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Psalm 140-150

Psalm 140 bis 150

Psalm 140: Bitte um Rettung vor Feinden

Errette mich, Herr, von dem bösen Menschen. […] Sie haben Böses im Herzen und schüren täglich Streit. Sie spitzen ihre Zunge wie eine Schlange, Otterngift ist unter ihren Lippen. Ps 140:2-4

Es ist nicht notwendig, ausdrücklich etwas zu sagen.  Ein verächtliches Hängenlassen der Lippen, ein Hinaufziehen der Augenbrauen, ein Achselzucken, ein  Blick, ein ungläubiges Lächeln, ja sogar schon das bloße Schweigen im passenden Augenblick kann völlig den Dienst tun. Dieses Gift frisst um sich, entflammt die Herzen, bringt alles in Fieberglut und vergiftet die menschliche Gemeinschaft.

Behüte mich vor dem Gewalttätigen, der mich zu Fall bringen will! Ps 140:5

Wir können daher nicht erwarten, ohne Feinde durch diese Welt zu kommen. Sie wollen mich zu Fall bringen, mir die feste Grundlage des Glaubens nehmen und das Vermögen, in guten Werken zu schreiten, so dass ich von dem Weg des Heils abstürze. Wohl aber dürfen wir die gewisse Hoffnung hegen, aus ihren Händen errettet und vor ihrer Wut beschützt zu werden, sodass ihre Bosheit uns keinen wirklichen Schaden zufügt. Diese große Gnade haben wir mit Ernst zu erflehen und im Glauben zu erwarten.

Die Hochmütigen legen mir heimlich Fallstricke und Schlingen. Sie haben ein Netz ausgespannt neben dem Weg, sie haben mir Fallen gestellt. Ps 140:6

Ich aber sage zum Herrn: Du bist mein Gott. Herr, höre auf die Stimme meines Flehens! Ps 140:7

Das ist unserer Halt und Hoffnung. Der Herr ist unser Gott. Beachte: Wir sprechen Gott direkt an. Oft werden wir desto besser fahren, je weniger wir auf unsere Feinde einzureden suchen, je mehr hingegen mit unserem besten Freund und unserem Herrn sprechen. Weil er unser Gott ist, wird er auf uns hören. Solange der Herr nur auf unser Flehen achtet, sind wir zufrieden. Die Antwort mag nach seinem weisen Willen sich gestalten.

O Herr, mein Herr, du bist meine mächtige Rettung. Du schützt mein Haupt am Tag der Schlacht! Ps 140:8

Ich weiß, dass der Herr die Sache des Elenden führen wird und den Armen Recht schaffen wird. Ps 140:13

Welch hoffnungsfreudige Zuversicht sollte dies in den Herzen aller Verfolgten und Notleidenden erwecken! Was immer wir jetzt zu leiden haben mögen, der Ausgang wird sein, dass wir alle Not überleben und den Herrn um seiner errettenden Gnade willen verherrlichen. Mit unserem Gott zu leben und zu wandeln, das wird die Weise sein, wie wir unsere Dankbarkeit ihm gegenüber zum Ausdruck bringen. Das sei schon hier so, aber noch vollkommener im Himmel.

Ja, die Gerechten werden deinen Namen preisen und die Aufrichtigen werden wohnen vor deinem Angesicht! Ps 140:14

Psalm 141: Bitte um Bewahrung

Herr, ich rufe zu dir, eile zu mir! Schenke meiner Stimme Gehör, wenn ich dich anrufe! Ps 141:1

Ich kann nur rufen. Doch dass du es bist, Herr, der Gott aller Gnade, der allmächtige, treue Helfer, den ich herbeirufen darf, das ist mein großes Vorrecht. Wie ich es so oft getan habe, so rufe ich auch jetzt zu dir und bin entschlossen, es immer zu tun. An wen anders sollte ich mich wenden? Was sonst könnte ich tun? Andere setzen ihr Vertrauen auf sich selber, ich aber rufe zu dir. Das Gebet ist ein Schutz, das der Gläubigen allezeit bei sich tragen und in jeder Not gebrauchen kann. Unser Beten und Gottes Gnade sind wie zwei Schöpfeimer in einem Brunnen: während der eine hinuntergeht, kommt der andere herauf.

Der Unglaube sucht auf vielen Wegen aus der Trübsal herauszukommen. Der Glaube hat nur einen, nämlich den zu Gott im Gebet. David Dickson

Lass mein Gebet wie Räucherwerk gelten vor dir, das Aufheben meiner Hände wie das Abendopfer.Ps 141:2

Der aufsteigende Rauch war ein Sinnbild des zu Gott emporsteigenden Gebets. Das Aufheben der Hände ein Zeichen unserer Hingabe und Ergebenheit. Gebet wird manchmal auch ohne Worte, nur durch Gebärden, durch Bewegungen unseres Körpers dargebracht. Gebeugte Knie und aufgehobene Hände sind äußere Zeichen ernstlichen, von Gott etwas erwartenden Flehens. Oder denken wir an das Aufheben der Hände zur Arbeit, so ist das Wirken sicherlich auch Gebet, wenn es in der Glaubensabhängigkeit von Gott und mit der Absicht, ihn zu verherrlichen, geschieht.

Herr, stelle eine Wache an meinen Mund, bewahre die Tür meiner Lippen! Ps 141:3

Deine Sprache soll ruhig, offen und gerade, schlicht, natürlich und aufrichtig sein, nicht doppelzündig oder schlau. Sage nie die Unwahrheit. Hüte dich davor bewusst zu lügen. Gott ist der Gott der Wahrheit. Hast du dennoch mal gelogen, so stelle so schnell wie möglich wieder richtig. Eine aufrichtige Entschuldigung wirkt immer besser als eine noch so schöne Lüge. Hüte dich aber ebenso davor, nicht unbedingt alles herauszusagen, was wahr ist. Zuweilen ist es klug, die Wahrheit durch geschickt gewählte Worte zu verbergen. Franz von Sales

Gott hat unsere Lippen zur Tür unseres Mundes gemacht, aber wir vermögen diese Tür selber nicht zu bewahren; darum bitten wir den Herrn, er möge die Aufsicht darüber übernehmen. O dass der Herr unsere Lippen sowohl öffne als schließe. Denn wir können weder das eine noch das andere in der rechten Weise tun, wenn wir uns selber überlassen bleiben.

