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01 Genesis

Genesis – Auslegungen

Genesis – Schöpfung und Fall (Kap. 1-3)

Gen 1,1

Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. Gen 1,1

Der erste Vers der Bibel führt uns sofort in die Gegenwart Gottes. Jede Einleitung wird ausgelassen. Dieser erste Vers der Heiligen Schrift versetzt uns in die Gegenwart dessen, der die unerschöpfliche Quelle aller wahren Segnung ist. Jedes Schöpfungswerk wird eingeleitet mit: Gott sprach! Dieses gesprochene Wort ist Christus selbst, durch den alles geworden ist, also auch du und ich. Das Johannesevangelium beginnt mit denselben Worten: Im Anfang! Jesus damals, jetzt und immer und ewig! Und dieses Wort wirkt immer machtvoll, gerade auch in deinem Leben: “Er sprach und es geschah, er befahl und schon war es da.” (Ps 33:9)

Gott ist unser Schöpfer. Vergiss nie, dass du wie der andere aus seiner Liebe heraus erschaffen wurdest.

Gen 1,2

Die Erde aber war wüst und leer, und es lag Finsternis auf der Tiefe und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. Gen 1,2

Überall herrschte Finsterns. Gott aber ist ein Gott des Lichtes. Nur der Geist konnte die Finsternis erleuchten, Leben hervorbringen und Ordnung an die Stelle des Chaos setzen. In diesem Sinne wirkte er fort bis dahin, wo der Geist Gottes die Menschwerdung Christi vollbrachte. Der Geist, der über Maria kam, so dass das Wort Fleisch wurde in Jesus Christus, ist derselbe Geist, der zu Beginn der Schöpfung über den Wassern schwebte und ist derselbe Geist, der gleichfalls in unserem Leben wirkt. Lasst uns dieses vielfältige Wirken des Geistes in unserem Leben immer tiefer erkennen und rufen wir ihn täglich an: Atme in mir heiliger Geist!

Gen 1,3

Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht. Gen 1,3

Gottes Schöpfung beginnt mit dem Licht. Es tritt noch vor und unabhängig von der Sonne auf. Licht ist das unmittelbarste Abbild Gottes, aus dem alles Lebende hervor geht. Gott bringt so Licht in die Finsternis. Das gilt bis heute. Und es gilt auch für uns persönlich. Setzen wir uns immer wieder diesem Licht aus! Dieser Text wird in der Osternacht gelesen. Warum? In der Auferstehung sagt Gott neu: Es werde Licht. Die Auferstehung Jesu ist ein gewaltiger Ausbruch des Lichts, denn der Auferstandene selbst ist das wahre Licht. Wir aber sind Söhne und Töchter des Lichts.

Gott sah, dass das Licht gut war. Gen 1,4

Gen 1,11

Gott sprach: Die Erde lasse Gras sprießen und Gewächs, das Samen hervorbringt, fruchttragende Bäume auf der Erde, von denen jeder seine Früchte bringt nach seiner Art, in denen ihr Same ist! Und es geschah so. 1. Mose 1:11

Bei der Schöpfung befahl Gott den Pflanzen, Frucht zu tragen, jede nach ihrer Art. So gibt er auch uns den Auftrag, Früchte der Frömmigkeit zu tragen, jeder nach seiner Art. Es gibt nicht DIE Frömmigkeit. Bei einem Priester sieht sie so aus, bei einem Lehrer so und bei einem LKW-Fahrer wiederrum so. Eines ist aber allen gleich: Die Früchte der Frömmigkeit sind anderen nützlich z.B. in der eigenen Ehe, wo mit wachsender Frömmigkeit man sich umso herzlicher und zärtlicher begegnet oder im Umgang mit dem Nächsten, wo wir schneller als früher Nachsicht und Barmherzigkeit walten lassen oder im Umgang mit Schwächeren, denen wir in Fürsorge zugedacht sind. Was sind die Blüten unseres Herzens anderes als eben dies.

Gen 1,16

Gott schuf zwei große Lichter, die Sonne für den Tag und den Mond für die Nacht, dazu alle Sterne. Gen 1,16

Die Sonne ist ein Bild für Christus. Der Mond kann als Bild für uns selbst gesehen werden. Der Mond hat kein eigenes Licht. So wie in der Nacht die Lichtquelle des Mondes nicht zu sehen ist, so ist auch Christus unserem natürlichen Auge verborgen. Wir haben die Verantwortung die von ihm empfangenen Lichtstrahlen an die Welt weiter zu geben. Wir sind dazu berufen, uns nicht selbst in den Blickpunkt der Welt zu stellen, sondern das Licht zu reflektieren, dass wir empfangen. Nochmals: Wir sind Kinder des Lichts.

Sei ein Mond für deine Mitmenschen!

Gen 1,26

Gott sprach: Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich. Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. Gen 1,26; 2,7

Gottes Bild sind wir nicht durch äußere Merkmale, sondern durch die Freiheit mit der wir Gott gegenüberstehen als die von ihm Angeredeten und mit der Möglichkeit unserer Antwort. Wir stammen zwar ganz von der Erde, uns wurde aber der Atem Gottes eingehaucht. Wir haben unser Leben nicht aus uns selbst, sondern aus dem Lebenshauch unseres Schöpfers. Ebenso ist es mit dem heiligen Geist. Jesus haucht die Apostel an und beschenkt sie aufs neue, aber noch großartiger, mit Gottes Atem, dem heiligen Geist.

Dann hauchte Jesus sie an und sagte: Empfangt den Heiligen Geist! Joh 20:22

Gen 2,2-3

Er ruhte am siebten Tag von seinem ganzen Werk, das er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn. Gen 2:2‭-‬3

Der Sabbat ist der siebte Tag der Woche, der Tag der Ruhe. Durch die Auferstehung Jesus ist etwas Unerhörtes geschehen: An die Stelle des Sabbats tritt der erste Tag, der Sonntag. Es ist unmöglich, den Wert und die Wichtigkeit dieses Tages des Herrn, dem ersten Tag der Woche, zu betonen. Am diesem Tag, dem Sonntag, geht es zutiefst um die Begegnung mit dem auferstandenen Christus in Wort und Sakrament. In diesen ersten Tag wurde dann auch immer mehr das Erbe des siebten Tages, des Sabbats, aufgenommen. Wir nehmen teil an der Ruhe Gottes. Benedikt XVI

Wir halten nicht mehr den Sabbat, sondern richten unser Leben nach dem Sonntag. Ignatius von Antiochien

