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Psalm 100-109

Psalm 100 bis 109

Psalm 100: Danklied an den Hirten

Jubelt dem Herrn zu, alle Länder der Erde!

Je mehr die Liebe zu nimmt, desto mehr wirst du dir bewußt, daß du sprachst und doch nicht sprachst. Bevor du nämlich bestimmte Dinge verspürt hast, dachtest du, Worte verwenden zu können, um Gott zu bezeichnen; als du aber anfingst, ihren Geschmack zu spüren, hast du gemerkt, daß du nicht in der Lage bist, das, was du empfindest, angemessen auszudrücken. Wenn du aber meinst, deine Empfindungen nicht in Worte fassen zu können, mußt du dann deshalb schweigen und aufhören zu loben? Keineswegs. So undankbar wirst du nicht sein. Ihm gebührt die Ehre, die Achtung, das größte Lob. Höre auf den Psalm: Jauchzt vor dem Herrn, alle Länder der Erde! Du wirst den Jubel der ganzen Erde verstehen, wenn du selbst dem Herrn zujubelst. Augustinus

Dient ihm mit Freuden. Psalm 100, 1-2

Das deutsche Wort Freude steht für bewegt, lebhaft und schnell. Freude schenkt dir Lebensenergie, Leichtigkeit und lässt dich zupacken. Sie neutralisiert deine Anstrengung, Überforderung und Erdenschwere. Freude tut deiner Seele gut. Zur Erinnerung: wir reden über die christliche Freude, nicht über die Gefühlsfreude, die heute mal da und morgen schon wieder dem Gefühl der Traurigkeit, der Unzufriedenheit und des Ungenügens weicht. Die Freude als Frucht des Heiligen Geistes hat ihre Quelle in Christus, der diese Freude das Leben in Fülle nennt, dass er einem jeden zusagt, der an ihn glaubt, also auch dir! Den dienenden Christ sollte man an dieser Freude erkennen, an dieser unbekümmerten Freude und kindhaften Sorglosigkeit.

Erkennt, dass der Herr allein Gott ist! Er hat uns geschaffen, wir gehören ihm ! Ps 100:3

Erkennen ist mehr als nur verstandesmäßiges Erfassen. Wer erkennt, verbindet sich mit der erkannten Person, also hier mit Gott. Aus der Tatsache nun, dass Gott uns gemacht hat, ergibt sich die einfache Tatsache, dass wir sein sind, und weil wir sein sind, leben wir nicht mehr uns selbst, sondern dem, der für uns gestorben und auferstanden ist: Christus Jesus.

Wir alle ruhen also in der Hand Gottes, des Herrn und Königs, und wir preisen ihn im Vertrauen darauf, daß er uns nicht aus seinen Schöpfer- und Vaterhänden fallen lassen wird. Johannes Paul II

Wir sind sein Volk, das er umsorgt wie ein Hirte seine Herde. Ps 100:3

Er sorgt für sein Volk, ernährt sein Volk, schützt sein Volk, führt sein Volk, trägt sein Volk, bis es im Hort ewiger Glückseligkeit zur ewigen Ruhe gekommen ist. Er ist der gute Hirte, der sein Leben für die Schafe gelassen hat. Er ist der große Hirte, den Gott wiederbrachte aus den Toten, der in den Seinen jedes Gutes Werk vollendet. Dank sei Gott dem Herrn.

Kommt in die Tore seiner Stadt mit Dank, in die Vorhöfe seines Heiligtums mit Lobgesang! Dankt ihm und preist seinen Namen! Ps 100:4

Denn der Herr ist gut. Seine Gnade währt ewiglich und seine Treue von Geschlecht zu Geschlecht. Ps 100:5

Die Erlösten wissen: Gott ist gut. Sie wissen, dass er der ewig Unveränderliche ist. Sie wissen, dass seine Gnade nie aufhört. Was gut ist, misst sich an Gott. Was er tut und befiehlt, was er verordnet und verhängt, ist gut, auch wenn es uns unpassend oder schmerzlich erscheint. Denn er verfolgt in allem ein gutes Ziel, und darum muss alles zum Guten zusammenwirken. Güte, Gnade und Treue schildern drei göttliche Eigenschaften, die den Bund Gottes mit seinem Volk kennzeichnen. Sie schildern eine Bindung, die durch die Generationen hindurch nie zerbrechen wird, trotz des lehmigen Flusses der Sünden, der Auflehnung und der menschlichen Treulosigkeiten. Im Vertrauen auf diese Liebe Gottes, an der es nie mangeln wird, geht das Volk Gottes trotz aller täglichen Versuchungen und Schwächen seinen Weg durch die Geschichte.

Psalm 101: Verpflichtung des Königs

Ich will achthaben auf den vollkommenen Weg. Wann wirst du zu mir kommen? Ich will mit lauterem Herzen wandeln im Innern meines Hauses. Ps 101:2

Dieser Text wird als Lebensprogramm für den Gläubigen angeboten, der seinen Arbeitstag und den Umgang mit dem Nächsten beginnt. Einerseits wird hier in positiver Weise von den großen moralischen Tugenden gesprochen. Dabei wird die Frage eingeschoben: Wann kommst du zu mir? Mit dieser eingeschobenen Frage zeigen wir, dass wir ohne die Nähe und den Beistand seines Herrn nicht so wandeln können, wie er es sich vorgesetzt hat. Wirklich fromme Menschen sind sich ihrer Schwachheit so bewusst, dass sie zu Gott um Beistand rufen. Gottes Gegenwart verleiht uns Weisheit. In dieser Gegenwart wandeln wir. Wandeln schließt dreierlei in sich: Bewegung, Fortschritt und Mäßigung. Bewegung im Gegensatz zum Sitzen oder Liegen, Fortschritt in der Bewegung im Gegensatz zu Luftsprüngen, und Mäßigung in der fortschreitenden Bewegung im Gegensatz zu hastigem Rennen.

Ein verkehrtes Herz soll von mir weichen. Von Bösem will ich nichts wissen! Ps 101:4

Anderseits erwähnt der Psalmist den Kampf gegen jede Form von Bosheit und Ungerechtigkeit. Wie das Gute, so führt er auch das Böse auf seinen Ursprung, auf das Herz zurück. Auf dieses kommt es an. Ist das Herz richtig, ist der ganze Mensch richtig. Ist das Herz verkehrt, ist der ganze Mensch verkehrt.

Wer seinen Nächsten heimlich verleumdet, den will ich vertilgen. Wer stolze Augen und ein hochmütiges Herz hat, den will ich nicht dulden. Ps 101:5

In meinem Haus soll keiner wohnen, der Betrug verübt. Wer Lügen redet, soll nicht bestehen vor meinen Augen. Ps 101:7

Jeden Morgen will ich alle Gottlosen im Land vertilgen, um aus der Stadt des Herrn alle auszurotten, die Böses tun. Ps 101:8

Psalm 102: Fünfter Bußpsalm

Gebet eines vom Leid Gebeugten, der verzweifelt ist und sein Herz vor dem Herrn ausschüttet. Ps 102:1

Der Psalm ist eine Klage, aber keine Anklage gegen Gott, Ausdruck des Schmerzes, nicht der Empörung. In Leidenszeiten finden wir Trost darin, unseren Kummer mitzuteilen. Wir fühlen uns dadurch erleichtert. Wie süß ist der Trost, zu wissen, dass Gott selbst uns ein Freund sein will, der voll Mitleid unseren Klagen lauscht. Dass wir unsere Klage vor dem HERRN ausschütten ist ein Ausdruck innigen Vertrauens. In seiner Klage öffnet er sein Herz, das Herz öffnet man aber nur jemandem, dem man vertraut. Wir müssen uns an den einzigen Helfer wenden, der dem Menschen gegeben ist.

Herr, höre mein Gebet! Möge mein lauter Hilferuf doch bis zu dir dringen! Ps 102:2

Verbirg dich nicht vor mir, jetzt, wo ich in Not bin! Neige dich herab zu mir und schenk mir ein offenes Ohr. Jetzt rufe ich zu dir. Erhöre mich doch bald! Ps 102:3

Meine Tage verflüchtigen sich so schnell wie Rauch, in meinen Gliedern brennt es wie Feuer. Ps 102:4

Dem Unglücklichen erscheint das Leben nicht nur hinfällig, sondern von so vielem umgeben, das verdunkelnd, beschmutzend, blind machend und niederdrückend wirkt. Schwerer Kummer raubt alle Lust an jeglichem Ding. In vielen Versen wird hier die Not geschildert: ausgetrocknetes Herz, lautes Stöhnen, einsam wie ein Vogel in der Wüste, keinen Schlaf findend usw. Zuletzt kommt der Vergleich mit dem Schatten: Meine Tage sind wie ein gedehnter Schatten, dessen zunehmende Länge seine nahende Auflösung in nächtliches Dunkel verkündet. Die Schatten werden länger, bald wird die Sonne meines Lebens ganz versinken. Kein Bild könnte packender das Gefühl äußerster Hinfälligkeit an schaulich machen.