Lass mein Herz sich nicht zu einer bösen Sache neigen, dass ich gottlose Taten vollbringe mit Männern, die Übeltäter sind; und von ihren Leckerbissen lass mich nicht genießen! Ps 141:4

Der Sinn entspricht dem der Bitte: Führe uns nicht in Versuchung. O dass wir nicht in Umstände geführt werden mögen, die unsere Neigungen in eine falsche Richtung bringen und böse Begierden in uns erwecken würden. Wir sehen, dass der Psalmist um sein Herz besorgt ist. Wer das Herz besitzt, der ist Herr über den ganzen Menschen. Wenn aber Zunge und Herz unter Gottes Obhut stehen, so ist alles gut. Lasst uns ihn bitten, dass er uns nie unseren Neigungen überlasse, sonst werden wir bald in böse Dinge geraten. Denn wenn die Quelle nicht rein gehalten wird, wird bald auch der Fluss verunreinigt sein.

Der Gerechte schlage mich, das ist Gnade. Ps 141:5

Einige Leute bilden sich viel auf ihre grobe Ehrlichkeit ein. Aber barsche Leute richten bei ihren Mitmenschen wenig Gutes aus und erwerben sich wenig Liebe. Der Tadel sollte niederfallen wie der Tau und nicht wie ein Hagelwetter. Der vornehmste Punkt ist der, dass du der Person, die du zurechtweisen musst, zeigst, dass du sie wirklich lieb hast. Ist es echte Liebe, so wird Gott deine Bemühungen segnen und dir das Herz des irrenden Menschen zuwenden.

Er züchtige mich, das ist Öl für mein Haupt und mein Haupt soll sich nicht dagegen sträuben, wenn es auch wiederholt geschieht. Ps 141:5

Wie das köstliche Öl erquickt, so wirkt liebreicher Tadel, wenn er in der rechten Weise aufgenommen wird, belebend und erneuernd auf die Seele. Mein Freund muss mich wahrhaft lieben, wenn er mir meine Fehler sagt. Er muss ein geistlicher Mensch sein, wenn er mir mit sanftmütigem Geist zurechtzuhelfen sucht. Die ernsten Mahnungen der Gottseligen aber dienen den aufrichtigen Herzen zum heilenden Balsam.

Wir sollen williger sein, uns selber strafen zu lassen als andere zu richten und noch schneller bereit sein, einen Fehler, den man uns nachweist, einzugestehen, als wir solch Geständnis von denen, die wir zurechtweisen, erwarten.

Darum sind meine Augen auf dich gerichtet, o Herr, mein Herr. Bei dir suche ich Zuflucht. Schütte meine Seele nicht aus! Ps 141:8

Er schaute aufwärts. Er hielt seinen Blick fest dahin gerichtet. Er achtete mehr auf die Pflicht des Gehorsams gegen Gott als auf die Umstände. Er blickte mehr auf die Verheißung als auf die äußeren Führungen, und er richtete seine Erwartungen auf den Herrn, nicht auf die Menschen. Er schloss nicht seine Augen in Gleichgültigkeit oder in Verzweiflung, und ebenso wenig heftete er sie auf die Kreatur in eitlem Vertrauen, sondern er gab seine Augen ganz Gott hin. Und indem er das tat, wurde er aller Furcht entledigt. Denn dort, wohin er schaute, sah er nichts, was zu fürchten gewesen wäre. Gott, der sein Gebieter ist, ist auch seine Hoffnung. Er bewahrte ihn und wird auch uns bewahren

Bewahre mich vor der Schlinge, die sie mir gelegt haben, vor den Fallen der Übeltäter! Ps 141:9

Psalm 142: Hilferuf in Bedrängnis

Ich schreie mit meiner Stimme zum Herrn, ich flehe mit meiner Stimme zum Herrn. Ps 142:2

Scheue dich nicht, all deine Not, all deine Bedürfnisse vor Gott zu offenbaren. Vor ihm dürfen wir frei heraus reden. Wer betet, überlässt sich selbst ganz Gottes Händen. Er hält nichts fest. Widerstandslos wie Wasser, das aus einer Schale geleert wird, ergibt er sich dem Willen Gottes. Das gibt Ruhe in die zuvor aufgewühlte Seele.

Ich schütte meine Klage vor ihm aus und verkünde meine Not vor ihm. Ps 142:3

Wenn mein Geist in mir verzagt ist, so kennst du doch meinen Pfad. Ps 142:4

Er schaute weg von seiner eigenen Lage und hin zu seinem alles wahrnehmenden, alles wissenden und durchschauenden Gott. Wie wertvoll ist es für uns, zu wissen, dass Gott das weiß, was wir nicht wissen, und alles das genau kennt, was uns verborgen ist. Wir verlieren wohl einmal den Kopf, aber unser Gott hält immer seine Augen offen. Unser Urteil kommt manchmal aus dem Gleichgewicht, aber die Gedanken des Ewigen sind allezeit klar. Wir kommen manchmal in solche Nöte, dass unser Geist nicht mehr glauben mag. Wäre unser Gott und Erlöser nicht da, würden wir untergehen. Aber er hat Mitleid mit unseren Schwachheiten. Er ist ein barmherziger und auch treuer Hoherpriester, der mitfühlt und dem Schwachen aufhilft.

Ich schaue zur Rechten, siehe, da ist keiner, der mich kennt. Jede Zuflucht ist mir abgeschnitten, niemand fragt nach meiner Seele! Ps 142:5

Da kein Mensch ihn beachten wollte und niemand sich um seine Rettung kümmerte, wurde David zum Herrn, seinem Gott, getrieben. War das nicht Gewinn aus Verlust, Reichtum, gewonnen aus hoffnungslosem Bankrott? Was immer uns dazu bringt, zu Gott zu schreien, das ist ein Segen für uns. Es ehrt Gott, wenn wir uns bei ihm bergen und damit bekennen, dass niemand ist wie er, dass jede Hilfe versagt und jede Wehr einbricht und er allein uns sichern kann.

