kreuz des leiblichen Todes. Alles ist vergänglich, nun eben auch wir. Darüber müssen wir uns aber nicht betrüben, wir haben ja eine unüberbietbare Hoffnung! Vielmehr sollen wir darauf schauen, dass Gott uns jeden Morgen neu seine Liebe schenkt. Das ist der Grund der wahren Freude, solange wir leben, unabhängig davon, welche Kreuze uns begegnen. Im Gebet empfangen wir ganz bewusst diese Liebe.

Lass deinen Knechten dein Walten sichtbar werden, und deine Herrlichkeit ihren Kindern! Ps 90:16

Die Freundlichkeit des Herrn, unsres Gottes, sei über uns, und das Werk unsrer Hände fördere du für uns. Ps 90:17

Die Freundlichkeit des Herrn begleitet uns, leitet uns und tut uns Gutes. Sie fördert das Werk unserer Hände. Das wichtigste Werk seines Lebens ist der Mensch selbst, das innere Werk der Verwandlung in Christus hinein. Wo dieses innere Werk gelingt, kann und hat der Mensch nichts anderes und mehr als vorher, aber er ist anders und mehr geworden, neu geschaffen in Christus, in dem das ewige Leben ist. Dieses Werk in uns fördert Gott in seiner Liebe.

Psalm 91: Unter Gottes Schutz

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt, der bleibt unter dem Schatten des Allmächtigen. Ps 91:1

Je näher wir uns dem allmächtigen himmlischen Vater anschmiegen, desto zuversichtlicher dürfen wir sein. Wer durch Gottes reiche Gnade in beständiger Gemeinschaft mit Gott steht, sodass er in Christus bleibt und Christus in ihm, der genießt große Segnungen. Dieser Schutz ist beständig. Er ist allgenügend. In Gott liegt alles und mehr als alles, was sich an Sicherheit denken lässt.

Ich sage zu dem Herrn: Meine Zuflucht und meine Burg, mein Gott, auf den ich traue! Ps 91:2

Mag das Schiff diesen oder jenen Kurs nehmen, mag dieser oder jener Wind es treiben, die Kompassnadel wird doch stets nach Norden zeigen. Mag nicht nur um uns herum, sondern auch in uns alles drunter und drüber gehen, mag unsere Seele traurig oder fröhlich, unruhig oder friedlich sein, immer soll unser Herz, unser Geist und der höhere Wille gleich der Kompassnadel unablässig auf die Gottesliebe als ihr einziges und höchstes Gut schauen und ausgerichtet sein. Diese so wichtige persönliche Entscheidung, niemals Gott zu verlassen und seine beglückende Liebe aufzugeben, dient der Seele als Gegengewicht, um sie in Gelassenheit zu halten, unabhängig davon, was um uns herum passiert.

Ja, er wird dich retten vor der Schlinge des Vogelstellers und vor der verderblichen Pest. Ps 91:3

Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und unter seinen Flügeln wirst du dich bergen. Seine Treue ist Schirm und Schild. Ps 91:4

Wer sieht darin nicht eine unbegreifliche Liebe, eine göttliche Zärtlichkeit, die unser Vertrauen wecken und gewinnen soll? Ja, wie die Henne ihre Küken unter ihre Flügel birgt, so schützt der Herr die Seelen. Der der Sünde und dem Tod verfallene und tausend Feinden ausgesetzte Mensch findet in Gott Wärme und Sicherheit. Kühn, dass ein Sänger es wagen darf, Gott mit einer Henne zu vergleichen und anrührend, weil es in unübertrefflicher Weise etwas vom Wunder der Erlösung zum Ausdruck bringt: Wie sich der große und unumschränkte Gott zu Sündern herabneigt, ist ein Wunder, das unaussprechlich ist.

Du brauchst dich nicht zu fürchten vor dem Schrecken der Nacht, vor dem Pfeil, der bei Tag fliegt. Ps 91:5

Wie gesegnet ist doch die Gemeinschaft mit Gott, die uns gegen alle Schrecken schützt! Der Schatten des Allmächtigen nimmt dem Schatten der Nacht. Nicht dass wir aus jeder besondern Gefahr oder Trübsal buchstäblich gerettet werden sollen, aber alles muss zu unserem größeren Wohl dienen und je mehr wir leiden, desto größer wird unsere Herrlichkeit sein. Wir sehen nicht den Pfeil, der am Tage fliegt. Wir spüren ihn erst, wenn er uns ins Fleisch gefahren ist. Aber Gott sieht den Pfeil heranschwirren. Das todbringende Geschoss steht unter seinem Auge still.

Der Herr ist meine Zuversicht! Den Höchsten hast du zu deiner Zuflucht gemacht. Ps 91:9

Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen. Ps 91:11

Dein Schutzengel, er weilt Tag und Nacht bei dir, zu jeder Zeit an jedem Ort, von Gott selbst geschickt. Er holt dich zurück aus dem so gern erinnerten Gestern. Er holt dich zurück aus dem lebhaft vorgestellten Morgen. Und er stellt dich in das so wertvolle Heute, beschützend, fürsorglich. Mit all meinem Stress bei der Arbeit oder in der Familie oder auch meiner Einsamkeit begleitet er mich. Er setzt die Zusage Gottes um: Ich dein Gott bin bei dir. Ich sende dir meine Engel, um dich zu leiten und zu schützen. Sprich heute Mal wieder bewusst mit deinem Schutzengel und bedanke dich bei Gott, dass er da ist. Gott segne dich und diesen Tag, deine Gedanken, Worte und Werke.

Auf den Händen werden sie dich tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt. Ps 91:12

Ein Stoßen des Fußes an einem Stein scheint unbedeutend. Dieses Behüten des Fußes muss aber keine leichte Aufgabe sein, da Engel damit beauftragt werden. So ist es in der Tat: denn das Schwierige der Nachfolge Christi ist das tägliche Aufsichnehmen des Kreuzes, viel mehr als besondere Taten unter außergewöhnlichen Umständen. Wir wissen doch, dass die Gefahr viel größer ist, dass wir in kleinen Dingen zurück bleiben: Temperament und Zunge in Zucht halten, liebevoll miteinander umgehen, kleine Verfehlungen des anderen sofort verzeihen und allerlei mehr.

