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25 Klagelieder

Klagelieder Jeremias – Auslegungen

Klg 1,1-2: Jeremia trauert um Jerusalem 

Ach, wie einsam und verlassen liegt Jerusalem da. […] Alle Freunde haben sie betrogen und sind zu ihren Feinden geworden! Klg 1:1-2 

Dies ist Jeremias Klagelied über den Untergang Jerusalems. Juda war besiegt, der Tempel zerstört, ein Großteil des Volkes nach Babylon verschleppt. Jeremias Tränen gelten dem Leiden und der Demütigung seines Volkes, aber er weint auch, weil Gott das Volk wegen seiner Auflehnung verworfen hat. Mit den Freunden sind Länder wie Ägypten gemeint, an die Juda sich wiederholt um Hilfe wandte. Als die Babylonier gegen Jerusalem marschierten, suchte Juda die Rettung nicht bei Gott, sondern bei politischen Bundesgenossen.

Klg 1,9: Die Sünde 

Sie hat ihre Kleider mit Sünde beschmutzt und die Folgen ihres Tuns nicht bedacht. Nun ist sie furchtbar tief gefallen. Klg 1:9

Sünde ist Ungehorsam gegen Gott. Gehorsam dagegen ist ein sicheres Zeichen dafür, dass wir Gott lieben. Wir müssen uns vor jeder Sünde hüten. Gehen wir ihr nach, zieht sie uns immer mehr runter und von Gott weg. Dann werden wir Gefangene der Sünde und tragen ihr Joch um unseren Hals. Aus dieser Gefangenschaft kann uns allein Gott befreien. Er gibt uns Freiheit, nicht die Freiheit, unsere Wünsche zu erfüllen, sondern die Freiheit, das zu tun, was das Beste für uns ist. So merkwürdig es klingt, aber echte Freiheit bekommt der, der Gott gehorcht, d.h. sich von ihm führen und beschenken lässt.

Schwer lasten meine Sünden auf mir wie ein Joch. Klg 1:14 

Klg 2,6: Anbetung mit dem Herzen 

Der Herr hat seinen Tempel niedergerissen. Klg 2:6 

Der Tempel Salomos war ein Bild für Gottes Gegenwart unter seinem Volk und war der zentrale Ort, wo Gott angebetet wurde. Seine Zerstörung veranschaulichte Gottes Verwerfung dieses Volkes. Er wohnte nicht mehr bei ihm. Wir nun beten Gott in Geist und Wahrheit an. Ein Kirchengebäude mag noch so schön sein, wenn die Menschen, die dort in den Gottesdienst gehen, Gott nicht von Herzen folgen, wird die Kirche von innen her verfallen. Wie ist das bei uns? Drücken wir in unseren Gebeten Dinge aus, die wir gar nicht so meinen? Erbitten wir Gottes Hilfe, obwohl wir nicht an sie glauben? Suchen Sie Gott und entdecken Sie seine Liebe neu, und dann beten Sie ihn von ganzem Herzen an.

Klg 2,11: Das Leiden mit dem Nächsten  

Ich weine mir fast die Augen aus, der Schmerz überwältigt mich, und es bricht mir das Herz, den Untergang meines Volkes mitzuerleben. Klg 2:11 

Jeremias Tränen sind echt und voller Mitleid. Trauern ist nicht dasselbe wie schwach oder ohne Glauben sein. Tränen der Trauer waren auch Jesus nicht unbekannt. Wie reagieren wir heute auf Leid? Leiden wir mit? Jegliches Leid sollte uns zu Herzen gehen. Aus diesem Mitleiden geht der Wille hervor, zu helfen, manchmal tatkräftig, manchmal auch schlicht, dass man einfach da ist und das Leiden des Nächsten mitträgt. 

Klg 2,19: Aufruf zum leidenschaftlichen Gebet 

Steh mitten in der Nacht auf […] und flehe unermüdlich zu Gott um Hilfe. Heb deine Hände zu ihm empor und schütte dein Herz bei ihm aus! Bestürme ihn mit deinen Bitten. Klg 2:19 

Dies ist Aufruf an Gottes Volk, sein Herz vor Gott auszuschütten. Es ist ein Aufruf zum Gebet, das uns reinigt. Damit das Gebet diese reinigende Kraft entfaltet, muß es ganz persönlich sein, Konfrontation meines Ich mit Gott, dem lebendigen Gott. So können wir mit Gott reden, so redet Gott zu uns. Jedes Gebet ist ein Zeichen, dass wir wachen. Und nicht nur das. Es ist zugleich ein Licht, das uns wach und frisch hält für die Gegenwart Gottes.  

Klg 3,22: Hoffnung in der Not 

Eine Hoffnung bleibt mir noch, an ihr halte ich trotz allem fest: Die Güte des Herrn hat kein Ende, sein Erbarmen hört niemals auf. Klg 3:22 

In all der Sünde und dem Elend um ihn herum sieht Jeremia einen Hoffnungsstrahl: Die Gnade des Herrn nimmt kein Ende! Sein Erbarmen hört nie auf, jeden Morgen ist es neu. Gott hilft uns gerne, wenn wir ihn nur bitten. Gibt es in Ihrem Leben eine Sünde, die Sie für unvergebbar halten? Gottes Liebe und Gnade sind größer als jede Sünde. Er verspricht uns seine Vergebung. Gott hatte zwar gesagt, dass Ungehorsam zu Strafe führt, und genauso kam es. Aber er versprach auch, dass er sich seinem Volk neu zuwenden würde. Und Jeremia wusste: Auch diese Zusage würde eintreffen. Unser Gottvertrauen im ganz normalen Alltag stärkt unseren Glauben an seine großen Zusagen für die Zukunft.

