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Psalm 119

Psalm 119

Psalm 119, 1-8

Der Segen des Wandels nach Gottes Wort

Wohl denen, die im Weg untadelig sind, die wandeln nach dem Gesetz des Herrn! Ps 119:1

Wahre Frömmigkeit äußert sich im Handeln. Sie erweckt in uns den Wunsch, unser tägliches Leben nach dem Willen des Herrn auszurichten in gleichmäßigem Schritt immer vorwärts, aufwärts, himmelwärts. Jesus ist dabei da, uns zu halten mit seiner Kraft. Stützen wir uns auf seinen starken Arm bei jedem Schritt und wenn wir gefallen sind, so wollen wir wieder aufstehen und unsere Kleider in der reinigenden Flut seines Blutes waschen.

Jesus Christus: Wer auf diesem Weg ist, den wird Gott verwandeln und seinem Sohn gleich machen. 

Wohl denen, die seine Zeugnisse bewahren, die ihn von ganzem Herzen suchen, Ps 119:2

Gott suchen bedeutet das Verlangen nach immer innigerem Umgang mit ihm, ihm immer eifriger nachfolgen, immer völliger eins werden mit seinem Sinn und seinem Willen, seinen Ruhm und seine Ehre immer weiter ausbreiten, kurz, eben alles das sich zu eigen machen, was er für ein frommes Herz sein kann. Der so gesegnet ist, der hat Gott schon, und darum sucht er ihn. Mit dem Herzen müssen wir ihn suchen. Der Liebe offenbart sich die Liebe. Gott enthüllt sein Herz dem Herzen der Seinen. Gott selbst ist Einer und wir werden ihn nie erkennen, solange unser Herz nicht selbst eins und ungeteilt ist.

Wohl denen, die auch kein Unrecht tun, die auf seinen Wegen gehen! Ps 119:3

Welche auf seinen Wegen wandeln, die tun kein Übel. Wenn der Fromme gesündigt hat, so bereut er. Wohl wissen wir, dass kein Mensch den Anspruch erheben kann, ganz ohne Sünde zu sein, aber ebenso wohl sind wir überzeugt, dass es viele gibt, die nicht mit Überlegung, bewusst, gewohnheitsmäßig Böses, Gottloses und Unrechtes tun. Die Gnade hält unseren Wandel auf der Bahn der Gerechtigkeit, wenn schon der Christ vor Gott zu beklagen hat, dass sein Herz sich mannigfache Übertretungen zuschulden kommen lässt.

Du hast deine Befehle gegeben, dass man sie eifrig befolge. Ps 119:4

O dass meine Wege dahin zielten, deine Anweisungen zu halten! Ps 119:5

Es ist die Bitte des Glaubens aus einem Herzen, das den Herr liebt und vertrauensvoll auf seinen gnädigen Beistand hofft. Wir müssen den Herr bitten, seine Werke in uns zu wirken, sonst werden wir nie seine Befehle ausführen können. Bewusstsein der eigenen Schwäche, ein Hilferuf zu dem, der helfen kann, ein Angstruf des Verirrten nach einem Führer. Wie der Wanderer sein Angesicht auf sein Ziel gerichtet hat, so ist das Herz des Gläubigen auf Gott gerichtet. Er strebt vorwärts, um dem völligen Gehorsam immer näher zu kommen.

Dann werde ich nicht zuschanden, wenn ich auf alle deine Gebote achte. Ps 119:6

Ich werde dir danken mit aufrichtigem Herzen, wenn ich die Bestimmungen deiner Gerechtigkeit lerne. Ps 119:7

Der Psalmist spricht hier nicht bloß von verstandesmäßiger Erkenntnis des Wortes, sondern von einer lebendigen Erkenntnis, die zur Anwendung desselben in unserem Leben führt. Er möchte lernen um zu wissen, wissen um zu glauben, glauben um sich zu freuen, sich freuen um zu bewundern, bewundern um an zubeten, anbeten um danach zu handeln und weiter zu wandeln auf dem Weg von Gottes Geboten. Solches Lernen ist das rechte, wahre Lernen, und der ist da der Gelehrteste, der Gottes Wort und Lehren in gute Werke umsetzt.

Deine Anweisungen will ich halten. Verlass mich niemals! Ps 119:8

Der Psalmist möchte Gottes Willen halten, aber er fühlt sein Unvermögen. Solche Entschlossenheit und solche Empfindung der Abhängigkeit von Gottes Gnadenbeistand geben miteinander verschmolzen das beste Schuhwerk für unseren Lebensweg. Er wird uns auf diesem Weg nie verlassen. Der Herr hat die Seinen noch nie ganz verlassen und er wird sie nie verlassen, gelobt sei sein heiliger Name. Wenn wir danach begehren, seine Rechte zu halten, wird er uns halten, ja, seine Gnade wird uns festhalten auf dem Weg des Gehorsams gegen seine Gebote.

Psalm 119,9-16

Der Weg der Reinheit

Wie wird ein junger Mann seinen Weg unsträflich gehen? Indem er ihn bewahrt nach deinem Wort! Ps 119:9

Das Wort hat in des Gläubigen Herzen Wurzel gefasst, es stärkt und kräftigt ihn in seinen Vorsätzen, mit süßen Liebesworten, mit drohendem Ernst lockt, treibt es ihn an auf der rechten Straße. Deine Richtschnur muss die Schrift sein und du hast alle Sorgfalt dafür aufzuwenden, deinen Weg ihren Weisungen gemäß zu wählen. Du musst auf dein tägliches Leben genau achtgeben und damit du dies in der rechten Weise und erfolgreich tun kannst, musst du täglich in der Schrift forschen. Fahre damit fort freudig in dieser Richtung vorwärts zu schreiten, wo du am Ende die glückhafte Ruhe deiner Seele finden wirst.

Von ganzem Herzen suche ich dich. Lass mich nicht abirren von deinen Geboten! Ps 119:10

Gott ist jederzeit und zu allen gut. Du wirst ihn überall zu deinem Beistand und Trost finden. Darum darfst du die Suche nach einem so großen Gut nie aufgeben. Trachte ständig danach durch kurze, aber innige Erhebungen deines Geistes zu seiner heiligen Liebe. Wir müssen den Herrn suchen, ihn selbst, nicht nur seine Segnungen. Gott selbst, nicht nur die Gaben Gottes. Nach dem Herrn selbst verlangt unser Innerstes. Wir begehren nicht bloß seine Gebote zu erfüllen, sondern wir suchen die Gemeinschaft mit seiner Person.

Ich bewahre dein Wort in meinem Herzen, damit ich nicht gegen dich sündige. Ps 119:11

Es genügt nicht, das Wort einmal gelernt zu haben, so wie man die Verkehrsregeln einmal gelernt hat und dann kennt man sie. Wir müssen das Wort Gottes im Herzen festhalten. Dann wird es uns beständig leiten, vom Augenblick an, da wir aufstehen, bis wir uns abends wieder niederlegen. Das Wort muss wie ein Schatz bewahrt werden, den wir sorgfältiger aufbewahren als jedes irdische Gut. Dann bewahrt es uns vor der Sünde. Der beste Schutz gegen die Sünde wider Gott ist Gottes Wort, denn es zeigt uns seinen Willen und wirkt mit seiner Macht darauf hin, unseren Willen mit dem göttlichen Willen in Übereinstimmung zu bringen.

Gelobt seist du, o Herr! Lehre mich deine Anweisungen. Ps 119:12

Diese Bitte zeigt das Bewusstsein der ganzen Hilflosigkeit, der völligen Abhängigkeit von Gott. Wir haben es so nötig, Schüler, Lernende zu sein. Welche hohe Ehre aber ist es, Gott selbst zum Lehrer zu haben. Diesem Lehrer müssen wir uns völlig unterstellen, wenn wir in unserem Tun und Wandel die Gebote der Gerechtigkeit erfüllen wollen. Und so beten wir: Lehre mich, denn nur so lerne ich den Weg kennen, der zur Seligkeit führt.

Wer sein eigener Lehrer ist, hat einen Narren zum Lehrer. Bernhard von Clairveaux

Mit meinen Lippen verkünde ich alle Bestimmungen deines Mundes. Ps 119:13

Nachdem der Psalmist das reinigende Wort in sein Herz aufgenommen hat, um es da zu bewahren, will er es nun auch mit seinen Lippen verkünden. Er will es alles erzählen, denn es ist alles gut und rein. Wenn das Herz gereinigt ist, dann wird das, was aus dem Herzen quellend über die Lippen strömt, auch rein sein. Der also ein Lernender war, will nun selbst zum Lehrer werden. Was wir hören ins Ohr, das sollen wir auf den Dächern predigen.

Ich freue mich an dem Weg, den deine Zeugnisse weisen, wie über lauter Reichtümer. Ps 119:14

Es ist ein Weg des Gehorsams, denn ich gehe ihn, indem ich Gottes Weisungen gehorche. Es ist ein Weg des Glaubens, denn ich wandle im Glauben und nicht im Schauen. Es ist ein vollkommen sicherer Weg, auf dem man nicht irregehen kann. Es ist ein Weg des Friedens, denn wer ihn geht, hat Frieden mit Gott und hat darum auch Frieden in der Seele. Es ist ein Königsweg, denn der König ist ihn selbst gegangen. Wir sehen entlang des ganzen Weges seine Fußstapfen. Wer diesen folgt, wird am Ende dort sein, wo sein König ist. An ihm freuen wir uns wie über allen Reichtum. Diese Freude kennt, wer aus Gott geboren ist.

Ich will über deine Befehle nachsinnen und auf deine Pfade achten. Ps 119:15

Wie der Geizhals immer wieder zu seinen Schätzen schleicht, um sich an ihrem Anblick zu weiden, so kehrt der Liebhaber der göttlichen Wahrheit stets aufs Neue zurück zu dem unermesslichen Reichtum, den er in dem Buch der Bücher entdeckt hat. Wer die Freude geschmeckt hat, die es bereitet, den Weg zu gehen, den Gottes Zeugnisse uns weisen, der wird von selbst über diese Zeugnisse immer tiefer nachdenken. Solch ein frommes Sinnen ist die heilsamste geistliche Beschäftigung, die beste geistliche Übung für die Seele. Gottes Befehle schärfen das Gewissen, nähren den Glauben, festigen die Hoffnung, stärken den Mut, richten den Blick und lenken den Fuß.

Ich habe meine Lust an deinen Anweisungen. Dein Wort vergesse ich nicht. Ps 119:16

Psalm 119,17-24

Hilf dein Wort zu bewahren

Gewähre deinem Knecht, dass ich lebe und dein Wort befolge! Ps 119:17

Er begehrt eine Wohltat, nicht etwas, das ihm etwa  zustände. Die Bitte dieses Verses zeigt uns, dass wir nur durch Gottes Gnade als treue Diener des Herrn leben und seinen Geboten gehorsam sein können. Tun wir Dienst für Gott, so geschieht dies nur, weil er uns dazu Gnade schenkt. Wir wirken für ihn, weil er in uns wirkt. Für den Erwählten Gottes aber ist das Leben ein großer Gnadenerweis. Je länger er lebt, umso mehr Gutes wirkt er, zur Ehre Gottes, zur Erbauung seiner Mitmenschen, wie zur Befestigung seiner eigenen Heiligung durch fortwährendes Ringen und Überwinden in allen Versuchungen, durch Ausharren bis ans Ende.

Öffne mir die Augen, damit ich sehe die Wunder in deinem Gesetz! Ps 119:18

So betet der Blinde, nicht der Sehende. Wer mag die Geheimnisse der Schrift erforschen und in ihre verborgenen Tiefen eindringen, wenn ihm nicht Christus die Augen öffnet? Sicherlich niemand, denn niemand kennt den Vater als nur der Sohn, und wem es der Sohn offenbaren will. Wir können Gottes Wort nicht halten, wenn wir es nicht kennen, und wir können es nicht kennen, wenn uns nicht die Augen geöffnet sind.