Auf den Löwen und die Otter wirst du den Fuß setzen, wirst den Junglöwen und den Drachen zertreten. Ps 91:13

Weil er sich an mich klammert, darum will ich ihn erretten. Ich will ihn beschützen, weil er meinen Namen kennt. Ps 91:14

Kennen ist hier mehr als bloß geistig Erfassen. Vielmehr bedeutet es, sich in Liebe jemandem zu zuneigen, sich in Liebe mit jemandem verbinden. Wer wahrhaft glaubt, der liebt seinen Gott und das zeigt sich daran, dass er an ihm hängt. Er weiß sich geliebt und liebt deshalb zurück. Er weiß sich auch abhängig und hängt sich darum an Gott. Er weiß sich hilflos und klammert sich darum an den einzigen wahren Helfer. Nicht weil er so große Verdienste hat, dass er um ihretwillen beschützt werden müsste, sondern weil er bei allen seinen Mängeln doch Gott liebt: darum werden nicht nur die Engel Gottes, sondern der Gott der Engel selbst in allen Zeiten der Gefahr zu seiner Rettung erscheinen und ihn herrlich befreien.

Ruft er mich an, so will ich ihn erhören. Ps 91:15

Welche Zuversicht gibt das uns, die wir unsere Hilflosigkeit täglich spüren, dass die Ohren des starken Gottes auf unser Rufen gerichtet sind. Wir müssen sicherlich auch durch dunkle Täler, zuweilen durch Wasser und durch Feuer. Aber unser Gott ist mit uns. Er wird uns befreien. Gott wird die Seinen nicht für immer in der Drangsal belassen. Die Tage sind genau gezählt. Wenn die Stunde gekommen ist, reißt Gott uns heraus. Denn seine Kraft ist größer ist als die Kraft aller Mächte, die uns gefangen halten. Jede dieser Befreiungen aus zeitlicher Not ist ein Angeld auf die endgültige Befreiung, wo Gott die Seinen zu sich nehmen wird.

Ruft er mich an, so will ich ihn erhören. Ps 91:15

Wenn er mich anruft, dann will ich ihn erhören. Eine wunderbare Verheißung spricht Gott uns da zu. Unser Gebet wird nicht ungehört verhallen, wenn wir den Herrn anzurufen. All unser Beten beginnt im Kern damit, den Herrn anzurufen. Das bedeutet, sich bewusst in die Gegenwart Gottes zu versetzen. Das ist der erste und wichtigste Schritt auch zu einem kontemplativen Beten. Dieses Beten verlangt uns die Entscheidung ab, sich täglich bewusst eine Zeit der Stille zu reservieren. Erfahrungsgemäß wird es eine Zeit am Morgen sein vor der Geschäftigkeit des Alltags.

Ich bin bei ihm in der Not. Ps 91:15

Er neigt sich herab, um denen nahe zu sein, die betrübten Herzens sind, dass er bei uns sei in der Not. Es ist mir besser, in der Not zu sein, Herr, wenn du nur bei mir bist, als ohne dich zu herrschen, ohne dich Feste zu feiern, ohne dich geehrt zu werden. Es ist besser, in der Not von deinen Armen umfangen zu sein, besser, dich im glühenden Ofen der Trübsal bei mir zu haben, als selbst im Himmel zu sein ohne dich. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Im Schmelztiegel wird das Gold erprobt, und in der Anfechtung der Not bewährt sich der Gerechte. Bernhard von Clairvaux

Ich befreie ihn und bringe ihn zu Ehren. Ps 91:15

Gott allein vermag die Sehnsucht unseres Herzens zu stillen. Nur in ihm sind wir liebenswert. Nur durch ihn, können wir befreit unser eigenes Ego loslassen. Nur durch ihn lernen wir, einander zu dienen anstatt übereinander zu herrschen. Das ist immer ein Prozess innerer Läuterung und Reinigung. Ein Prozess, an dessen Ende auch die befreiende Versöhnung mit Gott stehen kann wie beispielsweise im Empfang des Bußsakramentes. So bringt der Geist uns immer neu zu Ehren und erneuert unsere Würde als Kinder Gottes, als Schwestern und Brüder Jesu Christi.

Ich sättige ihn mit langem Leben. Ps 91:16

Dies beschreibt den österlichen Sieg über die Macht des Bösen. Wo das Geschöpf zum Schöpfer zurückfindet und der Mensch in Gott zur Ruhe kommt, wird er satt an langem Leben. Dabei bedeutet die Formulierung langes Leben nicht, einfach nur viele Jahre zu leben. Langes Leben bezieht sich auf die Lebensqualität. Es bedeutet, dass der Mensch aus der Vereinigung mit Gott allem Tiefe abzugewinnen vermag. Er lebt nicht mehr an der Oberfläche. In Allem, Guten wie Bösen, dringt er auf den Grund vor, auf Gott selbst. Er sucht nicht mehr die Gaben, sondern den Geber alles Guten und mit ihm das ewige Leben.

Ich lasse ihn mein Heil schauen. Ps 91:16

Psalm 92: Freude am Lob Gottes

Wie gut ist es, dir, Herr, zu danken und deinen Namen, du höchster Gott, zu besingen. Ps 92:2

Sein Name sagt, wer er ist und was er seinem Volk geworden ist. Er ist der Herr, der ewig Seiende. Ist er der Höchste, ist niemand über ihm. Ist niemand über ihm, sind alle ihm untertan. Sind sie ihm untertan, sind sie von ihm abhängig. Niemand hat ihm etwas gegeben, dass er diesem eine Wohltat schuldete. Gut ist’s also, zu danken und seinen Namen zu besingen nicht allein in Gottes Augen, sondern auch für den Menschen, für den dies heilsam ist: wohlgefällig nach oben und wohltuend nach innen

Danken ist an sich edler und vollkommener als bitten, denn beim Bitten haben wir unser Wohlergehen im Auge, beim Danken aber nur Gottes Ehre.

