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23 Jesaja

Jesaja – Auslegungen

Warnung zur Umkehr (Kap 1-6)

Jes 1,2

Die Kinder, die ich großgezogen und ernährt habe, wollen nichts mehr von mir wissen. Jes 1:2

Der Prophet Jesaja hatte in der Zeit von 736 bis 701 v. Chr. dem jüdischen Volk Gottes Wort zu sagen. Er hat wie kein anderer das Kommen und Wirken des Messias ankündigte. In seinen Prophezeiungen finden wir vieles wieder, was wir später über Jesus Christus lesen. Sie erfüllten sich also ca. 700 Jahre später. Seine Warnung, Gott nicht zu vergessen und ihm den Rücken zuzukehren, gilt auch uns. Ochse und Esel macht er zum Vorbild, weil Haustiere instinktiv wissen, wo sie hingehören. Ein Ochse kennt seinen Herrn aber Israel kennt’s nicht. Wir suchen viel zu häufig in anderen Dingen Heil und Geborgenheit. Wo dies letztlich hinführt, erzählt Jesaja auch:

Von Kopf bis Fuß seid ihr voller Beulen, blutiger Striemen und frischer Wunden. Nichts mehr an euch ist gesund, und keiner ist da, der eure Wunden reinigt, mit Salbe behandelt und verbindet. Jes 1:6

Jes 1,18

Selbst wenn eure Sünden blutrot sind, sollt ihr doch schneeweiß werden. Sind sie so rot wie Purpur, will ich euch doch reinwaschen wie weiße Wolle. Jes 1:18

Kein Mensch ist ohne Sünde und kein Mensch kann sich davon freisprechen. Allein Gott kann das Unmögliche tun. Er tritt selbst im Gericht für uns ein, als unser Richter und Anwalt zugleich. Wunderbare Gnade! Schon hier klingt an, was Gott durch Jesus für uns getan hat. “Er wird allen die Schuld vergeben, die zu ihm zurückkehren.” (Jes 1:27) Es wird allerdings keine billige Gnade sein. Empfangen kann sie nur der Mensch, der Buße tut und Reue zeigt, der beständig darum bemüht ist dem Herrn von Herzen zu gehorchen. Daher mahnt uns Jesaja:

Wascht euch, reinigt euch von aller Bosheit! […] Lernt wieder, Gutes zu tun!  Jes 1,16-17

Jes 2,4

Dann schmieden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen. Jes 2:4

Der Friede muss in unserem Herzen den Ursprung nehmen. Dort in unserem Herzen herrscht Christus. Sind wir nicht wachsam mit ihm verbunden, läuft jegliches Bemühen um Frieden in unseren Gemeinschaften ins Leere. Durch Christus sind wir Friedensstifter unter den Menschen, gerade eben auch in den Schwierigkeiten, auch in den Augenblicken der Schwäche. Je mehr diese Liebe, die auf Frieden zielt, unsere Herzen erreicht, umso mehr bleiben wir in Gott, denn wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott. Bleibe also inmitten der Kämpfe in Frieden und beunruhige dich nicht, denn Gott ist für Dich.

Der Frieden beginnt im eigenen Haus. Karl Jasper

Jes 2,5

Er ist unser Licht! Jes 2:5

Gott ist Liebe. Das bringt seine Tätigkeit Gottes zum Ausdruck. Gott ist ebenso Licht. Das bringt seine innewohnende absolute Reinheit zum Ausdruck. Nichts kann uns dieses Licht nehmen! Weil Jesus unser Licht ist, gibt es für uns keinen Sonnenuntergang! Wir dürfen unsere Schattenseiten nicht verdrängen. Das macht uns krank !!! Wir dürfen sie stattdessen in sein Licht halten, und so unser ganzes Sein Jesus und seinem Licht aussetzen. Durch seine Menschwerdung, Passion und Auferstehung leuchtet er uns und zieht uns in das neue Leben hinein, das alles Dunke besiegt. Verlieren wir nicht das wachsame Herz, welches allein das Wesentliche zu sehen vermag: das Licht Christi, das in uns und für uns leuchtet.

