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Psalm 120-129

Psalm 120 bis 129

Psalm 120: Hilferuf gegen Verleumder

Ich rief zum Herrn in meiner Not, und er erhörte mich. Ps 120:1

Jeder darf froh bekennen: der Herr hört mich, immer und vor allem in der Not. Mehr als alles andere lehrt uns die Not zu beten. Sieh diesen Vorteil der Not! Ja selig sind, die da Leid tragen, die da trauern, während sie den langen Weg hinaufziehen zum himmlischen Jerusalem.

Herr, rette meine Seele von den Lügenmäulern, von den falschen Zungen! Ps 120:2

Die Zunge ist ein Stückchen Fleisch, gering an Größe, aber mächtig an Kraft. Sie ist leicht beweglich und fällt doch so schwer, berührt sanft und verwundet doch so scharf, geht schnell heraus, brennt aber heftig und dringt tief ein, darum heilen die Wunden, die sie schlägt, nicht schnell. Leicht geht sie aus, aber sie findet es keineswegs leicht, wieder heimzukehren.

Was wird Er dir geben und was dir hinzufügen, du falsche Zunge? Ps 120:3

Ich bin für den Frieden. Doch wenn ich rede, so sind sie für den Krieg. Ps 120:7

Gute Menschen lieben den Frieden, beten darum, suchen ihn, halten darüber und geben alles darum. Auch wenn uns Menschen kriegerisch begegnen können, so können sie unseren inneren Frieden in Jesus nicht rauben. Jesus war ein Mann des Friedens. Er kam in die Welt als der Friedebringer und wurde schon bei seiner Geburt als solcher gefeiert. Er lebte, um Frieden zu machen durch das Blut seines Kreuzes. Als er im Begriff war, aus der Welt zu gehen, sprach er zu seinen Jüngern: Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Als er vom Tod auferstanden war und seinen Jüngern zum ersten Mal erschien, sprach er zu ihnen: Friede sei mit euch. Er ist der Friedensstifter. Sein Evangelium ist das Evangelium des Friedens. Es enthält den Frieden Gottes, der höher ist als alle Vernunft.

Psalm 121: Menschenhüter

Ich schaue hinauf zu den Bergen – woher kann ich Hilfe erwarten? Meine Hilfe kommt vom Herrn , der Himmel und Erde gemacht hat! Ps 121,1-2

Mit seinen 150 Psalmen erschlägt einen dieses Buch der Bibel am Anfang erstmal. So ging’s mir zumindest, werde auch nie alle Input haben. Aber mit der Zeit sind doch einige mir so bedeutend geworden, dass die Zahl abgespeichert ist: der Hirten-Psalm 23, der Schuld-Psalm 50, der Lobpsalm 150, der Lebenskonzept-Psalm 4 (einer meiner Lieblingspsalme) und noch einige mehr. Du hast da sicher auch deine Liste. Evtl. erweitert sich nach dieser Woche diese Liste um den Behüter-Psalm 121. Er ist mir in der diesjährigen Fastenzeit sehr wichtig geworden, ein kurzer, knackiger Psalm der Kraft spendet und Zuversicht fördert und mit dem Wichtigsten beginnt: allein von Herrn kommt meine Hilfe.

Er wird deinen Fuß nicht wanken lassen, und der dich behütet, schläft nicht. Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht. Ps 121:3-4

Im Psalm steht das Wort „behüten“ und „Hüter“ im Mittelpunkt. Ganze sechs mal kommt es in den 8 Psalmversen vor. Das „Siehe“ ist wie ein Fingerzeig, der uns auf etwas Wichtiges hindeutet: Der Hüter hat dich im Blick, er passt auf! Gott kümmert sich stets um alle, die Ihm gehören. Ist es nicht ein großer Trost, zu wissen, dass Gott uns unentwegt im Blick hat und dass jeder, der den Weg des Glaubens geht, seine Fürsorge erfährt? Gott sieht, wenn uns die Strapazen der Lebensreise zu schaffen machen. Er kennt die steilen, mühevollen Lebens-Abschnitte. Doch immer wieder schenkt er Kraft, den nächsten Schritt zu gehen. Er leitet uns sicher.