Meine Tage gleichen dem Schatten, der am Abend immer länger wird , ich verdorre wie das Gras. Ps 102:12

Du aber, Herr, regierst für immer, jetzt und in allen künftigen Generationen wird man dich ehren. Ps 102:13

Das Aber markiert eine Wende, einen Gegensatz zur bisherigen Klage, denn nun wendet sich der Beter ab von seiner Not und wendet sich zu seinem Gott. Sobald das einer tut, weicht das Dunkel dem Licht und wird aus Kummer Zuversicht, denn wir wissen: Gott steht auf. Er wird sich erheben. So kommt er den Seinen zur Hilfe. Ohne diesen Glauben können wir nicht Gnade begehren, ohne Beugung sie nicht empfangen, ohne ein von sehnsüchtiger Liebe entbranntes Herz sie nicht schätzen, ohne Lauterkeit keinen Nutzen aus ihr ziehen. Zeiten tiefer Not aber tragen sehr dazu bei, diese Vorbedingungen der Gnade in uns wachsen und ausreifen zu lassen.

Du selbst wirst dich erheben und dich der Stadt Zion voll Erbarmen zuwenden, denn es ist an der Zeit, ihr gnädig zu sein. Ja, der Zeitpunkt dafür ist gekommen. Ps 102:14

Denn der Herr wird Zion wieder aufbauen und dort erscheinen in seiner Herrlichkeit. Ps 102:17

Menschen bekehren, die als lebendige Steine dem heiligen Bau eingefügt werden, diese zum heiligen Dienst erziehen, die Bruderschaft lehren, erleuchten und heiligen, alle mit den innigen Banden christlicher Liebe aneinanderketten, und den ganzen Leib mit der Kraft des Heiligen Geistes erfüllen – das heißt Zion bauen. Die Herrlichkeit wird erscheinen. Die Sonne ist auch am düstersten Tag herrlich, aber ihre Herrlichkeit erscheint erst, wenn sie die Wolken zerstreut hat, die sie den Blicken der unteren Welt verhüllen. Gott ist herrlich, auch wenn die Welt ihn nicht sieht. Aber seine Herrlichkeit erscheint, wenn die Herrlichkeit seiner Gnade und Treue in der Errettung seinem Volkes durchbricht .

Er wird sich dem Gebet der Verlassenen wieder zuwenden, ihre Bitten wird er nicht zurückweisen. Ps 102:18

Er wendet sich zu dem, der keine Würde hat und der keine Kraft hat. Erst die Einsicht, dass wir ganz hilflos, ganz blind, ganz arm sind, wirft uns allein auf Gott. Solch ein Entblößter weiß, wie er beten soll. Er braucht dazu keinen Lehrmeister. Und das Gebet des Glaubens hat die Verheißung, dass es erhört werde. Er wird ihr Flehen nicht geringschätzig behandeln. Er wird sein Ohr zum Hören neigen, sein Herz zum Erwägen und seine Hand zum Helfen. Welch ein Trost liegt hierin für diejenigen, die sich ganz hilflos und verlassen vorkommen. Wer am eigenen Herzen geistliche Verlassenheit empfunden hat und aus ihr erlöst worden ist, kann das nimmer vergessen. Er muss und wird sie weiter erzählen

Dies soll man aufschreiben für eine spätere Generation, und so wird ein Volk, das erst noch geschaffen wird, den Herrn preisen. Ps 102:19

Der Herr blickt vom Himmel auf die Erde, um das Seufzen der Gefangenen zu hören, um die Todgeweihten zu befreien. Ps 102:20-21

Solches tut er im Wirken seiner Vorsehung, indem er Bedrängte rettet, Todkranken die Gesundheit wiederschenkt und Verschmachtenden Speise gibt. Auf dem geistlichen Gebiet aber geschehen ebensolche Wunder der Barmherzigkeit durch die freie Gnade, die uns durch die Vergebung von dem Todesurteil, das die Sünde über uns gebracht hat, errettet und durch die trostreiche Verheißung von der tödlichen Verzweiflung befreit, welche die Erkenntnis der Sünde in uns hervorgerufen hat.

So werden sie in der Stadt Zion wieder den Namen des Herrn verkünden, seinen Ruhm verbreiten in Jerusalem. Ps 102:22

Du hast am Anfang das Fundament der Erde gelegt, und auch der Himmel ist das Werk deiner Hände. Ps 102:26

Wir können nicht einmal unser eigenes Leben erhalten, geschweige denn anderen Leben geben. Der Herr aber ist nicht nur selbst, sondern ist auch der Schöpfer all dessen. Darum haben wir keinen Grund zum Verzweifeln, denn der Allmächtige und Ewige kann uns doch wieder aufrichten. Himmel und Erde werden vergehen, du aber bleibst. Die Tage vergehen. Du aber bleibst, der Du bist. Denn Du bist der Höchste, Du änderst Dich nicht! Alles Geschaffene wird verwandelt, Gott aber ist unwandelbar, und seine Jahre enden nicht. Alles, was morgen kommt und später, alles, was gestern war und früher: Du wirkst es heute. Du hast es schon heute gewirkt.

Du aber bleibst immer derselbe und deine Zeit wird kein Ende haben. Ps 102:28

Psalm 103: Großer Lobgesang  

Lobe den Herrn, meine Seele, und alles, was in mir ist, seinen heiligen Namen! Ps 103:1

Die Seele steckt oft wie in einem tiefen, dunklen Loch. Schwere Gedanken, bittere Erfahrungen und Ängste lasten hart auf ihr. Da hilft dieses Selbstgespräch mit der eigenen Seele in positiver, geistlicher Weise. Mit diesem Vers beginne ich jeden Morgen mein Gebet. Es zieht mich weg von jeglichem Murren und Grübeln und zieht mich hin zum Lob Gottes und seines Namens, worunter sein Wesen zu verstehen ist (Liebe, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit….)

Psalm 103 ist ein gewaltiger Lobgesang, ein einzigartiges Bekenntnis des Glaubens.

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Ps 103,2

Betrachte immer wieder all das Gute, dass der Herr an dir tut: Freuden allerlei Art, zur Seite stehende Freunde, du bist sein geliebtes Kind, er lenkt dich auf deinem Weg, er vergibt dir noch und noch, er bleibt dir treu und ist dir immer nah, gerade auch in den schweren Stunden, empfangen dürfen wir ihn im verwandelten Brot, ansprechen an allen Orten zu jeder Zeit, so sind wir nie allein. Welch Gnade! Welch Geschenk. Betrachte und staune wie gütig Gott gegen dich ist. Dankbarkeit! Mein Gott, du sollst in Zukunft allein der Gegenstand unseres Denkens sein. Deshalb gab er uns den Verstand, ihn zu erkennen, das Gedächtnis, sich seiner zu erinnern.

Denen, die Gott lieben, verwandelt er alles in Gutes, auch ihre Irrwege und Fehler lässt Gott ihnen zum Guten werden. Augustinus

Er vergibt dir all deine Schuld und heilt alle deine Krankheiten. Ps 103:3

Es ist bemerkenswert, dass in all den 22 Versen keine Bitte vorkommt. Allein die Segnungen und Gnadengeschenke werden benannt, die von oben ausgeschüttet worden sind. Darum bricht nun eine überströmende Dankbarkeit aus dem Herzen hervor. Die Vergebung der Sünden ist wohl das Geschenk schlechthin, dass uns die Gnade Gottes gibt und worin er uns mit seiner Liebe und Barmherzigkeit beschenkt. Darum wird die Vergebung im Psalm 103 mehrmals benannt.