Die völlige Selbsthingabe Christi am Kreuz sei euch Ursprung, Ansporn und Kraft für einen Glauben, der in der Liebe wirksam wird. Benedikt

Wir wollen schon jetzt mit dem Herrn leben. Er ist unser Licht! Jes 2:5

Nur wenn wir im Licht der Gegenwart Gottes leben und in der Liebe unseres Herrn bleiben, blühen wir als Christen auf. In den wärmenden Strahlen der Liebe Gottes wachsen wir in der Gnade und in der Erkenntnis des Herrn Jesus. Er sagt ja selbst: Ich bin das Licht der Welt! Nur durch ihn bekommen wir geistliche Kraft und Einsicht, um ein Leben zur Ehre Gottes zu führen und in unserem Verhalten etwas von Christus zu zeigen. Wir sind Nachahmer Christi!

Dort wird er uns seinen Weg zeigen, und wir werden lernen, so zu leben, wie er es will. […] Jes 2:3

Jes 2,11

Es kommt der Tag, an dem der Hochmut der Menschen ein Ende hat und ihr Stolz gebrochen wird. Dann wird nur einer groß sein: der Herr ! Jes 2:11

Der ganze Abschnitt warnt vor Überheblichkeit und Gottvergessenheit. Jesaja warnt davor, dass wir uns auf das verlassen, was uns aus irdisch-menschlicher Sicht groß und wertvoll erscheint. Denn es wird der Tag kommen, an dem es offensichtlich sein wird, wer wirklich groß und verlässlich ist: Gott selbst in seiner Herrlichkeit und Majestät. Dann wird sich so manche menschliche Größe beugen müssen. Darum: Liebt nicht die Welt und hängt euer Herz nicht an irgendetwas in dieser Welt. Verlasst euch allein auf Gott. Dann geht es euch gut!

Hört endlich auf, euch auf Menschen zu verlassen! Jes 2:22

Wer Gott gehorcht, dem geht es gut. Jes 3:10

Jes 4,3

Gott selbst hat ihre Namen in einem Buch aufgeschrieben und sie zum Leben bestimmt. Jes 4:3

Auf das harte Gerichtswort im Kapitel 3 folgt eine Heilsankündigung im Kapitel 4: Pflanzen sprießen, reiche Ernte, von Schuld befreit und geläutert, über uns ein Schutzdach. Was hier Verheißung ist, ist in Christus in Erfüllung gegangen. In ihm ist das Neue zu uns gekommen. Er trägt unsere Namen an seinem Herzen hin vor Gott. Gerade wenn unser Lebensweg oft schwierig, mühsam und manchmal zum Verzweifeln ist, können wir darauf vertrauen und hoffen.

Der Herr wird etwas Neues schaffen. Jes 4:5

Jes 5,7

Ihr seid der Weinberg und euer Besitzer ist der Herr, der allmächtige Gott. Jes 5:7

Weil Trauben zu den begehrtesten Früchten des Landes zählten, ist der Weinberg ein oft gebrauchtes Bild für die Geliebte. Gott klagt über seinen Weinberg Israel, weil er unfruchtbar ist. “Für mich, den Herrn, haben sie keinen Gedanken übrig. Was ich in der Welt tue, nehmen sie nicht wahr.”  (Jes 5:12) Er wollte gute Taten sehen. In  Weherufen nennt Jesaja, was der Weinberg stattdessen hervor bringt: Besäufnisse, Böses wird gut und Gutes wird Böse genannt, Raffgier, Hochmut und Eingebildetheit u.v.m. Der Weinberg, die Geliebte, ist gefesselt an die Sünde. Wie können wir davor bewahrt bleiben? Wie können wir uns davor schützen ins Böse abzugleiten. Jesus selbst gibt uns die Antwort:

Ich bin der Weinstock, und ihr seid die Reben. Wer mit mir verbunden bleibt, so wie ich mit ihm, der trägt viel Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts ausrichten. Joh 15:5

Jes 6,3

Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der allmächtige Gott! Seine Herrlichkeit erfüllt die ganze Welt. Jes 6:3

