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Sprüche Kap. 11-12

Impulse, Auslegungen, Kommentare und Bibelzitate zum Buch der Sprüche Kap. 11-12


Bescheidenheit

Ein weiser Mensch ist bescheiden. Spr 11:2

Weniger wäre manchmal mehr gewesen (Kant) Oder um es mit Abbas Poimen zu sagen: Alles Übermaß ist von den Dämonen. Ja, Bescheidenheit ist das Gegenteil von Vermessenheit. Du lebst heute in einer Gesellschaft der Mehr-Kultur.  Die Gefahr ist, dass du dich da reinziehen lässt. Bescheidenheit heilt deine Seele von dem Mehr, Größer und Besser. “Das wahre Glück ist die Genügsamkeit und die Genügsamkeit hat überall genug.” (Goethe). Hüte dich also vor der Übertreibung und dem Übermaß im materiellen, wie auch im geistigen und spirituellen Bereich.


Zunge im Zaum halten

Ein vernünftiger Mensch hält seine Zunge im Zaum. Spr 11:12

Bei den Betern ist die Zunge gleichsam die Hand, mit der wir Gottes Knie umfassen. Beflecke sie darum nicht, damit er nicht zu dir spreche: Selbst wenn ihr eure Gebete vervielfältiget, werde ich euch nicht erhören, denn: Tod und Leben sind in der Hand der Zunge und: Nach deinen Worten wirst du gerechtfertigt und nach deinen Worten wirst du verurteilt werden. Hüte also deine Zunge mehr als deinen Augapfel. Die Zunge ist wie ein königliches Roß. Legst du ihr Zügel an und lehrest sie ebenmäßig einherschreiten, so wird der König darauf ruhen und sich darauf setzen. Läßt du sie aber ohne Zaum dahinstürmen und Seitensprünge machen, so werden der Teufel und die Dämonen auf ihr reiten. Chrysostomus

Wer klatschsüchtig ist, wird auch anvertraute Geheimnisse ausplaudern. Ein zuverlässiger Mensch behält die Sache für sich. Spr 11:13


Barmherzigkeit üben

Ein barmherziger Mensch tut seiner eigenen Seele Gutes. Spr 11:17

Ein Weg zum Glück besteht darin, dass wir raus kommen aus unserer Selbstumkreisung. Wer immer nur an seine eigenen Probleme und Sorgen denkt, der wird nie glücklich werden und der wird nur selten dazu kommen, Barmherzigkeit üben zu können. Barmherzigkeit ist auf den anderen bezogen. Er sieht ihn in seiner Not und lässt sich davon berühren. Er fühlt sich in dessen momentane Situation ein. Es geht darum, zu fühlen, als wäre ich der andere. Es geht darum, die Bedürfnisse und Wünsche des anderen zu erahnen. Fast automatisch erwächst daraus dann das Tun.

Barmherzig heißt einer, der ein betrübtes Herz hat, weil er die Betrübnis eines anderen Menschen wie seine eigene betrachtet und über das Leid des anderen trauert wie über sein eigenes Unglück. Remigius


Gerechtigkeit üben

Gerechtigkeit führt zum Leben; aber dem Bösen nachjagen führt zum Tode. Spr 11,19

Das hebräische Wort für Gerechtigkeit Zedaka ist ein Beziehungswort, soll heißen, es geht darum sich in konkreten Beziehungen, zu Gott, zu den Mitmenschen und zur Umwelt, angemessen zu verhalten im Sinne der Gerechtigkeit. Das hört sich schnell abstrakt und fern an, beginnt aber in meinem unmittelbaren Umfeld: evtl. gibt es an der Arbeit jemanden der ungerecht behandelt wird. Gerecht sein heißt da: mich nicht raushalten, sondern den Mund aufmachen, den Konflikt riskieren und mich nicht resignierend darauf zurück zu ziehen, dass man ja doch nichts machen kann. Die Nächstenliebe ist immer mit der Gerechtigkeit verbunden.

Der Same der Gerechten wird errettet. Sprüche 11:21


Wer austeilt, wird reicher!

Manche sind freigebig und werden dabei immer reicher, andere sind geizig und werden arm dabei. Sprüche 11:24

Wir wissen, dass uns alles, was wir sind und haben,  geschenkweise von Gott auf Zeit geliehen ist. Gott möchte, dass seine geschenkten Gaben weiter gegeben werden, so dass sie sich vermehren. Im Kern geht es dabei immer um das Weitergeben der Liebe. Reichlich von dieser Liebe austeilen, weitergeben, gerade auch da, wo kein Zurückgeben von vornherein zu erwarten ist, das gehört zu den Grundprinzipien des Reiches Gottes. Der Geber achtet dabei nicht peinlich genau auf seine Gaben, er ist nicht gewissenhaft oder vorsichtig, er gibt gern, reichlich und schießt dabei auch schon mal übers Ziel hinaus. Und diese Haltung wird von Gott belohnt!

Eine segnende Seele wird reichlich gesättigt, und wer anderen zu trinken gibt, wird selbst erquickt. Sprüche 11:25


Gütige Liebe

Ein gütiger Mensch erlangt Gunst von dem Herrn. Spr 12:2

Dein Herz öffnet sich und deine Liebe fließt so zu allen über. Die Weite deines Herzens spiegelt das Vertrauen in die Menschen wider. Hier wird keine Forderung sichtbar, sondern die Eigenschaft der Liebe verwandelt den Menschen und gibt ihm ein gutes Daseinsgefühl. Gütige Liebe zum anderen bedeutet, dass wir es gut mit ihm meinen. Wir wollen nur sein bestes und handeln dementsprechend.

