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Sprüche Kap. 15-30

Impulse, Auslegungen, Kommentare und Bibelzitate zum Buch der Sprüche Kap. 15-30


Eine milde Antwort stillt den Zorn. Spr 15:1

Das Leben mutet uns derweilen einiges zu. Häufig hat das auch mit dem Verhalten anderer Menschen gegen uns zu tun. Verbitterung und Groll können die Folge sein. In unserer Verantwortung und unserem Glauben aber liegt es, ob wir darin auch Lern-Lektionen für uns entdecken können, z.B. indem wir darin unsere Unvollkommenheiten und Schwächen erkennen und annehmen lernen (z.B. dass ich mal wieder gereizt bin aufgrund des Verhaltens einer Person). Erkenne und nehme ich diese meine Schwächen an und darin auch mein Menschsein, stehen die Chancen gut, dass ich auch die Schwächen des anderen erkenne und annehme. Wer hart über andere urteilt, der hat seine Fehler und Schwächen nicht wirklich überwunden.


Einen fröhlichen Menschen erkennt man an seinem strahlenden Gesicht, aber einem verbitterten fehlt jede Lebensfreude. Spr 15,13

Jeder kann lächeln. Auch du! Es ist eines der schönsten Geschenke, das Gott dir gemacht hat. Ein Lächeln sorgt dafür, dass es Menschen gut geht. Ich hätte nie gedacht, dass Lächeln so eine ernste Sache ist, aber Gott hat mir gezeigt, welche verändernde Kraft ein einfaches Lächeln hat. Freude durch ein ruhiges, vergnügtes Lächeln auszudrücken bringt Gutes in dein Leben und wir teilen so die Freude und das Licht des Herrn mit anderen. Also: Bitte lächeln!


Vertraue dem Herrn deine Pläne an. Sprüche 16:3

Zu hohe Erwartungen an den anderen oder an einen selbst können die vollkommene Freude trüben, weil sie eben aufgrund ihrer Höhe nur schwer zu erfüllen sind. Es ist wichtig, ein klares Bild von unseren Möglichkeiten und Begrenztheiten zu haben und sich eben immer wieder auch runter zu schrauben und ebenso realistisch auch die Möglichkeiten des anderen sehen. Das ist eine gesunde Art das Leben an zu gehen. Auf dieser Basis plane ich dann und gehe die Dinge an und lege sie immer und jederzeit in Gottes Hand, der meine Schritte lenkt. Die vollkommene Freude ruht in mir, wenn ich immer tiefer erkenne, dass Gott der große Lenker meines Lebens ist.


Das Herz des Menschen denkt sich seinen Weg aus, aber der Herr lenkt seine Schritte. Spr 16:9

Unser Leben ist keine einfache gerade Linie, die unser Wille zieht, sondern das Leben ist etwas, das aus zwei verschiedenen Kräften besteht: des Menschen Gedanken und Gottes Wege. In Wahrheit gibt es des Menschen Weg allerdings nicht, er ist nur ein Weg in der Illusion. Da ist nur ein wirklicher Weg, den wir unvermeidlich zu gehen haben und das ist Gottes Weg. Der Mensch möchte oft das Ganze seines Lebens auf einmal voraussehen, aber Gottes Weg geht nur Schritt für Schritt. Gott möchte, daß der Mensch Schritt für Schritt geht, nicht von seinen eigenen Ideen über das Leben geleitet, sondern von Gottes Wort, welches bei jedem Schritt zu ihm kommt, wann immer er danach fragt. Es gibt kein Wort von Gott für das Ganze unseres Lebens. Gottes Wort ist neu und frei und es kann nur auf den Augenblick bezogen werden, in welchem wir es hören. Bonhoeffer


Ein hinterlistiger Mensch sät Zank und Streit, und ein Lästermaul bringt Freunde auseinander. Sprüche 16:28