So fern, wie der Osten vom Westen liegt, so weit wirft Gott unsere Schuld von uns fort! Ps 103:12

Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Ps 103:8

Demut. Klein werden. Meine Not und Überforderung anerkennen. Anerkennen, dass ich häufig immer die gleichen Fehler mache. Anerkennen, dass ich viel zu häufig klammere und nicht loslasse. Gott macht das nichts aus. Sein Mitleid mit unserem gefallenen Zustand ist tief. Unbegrenzt ist die Gnade des Herrn.  Er hat Geduld mit mir. Ich kann ihm, vielleicht auch weinend, in den Ohren liegen. Er bleibt mir zugewandt. Ja, an seiner Schulter kann auch ich zur Ruhe kommen. Danke, Gott! 

So groß ist seine Gnade. Ps 103:11

Die Gnade des Herrn währt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Ps 103:17

Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, welche ihn fürchten. Ps 103:13

Wir beten nicht einen fernen Gott an, sondern einen nahen fürsorglichen Gott, der die Zärtlichkeit selbst ist. Sein Mitleid hört nie auf, wie auch wir ja nie aufhören, es zu brauchen. Habt also keine Angst, euch an Gott zu wenden, der ein Vater voll Liebe und Erbarmen ist! Hoffnung und Vertrauen auf sein Erbarmen gibt uns derjenige, der, selbst groß und unsertwegen klein geworden ist: Jesus Christus. Ja: Unser Vater hat uns in seinem Erbarmen seinen Sohn zum König gegeben, der uns in unserer Schwachheit hin zum ewigen Leben in ihm führt.

Er weiß, wie vergänglich wir sind. Er vergisst nicht, dass wir nur Staub sind. Ps 103:14

Der Herr hat seinen Thron im Himmel errichtet, über alles herrscht er als König. Ps 103:19

In Jesus vollzieht sich die höchste Offenbarung Gottes, die in dieser Welt möglich ist, da Gott die Liebe ist und Jesu Tod am Kreuz der größte Akt der Liebe der ganzen Geschichte ist. Erinnern wir uns stets daran, welchem König wir dienen, auf welchen Thron er erhoben worden ist, das Kreuz, und wie er bis zum Ende treu war, um die Sünde und den Tod mit der Kraft der göttlichen Barmherzigkeit zu besiegen.

Lobt den Herrn, alle seine Werke, an allen Orten seiner Herrschaft! Lobe den Herrn, meine Seele! Ps 103:22

Psalm 104: Lob des Schöpfers

Herr, mein Gott, du bist sehr groß. Mit Pracht und Majestät bist du bekleidet. Du, der sich in Licht hüllt wie in ein Gewand. Ps 104:1-2

Der Psalm 104 ist ein großartiges Lob darüber, wie unser Schöpfer diese ganze Welt geschaffen und geordnet hat. Ihn Vers für Vers zu lesen ist wie das Buch Genesis in Psalmform. Bevor die Werke der Schöpfung genannt werden, wird Gott als Schöpfer angerufen. Es heißt, dass er sich in Licht hüllt. Das lässt uns an die Verklärung des Herrn denken, wo dieser im strahlenden Licht erscheint. Gott war, ist und bleibt ein Gott des Lichts. Sein Wesen ist Licht. Er ist das wahrhaftige Licht. Darum sind wir Kinder des Lichts und Kinder des Schöpfers, der alles in seiner Hand hält. Gütiger Gott, alles hast du geschaffen und erhältst es durch deinen Geist. Schenke uns deinen Geist, der uns fähig macht, deine Größe zu erkennen und dich zu loben.

Er hat die Erde auf ihre Grundfesten gegründet, dass sie nicht wankt für immer und ewig. Ps 104:5

Das Brot soll erquicken des Sterblichen Herz. Ps 104:15

Ein gutes Essen belebt neu. Man hat dadurch mehr physische und psychische Kraft. Wir preisen darum Gott sowohl für ein starkes Herz wie auch für die Kraft des Leibes, wenn wir sie besitzen, da sie beide Gaben seiner Güte sind. Lasst uns daher nie zu Tische sitzen, ohne Gott zu bitten, dass er die Gaben segne, welche wir von seiner gütigen Hand empfangen, und niemals Brot essen, ohne an unseren Herrn Christus zu denken, der sich das lebendige Brot nennt, das vom Himmel gekommen ist, um der Welt das Leben zu geben.

Ja, Herr, du sättigst beide, Leib und Seele, mit Brot von der Erde und Brot vom Himmel.

Läßt du Finsternis kommen, so wird es Nacht. Ps 104:20

Gott lässt die Nacht kommen, damit wir schlafen können und so Erholung finden. Die Nacht soll dem Schlaf dienen. Jeder soll so viel schlafen, als seine körperliche Veranlagung braucht, um tagsüber mit frischer Kraft seiner Arbeit nachgehen zu können. Die Nacht kann nun auch geistlich gedeutet werden. Wir wollen Gottes Wirken auch in dem Verbergen der geistlichen Sonne erkennen und uns vor Dunkelheit in den Führungen der Vorsehung nie fürchten, denn der Herr macht sie beide. Hier ist vielmehr unser Vertrauen gefragt, wo wir eben Ereignisse und Siuationen nicht verstehen.

Der Mensch aber geht hinaus an sein Tagewerk, an seine Arbeit bis zum Abend. Ps 104:23

Auf jeden Abend folgt ein Morgen, der Anbruch eines neuen Tages. Der Mensch verlässt sein warmes Bett, um sein tägliches Brot zu erwerben. Diese Arbeit ist gut für ihn, sie hält ihn von vielem Unnützen ab und übt und bildet seine Fähigkeiten. Wir sind geschaffen um zu wirken. Der Mensch hat und kennt eine bestimmte Lebensaufgabe. Und indem er diese übernimmt, wird er ein Diener Gottes, tut, was er soll, und freut sich Gottes und gewinnt dadurch für sein Leben in der Zeit einen ewigen Inhalt.

Blühe, wo du gepflanzt bist! Franz von Sales

Sie alle warten auf dich, dass du ihnen ihre Speise gibst zu seiner Zeit. Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie. Wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt. Ps 104: 27-28

Gott gibt. Wir haben nur zu sammeln. Gott gibt uns Tag für Tag unser tägliches geistliches Brot. Nochmals: Wir haben, was unser Heil betrifft, nur zu sammeln, was Gott gibt. Mit seiner offenen Hand versorgt er uns in göttlicher Freigebigkeit. Lasst uns die offene Hand des Herrn preisen, dessen Vorsehung und Gnade uns mit zeitlichem und ewigem Gut sättigt. Eine gute Übung ist, aufzuzählen, womit mich der Schöpfer täglich neu beschenkt. Mit solchem Lob auf den Lippen und im Herzen wird es ein Tag voller Freude an Gott, unserem Schöpfer.

Die Herrlichkeit des Herrn wird ewig währen. Der Herr wird sich an seinen Werken freuen! Ps 104:31

Im Kreuz betrachten wir die Herrlichkeit des Herrn. Gerade in dieser völligen Selbsthingabe offenbart sich die Größe Gottes, offenbart sich die Tatsache, daß er Liebe ist. Jeder von uns ist berufen, durch sein Dasein diese Herrlichkeit des Gekreuzigten zu verstehen und zu bezeugen. Das Kreuz, die Selbsthingabe des Sohnes Gottes, ist letztendlich das Zeichen seiner Herrlichkeit schlechthin, das uns geschenkt wurde, um die Wahrheit des Menschen und die Wahrheit Gottes zu verstehen: Wir alle sind geschaffen und erlöst worden von einem Gott, der aus Liebe seinen einzigen Sohn geopfert hat.

Ich will dem Herrn singen mein Leben lang, meinem Gott lobsingen, solange ich bin. Ps 104:33

Ich freue mich an dem Herrn. Ps 104:34

Das Herz, das an Gott Wohlgefallen gefunden hat, kommt nicht umhin, Gott auch Wohlgefallen bereiten zu wollen. Das ist die Quelle der Gleichförmigkeit Liebender. Sie gestaltet uns zu dem um, was wir lieben. So wird man auch durch das Gefallen an Gott ihm gleichförmig. Mit der Freude, die unser Herz an dem hat, was es liebt, nimmt es auch dessen Eigenschaften an, denn die Freude öffnet weit das Herz. Deshalb bildet uns auch das heilige Wohlgefallen in Gott um, den wir lieben. Wer immer wahrhaft an Gott sein Gefallen findet, sehnt sich danach, in aller Treue Gott zu gefallen und sich ihm ganz gleichzuformen, um ihm zu gefallen.