Die Liebe ist das Wohlgefallen am Guten. Das Gute ist der einzige Grund der Liebe. Lieben heißt: jemandem Gutes tun wollen. Thomas von Aquin 


Selbstbeherrschung

Wird ein Dummkopf gekränkt, macht er seinem Ärger sofort Luft. Der Kluge beherrscht sich, wenn er bloßgestellt wird. Spr 12:16

Das griechische Wort “egkrateia”, das als Selbstbeherrschung übersetzt wird, stammt von zwei anderen griechischen Begriffen ab – en und kratos. “En” bedeutet „in“ und “kratos” bedeutet „Kraft“ oder „Macht“. Aus diesen griechischen Wurzeln können wir sehen, dass egkrateia im Kern mit innerer Macht oder Kraft zu tun hat. Der Selbstbeherrschte ist in der Lage, bei Ärger nicht immer sofort und impulsiv zu reagieren, sondern bedacht und besonnen. Nicht immer gelingt das. Es ist immer wieder auch ein Kampf mit sich selbst, der Schweiß kostet. Aber dieser Kampf stärkt uns und bringt uns langfristig immer weiter zu einer inneren Ruhe in der Hingabe an Gott.


Achte auf deine Worte

Die Worte eines gedankenlosen Schwätzers verletzen wie Messerstiche. Was ein weiser Mensch sagt, heilt und belebt. Spr 12:18

Abfällige Bemerkungen berauben andere Menschen ihrer Würde und schädigen ihr Selbstwertgefühl. Ich achte stets darauf, positiv über den anderen zu reden, gerade dann, wenn er mir auch nicht so liegt. Das hat heilende Wirkung auf unsere Beziehung. Ich bete stets darum, dass Gott mir hilft, das Schöne in der Seele des anderen wahrzunehmen. Und dennoch, nicht ausgesprochen, sondern in Gedanken, gelingt mir das dann auch wieder nicht. Momente, in denen ich bemerke, wie sehr ich auf Gottes unergründliche Barmherzigkeit angewiesen bin. Ob nun in Gedanken oder in Worten, achten wir darauf, den anderen nicht zu beleidigen, sondern achten wir seine von Gott verliehene Würde, gerade dann, wenn uns dieser Mensch mir auch nicht so liegt.


Frieden

Wer Böses ausheckt, betrügt sich selbst damit, denn Freude erfährt nur, wer sich für Frieden einsetzt. Spr 12:20

Bewahrst du Frieden in dir, dann kannst du auch Frieden in anderen bewirken. Bemühe dich also zuallererst um deinen inneren Frieden. Denn wer mit sich selbst in Unfrieden lebt, den treibt es hin und her und dieser Unfrieden wirkt sich auch auf seine Umgebung aus. Dann sagen wir, was wir nicht hätten sagen sollen. Dann sehen wir immer auf das, was andere tun sollten und versäumen dabei zu sehen, wo es an uns liegt, etwas zu tun. Wenn also solche Gedanken über dich kommen, verrichte einen positiven Akt durch ein Herzensgebet, damit du wieder zu dir selbst kommst und so zum Herrn, der in dir wohnt und der dein wahrer Friede ist.

Ich sah auf Jesus, und die Taube des Friedens flog in mein Herz. Corrie ten Boom


Sorgen

Sorge im Herzen bedrückt den Menschen, aber ein freundliches Wort erfreut ihn. Spr. 12:25

Sorgen bedrücken uns. Sorgen um das Morgen, Sorgen um Menschen, gegenstandslose Sorge. Sorge kann mich davon abhalten, den nächsten Schritt zu gehen. Mancher bleibt vor lauter Sorgen immer da, wo er ist, wo er sich auskennt. Sorgen macht sich vor allem derjenige, der beständig im Morgen lebt. Der Christ aber, der wirklich an die Liebe und Fürsorge Gottes glaubt, der lebt im Heute. Der freut sich heute über die Gegenwart Gottes. Der freut sich heute über seine Wohltaten. Er ist da. Er bleibt da. Er hält mich. Er trägt mich. Er führt mich. Das ist für mich das freundliche Wort

Angst und Sorgen entstehen immer dann, wenn ich mir die Zukunft ohne Jesus vorstelle. Sarah Young


Gottes Willen

Wer Gottes Willen tut, ist auf dem Weg zum Leben. Ihm kann der Tod nichts anhaben. Spr 12:28

Der Wille Gottes kann tief verborgen liegen unter vielen Möglichkeiten. Weil er kein System von Regeln ist, sondern in den verschiedenen Lebenslagen ein jeweils neuer ist, darum muß immer wieder geprüft werden, was der Wille Gottes ist. Herz und Verstand, Beobachtung und Erfahrung müssen bei dieser Prüfung miteinander wirken, weil es hier nicht um das eigene Wissen um Gut und Böse geht, sondern um den lebendigen Willen Gottes geht. Es steht nicht im menschlichen Verfügen, sondern allein in der Gnade Gottes, daß wir seinen Willen erkennen. Weil diese Gnade jeden Morgen neu ist, darum steht es mit diesem Prüfen des Willen Gottes so ernst.Weil das Wissen um Jesus und seiner Liebe etwas Lebendiges ist, darum entsteht mit jedem neuen Tag die Frage, wie ich heute und hier in diesem neuen Leben mit Gott, mit Jesus Christus bleibe und bewahrt werde. Eben diese Frage aber ist der Sinn des Prüfens, was der Wille Gottes sei. Bonhoeffer