Gen 2,10

Es ging aber ein Strom aus von Eden, um den Garten zu bewässern. Gen 2,10

Wo Gott wirkt, da spürt man das Fließen dieses Stromes. Jesus selbst spricht, dass wir von ihm trinken sollen und durch den Glauben an ihn werden auch aus dir und mir Ströme lebendigen Wassers fließen. Du und ich sind also ein Kanal dieses Stromes, durch den sich Christus auf diese Welt ergießt. Dies zu begreifen, ist wichtig. Dieser Strom ist und bleibt Christus, wie uns Worte am Ende der heiligen Schrift noch einmal eindrücklich zum Verstehen geben: “Er zeigte mir einen Strom von Wasser des Lebens, glänzend wie Kristall, der hervorging aus dem Thron Gottes und des Lammes.” (Off 22,1)

Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Joh 7:38

Gen 2,17

Von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen. Denn an dem Tag, da du davon isst, musst du gewisslich sterben! Gen 2,17

Das Band, das den Menschen mit Gott verband, war der Gehorsam, der sich auf das Vertrauen zu Gott und seiner Liebe gründete. Gott wollte, dass der Mensch ihm vertraut und gab ihm die Freiheit, sich selbstständig zu entscheiden. Gott lässt uns frei entscheiden, immer wieder aufs neue. Achten und beten wir darum, dass unsere Entscheidungen uns auf Gottes Wegen wandeln lässt und dass wir aus falschen Entscheidungen lernen und daran wachsen. Wir wissen nun, dass die Geschichte nicht gut ausging und es trat das Angekündigte ein: An dem Tag, da du davon isst, musst du sterben. In Christus ist nun aber alles neu und er sagt uns: Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat ewiges Leben. Heute wie damals besteht aber das Band des Gehorsams, der sich auf dem Vertrauen in Gottes Liebe gründet.

Vertraue zutiefst darauf, dass Gott dich liebt!

Gen 2,18

Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Gen 2:18

Bei den Schöpfungswerken sah Gott, dass es gut war. Hier nun kommt das erste und einzigste mal ein “nicht gut”. Weil Gott sieht, dass es nicht gut ist, dass der Mensch allein sei, erschafft er dem Menschen aus dem eigenen Fleisch ein Gegenüber und so entstehen Frau und Mann. Der Mensch ist auf Gemeinschaft hin geschaffen. Es ist gut, dass du Gemeinschaft mit Menschen hast, durch die du erst voll und ganz wirst. Der Mensch wird am du zum ich. Welche Menschen hat Gott dir zur Seite gestellt, so dass du nicht allein bist und am Du zum Ich werden kannst?

Ein Irrtum ist, dass die Frau aus der Rippe des Mannes erschaffen wurde. Hier ist eindeutig vom Mensch die Rede ohne geschlechtliche Festlegung. Der Mann wird erst zusammen mit der Frau erschaffen.

Gen 3,1

Die Schlange sprach zu der Frau: Sollte Gott wirklich gesagt haben, dass ihr von keinem Baum im Garten essen dürft? Gen 3,1

Wir leben aus dem Vertrauen auf Gott. Genau hier setzt die Schlange an und sät Mißtrauen: Hat Gott das wirklich gesagt? Als Adam und Eva, verführt durch die Lüge Satans, wider das göttliche Gebot nach der geheimnisvollen Frucht gegriffen haben, setzten sie an die Stelle der Logik der Liebe jene des Misstrauens. Die Schlange, der Satan, versuchte Eva, indem sie ihr Zweifel an Gottes Güte einredete. So erschüttert die Schlange das Vertrauen in die Liebe Gottes und das brachte den Tod in die Welt. Die Erkenntnis Gottes als die Liebe selbst dagegen bringt das Leben. Jesus offenbarte uns, wie Gott ist. Gott ist Liebe! So hängt also alles von dieser Erkenntnis Gottes ab.

Wo erkenne ich Gottes Liebe und Güte in meinem Leben, so dass ich dankbar darüber nachdenken darf?

Gen 3,6

Die Frau schaute den Baum an. Er sah schön aus! Es wäre bestimmt gut, von ihm zu essen, dachte sie. Seine Früchte wirkten verlockend, und klug würde sie davon werden!  1. Mose 3:6

Die Gier steht am Beginn unserer Geschichte. Bei Eva im Paradies erwacht ein Begehren nach etwas, das sie nicht braucht und dennoch haben will. Die Lebensbedingungen im Paradies waren vollkommen, und dennoch war alles, was Gott den beiden gegeben hatte, nicht genug. Wirke dem entgegen: Du wirst in deiner Gottverbundenheit wachsen, wenn du das, was du besitzt, nicht als dein Eigentum betrachest, sondern als Geschenk Gottes, das du mit anderen teilen willst und kannst. Die Großzügigkeit bricht die Macht von Gier im Herzen, denn “nicht der ist reich, der viel hat, sondern der, der viel gibt.” (E. Fromm)

Gen 3,7

Da wurden ihnen beiden die Augen geöffnet, und sie erkannten, dass sie nackt waren. Gen 3:7

Dies nun ist die Folge des Abfallens von Gott. Ihr geöffnetes Auge erblickte ihren elenden Zustand. Sie beginnen, sich zu schämen und versuchen, sich zu verbergen. Die Nähe Gottes füllt ihn nicht mehr mit Freude, sondern mit Furcht: Ängstlich versteckten sie sich (Gen 3:8). Aussichtslos! Wir müssen zu unseren Fehltritten stehen. “Die wahrlich gesegneten sind diejenigen, die ihre eigenen Sünden sehen können.” (Antonius der Große). Nur so kann die Unruhe und der Unfrieden, der damals Adam und Eva überkam und der auch in uns ist, geheilt werden. Nur so wird das Herz wieder Ruhe bei Gott am Kreuz finden, da sich hier die Liebe Gottes offenbart, die uns sagt: Habt keine Angst! Ich habe euch erlöst.

O wahrhaft heilbringende Sünde des Adam, du wurdest uns zum Segen, da Christi Tod dich vernichtet hat. O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden! Osterlob in der Osternacht

Gen 3,9

Da rief Gott der Herr den Menschen und sprach: Wo bist du? Gen 3:9

Ergreifend! Lesen wir die Bibel mit dem Herzen. Der Mensch ist gefallen und das erste, was Gott tut: er sucht ihn. Nicht physisch sucht der Allwissende ihn, sondern sein Herz sucht er. Gott sucht dich, dein Herz! Täglich! Gott ist ein Vater, der nicht gerne verliert. Er sucht freudig und mit der Schwäche der Liebe. Statt sich nun finden zu lassen und Reue zu zeigen, weist der Mensch aber die Schuld von sich: “Die Frau, die du mir gegeben hast, ist schuld daran!” (Gen 3:12). Kennen wir das nicht auch von uns? Erstmal die Schuld auf andere schieben.

Glückselig, der seine Schuld erkennt. Glückselig, der achtsam wahrnimmt, wo Gott ihn sucht. Glückselig, wer sein Herz öffnet und sich finden lässt: heute, hier und jetzt!