Lobe den Herrn, meine Seele! Hallelujah! Ps 104:35

Psalm 105: Gott sorgt für sein Volk

Dankt dem Herrn, ruft seinen Namen an, macht unter den Völkern seine Taten bekannt!Ps 105:1

David wusste als Prophet um größere Taten als die Errettung aus Ägypten. Er sah Christus und seinen Tag, er sah im Geist sein Leiden, sein Sterben, sein Auferstehen und sein Auffahren zu Gott und sein ewiges Hohenpriestertum. Er sah seine Heilswunder, die unendlich größer sind als die schon großen Schöpfungswunder. Darum redet ein jeder von euch!
Redet von seinen Wundern in der Schöpfung und in der Erlösung, in den Führungen seiner Vorsehung und den Tröstungen seines Heiligen Geistes. Gott ist der Urheber aller Wohltaten. Darum soll auch alle Dankbarkeit, deren wir fähig sind, ihm gegeben werden.

Singt ihm, lobsingt ihm, redet von allen seinen Wundern! Ps 105:2

Rühmt euch seines heiligen Namens! Es freue sich das Herz derer, die den Herrn suchen! Ps 105:3

Selbst wenn wir ihn noch nicht so völlig gefunden, ist schon das Suchen Grund genug zur Freude. Dieses Suchen darf nie aufhören. Das Antlitz des Herrn suchen heißt, den bewussten Genuss seiner Gegenwart begehren. Wer sein Angesicht sucht, wird vor ihm Licht bekommen für seinen Weg. Wer so geschmeckt hat, wie wunderbar der Herr ist, der wird ihn beständig suchen. Stellt euch unter seinen allmächtigen Schutz. Denkt nicht klein von ihm, sondern schaut auf sein Allvermögen und sucht die Macht seiner Gnade in tiefer Erfahrung kennenzulernen. Wir alle bedürfen der Stärke. Lasst sie uns bei dem Starken suchen. Wir bedürfen einer unbegrenzten Macht, um sicher durch alle Gefahren hindurch zur ewigen Ruhe, zum himmlischen Kanaan gebracht zu werden. Lasst sie uns bei dem allmächtigen Gott suchen!

Fragt nach dem Herrn und nach seiner Macht, sucht sein Angesicht allezeit! Ps 105:4

Gedenkt an seine Wunder. Ps 105:5

Er, der Herr, ist unser Gott. Ps 105:7

Er ist der Gott Abrahams, der Gott des Bundes, der den Bund bewahrt und die Verheißungen erfüllt. Er ist der Gott der Treue. Er ist der Ewige und der Unveränderliche. Er ist ohne Anfang und Ende. Er ist ohne Urheber und Helfer, der sich selbst Genügende, der durch die Sünde der Menschen nicht ärmer und der durch deren Gerechtigkeit nicht reicher wird. Er ist, der er ist, nicht der oder das, was wir von ihm zu denken oder zu verstehen vermögen. Er ist der allein weise Gott, dem niemand als Ratgeber beistand bei der Erschaffung oder bei der Erlösung der Welt. Er ist der Allmächtige und alles Wirkende, der alles wirkt nach dem Rat seines Willens. Dieser Gott ist unser Gott.

Er gedenkt auf ewig an seinen Bund, an das Wort, das er ergehen ließ auf tausend Geschlechter hin. Ps 105:8

Dir gebe ich das Land Kanaan als das Los eures Erbteils, als sie noch leicht zu zählen waren, nur wenige und Fremdlinge darin. Ps 105:11-12

Die Empfänger der Gnade waren schwach. Nicht an ihnen lag die Erfüllung der Bundesverheißungen, sondern an Gott. Darum machte Gott sie klein und schwach, damit sich vor ihm kein Fleisch rühme und auf den Gedanken komme, sein Arm habe ihn bis dahin gebracht. Waren nicht ebenso die Apostel nur wenige und die Jünger nur schwache Leute, als das herrliche Werk seinen Anfang nahm? Gott nennt uns nun seine Gesalbten. Er nennt uns so sein Eigentum. Gott will diejenigen, die für ihn ausgesondert sind, unangetastet wissen.

Tastet meine Gesalbten nicht an und fügt meinen Propheten kein Leid zu! Ps 105:15

Er sandte einen Mann vor ihnen her. Joseph wurde als Knecht verkauft. Sie zwangen seinen Fuß in einen Stock; sein Hals kam ins Eisen Ps 105:17-18

Es gibt viele Bezüge zwischen dem Leben Josephs und dem des Herrn Jesus. Wir können seine Geschichte nicht lesen, ohne an den Retter der Welt zu denken. Die Joseph-Erzählung ist eine Erzählung des Heils. Jesus selbst nun ist das Heil. Joseph von seinem Volk verraten und für eine sehr ähnliche Summe wie Christus verkauft. Joseph wurde gefangen und gebunden. Jesus ebenso. Wie Joseph den Hungernden Brot gab, so reicht der gekreuzigte Jesus Brot des Lebens den hungernden Gewissen dar. Am guten Ende ist die ganze Familie wieder in Frieden vereint. In Christus, unserem Bruder, dem Haupt des Leibes ist nun die Familie Gottes in ihm vereint

Dann kamen Jakob und seine Familie nach Ägypten und ließen sich nieder im Land der Nachkommen Hams. Ps 105:23

Aber Israel ließ er ausziehen mit Silber und Gold, und es war kein Strauchelnder unter ihren Stämmen.Ps 105:37

Im Einzelnen (24-36) wird das Wachsen des Volkes beschrieben, der wachsende Hass der Ägypter auf die Israeliten, die Berufung von Moses, die Plagen bis es zum Auszug kommt. Der Auszug Ägyptens ist einer der elementarsten und am häufigsten wiederholten Glaubenssätze im alten Testament. Für Christen ist an dieser Stelle das wiederkehrende Motiv der Errettung durch das Wasser hindurch von Bedeutung. Wie zuvor bei Noah und später bei der Taufe wird durch das Wasser das Schlechte (die sündige Menschheit, die angreifenden Ägypter, bzw. der alte sündige Mensch) getötet, während das Gute (Noah mit Familie, das Volk Israel, bzw. der Gläubige, der aus Wasser und Geist wiedergeboren wird) eine göttliche Errettung erfährt.

Ägypten war froh, dass sie gingen. Denn Furcht vor ihnen war auf sie gefallen. Ps 105:38

Er breitete vor ihnen eine Wolke aus als Decke und Feuer, um die Nacht zu erleuchten. Ps 105:39

Die Wüstenwanderung wird zur Glaubensprobe für das Volk. Es soll lernen, dass es sein Überleben allein Gott verdankt. Unser Leben beinhaltet oft Wüstenphasen. Wüstenphasen sind oft nötig, damit wir Gott und unsere eigenen Herzen besser kennenlernen. Die Hitze des Sommers bringt die reifen Früchte des Herbst hervor. In diesen Zeiten muss das tiefe Bewusstsein dessen, was Gott für uns ist, alles andere beherrschen, ansonsten beginnt unser Glaube zu schwanken. Die Kraft unserer Gottesbeziehung erleben wir nur in der Wüste. Das Volk Israel erlebt auf seiner langen Wanderung durch die Wüste immer wieder, wie Gott es versorgt und ihm Gutes schenkt bis hin zum Einzug ins gelobte Land.

Da ließ er Wachteln kommen und sättigte sie mit Himmelsbrot. Er öffnete den Felsen, da floss Wasser heraus. Ps 105:40-41

Er gab ihnen die Länder der Heiden. Ps 105:44

Hallelujah! Ps 105:45

Psalm 106: Gottes Treue

Hallelujah! Dankt dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Gnade währt ewiglich! Ps 106:1

Für uns bedürftige Geschöpfe ist die erste Eigenschaft Gottes, die uns zum Preise stimmt, seine Güte. Weil er gut ist, ist er seinem Volk gnädig, gibt er ihm, was es nicht gesucht und nicht verdient hat. Und weil er Gott ist, währt seine Gnade ewig, denn er verändert sich nicht. Darum haben wir immer Ursache, ihm zu danken. Darum danken wir ihm nicht nur am Tag des Glücks, sondern auch am Tag des Unglücks. Lasst uns nie säumig sein, dem Herrn den schuldigen Lobpreis zu erstatten. Ihm zu danken, ist das Geringste, was wir tun können.