Schon früh am Morgen deine Gnade zu loben und noch in der Nacht deine Treue zu preisen. Ps 92:3

Es gibt zwei Zeiten des Tages, die besonders bedeutungsvoll sind: der Morgen und der Abend. Wir Heutigen fühlen diese Bedeutung nicht mehr so stark, weil der Aufgang des Lichtes und der Einbruch der Nacht nicht mehr die Gewalt haben wie bei dem Menschen, der noch tiefer im Zusammenhang der Natur stand. Irgendwie empfinden aber auch wir, dass
im Anfang des Tages der Anfang unseres Lebens wiederkehrt und am Ende des Tages das Ende unseres Lebens sich vorentwirft. Das sind die gegebenen Zeiten der Anbetung. Romano Guardini

Nach der Ruhe der Nacht ist unser Geist gesammelter und empfänglicher als sonst. Zu andern Tageszeiten stört uns der Lärm des geschäftgen Treibens, an uns selber kommen so vielerlei Anforderungen, und wir werden von Mattigkeit niedergedrückt. So lasst uns das Morgengebet pflegen. Und am Abend lasst uns zurückschauen darauf, wo uns Gott geholfen hat.

Herr, was du tust, macht mich froh, und ich juble über deine großen Taten. Ps 92:5

Es ist eine Freude, Gottes Werk in der Schöpfung und Erlösung zu betrachten, ihre Vollkommenheit zu bewundern und darüber Gottes Macht, Weisheit und Güte zu preisen. Bedenken wir ferner, dass Gottes Tun uns nicht nur das irdische Leben, sondern darüber hinaus das ewige Leben bereitet hat, freuen wir uns noch mehr. Mit den Worten von Thomas von Aquin: Wir danken Gott für seine Wohltaten und lob singen ihm wegen seiner Vollkommenheiten.

Wie machtvoll sind deine Werke, und wie tief sind deine Gedanken! Ps 92:6

Wer Gott liebt, gleicht einer immer grünen Palme. Ps 92:13

Im Psalm 92 steht das hoffnungsvolle Bild vom Palmbaum, das mich sehr beeindruckt hat. Der Palmbaum wächst nicht schnell, steht aber jahrhundertelang. So ist es auch in unserem geistlichen Leben. Bleibende Veränderungen vollziehen sich oft langsam. Gerade deshalb braucht es immer wieder die Hoffnung als Motor. Der Palmbaum wächst in der Wüste. Auch wir sollten stets dem Himmel entgegenwachsen, unabhängig äußerer Umstände, die oft einer Wüste gleichen, immer voll Hoffnung gegen alle Hoffnung. Der Palmbaum wächst im Sand, aber der Sand ist nicht seine Nahrung. Wasser holt er aus der Tiefe über die Wurzel Jesus Christus. Wer mit ihm verbunden bleibt, wird Frucht bringen. Die schönen Palmzweige sind ein Sinnbild des Sieges, den Jesus für uns errungen hat und diese fallen weder im Winter ab, noch bekommen sie im Sommer ein Feierkleid. Sie sind immer grün, grün wie die Hoffnung.

Er ist wie ein Baum, der im Vorhof des Tempels gepflanzt wurde und dort wachsen und gedeihen kann. Noch im hohen Alter wird er Frucht tragen, immer ist er kraftvoll und frisch. Psalm 92:14-15

Bei Gott bin ich sicher und geborgen. Ps 92:16

Unser Leben als Christen wurzelt in dem Glauben an die Liebe Gottes: Wir sind ja nicht allein, sondern haben einen Vater, der uns liebt. In diesem Vertrauen können wir auch dann leben, wenn uns etwas bedrückt. Manchmal ist es die Angst vor der Zukunft, die Sorge um die Gesundheit, das Bangen um die eigene Familie, der Zweifel am Gelingen einer Arbeit, die Unsicherheit im Verhalten in einer bestimmten Situation, der Schreck über eine schlechte Nachricht, Ängste aller Art. Und genau in diesen Augenblicken möchte Gott, dass wir an seine Liebe glauben, ihm vertrauen. Wir dürfen unsere Sorgen auf ihn werfen, sie bei ihm abladen. Chiara Lubich

Psalm 93: Der Herr ist König

Der Herr regiert als König! Er hat sich mit Majestät bekleidet. Der Herr hat sich bekleidet, er hat sich umgürtet mit Macht. Ps 93:1

Der Psalmist feiert das aktive Königtum Gottes, das heißt sein wirksames und heilbringendes Handeln, das die Welt erschaffen und den Menschen erlöst hat. Der Herr hat regiert, regiert und wird regieren immer und ewiglich. Auferstanden aus den Toten und in den Himmel aufgefahren, regiert der Herr Jesus. Das bekennt ein erlöstes Volk, das ihm, weil es ihn kennt, willig dient. Seit Anbeginn war Gott als der Schöpfer der unumschränkte Herr des Universums. Er war in besonderer Weise der König Israels und nun ist ein neues, ein geistliches Königtum errichtet durch Jesus Christus, den Erlöser, den die Kirche erhebt und dem sie ohne Unterlass ihr Lob singt. Mögen wir frohlocken, dass die Autorität, der wir uns unterstellt haben, von einem unsterblichen Herrscher ausgeübt wird, dessen Regiment von aller Ewigkeit her besteht und noch blühen wird, wenn alle erschaffenen Dinge für immer vergangen sein werden.