Guter Vater, wir wollen glaubensvoll zu dir aufblicken, der du uns behütend führst auf unserem Weg.

Der Herr behütet dich, der Herr spendet dir Schatten und steht dir bei. Tagsüber wird dich die Sonnenglut nicht verbrennen, und in der Nacht wird der Mond dir nicht schaden. Psalm 121:5-6

In einer anderen Übersetzung steht, dass der Hüter der Schatten über deiner rechten Hand ist. Die rechte Hand steht für das Anpackende. Unser Leben ist keine Wohlfühloase, sondern besteht aus Aufgaben und Berufungen, die Gott selbst uns gibt. Gott ist es auch, der uns in diesen unseren Lebensaufgaben den erholenden Schatten spendet. Gott steht neben dir und sorgt dafür, dass die Aufgaben unter seinem Schutz geführt werden können. Bei allen Arbeiten, die wir tun, sind wir nicht allein auf uns gestellt. Es gibt einen, der acht auf uns hat. Er stützt bei der Arbeit und hilft, dass sie gut von der Hand geht. Ohne Ihn kann nichts wahrhaft gelingen, aber mit Ihm können wir das schaffen, was zu seiner Ehre ist.

Oh Heiliger Geist, lass mich meine Lebensaufgaben erkennen. Laß mich immer wieder verinnerlichen, dass Gott mir mit seinem Schatten zur Seite ist.

Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Ps 121:7-8

Unsere Seele ist das innerste überhaupt. Durch einen behüteten Eingang und Ausgang schützt und behütet Gott die Seele. Was bedeutet aber Ausgang und Eingang? In einer anderen Übersetzung heißt es, wenn du fortgehst und wenn du wiederkommst. Für mich steckt hier das Doppelgebot der Liebe drin. Der Eingang, dass ist das Verweilen bei unserer eigentlichen Heimat, dem Dreifaltigkeit Gott. Im Gebet und jedem Emporheben des Herzens zu unserem Gott wandeln wir in diesem Eingang. Der Ausgang ist das Gehen in die Welt zu unseren Geschwistern, das Tun von Werken der Nächstenliebe. Beides Gottesliebe und Nächstenliebe, Kontemplation und Aktion, Eingang und Ausgang werden von Gott behütet, weil sie seinem heiligen Willen entsprechen.

Psalm 122: Frieden für Jerusalem

Ich freue mich an denen, die zu mir sagen: Lasst uns zum Haus des Herrn gehen! Ps 122:1

Das Haus des Herrn war damals der Tempel. Nun ist Jesus der neue Tempel. Zum Haus des Herrn gehen bedeutet also zu Jesus gehen, mit ihm zu sprechen und sein Leben zu betrachten. In der Betrachtung seines Lebens, vor allem seines Leidens, haben wir Gemeinschaft mit ihm, erkennen wir ihn, so wie wir von ihm erkannt sind. Betrachte also still sein Handeln, höre aufmerksam seine Worte, blicke in Liebe auf ihn, so wie er in Liebe auf dich blickt. Die wahre Liebe lebt von dieser Gegenseitigkeit der Blicke, so dass tiefe Begegnung möglich wird. Fehlt diese Dimension wird alles oberflächlicher Gestus, ob es nun das Gebet sei, die Kommunion oder sonstige fromme Rituale

Nun stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem! Ps 122:2

Auch unsere Füße werden in den Toren des himmlischen Jerusalems stehen. Wir werden nicht in dieser Welt bleiben, wir werden ewig bei unserem Herrn sein. Der Herr wird uns nicht auf halbem Weg liegen lassen. Er wird uns, wenn wir gestrauchelt sind, aufrichten und uns den Glauben und die Hoffnung so lange erhalten, bis wir am Ziel sind. Dort im himmlischen Jerusalem sind alle vereint in der gemeinsamen Liebe zum Lamm. Das himmlische Jerusalem ist fest gefügt. In sie darf keiner eingehen, der nicht seine Kleider gewaschen hat im Blut des Lammes