Wer kann die Machttaten des Herrn beschreiben und all seinen Ruhm verkünden? Ps 106:2

Denn was kannst du von ihm sagen, was, wiederhole ich, kannst du Angemessenes von ihm sagen, der erhabener ist als alle Höhe und tiefer als alle Tiefe, klarer als alles Licht und heller als alle Helle und glänzender als aller Glanz, stärker als alle Stärke, kraftvoller als alle Kraft, schöner als alle Schönheit, wahrer als alle Wahrheit, mächtiger als alle Macht, größer als alle Größe und majestätischer als alle Majestät, reicher als aller Reichtum, weiser als alle Weisheit, milder als alle Milde, gerechter als alle Gerechtigkeit, gnädiger als alle Gnade? Tertullian.

Wohl denen, die das Recht beachten, die Gerechtigkeit üben allezeit! Ps 106:3

Gedenke an mich, o Herr, aus Gnade gegen dein Volk. Suche mich heim mit deiner Rettung. Ps 106:4

Bisweilen scheint die Bitte dieses Verses uns zu groß. Wir fühlen uns nicht wert, dass der Herr unter unser Dach eingehe. Du mich besuchen, Herr? Dennoch: So unbedeutend ich bin, vergiss doch mein nicht! Denke voller Gnade an mich. Mehr kann ich nicht bitten, doch möchte ich auch nicht weniger begehren. Kehre bei mir ein in Herz und Haus und gib mir das Heil, das du bereitet hast und allein geben kannst. Jesus sagte von Zachäus: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, und dies war so, weil er selbst da eingekehrt war. Es gibt kein Heil, das losgelöst vom Herrn bestehen könnte. Der Vater hat uns gesegnet mit allerlei geistlichem Segen durch Jesus Christus, da er uns in ihm erwählt hat. Wir begehren kein anderes Glück zu sehen, zu genießen und zu ergreifen.

Dann kann ich mit eigenen Augen das Glück derer sehen, die du erwählt hast, ich darf mich mitfreuen, wenn dein Volk sich freut, darf stolz sein gemeinsam mit dem Volk, das dein Erbe ist. Ps 106:5

Wir haben gesündigt samt unseren Vätern, wir haben Unrecht getan, haben gottlos gehandelt. Ps 106:6

Der Beter hat um Gottes Wohltaten gebeten, nun bekennt er die Sünden, die Gottes Wohltaten im Wege standen. Der Zweck des Sündenbekenntnisses (Verse 6-43) ist zunächst der, das Hindernis der Erlösung in seinem ganzen Umfang und mit voller Schärfe darzulegen. Ohne Buße keine Vergebung, ohne Vergebung keine Segnungen. Die erste Sünde wird benannt: sie achteten nicht auf Gottes Wunder. Und weil sie seine Wunder nicht verstanden, dachten sie auch nicht an seine Gnadentaten. Ein oberflächliches Verständnis erzeugt ein kurzes Gedächtnis. Ach, wie viele Wunder Gottes werden auch von uns nicht wahrgenommen oder falsch verstanden!

Unsere Väter in Ägypten achteten nicht auf deine Wunder, sie gedachten nicht an deine große Gnade und waren widerspenstig am Meer, am Schilfmeer.
Psalmen 106:7

Er rettete sie um seines Namens willen, um seine Stärke offenbar zu machen. Ps 106:8

Brauchst du Rat und Leitung? Sein Name ist Rat. Vertraue dich ihm und seinem Namen auch in dieser Hinsicht an. Hast du es mit mächtigen Feinden zu tun? Sein Name ist Kraft und Held. Bitte ihn, dass er seine Macht um seines Namens willen zu deinem Besten ausübe. Bedarfst du seines väterlichen Mitleids? Sein Name ist Vater. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, so ihn fürchten. Wende dich an sein Erbarmen um seines Namens willen. Brauchst du Frieden, äußeren oder inneren und ewigen? Sein Name ist Friedefürst. Flehe zu ihm um seines Namens willen, dass er dir Frieden gebe. Bist du krank an Leib und Seele? Sein Name ist: Der Herr ist dein Arzt. Suche bei ihm um seines Namens willen Heilung für alle deine Gebrechen. Benötigst du Vergebung? Sein Name ist: Der Herr unsere Gerechtigkeit. Wende dich an ihn um seines Namens willen, dass er gnädig sei aller deiner Ungerechtigkeit. Hast du die göttliche Gnadengegenwart nötig? Sein Name ist Immanuel, Gott mit uns. Glaube es, dass er mit dir ist, um seines Namens willen. Begehrst du Gehör für deine Bitten? Sein Name ist: Der Gebetserhörer. Brauchst du Trost? Sein Name ist: Der Trost Israels. Hast du eine Zuflucht nötig? Sein Name ist Zuflucht. Hast du nichts und brauchst alles? Gott ist alles in allen.

Er rettete sie von der Hand des Hassers und erlöste sie aus der Hand des Feindes. Ps 106:10

Da glaubten sie seinen Worten und sangen sein Lob. Ps 106:12

Das heißt also: sie glaubten die Verheißung, als sie diese erfüllt sahen, nicht eher. Diese Bemerkung dient nicht zu ihrem Lob, sondern zu ihrer Schande. Leute, die Gottes Wort nicht glauben, bis sie es erfüllt sehen, mangelt es an Vertrauen. Und so lieblich ihr Lob war, so kurz war er auch. Sie vergaßen seine Werke und überliessen sich nicht mehr seiner Führung. Bei Gott ist sowohl Rat als auch Stärke. Wir aber sind eitel genug, sie bei uns selbst zu suchen.

Sie vergaßen seine Werke bald. Sie warteten nicht auf seinen Rat. Ps 106:13

Sie wurden begehrlich in der Wüste und versuchten Gott in der Einöde. Ps 106:14

Sie suchten sie sich selbst glücklich zu machen mit zeitlichen Dingen, die doch keinem Menschen wahre Glückseligkeit geben, weil sie das Verlangen des zur Ewigkeit erschaffenen Menschenherzens nicht stillen können. Diese Begierde hegten sie, bis sie bei ihnen zur Sucht wurde. Eine böse Gier zieht die nächste nach sich. Sie wurden neidisch. Sie begehrten, was ihnen nicht gehörte. Sie wollten haben, was einem anderen gegeben war. Sie wollten wie Mose und Aaron sein. Der Gläubige dagegen ist ruhig und zuversichtlich, still und geduldig. Er hält an am Gebet und steht auf seinem Wartturm, zu sehen, was Gott zu seiner Zeit ihm antworten wird.

Sie wurden eifersüchtig auf Mose im Lager, auf Aaron, den Heiligen des Herrn. Ps 106:16

Sie machten sich ein Kalb am Horeb und warfen sich nieder vor dem gegossenen Bild. Ps 106:19

Mose ist schon 40 Tage auf dem Berg. Das Volk verliert die Geduld. Mose ist fort und mit ihm auch Gott. Ein neuer Gott muss her, der sichtbar und greifbar ist. Der Mensch liebt etwas, was er wahrnehmen kann, was seinen Sinnen entspricht und sie befriedigt. Sie machen sich ein goldenes Stierbild und opfern ihm. Doch ein selbst gemachter Gott hilft nicht, bewahrt nicht und rettet nicht. Während sie anstelle des Herrn ein Kalb verehrten, sind wir in Gefahr, denselben Geist zu offenbaren. Unser einziges Bewahrungsmittel ist, viel in der Gegenwart Gottes zu sein. Nur der Glaube vermag standhaft zu bleiben, als sähe er den Unsichtbaren (Heb 11,27).

Sie vergaßen Gott, ihren Retter, der Großes getan hatte in Ägypten. Ps 106:21

Da wollte Gott sie vernichten, wäre nicht Mose gewesen, den er auserwählt hatte. Mose trat für sie in die Bresche, um Gottes Zorn abzuwenden und ihn davon abzuhalten, sie zu vernichten. Ps 106:23

Mose hatte großen Einfluss bei Gott. Er war ein besonderes Vorbild unseres Herrn, der ähnlich wie Mose hier mein Auserwählter, an welchem meine Seele Wohlgefallen hat genannt wird. Wie der auserwählte Erlöser zwischen dem Herrn und einer sündigen Menschheit ins Mittel trat, so stellte sich hier Mose zwischen Gott und sein ihn er zürnendes Volk. Bedenken wir die Macht der Fürbitte. Wenn man die Christen dazu bringen könnte, von dem Wert und der Macht der Fürbitte ein richtiges Bewusstsein zu haben, so würde der Fürbitte viel sein.