Ich bin ein Fremdling auf Erden. Verbirg deine Gebote nicht vor mir! Ps 119:19

Ich bin ein Gast auf Erden, bin auf Erden nicht daheim, sondern ein Fremdling, der da keine bleibende Stätte hat. Nicht Gott war er fremd, sondern der Welt. Eben weil er Gott von ganzem Herzen suchte, fühlte er sich in der Fremde, solange er nicht im Himmel, bei Gott, war, sondern noch auf Erden pilgern musste. Die wahre Gottseligkeit besteht auf Erden zum guten Teil im Verlangen, in der Sehnsucht des Herzens. Selig sind die, deren Herzen allezeit von Verlangen nach Vereinigung mit dem hohen, herrlichen Gegenstand der Liebe erfüllt sind.

Meine Seele verzehrt sich vor Sehnsucht nach deinen Bestimmungen allezeit. Ps 119:20

Ja, deine Zeugnisse sind meine Freude. Sie sind meine Ratgeber. Ps 119:24

Psalm 119,25-32

Belebe mich für den Weg der Wahrheit

Meine Seele klebt am Staub. Belebe mich nach deinem Wort! Ps 119:25

Was er beklagt, ist unserer Ansicht nach sein Gebundensein an die Dinge dieser Erde, die sein Gemüt gefangen halten. Statt dass seine Seele sich zum Himmel erhob, wurde sie in den Staub niedergedrückt. Sie war so belastet mit irdischen Gedanken, Neigungen und Sorgen, dass sie am Boden klebte. Nur der himmlisch Geborene und darum auch himmelan Strebende seufzt unter dem niederdrückenden Bewusstsein, an diese Erdenwelt gefesselt zu sein. Der Christ, dessen Seele durch den Geist von oben her bewegt wird, richtet seine Wünsche und Neigungen auf das, was droben ist.

Es ist etwas Großes, was wir hier sehen: ein Gläubiger, der im Staub liegt und dennoch dem Herrn seine Verheißungen vorhält. Unsere Hoffnung ruht einzig auf der Gewissheit, dass Gott seine Verheißungen erfüllen wird.

Ich habe meine Wege erzählt, und du hast mir geantwortet. Lehre mich deine Anweisungen! Ps 119:26

Gott ist vertraut mit allen meinen Wegen, darum muss ich ihn nicht darüber informieren, aber er will, dass wir ihm unsere Wege erzählen, d. h. unser Irren und unsere Sünden bekennen. Ein offenes Bekenntnis ist der Seele heilsam. Wie ein Kranker dem Arzt genau berichtet, wie es ihm geht, so sollten wir es auch mit Gott machen, wenn wir Gnade bei ihm finden wollen. Nichts gibt einem Menschen größere Erleichterung und ist so geeignet, zu neuem Lebensmut und frischer Kraft zu führen. Auf bußfertiges Bekennen folgt Vergebung und daraus folgt der Wille der Umkehr, um weiteres Übertreten zu vermeiden. Die vergebende Gnade, die unsere Schuld tilgt, wirkt in uns das Begehren nach der bewahrenden Gnade, die vor neuer Schuld behütet.

Lass mich den Weg verstehen, den deine Befehle weisen, so will ich reden über deine Wundertaten. Ps 119:27

Wenn das Herz tief ergriffen ist, kann die Zunge nicht stillhalten, sie wird überfließen von Verkündigung dessen, was das Herz erfüllt. Denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Die Mutterbrust, an der kein Kind saugt, vertrocknet. Die Brote vermehrten sich, als sie verteilt wurden. Alle Gaben, vorab die geistlichen, welche die köstlichsten sind, vermehren sich durch Übung und Gebrauch.

Meine Seele weint vor Kummer. Richte mich auf nach deinem Wort! Ps 119:28

Wir möchten lobpreisen und können kaum beten, wir möchten beten und können kaum seufzen. Unser Schatz ist im Himmel, aber unsere Seele liegt im Staub der Erde und klebt daran. Aber der Herr richtet auf. Er ist die lebendige Quelle, an der sich die ermattete, verschmachtende Seele erquicken kann und der Zugang zu dieser Quelle steht jedem offen, trotz aller Staubwolken, die dieses Tal der Schatten verdüstern. Diese Quelle wählen wir. Unsere Hoffnung beruht nicht auf irgendetwas, sondern allein auf seinem Gott.

Den Weg der Treue habe ich erwählt und deine Bestimmungen vor mich hingestellt. Ps 119:30

Ich halte fest an deinen Zeugnissen. Herr, lass mich nicht zuschanden werden! Ps 119:31

Meine Seele klebt am Staube, ich klebe an deinen Zeugnissen. Dieser scheinbare Widerspruch verträgt sich. Im Innern streiten zwei Mächte, die angeborene sündhafte Natur und die unsterbliche Gnade Gottes. Das Fleisch gelüstet wider den Geist und der Geist wider das Fleisch und der Mensch bricht in den Klageruf aus: Ich elender Mensch (Röm 7,24). So liegt die Sache, und alle Gläubigen machen diese Erfahrung. Während die Seele sich nur zu häufig im Staub liegend, am Staub klebend weiß, ringt der Geist danach, an Gottes Zeugnissen zu hangen.

Ich laufe den Weg deiner Gebote, denn du machst meinem Herzen Raum. Ps 119:32

Er möchte den Willen Gottes mit Tatkraft, mit ganzem Eifer und ohne Zögern erfüllen. Das kann er aber nur, wenn und weil Gott ihn mit Kraft und Freudigkeit dazu ausrüstet. Ich will laufen, d. h. frisch und fröhlich wandeln, den Weg deiner Gebote, denn du machst mir das Herz weit, d. h. du machst es lustig, tröstlich und fröhlich. Erst muss Gott in uns wirken, dann wollen und vollbringen wir das Gute nach seinem Wohlgefallen.

Psalm 119,33-40

Lehre mich den Weg

Lehre mich, Herr, den Weg deiner Anweisungen, dass ich ihn einhalte bis ans Ende. Ps 119:33

Keiner darf sich rühmen, dass er aus eigener Kraft auf dem rechten Weg bleiben werde, denn wir sind darin ganz von dem fortwährenden Lehren des Herrn abhängig. Welche Güte von unserem großen Gott, dass er sich herabneigt, um die zu unterweisen, die sich Erleuchtung suchend an ihn wenden. Die Kinder Gottes brauchen Anweisung von oben, solange sie in dieser Welt leben.

Gib mir Verständnis, so will ich dein Gesetz bewahren und es befolgen von ganzem Herzen. Ps 119:34

Lass mich wandeln auf dem Pfad deiner Gebote, denn ich habe Lust an ihm. Ps 119:35

Der Psalmdichter bittet den Herrn nicht, für ihn zu tun, was er selber tun soll. Er verlangt nicht, getragen zu werden, wobei er selber in bequemer Untätigkeit verharren würde, sondern er bittet: Bewirke du, dass ich gehe. Gehen will er selber. Die Aufgabe eines Christen liegt nicht in tiefem Nachsinnen über allerhand geheime Weisheit, sondern im frischen, lebendigen Tun. Und was die Gnade Gottes so köstlich macht, ist ihre Doppelwirkung. Sie lehrt uns erst, was wir tun sollen, und dann hilft sie uns das Gelernte auch zu tun.

Neige mein Herz zu deinen Zeugnissen und nicht zur Habgier! Ps 119:36

In uns steckt eine Neigung zur Gier immer mehr haben zu wollen. Darum ist es schwer Maß zu halten. Es war noch nie so schwer wie jetzt: die große Fülle an Angeboten und Möglichkeiten reizt unentwegt. Das betrifft alle Lebensbereiche: Essen, Einkauf, Mediennutzung, Gemeinschaft, Arbeit, Sex, Alkohol, Anerkennung, Schokolade, Urlaubstrips. Jeder hat irgendwo seine Punkte, wo er gefährdet ist. Der eine hier, der andere dort. Fakt ist: Die Tugend des Maßhaltens ist heute wichtiger als jemals zuvor!

Der Geiz ist Götzendienst. Er setzt den Mammon anstelle Gottes auf den Thron. Der Geizige hasst zudem alle Menschen, die Armen, weil sie etwas von ihm verlangen könnten, die Reichen, weil sie etwas besitzen, was er selbst haben möchte.

Halte meine Augen davon ab, nach Nichtigem zu schauen. Ps 119:37

Weshalb sollten wir auch nach dem Eitlen schauen? Es schwindet wie ein Rauch. Warum nicht lieber nach dem Ewigen blicken? Erfülle mich so mit Leben, dass die tote Eitelkeit keine Macht mehr über mich hat. Gib mir Kraft, so munter und rasch auf dem Weg zum Himmel voranzuschreiten, dass ich das Eitle nicht lange genug in Sicht behalte, um davon gefesselt zu werden. Merke, er sagt nicht: Ich will meine Augen abwenden, sondern: Wende du meine Augen ab. Daraus können wir erkennen, dass es für uns unmöglich ist, bei aller Sorgfalt selbst unsere Augen im Zaum zu halten, sie müssen unter göttlicher Obhut stehen.

Was kann meine Augen am sichersten abwenden vom Unnützen? Die überirdische Schönheit Jesu, uns vor Augen gestellt und unsere Herzen er füllend. Charles Bridges.

Belebe mich in deinen Wegen! Ps 119:37

Zuerst müssen wir auferweckt werden zu jenem Leben, das von oben kommt und uns darum beharrlich nach oben zieht. Dann können wir wandeln. Dieses Leben ist so untrennbar mit dem Weg verbunden, wie der Herr Jesus in seiner Person unteilbar ist. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wir müssen seiner Wahrheit gehorchen, wir müssen seinen Weg gehen, wir müssen sein Leben als unser Leben haben. Der Herr Jesus ist so beides, der Weg und das Leben.

Erfülle an deinem Knecht dein Wort, das denen gilt, die dich fürchten. Ps 119:38

Gott muss den ersten Schritt getan, er muss das erste Wort gesprochen haben. Daraufhin also, wenn wir erst dieses Wort haben, dürfen wir dann die Zuversicht haben, ihn zu bitten. Er erfüllt dann sein Wort. Ein festes Vertrauen auf dieses Gottes Wort ist Quelle und Grundlage der wahren Gottesfurcht. Wir können nicht erwarten, die Erfüllung der göttlichen Verheißungen in unserem Leben zu erfahren, wenn wir nicht unter dem Einfluss der Furcht des Herrn leben. Fürchten wir Gott, so werden wir von aller anderen Furcht befreit.

Wende von mir die Schmach, die ich fürchte; denn deine Bestimmungen sind gut! Ps 119:39

Siehe, ich sehne mich nach deinen Befehlen. Belebe mich durch deine Gerechtigkeit! Ps 119:40

Wo unser Herz, unser Begehren ist, da sind wir selber in Gottes Augen. Haben wir die Vollkommenheit auch noch nicht erlangt, so ist es doch schon etwas, wenn wir danach hungern und dürsten. Und der uns das Verlangen gegeben hat, der wird uns auch das Vollbringen gewähren. Sehen wir uns die ganze Reihe der Bitten an, dann erzeugen sie doch einen überwältigenden Eindruck von der Unfähigkeit auch des Heiligen zu allem Guten: Lehre mich! Gib mir Einsicht! Leite mich! Neige mein Herz! Wende meine Augen ab! Belebe mich!