Ich schreie, o Herr, zu dir; ich sage: Du bist meine Zuflucht, mein Teil im Land der Lebendigen! Ps 142:6

Führe meine Seele aus dem Kerker, dass ich deinen Namen preise! Die Gerechten werden sich zu mir sammeln, wenn du mir wohlgetan hast. Ps 142:8

Gehen Sie also Ihren Weg weiter voll Mut und vollkommenem Vertrauen zu Unserem Herrn, denn er wird Sie an seiner Hand halten. Legen Sie Ihren Geist und Ihr Herz hundertmal am Tag in die Hände Gottes und empfehlen Sie es ihm in aller Aufrichtigkeit. Achten Sie darauf, welche Gelegenheit Sie doch jeden Tag haben, seiner göttlichen Majestät zu dienen, sowohl zu Ihrem Fortschritt, als auch für den Ihres Nächsten, und benutzen Sie diese gewissenhaft. Überlege im voraus, welche Arbeiten, Geschäfte und Gelegenheiten dir an diesem Tag begegnen werden, Gott zu dienen. Franz von Sales

In der Kirche hat man die Höhle bzw. den Keller, wohin David fliehen musste, als einen Typus auf das Grab Christi angesehen und entsprechend in seiner Befreiung daraus einen Hinweis auf die Auferstehung und Erhöhung des Herrn gesehen.

Psalm 143: Siebter Bußpsalm

Vor dir ist kein Lebendiger gerecht! Ps 143:2

Der Herr, der lebendige Gott der Heilsgeschichte, ist ein Erhörer der Gebete ist. Flehen wir zu ihm um deine Gnade, die wir so dringend notwendig haben. Denn vor Gott kann niemand bestehen. Sein Auge dringt ins Innerste. Die geschenkte Gnade gibt überreich. Die Stimme der Gnade ist die Stimme, welche Vergebung, Frieden und Freude und Hoffnung ins Herz hineinspricht. Sie macht alles Bittere süß und das Süße noch süßer. Sie ist ein Balsam für alle Wunden, ein herzstärkendes Mittel gegen alle Furcht und Sorge. Wenn einst der Morgen der Ewigkeit anbricht, o dann lass mich in neuer Weise die Stimme deiner Gnade hören, die mich dann einladen wird zu der Freude ohne Ende!

Mein Geist ist verzagt in mir, mein Herz ist erstarrt in meinem Innern. Ps 143:4

Ich gedenke an die längst vergangenen Tage, rufe mir alle deine Taten in Erinnerung und sinne nach über die Werke deiner Hände. Ps 143:5

Der Herr hat sein Volk aus viel Drangsal erlöst in vergangenen Tagen. Was sollte ihn hindern, dasselbe wieder zu tun? Wir haben eine reiche Vergangenheit hinter uns, auf die wir zurückblicken dürfen. Wir haben sonnige Erinnerungen und diese sind wie Blumen, welche die Bienen des Glaubens zum Besuch einladen und aus denen diese Honig für den Gebrauch der Gegenwart bereiten können.

Ich strecke meine Hände aus nach dir. Meine Seele verlangt nach dir wie lechzendes Erdreich. Ps 143:6

Ich breite meine Hände aus zu dir wie ein armer Bettler, um ein Almosen zu empfangen. Meine Seele lechzt nach Gott wie ein Land nach dem Regen. Nichts kann uns sättigen als die Erfahrung der Gnadengegenwart des Herrn. Wenn wir uns Gott nur nahe fühlen, dann kann die Angst uns nicht mehr überwältigen, dann muss die Finsternis weichen und alles sich in Friede und Freude verwandeln. Lässt Gott sein Angesicht über uns leuchten, dann leben wir.

Erhöre mich eilends, o Herr. Mein Geist vergeht! Verbirg dein Angesicht nicht vor mir.  Ps 143:7

Lass mich früh deine Gnade hören, denn auf dich vertraue ich! Lass mich den Weg erkennen, auf dem ich gehen soll, denn zu dir erhebe ich meine Seele. Ps 143:8

Lass mich hören gleich am Morgen! Das ist ein schönes kurzes Morgengebet. Die Empfindung der göttlichen Liebe ist der Seele wie Morgenlicht und Morgentau. Sie bedeutet das Ende der Nacht des Weinens, den Anbruch des Tages der Freude. Nur der Herr vermag unsere müden Ohren von dem Geräusch der Sorgen zu befreien und sie mit den süßen Tönen seiner Liebe zu beglücken. Wenn wir auf den Ewigen vertrauen, so kann er uns nicht enttäuschen. Er, der die Liebe selber ist, wird uns seine Gnade ins Herz hineintönen lassen. Die freundlichen Gaben seiner Hand segnen den Morgen, segnen den ganzen Tag. Der Ewige vermag uns so sicher zu bergen, dass uns kein Übel treffen kann.

Bei dir suche ich Schutz! Ps 143:9

Lehre mich tun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott. Dein guter Geist führe mich in ebenem Land! Ps 143:10

Wie kindlich ist diese Bitte: Lehre mich! Wie ganz auf Frömmigkeit im täglichen Leben gerichtet und von welch ungeteiltem Gehorsam zeugt sie. Solche Unterweisung ist die beste, denn ihre Quelle ist Gott, ihr Zweck ist ein heiliger, gottwohlgefälliger Wandel. Gottes Wort, das uns über den Willen des Herrn unterweist, und der Geist, der uns leitet und treibt, gehören hier zusammen. Jenes ist der Kompass, nach dem wir unser Lebensschiff steuern müssen, dieser der Wind, der es treibt. Ich nun bin der Knecht  All mein Leben dienet dir und nicht mir. Denn ich suche nicht mich, sondern dich und das Deine.

Ich bin dein Knecht! Ps 143:12

Psalm 144: Glückliches Volk

Gelobt sei der Herr, mein Fels. Ps 144:1 

Wenn das Herz in der rechten Stimmung ist, muss es Gott preisen. Die Worte des Lobes und Dankes sprudeln mit Macht hervor wie das Wasser aus einer lebendigen Quelle. Wir loben Gott als unseren Felsen. Er ist voll unbesiegbarer Kraft, und er wird die Kraft und Stärke derer, die auf ihn trauen. Wir loben Gott als unsere Burg. In ihm wohnen wir wie hinter unbezwingbaren Mauern. Niemand kann uns aus dieser Burg vertreiben. Wie kein Feind in sie eindringen kann, so ist sie auch mit unerschöpflicher Fülle an Nahrung versehen und ein nie versiegender Brunnen lebendigen Wassers ist in ihr vorhanden. Wir loben Gott als unseren Erretter. Er ist für uns alles Gute, dessen wir nur bedürfen können für diese Welt wie für die künftige.