Sie verachteten das liebliche Land, sie glaubten seinem Wort nicht. Ps 106:24

Gottes Liebe hatte ihnen dieses Land ausgesucht. Kanaan war ein Vorbild des Himmels. Aber sie dachten daran, dass es sie viel Mühsal und Gefahr kosten würde es einzunehmen. Sie glaubten seinem Wort nicht. Das ist die Grundsünde, die Wurzel alles anderen Bösen. Glauben wir Gottes Wort nicht, so werden wir natürlich auch die Gaben, die es verheißt, nicht achten. Darum wollten sie lieber darauf verzichten und schätzten es also gering. Sie redeten gegen die frohe Botschaft, die ihnen verkündigt worden war und hinterfragten damit Gottes Liebe und Gottes Wahrheit und hinterfragten so den Gott der Liebe und der Wahrheit selbst. Irdische Dinge den himmlischen Segnungen vorzuziehen heißt Ägypten statt Kanaan zu wählen, das Land der Knechtschaft statt des Landes der Verheißung.

Sie murrten in ihren Zelten, sie gehorchten nicht der Stimme des Herrn. Ps 106:25

Er sah ihre Not an, als er ihr Schreien hörte. Ps 106:44

Ja, die Sünden des Volkes sind zahlreich und groß, viel größer, als wir ahnen und ermessen. Und dennoch ist Gottes Gnade größer. Wie groß muss sie dann aber sein! Da sehen wir das treue Herz Gottes gegen uns, wie ihn unsere Not bewegt zur Hilfe und wie er sich als das ewige Gut gern selbst mitteilt und uns erfüllt, dass wir nicht verderben. Denn im Menschen ist eine große, grundlose, tiefe Verderbtheit, dass der Mensch nicht anders kann, als in sein Verderben zu eilen, in Gott aber ist die große grundlose Tiefe der Errettung, dass er von Natur nicht anders kann, als gern zu helfen.

Er gedachte an seinen Bund mit ihnen und empfand Mitleid nach seiner großen Gnade. Ps 106:45

Gott ist einem sündigen Volk gut. Gott ist dem tausendmal Schuldigen gut. Er gedenkt seines Bundes, er gedenkt seiner Verheißungen an die Väter. Wir können uns daran nicht sattdenken: Gott gab den Vätern Verheißungen. Warum gab er ihnen Verheißungen? Weil er ihnen gut war. Warum war er ihnen gut? Weil sie etwa gut waren? Nein, weil er gut war. Wir ringen hilflos um Worte, wir können seine Gnade auch nicht annähernd in an gemessener Weise mit Worten würdigen.

Er ließ sie Barmherzigkeit finden bei allen, die sie gefangen hielten. Ps 106:46

Rette uns, Herr, unser Gott! Sammle uns aus den Heidenvölkern, dass wir deinem heiligen Namen danken und uns glücklich preisen, zu deinem Ruhm! Ps 106:47

Welche Freude, welche Rührung des Herzens, welches Labsal muß diese Wahrheit im Menschen bewirken, daß Unser Herr sein Erlöser und Retter ist und daß er sein Leben von ihm erhält! Ihm istdas Leben dazu gegeben, damit er es jedem schenke und damit alle es von ihm empfangen, wie er es vom Vater hat. Es ist
nicht das Leben des Leibes, sondern das geistliche Leben. Um uns aber dieses Leben zu erwerben, hat Unser Herr es für uns erkauft um den Preisseines Blutes und das seine hingegeben. Also ist unser Leben nicht das unsere, sondern das seine. Wir gehören nicht mehr uns, sondern ihm. Franz von Sales

Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Und alles Volk soll sagen: Amen! Hallelujah! Ps 106:48

Luther hat bekanntlich vom Vaterunser gesagt, es sei der größte Märtyrer auf Erden, weil es so häufig gedanken und gefühllos, ohne Ehrfurcht und Glauben gebraucht wird. Diese Bemerkung lässt sich mit noch größerer Kraft auf das Wort Amen anwenden. Von Jugend auf sind wir mit dem Klang dieses Wortes vertraut. Die wörtliche Bedeutung “Also geschehe es” ist allbekannt. Doch nur wenige beachten den tiefen Sinn. Aber es ist ein großes Wort, dieses Wörtlein Amen, und Luther hat recht gesagt: Wie dein Amen ist, so ist dein Gebet gewesen.

Psalm 107: Danklied

Das ist das Hohelied des Dankes. Und weil die Dankbarkeit ein entscheidendes Merkmal des Gottesmenschen ist, bleibt es für alle Zeiten einer der wichtigsten Psalmen.

Dankt dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Gnade währt ewiglich! Ps 107:1

Das ist der erste Grund, ihm zu danken. Wir danken ihm nicht in erster Linie deshalb, weil es uns gut geht, sondern wir danken ihm, weil er gut ist. Wir leben Tag für Tag und Augenblick für Augenblick im Genuss seiner Güte. Wie diese Gnade nie einen Anfang gehabt hat, so wird sie auch nie ein Ende nehmen. Gott ist gut nach seiner ganzen Natur. Verglichen mit ihm ist niemand gut, auch nicht einer. Er und niemand anders hat uns erlöst. Sein Arm hat unsere Befreiung gewirkt, und keiner hat ihm dabei geholfen. Darum dankt! Der Dank ist ja das Mindeste und zugleich das Höchste, das wir ihm geben können. Lasst denn auch uns den Herrn allezeit mit aller Inbrunst preisen, sowohl mit dem Mund als auch mit unserem Wandel. Lasst uns Dank sagen und Dank leben.

So sollen sagen die Erlösten des Herrn, die er erlöst hat aus der Hand des Bedrängers. Ps 107:2

Sie irrten umher in der Wüste, auf ödem Weg. Sie fanden keine Stadt, in der sie wohnen konnten. Ps 107:4

Sie waren verirrt an dem schlimmsten Ort, der sich nur denken lässt, gerade wie der Mensch, der sich in der Wüste der Sünde verloren hat. Sie waren auf ödem Weg, einem Weg, der zu keinem Ziel führte. Sie gingen rechts und gingen links, sie eilten vor und wandten sich wieder zurück in vergeblichem Suchen, ganz wie der Sünder, wenn er erweckt ist und seinen verlorenen Zustand erkennt. Im Messias werden sie schließlich den finden, der der Weg ist. Sie fanden keine Stadt zum Wohnen, also keine Ruhe. Im Messias werden sie Ruhe finden. Sie waren hungrig. Im Messias werden sie das Brot des Lebens finden. Und sie waren durstig. Der Messias hat die Dürstenden längst eingeladen, zu kommen und zu trinken.

Hungrig und durstig waren sie, ihre Seele verschmachtete in ihnen. Ps 107:5

Da schrien sie zum Herrn in ihrer Not, und er rettete sie aus ihren Ängsten. Ps 107:6

Gebete, die uns durch den Drang der Not ausgepresst werden, haben umso mehr Macht bei Gott, da sie offenbar aufrichtig sind und kräftig das göttliche Mitleid anrufen. Wenn der Hunger und Durst uns auf die Knie bringt, ist er uns nützlicher als festliches Wohlleben. Wenn das Verschmachten uns dazu bringt, dass wir zu Gott schreien, so ist es besser als die Kraft der Starken.

Er half ihnen, den richtigen Weg zu finden, und führte sie zu einer bewohnten Stadt. Ps 107:7

Es gibt viele falschen Wege, aber nur einen richtigen Weg, und auf diesen kann uns niemand anders als Gott selbst bringen. Wenn der Herr unser Führer ist, dann ist der Weg sicher der richtige Weg. Das brauchen wir niemals infrage zu stellen. So leitet er als der große Hirte seine Schafe. Gott leitet die Erlösten, bis sie am Ziel sind. Er verlässt sie nicht auf halbem Weg, sondern bringt sie zu einer Stadt zum Wohnen. Für Israel war es Jerusalem, die irdische Gottesstadt. Für den Christen ist es eine bessere Stadt: das himmlische Jerusalem. Das irdische Jerusalem wird mit dieser Schöpfung vergehen. Das himmlische Jerusalem bleibt ewig.