Psalm 119,41-48

Entziehe mir dein Wort nicht

Herr, lass mir deine Gnade widerfahren, deine Hilfe nach deinem Wort, Ps 119:41

Der Glaube ist es, worauf wir uns stützen, wenn wir Gnade und Heil suchen. Der Glaube an den Herrn, der in seinem Wort zu uns geredet hat. Gott sieht das gläubige Vertrauen eines Menschen mehr an als irgendetwas anderes, das in ihm ist. Es hat dem Herrn gefallen, den Glauben zu erwählen als die offene Hand, die er mit seinen Gnaden und seinem Heil füllen will. Welche Fülle von Gnaden ist doch in dem durch Christus uns geschenkten Heil enthalten!Wohl ist der Weg von dir zu mir durch Sünden und allerlei Schlimmes versperrt, aber die Gnade vermag alles Hindernde zu beseitigen und sich Zugang zu verschaffen oder aber sich einen neuen Weg zu bahnen.

Ich verlasse mich auf dein Wort! Ps 119:42

Nimm nur nicht das Wort der Wahrheit von meinem Mund. Denn ich hoffe auf deine Bestimmungen! Ps 119:43

Ich will dein Gesetz stets bewahren, immer und ewiglich. Ps 119:44

Nichts bindet einen Menschen innerlich fester an den Gehorsam, als wenn er die Wahrheit des Wortes Gottes in Gestalt von Gnadenerweisungen und heilvoller Hilfe erfahren darf. Große Gnadenerfahrungen erwecken in uns eine unaussprechliche Dankbarkeit. Gottes Gnade allein kann uns fähig machen, seine Gebote so ohne Unterbrechung und ohne Aufhören zu halten. Die ewige Liebe muss uns ewiges Leben verleihen, daraus wird dann ewiger Gehorsam entspringen. Gottes erlösende Gnade lehrt uns die Befehle seines Wortes lieben und bringt uns dadurch zu einer seligen inneren Ruhe.

So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung. Röm 13,10

Ich werde wandeln in weitem Raum. Denn ich suche deine Befehle. Ps 119:45

Der Geist des Herrn ist ein freudiger, williger Geist. Er macht die Menschen frei und macht sie stark, jedem Versuch, sie wieder unter das Joch der Knechtschaft zu bringen, zu widerstehen. Der Weg der Heiligkeit ist kein mühseliger Sklavenpfad, sondern eine wohlgebahnte königliche Heerstraße für freie Leute.

Ja, ich will vor Königen von deinen Zeugnissen reden und mich nicht schämen. Ps 119:46

Das große Hindernis, das uns abhält, von geistlichen Dingen in jedem Kreis zu reden, ist die Scham. Es sind viele Menschen stumm wie das Grab, aus Furcht, sie könnten bei irgendjemand anstoßen. In diesem Vers werden wir vor vier Verfehlungen gewarnt: Erstens vor unzeitgemäßem Schweigen: Ich rede; zweitens vor zwecklosem, un nützem Geschwätz: von deinen Zeugnissen; drittens vor feiger Menschenfurcht: vor Königen; viertens vor falscher Scham: Ich schäme mich nicht.

Ich will mich erfreuen an deinen Geboten, die ich liebe. Ps 119:47

Wie sagt doch Jesus? Wer mich liebt, der wird mein Wort halten. Die Liebe ist des Gesetzes Erfüllung. Wo die Liebe zum Gesetz Gottes im Herzen regiert, da muss das Leben ein reich gesegnetes sein. Herr, lass deine Gnade mächtig über uns kommen, dass wir dein Wort und deine Wege lieb haben und an ihnen unseres Herzens Lust finden. Der ganze 119. Psalm ist durchdrungen von dem Wohlgeruch der Liebe zum göttlichen Wort. Doch ist hier zum ersten Mal die Liebe ausdrücklich genannt.

Ich will meine Hände ausstrecken nach deinen Geboten, die ich liebe, und will über deine Anweisungen nachsinnen. Ps 119:48

Er hebt seine Hände auf, weil er weiß, dass er ganz arm ist. Wie der Bettler seine Hände nach Brot ausstreckt, so streckt der Heilige seine Hände nach Gottes Wort aus, und darin ist er glückselig. Er hebt zudem seine Hände auf, weil er weiß, dass Gottes Gebote von oben kommen und viel höher sind als sein eigenes Urteilen und Erkennen. Er sinnt über sie aus ganz zweckfreier Liebe. Gott ist Liebe und Gott hat ihn zuerst geliebt. Darum liebt er Gott, darum versenkt er sich in seine lebendigen Aussprüche.

Psalm 119,49-56

Trost des göttlichen Wortes

Gedenke an das Wort für deinen Knecht, auf das du mich hast hoffen lassen! Ps 119:49

Es liegt eine Fülle tiefer Bedeutung in dem Wort Gedenke, wenn es an Gott gerichtet wird. Dieser Vers ist ein Gebet der Liebe, die sich nach liebendem Gedenken sehnt, der Demut, die sich ihrer geringen Bedeutung bewusst. Es ist ein Gebet des sehnsüchtigen Verlangens nach dem verheißenen Segen, ein Gebet der heiligen Zuversicht, die weiß, dass alles, dessen das Herz bedarf, im Wort Gottes beschlossen ist. Wenn wir auf sein Wort hin hoffen, so haben wir festen Boden unter den Füßen.

Das ist mein Trost in meinem Elend, dass dein Wort mich belebt. Ps 119:50

Der Mensch, dessen Hoffnung auf dem Herrn, seinem Gott, steht, fühlt die Leben spendende Kraft des Wortes Gottes und bezeugt: Das ist mein Trost. Ermutigung und Aufheiterung sind zu allen Zeiten etwas Erwünschtes, aber in Zeiten der Trübsal sind sie wie ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort. Das Wort tröstet uns oft dadurch, dass es die Kraft unseres inneren Lebens erhöht. Wird das Herz erquickt, so wird der ganze Mensch froh gestimmt und belebt. Oft ist der allerkürzeste Weg, zum Trost zu gelangen, der, dass wir neu uns dem Herrn weihen und unser geistliches Leben dadurch gekräftigt wird. Er, welcher der Trost Israels ist, lebt immerdar, und der Gott des Friedens selbst ist unser Vater.

Können wir die Nebel nicht zerstreuen, dann mag es das Beste sein, dass wir in die Höhe steigen, um so über die Nebel zu kommen.

Wenn ich an deine ewigen Bestimmungen denke, o Herr, so werde ich getröstet. Ps 119:52

Deine Anweisungen sind meine Lieder geworden in dem Haus, in dem ich als Fremdling wohne. Ps 119:54

Der Gedanke, dass unsere irdischen Häuser doch nur Herbergen sind, kann uns großen Trost gewähren. Gott sei gepriesen, unser Vaterhaus ist droben im Himmel und die Wohnungen, die wir auf Erden eine nach der anderen innehaben, das sind nur Wanderherbergen. Glückselig sind, die da Heimweh haben, die sich stets als Fremde fühlen in ihrem Haus, ihrem Bett, ja in ihrem Leib, die daheim sind nur beim Herrn.

Unsere Lieder sind Wallfahrtsliedern mit denen wir uns auf dem beschwerlichen Anstieg nach Zion erquicken.

Bei Nacht denke ich an deinen Namen, o Herr, und ich bewahre dein Gesetz. Ps 119:55

Glückselig der Menschen, dessen Nachtgedanken vom Licht der Ewigkeit erfüllt sind. Ihm wird der Herr gedenken, wenn die Nacht des Todes über ihn hereinbricht. Sind deine Gedanken, wenn Finsternis dich umgibt, dennoch voll Lichts, weil sie von Gott erfüllt sind? Ist das der Fall, dann wird es auch seinen Schein auf deine Morgen und Tagesstunden werfen. Wir denken an Jesus Namen, und unsere Herzen werden froh. Wir rufen in seinem Namen zu Gott, und in die Seele senkt sich die Gewissheit, dass er uns hört. Oder ist dein Sinn von den eitlen Sorgen und Freuden dieser Welt hingenommen? Dann ist es kein Wunder, dass auch dein Leben nicht so ist, wie es sein sollte.

Das ist mir zuteilgeworden, dass ich deine Befehle befolgen darf. Ps 119:56

Psalm 119,57-64

Deine Worte bewahren ist mein Teil

Ich sage: Das ist mein Teil, o Herr, dass ich deine Worte befolge. Ps 119:57

Er wählt dieses eine Gute: Gottes Worte, die nie vergehen werden, Gottes Worte, die die Welten schufen, Gottes Worte, die uns Erlösung bereiteten. Gott und sein Wort bedeuten mir mehr als aller materieller Besitz, sei es Geld oder Gold. Mein Leben wird hell, wenn ich anfange, sein Wort zu verstehen. Es bewahrt mich vor Gedankenlosigkeit und lässt mich klug leben. Mit dem heiligen Franz von Assisi will ich rufen: Oh ewige Liebe, sei ewiglich geliebt! Doch wie weit ist mein Lebensalltag noch entfernt von dieser Sehnsucht meines Herzens. Wie weit ist noch der Weg, den ich zurücklegen darf um in der Liebe zu wachsen. Herr, richte mich auf, mache mich stark, senke mir eine große Sehnsucht ins Herz, dass ich diesen Weg auf mich nehme und vorangehe, du mein Schatz, meine kostbarste Perle!

Herr, du selbst bist mein kostbarer Schatz. Ps 119:57

Ich flehe von ganzem Herzen um deine Gunst: Sei mir gnädig nach deinem Wort! Ps 119:58

Er verlangt nicht, sondern fleht. Denn er fühlt seine Unwürdigkeit. Er verharrt in seiner Stellung als Bittender. Beten ist dabei eine Sache des Herzens. Gott hört und erhört das Herz, ohne dass der Mund dabei ist, aber nicht den Mund, ohne dass das Herz dabei ist. Nach Gottes Gunst ruft er. Gottes Gunst ist das heißeste Begehren frommer Seelen. Das Leuchten seines Antlitzes gibt uns einen Vorgeschmack des Himmels. O dass wir uns an ihm immer erfreuten!

Als ich meine Wege bedachte, da wandte ich meine Füße zu deinen Zeugnissen. Ps 119:59

Stille Einkehr ist der Anfang der Bekehrung. Erst denken wir, dann lenken wir um. Wenn das Herz erst seine bösen Wege bereut, dann sind die Füße leicht auf den guten Weg gebracht. Aber ohne ernstes, tiefes Nachdenken über unsere Fehltritte wird es nie zu wahrer Reue kommen. So bedauerliche Fehltritte und Irrwege ein Mensch auch machen mag, ist er aufrichtigen Herzens, so wird doch in ihm wahre Lebenskraft genug bleiben, um ihn mit Eifer zum Gehorsam aus Liebe zu Gott zu erfüllen, wenn sein Herz durch Gottes Gnadenheimsuchungen wieder erquickt und gestärkt wird.

Ich eile und säume nicht, deine Gebote zu befolgen. Ps 119:60

Die Schlingen der Gottlosen umgeben mich, aber ich vergesse dein Gesetz nicht. Ps 119:61

Mitten in der Nacht stehe ich auf, um dir zu danken für die Bestimmungen deiner Gerechtigkeit. Ps 119:62

Ist die Dankbarkeit nicht ewas Köstliches, da sie sogar die Furcht aus dem Herzen vertreibt und für das Lobpreisen Raum schafft? Danksagung verwandelt die Nacht in Tag und heiligt alle Stunden der Anbetung Gottes. Dem wahrhaft Geweihten läuten die Betglocken allezeit.

Ich bin verbunden mit allen, die dich fürchten, und die deine Befehle befolgen. Ps 119:63

Herr, die Erde ist erfüllt von deiner Güte. Lehre mich deine Anweisungen! Ps 119:64

Psalm 119,65-72

Alles dient uns zum Guten

Du tust Gutes an deinem Knecht, o Herr, nach deinem Wort. Ps 119:65

Das ist die Zusammenfassung unseres Lebens. Gott tut Gutes an uns.