Meine gnädige Hilfe und meine Burg, meine Zuflucht und mein Erretter, mein Schild, auf den ich vertraue. Ps 144:2 

Herr, was ist der Mensch, dass du an ihn gedenkst, der Sohn des Menschen, dass du auf ihn achtest? Ps 144:3 

Welch ein Abstand und Gegensatz zwischen dem Herrn und dem Menschen! Hier die Herrlichkeit Gottes und da die Nichtigkeit des Menschen. Sein Leben ist von kurzer Dauer. Es ist wie ein Schatten. Dass Gott den Menschen zum Gegenstand der Erwählung, zum Wunderwerk der Erlösung, zum Kind der ewigen Liebe, und zum Liebling der Vorsehung macht, das ist eine Tatsache, die uns in immer tieferes Staunen führt, je mehr wir darüber nachsinnen. Es ist eine herrliche Wahrheit, aber erklärt werden kann es nicht. Anbetende Bewunderung erfasst uns und lässt jeden von uns ausrufen: Warum nimmst du dich meiner liebend an und achtest du auf mich?

Der Mensch gleicht einem Hauch, seine Tage sind wie ein flüchtiger Schatten! Ps 144:4 

Herr, neige deinen Himmel und fahre herab! Ps 144:5 

Das hat der Herr oft getan und nie in herrlicherer Vollkommenheit als in Bethlehem das ewige Wort Fleisch wurde und unter uns Wohnung nahm. Das ist unsere Glückseligkeit. Irdisches Wohlergehen kann niemanden glücklich machen. Das höchste Glück liegt doch darin, wenn wir an ihn glauben und er Wohnung in uns bezieht. Haben wir dann manche zeitliche Segnungen nicht, so haben wir etwas Höheres. Besitzen wir Silber und Gold der Erde nicht, so ist das Gold des Himmels dennoch unser, das wahrlich besser ist. Nichts kann den Menschen wirklich unglücklich machen, der Gott zu seinem Teil hat, und nichts kann den wahrhaft glücklich machen, der dieses Gutes entbehrt. Gott ist der Urheber, der Spender, der Erhalter und der Kern und Mittelpunkt aller wahren Glückseligkeit. 

Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist! Ps 144:15

Psalm 145: Geheiligt werde dein Name –

Ich will dich erheben, mein Gott, du König und deinen Namen loben immer und ewiglich! Ps 145:1

Einem König unterwerfen wir uns. Damit erhöhen wir ihn. Wir können ihn und seinen Thron nicht höher machen, aber wir können ihn für uns höher machen, indem wir uns tiefer erniedrigen und uns bedingungsloser seinem Thron unterwerfen. Wir sollen, wir müssen Gott erheben. Wir wollen ihn erheben, weil er der Erste und der Ewige ist, der Unumschränkte und der Alleinige. Dazu sind wir da, dazu haben wir das Leben, dazu haben wir ein Herz und einen Mund. Vier Mal heißt es in diesen Versen “Ich will” in Bezug auf das Lob Gottes. Gottes Lob kann man nicht durch einen Stellvertreter besorgen lassen. Entweder musst du selber, dein Ich, dein Herz, darin sein, oder es ist überhaupt nichts darin, es ist leerer Schall und Schein.

Täglich will ich dich preisen und deinen Namen rühmen immer und ewiglich! Ps 145:2

Groß ist der Herr und hoch zu loben, ja, seine Größe ist unerforschlich. Ps 145:3

Gottes Wesen und Taten tief zu überdenken und tief zu Herzen nehmen tut unserer Seele gut und gestaltet sie um. So werden wir befähigt, in angemessener Weise zu loben. Dich zu loben wagt der Mensch, ein winziger Teil Deiner Schöpfung, der Mensch, der seine Sterblichkeit spazieren führt und in allerlei Sünde gegen dich fällt. Dennoch, dich zu loben wagt der Mensch, ein winziger Teil Deiner Schöpfung. Du selber treibst ihn dazu an. Mit Augustinus: Du hast uns auf Dich hin geschaffen, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Dir. Augustinus

Das schönste Glück des denkenden Menschen ist, das Erforschliche erforscht zu haben und das Unerforschliche ruhig zu verehren. Goethe

Ich will stets über deine Wunder nachdenken. Ps 145:5

Der Herr ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Gnade. Ps 145,8

Er ist gnädig. Er behandelt uns mit Wohlwollen. Er ist barmherzig, voll weicher, wenn auch niemals weichlicher Empfindung. Er ist überaus milde und mitleidig. Er fühlt mit uns. Sein Herz ist nicht kalt, gefühllos, sondern warm und weich. Sein Erbarmen ist tief und reich, sein Herz fließt davon über, es ist göttlich groß, anhaltend und wirksam. Er ist langmütig. Er ist langsam zum Zorn und hat Geduld mit uns. Seine Geduld ist erfüllt vom Wunsch, dass der Sünder sich bekehre und lebe. Wenn die Menschen umkehren, finden sie die Vergebung schon auf sie wartend. Ihre Sünde ist groß, aber groß auch Gottes Gnade.

Der Herr ist gut zu allen und schließt niemanden von seinem Erbarmen aus, denn er hat allen das Leben gegeben. Ps 145:9

Was er tut, das tut er aus Liebe. […] Wer keinen Halt mehr hat, den hält der Herr und wer am Boden liegt, den richtet er wieder auf. Ps 145:13-14

Derselbe, der so machtvoll herrscht, neigt sich liebend nieder zu denen, die im Begriff sind zu fallen, um sie zu stützen, sie aufzurichten und aufrecht zuerhalten. Der unendlich Erhabene beugt sich nieder, um die Gebeugten aufzurichten. Er macht sich klein, damit die, welche zu fallen in Gefahr sind, sich auf ihn stützen können! Gerade die Verbindung von unbegrenzter Macht mit unendlicher Güte ist es, was wir am meisten bestaunen.

Wahr ist freilich, dass wir ohne die göttliche Gnade nichts, mit ihr aber alles vermögen. In der Hand der himmlischen Gnade wird das gebrechliche Rohr zur unerschütterlichen Säule. Franz von Sales

Du öffnest deine Hand und sättigst deine Geschöpfe. Allen gibst du, was sie brauchen. Ps 145:16

Gott versorgt durch ein Öffnen seiner Hand. Aber seine Gemeinde musste er mit dem Blut seines Sohnes erlösen! Stillt Gott unsere Bedürfnissen einfach durch das Auftun seiner Hand, so lässt uns dies die Größe unserer Erlösung schattenhaft erahnen, da er hier seinen Sohn gab. Hier gab er etwas Besseres, Höheres als die Gaben seiner Hand, hier gab er sein Herz im Sohn, der nun der Hirte unserer Seelen ist. Gleich einer Herde Schafe stehen wir um den Herrn als unseren großen Hirten.