Gen 3,15

Ich will Feindschaft setzen zwischen dir [Schlange] und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen: Er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen. Gen 3:15

Nach dem Fall des Menschen Fall hat Gott ihn wieder aufgerichtet in Hoffnung auf das Heil, indem er die Erlösung versprach. Dieser Vers beinhaltet einen verheißungsvollenAusblick auf die Erlösung durch die Passion und Auferstehung Jesu Christi. Die Schlange wird ihm in die Ferse stechen. Das ist ein Bild für das Leiden Christi. Das Stechen der Ferse geschah am Kreuz von Golgatha. Er wird der Schlange den Kopf zertreten. Das ist der Sieg Christi am Kreuz über das Böse und den Tod. Durch seinen Tod und seine Auferstehung zertrat Jesus den Kopf des Satans, indem er uns von den Sünden erlöste.

Er hat für uns beim ewigen Vater Adams Schuld bezahlt und den Schuldbrief ausgelöscht mit seinem Blut, das er aus Liebe vergossen hat. Osterlob in der Osternacht

Gen 3,23

So schickte ihn Gott der Herr aus dem Garten Eden. Gen 3:23

Adam erhob sich, um Gott gleich zu sein und Christus, der Gott war, machte sich selbst zu nichts, um ein Mensch zu sein und wurde gehorsam bis zum Tod, der andere war ungehorsam bis zum Tod. Bei meiner Vorbereitung der Impulse zum Buch Genesis, habe ich immer tiefer erkannt, was Augustinus mit seiner Aussage meint: “Das Neue Testament ist im Alten verhüllt, das Alte im Neuen enthüllt.” Und so lässt sich das neue nicht ohne das alte Testament begreifen und umgekehrt. Beispielhaft kannst du das an folgenden zwei Versen aus dem Römerbrief (5:18‭-‬19) ersehen:

Durch die Sünde eines einzigen Menschen sind alle Menschen in Tod und Verderben geraten. Aber durch die Erlösungstat eines einzigen Menschen sind alle mit Gott versöhnt und bekommen neues Leben. Durch Adams Ungehorsam wurden alle Menschen vor Gott schuldig, aber weil Jesus Christus gehorsam war, werden sie von Gott freigesprochen.

Genesis – Kain, Flut und Turmbau (Kap.4-11)

Gen 4,9

Soll ich meines Bruders Hüter sein? Gen 4:9

Abel und Kain bringen ein Opfer dar. Das Opfer von Abel sieht Gott an, das von Kain nicht. Kain wird wütend und bringt seinen Bruder um. Der erste Mord der Bibel ist ein Brudermord aus Neid! Kain weicht Gottes Nachfrage mit einer rhetorischen Gegenfrage aus: Soll ich meines Bruders Hüter sein? Keinerlei Reue. Für uns allerdings ist diese Frage ein real dringlicher Auftrag. Ja, wir sollen Hüter unserer Mitmenschen sein (gerade und besonders in der eigenen Familie!).

Dazu Worte von Benedikt XVI: “Auch heute ertönt nachdrücklich die Stimme des Herrn, der jeden von uns dazu aufruft, sich seines Nächsten anzunehmen. Auch heute fordert Gott von uns, Hüter zu sein, Beziehungen zu schaffen, die von gegenseitiger Fürsorge geprägt sind, von der Aufmerksamkeit für das Wohl des anderen und für dessen gesamtes Wohl. Das große Gebot der Nächstenliebe drängt dazu, sich der eigenen Verantwortung gegenüber dem bewußt zu sein, der wie ich Geschöpf und Kind Gottes ist.”

Soll ich meines Bruders Hüter sein? Gen 4,9

Ja, das soll ich!  Die Frage der Verantwortung für den nächsten bleibt bis heute, stellt sich immer wieder neu, wenn ich Menschen begegne, ihnen in die Augen schaue, ihre Worte höre, mich von ihnen treffen lasse. Am Ende des Tages frage ich mich: für wen war ich heute ganz konkret verantwortlich, wen habe ich gehütet? Auch: Wo habe ich etwas Gutes auch  unterlassen. Bedenken wir: “Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.” (Molière).

Das wahre Glück besteht nicht in dem, was man empfängt, sondern in dem, was man gibt. Chrysotomus

Soll ich meines Bruders Hüter sein? Gen 4,9

Sanftmut beinhaltet einen behutsamen Umgang mit dem Nächsten. Diese Behutsamkeit ist vorsichtig, weil sie keinen Schaden an den andern herankommen lassen will. Jede Menschenseele ist kostbar und es wert, dass wir sie behutsam behandeln. Im Wort behutsam steckt das Wort hüten. Wir sind dazu gerufen Hüter zu sein, andere Menschen zu behüten, für sie in welcher Form auch immer verantwortlich zu sein. Damit folgen wir den Spuren Jesus, welcher der oberste Hüter aller Seelen ist. Auf die Frage von Kain “Bin ich vielleicht der Hüter meines Bruders?” müssen wir also schlicht, kurz und einfach antworten: Ja!

Sanftmütig ist, wer den Nächsten und sich selbst erträgt. Juan de la Cruz

Gen 7,10

Es geschah, dass die Wasser der Sintflut auf die Erde kamen. Gen 7:10

Das Bild von der Sintflut offenbart, dass es eines Neuanfangs bedarf, einer neuen Schöpfung, die in Jesus Christus ihre volle Erfüllung finden wird. Die Sinflut ist ein Bild für den Tod Christi. Wie die Erde damals von der Sinflut bedeckt war, so wurde Christus vom Gericht überspült: “Alle deine Wellen und Wogen sind über mich gegangen.” (Ps 42:8). Christus ging für uns durch Tod und Gericht und machte sich damit selbst zu unserer vollkommenen Arche, zu unserem Bergungsort. Das ist der Friede Christi, indem wir wohnen. Indem wir Jesus nachfolgen, auf seine Worte hören und an ihn glauben, finden wir Gnade beim Herrn, so wie damals Noah.

Noah fand Gnade beim Herrn. Er ging seinen Weg mit Gott und hörte auf ihn. Gen 6:8-9

Gen 7,16

Der Herr schloss hinter ihm zu. Gen 7:16

Nicht Noah schließt die Tür. Gott schließt die Tür zur Arche. Die Rettung ist Gottes Werk. Dadurch war Noah und seine Familie in der Arche in Sicherheit. Außerdem hatte die Arche oben ein Fenster, das zum Himmel gerichtet war. Dieses Fenster ist ein Bild von der glücklichen Gemeinschaft, die wir mit Gott haben dürfen, wenn wir unsere Augen himmelwärts richten. In der gleichen Sicherheit und Gemeinschaft leben wir in unserem Leben mit Christus, der allein öffnen und schließen kann und der unser Fenster zum Himmel ist, denn wer Jesus sieht, der sieht den Vater: “Wo er aufschließt, kann niemand mehr zuschließen.” (Offb 3:7)

Eine Lichtöffnung sollst du für die Arche machen. Gen 6:16

Gen 8,18,20-21

So ging Noah hinaus. […] Noah aber baute dem Herrn einen Altar […] und opferte Brandopfer auf dem Altar. Und der Herr roch den lieblichen Geruch. Gen 8:18;20-21

Die Wasser gingen zurück. Noahs erste Handlung ist es, Gott für die Rettung zu danken. Er baut einen Altar, um Gott anzubeten. Dies ist die erste Stelle in der Bibel, wo ein Altar erwähnt wird. Auch dies kann als Bild für uns dienen. Wir beten Gott an und danken ihm, nachdem wir in Christus, unserer Arche, unsere Rettung erkannt haben. Wir danken ihm für die vielerlei Liebesbeweise uns gegenüber. Nach Krisen, einer Krankheit, nach einer schweren Entscheidung, Arbeitssuche oder einer Trauerzeit, aber auch für die vielen kleinen unscheinbaren Dinge, sagen wir: Danke Gott! Dieser herzliche und aufwändige Dank rührt Gottes Herz.