In einer Vision wird Jesaja in den Thronsaal Gottes gehoben und sieht dort den Herrn auf dem Thron sitzen. Um ihn herum sind Engel, die heilig, heilig rufen. Die Erscheinung ist so riesenhaft groß. Jesaja erschrickt und bekennt, dass er ein Sünder ist, dass er unreine Lippen hat. Da kommt ein Engel und rührt mit einem glühenden Stück Kohle Jesajas Lippen an. Jesaja erlebte Gottes furchterregende Heiligkeit und gleichzeitig dessen Güte. Danach stellt er sich in den Dienst Gottes. Uns geht es nicht viel anders ergeht als Jesaja. In Gottes Gegenwart spüren wir unsere Erlösungsbedürftigkeit. Doch gleichzeitig erleben wir seine Liebe zu uns. Die glühende Kohle symbolisiert das Kreuz Jesu Christi. In dem Moment, wo wir uns mit diesem Kreuz Christi verbinden, indem wir darauf vertrauen, dass unsere Schuld auf ihm liegt, werden wir vor Gott frei von aller Schuld. Und auch wir sind seine Diener.

Schau, die glühende Kohle hat deine Lippen berührt. Deine Schuld ist jetzt weg genommen, dir sind deine Sünden vergeben. Jes 6:7

Buch über Immanuel  (Kap 7-12)

Jes 7,4

Sag ihm, er soll nichts Unüberlegtes tun, sondern Ruhe bewahren. Ermutige ihn mit dieser Botschaft: Hab keine Angst und lass dich nicht einschüchtern!  Jes 7:4

König des Südreiches Juda Ahas steht unmittelbar vor einem Krieg. Der König von Israel zieht heran. Ein Bruderkrieg im Gottesvolk! Das Volk zitterte ängstlich. Darauf bekommt Ahas durch Jesaja von Gott eben diese Zusage in Vers 4. Ahas und wir sollen Vertrauen lernen und begreifen: In Gottes Augen sieht das, was mir Angst macht, völlig anders aus. Für unseren Alltag: egal was ist und passiert (und das kann zuweilen heftig sein), versuche ich stets in der Verbundenheit mit dem Herrn zu ruhen, voll Zuversicht, Hoffnung und Mut die Dinge anzupacken, die vor mir liegen.

Vertraut jetzt mir, dem Herrn! Wenn ihr nicht fest im Glauben steht, dann könnt ihr überhaupt nicht bestehen! Jes 7:9

Jes 7,12

Doch Ahas wehrte ab: Nein, nein, darauf lasse ich mich nicht ein! Ich will den Herrn nicht auf die Probe stellen. Jes 7:12

Ahas sollte sich im Auftrag Jesajas ein Erkennungszeichen erbitten. Gott wollte ihm ein besonderes Zeichen geben, um sein Vertrauen zu stärken im Angesicht der großen Gefahr der feindlichen Truppen. Scheinbar theologisch korrekt, lehnt Ahas ab: Man soll Gott ja nicht versuchen. Wenn Gott aber ein klares Versprechen gegeben hat, dann möchte er, dass wir darauf vertrauen. Das angekündigte Zeichen ist eine große Verheißung. Nach neutestamentlichem Verständnis birgt sie eine Verheißung, die ihre volle und eigentliche Erfüllung erst in der Geburt Jesu Christi aus Maria gefunden hat.

Jetzt gibt euch der Herr von sich aus ein Zeichen: Die junge Frau wird schwanger werden und einen Sohn bekommen. Immanuel (Gott ist mit uns) wird sie ihn nennen. Jes 7:14

Jes 8,18

Wir sind lebende Botschaften. Jes 8:18

Jesaja hat mit seiner Botschaft bei König und Volk kein Gehör gefunden. Deshalb redet er für eine Zeit lang nicht mehr in der Öffentlichkeit. Dennoch: allein seine Anwesenheit spricht. So ist das auch bei uns. Wir sind lebende Botschaften. Was für ein Vers! Was für ein Auftrag! Mit Christus, in dem wir leben, können wir ihn hoffnungsvoll angehen, zum einen, weil er zu uns spricht (Glaubt dem, was er euch sagt! Jes 8:20), zum anderen, weil die Verheißung, mit der das achte Kapitel endet, sich erfüllt hat:

Die Zeit der Finsternis und der Hoffnungslosigkeit wird einmal ein Ende haben. Jes 8:23

Jes 9,1

Das Volk, das in der Finsternis lebt, sieht ein großes Licht. Hell strahlt es auf über denen, die ohne Hoffnung sind. Jes 9:1

In einer der dunkelsten Stunden kündigt Jesaja im Bild eines großen Lichtes an, dass der Retter kommt. Die Verheißung des großen Lichtes hat sich in Jesus Christus erfüllt. Er kam in eine dunkle Zeit, er kommt auch hinein in die Nacht unserer Welt und unseres Lebens. Er bringt dauerhaften Frieden (Jes 9,6), einen Frieden, wie in die Welt nicht geben kann.  Soldatenstiefel und Kampfgewänder werden ins Feuer geworfen und verbrannt. (Jes 9:4). Unser Herz ruht in seinem Frieden. Das ist Grund zur überströmenden Freude.

Uns ist ein Kind geboren! Ein Sohn ist uns geschenkt! Er wird die Herrschaft übernehmen. Man nennt ihn Wunderbarer Ratgeber,  Starker Gott, Ewiger Vater,  Friedensfürst. Jes 9:5

Jes 10,13

Aus eigener Kraft habe ich das alles geschafft! Meiner Klugheit ist es zu verdanken! Jes 10:13

Hüten wir uns vor der Hochmut. Erkennen wir in Demut, dass wir alles von Gott geschenkt bekommen haben. Dem assyrischen König gelingt vieles, weil Gott seine Hand im Spiel hat. Leider fällt er in Hochmut, verlässt sich nur auf sich und seine Macht. Aber: “Ist die Säge mehr als der, der sie gebraucht?” (Jes 10:15) Darum: verlassen wir uns allein auf Gott und halten ihm die Treue! Also: wenn uns etwas gelingt, wenn wir etwas schaffen, dann lasst uns ihm danken. Das hütet und schützt uns vor jeglichem Stolz.

Auf den Herrn, den heiligen Gott Israels, werden sie sich verlassen und ihm die Treue halten. Jes 10:20

Jes 11,1

Ein junger Trieb sprießt aus seinen Wurzeln hervor. Jes 11:1

Radikal kommt vom lateinischen radix und bedeutet Wurzel. Advent ist eine Zeit, um radikal zu werden, d.h. zu erkennen, wo unsere Wurzel ist, zu entdecken: Ich habe mich nicht selbst gepflanzt! Ich weiß, wo ich herkomme. Ich habe in diesem aus der Wurzel Jesse gewachsenen Baum Christus eine Heimat, die auch mich wie einen lebendigen Baum dem Himmel entgegenwachsen lässt im Tun seines Willens. Gemäß seinem Willen zu leben ist der Weg, um unsere eigentliche Identität, die Wahrheit unseres Seins zu finden, während das Sich-Trennen von Gott, von der Wurzel, uns von uns selbst entfernt und uns in die Leere stürzt. Interessant: Nazareth heißt zu deutsch so viel wie Sprossdorf.

Was von Davids Königshaus noch übrig bleibt, gleicht einem abgehauenen Baumstumpf. Doch er wird zu neuem Leben erwachen: Ein junger Trieb sprießt aus seinen Wurzeln hervor. Jes 11:1

Diese prophetische Vision von Baumstumpf und Zweig weist auf Jesus hin. Der junge Trieb ist das Jesuskind, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern. Friedenskönig wird er genannt. Es ist doch bezeichnend, dass die fast alle Auferstehungsberichte mit dem Friedensgruß unseres Herrn beginnen. Er hat den Frieden mit Gott gebracht. Doch dabei bleibt es nicht. Er sendet. Er weist uns den Weg in seiner Nachfolge. Darum: Lasst uns mit ganzem Herzen betrachten, woher wir kommen und wohin wir wollen und dann, was wir tun und vorhaben, damit wir nicht das ewige und höchste Gut verlieren. 