Der Herr ist gerecht in allem, was er tut. Auf ihn ist immer Verlass! Ps 145:17

Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen. Ps 145,18

Du Gott bist nicht weit weg von uns. Du hast dein Zelt aufgeschlagen bei uns. In Jesus bist du einer von uns geworden, mit Leib und Blut wie wir. Bei der Himmelfahrt bist du nicht irgendwohin weit weggegangen. Du selbst als einer von uns bleibst bei uns. Wir können du zu dir sagen, mit dir reden. Du hörst auf uns, und wenn wir aufmerksam sind, hören wir auch, dass du Antworten gibst. Ich suche die Herzensanbindung an dich, indem ich dich anrufe aus der Sehnsucht heraus, dich zu lieben.

Er erfüllt die Bitten der Menschen, die voll Ehrfurcht zu ihm kommen. Er hört ihren Hilfeschrei und rettet sie. Ps 145:19

Der Herr bewahrt alle, die ihn lieben. Ps 145:20

Gott überwacht uns nicht, sondern er schützt uns, er bewahrt uns. Gott sieht dich an deinen fröhlichen Tagen. Er sieht dich an deinen elenden Tagen. Er sieht dein Lachen. Er sieht deine Tränen. Er sieht deine Freude. Er sieht deine Verzweiflung. Er sieht dich. Unser Gott ist ein sehender Gott. Es ist sein Auge der Liebe, das auf uns blickt. Dafür will ich den Herrn loben!

Ich will den Herrn loben, und alles, was lebt, soll seinen heiligen Namen preisen, jetzt und für alle Zeit! Ps 145:21

Psalm 146: Gottes Hilfe

Hallelujah! Lobe den Herrn, meine Seele! Ps 146:1

Der Psalm enthält keine Bitten, auch keine Danksagungen für empfangene Wohltaten, sondern rein nur anbetendes Lob. Das Lob Gottes ist das Einzigste, was wir jetzt tun, das von ewiger Dauer ist. Wir bringen jetzt Bitten vor Gott, aber es wird eine Zeit kommen, wo das letzte Bittgebet zu Gottes Thron emporgestiegen sein wird. Wir üben uns im Glauben, aber es wird eine Zeit sein, wo der Glaube sich in Schauen auflöst. Wir hoffen, aber es wird eine Zeit geben, wo das Hoffen endet in dem Genuss der Herrlichkeit. Der Lobpreis jedoch zieht singend in den Himmel ein, um das Lied des Lammes im Echo der Ewigkeiten erklingen zu lassen.

Ich will den Herrn loben, solange ich lebe, und meinem Gott lobsingen, solange ich bin. Ps 146:2

Er hat Himmel und Erde gemacht, das Meer und alles, was darin ist. Er bewahrt Treue auf ewig. Ps 146:6

Er, der die Himmel gemacht hat, kann auch für uns einen Himmel bereiten und uns für den Himmel bereiten. Er, der die Erde gemacht hat, hat auch Macht, uns zu bewahren, während wir auf Erden sind, und kann uns helfen, von der Erde guten Gebrauch zu machen, solange wir auf ihr wohnen. Er, der das Meer gemacht hat und alle die geheimnisvolle Fülle, die es birgt, der vermag auch unser Schifflein über die pfadlosen Tiefen eines bewegten Lebens zu steuern und den Grund des Meeres zum Weg zu machen, dass seine Erlösten hindurchgehen. Dieser Gott, der noch immer die Welt trägt und erhält, ist sicherlich vermögend, auch uns zu erhalten und zu bewahren und zu seinem ewigen Reich und zu seiner Herrlichkeit zu bringen.

Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, dessen Hoffnung ruht auf dem Herrn, seinem Gott! Ps 146:5

Der Herr wird herrschen in Ewigkeit. Ps 146:10

Als seine Boten haben wir neben der Verkündigung seines Wortes vor allem auch den Auftrag in tätiger Nächstenliebe seine Botschaft zu verkünden. Der Psalm 146, Vers 7-9 ist dies bezüglich überreich an Worten:

  • Den Unterdrückten verschafft er Recht
  • Den Hungernden gibt er zu essen
  • Die Gefangenen befreit er.
  • Die Blinden macht er sehend
  • Die Niedergeschlagenen richtet er auf
  • Den Ausländern bietet er Schutz
  • Die Witwen und Waisen umsorgt er

….was das für dich bedeutet, das musst du selbst ergründen. Wo und in welcher Form verkündest du den Herrn in tätiger Nächstenliebe?

Psalm 147: Gottes Walten

Lobt den Herrn! Denn es ist gut, unsrem Gott zu lobsingen: es ist lieblich, es gebührt ihm Lobgesang. Ps 147:1

Der Psalm beginnt mit der Einladung, Gott zu loben, und zählt dann eine lange Reihe von Gründen des Lobpreises auf, die alle im Präsens ausgedrückt werden. Es handelt sich um Gottes Taten, die als kennzeichnend und immer aktuell betrachtet werden.

Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden. Ps 147:3

Der Herr ist gekommen für die Kranken, nicht für die Gesunden. Gott gibt sich persönlich ab mit den Kranken und Verwundeten, den Elenden und Trostlosen! Er heilt, wer ein zerbrochenes Herz hat. Er macht als menschenfreundlicher Arzt die Runde durch das große Krankenhaus der Erde. Christus ist dieser Arzt. Ihn hat Gott dazu gesalbt und gesandt. Das tiefe Mitgefühl mit den Leidtragenden ist ein hervorstechendes Merkmal seiner Güte. Ihm ist es eine Lust, zerbrochene Herzen zu behandeln und völlig zu kurieren. Er träufelt selbst das Öl der Gnade auf die Wunden, legt mit eigener Hand ihnen den Verband der Liebe an und verbindet so die blutenden Risse der in Reue zerschlagenen Herzen. Solch Erbarmen sieht Gott ähnlich.

Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden. Ps 147:3

Wer kein gebrochenes Herz hat, wird nicht geheilt. Wer sind die mit gebrochenem Herzen? Die Einfachen. Und die, die kein gebrochenes Herz haben? Die Stolzen. Also wird das gebrochene Herz geheilt, das stolze, aufgeblähte Herz wird erniedrigt. Ja, wahrscheinlich wird es deshalb erniedrigt, damit es, wenn es gebrochen ist, wieder aufgerichtet und geheilt werden kann. Er heilt die gebrochenen Herzen und verbindet ihre schmerzenden Wunden. Mit anderen Worten, er heilt die von Herzen Demütigen, die bekennen, sich selbst Strafen auferlegen und ein strenges Urteil über sich fällen, um sein Erbarmen zu finden. Seht da, dieser heilt. Aber die vollkommene Gesundheit wird erst am Ende des derzeitigen sterblichen Zustandes erlangt werden, wenn unser hinfälliges Wesen mit Unverweslichkeit bekleidet und unser sterbliches Wesen mit Unsterblichkeit bekleidet sein wird. Augustinus

Er zählt die Zahl der Sterne und nennt sie alle mit Namen. Ps 147:4

Von den Sternen zu den Seufzern zerbrochener Herzen, welch tiefer Abstieg! Von den erhabenen Welten zu den Wunden eines armen Menschenkindes, dazwischen dehnt sich eine Weite aus, die nur das Erbarmen dessen, dem kein Raum eine Schranke ist, überbrücken kann. Doch ist der, der bei zerbrochenen Herzen den Dienst des Arztes tut, eben derselbe, der das himmlische Heer befehligt und über alle die Millionen von Sonnen mit ihrem Gefolge Heerschau. Er ist allgewaltig. Er tut, was er will. Er ist unendlich und unermesslich an Erhabenheit, Macht und Wissen. Seine Taten enthüllen seine Macht, aber doch nur etwas davon.

Groß ist unser Herr und reich an Macht. Sein Verstand ist unermesslich. Ps 147:5

Der Herr richtet die Elenden wieder auf. Ps 147:6

Die Gebeugten wissen, wie bedürftig sie sind. Diese hält der Herr aufrecht. Wer sich stark wähnt und damit Gott und sein Heil verachtet, den erniedrigt er bis zur Erde. Wer sich selbst erhöhen wird, wird erniedrigt werden und wer sich selbst erniedrigen wird, wird erhöht werden. Der Herr liebt die jenigen, die sich in ihren eignen Augen für gering halten und gegenüber ihren Mitmenschen sanftmütig sind. Sie hebt er empor zu Hoffnung, zu Frieden, zu Einfluss, zu ewiger Ehre. Nur die Niedrigen wissen einem dafür Dank, wenn man ihnen liebreich aufhilft. Er spricht zu uns in seinen Taten, lasst uns ihm antworten mit unserem Dank. Alles, was er tut, ist gnädig, jede Bewegung seiner Hand ist Güte. Darum mögen unsere Herzen darauf antworten mit Dankbarkeit.

Stimmt dem Herrn ein Danklied an, lobsingt unserem Gott mit der Harfe, Ps 147:7

Er hat keine Freude an der Stärke des Rosses, noch Gefallen an der Kraft des Mannes. Der Herr hat Gefallen an denen, die ihn fürchten, die auf seine Gnade hoffen. Ps 147:10-11

Nicht auf große, starke Geschöpfe richtet der Schöpfer irgendwie besonders sein Augenmerk, sondern an den geringeren lebenden Wesen hat er ebenso seine Freude. Nicht die ausgezeichneten Fähigkeiten eines Geschöpfes ziehen die Aufmerksamkeit unseres Gottes auf sich, sondern eher die Schwäche und besondere Bedürftigkeit eines solchen. Wie ein Vater sich über seine Kinder freut, so erquickt sich der Herr an seinen Geliebten, an denen als Kennzeichen ihrer Neugeburt Furcht und Hoffnung sichtbar sind. Sie hegen Furcht, denn sie sind sich ihrer sündigen Natur bewusst. Sie hoffen, weil Gott groß an Gnade ist. Sie fürchten den Herrn, denn er ist hocherhaben. Sie hoffen auf ihn, denn er ist gut.

Rühme den Herrn, Jerusalem. Zion, lobe deinen Gott! Ps 147:12

Denn er hat die Riegel deiner Tore befestigt, deine Kinder gesegnet in deiner Mitte. Ps 147:13

Das kann der Herr allein tun, und wo wir seine schützende und festigende Hand erfahren haben, da ist sein Name hoch zu preisen. Wenn der Herr deine Kinder in deiner Mitte segnet, dann bist du, Zion, wohlbewohnt von einem glücklichen, einigen, eifrigen, wohlgedeihenden und heiligen Volk, das mit seinem Gott in Gemeinschaft lebt und Frieden und Freude im Herrn genießt. Wohnt er unter ihnen und herrscht er über sie. Die Wahrheit des Evangeliums ist wahrlich das Beste vom Weizen und wohl denen, deren Geschmack so geläutert ist, dass sie sich gerne mit dieser Speise sättigen lassen. Mögen sie, deren Hunger durch solches Himmelsmanna gestillt ist, auch ihren Mund mit himmlischem Lobpreis füllen.

Er gibt deinen Grenzen Frieden und sättigt dich mit dem besten Weizen. Ps 147:14

Er sendet seinen Befehl auf die Erde. Sein Wort läuft sehr schnell. Ps 147:15

Sein Wort läuft schnell. In demselben Augenblick, da er abgeschossen wird, bohrt sich dieser Pfeil auch in das Ziel. Von welch augenblicklicher Wirkung waren denn auch die Worte Christi. Er spricht zu dem Aussätzigen: Ich will, sei gereinigt! Und alsbald war der Mann von seinem Aussatze rein. Sobald Jesus zu der Seele sein Wort des Lebens, der Vergebung, des Trostes usw. spricht, ist das Werk geschehen. Mit dem Wort, das er sendet, lässt er wehen seinen Wind, seinen Heiligen Geist. Durch den vom Himmel gesandten Heiligen Geist wird das Wort lebendig und wirksam. Das Evangelium und der Heilige Geist wirken in der Ausbreitung und Zueignung des Heils zusammen.

Er sendet sein Wort, so zerschmelzen sie. Er lässt seinen Wind wehen, so tauen sie auf. Ps 147:18

Er gibt einen Befehl, und schon schmilzt der Schnee. Ps 147:18

Die Erde vermag den Schnee, der sie bedeckt, nicht zum Schmelzen zu bringen, nur Sonne und Hitze haben diese Kraft. Wenn die Sonne jedoch zu scheinen beginnt, verschwindet der Schnee ganz schnell. Du bist wie die Erde und deine Sorgen sind wie der Schnee und die Liebe ist wie die Sonne mit dem Unterschied, daß du deine Zustimmung zu geben hast, damit die Liebe wirken kann. Lass die Sonne scheinen, damit der Schnee, der deine Seele bedeckt, zu schmelzen beginnt.