Menschen, die dir Klatsch erzählen, klatschen auch über dich! Sei dir dessen bewusst! Wenn du in ein solches Klatschgespräch verwickelt wirst, ziehe dich entweder sofort irgendwie raus oder konfrontiere den anderen mit einer positiven Sicht, indem du z.B. für Verständnis wirbst für denjenigen, über den der andere da “tratschen” will. Andererseits ertappe ich mich manchmal auch, dass in mir eine Lust aufsteigt, mich an dem Tratsch zu beteiligen, durch das negative Tratschen über andere steigt in mir mein Selbstwertgefühl, wie toll ich doch bin und es schafft Beziehung mit demjenigen, mit dem ich tratsche. Glücklicherweise merke ich diese Lust mittlerweile recht schnell und kann meist auch früh genüg innerlich Stop sagen. Oft entstehen durch Tratsch und Klatsch Probleme an Stellen, an denen keine existieren – das erlebe ich so häufig! Darum: versuchen wir uns jeglichem Tratsch und Klatsch so weit wie möglich zu entziehen – unsere geschenkten Lebensjahre sind dafür einfach zu kostbar!


Auf einen Freund kannst du dich immer verlassen; wenn es dir schlecht geht, ist er für dich wie ein Bruder. Sprichwörter 17:17

Bei Facebook ist es ja mittlerweile schon üblich, mit 100 oder mehr Leuten befreundet zu sein. Ich denke, bei dem Freund, auf den uns der Bibelvers aus dem Buch der Sprichwörter hinweist, kommt es nicht auf die Quantität an. Da reichen 10, 5, 2-3 oder vielleicht auch nur ein Freund, von dem man das sagen kann. Neben unerlässlichen direkten Auge-in-Auge-Treffen bieten ja die heutigen sozialen Kommunikationsmittel darüber hinaus die Möglichkeit den Kontakt aufrecht zu erhalten. DANKE GOTT FUR MEINE FREUNDE!


Ein fröhliches Herz macht den Körper gesund; aber ein trauriges Gemüt macht kraftlos und krank. Spr 17:22

Selbstmitgefühl hat viel mit Akzeptanz unserer eigenen Person zu tun. Es bedeutet grundsätzlich, dass wir Mitgefühl mit unseren menschlichen Schwächen haben und erkennen, dass wir wie jeder Mensch verletzlich und begrenzt sind. Ganz konkret bedeutet es auch eine gesunde Selbstsorge: sich ausruhen, wenn wir müde sind, grundlegende Bedürfnisse wie Schlaf, Nahrung und Bewegung nicht vernachlässigen u.v.m. Wenn wir keine echte Liebe und Güte zu uns selbst verspüren, wie sollen wir sie dann auf unsere Nächsten ausdehnen? Wenn wir das nicht beachten, wird ein Leben in der vollkommenen Freude nicht möglich sein. Bitte, bitte, bitte: Gott nimmt dich an. So nehme dich auch selbst an.

Freude stärkt deine Gesundheit, das ist wissenschaftlich bewiesen worden. Die Freude stärkt deine psychische und physische Widerstandskraft. Wenn du in der Freude lebst, unterstützt du somit deine Gesundheit. Ein wichtiger Aspekt ist dabei, wenn du Freude teilst. Die geteilte Freude, die dich mit anderen Menschen verbindet und zur doppelten Freude wird.


Ein Geschenk öffnet viele Türen. Spr 18:16

Durch Geschenke wird Liebe sichtbar, der Klassiker: ein Blumenstrauß. Wenn ich jemanden beschenke, dann beschäftige ich mich gedanklich mit ihm. Und das Geschenk ist ein Symbol für dieses Gedenken. Es spielt keine Rolle, ob es Geld gekostet hat. Entscheidend ist, dass da jemand an mich gedacht hat. Aber nicht der flüchtige Gedanke selbst zählt, sondern die Tatsache, dass er konkret wird durch die Handlung des Aussuchens und Übergebens. So wird die Liebe sichtbar. Und so öffnet das Geschenk die Tür zum Herzen des anderen. Schenken kann ich nicht nur materielles, sondern auch Zeit, meine Hilfe und letztlich mich selbst auf der Basis dass ich selbst der unendlich beschenkte bin durch Gott.