Wäre das Wort Danke das einzige Gebet, das du je sprichst, so würde es genügen. Meister Eckhart

Gen 9,13

Meinen Bogen setze ich in die Wolken. Er soll das Zeichen des Bundes werden zwischen mir und der Erde. Gen 9,13

Es sind im Leben die Zwischenbereiche, die Übergänge, die Bereiche zwischen Sintflut und Neubeginn, wo wir die Ermutigung, die Zeichen der Hoffnung besonders brauchen. Gottes Bogen in den Wolken – das ist nicht die Verheißung des wolkenfreien Himmels oder eines von Sorge und Leid völlig unberührten Lebens. Da kann Depression den Himmel verdunkeln oder auch der Tod eines Menschen. Der Verlust des Arbeitsplatzes. Eine verlorene Liebe. Aber mit der Zusage des Segens, dass wir diese Welt in Verantwortung gestalten dürfen, lässt es sich leben und die nächsten Schritte wagen. Wir wissen alle um die Begrenztheit unseres Lebens. Der Tod ist mitten im Jetzt gegenwärtig. Das Kreuz ist Teil unserer Existenz. Und doch gibt es in all den dunklen Wolken diese geradezu kindliche Freude an den Farben, an der Liebe, an den Möglichkeiten einer je neu eröffneten Zukunft. Margot Käßmann

Der Regenbogen ist das Zeichen für die göttliche Zusage: Alles wird gut! Pfarrer Daniel Eschbach

Gen 11,4

Lasst uns eine Stadt bauen und einen Turm, dessen Spitze bis an den Himmel reicht. Gen 11:4

Der Turm von Babel ist ein mahnendes Bild für uns, wenn wir in der Gefahr stehen, dem Irrtum zu unterliegen, durch unser Bemühen, durch unsere guten Werke den Himmel zu erreichen, statt die Errettung als freies Geschenk der Gande anzunehmen. Wie häufig versuchen wir alles selbst in die Hand zu nehmen und vernachlässigen dabei die Sehnsucht nach dem Himmel und das Vertrauen auf Gott. Gott zwingen wir nicht durch unsere Taten herab. Er ist immer und in jedem Augenblick das freie Geschenk von oben. Gott lässt den Turmbau scheitern, indem er die gemeinsame Sprache der Menschen verwirrte. So ist es auch ein Akt seiner Liebe wenn er hier und da unser Bemühen scheitern lässt, um uns zum alleinigen Vertrauen auf ihn hin zu führen.

Lasst uns hinabsteigen und dort ihre Sprache verwirren, damit keiner mehr die Sprache des anderen versteht! Gen 11:7‭-‬8

Genesis – Abraham (Kap. 12-25)

Gen 12,1

Der Herr sagte zu Abram: Geh fort aus deinem Land, verlass deine Heimat und deine Verwandtschaft und zieh in das Land, das ich dir zeigen werde! Gen 12:1

Zwei Seiten des Loslassens: Loslassen hat meist zwei Seiten – eine schöne und eine schwere. Einerseits kann es befreiend sein, eine grosse Verantwortung abzugeben, etwas Neues zu beginnen, Ballast abzuwerfen; andererseits ist da Ungewissheit, Angst oder der Schmerz des Abschieds.

Vertrauen und Zuversicht: Das was hier gefragt ist, ist Vertrauen. Der Sprung ins Ungewisse, mit der Zuversicht im Rücken: Gott trägt uns, er ist unsre Hilfe (Ps 68,20). Dann kann Loslassen gelingen. Immer wieder tut es gut, zurück zu blicken, wo dies dir schon gelungen ist. Heute will ich bewusst zurück blicken auf Lebenssituationen, wo mir das Loslassen gelungen ist.

Der Herr sagte zu Abram: Geh fort aus deinem Land, verlass deine Heimat und deine Verwandtschaft und zieh in das Land, das ich dir zeigen werde! Gen 12:1

Damals war die Einbindung in die Sippe lebenswichtig. Der Ruf Gottes reißt Abram aus eben dieser Gemeinschaft und macht ihn zum Heimatlosen, allein auf den Beistand Gottes gestellt. Auch der Ruf Gottes an uns ist absolute Wirklichkeit oder gar nichts! Was aber ist im Kern der Ruf Gottes an uns? Der Ruf Gottes an uns ist die  Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus. Abram hatte das noch zu zeigende Land nie gesehen. Ebenso haben wir Christus noch nie leibhaftig gesehen haben. Aber unser Glaube befähigt uns dazu, so wie Abram alles für ihn zu verlassen, auch wenn unsere Zukunft im Dunkeln liegt. Der Glaube sieht in dem Maße, in dem er vorangeht und in den Raum eintritt, den das Wort Gottes aufgetan hat.

Er zog aus, ohne zu wissen, wohin er kommen werde. Heb 11:8

Gen 12,2

Du sollst ein Segen sein. Gen 12,2

Segen sein: In der Fürbitte werde ich zum Segen für den anderen. Ein Segen sein, das heißt ich bin jemand, der segnet. Segnen kann jeder, der glaubt. Ziemlich egal, wo und wie uns Gott hingestellt hat, dort wo er uns unseren Platz zugewiesen hat, sind wir Gesandte Gottes und so im innersten durch ihn und in seiner Kraft dazu berufen, zum Segen für den anderen zu werden.

Segnen als Tun: Ein Segensgebet ist ein Gebet, das den Segen Gottes auf uns herab ruft. Von ihm geht aller Segen aus.  “Der Herr segne dich” ist der kürzteste Segenswunsch und gleichzeitig ein Fürbitt-Gebet. Fürbitte ist der kostbarste Dienst, den ich tun darf:. Wer selbst gesegnet wurde, der kann nicht anders, als diesen Segen weitergeben, ja, er muss dort, wo er ist, ein Segen sein.