Jes 11,6

Dann werden Wolf und Lamm friedlich beieinander wohnen. Jes 11:6

Abstrakte Worte erreichen häufig nur den Verstand. In Worte gefasste Bilder dagegen haben das Potential, den “ganzen” Menschen zu erreichen und bergen in sich den Schatz, die Perle, lebensverändernd zu wirken. In der heutigen Jesaja-Lesung ist eben so ein Bild. Ich habe dieses Bild erlebt:  Wenn wir uns zu Jesus hinwenden, den Weg zu uns für ihn frei machen, Hindernisse wegräumen, dann macht uns Jesus heil, ganz, er versöhnt die in uns widerstreitenden Kräfte, was zu dem Frieden führt, den er uns allen verheißen hat, dann wohnen Wolf und Lamm in mir friedlich beianander. Der Friede des Herrn sei mit euch.

Jes 11,12

Mitten unter den Völkern richtet er ein Zeichen auf, das ihnen den Weg weist.  Jes 11:12

Kapitel 12 ist einer der schönsten Texte im ganzen Buch Jesaja. Alles ist erfüllt von Dank, Lob und Vertrauen für den unter uns wohnenden Gott:

Dich will ich loben, o Herr ! Du warst zornig auf mich, doch dein Zorn hat sich gelegt, und du hast mich wieder getröstet. Ja, so ist mein Gott: Er ist meine Rettung, ich vertraue ihm und habe keine Angst. Der Herr allein gibt mir Kraft. Denke ich an ihn, dann beginne ich zu singen, denn er hat mich gerettet. Seine Hilfe gleicht einer sprudelnden Quelle. Voller Freude werdet ihr Wasser daraus schöpfen. An jenem Tag werdet ihr sagen: Lobt den Herrn und preist seinen herrlichen Namen! Erzählt den Völkern, was er getan hat! Ruft in die Welt hinaus, wie groß und erhaben er ist! Singt zur Ehre des Herrn, denn er hat wunderbare Taten vollbracht. Auf der ganzen Erde soll man es hören! Ihr Einwohner von Zion, jubelt und singt, denn groß ist der heilige Gott Israels, der mitten unter euch wohnt.

Gerichtsworte über die Völker (Kap 13-27)

Jes 14,7

Nun ist es friedlich geworden und die Erde kommt zur Ruhe. Die ganze Welt bricht in Jubel aus. Jes 14:7

Die Kapitel 13-27 berichten über die Gerichte Babylons und der Nationen, bei denen Israel Gefangenschaft und Verwerfung erduldete. Babylon stürzt. Ein Triumphlied wird gesungen. Über weitere Nationen wird Gericht gehalten: Assyrien, Philister, Moabiter, Kusch, Ägypten, Damaskus, Tyrus, Sidon und gegen das Nordreich Israel. Der Abschnitt endet mit der Befreiung aus dem Zustand der Ausgestoßenheit und mit der Anbetung in Jerusalem. Neben der Historizität der Ereignisse ist dies für uns ein Bild, dass Gott uns befreit aus dem, was uns gefangen hält und uns in seine Ruhe führt.

Dann endlich werden die Menschen wieder an mich, ihren Schöpfer, denken und ihren Blick wieder auf den heiligen Gott Israels richten. Jes 17:7

Jes 19,20

Wenn sie zum Herrn schreien vor den Bedrängern, so wird er ihnen einen Retter senden. Jes 19,20

Jessika hört eine Verheißung für Ägypten, die einst die Israeliten als Sklaven gefangen hielten. Das Unfassbare: Gott will sogar den Ägyptern, wenn sie bedrängt sind, einen Retter geben, ein Zeichen dafür, dass der Gott Israels nicht ruhen wird, bis alle Völker einbezogen sind in sein Heil. Was die Israeliten einmal in Ägypten erfahren hatten soll nun auch Erfahrung der Ägypter werden: Gott errettet aus Bedrängnis und heilt die Wunden. Dies ist ein Vorausblick auf die Apostelgeschichte, wo das Heil allen Menschen verkündet wird.