Lehre mich rechte Einsicht und Erkenntnis. Denn ich habe deinen Geboten geglaubt. Ps 119:66

Die Fähigkeit, Gutes und Übles zu unterscheiden und das Gute herauszufühlen, es gleichsam zu schmecken, ist ein Gut, dessen der Gläubige bedarf. Wir sind oft jedoch nicht fähig, richtig zu urteilen, ist unsere Erkenntnis doch mangelhaft. Wenn der Herr aber selbst uns Erkenntnis lehrt, dann kommen wir zu guter Einsicht. Der Heilige Geist allein kann uns mit Licht erfüllen und unser Verständnis von aller Voreingenommenheit befreien und schärfen. Darum lasst uns mit Begehren nach seiner Belehrung verlangen.

Ehe ich gedemütigt wurde, irrte ich. Nun aber befolge ich dein Wort. Ps 119:67

Die Leiden wirken auf uns oft wie eine Dornenhecke, welche die Schafe auf dem guten Weideplatz zurückhält. In einem Herzen, dem die Züchtigung zum Segen gereicht, ist die Gnade am Werk. Selbst also wenn er uns mit Trübsal heimsucht, ist Gott gut und handelt gut an uns. Wie viel Gutes er tut, kann keine Zunge sagen, wie gut er ist, kein Herz denken. Gott ist unendlich gut. Herr, der du gut bist und gut handelst, wirke an meinem Herzen, auf dass auch ich gut sei und gut handle dank deiner Unterweisung.

Du bist gut und tust Gutes. Lehre mich deine Anweisungen! Ps 119:68

Ich befolge von ganzem Herzen deine Befehle. Ps 119:69

Es ist gut für mich, dass ich gedemütigt wurde, damit ich deine Anweisungen lerne. Ps 119:71

Ohne Trübsal lässt sich nur wenig lernen. Wollen wir lernen, so müssen wir leiden. Im Grunde gibt es für den Frommen keine bösen oder traurigen Verhältnisse. Sogar seine Betrübnisse führen zur Freude, seine Schwachheiten sind heilsam, sein Mangel macht ihn reicher, seine Schmach ist sein Schmuck, seine Lasten machen ihm das Leben leichter, sein Fallen hilft ihm immer weiter und selbst seine Verfehlungen, indem sie Reue und Beschämung, Vorsicht und Wachsamkeit erzeugen, bessern ihn und sind ihm so zum Nutzen, denn: Ich werde geheilt durch meine Krankheit, reich gemacht durch meine Armut, stark gemacht durch meine Schwäche.

Das Gesetz, das aus deinem Mund kommt, ist besser für mich als Tausende von Gold- und Silberstücken. Ps 119:72

Das Wort kommt aus Gottes eigenem Mund mit voller Frische und Kraft in unsere Seelen. Das gesprochene Wort ist lebendig und hat gleichsam den frischen Tau an sich, wie das Gras auf der Wiese. Wir tun wohl daran, das Wort des Herrn so anzusehen, als wäre es eben frisch aus seinem Mund zu unseren Ohren geredet. Ist es doch wahrlich nicht veraltet im Laufe der Jahre, sondern so gewiss, als ob es eben erst gesprochen worden wäre. Das Gesetz ist uns besser als Gold und Silber, denn dieses kann man uns stehlen, das Wort aber nicht. Die Reichtümer bekommen selbst Flügel und fliegen in alle Winde, das Wort des Herrn aber bleibt in Ewigkeit. Jene sind uns nutzlos in der Todesstunde, während gerade dann uns das Wort aus Gottes Mund am köstlichsten wird.

Das Gesetz, das aus deinem Mund kommt, ist besser für mich als Tausende von Gold- und Silberstücken. Ps 119:72

Gottes Wort ist ein Licht, das im Finstern scheint, und leuchtet heller, denn die Sonne am Mittag. Die Schrift ist der Leuchtturm, der uns zeigt, wie wir die Klippen der Sünde meiden können. Die Schrift ist der Kompass, nach welchem das Steuer unseres Willens gelenkt werden soll, der Acker, in welchem Christus, der köstliche Schatz, verborgen liegt. Sie ist eine heilige Augensalbe, sie heilt und schärft die Augen, welche auf sie schauen. Sie ist das Mittel, welches alle Leiden der Seele heilt. Die Schrift ist die Mutter und die Ernährerin der Gnade. Die Heilige Schrift ist die Bücherei des Heiligen Geistes.

Psalm 119,73-80

Ich will deine Gebote lernen

Deine Hände haben mich gemacht und bereitet. Gib mir Einsicht, damit ich deine Gebote lerne! Ps 119:73

Es kann uns sehr nützlich sein, jeweils an unsere Erschaffung zu denken. Es erweckt in uns Ehrfurcht, Dankbarkeit und Liebe gegenüber Gott, wenn wir uns ihn als unseren Schöpfer vor Augen halten, der alle Sorgfalt, Geschicklichkeit und Macht seiner Hände entfaltete, als er uns schuf und bildete. Er hat sich ganz persönlich um uns bekümmert, denn mit seinen Händen hat er uns gemacht. Darum bitte ich dich Herr: Du hast mir sowohl Seele wie Leib gegeben. Gewähre mir nun auch deine Gnade, damit meine Seele deinen Willen erkenne und mein Leib sich mit ihr vereine als williges Werkzeug, deinen Willen zu vollbringen.

Gib mir Einsicht, damit ich deine Gebote lerne! Ps 119:73

Die dich fürchten, werden mich sehen und sich freuen, denn ich hoffe auf dein Wort. Ps 119:74

Keiner von uns lebt in einem Vakuum. Was wir tun oder lassen, beeinflusst die Geschwister links und rechts, sei’s zum Guten, sei’s zum Schlechten. Ein Mensch voll Hoffnung und Glaubensmut ist eine wahre Gottesgabe in allen Zeiten. Es tut den Augen so wohl, einen Menschen zu sehen, der es freudig aus der Erfahrung bezeugt, dass der Herr treu ist. Hoffnungsfreudige Menschen verbreiten überhaupt Freudigkeit um sich.

Herr, ich weiß, dass deine Bestimmungen gerecht sind, und dass du mich in Treue gedemütigt hast. Ps 119:75

Der Psalmist spricht von versteckten Segnungen im Trauergewand. Alle Enttäuschungen, Schmerzen, Krankheit, sind ebenso recht wie die augenfälligen Gnadenbeweise. Gottes Kinder sind dessen gewiss, dass ihre Prüfungen und Züchtigungen recht und gut sind, auch wenn sie den Zweck derselben noch nicht einsehen. Weil die Liebe einsah, dass Strenge nötig sei, darum wandte der Herr sie an. Also nicht etwa, weil Gott untreu gewesen wäre, fand sich der Gläubige in schwerer Bedrängnis, sondern gerade aus dem entgegengesetzten Grund. Es war eben die Treue, mit der Gott an seinem Bund festhielt, die den Auserwählten unter die Zuchtrute brachte.

Lass doch deine Gnade mein Trost sein, nach deinem Wort an deinen Knecht! Ps 119:76

Waltet die Gnade über uns, so können wir auch in trüben Tagen getrost sein. Um Gnade lasst uns daher den Herrn bitten. Gepriesen sei sein Name! Trotz unserer Fehler sind und bleiben wir doch seine Knechte, und wir dienen einem barmherzig mitfühlenden Herrn. Gott ist Liebe, und in seiner Liebe neigt er sich zum Schwachen, um ihm aufzuhelfen. Das nennen wir Erbarmen. Wären wir nicht hilflos, hätten wir Gottes Erbarmen nicht nötig. Nur wer erkennt, wie hilflos und wie unfähig er ist, betet um Gottes Erbarmen. Der Gläubige weiß, dass er beständig auf Gottes Erbarmen angewiesen ist, um den Weg zu gehen, den Gott ihm weist. Wie das Kind von seinem Vater an der Hand geführt werden muss, so führt Gott seine Erwählten an der Hand.

Lass mir deine Barmherzigkeit widerfahren, dass ich lebe! Denn dein Gesetz ist meine Freude. Ps 119:77

Lass die sich mir zuwenden, die dich fürchten und die deine Zeugnisse erkennen. Ps 119:79

Gott hat die Christen zu einem Leib zusammen gefügt, in dem die einzelnen Glieder aufeinander angewiesen sind. Da wir aber von Natur leicht der Illusion erliegen, wir genügten uns selbst, muss uns Gott ins Feuer und Wasser, damit wir lernen, dass wir die Geschwister brauchen.

Mein Herz soll sich redlich an deine Anweisungen halten, damit ich nicht zuschanden werde. Ps 119:80

Psalm 119,81-88

Ich harre auf dein Wort

Meine Seele verlangt nach deiner Hilfe. Ich hoffe auf dein Wort. Ps 119:81

Wir begehren keine andere Hilfe, als die, die vom Herrn kommt. Kommt unsere Hilfe nicht vom Himmel, dann kommt sie überhaupt nicht. Wir wollen uns dabei nicht über Gott beklagen, sondern bei Gott unsere Klagen ausschütten. Diese Klagen sind Äußerungen unseres Glaubens, unserer Hoffnung, unserer Geduld. Das, was wir wirklich brauchen, um zum Dienst unseres Gottes fähig zu sein, das werden wir sicher erhalten.

Meine Augen verlangen nach deinem Wort und fragen: Wann wirst du mich trösten? Ps 119:82

Bin ich auch geworden wie ein Schlauch im Rauch, so habe ich doch deine Anweisungen nicht vergessen. Ps 119:83

Die aus Ziegenfell bereiteten Schläuche, in denen man den Wein aufbewahrte, wurden, wenn sie leer waren, im Zelt aufgehängt, und weil der Raum oft mit Rauch erfüllt war, so wurden sie schwarz und rußig, und von der Hitze schrumpften sie zusammen und wurden schadhaft. Das dient dem Psalmist als Bild: Das Antlitz war durch Kummer und Leiden dunkel und entstellt worden, voller Furchen und Runzeln. Dennoch vergisst er nicht Gottes Anweisungen. Die Gnade ist eine Lebenskraft, die auch da ausdauert, wo alles Leben vergehen muss. Feuer kann sie nicht verzehren, Rauch sie nicht ersticken. Ein Mensch mag zu Haut und Knochen zusammen schrumpfen und aller Lebensgenuss ihm vergehen, und dennoch hält er fest an seiner Frömmigkeit und preist seinen Gott.

Hilf mir! Ps 119:86

Gottes Hilfe ist unsere Hoffnung. Wenn uns der Herr beisteht, kann niemand uns wirklich schaden. Wie oft schon ist dieser Gebetsseufzer zum Himmel gesandt worden. Passt er doch für die verschiedensten Fälle von Not, Schmerzen, Kummer, Schwachheit und Sündenelend. Herr, hilf mir! Das ist ein treffliches Gebet für Junge und Alte, für Arbeitsdrang und Leidensnot, für Leben und Sterben. Keine andere Hilfe reicht hin, Gottes Hilfe aber kann allem genügen; so verlassen wir uns denn auf sie und lassen keiner Furcht Raum.

Belebe mich nach deiner Gnade, so will ich das Zeugnis deines Mundes bewahren. Ps 119:88

Psalm 119,89-96

Anker meiner Seele

Auf ewig, o Herr, steht dein Wort fest in den Himmeln. Ps 119:89

Und wenn auch unser Herz mit seinem Kleinglauben noch so sehr versucht ist, an der Verheißung zu zweifeln, so ist Gottes Wort dennoch fest. Das Wort des Herrn ist nicht wankend und unsicher. Seine Verheißungen sind alt. Aber sie sind durch den jahrhundertelangen Gebrauch nicht verschlissen, denn Gottes Treue währet für und für. Gott erweist sich noch heute stark an denen, die von ganzem Herzen an ihm sind. Sein Wort ist klar und steht fest und unbeweglich. Die Worte der Menschen wechseln so oft, dass ihnen gar keine Zeit bleibt, sich zu festigen.