Nur aus dem Unmöglichen kann die Welt erneuert werden. Dieses Unmögliche ist der Segen Gottes. Bonhoeffer

Gen 12,4

Abram gehorchte und machte sich auf den Weg. Gen 12:4

Von Gehorsam ist hier die Rede. Gehorsam auch dann, wenn nicht alles glatt läuft. Denn als Abram in das verheißende Land kam, waren dort die Kanaaniter. Das war eine Prüfung Abrams, ob er dennoch an der Zusage Gottes festhält. Er tat es. Er richtete seine Gedanken allein auf den Herrn und nicht auf das, was der Zusage des Landes scheinbar entgegenstand. Die Kanaaniter im Land stehen bildlich für alles was uns vom Glauben an Gottes Zusagen an uns abbringen will. Das beste Gegenmittel gegen diesen Zweifel: Anbetung Gottes. Sie stärkt Glauben und Hoffnung. Eben darum baute Abram dem Herrn einen Altar. So lasst nicht nach in der Anbetung Gottes und glaubt an seine Zusagen.

Er baute dort dem Herrn, der ihm erschienen war, einen Altar. Gen 12:7

Gen 12,10

Im Land Kanaan brach eine schwere Hungersnot aus. Abram zog nach Ägypten, um während dieser Zeit dort Zuflucht zu suchen. Gen 12:10

Abrahams Fehltritt ist, dass er nach seinem Eigenwillen handelt. Kein Wort fällt darüber, dass er Hilfe bei Gott suchte. Die Folge: der Wegzug aus dem verheißenden Land Kanaan führt zu allerlei Schwierigkeiten. Aus Angst vor dem Pharao, gibt Abram seine Frau als seine Schwester aus. Als das ganze rauskommt, schickt ihn der Pharao wieder zurück. Gott hatte Abram in dieser Zeit zwar nicht verlassen, aber er ließ ihn seinen Fehltritt im Glauben spüren, um ihn zu läutern.

Was kann uns dies Geschehen sagen? Die Hungersnot ist ein Bild für unsere Schwierigkeiten und Probleme. Kommt eine Hungersnot in unser Leben, eine Schwierigkeit welcher Art auch immer, dann lasst uns allein Gott vertrauen, anstatt nach Ägypten zu gehen! Wenn uns dann aber ein Fehltritt passiert, dann lasst uns offen sein für Gottes Läuterung, mit der er uns noch fester an sich zieht.

Gen 13,1

Abram kehrte in den Süden des Landes Kanaan zurück und mit ihm seine Frau und sein Neffe Lot. Gen 13:1

Lot war der Neffe Abrahams. Mehrmals heißt es, dass Lot mit Abraham ging. Lot war ein Mitläufer. Abraham hatte einen Altar errichtet. Lot nicht. Die Gemeinschaft mit Gott spielte in seinem Leben kaum eine Rolle. Unsere Beziehung zu und Gemeinschaft mit Gott ist aber immer direkt, nie indirekt. Auch wenn uns andere Menschen positiv auf unserem Leben beeinflussen können, so können nur wir selbst direkte Beziehung zu Gott pflegen. Gott zeigt in seiner Gnade dir und mir den je individuellen Weg, den wir gehen sollen. Höre darauf, was Gott mit dir ganz persönlich vor hat. Pflege die intime Beziehung mit Gott. Dann wirst du hören, welchen Weg er mit dir gehen möchte.

Die Beziehung zwischen Gott und einem Menschen ist privater und intimer als jede mögliche Beziehung zwischen zwei Mitgeschöpfen. Clive Staples Lewis

Gen 13,7-9

Es soll doch nicht Streit sein zwischen mir und dir. […] Denn wir sind Brüder. […] Trenne dich von mir! Willst du zur Linken, so gehe ich zur Rechten; und willst du zur Rechten, so gehe ich zur Linken! Gen 13:7-9

Zwischen den Hirten Lots und den Hirten Abrams entstand ein Streit über die Weideflächen. Abram wirkt als Friedensstifter und aus seinem Handeln können wir vier Dinge mitnehmen:

1. Erstens formuliert er den Willen zum Frieden. Wenn wir mit anderen Menschen zusammen leben braucht es zuallerst eben diesen Willen, friedlich miteinander umzugehen.

2. Zweitens formuliert er die Geschwisterlichkeit als gemeinsames Band. Jeder Mensch ist für uns Bruder oder Schwester in der Familie Gottes.

3. Drittens beseitigt Abram die Ursache für den Streit. Es ist gut zu schauen, wie der Streit entstanden ist, um dann eben zu schauen, wie man diese Ursachen beseitigen kann.

4. Viertens lässt er Lot die Wahl, in welches Gebiet er ziehen möchte. Hin und wieder verlangt der zwischenmenschliche Frieden, dass wir etwas loslassen (meist uns selbst und unseren Stolz)

Gen 14,16

Lot selbst, die Frauen und alle anderen Gefangenen konnte er befreien. Gen 14:16

Lot trennt sich von Abraham. Bei kriegerischen Auseinandersetzungen um Sodom wird Lot verschleppt. Abraham hilft ihm und befreit ihn. Trotz allem Vorgefallenen war Lot der Bruder Abrahams und die geschwisterliche Liebe musste handeln. Wir können uns nicht oft genug daran erinnern, dass der wahre Weg mit Gott Wärme und Weitherzigkeit in uns wachsen lässt, die uns aus uns selbst heraustreten lässt in tätiger Liebe und Teilnahme für andere Menschen. Wir müssen soweit wie möglich gleich den Engeln an den Seelen wirken, nämlich durch liebevolle, gütige Anregungen und ohne Gewalt.

Wann werden wir alle unserem Nächsten gegenüber durchtränkt sein von Güte und Milde? Wann werden wir die Seelen unserer Mitmenschen in der heiligen Brust des Heilands sehen? Franz von Sales

Gen 14,18

Melchisedek, König von Salem, brachte Brot und Wein herbei. Und er war ein Priester Gottes, des Allerhöchs­ten. Gen 14:18

Abraham steht vor einer Auseinandersetzung mit dem König von Sodom. Da begegnet er Melchisedek, der ihn segnet und mit Brot und Wein stärkt. Die Bedeutung Melchisedeks besteht darin, dass er der erste überhaupt in der Bibel erwähnte Priester ist und dass er für sein Opfer Brot und Wein verwendet. Melchisedek bedeutet König der Gerechtigkeit und Salem bedeutet Friede. Er ist ein geheimnisvoller Verweis auf Christus ist, den wahren Hohenpriester, den König des Friedens und der Gerechtigkeit. Mit Brot und Wein wird Abraham gestärkt für den Kampf gegen den König von Sodom. Wie sollten wir da nicht an den Leib und das Blut Christi denken, durch das wir gestärkt werden, um der Versuchung zu widerstehen und den guten Kampf des Glaubens zu führen. Wir stehen unter dem Segen Gottes.