Sie werden sich ihm zuwenden, und er wird ihre Gebete erhören und sie wieder heilen. Jes 19:22

Jes 25,1

Herr, du bist mein Gott! Ich lobe dich und preise deinen Namen, denn du vollbringst wunderbare Taten. Jes 25:1

Kapitel 24 bis 27 enthalten die Apokalypse des Jesaja. Während Kapitel 13- 23 Gerichts-Botschaften für einzelne Völker enthalten, sprechen die Kapitel 24-27 von Geschehnissen mit universalen Ausmaß. In eindringlichen Bildern wird das kommende Gericht Gottes über die ganze Erde geschildert. Aber auch von Rettung und Wiederherstellung ist die Rede. Es erinnert alles stark an das letzte Buch der Bibel, der Offenbarung. Gott wird alles zum Guten führen. Er hat alles in der Hand. In Kapitel 25 singen die Erlösten daher ein Danklied.

Die Armen und Schwachen finden Zuflucht bei dir. Dort sind sie sicher in Zeiten der Not. Du gibst ihnen Schutz wie ein Dach im Wolkenbruch, wie kühler Schatten in der Mittagshitze. Jes 25:4

Jes 25,6

Hier auf dem Berg Zion wird der Herr, der allmächtige Gott, alle Völker zu einem Festmahl mit köstlichen Speisen und herrlichem Wein einladen. Jes 25:6

Der König der ganzen Erde lädt alle (!) Völker anlässlich seiner Thronbesteigung zu einem Festmahl ein. Seinen Sieg vollendet er durch die Überwindung des Todes als des letzten Feindes. Hier ist eine der seltenen Stellen, wo im Alten Testament die Gewissheit der Todesüberwindung klar aufleuchtet. Er zerreißt den Trauerschleier und zieht das Leichentuch weg. Er allein ist unser Gott! Auf ihn haben wir unsere Hoffnung gesetzt, und er hat uns gerettet. Der Glaube an die Auferstehung der Toten ist zutiefst in unserem Inneren.

Er wird den Tod für immer und ewig vernichten. Gott, der Herr, wird die Tränen von jedem Gesicht abwischen. Jes 25:8

Jes 26,3

Herr, du gibst Frieden dem, der sich fest an dich hält und dir allein vertraut. Jes 26:3

Wer sich fest an Gott hält, der nimmt sehr wohl die Herausforderungen, Gefahren und Verlockungen seiner Umwelt wahr. Doch er entscheidet sich immer wieder dafür, sich auf Gott zu verlassen. Er ist also nicht passiv, sondern wie ein aufmerksamer Wächter, der das Gute durchlässt und das Zerstörende zurückweist. Das alles bewahrt uns den Frieden. Beende dein Gebet niemals anders, als mit Vertrauen.

Ja, vertraut dem Herrn für immer, denn er, unser Gott, ist ein starker Fels für alle Zeiten! Jes 26:4

Jes 26,19

Der Tau, den du sendest, ist ein Tau des Lichts. Jes 26,19

Tauet Himmel den Gerechten heißt’s in einem Adventslied. Bei Jesaja gibt es dieses wunderschöne Bild vom gesendeten Tau des Lichts. Damit ist der Herr selbst gemeint. Bilder helfen uns, dem Geheimnis nach zu spüren. Tau kommt nicht gewaltig daher, sondern in der Ruhe und dem Schatten der Nacht, ebenso wie Jesus in der heiligen Nacht zu Bethlehem. Ebenso kommt Jesus in dein Herzen, nicht mit Pauken und Trompeten, sondern in ein ruhiges, stilles und demütiges Herz, ja auch gerade in unserem oft viel zu voll gepackten Alltag. Bereite dein Herz, wenn Jesus, der Tau des Lichts, anklopft.

Christus Geburt in uns tagtäglich, bedeutet jeden Tag aufs neue zu entscheiden, dass er mein Herr ist, dem ich nachfolgen möchte. Drei eindrückliche Zitate, die mich auf meinem Lebensweg immer wieder begleiten

Selig, die Bethlehem im Herzen tragen, und in deren Herz Christus jeden Tag geboren wird. Hieronymus

Wir feiern Weihnachten, auf dass diese Geburt auch in uns Menschen geschieht. Meister Eckhart

Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren, und nicht in dir, du bleibst verloren. Angelus Silesius

Jes 26,19

Herr, die Toten deines Volkes werden wieder lebendig, ihre Leichen werden auferstehen! Wacht auf und singt vor Freude, alle, die ihr unter der Erde ruht! Jes 26:19