Deine Treue währt von Geschlecht zu Geschlecht! Du hast die Erde gegründet, und sie steht; Ps 119:90

Nach deinen Bestimmungen stehen sie noch heute.  Denn alles muss dir dienen! Ps 119:91

Alles ist dir untertan, Himmel und Erde und was genannt mag werden, alles sind deine Diener. Geschaffen durch dein Wort, gehorchen sie diesem Wort und entsprechen so dem Zweck ihres Daseins, der Absicht ihres Schöpfers. Alles, das Größte wie das Kleinste im Weltall erweist dem Herrn Ehre. Lasst auch uns weiter ihm dienen in immer vollkommenerem Gehorsam, da auch uns das Leben durch ihn erhalten wird. Mögen durch das Wort, das auf ewig fest steht auch wir befestigt werden.

Wäre dein Gesetz nicht meine Freude gewesen, so wäre ich vergangen in meinem Elend. Ps 119:92

Das Wort ist seine Arznei in Krankheit und sein Trost in der Todesstunde. Sein Wort ist unser Trost und mehr als das, es ist unsere Freude, unsere Wonne, eine wahre Goldgrube viel fältiger Freuden. Das Wort Gottes ist so das Mittel, aber die segensreiche Wirkung rührt von Gott selbst her. Die Belebung nun kann eine doppelte sein, einmal wenn wir vom Tod zum Leben erweckt werden, und sodann wenn wir aus einem Zustand der Kälte und Erstarrung zu warmem lebendigem Dasein gerufen werden, sodass wir nicht bloß so dahinleben, sondern jetzt erst die rechte Freude am Leben haben, nach Christi gnadenreicher Verheißung: Leben in Fülle

Ich will deine Befehle auf ewig nicht vergessen. Denn durch sie hast du mich belebt. Ps 119:93

Ich bin dein. Ps 119:94

Weihen wir doch unser Leben hundertmal am Tag der göttlichen Liebe durch häufige Stoßgebete, Erhebungen unseres Herzens und geistliche Einkehr. Diese heiligen Übungen reißen unseren Geist fortwährend zu Gott empor, werfen ihn in die Gottheit hinein und führen ihm damit auch alle unsere Handlungen zu. Glücklich die Seele, die einmal allen Ernstes sich ihrer selbst entblößt und sich vollkommen den Händen Gottes überlassen hat.

Wir sind des Herrn Eigentum kraft dessen, dass er uns erschaffen, uns von Ewigkeit erwählt und uns erlöst hat, dass wir uns ihm übergeben und er uns zu Kindern angenommen hat.

Herr, ich gehöre zu dir. Ps 119:94

Meine Seele ist Dein und soll nur durch Dich leben. Mein Wille ist Dein und soll nur für Dich lieben. Meine Liebe ist Dein und soll nur nach Dir streben. Ich muß Dich lieben als meinen ersten Ursprung, denn von Dir komme ich; ich muß Dich lieben als mein Ziel und meine Ruhe, denn für Dich bin ich da. Ich muß Dich lieben mehr als mein eigenes Sein, denn dieses besteht nur durch Dich. Ich muß Dich lieben mehr als mich selbst, weil ich ganz Dir gehöre und in Dir bin.

Wenn unsere Liebe zu Gott so groß ist, dass wir uns ihm zu eigen geben, wie viel mehr wird die Liebe Gottes ihn dazu treiben, sich ganz uns hinzugeben. Keine Braut kann dem Mann, den ihre Seele liebt, mit größerer Innigkeit bekennen: Ich bin dein, als die Seele eines Gerechten zum Herrn.

Psalm 119,97-104

Wie liebe ich dein Gesetz

Wie habe ich dein Gesetz so lieb! Ps 119:97

Wir lieben es um seiner Heiligkeit willen und sehnen uns danach, ebenso heilig zu sein. Wir lieben es um seiner Weisheit willen und trachten danach, durch dasselbe weise zu werden. Wir lieben es um seiner Vollkommenheit willen und begehren, ebenfalls vollkommen zu werden. Wer die Kraft des Evangeliums kennengelernt hat, der sieht erst recht an dem Gesetz, da wir es in Jesus erfüllt und verkörpert sehen, das unaussprechlich Liebenswerte. Wir lieben das Gesetz, weil es von Gott kommt, und wir lieben es, weil es von Christus zeugt, weil es uns zu Christus führt und weil dessen Summe und Ziel Christus ist.

Wer sich ohne Liebe an das Gesetz Gottes wagt, bleibt bei allem Bibellesen und forschen kalt und wird den Versuch bald aufgeben.

Ich sinne darüber nach den ganzen Tag. Ps 119:97

Er sann über Gottes Wort nach, weil er es liebte und je mehr er sich damit beschäftigte, desto lieber wurde es ihm. Er konnte nie genug davon bekommen, so brennend war seine Liebe zum Wort. Es wurde ihm nicht zu lang, den ganzen Tag damit umzugehen. So ist es auch bei uns. Je vertrauter wir mit Gottes Wort werden, desto lieber gewinnen wir es, und je mehr deine Liebe zunimmt, umso vertrauter wird es dir werden und umso größer auch dein Verlangen, ihm noch tiefer ins Herz zu dringen.

Wer ist der Verfasser der Heiligen Schrift? Gott. Wovon handelt sie? Von Gott. Was ist ihr Zweck? Gott. Denn zu welchem Ziel wurde sie geschrieben, als dass wir ewig uns unseres Gottes erfreuen dürften?

Deine Gebote machen mich weiser als meine Feinde, denn sie sind ewiglich mein Teil. Ps 119:98

Die Gebote sind ewig sein Teil. Dieser Besitz kann nicht von ihm genommen werden, und er findet darin stets das, was er nötig hat, in jeder Lage, bei allen Gelegenheiten und Verlegenheiten. Wenn ein Mensch Gottes Wort im Herzen hat, dann hat er in jedem Augenblick die Hilfe, die er braucht, er findet in jeder Lage des Lebens, in jeder Schwierigkeit, für jede Versuchung ein passendes Wort, das ihn leitet und ihm zeigt, was gut sei um der gegenwärtigen Not willen, wie er sich darin zu verhalten habe und wie er auf bessere Zeit hoffen dürfe. Die Abhängigkeit von Gottes Wort ist unsere Rettung, unsere Hilflosigkeit ist unsere eigentliche Hilfe.

Ich bin verständiger geworden als alle meine Lehrer, denn über deine Zeugnisse sinne ich nach. Ps 119:99

Ich bin einsichtiger als die Alten, denn ich achte auf deine Befehle. Ps 119:100

Ich halte meine Füße fern von jedem bösen Weg, damit ich dein Wort befolge. Ps 119:101

Es gibt unzählige böse Wege, aber nur einen guten Weg. Tausend Pfade führen ins Verderben, aber ein einziger Weg führt zum Leben. Das bedeutet, dass ich mich von jedem Weg, der noch so gut scheint, abwenden muss, wenn er nicht mit dem Weg, mit dem Herrn Jesus Christus, zusammenfällt. Hier kann ich nicht zwischen verschiedenen Wegen aussuchen, sondern ich kann nur den einen Weg des Lebens wählen oder aber ich verwerfe ihn. Ein Weg ist dann schlecht, wenn er nicht zum rechten Ziel führt. Man kann auf einem verkehrten Pfad gehen und dabei viel Gutes tun. Das aber macht den Weg nicht gut. David wollte keinen eigenen Weg gehen; er wusste, dass jeder eigene Weg ein böser Weg ist. Darum betete er: Lehre mich, Herr, deinen Weg.

Von deinen Bestimmungen bin ich nicht abgewichen, denn du hast mich gelehrt. Ps 119:102

Wie süß ist dein Wort meinem Gaumen, mehr als Honig meinem Mund! Ps 119:103

Er hatte Gottes Wort nicht nur gehört, sondern gleichsam gegessen. Sein Gaumen, sein Geschmackssinn, hatte ebenso damit zu tun wie sein Ohr. Auch die süßesten irdischen Genüsse stehen weit zurück hinter der unaussprechlichen Lieblichkeit des ewigen Wortes. Selbst der Honig wird an Süße und Wohlgeschmack übertroffen von dem köstlichen Wort des Herrn.

Der Weg des Eigenwillens dagegen , der Selbstgerechtigkeit, der Weltlust, des Stolzes, des Unglaubens, der Heuchelei, das alles sind falsche Wege, Lügenpfade. Darum müssen wir sie nicht nur nicht betreten, sondern sie verabscheuen.

Durch dein Gesetz werde ich klug und ich hasse jeden krummen Weg. Ps 119:104

Psalm 119, 105-112

Dein Wort ist Leuchte meinem Fuß

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg. Ps 119:105

Wir sind auf der Wanderschaft durch diese Welt und müssen es oft erfahren, dass sie eine finstere Welt ist. Ein jeder von uns soll daher das Wort Gottes in seinem persönlichen ständigen Gebrauch haben in allen Lebenslagen, damit er sowohl den Weg sehe, den er wandeln soll, als auch die Hindernisse und Gefahren, die seinen Fuß gefährden. Wenn Dunkel sich ringsum mich lagert, dann erleuchtet das Wort meinen Weg. Die heilige Schrift sei dein täglicher Wegbegleiter. Durch sie spricht Gott zu dir.

Ich habe geschworen und will es halten, dass ich die Bestimmungen deiner Gerechtigkeit bewahren will. Ps 119:106

Ich bin tief gebeugt. Herr, belebe mich nach deinem Wort! Ps 119:107

Gebet! Das ist das beste Mittel gegen die Trübsal. Schon im Gebet selbst liegt ein Segen, indem das Gemüt dadurch aus dem Grübeln über den Kummer emporgehoben wird, und mit der Erhörung zieht in das Herz die heilige Freude ein, die mit aller Belebung verbunden ist, denn Freude ist ja erhöhtes Lebensgefühl. Da ist’s nicht nötig, um Wegnahme der Leiden zu bitten, denn durch vermehrte Kraft wird die schwere Trübsal leicht. Der Herr allein kann erquicken, neues Leben in uns einströmen lassen, er, der das Leben in sich selber hat und es darum auch freigebig geben kann. Und bedenken wir: Oft gebraucht Gott die Trübsal selbst als Mittel, um uns geistlich zu beleben, gerade wie das Schüren des Feuers die Flamme anfacht, dass sie umso heller brennt.

Herr, lass dir doch wohlgefallen die freiwilligen Opfer meines Mundes, und lehre mich deine Bestimmungen! Ps 119:108

Die Gottlosen haben mir eine Schlinge gelegt. Aber ich bin von deinen Befehlen nicht abgeirrt. Ps 119:110

Wie vielerlei Stricke legt uns der Feind! Beim Essen sucht er uns zu fangen in Unmäßigkeit, bei der Liebe in Sinnlichkeit, bei der Arbeit in der Nachlässigkeit, beim Umgang im Neid, beim Herrschen in der Herrschsucht, beim Strafen im Zorn, bei Ehrerweisungen in der Eitelkeit; im Herzen erregt er allerhand böse Gedanken, im Mund böse Worte, in unserem Handeln böse Werke, selbst im Schlaf unreine Träume. Ich aber irre nicht. Das Auslegen der Lockspeise gereicht dem Fisch noch nicht zum Verderben, wenn er nur nicht anbeißt.

Deine Zeugnisse sind mein ewiges Erbe, denn sie sind die Wonne meines Herzens. Ps 119:111

Ich habe mein Herz geneigt, deine Anweisungen zu erfüllen, auf ewig, bis ans Ende. Ps 119:112

Er war nicht halb, sondern von ganzem Herzen zum Guten geneigt. Herr, ach gib uns einen solchen himmelwärts gerichteten Sinn, dann wird es sich an uns erweisen, dass du uns Leben eingehaucht hast und wir in deiner Schule erzogen sind. So schaffe darum in uns ein reines Herz und gib uns einen neuen gewissen Geist, denn nur dann wird sich unser Herz in die rechte Richtung wenden.