Der Herr ist König, er hat sich mit Schönheit bekleidet. Das heißt, er, der zuvor in der Niedrigkeit des Fleisches erzitterte, erstrahlt jetzt in göttlicher Majestät. Origines

Dein Thron steht fest von Anbeginn. Von Ewigkeit her bist du! Ps 93:2

Die Wasserströme brausen stark, die Wasserströme schwellen mächtig an, doch mächtiger als das Brausen großer Wasser, mächtiger als die Meereswogen ist der Herr in der Höhe! Ps 93:3-4

Im Zentrum des Psalms wird Gottes Allmacht offenbar, anschaulich dargestellt von den Wasserfluten. Für uns ist das ein Bild: Schaue nicht so sehr auf deine Not, sondern vielmehr auf deinen Erretter, lass dich deine Verbindung mit Gott stärken. Die Gefahr mag deinem Widerstand überlegen sein, aber nicht Gottes Beistand. Die Macht der Not mag deine Kraft übersteigen, aber die Macht des Gottes, der mit dir ist, kann sie nicht übertreffen. Darum lerne es doch, Gott in seiner Kraft zu erproben, ihm in schwierigen Lagen zu vertrauen. Der Seemann schaut in der Not zum Himmel aus. So tu du desgleichen.

Deine Zeugnisse sind sehr zuverlässig. Deinem Haus geziemt Heiligkeit, o Herr, für alle Zeiten. Ps 93:5

Gottes Wesen unterliegt keiner Veränderung. Wie der Fels mitten in dem Aufruhr des Meeres unbeweglich feststeht, so widersteht die göttliche Wahrheit all den wechselnden Strömungen der menschlichen Meinungen und all den Stürmen der menschlichen Zänkereien. Er ist der Erhabene und er ist der Mächtige, und er wohnt unter den Seinigen. O du, der du ein so erhabener und gnädiger König bist, herrsche über uns immerdar!

So endet ein kurzer, aber bewegender Hymnus. Er ist ein Gebet, das den Gläubigen Vertrauen und Hoffnung einflößt, wenn sie oft beunruhigt sind und fürchten, von den Umwälzungen der Geschichte verschlungen und von dunklen, bedrohlichen Mächten ergriffen zu werden. Johannes Paul II

Psalm 94: Richter der Welt

Leuchte hervor! Erhebe dich, du Richter der Erde. Ps 94:1-2

Der Richter, der kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten, ist zugleich der Retter, der gekommen ist, den Verlorenen bis ins Äußerste nachzugehen. Christus als Richter und Retter wird seine Gerechtigkeit und seine Gnade im richtigen inneren Verhältnis behalten. Denn die Gnade ist nicht ein Schwamm, der alles Falsche und Böse einfach wegwischt. Das bekräftigt Papst Benedikt XVI. in seiner Enzyklika über die Hoffnung: Die Missetäter sitzen am Ende nicht neben den Opfern in gleicher Weise an der Tafel des ewigen Hochzeitsmahls, als ob nichts gewesen wäre. Das endgültige Gericht gebührt nur Gott, der die Liebe ist, Deus caritas est. Deswegen ist das Gericht Gottes Hoffnung, sowohl weil es Gerechtigkeit wiewohl weil es Gnade ist. Anton Štrukelj

Nehmt doch Verstand an, ihr Unvernünftigen unter dem Volk! Ihr Toren, wann wollt ihr einsichtig werden? Ps 94:8

Der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht hören? Der das Auge gebildet hat, sollte der nicht sehen? Ps 94:9

Er schenkte euch das Gehör und sollte selbst nicht hören können? Er gibt uns das Gesicht. Ist es denkbar, dass er selbst ohne Sehvermögen sei? Die drei besten Schutzmittel gegen das Fallen in die Sünde sind, nach einem weisen Rat der Rabbiner, diese: stets daran zu denken, dass es erstens ein Ohr gibt, das alles hört, zweitens ein Auge, das alles sieht, und drittens eine Hand, die alles in das Buch des Wissens trägt

Der die Völker züchtigt, sollte der nicht strafen, er, der die Menschen Erkenntnis lehrt? Ps 94:10

Der Herr erkennt die Gedanken der Menschen, dass sie nichtig sind. Wohl dem Mann, den du, Herr, züchtigst, und den du aus deinem Gesetz belehrst. Ps 94:11-12

Der mit Trübsal heimgesuchte Gläubige ist in der Lehre. Er wird für etwas zubereitet, und alles, was ihm widerfährt, dient zu seinem höchsten Guten. Darum ist er ein gesegneter, glücklicher Mensch, wie sehr immer seine äußere Lage anscheinend das Gegenteil beweist. Die Seligpreisung zeigt, dass das wahre Glück des Menschen sich nicht mit den eitlen Wünschen des Menschen deckt. Wer will schon geschlagen, in seinem Lauf aufgehalten und auf eine andere Bahn gelenkt werden? Wen Gott lehrt, der glaubt, und wer glaubt, kommt zur Ruhe, zur Ruhe vom bösen Gewissen und zur Ruhe von eigenen Werken.

So verschaffst du ihm Ruhe vor Tagen des Unglücks. Ps 94:13

Wer tritt für mich ein? Ps 94:16

Es ist der Richter der Erde! Es ist gerade die Bedrängnis, die den Heiligen lehrt, dass der Herr sein einziger Helfer und dass der Herr auch der einzige gerechte Richter ist. Wir spüren unsere Schwäche, wir sehen die dringende Gefahr und schreien auf vor Angst. In solchen Zeiten kann uns nichts als Gnade helfen. Das ist aber unser Trost und unsere Freude, dass die Gnade ewig währt und allezeit erfahrbar ist, uns aus der Gefahr zu reißen. O du treuer Menschenhüter, sei gepriesen immer und ewiglich! Wir wollen den Herrn preisen allezeit, sein Lob soll immerdar in unserem Mund sein!

Wäre der Herr nicht meine Hilfe gewesen, wenig fehlte und meine Seele hätte in der Totenstille gewohnt! Ps 94:17

So oft ich aber sprach: Mein Fuß ist wankend geworden, hat deine Gnade, o Herr, mich gestützt. Ps 94:18

Bei den vielen Sorgen in meinem Herzen erquickten deine Tröstungen meine Seele. Ps 94:19

Wenn der schweren Gedanken in meinem Innern viel waren, wenn ich von Zweifeln, Sorgen, verwirrenden Fragen und bangen Ahnungen hin und her getrieben wurde, ich dann aber zu dir, meiner wahren Ruhe, Zuflucht nahm, so erfreuten deine Tröstungen meine Seele. Ja, von meinen sündigen, meinen eitlen, meinen traurigen Gedanken, von meinen Schmerzen, meinen Sorgen, meinen Kämpfen will ich zum Herrn fliehen. Er hat göttliche Tröstungen, die werden mich nicht nur beruhigen, sondern wahrhaft erquicken. Wie köstlich ist der Trost, mit dem der Heilige Geist das Herz erfüllt!