Wer Gottes Willen tut, den führt Gott auch. Letztlich gehe ich den für mich von ihm vorgesehenen Weg. Diesen gilt es immer neu zu entdecken durch eine innige Beziehung zu Gott, Gedanken voller Sehnsucht nach ihm, die uns immer neu beflügeln und uns in den Dienst nehmen. Wir alle sind Mitarbeiter in Gottes neuem Weinberg. Und zu ihm hin werden wir auferweckt werden. “Durch deine belebende Kraft gibt die Erde die Leiber der Verstorbenen zurück.” (Jes 26:19) Dann werden wir dem Richter Christus begegnen. Es ist keine menschliche Gerechtigkeit, nach der er richten wird, sondern seine göttliche Gerechtigkeit, die darin besteht, dass er zur Vergebung unserer Sünden am Kreuz starb. Darum verdanken wir ihm alles. Darin hat er uns Frieden gebracht, uns zu Kindern Gottes gemacht.

Ich selbst, der Herr, bin sein Wächter. Ich bewässere ihn immerzu. Tag und Nacht behüte ich ihn, damit nichts und niemand ihm schaden kann. Jes 27:3

Weitere Warnungen und Verheißungen (Kap. 28-35)

Jes 28,16

Wer glaubt, der flieht nicht. Jes 28,16

Ich bin ein Fluchtmensch. In schwierigen Situationen, zwischenmenschlichen Konflikten oder wo jemand meine Hilfe braucht wo es gerade mir nicht passt, habe ich im ersten Moment immer noch einen Fluchtdrang. Früher habe ich dem nachgegeben. Heute akzeptiere ich dass er da ist, handele aber nicht nach ihm. Auch Jesu floh nicht vor der Passion. Ich halte die Situationen aus, spreche Unangenehmes an, helfe auch wenn’s mir gerade nicht passt. Der Glaube gibt mir dazu die Stärke. Er ist meine erste Hilfe. Das Gespräch mit Jesus, Gebete, Liturgie, rel. Lieder, da tanken ich für solche Momente auf. Denn: “Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht. Wenn ihr nicht fest im Glauben steht, dann könnt ihr überhaupt nicht bestehen!” (Jes 7,9) Wachet, steht fest im Glauben, seid mutig und seid stark! (1.Kor 16,13)

Seht, ich lege in Zion den Grundstein für ein gutes Fundament. Es ist ein kostbarer Eckstein, der felsenfest steht. Wer auf ihn baut und ihm vertraut, braucht nicht zu fliehen. Jes 28:16

Nach den großen Verheißungen enthalten die Kapitel 28-35 nun wieder mahnende Weherufe über das untreue Israel, die auf alles andere vertrauten, nur nicht auf Gott. auf alles andere vertrauten, nur nicht auf Gott. “Sie wollten nicht auf ihn hören.” (Jes 28:12). Ihre Herzen waren nicht mit Gott verbunden. Jesaja gibt Gottes Botschaft weiter, dass allein das Vertrauen auf einen kostbaren Eckstein zum Leben führt. Das Wort vom Eckstein wurde schon früh auf den Messias Christus gedeutet. An ihn lasst uns unser Herz binden. Ihn lasst uns mit aufrichtigen Worten anbeten.

Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber mit dem Herzen sind sie weit weg von mir. Jes 29:13

Jes 29,19

Wer niedergeschlagen war, freut sich wieder, weil der Herr selbst der Grund seiner Freude ist. Jes 29:19

Taube hören, Blinde sehen, Niedergeschlagene freuen sich wieder, die ärmsten Menschen brechen in Jubel aus. All diese Verheißungen haben sich in Jesus erfüllt. Er hat sich gerade den ärmsten Menschen zugewandt. Die ärmsten Menschen, das sind doch wir! Er ist uns nah. Er tut so unvorstellbar viel für uns. Er ist im tiefsten Kern der Hüter unserer Seele. Er hilft uns neu zu sehen und neu zu hören, damit wir diese Nähe auch wahrnehmen. Gott finden wir nur, wenn wir unser Herz und unseren Geist in Gott bergen. Und darin stoßen wir dann auf die Freude, die sich allein in ihm und seiner Nähe finden lässt.