Jerusalem, du bist gebaut als eine fest gefügte Stadt. Ps 122:3

Jerusalem, in dir regiert Davids Königshaus, in dir spricht der König das Recht. Ps 122:5

Mein guter Jesus, König der ewigen Herrlichkeit, dir wende ich mich zu. Ich umfange Dich mit der ganzen Kraft meiner Seele. Ich bete Dich von ganzem Herzen an, ich erwähle Dich heute für immer zu meinem König. Dir will ich unverletzliche Treue bewahren. Ich glaube daran, dass du in deinem Wort, in den Sakramenten und im Nächsten lebendig bist. Ich bete dafür, daß du Herr in meinem Herz herrschst. Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit

Bittet für den Frieden Jerusalems! […] Friede sei in deinen Mauern. […] Friede sei in dir! Ps 122:6-8

Drei mal wird hier der Frieden genannt. Es ist die Vision einer geeinten und in Gott versöhnten Menschheit, die heilige Stadt, die in Frieden lebt, weil der Herr alles in allen und in allem ist. Im himmlischen Jerusalem werden wir einst schauen und lieben und loben.

Um des Hauses des Herrn, unsres Gottes, willen will ich dein Bestes suchen! Ps 122:9

Psalm 123: Aufblick zu Gott

Zu dir erhebe ich meine Augen, der du im Himmel thronst. Ps 123:1

Die zum Himmel aufgeschlagenen Augen sind der Ausdruck jenes Herzenszustandes, bei dem alles Begehren, Hoffen, Vertrauen und Erwarten auf den Herrn gerichtet ist. Gott ist freilich überall und doch ist es natürlich, dass wir uns ihn als über uns seiend denken in dem Land der Herrlichkeit. Denn diese Höhe bedeutet Macht, Herrlichkeit und Allerhabenheit in jeder Beziehung. Sei es denn unser fester Entschluss, dass es an dem himmelwärts gerichteten Blick bei uns nicht fehlen solle.

Siehe, o Herr, wie wir zu dir aufblicken, und blicke auch du in Gnaden auf uns nieder!

Siehe, wie die Augen der Knechte auf die Hand ihres Herrn, wie die Augen der Magd auf die Hand ihrer Gebieterin, so blicken unsere Augen auf den Herrn, unseren Gott, bis er uns gnädig ist. Ps 123:2

Wir schauen die Führungen seiner Vorsehung und das Wirken seiner Gnade. Unser Blick ist mit voller Aufmerksamkeit auf alles gerichtet, was von dem Höchsten ausgeht. Wir schauen beständig auf ihn. Täglich neu! Auf den Herrn richten wir heute erwartungsvoll unsere Augen, um zu erhoffen: Beistand in der Not,  Schutz in Gefahr, Lenkung unserer Worte und Taten und Stärkung unseres Glaubens. Auf ihn allein schauen wir, nur auf ihn setzen wir unser Vertrauen. Wir lernen es immer besser, in der rechten Art zu ihm aufzublicken, von dem herzlichen Bestreben erfüllt, sowohl im Tun als auch im Leiden seinen Namen zu verherrlichen. Alles zur Ehre Gottes.

Sei uns gnädig, o Herr! Sei uns gnädig. Ps 123:3

Gnade ist, was wir brauchen, wonach wir ausschauen und was unser Herr uns erweisen wird. Diese Gnade geht stets vom Herrn zu uns, vom Vater zum Kind, vom Starken zum Schwachen, vom Mächtigen zum Ohnmächtigen. Wir haben keinerlei Macht über die Gnade des Allmächtigen. Wir können nur auf Gott hoffen, bis er uns gnädig ist. Wem der Herr seine Gnade zuwendet und wann er sie jemandem zuwendet, beides ist in Gottes Hand. Das Kind weiß aber, dass sein Vater ihm gnädig sein wird. Denn es ist sein Vater. Er ist unser Gott, er ist der Gott des Bundes, der sich mit uns verbunden hat.