Der Herr ist meine sichere Burg geworden, mein Gott der Fels, bei dem ich Zuflucht gefunden habe. Ps 94:22

Vielleicht merken wir es zunächst kaum, aber wir werden vorankommen: entschlossen und festen Schrittes, im Einklang mit Gott und in der sicheren Überzeugung, daß an der Seite des Herrn auch Schmerz, Selbstverleugnung und Leiden süß sind. Wie stark fühlt sich ein Kind Gottes, wenn es sich so nahe beim Vater weiß! Deshalb bin ich sicher aufgehoben bei Dir, mein Herr und mein Vater, geschehe, was da wolle, denn Du bist mein Fels und meine Burg. Josemaria

Fest wie ein Fels ist Gottes Liebe. Dahin fliehen wir, um uns zu bergen. Bei ihm, ja bei ihm allein finden wir sicheren Schutz, tobe die Welt, wie sie will.

Psalm 95: Anbetung und Gehorsam

Kommt, lasst uns dem Herrn zujubeln und jauchzen dem Fels unsres Heils! Ps 95:1

Gott ist der Fels unseres Heils. In ihm und bei ihm finden wir felsenfest inneren Frieden, solange wir unser Herz nicht verhärten und auf seine Stimme hören. Wenn wir Gott in Demut nahen und innerlich uns vor ihm verneigen, niederfallen und niederknien, dann nimmt er uns an die Hand und kümmert sich um uns, wie ein Hirte um seine Herde. Gerate ich in Zweifel, Gott bleibt fest wie ein Fels. Schwanke ich, Gott steht unerschütterlich. Werde ich untreu, Gott bleibt treu.

Lasst uns ihm begegnen mit Lobgesang und mit Psalmen ihm zujauchzen! Denn der Herr ist ein großer Gott. Ps 95:2-3

Kommt, wir wollen ihn anbeten und uns vor ihm beugen. Lasst uns niederknien vor dem Herrn , unserem Schöpfer! Ps 95:6

Wann bin denn ich das letzte Mal vor Jesus auf die Knie gegangen? Nicht in der Kirche, wenn sich alle hinknien. Sondern ich, ganz persönlich, in einem Moment der Anbetung oder einem Moment der Bitte. Sich vor jemanden hinknien bedeutet, ihm die höchste Ehrfurcht und das größte Vertrauen entgegenzubringen. Wie gut tut es unserer Seele, wenn wir uns immer wieder vor Gott hinknien. Wenn diese äußere Geste auch einem innerlich vollzogenen Akt entspricht.

Dazu Worte von Henri Cafarell: Eine sehr besonnen ausgeführte Kniebeugung ist ein Akt der Seele wie des Körpers; eine klare und aufrechte Haltung des wachen Menschen, vor sich selbst und vor Gott ganz gegenwärtig; ein Kreuzzeichen, langsam, sinnerfüllt. Langsamkeit und Ruhe sind von großer Bedeutung, um den überstürzten und angespannten Rhythmus eines vielbeschäftigten und gehetzten Lebens zu brechen.

Denn er ist unser Gott und wir sind das Volk seiner Weide und die Schafe seiner Hand. Ps 95:7

Er ist unser, darum wollen wir ihn lieben. Er ist unser Gott, darum wollen wir ihn anbeten. Wohl dem, der aufrichtig glauben kann, dass dieser Satz auch in Beziehung auf ihn wahr ist. Wie er uns an gehört, so wir ihm. Und zwar gehören wir ihm als seine Leute, die er täglich nährt und beschützt. Die Auen, auf denen wir weiden, sind nicht unser sondern sein. Wir empfangen unsere Versorgung aus seiner Fülle. Wir gehören ihm zu eigen, gerade wie die Schafe dem Hirten und seine Hand ordnet, leitet, beherrscht, beschützt und versorgt uns. Israel wurde durch die Wüste geführt und wir werden durch dies Leben geleitet von dem großen Hirten der Schafe.

Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht. Ps 95:7-8

Heute, an dem Tag der Gnade, werden wir geprüft, ob wir für die Stimme unseres Schöpfers ein Ohr haben. Nichts wird von morgen gesagt. Er drängt darauf, dass man seine Stimme sogleich beachte, um unser selbst willen verlangt er augenblicklichen Gehorsam. Geben wir dem Ruf Gehör? Wir müssen zuerst auf Gottes Stimme hören, bevor wir unsere Stimme zu ihm erheben können.

Sie prüften mich und sahen doch mein Werk! Ps 95:9

Sie stellten den Herrn ganz unnötigerweise auf die Probe, indem sie neue Wunder und Zeichen seiner Gegenwart verlangten. Sie wichen so nicht nur hier und da von dem rechten Weg ab, sondern sie waren beständig und hartnäckig darauf aus, Irrwege einzuschlagen. Kommt es bei uns nicht auch vor, dass wir launisch noch andere Beweise der Liebe Gottes fordern als diejenigen, welche uns jede Stunde unseres Lebens darbietet und dass wir unsere eigenen Wege gehen wollen.

Sie sind ein Volk, das in seinem Herzen in die Irre geht, und sie haben meine Wege nicht erkannt. Ps 95:10

Sie sollen nicht in meine Ruhe eingehen! Ps 95:11

Psalm 96: Neues Lied

Singt dem Herrn ein neues Lied. Ps 96:1

Ein neues Lied soll erklingen, weil die frohe Nachricht vom Heil verkündet wird, das allen Menschen widerfahren soll. Wir jauchzen unserem Gott, der für uns Mensch wurde. Es ist ein Lied, das nie verklingt und sich immer mehr steigert, weil der Gegenstand unserer Freude ewig und un­ausschöpflich ist: Christus, der für dich und mich Mensch wurde und so Bruder und Freund wurde. Immer neue Wunder seiner Schönheit tun sich uns auf. Nie werden wir ein Ende hier auf Erden erreichen und sagen müssen: Jetzt haben wir ihn voll und ganz erkannt. erkannt. Immer aber Verkündigen wir das Heil, das ganz und gar in ihm ist und dass er uns in seiner Hingabe gebracht hat.