Du musst mit den Folgen deiner Worte leben – seien sie nun gut oder böse … Darum ist jeder für die Folgen seiner Worte verantwortlich. Sprüche 18,20-21

Ich bin Lehrer, arbeite in einem großen Team, dann natürlich die Schüler, nicht zu vergessen die Eltern: da wird viel, viel geredet. Und obwohl ich mir wirklich Mühe gebe, vergreife ich mich hin und wieder im Ton, finde nicht die richtigen Worte. Mich für diese unschönen oder unnutzen Worte verantwortlich zu fühlen, bedeutet meinen “Ausrutscher” zu erkennen, ihn zu akzeptieren und dann, wenn möglich, es mit der anderen Person versuchen zu bereinigen.

Nicht das, was in seinen Mund hineinkommt, verunreinigt den Menschen, sondern das, was aus seinem Mund herauskommt. Mt 15,11


Wer zu schnell läuft, geht leicht fehl. Spr 19:2

Stille kommt von stillen, beruhigen, zur Ruhe bringen. Wie häufig geraten wir aber in die Schnelleritis. Ich geh mal schnell. Ich mache mal schnell. Das sind häufige Sätze. Warum schnell? Warum nicht rechtzeitig, in aller Ruhe und langsam, den inneren Raum der Stille hütend? Gerade wenn du viel mit anderen Menschen zu tun hast, wenn viele etwas von dir wollen, wenn Du Dich in intensiven Gesprächen auf sie einläßt, brauchst du diesen inneren Raum der Stille, der dich davor beschützt, dass dich die Probleme der andern bestimmen und überfordern, daß dich der Schmutz, den du im Gespräch oft mitbekommst, innerlich selber beschmutzt. (nach Anselm Grün)


Wer eilt läuft Gefahr anzustoßen. Spr 19,2

Die Arbeit ist ein wichtiger Aspekt unseres Lebens. Versuche sie stets ohne Unruhe und Hast zu tun, denn das hindert uns, eine Sache gut zu machen. Flüsse, die in der Ebene ruhig dahinfließen, tragen große Schiffe mit reicher Fracht. Ein Regen, der sanft auf das Feld niederrieselt, macht es fruchtbar. Reißende Ströme dagegen überschwemmen das Land und sind für den Schiffsverkehr ungeeignet, wie auch Platzregen und Wolkenbrüche Wiesen und Felder verwüsten. Nie ward gut getan, was mit Hast und Ungestüm verrichtet wurde. Wir arbeiten rasch genug, wenn wir gut arbeiten.

Eile mit Weile. Sprichwort


Der Mensch macht viele Pläne, aber es geschieht, was der Herr will. Spr 19:21

Es kommt wie es kommt: Wir machen uns viele Gedanken, planen, versuchen zu lenken. Das ist zu einem gewissen Grad gut, wir sollen ja nicht planlos leben. Trotzdem merken wir doch häufig, dass wir vieles im Endeffekt nicht in der Hand haben und es auf einmal ganz anders kommt, wie wir gedacht haben.

Nachfolge geht nicht ohne Loslassen: Ballast muss abgeworfen werden. Nur so können wir durch die Tür “Jesus”. Zu viel Gepäck und wir passen nicht durch. Das Gepäck ablegen können wir, wenn wir uns überlassen.