Psalm 124: Unsere Hilfe kommt von Gott

Wenn der Herr nicht für uns gewesen wäre. Ps 124:1

Der Mensch ist hilflos, Gott aber ist mächtig. Der Herr, der Hohe und Herrliche, wurde unser Verbündeter. Er stellte sich auf unsere Seite und machte unsere Sache zu seiner Angelegenheit. Wenn er nicht unser Beschützer gewesen wäre, wo wären wir? Nur seine Macht und Weisheit konnten uns beschirmen. Der Herr war auf unserer Seite, er ist noch unser Verteidiger und wird auch ferner schützend über uns walten, ja nun und immerdar. Lasst uns mit heiliger Zuversicht über diese herrliche Tatsache frohlocken!

Dann hätten die Wasser uns überflutet, ein Strom wäre über unsere Seele gegangen, dann hätten die wild wogenden Wasser unsere Seele überflutet! Ps 124:4-55

Unsere Seele ist entflohen wie ein Vogel aus der Schlinge des Vogelstellers. Die Schlinge ist zerrissen, und wir sind entkommen! Ps 124:7

Die Schlinge kann sehr verschieden sein: Hochmut, eine Versuchung, Verzweiflung, ein Zorn und so vieles mehr. Wie immer die Schlinge heißt, welch Gnade ist es, wenn sie vor unseren Augen zerrissen daliegt, sodass es keine Macht mehr hat, uns gefangen zu halten. Wir sind seine Vöglein und wir dürfen uns glücklich schätzen, dass für uns der Befreier kommt, der stark und mächtig ist und gerade im Augenblick der Gefahr zu Hilfe eilt. Wie fröhlich singt das befreite Vögelein, während es sich auf zum Himmel schwingt, und immer höher steigt es, und immer jubelnder klingt sein Lied. O Dank sei Gott!

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ps 124:8

Der Himmel und Erden gemacht hat ist unser Erhalter. Wenn wir ihn als den Schöpfer anbeten, so nehme dadurch auch unser Vertrauen zu ihm zu als unserem Beschützer und Tröster und Helfer in jeder Not. Unsre Hilfe, unsere Hoffnung für die Zukunft, unsre Zuflucht in allen gegenwärtigen wie noch kommenden Trübsalen, steht im Namen des Herrn. Der Name des Herrn, sein offenbartes Wesen, ist der feste Grund unserer Zuversicht, seine Person ist der Quell unserer Kraft. Hat er alles das, was wir sehen, erschaffen, sollte er uns dann nicht auch bewahren können vor den Gefahren und Übeln, die wir nicht zu sehen

Er war, ehe die Welt war, und er wird sein, wenn die Welt versunken ist. Glückselig, wer seine Hilfe in ihm gefunden und seither seinen Grund in ihm hat! Glückselig, wer im ewig unveränderlichen Schöpfer und Erlöser ruht.

Psalm 125: Unter dem Schutz Gottes

Die auf den Herrn vertrauen, sind wie der Berg Zion, der nicht wankt, sondern ewiglich bleibt. Ps 125:1

Manche gleichen dem ungestümen Meer, das nicht stille sein kann. Manche wieder gleichen dem unbeständigen, ewig wechselnden Wind. Die Gläubigen aber sind wie ein Berg, stark, fest und unbeweglich und sicher. Der Zion war das Bild ewiger Beständigkeit, dieser Berg, der nicht wankt, der ewig steht. Geradeso genießt der Mensch, der auf den Herrn vertraut, eine Ruhe und Unerschütterlichkeit, wie sie fester nicht gedacht werden kann. Er, der die Berge festsetzt in seiner Kraft, macht durch eben dieselbe Macht auch die Herzen derer beständig, die auf ihn hoffen. Wie der Herr als König thront in Ewigkeit, so vermag auch seine Kinder nichts von ihrem festen Sitz des Friedens zu vertreiben, wenn ihr Vertrauen auf den Herrn fest ist.  Welche Herabneigung von dem Allerhabenen, dass er die Zuversicht seines Volkes wird! Auf irgendetwas anderes trauen ist nicht gut für uns.