Gott selbst hat ihn für uns zum Hohenpriester eingesetzt, so wie Melchisedek. Heb 5:10

Gen 15,1

Fürchte dich nicht, Abram, ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn! Gen 15:1 

Gott ist unser Schild, das uns schützt. Gott ist unser Lohn. Welcher Lohn könnte wichtiger sein als er selbst? So finden wir unsere Ruhe, unseren Frieden und unsere Sicherheit allein in Christus! Gott verheißt Abram mit dem Blick auf des Himmels Sterne unzählbare Nachkommen. Auch uns fordert Gott täglich auf, den Glaubensblick nach oben zu richten. Bemühen wir uns, nicht mehr ständig die Schwierigkeiten vor Augen zu haben, sondern zu unserem Gott auf zu schauen, der unsere Hilfe ist. Und blicken wir immer wieder darauf, wie und was Gott in unserem Leben schon wirkte, denn dies bestärkt uns, auch im Hier und Jetzt ihm voll und ganz zu vertrauen.

Schau dir den Himmel an, und versuche, die Sterne zu zählen! Genauso werden deine Nachkommen sein – unzählbar! Gen 15:5

Gen 15,6

Abram glaubte dem Herrn und das rechnete er ihm als Gerechtigkeit an. Gen 15:6

Abraham wird hier zum Urbild bedingungslosen Glaubens. Ein Glaube als unerschütterliche Gewissheit, dass auf Gottes Zusage Verlass ist. Ein Glaube, für den wir uns bewusst entscheiden. Der Mensch kann nur glauben, wenn er will. Der Glaube ist das unglaubliche Abenteuer des Vertrauens auf Gott. Wenn du nur auf dich selbst vertraust, dann wirst du nie etwas ausrichten. Vertraust du dagegen auf Gott, so vermagst du alles. Also: Vertraue Gott, dem Vater, der uns liebt, dem Sohn, der uns gerecht macht und dem heiligen Geist, der in uns atmet. Vertraue!

Mit Abraham, der unerschütterlich Gott vertraute, werden also alle gesegnet, die ebenso glauben wie er. Gal 3:9

Gen 16,2

Sarai sprach zu Abram: Sieh doch, der Herr hat mich verschlossen, dass ich keine Kinder gebären kann. Geh doch ein zu meiner Magd. Vielleicht werde ich durch sie Nachkommen empfangen! Und Abram hörte auf die Stimme Sarais. Gen 16:2

Sarai wird ungeduldig. Sie greift auf menschliche Mittel zurück und handelt eigenmächtig, indem sie Abram bittet mit seiner Magd ein Kind zu bekommen. Letztlich vertrauen Abram und Sarai nicht mehr auf Gottes Wirken. Sie suchten durch eigene Mittel ein Ziel zu erreichen, das ihnen durch eine Verheißung Gottes fest zugesichert war.

An eine Verheißung zu glauben ist das eine, die Erfüllung geduldig abwarten, das ist noch mal was ganz anderes. Wie häufig möchten wir Gott regelrecht zwingen, schnell so oder so zu handeln? Wie häufig versuchen wir es dann selbst in die Hand zu nehmen? Nur dann, wenn wir uns bewusst auf den lebendigen, allein wahren Gott stützen, sind wir imstande, allein aus Gott und nicht aus Eigenwillen eigenmächtig zu handeln.

Gen 16,5-6

Da beklagte Sarai sich bei Abram: Jetzt, wo Hagar weiß, dass sie schwanger ist, verachtet sie mich – dabei war ich es, die sie dir überlassen hat! Du bist schuld, dass ich jetzt so gedemütigt werde! In der folgenden Zeit behandelte Sarai Hagar so schlecht, dass sie davonlief. Gen 16:5-6

Schuldzuweisung ist ein wichtiges Thema! Das Fehlverhalten ausschließlich beim anderen zu suchen, ist dekonstruktiv und fördert die Verfestigung eines Konflikts. Auch Sarai ist sich komplett nicht bewusst, dass sie falsch gehandelt hat und gibt allein Abram die Schuld. Mit seiner Erlaubnis demütigt sie nun Hagar. Sie geht durch ihre Uneinsichtigkeit weiter auf dem falschen Weg und macht alles noch schlimmer.

Nehmen wir uns das zu Herzen! Fragen wir uns bei Konflikten in aller Demut auch, wo unser eigener Anteil daran liegt und benennen dies auch vor Gott wie vor dem anderen. Allein diese Demut birgt die Chance in sich, dass auch der andere sich öffnet und sein Fehlverhalten erkennt und benennt. Und nur so kann dann der Konflikt bewältigt werden und ein echter Dialog stattfinden.

Gen 17,1

Ich bin Gott, der Allmächtige. Wandle vor meinem Angesicht und sei vollkommen. Gen 17:1

Abram war keineswegs vollkommen. Und wir sind es definitiv auch nicht. Die heutige Aufforderung, vollkommen zu sein, ist vielmehr die Aufforderung, alle Hoffnung ungeteilt auf Gott zu setzen, der uns seine Gnade schenkt und uns in Christus gerecht macht. Wenn ich meine Hoffnung auf etwas anderes als Gott setze, so wandle ich nicht vor Gott. Es ist weiter eine Aufforderung an uns im Blick auf Gott auch anderen gegenüber gnädig zu handeln. Es ist zuletzt im kontemplativen Sinne die Gottessuche in allen Dingen, sei es nun im Gebet, der Lektüre, bei der Arbeit, in der Familie …wo und wie auch immer. Das alles aber geschieht im Geist der Demut, denn besteht doch unsere Vollkommenheit darin, zu wissen, dass wir nicht vollkommen sind.

So wandle heute demütig vor Gott, schau seine Gnade an und sei selbst gnädig dem Nächsten gegenüber.

Gen 17,3

Da fiel Abram auf sein Angesicht. Und Gott redete weiter mit ihm. Gen 17:3

Es kommt allein auf unsere Haltung des Herzens an und körperliche Gesten können diese Haltung fördern: das Knien beim Morgengebet, das sich Bekreuzigen, das Verbeugen und eben auch das Niederfallen. Dieses Niederfallen ist der schönste Ausdruck echter Demut in der Gegenwart Gottes. Wenn der Mensch niederfällt, sich klein macht, um Gottes Größe zu erkennen, dann kann Gott in Gnade mit ihm reden. Der Mensch fühlt seine Schwachheit und dies geht stets der Offenbarung Gottes voraus. Und in diesem Reden, in dieser Offenbarung Gottes an uns, liegt der große Segen unseres Lebens. Durch dieses Reden macht Gott unser Leben fruchtbar. 