Verkündigt Tag für Tag sein Heil! Ps 96:2

Erzählt unter den Heiden von seiner Herrlichkeit, unter allen Völkern von seinen Wundern! Groß ist der Herr und hoch zu loben. Ps 96:3-4

So groß ist der Herr. Vor Krippe und Kreuz fallen wir verehrend nieder. Aus der Fülle des Herzens beten wir ihn an. Wir tun dies nicht, weil wir das müssen, sondern aus Dankbarkeit und Ehrfurcht vor seiner Liebe zu uns. Uns es drängt uns nach aussen. Wir erzählen anderen Menschen von Gott und welche Wunder er in unserem Leben gewirkt hat und es weiterhin tut. So groß ist der Herr, obwohl er doch so klein in der Krippe liegt. Gleich drei mal werden wir aufgefordert uns dem Herrn dazu bringen durch Lob, Ehre und Gaben angesichts seiner Pracht, seiner Stärke und seiner Herrlichkeit. So groß ist der Herr.

Gebt dem Herrn , was ihm gebührt; ihr Völker, erkennt seine Ehre und Macht! Ps 96:7

Das Wort Ehre kann von seiner Wortherkunft mit Gewicht übersetzt werden. Wenn ich bete „Ehre sei Gott“ meine ich damit, dass ich Gott Gewicht und Bedeutung in meinem Leben gebe. Andersherum: Wenn es in den Psalmen heißt, dass Gott meine Ehre wieder herstellt (Ps 3,4), bedeutet das, dass mein Gewicht, meine Wichtigkeit, von ihm allein kommt und nicht durch die Anerkennung der Mitmenschen, seien es nun durch Eltern, Partner oder Freunde. Anerkennung von anderen tu gut. Dennoch: Suche Rettung vor deiner Neigung, dich darum zu sorgen, wie du den anderen erscheinst. Sorge dich nur darum, wie du Gott erscheinst. Und glaube mir, Menschen, die immer daran denken, was andere von ihnen halten, wären sehr überrascht, wenn sie wüßten, wie wenig die anderen über sie nachdenken. Laßt uns Gott zu Ehren leben, dann ist Sterben uns Gewinn. Laßt uns in den fallen, der in uns ist!!!

Betet den Herrn an in heiligem Schmuck. Ps 96:9

Er kommt. Ps 96:13

Voll Freude sind wir über sein Kommen. Diese Freude bewegt uns ebenso zu ihm zu kommen, anbetend vor seiner Krippe, die schon den Geruch seines Kreuzes versprüht, in dem unser Heil liegt. Wir kommen zu ihm mit heiligem Schmuck. Dieser Schmuck ist unser Gebet von Herzen, ist der Schmuck der inneren Tugenden wie Glaube, Liebe, Hoffnung und Hingabe. Ja: Der Herr verlangt von uns keine großen Taten, sondern nur Hingabe an ihn. Er braucht unsere Werke nicht, sondern allein unsere Liebe. Gott hat Sehnsucht nach uns, nicht so sehr nach unseren ach so guten Werken, sondern nach uns als Mensch, den er liebt, jeden einzeln.

Der Herr ist König! Psalm 96:10

Dreimal fordert uns Psalm 96 auf, dem Herrn zum Lob ein neues Lied zu singen. Was anderes bedeutet dieses neue Lied als das Leben in der Gerechtigkeit Christi, ein Gott, der rettet. In heiligem Schmuck sollen wir ihn darum anbeten, kein äußerer Schmuck, sondern der Schmuck der inneren Tugenden wie Mut, Liebe, Mäßigung u.a. Dreimal heißt es im Psalm 96 wiederum, dass wir uns dem Herrn darbringen sollen durch Lob, Ehre und Gaben. Dieser Herr ist der König meines Herzens. Er wird mich in seiner Weisheit auf dem Pfad des guten Lebens (=Tugenden) lenken. Darum sind wir voll Freude oder wie es der Psalm noch eindrücklicher beschreibt: Der Himmel soll sich freuen, die Bäume im Wald sollen jubeln, wenn er kommt.

Der Herr ist König! Ps 96:10

Hätte ich es gleich verstanden, wie ich es jetzt verstehe, dass ein so großer König diesen kleinen Palast meiner Seele bewohnt, so will mir scheinen, dass ich ihn nicht so oft alleine gelassen hätte. Wenigstens manchmal hätte ich mich in seiner Gegenwart aufgehalten, und vor allem hätte ich darauf geachtet, dass mein Palast weniger schmutzig ist. Was für eine wunderbare Sache! Jener, der in seiner Erhabenheit tausend Welten und weitaus mehr ausfüllen würde, verschließt sich in einer so kleinen Wohnung! Der Hauptpunkt ist der, ihm diesen Palast uneingeschränkt zu schenken und ihn vollkommen leer zu machen, damit er ihn schmücken und ausstaffieren kann, wie es Ihm gefällt, so als wäre es Seine Wohnung. Er nimmt an, was jener Ihm schenkt. Doch Er gibt sich nur dann zur Gänze, wenn auch wir uns gänzlich hingeben. Teresa von Ávila

Psalm 97: König der Erde

Der Herr regiert als König. Es frohlocke die Erde, die vielen Länder sollen sich freuen! Ps 97:1

Der Herr ist König: derselbe, der einst vor dem Richter stand, der Ohrfeigen erduldete, der gegeißelt und angespien wurde, der mit Dornen gekrönt, mit Fäusten geschlagen wurde, er, der ans Kreuz genagelt und, als er da am Fluchholz hing, verhöhnt wurde, er, der am Kreuz starb und mit dem Speer durchstochen wurde, er, der begraben wurde – er, der aus den Toten auferstand. Der Herr ist König. Mögen die Reiche dieser Welt toben, so viel sie wollen, was können sie gegen den König aller Könige, den Herrn aller Herren, den Schöpfer aller Welten ausrichten? Augustinus.