Er verkündet Jakob sein Wort. Ps 147:19
Hallelujah! Ps 147:20

Psalm 148: Himmel und Erde loben Gott

Hallelujah! Lobt den Herrn von den Himmeln her, lobt ihn in der Höhe! Ps 148:1

Der Psalm 148 ist ein wahrer Sonnengesang, eine Art Te Deum des Alten Testamentes, ein kosmisches Halleluja, das alles und alle in das göttliche Lob miteinbezieht. Auch wir folgen diesem universalen Chor, der in der Apsis des Himmels erklingt und den gesamten Kosmos als Gotteshaus hat. Lassen wir uns vom Atem und Lobpreis erfassen, den alle Geschöpfe zu ihrem Schöpfer erheben. Diese Aufforderung, den Herrn zu loben, kann nie unangemessen und nie unzeitig sein, wo immer und wann immer wir sie aussprechen mögen.

Das Halleluja, das heißt die Einladung, den Herrn zu loben, erklingt achtmal!

Lobt ihn, alle seine Engel. Ps 148:2

Die Wortendung „el“ bedeutet Gott. Der Engel ist ein Geschöpf, das vor Gott steht und mit seinem ganzen Sein auf Gott ausgerichtet ist. Ihr wahres Wesen ist das Dasein vor Ihm und für Ihn. Die Engel schauen ununterbrochen das Antlitz Gottes (vgl. Mt 18,10), sie sind sich der Größe und Liebe Gottes ständig bewusst, deshalb ist ihr ganzes Dasein und Wesen Anbetung. Romano Guardini schreibt dazu: Hier sind Geschöpfe, die nichts sind, als Anbetung, nichts können als Anbetung – doch damit können sie das eine und das alles. Werde dir des gemeinsamen Auftrags mit den Engeln bewusst: sie wie wir beten Gott an.

Lobt ihn, Sonne und Mond. Lobt ihn, alle leuchtenden Sterne! Ps 148:3

Möge die Sonne, die Quelle des Lichts und der Wärme und Freude, das große Licht, das den Tag regiert, das sichtbare Sinnbild des Lichts sein, das alle Menschen erleuchtet: Jesus Christus. Möge der Mond, das kleinere Licht, das die Nacht regiert, das Abbild der Gemeinde sein, die der Welt das Licht gibt, das sie von der Sonne der Gerechtigkeit empfängt

Er gebot, und sie wurden erschaffen und er verlieh ihnen Bestand auf immer und ewig. Ps 148:5-6

Sie sollen loben den Namen des Herrn! Denn sein Name allein ist erhaben, sein Glanz überstrahlt Erde und Himmel. Ps 148:13

Alles, was in dem Namen Gottes enthalten ist, alles, was der Ewige von sich offenbart hat, ist des Lobes würdig, und alle die zahllosen Wesen, die sich seiner Schöpfergüte und Fürsorge erfreuen, sind der noch zu wenig, um den Ruhm des Herrn völlig zu besingen. Was der Herr an seinem Volk getan hat, das ist Anlass zum Lobpreis für alle, die ihm in Liebe ergeben sind. Der Herr kennt die Seinen. Er kennt den mit Namen, mit dem er einen Bund gemacht hat, und er weiß, wie er zu dem Namen gekommen ist und wer seine Kinder sind und wo sie sich befinden.

Er hat das Horn seines Volkes erhöht, allen seinen Getreuen zum Ruhm, den Kindern Israels, dem Volk, das ihm nahe ist. Hallelujah! Ps 148:14

Er ist nahe durch Geistesgemeinschaft und durch Fürsorge, nahe dadurch, dass er sich ihm offenbart, und nahe durch die Liebe, die es ihm erwidert. Das ist eine in hohem Grad ehrenvolle Beschreibung des Volk der Gläubigen. Dass wir zu Gott in einem so nahen Verhältnis stehen, sollte uns zu beständiger Anbetung antreiben. Jesus nahm unsere Natur an und wurde eins mit unserem Geschlecht, so ist er uns nahe. Er gibt uns seinen Heiligen Geist, bringt uns in innige Vereinigung mit sich selber, so sind wir ihm nahe. Das ist unsere höchste Ehre, eine nie versiegende Quelle des Glücks und des Friedens. Wir sind Gott nahe durch Verwandtschaft, da wir Gottes Kinder sind. Wir sind ihm nahe durch Zuneigung, da wir mit ewiger Liebe geliebt sind. Wir sind ihm nahe durch Vereinigung, da wir Glieder des Leibes Christi, von seinem Fleisch und von seinem Gebein sind. Wir sind dem Herrn nahe in Gemeinschaft, denn wir wandeln mit ihm, wie ein Freund mit seinem Freund wandelt. Wir sind ihm nahe bezüglich der auf uns gerichteten Aufmerksamkeit, da wir die Gegenstände seiner täglichen, stündlichen zarten Fürsorge sind.

Psalm 149: Loblied

Der ganze Psalm ist durchdrungen von einer festlichen Atmosphäre, eingeleitet vom anfänglichen Halleluja: Gesang, Lob, Freude, Tanz, Klang der Pauken und Harfen geben ihm seinen Rhythmus. Das von diesem Psalm angeregte Gebet ist Danksagung eines von religiösem Jubel erfüllten Herzens. 

Hallelujah! Singt dem Herrn ein neues Lied, sein Lob in der Gemeinde der Getreuen! Ps 149:1

Der alte Mensch hat ein altes Lied, der neue Mensch ein neues Lied. Das Alte Testament ist ein altes Lied, das Neue Testament ist ein neues Lied. Wer irdische Dinge liebt, singt ein altes Lied. Wer ein neues Lied zu singen begehrt, der liebe die Dinge der Ewigkeit. Die Liebe selber ist neu und ewig. Darum ist sie immer neu, weil sie nie alt wird. Augustinus.

Die Gnade des Herrn ist jeden Morgen neu und seine erlösende Macht erweist sich aufs Neue in jeder Nacht des Kummers und Leidens. So lasst denn auch eure Dankbarkeit und deren Ausdruck neu sein.

Israel freue sich an seinem Schöpfer, die Kinder Zions sollen jubeln über ihren König! Ps 149:2

Der König ist Jesus. Alles, was Jesus gibt, ist köstlich und bietet lieblichen Stoff zu Lobgesängen. Aber ich brauche nicht nur die Gaben Jesu, sondern ihn selber. Der hat alles, der ihn hat. Unsere Freude und unsere Lobgesänge sollen in ihm ihren Mittelpunkt haben. Unser Herz wallt über von Freude über unseren Schöpfer und König.