Ich mache dich sehr fruchtbar. Gen 17,6

Gen 17,10

Alle Männer unter euch sollen an der Vorhaut ihres Gliedes beschnitten werden. Gen 17,10

Die Beschneidung war das äußeres Zeichen des Bundes zwischen Gott und seinem Volk. Im frühen Christentum fällt diese Verpflichtung weg. Das war keine kleine Sache! Heftige Diskussionen gab es darüber. Im neuen Testament bezieht sich die Beschneidung auf den Glauben. Gläubige sind geistlich beschnitten durch ihre Verbindung mit Christus. Wir sind also einfach durch den Glauben an Christus Söhne Abrahams. Paulus spricht weiter von der Beschneidung des Herzens durch den heiligen Geist, die uns völlig verändert und uns hin treibt zum Tun, was Gott will. Eine Beschneidung ist es, weil wir dafür unser eigenwilliges Herz ganz Gott unterordnen. Das aber geschieht täglich neu.

Seine Beschneidung geschieht am Herzen, im Geist , nicht dem Buchstaben nach. Römer 2:29

Gen 18,1-3

Der Herr erschien ihm […] Siehe, da standen drei Männer ihm gegenüber. […] Abram sprach: Mein Herr, habe ich Gnade vor deinen Augen gefunden, so geh doch nicht vorüber. Gen 18,1-3

Der Besuch der drei Männer bei Abram ist ein Bild für den trinitarischen Gottesglauben. Berührend ist hier die Nähe, die gemeinsame Tischmgemeinschaft, ein Gott, der sich zu uns herab lässt und mit und Mahl hält. In der Zusage der Nachkommenschaft wird Gott nun konkreter. Er gibt einen Zeitpunkt an: 1 Jahr. Sara lacht darüber. In diesem Lachen liegt Enttäuschung, sie glaubte nicht mehr daran, so alt wie sie war. Trotz ihres Zweifels wiederholt Gott die Zusage und sagt ganz klar: “Für mich ist nichts unmöglich!” (Gen 18,14) Für uns sollte dies Anlass sein, nie an Gottes Liebe, seiner Nähe und Wirken in unserem Leben zu zweifeln.

Ein weiterer Aspekt dieses Besuches ist, dass der Gastgeber (Abram) zum Beschenkten wird, der Gast (Gott) zum Geber, der er ja sowieso von Ewigkeit her immer ist. Nehmen wir Gott als Gast in unserer Seele auf, so wird er uns segnen und mit allerlei Gaben beschenken. Paul Gerhardt drückt dies in einem Gedicht so aus: Doch was ich dem Heiland schenke gibt er mir verklärt und neu.

Gen 18,32

Was wirst du tun, wenn dort nur zehn unschuldige Menschen wohnen? Wieder versprach Gott ihm: Die zehn werden verschont bleiben und ebenso die ganze Stadt. Gen 18:32

Abraham fürbittet für Sodom. Abrahams Gebet ist ein wundervolles Beispiel für die Fürbitte. Er bittet nicht nur um die Rettung der Unschuldigen, sondern um die Vergebung für die ganze Stadt. Er appelliert nicht an jene bestrafende Gerechtigkeit, sondern an eine andere, göttliche Gerechtigkeit, die das Gute sucht, Vergebung hervorbringt, zur Umkehr führt und Menschen verwandelt. Fürbitten wir ebenso und beten wir nicht nur für uns selbst, sondern auch für andere. So lösen wir uns vom Kreisen um uns selbst. Sodom allerdings wird vernichtet, weil sich eben nicht zehn Gerechte (Unschuldige) darin finden lassen. 

Gott selbst muß dieser Gerechte werden. Das ist das Geheimnis der Menschwerdung in Christus: Um einen Gerechten zu gewährleisten, wird Gott selbst Mensch. Und aufgrund diesen einen Gerechten in Christus sind wir nun alle gerecht vor Gott in dem Glauben an seinen Sohn. 

Gen 19,26

Lots Frau drehte sich auf der Flucht um und schaute zurück. Sofort erstarrte sie zu einer Salzsäule. Gen 19:26

Lot und seine Frau fliehen aus Sodom. Lots Frau blickte auf der Flucht zurück und erstarrte zur Salzsäure. Lots Frau hielt wehmütig am Alten fest, blickt zurück auf Vergangenes und Vergehendes. Es gibt eine negative, krankmachende Erinnerung, die uns lähmt. Einen Blick zurück, der uns den Blick in die Zukunft versperrt. Um offen zu sein für Neues, müssen wir Altes loslassen. Altes lässt sich nicht mehr ändern, Zukünftiges liegt dagegen in unserer Hand. Jeder Tag ist eine neue Chance, um sich ganz und gar Gott hinzugeben,  an nichts klammernd als an ihn, dem Allmächtigen, der unser Leben bewahrt.

Denkt daran, was mit Lots Frau geschah!  Wer sich an sein Leben klammert, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben aufgibt, der wird es für immer bewahren. Lk 17:32‭-‬33

Gen 20,10

Was hast du dir nur dabei gedacht? Gen 20:10

Abraham lässt sich abermals zu verkehrtem Tun fortreißen, weil er sein Auge von Gott abgewandt hat. Abermals gibt er seine Frau als Schwester aus. Der König Abimelech holt sie als Frau in sein Haus und nur Gottes Eingreifen verhindert das Unglück, dass die beiden miteinander schlafen. Auch hier kein Schuldbewusstsein Abrahams. Er versuchte sogar, einen Teil der Schuld Gott zuzuschieben, der ihn  dazu gebracht habe, umherzuirren. Es wäre weiser gewesen, seine Schuld demütig einzugestehen. Uns wird unsere Schuld in Christus nur dann vergeben, wenn wir sie bekennen.

Da gab Abimelech Abraham seine Frau zurück. Gen 20,14

Gen 21,1-2

Der Herr suchte dann Sara gnädig heim, wie er verheißen hatte. […] Sara gebar dem Abraham […] einen Sohn zu der Zeit, die Gott ihm im voraus angegeben hatte. Gen 21,1-2

Lange hatten Abraham und Sara auf die Geburt eines Kindes gewartet. Alles hat seine Zeit. Es gibt eine von Gott bestimmte Zeit und auf diese muss der Gläubige geduldig warten können. Niemand wartet vergeblich auf Gott, wenn wir ihm nur vertrauen! Gott selbst ist unser Ruheort in dieser Welt, auf sein Wort dürfen wir uns ein Leben lang stützen. Gott suchte Sara gnädig heim. Das heisst für uns, dass unser Glaube nie ein Verdienst ist, der von Gott belohnt werden müsste. Nein, wir verlassen uns ganz und gar allein auf Gottes Gnade.