Sie sollen dem Herrn danken für seine Gnade und für seine Wunder an den Menschenkindern! Ps 107:8

Er hat die durstige Seele getränkt und die hungrige Seele mit Gutem erfüllt! Ps 107:9

Dieses geistliche Dürsten führt uns in die Einsamkeit und Abgeschiedenheit, in ein brennendes Verlangen, in Verschmachten und völliges Verzagen an uns selbst. Alles dies aber führt uns wiederum zu Flehen, Glauben, Erfahrung der göttlichen Leitung, Sättigung des Seelendurstes und Ruhe: die gnädige Hand des Herrn wird sichtbar in dem ganzen Vorgang und in dem herrlichen Ende. Er macht aus Verlorenen Geborgene, aus Irrenden Gewisse, aus Verschmachtenden Gesättigte. Erst erweckt der Herr in uns ein Dürsten und Sehnen, um es dann völlig zu stillen.

Er führte sie heraus aus Finsternis und Todesschatten und zerriss ihre Fesseln. Ps 107:14

Aus dem Dunkel findet man den Weg nicht selbst heraus. Dazu braucht es Licht und dieses Licht ist nur in Gott. Das zu tun, sandte Gott seinen Sohn in die Welt. Er ist das Licht der Welt, dass uns befreit vom Dunkel. Die Befreiungen, welche der Herr wirkt, sind von der vollkommensten Art und erweisen ihn als herrlichen Sieger. Er lässt die Seele weder in Finsternis noch in Fesseln.

Sie sollen dem Herrn danken für seine Gnade und für seine Wunder an den Menschenkindern. Ps 107:15

Ihre Seele verabscheute alle Nahrung, und sie gelangten bis an die Pforten des Todes. Ps 107:18

Wenn ein Mensch auf dem Sterbebett liegt, verlieren seine Reichtümer für ihn allen Wert und Geschmack. Ist es dann nicht klug, einen Schatz zu sammeln, der uns kräftigt, wenn alle irdischen Erquickungen und Tröstungen uns im Stich lassen oder für uns geschmacklos werden? Ist es nicht gut, einen Vorrat solcher Speise zu suchen, die, so krank wir auch sein mögen, uns niemals widerlich ist, ja an der wir, je kränker wir sind, uns mit desto größerem Verlangen und Genuss stärken können? Solche wahrhaftige Speise ist das Fleisch und Blut unseres Herrn Jesus Christus, das Wort, das Fleisch wurde.

Er sandte sein Wort und machte sie gesund und ließ sie aus ihren Gräbern entkommen. Ps 107:20

Sie sollen ihm Dankopfer bringen und jubelnd seine Taten erzählen! Ps 107:22

Sie taumelten und schwankten wie ein Trunkener, und alle ihre Weisheit war dahin. Ps 107:27

Wir konnten keinen festen Fuß mehr fassen, an nichts mehr uns halten. Wir wussten nicht, was zu machen war, und hätten nichts tun können, auch wenn wir gewusst hätten, was zu tun sei. Wir waren wie Menschen, deren Sinne sich verwirrt haben, und befanden uns in einer so schrecklichen Gemütsverfassung, dass unterzugehen uns besser erschienen wäre als dieses schauerliche Hangen und Bangen. Alle unsere Weisheit war zu Ende; wir wussten nur eins: dass es so nicht weitergehen könne.

Da schrien sie zum Herrn in ihrer Not, und er führte sie heraus aus ihren Ängsten. Ps 107:28

Der Sturm legte sich, und die Wellen wurden ruhig. Ps 107:29

Wir müssen Gott vor allem dann um Hilfe anrufen, wenn die Stürme in unserem Inneren wüten, wenn Zorn oder Traurigkeit uns überfallen. Er wird unsere aufgewühlte Seele zum Schweigen bringen und es wird eine große Ruhe sein. Darum heißt es Mut haben und sich in unserem kleinen Tabernakel mit ihm aufhalten. Jasper sagt: Der Sprung aus der Angst zur Ruhe ist der ungeheuerste, den der Mensch tun kann. Dieser Sprung vollzieht sich immer in und aus der Gnade Gottes. Wenn Gott Stille schafft, dann ist’s wahre Ruhe, ein Friede, der höher ist als alle Vernunft.

Welch ein Mensch ist doch dieser? Denn der Schlaf und das Äußere zeigte ihn als einen Menschen, aber das Meer und die Stille als Gott. Chrysostomos

Da jubelten sie, dass endlich Stille herrschte! Ps 107:30

Ich bitte Jesus in jedem Morgengebet, dass er mich in seinem heiligsten Herzen wohnen lässt, denn dies ist das Schiff, dass jedem Sturm trotzt. In unserem Leben wütet es immer wieder. Damit uns der Wind nicht beliebig umher weht oder gar umwirft bedarf es der geistlichen Besinnung, deren wichtigstes Ziel ist, die Beziehung zu Jesus zu vertiefen, um so in seiner großen Stille zu wohnen. Wir haben diese Beziehungs-Zeit zu Jesus so bitter nötig. Jesus möchte uns das Wohnen in seiner inneren Stille schenken. Diese Stille ist eine Realität, die immer und überall ist, das erfahre ich täglich. Wir müssen uns ihr gegenüber nur öffnen, ihr Raum geben und sie bewusst wahrnehmen und genießen.

Sie sollen dem Herrn danken für seine Gnade und für seine Wunder an den Menschenkindern. Ps 107:31

Er machte Ströme zur Wüste und Wasserquellen zu dürstendem Land. […] Er machte aber auch die Wüste zum Wasserteich und dürres Land zu Wasserquellen. Ps 107:33;35

Unversiegbarkeit, reiche Fülle und stetige Frische, das alles verbindet sich uns mit dem Bild der Quelle, und solche Wasserquellen werden nun da geschaffen, wo vorher alles dürr war. Dieses Wunder der Gnade ist das genaue Gegenstück der in den vorher gehenden Versen geschilderten Gerichtstat und wird von ebenderselben Hand bewirkt. Ebenso vollbringt die Barmherzigkeit des Herrn in der Gemeinde wie im Gläubigen bald erstaunliche Umwandlungen, wo die wieder zurechtbringende und erneuernde Gnade ihr gesegnetes Werk beginnt.

Sie säten Äcker an und pflanzten Weinberge, die reichen Ertrag an Früchten brachten. Ps 107:37

Die Menschen wirken, wenn Gott wirkt. Sein Segen lässt den Sämann mutig seine Hoffnungsarbeit tun, ermuntert den Pflanzer bei seinem mühsamen Werk und gibt dem fleißigen Landmann in der Ernte den Lohn. Nicht nur die unumgänglich notwendigen Lebensbedürfnisse, sondern auch liebliche Genüsse, Wein sowohl als Brotkorn, werden dem Menschen zuteil, wenn der Allmächtige dem Himmel gebietet, den Regen zu geben. Wenn Gott den Segen sendet, so setzt er damit die menschliche Anstrengung nicht außer Wirksamkeit, sondern ermuntert und entfaltet vielmehr die Kräfte. Paulus pflanzt, Apollos begießt, und Gott gibt das Gedeihen.

Er segnete sie, dass sie sich stark mehrten, und auch ihr Vieh ließ er nicht wenig sein. Ps 107:38

Den Armen aber hob er aus dem Elend empor. Ps 107:41

In der Bibel ist der wahre Arme derjenige, der ganz auf Gott vertraut, und Jesus selbst bezeichnet sie im Evangelium als selig, denn ihnen gehört das Himmelreich. Der Herr preist die Einfachheit des Herzens derer, die in Gott den wahren Reichtum erkennen und ihre Hoffnung auf ihn setzen, nicht auf die Güter dieser Welt. Er selbst wird für uns arm, ein König der Armen, ein Armer unter den Armen und für die Armen. Wenn wir mit Christus eins werden, dann lernen wir, ihn gerade in den Armen, in den Kleinen dieser Welt zu erkennen. Dann werden wir Dienende, die seine Brüder und Schwestern erkennen und in ihnen ihm selbst begegnen.

Wer weise ist, wird dies beachten, und er wird die Gnadenerweise des Herrn verstehen. Ps 107:43

Wer weise ist, der soll auf dieses Tun des Herrn achten. Dann wird er die unbegreifliche Gnade des Herrn erkennen. Wer auf Gottes Vorsehung achthaben will, der wird bald genug zu beachten haben. Wir tun gut daran, zu beobachten, was der Herr tut. Denn er ist weise von Rat und mächtig von Tat. Er hat uns Augen gegeben zu sehen, und es ist töricht, sie zu schließen, wo es so viel und so Herrliches zu sehen gibt. Aber unsere Beobachtung muss auch von weiser Art sein. Wir müssen es nicht nur mit dem Auge betrachten und mit den Gedanken erfassen, sondern vor allem mit dem Herz.