Wie Berge Jerusalem rings umgeben, so ist der Herr um sein Volk her von nun an bis in Ewigkeit. Ps 125:2

Herr, tue Gutes den Guten und denen, die aufrichtigen Herzens sind! Ps 125:4

Um überhaupt gut zu sein, muss man im Herzen gut sein. Nicht die gute Tat macht den guten Mensch, sondern der gute Mensch tut die gute Tat. Wer auf den Herrn traut, der ist gut. Denn der echte Glaube an Gott ist eine gute, aufrichtige Sache, und sein Einfluss macht den ganzen Menschen gut und aufrichtig. Denn im Glauben nehmen wir Gott selbst auf, bezieht er Wohnung in uns. Das Gute in uns ist Gott in uns. Das Innere bildet das Äußere. Es ist unbestreitbar, dass Christus in uns unser ganzes Christentum ausmacht. In ihm haben wir Frieden mit Gott und wer mit Gott Frieden hat, der kann in allen Beziehungen Frieden genießen. 

Friede sei über Israel! Ps 125:5

Psalm 126: Der Herr erlöst

Als der Herr die Gefangenen Zions zurückbrachte, da waren wir wie Träumende. Ps 126:1

Lasst uns die Gefängnisse betrachten, aus denen wir befreit worden sind. Ach aus wie vielfältigen Trübsalen, aus welch tiefer Niedergeschlagenheit, von welch bösen Rückfällen, von welch gefährlichen Zweifeln sind wir befreit worden. Wir lagen tief drunten, waren in großer Not, ja alle Hoffnung war aus. Aber als der Herr erschien, riss er uns nicht nur aus der Verzweiflung, sondern erhob uns in staunende Glückseligkeit. Der Herr, der einzige, der unsere Gefangenschaft wenden kann, tut nichts halb.  Er wendet Verzweiflung in Verzückung, Weinen in Lachen, Klageseufzer in Jubellieder.

Als der Herr das Los der Gefangenschaft Zions wendete, da waren wir alle wie Träumende. Ps 126:1

Dieser Psalm lehrt uns, daß wir in unserem Gebet stets offen für die Hoffnung und fest im Glauben an Gott bleiben müssen. Wenn unsere Geschichte auch oft die Spuren von Schmerz, von Unsicherheit, von Augenblicken der Krise trägt, so ist sie doch Heilsgeschichte, in der das Los gewendet wird. In Jesus endet unser Exil, und jede Träne wird getrocknet, im Geheimnis seines Kreuzes, des in Leben verwandelten Todes, wie das Weizenkorn, das in der Erde aufbricht und zur Ähre wird. Auch für uns ist die Entdeckung Jesu Christi die große Freude über das Ja Gottes, der unser Los gewendet hat. Benedikt XVI

Da war unser Mund voll Lachen und unsere Zunge voll Jubel. Da sagte man unter den Heiden: Der Herr hat Großes an ihnen getan! Ps 126:2

In unserem Gebet sollten wir öfter darauf blicken, wie der Herr uns in den Wechselfällen unseres Lebens geschützt, geleitet, geholfen hat, und ihn loben für das, was er für uns getan hat und tut. Wir müssen mehr auf die guten Dinge achten, die der Herr uns gibt. Wir achten immer auf die Probleme, auf die Schwierigkeiten, und fast wollen wir nicht merken, daß es schöne Dinge gibt, die vom Herrn kommen. Diese Achtsamkeit, die zur Dankbarkeit wird, ist sehr wichtig für uns und schenkt uns eine Erinnerung an das Gute, die uns auch in den dunklen Stunden hilft. Gott vollbringt große Dinge, und wer sie erfährt ist erfüllt von Freude. Benedikt XVI

Der Herr hat Großes an uns getan, wir sind fröhlich geworden. Ps 126:3

Lasst uns unsere Freude frisch und frei bekennen und deren Grund anzeigen. Niemand ist so fröhlich wie solche, die erst kürzlich aus der Gefangenschaft befreit worden sind. Die Seele kann nirgends wirklich Freude finden als in Gott und seinen Werken. Wenn sie aber Gottes Wirken erkannt und erfahren hat, dann freut sie sich mit großer Freude. Er hat gehandelt, sollten wir uns da nicht freuen? Weil Gott gehandelt, weil er seinen Sohn gegeben, weil er uns die Sünden vergeben und weil er uns befreit hat, können wir fröhlich sein, fröhlich in unserem Gott.