Des Menschen Neigen aber ist auf das Wollen beschränkt, Gottes Neigen gibt das Vollbringen.

Psalm 119, 113-120

Die ihr den Herrn liebt, hasst das Böse

Ich hasse, die geteilten Herzens sind. Aber dein Gesetz habe ich lieb. Ps 119:113

Mit dem Mund sagen wir, dass wir Gott lieben, während unser Herz sagt: Bis hierher und nicht weiter! Wir bekennen mit den Lippen, uns dem Herrn ausgeliefert zu haben, aber unser Herz sagt: Das behalte ich für mich! Es wäre besser, nicht zu bekennen, als doppelherzig zu bekennen. Am allerbesten ist es, mit wahrem Herzen zu bekennen. Lasst uns Gott um Gnade anflehen, dass wir es tun können! Die Liebe stellt Gott und sein Wort über alles.

Du bist mein Schirm und mein Schild. Ich hoffe auf dein Wort. Ps 119:114

Unser Herr Jesus Christus besitzt alle Eigenschaften, die ihn zum besten Zufluchtsort seiner Gläubigen machen. Denn er ist stark, er ist der ewige Fels, der starke Gott. Er birgt uns in den sicheren verborgenen Höhlen seiner Wunden. Er ist treu und zuverlässig. Er ist der Hüter, der nicht schläft. Auf ihn allein hoffen wir. Bisweilen, wenn alles um uns her düster ist, ist das einzige, was wir tun können, dass wir auf ihn hoffen und sein Wort bietet uns stets Dinge dar, auf die wir hoffen dürfen, und Gründe und Tatsachen, um derentwillen wir hoffen dürfen.

Ich will die Gebote meines Gottes befolgen! Ps 119:115

Unterstütze mich nach deinem Wort, damit ich lebe und nicht zuschanden werde mit meiner Hoffnung! Ps 119:116

David weiß erstens, dass er Gottes stützende und erhaltende Hand braucht, denn ohne ihn ist er verloren . David weiß zweitens, dass er errettet werden muss, weil er weiß, dass er in Gefahr ist. David weiß drittens, dass er immer wieder um Gottes Beistand beten muss. Darum wiederholt er seine Bitten. Auch wir beten immer wieder das Gleiche, denn wir sind vor uns und vor anderen nie sicher, solange wir auf der Erde sind. Wir haben es nötig, beständig, mit allem Anhalten und Flehen im Gebet zu wachen

Stärke du mich, so ist mir geholfen, und ich werde deine Anweisungen stets beachten! Ps 119:117

Wenn du Gott nicht bei mir stehst und mir in meiner Schwachheit hilfst, so muss ich ja straucheln und einmal über das andere fallen wie ein Kindlein, das seine ersten Schritte macht. Hältst du mich aber, so wird mir geholfen, so widerfährt mir Heil, so bin ich ganz sicher. Es genügt nicht, dass wir einmal etwas von der rettenden Gnade an uns erfahren haben. Wir müssen von dieser Gnade immerfort, jeden Augenblick, gehalten und gestärkt werden. Wir brauchen in der Tat Gottes Beistand in jeder nur denkbaren Weise, denn unsere Schwachheit ist auch mannigfaltig.

Mein Fleisch schaudert aus Furcht vor dir und ich habe Ehrfurcht vor deinen Bestimmungen! Ps 119:120

So nahe der Herr uns auch gekommen ist, so erhaben ist er noch immer. Auch wenn er im Dornbusch wohnt, so ist der Boden, auf dem wir ihm nahen, noch immer heilig. Und wenn er auch ein Freund der Sünder und Zöllner genannt wurde, so ist er noch immer der Menschensohn, der in seiner Heiligkeit alles, was Sünde heißt, richten wird.

Psalm 119, 121-128

Ich liebe deine Gebote mehr als Gold

Meine Augen verlangen nach deiner Rettung und nach dem Wort deiner Gerechtigkeit. Ps 119:123

Alle seine Worte sind gerecht. Ob es mir gerade gut oder schlecht geht, ändert nichts an Gottes Gerechtigkeit. Er ist auch dann gerecht, wenn er mir nicht sofort hilft oder wenn er mir nicht in der Weise hilft, wie ich es gerne hätte. Er wäre gerecht gewesen, wenn er keinen je angenommen, sondern uns alle in unseren Sünden gelassen hätte. Darum will ich die Hand auf den Mund legen und Gott nach seinem Gutdünken handeln lassen. Ich weiß ja: Der Sohn Gottes ist für mich im Gericht gewesen. Er hat für mich gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er mich zu Gott führe. Darum kann ich gewiss sein, dass Gott mir helfen wird. Er wird zu seiner Zeit handeln, denn er ist treu, und er kann sich selbst nicht verleugnen. Und er wird zur passendsten Zeit eingreifen, denn er ist der allein weise Gott. So redet der Glaube, und so redet die Hoffnung.

Handle mit deinem Knecht nach deiner Gnade und lehre mich deine Anweisungen! Ps 119:124

Der Herr muss an uns handeln, ehe wir für ihn handeln können. Der Herr muss an uns handeln, weil wir nicht so sind, wie wir sein müssten. Gott muss an uns wirken und uns formen, dann erst können wir seine Lehren verstehen. Denn diese müssen wir verstehen, damit wir für ihn leben können. Die Sonne mag aufhören zu scheinen, nie aber wird unser Gott aufhören, seine Kinder mit seiner Liebe zu erquicken. Gleich einem Strom fließt seine Gnade immerdar mit einer Fülle, die so unerschöpflich ist wie sein innerstes Wesen, dem sie entspringt. Wie die Luft, die stets die Erde umgibt und immer bereit ist, das Leben der Menschen zu erhalten, umgibt die Güte Gottes alle seine Geschöpfe.

Ich bin dein Knecht. Gib mir Einsicht, damit ich deine Zeugnisse verstehe! Ps 119:125

Es ist Zeit für den Herrn, zu handeln. Sie haben dein Gesetz gebrochen! Ps 119:126

Wie du in Zeiten der Krankheit, wenn das Fieber zugenommen hat und der Zustand des Kranken bedenklich geworden ist, zum Arzt eilst, damit er nur schnell komme und es nicht zu spät sei, um etwas dagegen zu tun, ebenso tut auch der Prophet hier. Da er den Abfall des Volkes sieht, läuft er und sucht Hilfe beim Herrn, von dem er weiß, dass er allein etwas gegen den Schaden zu tun vermag. Er bittet ihn, sofort zu kommen, und will keinen Verzug gelten lassen. Ambrosius

Darum liebe ich deine Gebote mehr als Gold und feines Gold. Ps 119:127

Die Brust der Mutter ist die Schatzkammer des kleinen Kindes. Es kennt keinen anderen Reichtum als diesen, der ihm wertvoller ist als Gold und liebenswerter als alles andere in der Welt. Das Kindlein macht seine kleinen Anstrengungen, um zur Brust der Mutter zu gelangen und strampelt vor Behagen, sobald es dieselbe enthüllt sieht. Die Mutter ihrerseits reicht sie mit eifrigster Liebe dar. Dieses Kind an der Brust und am Hals seiner Mutter sträubt und wehrt sich, wenn man es wegnehmen will, weil es Zeit ist, es in seine Wiege zu legen. Es wehrt sich soviel es nur kann, um ja nicht diese ihm so liebe Brust verlassen zu müssen. Nimmt man es ganz weg, so fängt es zu weinen an und schreit nach seiner lieben Mutter bis man es in den Schlaf gewiegt hat.

Das ist ein wunderschönes Bild unserer Seele, die liebevoll Gott betrachtet und sich in allem ihm überlässt und darin eine unvergleichliche Freude findet.

Psalm 119, 129-136

Wunderbar sind deine Zeugnisse

Wunderbar sind deine Zeugnisse. Darum bewahrt sie meine Seele. Ps 119:129

Sie sind wunderbar ihrer Natur nach, denn sie sind frei von allem Irrtum und tragen in sich ein überwältigendes Zeugnis ihrer Wahrheit. Wunderbar sind sie in ihren Wirkungen auf die Seele, diese unterweisend, erhebend, stärkend und tröstend.

Die Eröffnung deiner Worte erleuchtet und gibt den Unverständigen Einsicht. Ps 119:130

Das kann auf drei Arten verstanden werden: Das Wort muss eröffnet werden, sonst verstehen wir es nicht. Wer aber erklärt dieses Wort, wenn nicht der Geist Gottes? Dieser eröffnet das Wort Gottes und lässt mich immer tiefer eindringen in dessen Wahrheit und Schönheit. Das Wort ist es nun, welches unser Verständnis öffnet. Ja: Und in der Liebe Gottes zu leben und dieser Liebe zu folgen macht dein Leben hell. Gott führt uns aus der Finsternis zum Licht und aus dem Tod ins Leben und erhöht uns eines Tages von der Erde in den Himmel. Die Ausrichtung an Gottes Wort, das Bemühen es zu verstehen und danach zu handeln, ist die Stütze unseres Lebens.

Im Leben eines Menschen wird es hell, wenn er anfängt, dein Wort zu verstehen. Ps 119, ‬130

Ich tue meinen Mund weit auf und lechze, denn mich verlangt nach deinen Geboten. Ps 119:131

Der Säugling begehrt die Mutterbrust. Seine ganze Natur schreit danach. So schreit die neue Natur des aus Gott Geborenen nach der Milch des Wortes. Wir können nie genug davon bekommen. Augustinus meint: Wenn du sagst, ich habe genug, dann gehst du unter. Daher: Herr, wende dich zu mir mit jenem Blick der Liebe, den du denen schenkst, die dich lieben. Sei mir gnädig, wie es deine Art ist, denen gnädig zu sein, die dir in Treue dienen.

Wende dich zu mir und sei mir gnädig, nach deinem Rechtsspruch für die, welche deinen Namen lieben! Ps 119:132

Mache meine Schritte fest durch dein Wort, und lass nichts Böses über mich herrschen! Ps 119:133

Die Bitte erfleht eine hohe Gnade, nämlich dass jede einzelne Handlung, jeder Schritt durch den Willen Gottes geordnet und regiert werde. Das läuft auf vollkommene Heiligkeit hinaus und in der Tat kann das innerste Begehren des Gotteskindes mit nichts Geringerem als dieser Vollendung gestillt werden.

Erlöse mich von der Bedrückung durch Menschen, und ich will deine Befehle befolgen! Ps 119:134

Lass dein Angesicht leuchten über deinen Knecht und lehre mich deine Anweisungen! Ps 119:135

Der Herr musste sein Angesicht einige Augenblicke von Petrus wegwenden, denn sonst hätte dieser nicht geglaubt, dass er ohne den Herrn nichts vermochte. Petrus strauchelte und er wurde erst wieder zur Buße erneuert und wiederhergestellt, als der Herr ihn ansah. Genauso handelt Gott mit seinem Volk. Es musste zuerst erkennen, was ihr Ende sein wird, wenn Gott ihm seine Gnade entzieht. Nur auf diesem Weg lernt das Volk, wie nötig es Gottes Gnade hat.