Psalm 108: Gewissheit in Bedrängnis

Mein Herz ist getrost, o Gott: ich will singen und spielen, auch meine Seele! Ps 108:2

Die Räder eines Wagens drehen sich im Kreis, nicht aber die Achse. Die Flügel der Windmühle drehen sich im Wind, nicht aber die Mühle selbst. Die Erde fährt auf ihrer Bahn dahin, aber ihr Mittelpunkt steht fest. So sollte ein Christ imstande sein, mitten unter den wechselnden Umständen und Glücksfällen zu sagen: O Gott, mein Herz ist fest, fest entschlossen und getrost. Trotz der mancherlei Sorgen, die mich bestürmen, ist mein Herz doch fest auf eins gerichtet und lässt sich davon durch nichts mehr abbringen.

So bitte du ernstlich und oft, dass dein Herz bereit und fest werde und zwar durch Übung und Gewöhnung.

Harfe und Laute, wacht auf! Ich will die Morgenröte wecken. Ps 108:3

Wie man die Instrumente zuerst stimmt und dann darauf spielt, so sollte ein Knecht Gottes zuerst daran arbeiten, seinen Geist, sein Herz und seine Empfindungen in die rechte gute und feste Verfassung zur Anbetung zu bringen. Bei allem, was Gottes Dienst und Anbetung betrifft, sollte es der Entschluss eines jeden sein: Ich will ganz wach und dabei sein. Denn die Erde vermag nicht all die Fülle der Gnade zu fassen. Sie ist so reich, so unermesslich, so unendlich hoch.

Herr, ich will dich preisen unter den Völkern und dir lobsingen unter den Nationen, denn groß bis über die Himmel hinaus ist deine Gnade, und deine Treue bis zu den Wolken. Ps 108:5

Erhebe dich über die Himmel, o Gott, und über der ganzen Erde sei deine Herrlichkeit! Ps 108:6

Seine Herrlichkeit erstrahlt durch sein Dasein im Wort, das er spricht. Dieses Wort wirkt. Das Wort Gottes und das Wirken Gottes sind eins. Wo Gott gesprochen hat, dürfen wir uns nun freuen. Schon die Tatsache der göttlichen Offenbarung ist an sich eine Freude. Was Gott aber gesprochen hat, ist noch ein weiterer Grund zur Freude. Seine Verheißungen sind unsere Glückseligkeit. Der Glaube, der sich an eine Verheißung fest anschließt, verschafft uns dabei schon Freude, ehe sie erfüllt wird.

Gott hat gesprochen in seinem Heiligtum: Ich will frohlocken! Ps 108:8

Schaffe uns Hilfe in der Drangsal. Menschenhilfe ist ja nichtig! Ps 108:13

Wir sollten mit so viel größerem Vertrauen zu Gott beten, wenn unser Vertrauen auf Menschen vollständig zusammenbricht. Ist Menschenhilfe auch vergeblich, so werden wir bei Gott nicht vergeblich Beistand suchen.Wer in irgendeiner Sache Gottes Beistand sucht, muss alles Vertrauen auf Menschenhilfe fahren lassen. Wenn wir aber die Nichtigkeit menschlicher Hilfe einsehen, muss uns das umso zuversichtlicher machen, auf Gottes Hilfe zu warten. Alle Anstrengung ohne Gott ist nichtig. Er ist unsere geheime Kraftquelle, aus der wir unseren gesamten Bedarf an Mut, Weisheit und Kraft schöpfen.

Mit Gott werden wir Gewaltiges vollbringen. Ps 108:14

Psalm 109: Rette mich vor dem Feind

O Gott, den ich rühme, schweige nicht! Ps 109:1

Es ist der Hilferuf eines Menschen, dessen Gottvertrauen tief und stark ist und der es gewohnt ist, mit dem Herrn vertraut und freimütig zu reden. Beachten wir, dass er den Herrn nur zu sprechen bittet. Ein Wort von Gott ist alles, was ein Mensch des Glaubens benötigt. Schweige nicht. Wie passend ist dieser Ausdruck in seiner Anwendung auf Gott, bei dem sprechen dasselbe ist wie tun. Denn durchs Wort hat er alle Dinge geschaffen. Schweigt Gott, so lasst uns desto stärker rufen. Auch dürfen wir, wenn die Hilfe säumt, nicht an ihr verzagen oder ungeduldig vom Flehen ablassen, gerade wenn wir in großer Bedrängnis sind.

Mit lügnerischer Zunge sprechen sie zu mir. Sie umringen mich mit gehässigen Worten und bekämpfen mich ohne Grund. Ps 109:2-3

Dafür, dass ich sie liebe, sind sie mir feind. Ich aber bete. Ps 109:4

Sie hassten Christus ohne Ursache und vergalten ihm Hass für Liebe. Was für ein Seelenschmerz muss das sein, gehasst zu werden nach dem Maß, in welchem man Dankbarkeit verdiente, gehasst zu werden von denen, welche man liebte, und gehasst eben wegen der Liebe. Unser Herr und Heiland erduldete solch gemeine Behandlung sein Leben lang und erleidet sie in seinen Gliedern noch heute. Christus aber betet. Er ist ganz Gebet. Das war seine Antwort auf das böse Tun.

Sie erweisen mir Böses für Gutes und Hass für Liebe. Ps 109:5

Setze einen Gottlosen über ihn, und ein Ankläger stehe zu seiner Rechten! Ps 109:6

In den hier folgenden Versen findet sich das längste und erschütterndste Rachegebet in der ganzen Bibel.

Die Deutung, welche die Flüche nicht auf Personen sondern auf die feindlichen geistlichen Mächte, d. h. die Sünde in allen Gestalten, bezieht, enthält, wenn auch nicht die ganze, so doch ein großes Maß von Wahrheit. Sie ist vor allem auch für den Gebrauch des Psalters bei der Privatandacht von hohem Wert.

Ihr Angedenken werde von der Erde vertilgt, weil er nicht daran dachte, Barmherzigkeit zu üben, sondern den Elenden und Armen ver­folgte und den Niedergeschlagenen, um ihn zu töten. Ps 109:15-16

Du aber, o Herr, mein Herr, handle an mir um deines Namens willen. Deine Gnade ist gut; darum errette mich! Ps 109:21

Gottes Gnade ist der Stern, auf den die Gläubigen ihren Blick richten, wenn sie vom Sturm umhergeschleudert werden und sonst keinen Trost wissen. Denn die wunderbare Freigebigkeit und Güte dieser Gnade ist mühseligen Herzen köstlich. Wenn wir bei Menschen Erbarmen, Güte und Liebe auch vergeblich gesucht haben, so werden wir sie doch bei dem Herrn sicher finden. Der Gläubige lässt sich ganz in Gottes Händen, schreibt dem Herrn nichts vor, sondern ist ganz zufrieden, wenn sein Gott mit ihm verfährt um seines Namens willen. Sein Name und seine Gnade sind zwei feste Anker der Hoffnung und wohl denen, die sie auszuwerfen wissen. Der Herr achtet stets mit zarter Aufmerksamkeit auf alle, die zerbrochenen Herzens sind.

Ich bin elend und arm, und mein Herz ist verwundet in meiner Brust. Ps 109:22

Hilf mir, o Herr, mein Gott! Rette mich nach deiner Gnade. Ps 109:26

Hilf mir nach deiner Gnade. Nach dem Maß deiner Gnade lass meine Rettung sein. Das ist ein großes Maß, denn des Herrn Gnade ist ohne Grenzen. Wenn Menschen kein Erbarmen haben, ist es tröstlich, zu Gottes Erbarmen seine Zuflucht zu nehmen. Indem er durch das aneignende Wörtlein mein im Glauben Gott erfasst, erfleht er seinen Beistand, dass er ihm sowohl helfe, die schwere Last zu tragen, als auch ihn befähige, sich darüber zu erheben. Die Worte sind ein bei aller Kürze inhaltsreiches und passendes Gebet für Gläubige in jeder Lage, wo sie von Gefahren, Schwierigkeiten oder Kummer bedrängt sind.

Ich will den Herrn laut preisen mit meinem Mund, und inmitten vieler will ich ihn rühmen, weil er dem Armen zur Seite stand, um ihn zu retten vor denen, die ihn verurteilten. Ps 109:30-31