Wolken und Dunkel sind um ihn. […] Feuer geht vor ihm her. Ps 97:2-3

Wolken, Dunkel und Feuer erinnern an die Erscheinung Gottes am Berg Horeb (Ex 19). Auch Jesus wurde im Dunkel der Nacht geboren, verborgen vor der Welt. Dunkel umgibt Gott, obwohl er doch das Licht selbst ist. Gott ist immer auch ein verborgener Gott, der nicht alle Wege offen darlegt, sondern vielmehr will, dass wir ihn schlicht vertrauen, auch wenn wir nicht alles verstehen. Gott kennt alle unsere Wege, aber der Weiseste kennt nicht alle Wege Gottes. Auch die ihn mit dem Auge des Glaubens sehen, sehen und begreifen ihn doch nicht mit dem Verstand.

Gott ist ein verborgener Gott, der es liebt, dass wir Ihm insgeheim dienen, insgeheim zu Ihm flehen und Ihn insgeheim anbeten, wie das Evangelium uns lehrt. Franz von Sales

Die Himmel verkünden seine Gerechtigkeit, und alle Völker sehen seine Herrlichkeit. Ps 97:6

Mit der Geburt von Jesus öffnet sich der Himmel. Wir sehen seine Herrlichkeit. Es ist das Aufstrahlen aller seiner Vollkommenheiten, die nun aus der Verborgenheit des Himmels hervortreten. Die Himmel verkünden seine Gerechtigkeit. Hören wir da nicht den Gesang der Engel zu den Hirten, die Gottes Herrlichkeit und das Geschenk des Friedens verkünden? Stelle dich heute bewusst vor das Kreuz oder die Krippe und sprich von Herzen: Du bist mein Retter. Du bist meine Gerechtigkeit. Du bist der Höchste.

Du, Herr, bist der Höchste über die ganze Erde; du bist hoch erhaben über alle Götter. Ps 97:9

Die ihr den Herrn liebt, hasst das Böse! Ps 97:10

Durch sein Menschwerden wird Jesus unser Bruder. Zugleich bleibt er der Herr. Die innige Gemeinschaft mit ihm verändert uns, weil die Liebesgeschichte zwischen ihm und uns darin besteht, dass es eine wachsende Gemeinschaft des Denkens und Fühlens ist. So fallen unser Wollen und sein Wille immer mehr ineinander. Mein eigener Wille wird immer mehr verwandelt in seinen Willen. Der Kern aber seines Willens ist die Liebe. So hassen wir das Böse und wachsen in der Liebe, in der wir nur wachsen können, weil wir Geliebte Gottes sind.

Herr, wie du willst, so will ich gehen und wie du willst, so soll’s geschehen, Hilf deinen Willen nur verstehen. Pater Rupert Mayer

Freut euch an dem Herrn, ihr Gerechten, und preist seinen heiligen Namen! Ps 97:12

Wir haben Freude an allem, was Gottes ist, an seinen Eigenschaften, seinen Offenbarungen, seinen Führungen, seinen Verheißungen. Diese Freude übertrifft alle anderen Freuden. Auch wenn wir uns über anderes freuen ist unsere Freude doch im Grunde eine Freude am Herrn. Denn all die Freudenbächlein, die dem Geschaffenen entspringen, haben doch ihren verborgenen Urquell in Gottes Freundlichkeit und Freigebigkeit. Der Schlüssel zur Freude ist in Gehorsam zu Gott zu leben. Seine Freude ist dann in uns, wenn wir in seiner Liebe bleiben und seine Gebote halten. Wenn ich sagen kann: Herr, ich will, wie Du willst, dann ist der Weg für Gottes Freude frei.

Freude erfüllt jeden, der ihm aufrichtig dient. Ps 97:11

Licht wird dem Gerechten gesät. Ps 97:11

Das gesäte Licht ist seine Geburt in Bethlehem. Wie nun der gesäte Same klein und unbedeutend aussieht, so ist es ebenso mit dem gesäten Licht. Was soll dieses kleine Kind in der Krippe? Was soll die Botschaft von einem sterbenden Christus? Für viele gleicht’s einem Märchen. Dem Nachfolger Christus aber ist dieses gesäte Licht sein Heil und Urgrund aller Freude, denn es macht uns gerecht vor Gott. Diese Freude übertrifft alle anderen Freuden. Wir leben so nicht mehr für uns selbst, sondern allein für Gott, dem wir dienen.

Freude erfüllt jeden, der ihm aufrichtig dient. Ps 97:11

Freut euch an dem Herrn, ihr Gerechten, und preist seinen heiligen Namen! Ps 97:12

Psalm 98: Königlicher Richter

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er hat wunderbare Taten vollbracht! Ps 98:1

Mein Schöpfer, wieviel Dank schulde ich Dir! Mit deinem Arm hilfst du mir, ziehst mich aus dem Nichts, um mich durch Deine Barmherzigkeit zu dem zu machen, was ich bin. Das Heil lässt du mir zukommen. Darum: Jauchzt vor dem Herrn freut euch, jubelt und singt! Gewöhne dich daran, dein Herz viele Male während des Tages in Dankbarkeit zu Gott zu erheben, für Gottes Schutz und Segen, für das Geleit seiner Engel, für das Geschenk des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und für so vieles mehr!