Überlasse alles vertrauensvoll der göttlichen Vorsehung und bleibe in seinem göttlichen Frieden. Franz von Sales


Der Herr verabscheut das Messen mit zweierlei Maß und hasst das Wiegen mit zweierlei Gewicht. Spr 20:10

Den Nächsten klagen wir wegen des kleinsten Vergehens an, uns selbst aber entschuldigen wir auch bei schweren Verfehlungen. Für die anderen soll die strenge Gerechtigkeit gelten, für uns aber Barmherzigkeit und Nachsicht. Unsere Worte soll man stets gut aufnehmen, wir dagegen sind empfindlich gegen das kleinste Wort der anderen und regen uns darüber auf. Können wir jemanden nicht leiden, dann kann er uns nichts recht machen und wir finden alles schlecht, was er tut und nörgeln immer an ihm herum. Haben wir aber Gefallen an einem, dann mag er tun was immer, wir wissen es stets zu entschuldigen. Wir klagen gleich über den Nächsten, wollen aber nicht, daß man sich über uns beklage. Was wir für andere tun, scheint uns immer zu viel, was andere für uns tun, zählt in unseren Augen nicht. Wir haben ein mildes, nachsichtiges und höfliches Herz für uns, gegen die anderen aber ein hartes, strenges und unerbittliches. Sei also gleichmäßig gerecht in all deinem Tun. Versetze dich immer in die Lage deines Mitmenschen und ihn an deine Stelle, dann wirst du richtig urteilen. Prüfe darum oft dein Herz, ob es gegen den Nächsten so gesinnt ist, wie du es von ihm erwartest, wenn du an seiner Stelle wärest, dann handelst du richtig.


Der Herr gab dem Menschen den Verstand, um seine innersten Gedanken und Gefühle zu durchleuchten. Spr 20:27

Du bist eine tickende Zeitbombe, wenn du nicht in Kontakt mit deinen Gefühlen bist. Tust du es nicht, entsteht ein innerer Konflikt wodurch sich Druck und Anspannung massiv erhöhen. Der innere Konflikt beginnt dort, wo du gegen deinen eigenen Willen handelst. Das brennt dich aus. Es wiegt um so vieles schwerer, mit sich selbst nicht mehr zurechtzukommen, als mit den äußeren Umständen nicht zurechtzukommen. Gefühle zu ignorieren und den inneren Dialog abzubrechen ist ein sicherer Weg in das eigene Aus!


Wer Liebe und Gerechtigkeit übt, der findet das Leben. Spr 21:21

Die Seligpreisung spricht vom Hungern und Dürsten nach Gerechtigkeit. Jesus ist es wichtig, uns zu verdeutlichen, dass wir nicht nur irgendwelche Sehnsüchte in uns tragen sollen. Jesus will, dass wir solche Sehnsüchte wieder mehr in unser Bewusstsein rücken, die auch unsere Mitmenschen berücksichtigen. So wie ein guter Baum wie von alleine gute Frucht bringt, so sollen auch wir sein. In großer Selbstverständlichkeit sollen wir Gutes aus uns hervorbringen. Wahres und tiefes Glück entsteht nur bei den Menschen, die auch ihre Mitmenschen mit in den Blick nehmen, denn dadurch erfüllen sie den Willen des Vaters und das ist wahrhaftig ein großes Glück. Wenn Jesus sagt, dass es seine Speise ist, den Willen des Vaters zu tun, dann machen wir uns dies in der Nachfolge Jesus auch zu eigen, so werden wir gesättigt werden.


Überlege deine Worte, und dir bleibt viel Ärger erspart! Sprüche 21:23

Viel Streit und Spaltungen rühren daher, dass wir zu schnell etwas sagen, unüberlegt. Das Buch der Sprichwörter ist voll von solchen Hinweisen, z B. Eine überlegte, versöhnliche Antwort kühlt den Zorn ab, ein verletzendes Wort dagegen heizt den Streit an (vgl. Sprüche 15,1). Also gerade bei emotional aufgeheizten Situationen inne halten, innerlich einen Schritt zurück treten und darüber nachdenken, welche Worte zu wählen sind. Selbstkontrolle ist gefragt.

Gebet: Jesus, schenke uns Besonnenheit, um in aufgeheizten Situationen die richtigen Worte zu finden.