Es gehört zur Schule der Demut, dass wir unsere Zeit nicht in eigene Regie nehmen, sondern sie von Gott füllen lassen. Dietrich Bonhoeffer

Gen 21,10

Jag mir die Sklavin und ihren Sohn weg! Gen 21,10

Ismael, der Sohn von der Sklavin Hagar und Abraham, macht sich über das Kleinkind Isaak lustig. Darauf bittet Sara Abraham die beiden weg zu schicken. Obwohl Abraham das weh tut, macht er es auf Gottes Wort hin. Ismael und Hagar müssen gehen. Paulus deutet dies als Bild für das Gesetz und die Gnade. Es geht um die Frage, wie das Heil zu erlangen ist und diese Frage ist für jeden zentral. Erklärung: Die Skavin Hagar und ihr Sohn stehen für das Gesetz. Die Skavin Hagar und ihren Sohn fort zu treiben, bedeutet dann bildlich. Wir unterstehen nicht mehr dem Gesetz. Konkret: Wir wollen natürlich gute Menschen sein und Gutes tun, aber wir glauben nicht das Leben zu erhalten aufgrund dieser guten Werke. Das wäre ein Glauben und Leben nach dem Gesetz. Sara und Isaak, das Kind der Verheißung Gottes, stehen dagegen für die Gnade, das unverdiente Schenken Gottes. Nur die Kinder der Verheißung, diejenigen, die ihr Vertrauen allein auf Jesus Christus setzen, erfahren die Erfüllung der Zusagen Gottes. 

Deshalb sind wir, liebe Geschwister, nicht die Kinder einer Sklavin, sondern die einer freien Frau. Gal 4:31

Gen 22,2

Geh mit deinem einzigen Sohn Isaak, den du so sehr liebst, in die Gegend von Morija. Dort zeige ich dir einen Berg. Auf ihm sollst du deinen Sohn Isaak töten und als Opfer für mich verbrennen! Gen  22:2

Außer dem Tod Jesus gibt es für mich in der Bibel keine Szene, die so ergreifend ist, wie die Aufforderung an Abraham, seinen geliebten Sohn Isaak Gott als Opfer da zu bringen. Es gibt außerdem keine andere Szene im alten Testament, die eine so klare Vorschattung des Todes Jesus am Kreuz enthält. Interessant: Als erstes Mal kommt hier in der Bibel das Wort Liebe vor. Diese Liebe Abrahams zu Isaak ist ein Abbild der Liebe Gottes zu seinem Sohn Jesus und es ist auch ein Abbild der Liebe Gottes zu uns, die am Kreuz auf Golotha hell aufleuchtet. Als Isaak fragte, wo das Lamm für die Opferung ist, antwortete Abraham, dass Gott für ein Lamm zum Opfer sorgen wird. Diese Verheißung wurde durch Jesus, das Lamm Gottes erfüllt. Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab.

Gott wird für ein Lamm zum Brandopfer sorgen! Gen 22,8

Gen 22,16

Weil du dies getan und deinen Sohn, deinen einzigen, nicht verschont hast, darum will ich dich reichlich segnen. Gen 22, 16

Nach der bestandenen schweren Glaubensprüfung segnet Gott Abraham, wie er es auch schon davor getan hat. Der Segen Gottes liegt auf Abraham. Dennoch muss Abraham in seinem Leben so einiges erleiden. Der Segen Gottes bedeutet nicht, dass uns Leid erspart bleibt, er bedeutet, dass er im Leid uns beisteht und uns nahe ist. Es gibt nun allerdings seit der Menschwerdung Jesus und seiner Passion einen gewichtigen Unterschied. Während im alten Testament der Segen auch das Kreuz mit einschloß, liegt im neuen Testament der Segen nun allein im Kreuz Jesus Christi. Einen Menschen zu segnen bedeutet dann, ihn unter das Kreuz Jesu zu stellen, in dem aller Segen und alles Heil enthalten ist.

Das Kreuz ist mein sicheres Heil. Das Kreuz bete ich immer an. Das Kreuz des Herrn ist mit mir. Das Kreuz ist meine Zuflucht. Thomas von Aquin

Gen 23,2-3

Sarah starb […] Da ging Abraham hin, um zu klagen um Sarah und sie zu beweinen. Danach stand Abraham auf von seiner Toten. Gen 23, 2-3

Sara stirbt. Abraham kauft eine Höhle als Begräbnisstätte und begräbt Sarah (das erste Begräbnis in der Bibel!). Dass das Grab selbst ist im verheißenen Land lag und übrigens Abrahams einzigster Grunderwerb in seinem Leben war, deutet anfänglich auf den Glauben an die Auferstehung hin. Uns allen begegnet der Verlust von lieben Menschen, doch der Glaube an die Auferstehung schenkt uns Erleichterung. So kann Abraham “von der Toten aufstehen”, denn der Glaube kann nicht lange den Tod vor Augen behalten. Der Glaube sieht stets auf die Auferstehung und in der Kraft dieser Tatsache kann er sich von einem Toten weg erheben. 

Unsere Toten sind nicht abwesend, sondern nur unsichtbar. Sie schauen mit ihren Augen voller Licht in unsere Augen voller Trauer. Augustinus

Gen 24,63

Er machte abends noch einen Spaziergang, um nachzudenken und zu beten. Gen 24:63

Die Gewissensforschung am Abend beinhaltet folgende Dinge: Danke Gott, dass er dich diesen Tag erhalten hat. Prüfe dein Verhalten während des ganzen Tages. Glaubst du etwas Gutes getan zu haben, so danke Gott. Hast du aber in Gedanken, Worten oder Werken gesündigt, dann bitte Gott um Verzeihung und nimm dir vor, es bei der nächsten Gelegenheit besser zu machen. Bitte Gott um seinen Segen und begib dich zur Ruhe, die uns nach seinem Willen notwendig ist.

Gen 24,67

Er nahm sie zur Frau und gewann sie sehr lieb. Gen 24:67

Isaak nimmt Rebekka zur Frau. An dieser Stelle wird das Wort Liebe zum zweiten mal benutzt. Die Liebe von Isaak zu Rebekka ist ein Abbild der Liebe von Christus zu seiner Gemeinde. Die Gemeinde ist zutiefst mit Christus verbunden. Die Gemeinde ist die auserwählte Braut. Weil er uns liebte, ging er den Weg des Kreuzes. Gott ist Liebe. Es ist sein Wesen. Was ist unsere Antwort auf diese Liebe? Lieben wir ihn wieder, indem wir ihm gehorsam sind und ihm den Dank und die Anbetung unserer Herzen bringen!

Wie auch der Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat. Eph 5,25

Gen 25,8

Dann starb er nach einem erfüllten Leben. Gen 25:8

Was aber ist ein erfülltes Leben? Ein Leben, in dem Gott den ersten Platz einnimmt. Gewiß ist, daß wir immer in der Nähe und unter der Gegenwart Gottes leben dürfen. Ein Leben, in dem wir uns in Liebe dem Nächsten zuwenden. Ein Leben, in dem wir all unsere Sorgen und Anliegen vor Gott bringen. Ein Leben, in dem wir die Liebe Gottes annehmen, nicht nur floskelhaft, sondern wirklich. Das ist der Sinn deines Lebens: geliebt zu sein und selber lieben in, mit und durch Christus, der das Leben in Fülle ist von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Lange bevor Abraham überhaupt geboren wurde, war ich da. Joh 8:58