Tränenströme fließen aus meinen Augen, weil man dein Gesetz nicht befolgt. Ps 119:136

Solches Trauern um fremde Sünde verlangt der Herr von uns, weil es dazu hilft, unser Herz und Gewissen im rechten Zustand zu erhalten. Das hält uns fern von der Versuchung. Es gleicht dem Löschen eines Brandes im Nachbarhaus. Du schaffst das Wasser herbei, ehe der Brand bei dir ausbricht. Nichts schützt uns so gut vor der Ansteckung wie das Leidtragen um die Verderbnis unserer Mitmenschen. Die Seele wird sich nie verleiten lassen, etwas zu tun, was ihr an anderen Schmerz bereitet. Und wie es uns im rechten Zug erhält, so auch demütig gehorsam in der Furcht des Herrn, ängstlich besorgt, dass wir nicht selbst Gottes Gericht auf uns herabrufen.

Psalm 119, 137-144

Gerechtigkeit sind deine Zeugnisse auf ewig

Gerecht bist du, o Herr, und deine Bestimmungen sind richtig! Ps 119:137

Gott ist immer im Recht, in all seinem Tun ist er gerecht. Diese Eigenschaft gehört unlösbar zum Gottesbegriff. Gott ist gerecht, wenn er richtet, er ist gerecht, wenn er rettet. Er ist gerecht, wenn er dem Menschen die Sünden behält und er ist gerecht, wenn er ihm die Sünden vergibt. Er ist gerecht in seiner Regierung. Er ist gerecht, wenn er gibt, er ist gerecht, wenn er nimmt. Bedenke: Die Arbeiter im Gleichnis vom Weinberg im Evangelium fanden, der Herr des Weinbergs handle ungerecht. Und doch war sein Tun vollkommen gerecht. Unser Urteil ist verfinstert. Darum müssen wir Gottes Urteilen vertrauen.

Du hast deine Zeugnisse in Gerechtigkeit verordnet und in großer Treue. Ps 119:138

Dein Wort ist wohlgeläutert und dein Knecht hat es lieb. Ps 119:140

Sein Wort ist lautere Wahrheit, von ungetrübter Heiligkeit. Keine Spur von Sünde oder Irrtum ist an Gottes Wort zu finden. Es ist rein in seinem Inhalt, keusch in seiner Sprache, Heiliger Geist weht darin, und heilig ist darum auch der Einfluss, der von ihm ausgeht. Darum haben wir es lieb. Das Wort Gottes ist also nicht nur selber lauter, es ist auch selbst ein Läuterer, es reinigt von Sünde und Untugend ein jedes Herz, mit dem es in Berührung kommt. Diese eigene Reinheit zusammen mit der reinigenden Kraft, das ist’s, was das Wort jedem Kind Gottes so teuer und wert macht.

Ich bin gering und verachtet. Doch deine Befehle habe ich nicht vergessen. Ps 119:141 

Deine Gerechtigkeit ist eine ewige Gerechtigkeit, und dein Gesetz ist Wahrheit. Ps 119:142

Wie wir Gottes Wesen in dem einen Wort zusammenfassen dürfen: Er ist Liebe, so dürfen wir von seinem Gesetz, seinem Wort, sagen: Es ist Wahrheit, Wahrheit durch und durch, die Wahrheit im höchsten Sinn, die Wahrheit, angewandt auf unser moralisches Handeln, die Wahrheit in kraftvoller Wirksamkeit, die Wahrheit auf dem Richterthron. Zu unserer wie zu allen Zeiten ist es eine viel besprochene Frage: Was ist Wahrheit? Die Bibel ist die Antwort auf diese Frage, und zwar die einzige.

Angst und Drangsal haben mich getroffen. Aber deine Gebote sind meine Freude. Ps 119:143

Der Herr Jesus hat selbst gesagt: In der Welt habt ihr Bedrängnis. Wir haben es nicht nötig, selber uns zu bemühen, um Angst und Not zu treffen, die werden uns schon heute oder morgen zu finden wissen. Dann müssen Gottes Offenbarungen bei uns an die Stelle aller Lust und Freuden der Welt treten, die uns verlassen haben. In Angst und doch voll Lust, in Not und doch hocherfreut, äußerlich traurig, innerlich fröhlich. Dem Kind Gottes löst sich dieser Widerspruch im Licht der Erfahrung, denn die Süßigkeit von Gottes Wort schmeckt man am besten in der Bitterkeit des Kreuzes.

Deine Zeugnisse sind auf ewig gerecht. Gib mir Einsicht, so werde ich leben! Ps 119:144

Psalm 119, 145-152

Ich will deine Satzungen halten

Ich rufe von ganzem Herzen: Herr, erhöre mich. Ich will deine Anweisungen befolgen! Ps 119:145

Dies Rufen des Herzens ist das Wesentliche alles wahren Betens. Und er betont, dass sein ganzes Herz dabei war. All sein Verlangen und Sehnen strömte zum Herzen des lebendigen Gottes. Wohl dem, der solches von seinem Beten sagen kann! Wir fürchten, es gibt viele, die noch nie in ihrem Leben von ganzem Herzen zu Gott gerufen haben. Ein solches Gebet bedarf keiner vollendeten Form, keiner wortreichen Ergüsse, keiner gesuchten Tiefe der Gedanken, ja nicht einmal einer fehlerfreien Ausdrucksweise. Ergießt sich unser ganzes Herz in unseren Gebeten, dann finden diese sicher ihren Weg zum Herzen Gottes.

Ich rufe von ganzem Herzen: Herr, erhöre mich. Ich will deine Anweisungen befolgen! Ps 119:145

Wenn du die Pflichten des Gebetskämmerleins erfüllst, so denke daran, dass es dem lieben Gott zuerst und zumeist auf dein Herz ankommt. Gott sieht nicht auf die äußere Formenschönheit oder Maß und Zahl deiner Gebete. Was er verlangt, ist, dass dein Gebet dir Herzenssache sei. Du sollst lieben den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen und von ganzer Seele. Gebet, bei dem das Herz nicht beteiligt ist, ist nur ein tönendes Erz, eine klingende Schelle. Nicht das Erheben der Stimme, das Falten der Hände, das an die Brust Schlagen hat bei Gott einen Wert, sondern einzig das Rufen aus der Tiefe des Herzens. Gott hört keine andere als diese Stimme, und solange das Herz stumm bleibt, solange bleibt auch er taub.

Wenn du betest, ist es besser, du hast ein Herz ohne Worte als Worte ohne Herz. John Bunyan

Ich rufe zu dir. Hilf mir, so will ich deine Zeugnisse bewahren. Ps 119:146

Er ruft Gott als seinen Helfer herbei. Hilf mir! Das ist seine Bitte. So kurz und doch so inhaltsreich. In dem Hilf mir ist alles enthalten, was ein Sünder braucht, Vergebung, Zugang zum Thron der Gnade, Heiligung, Stärkung, Trost, alles in allem. Erhöre mich, im Namen meines Fürsprechers, der alles bei dir gilt. Hilf mir durch ihn, dessen Name ist Heiland, Helfer, Erlöser. Solches Rufen dringt durch alle Himmelsweiten. Es bedarf keines lauten Geschreis, der Herr hört das leiseste Seufzen des bedrängten Herzens. Er bedarf der Hilfe und niemand als der Herr kann ihm helfen.

Früh am Morgen stehe ich auf und rufe zu dir um Hilfe, denn ich setze meine Hoffnung auf dein Wort. Ps 119:147

Dies Verlangen lässt ihm keine Ruhe, so steht er denn frühe am Morgen auf, um mit ihm zu reden. Er fing den Tag mit Gebet an und hielt an am Gebet durch all die Tages und Nachtzeiten hindurch. Wir sehen also, dass er seinen Tag mit Gott anfing. Sein erste Tätigkeit war das Beten, er tat es, solange sein Geist noch frisch war. Wenn unsere ersten Gedanken jeden Morgen auf Gott gerichtet sind, so wird uns das helfen, den Tag über in ihm zu bleiben. Das Sinnen über Gottes Wort bot ihm Stärkung seiner Hoffnung und Erquickung im Leid. Indem wir über Gottes Wort nachdenken, wird unser Glaube gestärkt.

Meine Augen kommen den Nachtwachen zuvor, damit ich nachsinne über dein Wort. Ps 119:148

Höre meine Stimme nach deiner Gnade! O Herr, belebe mich nach deinen Bestimmungen! Ps 119:149

Es stützt sich auf Gottes Gnade. Wenn Gott ein Gebet nach seiner Gnade erhört, so übersieht er alle Unvollkommenheiten des Gebets wie des Betenden und gewährt das Erbetene in barmherziger Liebe, so wenig der Beter sich dessen auch wert halten mag. Gottes Gnade entsprechend ist es, schnell zu antworten, immer wieder zu helfen und reichlich zu geben, ja überschwänglich mehr zu tun als alles, was wir erbitten oder erdenken.

Du bist nahe, o Herr, und alle deine Gebote sind Wahrheit. Ps 119:151

Der Herr ist nahe. Nahe genug, um unser Schreien zu hören und uns schleunigst Hilfe zu bringen, nahe genug, um uns Ruhe und Frieden zu geben. Schon in den Werken der Schöpfung, in der Pracht der Sonne in dem milden Glanz des Mondlichts, in dem Grün der Wälder, dem Duft der Blumen, dem Gesang der Vögel spüren wir, o Herr, etwas von deiner Gegenwart. Und im Buch deiner Vorsehung, so dunkel seine Schrift mir auch erscheinen mag, habe ich Zeugen deiner Gegenwart. Dort lese ich von deiner Weisheit. Aber am deutlichsten erkenne ich deine Nähe in deinem lieben Sohn. In ihm bist du uns ganz nahe gekommen.

Längst weiß ich aus deinen Zeugnissen, dass du sie auf ewig gegründet hast. Ps 119:152

Psalm 119, 153-160

Belebe mich nach deiner Zusage

Sieh mein Elend an und errette mich, denn ich habe dein Gesetz nicht vergessen! Ps 119:153

Es ist wunderbar, dass wir Gott bitten dürfen, unser Elend anzusehen, und es ist ein großes Glück, dass er das Elend der Elenden nicht verachtet. Gott sieht auf den Menschen in mancherlei Weise und zu verschiedenen Zwecken. Entweder um ihm Licht zu geben, wie es Jesus tat, als er vorüberging und einen sah, der blind war. Oder um ihn zu bekehren: Er sah einen Menschen am Zoll sitzen und sprach zu ihm: Folge mir. Um ihn wieder anzunehmen: Und der Herr wandte sich und sah Petrus an. Um ihn frei zu machen: Ich habe gesehen das Elend meines Volkes in Ägypten. Um ihn zu erhöhen: Er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.

Führe meine Sache und erlöse mich. Belebe mich nach deinem Wort! Ps 119:154

Der Beter ist durch eine Schuld gebunden. Darum bittet er Gott, ihn zu erlösen. Wir beten zum Herrn, dass er uns von jeder Schuld befreie, im Wissen, dass er für unsere Schuld mit seinem Blut bezahlt hat. Erlöse mich, nimm du meine Stelle ein, stehe an meiner Statt, trage meine Last, bezahle mein Lösegeld und mach mich frei. Gott hat sich in seinem Wort zu dem allen verpflichtet, Fürsprecher, Erlöser, Ursprung des Lebens zu sein. Was liegt doch alles darin: mehr Liebe, mehr Gnade, mehr Glauben, mehr Mut, mehr Kraft, und wenn wir dies alles erhalten, dann können wir schon den Kopf aufrecht halten. Gott allein vermag so zu erquicken.

Deine Barmherzigkeit ist groß, o Herr. Belebe mich nach deinen Bestimmungen! Ps 119:156

Wer will ermessen, wie groß das Erbarmen des Herrn ist? Tote zu erwecken, ist ein großes Werk, und groß muss das Erbarmen sein, das es vermag. Und vielfältig sind die Erweise seines Erbarmens. Auf hundert Weisen hat er seine Geliebten aus Mutlosigkeit, Kleinglauben, Bedrohung, Gefahr und Tod schon gerettet. Und seine Erbarmungen vermögen jeder Verzagtheit aufzuhelfen, jeder Torheit entgegenzuwirken, jeden Eigen willen des Heiligen zu überwinden. Seine Güte reicht bis hinauf in den Himmel und reicht tiefer als jede Sünde. Keine Sünde kann dem Sünder oder Heiligen so mächtig werden, dass Gottes Erbarmen nicht mächtiger wäre. Er heißt nicht umsonst Vater der Erbarmungen.