Überlege deine Worte. Spr 21:23

Sprache ist nicht nur Ausdruck der Gedanken. Wenn wir bewusst auf eine positive Sprache achten, so hat dies die Macht, auch unsere Gedanken zu ändern. So lerne an einer Situation oder einer anderen Person das Positive zu entdecken und dies auch zu äußern. Mich hat das langfristig in meinem Sein verändert. Dies gilt nicht nur im Sprechen mit dem Gegenüber, sondern vielmehr noch für unsere inneren Monologe. Eine positive Sprache unterstützt eine opptimistische Grundhaltung.

Wie spreche ich mit mir selbst?
Wie spreche ich mit anderen?


Zu viel Honig essen ist nicht gut, zu viel Ehre bekommt einem nicht . Spr 25:27

Grenzen einzuhalten heißt zu verzichten. So ein Verzicht ist schwer. Das schafft man nur, wenn man sich ein Stück weit selbst unter Kontrolle hat. Daher ist ein Aspekt dieser Tugend die Selbstbeherrschung. Diese lässt sich trainieren. Wie Muskeln durch Training stärker werden, so kann auch die Willenskraft durch regelmäßige Disziplinübungen gesteigert werden. Aber vorsichtig. Nicht übertreiben. Der Wille erschlafft, wenn er lange gefordert ist und bricht dann ein. “Zu viel” ist auch hier nicht gut. Setze dir kleine Ziele. Diese aber setze dann um. Das bringt deiner Seele mehr, als die großen Vorsätze, die morgen schon Vergangenheit sind. Gott führe uns freundlich durch diese Zeiten; aber vor allem führe er uns zu sich.


Wie eine Stadt mit zerstörter Mauer ist ein Mann, der seinen Geist nicht beherrscht. Spr 25:28

Macht und Verantwortung sind Geschwister. Ich habe die Verantwortung, die Gedanken nicht wie wild herum hüpfende Affen gewähren zu lassen. Selbstbeherrschung ist die Wurzel aller Tugenden. Das griechische Wort “egkrateia”, das als Selbstbeherrschung übersetzt wird, stammt von zwei anderen griechischen Begriffen ab – en und kratos. “En” bedeutet „in“ und “kratos” bedeutet „Kraft“ oder „Macht“. Aus diesen griechischen Wurzeln können wir sehen, dass egkrateia im Kern mit innerer Macht oder Kraft zu tun hat. Der Selbstbeherrschte ist in der Lage, seine Gedanken zu kontrollieren. Das funktioniert seltenst zu 100%. Ich mag den Vergleich mit dem Fitness-Studio. Die “Synapsen-Muskeln” müssen trainiert werden, täglich. Es ist immer wieder auch ein Kampf mit sich selbst, der Schweiß kostet. Aber dieser Kampf stärkt uns und bringt uns langfristig immer weiter zu einer inneren Ruhe in der Hingabe an Gott.

Christlicher Glaube heißt: Heiterkeit, innere Ruhe und Hingabe an Gott. Johannes XXIII


Ohne Holz geht ein Feuer aus, und ohne ein Lästermaul legt sich der Streit.  Ein streitsüchtiger Mensch lässt den Zank aufflammen wie Kohle die Glut und Holz das Feuer.  Sprüche 26:20‭

Kritik an der richtigen Stelle mit den richtigen Worten und stets mit Sanftmut formuliert ist richtig und wichtig. Häufig jedoch schießen wir über das Ziel hinaus, machen manchmal auch aus einer Mücke einen Elefanten. Es hilft häufig einen Schritt zurück zu tretten, die Emotionen abflachen zu lassen und häufig sind dann die kritikwürdigen Probleme doch nicht so dramatisch, wie sie es am Anfang erschienen. Kritik – falsch formuliert – verletzt den anderen und dieser schaltet dann sofort auf den Verteidigungsmodus um. Zwei Menschen streiten sich. Der eine wirft dem anderen eine ärgerliche Bemerkung an den Kopf, und der andere reagiert gleich mit einer scharfen Erwiderung. Keiner von beiden will jetzt mehr aufhören, weil sein Schweigen als Schwäche oder Niederlage gedeutet werden könnte. Gut formulierte Kritik ja – aber es unterliegt weder unser Verantwortung, noch ist es unser Recht, andere mit unseren Urteilen, seien sie zutreffend oder nicht, zu bombadieren. Das Leben ist viel zu kurz, um es mit Selbstverteidigung, Streiten und heftigen Wortwechseln zu vergeuden.