Das göttliche Eingreifen nimmt oft unerwartete Formen an, die die Vorstellungskraft des Menschen übersteigen und dann entlädt sich das Staunen und die Freude im Lobpreis: Der Herr hat Großes getan. Benedikt XVI

Herr, bringe unsere Gefangenen zurück wie die Bäche im Negev! Ps 126:4

Geradeso wie der Herr die trockenen Bachbetten im heißen Südland Palästinas nach der langen Sommerdürre durch den Herbstregen wieder mit Wasserströmen füllt, so kann er auch unsere im Kummer verschmachtenden und ermattenden Gemüter mit Fluten heiliger Freude erfüllen. Das vermag der Herr an jedem von uns zu tun, und zwar jetzt, sogleich. Wenn wir um das gnädige Eingreifen Gottes bitten, ist es gut, uns frühere Erfahrungen desselben ins Gedächtnis zu rufen. Lasst uns das Vergangene nicht vergessen, angesichts unserer gegenwärtigen Schwierigkeiten aber zum Herrn unsere Zuflucht nehmen und ihn bitten, das zu tun, was wir einfach selbst nicht tun können und keine andere Macht uns zu Gunsten zu vollbringen imstande ist.

Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Ps 126:5

Kummervoll ist nur das Säen, mit Jubel sollen wir ernten. Aber ohne Tränen saat keine Freudenernte. Wären wir nie gefangen gewesen, so kennten wir auch nicht die selige Freude der Erlösung und Heimführung aus der Gefangenschaft. Auch der Same wird ins dunkle Gefängnis eingeschlossen, aus dem er wieder aufersteht zu goldenen Garben. Es berührt uns eigenartig, solche Verheißung der Fruchtbarkeit in engem Zusammenhang mit Rückkehr aus der Gefangenschaft zu finden. Unser Mund würde nie voll heiligen Lachens geworden sein, wenn er nicht zuvor die Bitterkeit des Kummers voll gekostet hätte. Die Tränen bilden einen auffälligen Kontrast zum Jubel der ersten Verse. Wer sich wirklich freut, freut sich, weil er weiß, wie schlimm seine Gefangenschaft war. Und darum muss er über die noch

Wer weinend hingeht und den Samen zur Aussaat trägt, der kommt gewiss mit Freuden zurück und bringt seine Garben. Ps 126:6

So finden auch wir nach der großen Entdeckung Jesu Christi, wenn wir den Boden des Glaubens, das Land des Glaubens betreten, oft ein dunkles, hartes, schwieriges Leben vor, eine Aussaat unter Tränen, aber in der Gewißheit, daß Christus uns am Ende wirklich die große Ernte schenkt. Und das müssen wir auch in den dunklen Nächten lernen. Wir dürfen nicht vergessen, daß das Licht da ist, daß Gott schon mitten in unserem Leben ist und daß wir die Aussaat vornehmen können im großen Vertrauen, daß das Ja Gottes stärker ist als wir alle. Es ist wichtig, die Erinnerung an die Gegenwart Gottes in unserem Leben nicht zu verlieren, die tiefe Freude, daß Gott in unser Leben eingetreten ist und uns befreit hat: die Dankbarkeit für die Entdeckung Jesu Christi, der zu uns gekommen ist. Und diese Dankbarkeit verwandelt sich in Hoffnung, sie ist der Stern der Hoffnung, der uns Vertrauen schenkt, sie ist das Licht, denn gerade die Schmerzen der Aussaat sind der Beginn des neuen Lebens, der großen und endgültigen Freude Gottes. Benedikt XVI

Psalm 127: Gottes Segen

Wenn der Herr nicht das Haus baut, dann arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der Herr nicht die Stadt behütet, dann wacht der Wächter umsonst. Ps 127:1