Sie sollen loben seinen Namen im Reigen. Mit Pauken und Harfen sollen sie ihm spielen. Ps 149:3

Warum nimmt der Psalmist Pauke und Harf zur Hand? Damit nicht nur die Stimme den Herrn lobe, sondern auch die Werke. Wenn man Pauke und Harfe zur Hand nimmt, stimmen Hände und Stimme sich aufeinander ein. So ist es auch bei dir. Wenn du das Halleluja singst, mußt du dem Hungrigen das Brot reichen, den Nackten bekleiden, den Pilger aufnehmen. Wenn du dies tust, singt nicht nur die Stimme, sondern die Stimme steht im Einklang mit den Händen, da die Wort mit den Werken übereinstimmen. Augustinus

Der Herr hat Wohlgefallen an seinem Volk. Er schmückt die Elenden mit Heil. Ps 149:4

Welche Herabneigung ist das vom Herrn, dass er uns beachtet, uns liebt und an uns seine Lust hat! Es ist doch wahrlich nichts an uns oder unseren Handlungen, was dem ewig seligen Gott Vergnügen bereiten könnte, wenn es nicht eben seinem wunderbaren Wesen so entspräche, sich zu uns Niedrigen zu neigen. Er gibt uns sein Heil, so tragen wir den Schmuck der Heiligkeit und den Schmuck der aus Gottes Heil entspringenden Freude. Ist das nicht ein herrlicher Grund, den Herrn frohlockend zu preisen? Der Gedanke, dass der Herr an uns, seinem Volk, Wohlgefallen hat, ist eine Fundgrube der Freude, die niemals erschöpft werden kann.

Die Getreuen sollen frohlocken in Herrlichkeit, sie sollen jauchzen auf ihren Lagern. Ps 149:5

Das Lob Gottes sei in ihrem Mund und ein zweischneidiges Schwert in ihrer Hand. Ps 149:6

In der gegenwärtigen Perspektive wird diese Kriegssymbolik zum Bild unseres Einsatzes als Gläubige, die sich auf die Straßen der Welt begeben, inmitten vieler Übel und Ungerechtigkeiten. Leider sind die Kräfte, die sich dem Reich Gottes entgegenstellen, sehr mächtig.Doch sind wir zuversichtlich, denn wir wissen, den Herrn an unserer Seite. Sein Sieg über das Böse ist daher gewiß, und es wird der Triumph der Liebe sein. Johannes Paul II

Das ist eine Ehre für alle seine Getreuen. Hallelujah!Ps 149:9

Psalm 150: Das große Halleluja

Hallelujah! Lobt Gott in seinem Heiligtum, lobt ihn in der Ausdehnung seiner Macht! Ps 150:1

Lobet Gott mit starkem Glauben, mit inbrünstiger Liebe, mit völligem Vertrauen auf Christus, mit Gewissheit des Sieges über die Mächte der Finsternis, mit ernstlichem Verlangen nach Gott und voller Sättigung des Herzens an seiner Gemeinschaft, mit Gehorsam gegen über allen seinen Geboten, mit Unterwerfung unter alles, was er zu verfügen für gut findet, mit Frohlocken über seine Liebe und mit Stillung der Seele an seiner großen Güte, durch Fördern der Anliegen des Reichs seiner Gnade und mit lebendiger, wartender Hoffnung auf sein Herrlichkeitsreich. Matthew Henry.

Lobt ihn wegen seiner mächtigen Taten, lobt ihn wegen seiner großen Herrlichkeit! Ps 150:2

Sein Wesen ist von überschwänglicher Größe. Sein Lob sollte dementsprechend auch überschwänglich groß sein. Es gibt an Gott nichts, das klein wäre und getrennt von ihm gibt es nichts, das wirklich groß ist. Wenn wir stets darauf bedacht wären, unsere Anbetung unserem großen Gott angemessen zu gestalten, wie viel besser würden wir singen, mit wie viel mehr Ehrfurcht würden wir beten! Der Sinn der anschließenden Aufzählung der Instrumente ist, dass alle Kräfte und Fähigkeiten den Herrn preisen sollen.

Lobt ihn mit Hörnerschall , lobt ihn mit Harfe und Laute! Ps 150:3

Lobt ihn mit Tamburin und Tanz.  Ps 150:4

Um ein guter Tänzer zu sein, darf man nicht wissen, wohin es geht: man muß folgen, leichtbeschwingt, munter und vor allem nicht steif. Man darf nicht um Erklärung für die Schritte bitten, die Du uns zumutest. Es muß ja nicht unbedingt immer vorwärts gehen, sondern man muß auch verstehen, Seitenschritte zu machen, sich im Kreis zu drehen, anzuhalten und zu gleiten, statt zu gehen; und die Tanzschritte wären sinnlos, wenn die Musik nicht daraus eine Harmonie machte. Madeleine Delbrêl

Lobt ihn mit hellen Zimbeln, lobt ihn mit wohlklingenden Zimbeln! Ps 150:5

Alles, was lebt, lobe den Herrn!  Ps 150:6

Es gibt zwei Weisen zu beten: das Lob und die Bitte. Beginne stets zuerst mit dem Lob Gottes, der alles geschaffen hat. Danke ihm und bete ihn an. Gott lieben, das heißt, sich an ihm freuen, gerne an ihn denken, gern zu ihm beten. Dann erst bringe deine Bitten und Anliegen vor Gott. Ich kann diese Reihenfolge nur jedem herzlich empfehlen, da es langfristig die Gebetshaltung tiefgreifend verändert. Zum Tagesbeginn gehören nicht eigene Pläne und Sorgen, sondern Gottes Plan mit mir heute und Gottes sorgende Liebe um mich. Gottes segnende Nähe.

Alles, was Atem hat, lobe den Herrn! Hallelujah! Ps 150:6

Das Lob Gottes wird gleichsam zum Atem der Seele, der keine Unterbrechung kennt. Der Lobpreis wird zum Bekenntnis des Glaubens an Gott, den Schöpfer und Erlöser, wird zur festlichen Feier der göttlichen Liebe, die sich entfaltet, indem sie erschafft und erlöst, indem sie das Leben und die Befreiung schenkt. Seid ihr klein oder groß, gehört ihr zu den Geringsten oder zu den Höchsten, haltet mit eurem Lob nicht zurück. Was für ein Tag wird das sein, wenn alle Geschöpfe überall darin eins sind, den einen allein wahren und lebendigen Gott zu preisen!