Eisen wird mit Eisen geschärft, und ein Mensch bekommt seinen Schliff durch Umgang mit anderen. Spr 27:17

Solange wir hier leben, verändern wir uns. Wir sind ständig auf dem Weg. Wer stehen bleibt, steht in der Gefahr, innerlich zu sterben. Auf diesem Weg sind es vor allem unsere Mitmenschen, die in uns Bewegung anstoßen. Das sind sowohl Menschen, die uns sehr nahe stehen, von denen wir uns was sagen lassen, aber häufig noch viel mehr Menschen, an denen wir uns reiben. Danken wir Gott auch für die Menschen, die uns Schwierigkeiten bereiten. Wir wachsen durch diese Begegnungen. Überlasse dich ganz einfach dem Leben des Heiligen Geistes, welchen Menschen er dich auch immer begegnen lässt. “Das ganze Leben besteht aus Gelegenheiten, Jesus zu begegnen” [Guardini] und wir begegnen in jedem Menschen Christus!


Die Weisen stillen den Zorn. Spr 29:8

Jeder von uns ist mal wütend. Das ist nur menschlich. Aufpassen müssen wir, wenn wir merken, dass dies des Öfteren passiert, denn dann dringt diese Emotion so tief in unsere Seele, dass sie das Wachsen der vollkommenen Freude behindern kann. Daher: Wenn du Wut fühlst, dann bedenke stets, welch Folgen es haben kann, wenn du sie ungehindert raus lässt. Sie ist zu nichts nützlich und schädigt unser Immunsystem. Ein gesunder Geist ist ein ruhiger Geist. Versuche daher stets die Wut in den Griff zu bekommen. Denke zum Beispiel daran, dass auch der Mensch, auf den du gerade wütend bist, nach Gottes Ebenbild geschaffen sind.

Bleibt bei all eurem Kummer froh und ergeben!  Schaut nach oben und lasst keinen  Zorn  aufkommen. Johannes XXIII


Menschenfurcht bringt zu Fall; wer sich aber auf den Herrn verlässt, wird beschützt. Sprüche 29,25

Die Angst vor Verurteilung, Kritik und dergleichen darf dich nicht bestimmen, so dass du Gutes unterlässt. Für “Harmoniestrebende” (der ich einer bin) nicht leicht. Die Angst vor der Meinung der anderen versklavt dich. Das ist nicht gut.

Christus hat euch freigekauft; ihr gehört jetzt allein ihm. Lasst euch nicht wieder von Menschen versklaven! 1. Kor 7:23


Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen! Sprüche 31,8

Das hebräische Wort für Gerechtigkeit Zedaka ist ein Beziehungswort, soll heißen, es geht darum sich in konkreten Beziehungen, zu Gott, zu den Mitmenschen und zur Umwelt, angemessen zu verhalten im Sinne der Gerechtigkeit. Das hört sich schnell abstrakt und fern an, beginnt aber in meinem unmittelbaren Umfeld: evtl. gibt es an der Arbeit jemanden der ungerecht behandelt wird. Gerecht sein heißt da: mich nicht raushalten, sondern den Mund aufmachen, den Konflikt riskieren und mich nicht resignierend darauf zurück zu ziehen, dass man ja doch nichts machen kann.

Die Nächstenliebe ist immer mit der Gerechtigkeit verbunden. Vinzenz von Paul

Wo geschieht bei dir heute in diesem Sinne die Verlebendigung des göttlichen Wortes?