Es ist jeden Morgen neu! Groß ist deine Treue, o Herr Darum setze ich meine Hoffnung auf ihn, der Herr ist alles, was ich brauche. Klg 3:23-24 

Klg 3,25: Geduldig auf die Hilfe des Herrn warten 

Denn der Herr ist gut zu dem, der ihm vertraut und ihn von ganzem Herzen sucht. Darum ist es das Beste, geduldig zu sein und auf die Hilfe des Herrn zu warten. Klg 3:25-26 

Geduld ist die Fähigkeit des Menschen, auf das Erreichen oder das Eintreffen von etwas Wünschenswertem zu warten. Es geht um die Hoffnung und Gewissheit, dass Gott dem Volk Israel hilft. Und aus der Geschichte wissen wir, dass er tatsächlich geholfen hat. Das ermutigt mich, nicht nur im Großen, sondern auch im Kleinen und Alltäglichen auf die Hilfe Gottes zu hoffen. Es ist gut, wenn man von seiner eigenen Hilflosigkeit und Ohnmacht wegschauen kann auf den, der helfen kann. Das befreit und erleichtert, das ermutigt und gibt Gelassenheit – auch im Warten. Selbst wenn die Hilfe dann vielleicht ganz anders aussieht, als ich es mir wünsche. Pfarrer Jürgen Barth

Klg 3,27: Das Joch tragen 

Es ist gut für einen Mann, das Joch zu tragen in seiner Jugend. Er sitze einsam und schweige, wenn Er es ihm auferlegt! Klg 3:27-28 

Sich dem Joch unterordnen heißt, sich willig unter Gottes Erziehung stellen und das lernen, was er mir zeigen möchte. Dazu braucht es mehrere Dinge: Still darüber nachdenken, was Gott will. Demut und Bereitschaft zur Buße. Selbstbeherrschung in den Widrigkeiten des Lebens. Geduldiges Warten darauf, was Gott als Lehrer mir zeigen will. Genau dies hat Jesus seine Jünger gelehrt und selbst vor seiner Kreuzigung vorgelebt. Was möchte Gott Ihnen heute zeigen, für sofort und für Ihr Leben überhaupt? Hören Sie auf ihn?

Wenn man ihn schlägt, soll er die Wange hinhalten und die Demütigung still ertragen. Klg 3:30 

Klg 3,40: Umkehr und Festhalten an Gott 

Kommt, wir wollen unser Leben sorgfältig prüfen und wieder zurückkehren zum Herrn! Ihm wollen wir unsere Herzen öffnen, zu unserem Gott im Himmel die Hände erheben. Klg 3:40-41 

Mitten in der Finsternis, in der er die Hand von der Augen nicht sieht, wird ihm die absolute Verlässlichkeit Gottes zum Licht und wird ihm die Treue Gottes zum festen Halt über dem Abgrund seines Lebens..Bei dein Propheten Jeremia können wir lernen: Er bleibt beharrlich dabei, das Gott  vorzulegen, was ihn umtreibt, selbst wenn er den Eindruck hat, Gott habe sich die Ohren vor seinem Gebet verstopft (8). Er hört nicht auf, sein ganzes Elend Gott hinzulegen, geduldig  dabei zu sein und an der Hoffnung auf die Hilfe des Herrn festzuhalten.

Klg 3,55: Er rettet unser Leben 

Da schrie ich zu dir um Hilfe, o Herr, tief unten aus der Grube flehte ich dich an, deine Ohren nicht vor mir zu verschließen. Und wirklich: Du hast mich erhört! Klg 3:55-56

So geht es auch Menschen mitten unter uns. Sie haben sich ihr Leben und das, was es so beschwerlich macht, nicht ausgesucht. Aber sie müssen Tag für Tag damit umgehen, damit fertig werden.Da kann einem leicht die Perspektive verloren gehen. Man hat einfach keine Hoffnung mehr, dass sich jemals etwas ändern wird, es wieder besser werden könnte. Wie wird man damit fertig? Wenn es nicht mehr anders, nicht mehr leichter oder gut wird?Gerade dann ist es wichtig, die viel weitere Perspektive in den Blick zu nehmen, die Gott über einem Leben aufreißt. Über Jeremias Leben, über unserem Leben.

Als ich rief, kamst du mir ganz nahe und sprachst: Fürchte dich nicht! Herr, du bist für mich eingetreten und hast mein Leben gerettet. Klg 3:57-58  

Klg 5,1: Gebet um Hilfe 

Herr, vergiss nicht, was man uns angetan hat! Sieh doch, wie wir gedemütigt werden! Klg 5:1 

In Zeiten der Not und Trauer sollte der Gläubige sich im Gebet zu Gott wenden. Hier bittet Jeremia Gott um Gnade für sein Volk. Am Ende dieses Gebets fragt er, ob Gott sein Volk vor lauter Zorn völlig verworfen hat. Aber Gott wird nicht für immer zornig über sein Volk sein. 

Klg 5,21: An der Hoffnung festhalten 

Herr, führe uns doch zurück zu dir, damit wir zu dir umkehren können! Lass unser Leben wieder so sein wie früher! Klg 5:21 

Die Klagelieder malen ein lebendiges Bild des bitteren Leidens, das die Bewohner Jerusalems durchmachten, als die Sünde sie zu Fall gebracht und Gott sich von ihnen abgewandt hatte. Alles, wofür sie gelebt hatten, zerbrach. Aber obwohl Gott sich wegen ihrer Sünde von ihnen abgewandt hatte, hatte er sie nicht endgültig verlassen. Das war ihre große Hoffnung. Er würde sie wieder heilen, wenn sie zu ihm zurückkehrten. Unsere einzige Hoffnung ist Gott. Und wir sollten in unserer Not nicht von ihm weg, sondern zu ihm hin laufen.