Der Herr hat sein Heil kundwerden lassen. Er hat vor den Augen der Heiden seine Gerechtigkeit geoffenbart. Ps 98:2

Dieser Vers nun ist in der Geburt von Jesus, dem Christus, in Erfüllung gegangen. In ihm ist unser Heil. Seine Gerechtigkeit wurde uns geoffenbart. Durch ihn und sein Leiden sind wir gerecht macht. Unsere Wurzeln haben wir tiefer und tiefer in ihm. Und er wiederum zieht uns tiefer und tiefer rein in sein Wirken in dieser Welt, so wie er es bei Maria tat. Der heilige Anselm drückt dies so aus: “Er, der die Macht gehabt hatte, alles aus dem Nichts zu erschaffen, weigerte sich, das Entweihte ohne das Mitwirken Marias zu erneuern.” So erneuert er auch durch dich und mich diese Welt, lässt das Weihnachtswunder immer neu werden durch unsere Sendung in diese Welt. Ich wünsche euch von Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest.

Er gedachte an seine Gnade und Treue gegenüber dem Haus Israel. Alle Enden der Erde haben gesehen das Heil unseres Gottes. Ps 98:3

Jauchzt dem Herrn, alle Welt. Brechlt in Jubel aus, frohlockt und lobsingt! Ps 98:4

Preiset Gott, dass er euch Christus gegeben hat. Jede Zunge soll Gott zujubeln mit einer Kraft, wie sie allein die Freude hervordrängen kann. Ist das Herz voll, so sollen die Lippen nicht schweigen. Echter Lobpreis aber ist mehr als Gefühl. Echter Lobpreis entspringt aus der eigenen Erfahrung, dass Gott eingreift in unser Leben, ein hörender und erhörender Gott ist. Handelt Gott so väterlich an uns, so dass er seinen Sohn dahingab für uns, so sollen wir ihm Dank und Hingabe nicht vorenthalten. Christsein ist und bleibt in erster Linie die Begegnung mit diesem seinem Sohn Jesus, dem Christus, unser König, unser Herr, unser Bruder, unser Freund, unsere Liebe!

Lobsingt dem Herrn. Jauchzt vor dem König, dem Herrn. Er kommt. Ps 98:5-6;9

Psalm 99: Heiliger Gott

Der Herr regiert als König. […] Der Herr ist groß in Zion und hoch erhaben über alle Völker. Ps 99: 1-2

Hoch ist er, nicht höher, denn er ist es nicht in Relation zu einem anderen, sondern er ist in sich selbst der absolut und unvergleichlich Hohe und Erhabene. Seine Erhabenheit übersteigt die höchsten Gedanken und die kühnsten Vorstellungen der Menschen. Die Höchsten sind vor ihm nicht hoch und die Niedrigsten bei ihm nicht verachtet. Über einen solchen Gott frohlocken wir. Seine Größe und Majestät sind uns über alle Maßen köstlich.

Loben sollen sie deinen Namen, den großen und furchtgebietenden — heilig ist er! Ps 99:3

Sowohl in seinen Worten, seinen Gedanken, seinen Taten und seinen Offenbarungen als in sich selber ist er die Vollkommenheit selbst. Ja kommt, lasst uns anbeten und niederfallen vor ihm! Heilig ist er. Keine Eigenschaft Gottes wird so laut und mit solcher Feierlichkeit verkündigt und so häufig von den Engeln, die vor seinem Thron stehen, gepriesen wie gerade diese. Heiligkeit bedeutet zweierlei: Er ist in seinem Sein und er ist in seinem Wesen von uns geschieden. Er ist der Schöpfer, wir sind bloß Geschöpfe. Er ist, wir sind geworden. Er hat keinen Anfang, wir haben einen Anfang. Er ist unveränderlich, wir sind wandelbar.

Du bist ein mächtiger König, der das Recht liebt. Ps 99:4

Er ist unbeschränkter Alleinherrscher, aber seine Macht hat an Gerechtigkeit ihre Freude, seine allgewaltige Kraft wird nur zu rechten Zwecken verwendet. Die Menschen fechten in unseren Tagen immer wieder Gottes Walten an und setzen sich hin, darüber zu urteilen, ob Gott das Rechte tue oder nicht.Wir sind dagegen überzeugt, dass alles, was der Herr tut, gerecht ist und statt ihn zur Verantwortung aufzufordern, beugen wir uns demütig unter seinen Willen. In unendlicher Erniedrigung steigt er zu uns herab. Da sollten wir, denen er sich aus freier Gnade so liebend hingibt, ihn doch wahrlich von ganzem Herzen erhöhen!

Erhebt den Herrn, unseren Gott, und fallt nieder vor dem Schemel seiner Füße — heilig ist er! Ps 99:5

In der Wolkensäule redete er zu ihnen. Herr, unser Gott, du hast sie erhört. Ps 99:7-8

Gott ist vor allem in seinem Sohn zu uns gekommen, der einer von uns wurde, um sein Leben und seine Heiligkeit in uns einzugießen. Deshalb treten wir jetzt nicht mit Furcht, sondern mit Vertrauen vor Gott hin. Denn wir haben in Christus den Hohenpriester, der heilig, unschuldig und makellos ist. Er kann auch die, die durch ihn vor Gott hintreten, für immer retten. Denn er lebt allezeit, um für sie einzutreten. Unser Gesang ist darum voll Zuversicht und Freude und rühmt den König, den Herrn, der in unserer Mitte wohnt und alle Tränen von unseren Augen abwischt.

Erhebt den Herrn, unseren Gott, und betet an auf seinem heiligen Berg, denn heilig ist der Herr, unser Gott! Ps 99:9

Gott übersteigt uns und steht unendlich höher als alle seine Geschöpfe. Aber diese Transzendenz macht ihn nicht zu einem gleichgültigen und fernstehenden Herrscher: Wenn er angerufen wird, antwortet er. Gott ist derjenige, der retten kann, der einzige, der die Menschheit vom Bösen und vom Tod befreien kann.

Ein Mensch, der ein Glied hat, das eitert, liebt es als sein eigen Fleisch, obwohl er den Eiter und Gestank, der darin ist, verabscheut. Darum schneidet er das Glied nicht alsbald ab, sondern reinigt es täglich und legt ein Pflaster auf, welches das Böse herausziehen soll. O dass unsere Herzen gereinigt und geheiligt werden möchten, die unendliche Vollkommenheit des dreieinen Gottes recht zu erkennen und würdig zu preisen!