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Jes Kap 56-58

Impulse, Auslegungen, Kommentare und Bibelzitate zum Buch Jesaja Kap. 56-58


Die kommende Heilszeit (Kap 56-66)


Geschichtlicher Einwurf

Die Prophetenworte im letzten Teil des Buches Jesaja richten sich nicht mehr an die Verbannten in Babylonien, sondern führen in die Zeit nach der Rückkehr aus dem Exil. Nach der Eroberung Babylons hatte der Perserkönig Kyrus im Jahr 538 v. Chr. ein Edikt erlassen, das den Leuten aus Juda erlaubte, in ihr Land zurückzukehren und Jerusalem und den Tempel wieder aufzubauen. Wegen vieler Schwierigkeiten gerieten die Arbeiten aber bald ins Stocken und wurden erst nach dem Auftreten der Propheten Haggai und Sacharja um 520 v. Chr. weitergeführt. Sucht man nach einem geschichtlichen Bezug für die Botschaft der letzten elf Kapitel des Jesajabuches, so lässt er sich am wahrscheinlichsten in der schwierigen Situation nach der Rückkehr entdecken, die vor allem durch die unterschiedlichen Gruppierungen verursacht wurde: Heimkehrern aus Babylonien und im Land verbliebenen Judäer. Unter diesen gab es viele, die am Gottesdienst der benachbarten Völker teilnahmen und den Glaubenseifer der Heimkehrer nicht verstehen konnten. Hinzu kamen Fremde, die sich während des Exils in Judäa eingerichtet hatten, andere Fremde, die aus Babylonien mitgekommen waren und endlich solche, die zum Wiederaufbau von Tempel und Stadt gebraucht wurden.


Glücklich ist, wer an Gottes Geboten festhält und danach handelt. Jes 56:2

Mit diesen Worten wird die Befolgung der Gebote zur einzigen Voraussetzung für die Zugehörigkeit zum Volk Gottes. Geschichtlich ist dies aus der vielfältigen Mischbevölkerung nach der Rückkehr aus dem Exil abzuleiten. Heilsgeschichtlich wirbt Gott hier leidenschaftlich um alle Menschen. Auch wenn er ursprünglich Israel von den übrigen Völkern als sein Volk ausgesondert hatte, gilt sein Liebeswerben allen Menschen. Im alten Testament angedeutet, offenbart er dies in Christus offen und klar. Jesus starb für alle Menschen am Kreuz.

Mein Haus soll für alle Völker ein Ort des Gebets sein. Jesaja 56:7


Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind. Jes 57,15

Wir reden am liebsten über die Fehler der anderen. Das wertet uns auf und lenkt von unseren eigenen Fehlern ab. Die Demut dagegen legt erst gar nicht die Vergrößerungslupe auf die Fehler des anderen, sondern betrachtet vielmehr die eigenen. Die Demut ist die Tugend, die es wagt, sich in der eigenen Menschlichkeit und Begrenztheit anzunehmen. Wer das tut, der wird friedfertiger gegenüber allen Menschen. Er hat ja die gleichen Fehler wie sie. So wünscht er sich und den anderen, dass sie in Frieden kommen mit sich selbst. In ein demütiges Herz zieht Gott ein.

Abbas Isaias sagte von der Demut: Sie hat keine Zunge, um von jemandem zu sagen, er sei nachlässig, oder von einem anderen, er sei verachtenswert. Sie hat keine Augen, um die Fehler des anderen zu sehen, noch Ohren, um für die Seele schädliche Dinge zu hören. Sie kümmert sich um nichts anderes als um ihre Sünden. Sie ist friedfertig gegenüber allen Menschen.


Ich will mein Volk heilen. Jes 57:19

Gott will unser Heil. Das Heil ist allein in Gott zu finden, denn von ihm kommen wir und zu ihm gehen wir. Folgender Vers ist kein Vorwurf oder Tadel, sondern leidenschaftliches Ringen Gottes um mich: “Warum habt ihr keinen Gedanken mehr für mich übrig, warum vergesst ihr mich?” (57,11). Ja Gott möchte dein Heil und er ist ein fürsorgender Vater. Ob in der Traurigkeit oder in der Freude, ob in der Bedrückung oder in der Hoffnung, ob in der Krankheit oder in der Gesundheit: immer wohnt er bei uns!

Der einzige Ort, an dem Gott uns segnen kann, ist dort, wo wir sind, denn nur hier befinden wir uns wirklich! Foster


Die folgende Textstelle hat mich schon immer berührt und fasziniert. Ich möchte sie unkommentiert stehen lassen.

Ein Fasten, das mir gefällt, sieht anders aus: Löst die Fesseln der Menschen […] teilt euer Brot mit den Hungrigen, nehmt Obdachlose bei euch auf und wenn ihr einem begegnet, der in Lumpen herumläuft, gebt ihm Kleider! Helft, wo ihr könnt, und verschließt eure Augen nicht vor den Nöten eurer Mitmenschen! Dann wird mein Licht eure Dunkelheit vertreiben wie die Morgensonne, und in kurzer Zeit sind eure Wunden geheilt. Eure barmherzigen Taten gehen vor euch her, und meine Herrlichkeit beschließt euren Zug. Wenn ihr dann zu mir ruft, werde ich euch antworten. Wenn ihr um Hilfe schreit, werde ich sagen: Ja, hier bin ich. Die Nacht um euch her wird zum hellen Tag. Immer werde ich, der Herr, euch führen. Auch in der Wüste werde ich euch versorgen, ich gebe euch Gesundheit und Kraft. Ihr gleicht einem gut bewässerten Garten und einer Quelle, die nie versiegt. Jes 58:6-11


Achtet den Sabbat als einen Tag, der mir geweiht ist und an dem ihr keine Geschäfte abschließt! Er soll ein Feiertag für euch sein, auf den ihr euch freut. Entweiht ihn nicht durch eure Arbeit, durch Geschäfte oder leeres Geschwätz! Achtet ihn vielmehr als einen Tag, der mir, dem Herrn , gehört. Jes 58:13

Der Sonntag ist das wöchentliches Ostern. Am Sonntag geht es zutiefst um die Begegnung mit dem auferstandenen Christus in Wort und Sakrament. Die frühen Christen haben den ersten Tag der Woche als Herrentag begangen, weil er der Tag der Auferstehung war. Aber sehr bald ist der Kirche auch bewußt geworden, daß der erste Tag der Woche der Tag des Schöpfungsmorgens ist, der Tag, an dem Gott sprach: „Es werde Licht“ (Gen 1, 3). Deshalb ist der Sonntag auch das Fest der Dankbarkeit für Gottes Schöpfung und der Freude über sie. Für die frühe Kirche ist dann auch immer mehr in den ersten Tag das Erbe des siebten Tages, des Sabbats, eingegangen. Wir nehmen teil an der Ruhe Gottes, die alle Menschen umfaßt.

Wenn ihr das tut, werde ich die Quelle eurer Freude sein. Jes 58:14