Wir müssen so arbeiten, dass es der Herr ist, der arbeitet, dass es sein Werk ist, das wir tun. Alles muss damit beginnen, dass Gott in uns wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken. Es ist aller Erfolg des menschlichen Schaffens und Sorgens völlig abhängig von dem Wirken und der Vorsehung Gottes. Wir quälen uns nutzlos ab ohne den Herrn. Weil an Gottes Segen alles gelegen ist, ist alles ungläubige Sorgen und Grämen völlig nutzlose Selbstquälerei. Wie viel besser würde unser Bauen und unser Wachen geschehen, wenn wir unsere Zuversicht dabei völliger auf den Herrn setzten, der doch sowohl der Erbauer als auch der Hüter seiner Gemeinde ist!

Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und spät aufbleibt und sauer erworbenes Brot esst. Solches gibt er seinem Geliebten im Schlaf! Ps 127:2

Wir sollen uns nicht durch den Sorgengeist in Unruhe bringen lassen, denn das verunehrt den Herrn und kann uns niemals seine Gnade verschaffen, von der doch alles abhängt. Der Glaube macht das Gemüt heiter und verbannt die Unruhegeister, die uns bei Tag und Nacht den Frieden rauben wollen. Er schenkt ihnen, dass sie ihre Sorgen beiseitelegen, ihre Nöte vergessen und alle ihre Angelegenheiten in voller Glaubensruhe Gott überlassen können.

Psalm 128: Gottes Segen

Wohl jedem, der den Herrn fürchtet, der in seinen Wegen wandelt! Ps 128:1

Lasst uns jene Wurzel aller wahren Frömmigkeit ist pflegen: jene Ehrfurcht, die sich scheut, ihn zu beleidigen, die mit allem Ernst darauf bedacht ist, ihm wohlzugefallen, die sich ihm gänzlich hingibt in stiller Ergebung und willigem Gehorsam. Diese Furcht des Herrn ist die rechte Quelle eines guten Lebens. Wer den Herrn fürchtet, wird finden, dass er Urheber und Geber allen Glücks und das Maß wahren Glücks ist. Ihn haben, darin besteht das wahre Glück. Auf seinen Wegen wollen wir als seine Kinder gehen. Das Ziel dieses Weges ist ewige Gemeinschaft mit Gott und seinen Erlösten. Die Gewissheit dieses guten Endes mehrt das gegenwärtige Glück.

Du wirst dich nähren von der Arbeit deiner Hände. Wohl dir, du hast es gut! Ps 128:2

Ohne Gott ist alles Arbeiten umsonst. Sind wir dagegen mit Gott an der Arbeit, so ist uns der Segen gewiss. Der Inhalt dieser Verheißung ist, dass unsere Arbeit fruchtbar sein soll. Wir, die wir Gott fürchten, arbeiten mit einem leichten, fröhlichen Herzen, denn wir erkennen, dass die Arbeit ein heiliges Ding ist, woran Gott einen Gefallen hat und durch welches er seinen Segen schenken und geben will.

Siehe, so wird der Mann gesegnet, der den Herrn fürchtet! Ps 128:4

Der Herr segne dich aus Zion, dass du das Glück Jerusalems siehst alle Tage deines Lebens. Ps 128:5

Wo der Segen herkommt, ist das Entscheidende. Denn das gibt ihm den Charakter. Wir begehren allen Segen vom Berg Zion, von der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem. Dass der Herr des Himmels uns auch in unseren  zeitlichen Dingen segnet, das nehmen wir dankbar hin. Sind wir aber in den zeitlichen Dingen nicht gesegnet, schmälert das unsere Glückseligkeit nicht.

Psalm 129: Bedrängt, aber nicht überwältigt

Sie haben mich oft bedrängt von meiner Jugend an. Ps 129:1

Drangsal ist nichts Neues. Oft sind die Gerechten verfolgt worden. Wann werden wir es endlich glauben, dass das Leiden das Teil aller ist, die Christus nachfolgen. Dennoch: Keine Bedrängnis kann uns vernichten, weil Gott sein Volk bewahrt.

Sie haben mich doch nicht überwältigt. Ps 129:2