Zahlreich sind meine Verfolger und Widersacher; dennoch habe ich mich nicht abgewandt von deinen Zeugnissen. Ps 119:157

Siehe, ich liebe deine Befehle. O Herr, belebe mich nach deiner Gnade! Ps 119:159

David muss Gottes Wort geliebt haben, und er muss gewusst haben, dass er es nur deshalb liebte, weil Gott ihn zuerst geliebt hatte. Diese Liebe hatte David darin erkannt, dass Gott ihn gesucht und gerufen hatte. Da begriff er, dass Gott ihn längst erkannt hatte, ehe er Gott erkannte, dass alle Tage seines Lebens in Gottes Buch verzeichnet waren, bevor auch nur einer dieser Tage gekommen war. Herr, der du mir das neue Leben geschenkt, als ich tot war in Sünden, erquicke mich nun auch.

Die Summe deines Wortes ist Wahrheit und jede Bestimmung deiner Gerechtigkeit bleibt ewiglich. Ps 119:160

Psalm 119, 161-168

Vor deinem Wort fürchtet sich mein Herz

Fürsten verfolgen mich ohne Ursache, aber vor deinem Wort fürchtet sich mein Herz. Ps 119:161

Es geht hier nicht um knechtische Furcht, sondern um eine Gesinnung, welche die Frucht heiliger Liebe ist. Diese Furcht heißt treffend Ehrfurcht. Weise ist, wer sich vor diesem Wort mehr fürchtet als vor allen Worten und der Macht der Fürsten. Wir zittern vor Gott und freuen uns an ihm, wir beben vor Gottes Wort und haben Wonne an ihm. Irdische Reichtümer verwehen. Das Glück irdischer Beute verblasst. Der Glaube an Gottes Wort hingegen macht hier und jetzt schon glücklich, er macht zudem unbeschwert glücklich, und er macht vor allem ewig glücklich.

Ich freue mich über dein Wort wie einer, der große Beute findet. Ps 119:162

Ich lobe dich siebenmal am Tag wegen der Bestimmungen deiner Gerechtigkeit. Ps 119:164

Eine bestimmte Zahl steht hier wie so oft für eine beliebige Anzahl. Sieben steht hier für das Vollmaß. Er bemühte sich, den Gott der Vollkommenheit auch in vollkommener Weise zu preisen, und machte darum die heilige Zahl voll an Lobgesängen.

Großen Frieden haben, die dein Gesetz lieben, und nichts bringt sie zu Fall. Ps 119:165

Denn ihnen hat sich das Geheimnis von der Versöhnung durch des Lammes Blut enthüllt, sie erfahren die Kraft des Trostes des Heiligen Geistes und stehen zu Gott dem Vater in dem seligen Kindesstand. Der Herr hat ihnen seinen Frieden zu schmecken gegeben, der höher ist als alle Vernunft. Wohl haben sie viele Trübsale. Doch ist ihre gewöhnliche Gemütsverfassung die eines tiefen Friedens, eines Friedens, der viel zu groß ist, als dass diese kleine Welt ihn ihnen nehmen könnte. Sie werden nicht straucheln. Sind auch der Steine viele, die ihnen im Weg liegen, so werden sie ihren Fuß doch nicht daran stoßen. Denen, die Gott lieben, müssen vielmehr alle Dinge zum Besten dienen. Wer seinen eigenen Willen verleugnet und sich Gottes Willen ergibt, findet wahre Ruhe.

Die Liebe, die vom Himmel stammt und auf das Himmlische gerichtet ist, besiegt alle Hindernisse und läuft mit Freuden den Weg der Gebote Gottes. Bischof Dr. George Horne.

Süßen Frieden finden wir nur dort, wo wir nichts sind vor Gott. Henry Martyn

Ich hoffe auf dein Heil, o Herr, und tue deine Gebote. Ps 119:166

Gott muss auch uns warten lassen, weil wir es nicht ertragen würden, wenn er uns immer sofort aus jeder Drangsal befreite. In Zeiten der Trübsal und Anfechtung gilt es so zweierlei: erstens dass wir die Hoffnung ganz auf Gott setzen, und sodann, dass wir tun, was recht ist. Das erste ohne das zweite wäre Anmaßung, das zweite ohne das erste ein Dienst, der von toten Werken geprägt ist.

Wer wirklich zu Christus gekommen, wer in sein Bild umgestaltet ist, der liebt auch seine Gebote.

Meine Seele bewahrt deine Zeugnisse und liebt sie sehr. Ps 119:167

Die Liebe drängt ihn zum Gehorsam, und der Gehorsam lässt die Liebe wachsen. Die Liebe ist das Größte, und Gott zu lieben, ist das Höchste. Im Neuen Testament lehrt uns der Apostel: Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen. Sein Wort hat die Kraft, unsere Augen zu öffnen und unsere Herzen ihm zu zuneigen. Denn dieses Wort kommt nicht allein. Mit ihm kommt und zusammen mit ihm wirkt Gottes Geist. Die erste Frucht, die er in uns wirkt, ist Liebe..

Ich habe deine Befehle und deine Zeugnisse bewahrt; denn alle meine Wege sind vor dir. Ps 119:168

Auf jeden Fall gewährt es nicht geringen Trost, zu wissen, dass unser Vater im Himmel alles weiß, was uns betrifft. Ja, Gott sieht alle unsere Wege, die geheimsten Regungen unseres Herzens.

Psalm 119, 169-176

Ich habe deine Gebote nicht vergessen

Herr, lass mein Rufen vor dich kommen. Gib mir Einsicht entsprechend deinem Wort! Ps 119:169

Wie großartig ist das! Wir schreien, und wir wissen, dass der Schrei so nahe zu Gott dringt, wie der Sohn dem Vater nahe ist. Niemand könnte ihm näher sein. Nichts könnte Gott mehr bewegen, den Schrei zu beantworten, als wenn ihn der Sohn seinem Gott und Vater vorlegt. Welche Zuversicht dürfen wir dann aber haben im Gebet! Warum beten wir dann aber nicht häufiger?

Lass mein Flehen vor dich kommen. Errette mich nach deiner Verheißung! Ps 119:170

Meine Lippen sollen überfließen von Lob, wenn du mich deine Anweisungen lehrst. Ps 119:171

Das beste Lob ist jenes, das von solchen Menschen kommt, die Gott nicht mit den Lippen allein, sondern mit einem gottgefälligen Wandel preisen. Eine bloße Erfüllung der äußeren religiösen Gebräuche kann ihm nicht genügen, wenn der Geist der Gnade und des Gebets sich nicht fühlbar gemacht hat. Und wer sich als Kind seinem himmlischen Vater gegenüber fühlt, der sehnt sich nach inniger Gemeinschaft mit ihm. Von Gottes Gnade soll man singen und reden.

Meine Zunge soll reden von deinem Wort, denn alle deine Gebote sind gerecht. Ps 119:172

Deine Hand komme mir zu Hilfe, denn ich habe deine Befehle erwählt. Ps 119:173

Verleihe mir tatkräftige Hilfe. Lege du selbst Hand ans Werk. Deine Hand besitzt sowohl Geschicklichkeit als auch Stärke, sowohl Gewandtheit als auch Ausdauer. Lass alle diese Eigenschaften zu meinem Besten sich erweisen. Ich will wohl gerne selbst alles tun, was ich vermag. Aber wie weit komme ich damit? Dringend bedarf ich deines Beistands, sonst versinke ich rettungslos. Darum versage mir deine Hilfe nicht. So erhaben deine Hand ist, neige sie doch zu mir herab. Mit unserer Macht, unserem Können ist nichts getan, wenn Gottes Segen nicht bei uns ist.

Die Bitte erinnert uns an den auf dem Meer wandelnden Petrus; als er zu sinken begann, da schrie er auch: Herr, hilf mir! Und alsbald streckte des Meisters Hand sich aus, ihn zu retten. Sind wir in seiner Hand, wer kann uns dann noch schaden?

Ich habe Verlangen nach deinem Heil, o Herr, und dein Gesetz ist meine Lust. Ps 119:174

Warum ist die Erde ein Ort der Tränen? Weil der Mensch sich gegen Gottes Willen aufbäumt, und weil hier tausend Willenskräfte miteinander im Streit liegen. Und warum ist der Himmel der Ort reiner Glückseligkeit? Weil dort ein Wille regiert, der Wille dessen, der auf dem Thron sitzt. Wo nur sein Wille regiert, ist Leben, und wo sein Thron ist, kann kein Fluch mehr sein. Sind uns die Augen darüber aufgegangen, wird Gottes Gesetz unsere Wonne sein.

Lass meine Seele leben, damit sie dich lobe, und deine Bestimmungen seien meine Hilfe! Ps 119:175

Erfülle sie mit Lebenskraft, bewahre sie vor dem Abirren auf die Wege des Todes, gib dass sie sich der Innewohnung des Heiligen Geistes in ganzer Kraft erfreue. Lass sie leben die Fülle deines Lebens, lass sie erfahren die ganze Wundermacht der Neugeburt, die du in ihr gewirkt hast. Dich wird sie preisen für das Leben, das neue, das ewige Leben, dessen Kraft sie durchströmt. Denn du bist der Herr des Lebens, der königlich darüber verfügt, dessen Odem allein alles Leben wirkt. Je mehr Leben in meine Seele quillt, desto mehr Lob wird aus ihr hervorströmen, und wenn du sie einst zum vollkommenen Leben erhöht hast, wird auch ihr Loben ein vollkommenes sein. Der Atem des geistlichen Lebens ist Beten und Loben.

Ich bin in die Irre gegangen wie ein verlorenes Schaf. Ps 119:176

Das ist also das Ende dieses längsten aller Psalmen! Ein verirrtes und verlorenes Schaf, das ist der Schluss aller dieser Anrufungen, Lobpreisungen, Gelübde, hochfliegenden Hoffnungen – ein verlorenes Schaf! Aber halt! Das ist ein Bekenntnis. Auch der Heilige irrt zuweilen umher. Auch die Gerechten straucheln. Das Bekenntnis enthält Trost: Der Heilige irrt umher, aber er verirrt sich nicht. Und wenn er irrt, dann ist er noch immer ein Schaf. Und er betet, dass sein Herr ihn suche. Wer so betet, ist bereits gefunden.

Suche deinen Knecht! Ps 119:176

Ach, wie manches Mal ist das schon geschehen, wie oft bin ich in leichtsinnigem Übermut meine eigenen verkehrten Wege gegangen und wäre hoffnungslos verloren gewesen, wenn nicht deine Gnade immer wieder ins Mittel getreten wäre. Früher, ehe ich gedemütigt war, ehe du mich völlig deine Rechte gelehrt hattest, ging ich in der Irre. Ich wich ab von den moralischen Forderungen deines Wortes, von seinen Wahrheitslehren und auch von dem, was du mir schon an herrlichen Gnadenerfahrungen zu schmecken gegeben hattest. Ich verlor den rechten Weg und ging irre in der Wüste. Aber selbst jetzt, wo ich so lange schon unter deinem treuen Hirtenstab stehe, bin ich nur zu leicht geneigt, abzuweichen und so mich in meinen eigenen Wegen zu verlieren. Ja wie manches Mal habe ich, ehe ich es erwartete, schon einen Fehltritt getan und bin nie sicher davor, in die Irre zu schweifen. Darum, Herr, habe acht auf mich und bringe mich immer wieder zurecht! Du kennst mich besser, als ich selbst mich kenne, und siehst alle meine Wege.