Wenn sie meine Taten sehen, die ich unter ihnen vollbringe, dann werden sie meinen heiligen Namen ehren. Jes 29:23

Jes 30,15

Durch Stillesein und Vertrauen würdet ihr stark sein. Jes 30,15

Der Prophet warnt die Regierenden in Jerusalem vor einem Bündnis mit Ägypten gegen die anrückenden Assyrer. Sie hören mal wieder nicht! Sie unterliessen es, Gott um Wegweisung zu bitten. Die sichtbare Macht des Pharao erschien ihnen sicherer als der unsichtbare Gott. Jesaja macht deutlich: Gott will helfen und sich erbarmen. An uns liegt es, diese Hilfe anzunehmen. Er zwingt sie uns nicht auf. Wohin wenden wir uns zu allererst mit unseren Fragen, Nöten und Befürchtungen? Fragen wir Gott nach seinen Plänen mit uns? Steht Jesus Christus da an erster Stelle oder ist er mehr oder weniger unsere letzte Hoffnung? Mach Jesus zu deiner ersten Hoffnung! Vertraue und sei still.

Ihr müsst nicht mehr weinen! Der Herr wird euch wieder in Liebe annehmen, darauf könnt ihr euch verlassen. Sobald er euer Schreien hört, kommt er euch zu Hilfe. […] Und kommt ihr vom richtigen Weg ab, so hört ihr hinter euch eine Stimme: Halt, dies ist der Weg, den ihr einschlagen sollt! Jes 30:19;21

Jes 32,1

Eines Tages wird ein gerechter König regieren. Jes 32:1

Viele Stimmen dringen an unser Ohr, lärmend und fordernd. Kein Wunder, dass so mancher nicht mehr hinhören will oder kann. So werden oftmals auch die leisen Töne der Stimme Gottes überhört und übertönt. Jesaja schreibt von einer Zeit, in der wir eine neue Hörfähigkeit erlangen werden. Wann das sein wird? Wenn der König kommt. Dieser verheißene König ist niemand anders als Jesus Christus. Er bringt das Reich der erlösenden Gerechtigkeit, denn in ihm sind wir gerecht. Von ihm hören wir nur gute und heilsame Worte, die unser Leben verändern können. Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Alle sehen wieder klar und hören aufmerksam hin. Jes 32:3

Jes 32,15

So wird es bleiben, bis der Geist Gottes aus der Höhe über uns kommt. Dann wird die Wüste in einen Obstgarten verwandelt. Jes 32:15

Durch seine Gnade ist der Heilige Geist der Erste bei der Weckung unseres Glaubens und beim Eintritt in das neue Leben. Er verwandelt unsere Wüste in fruchtbares Land. Er ist die unaufhörlich in uns sprudelnde, frische Quelle lebendigen Wassers. Dieser Geist wohnt geschenkt in uns. Durch ihn kehrt der Friede, Ruhe und Sicherheit in uns ein. Wie überaus notwendig haben wir dies. Er geht vor allem aus der gegenseitigen Liebe, zu der uns der heilige Geist antreibt und die uns Christus so empfohlen hat.

Mein Volk lebt dann in einem Land, in dem Frieden herrscht. Ruhig und ohne Sorgen wohnen sie dort. Jes 32:18

Jes 33,17

Ihr werdet euren König sehen in seiner Majestät und Schönheit. Jes 33:17

Herr, hab Erbarmen mit uns! Auf dich allein setzen wir unsere Hoffnung. Schütze und stärke unser Volk jeden Tag neu! Hilf uns in Zeiten der Not! Groß und erhaben ist der Herr, denn er regiert hoch oben im Himmel. Er handelt! Er sorgt dafür, dass auf dem Berg Zion Recht und Gerechtigkeit herrschen. Wir werden in Sicherheit leben und es wird uns in jeder Hinsicht gut gehen. Unser größter Schatz wird die Ehrfurcht vor dem Herrn sein. Denn der Herr wird in seiner Größe und Macht bei uns sein. Der Herr selbst ist dann unser Richter, unser Gesetzgeber und unser König. Nur er kann uns retten und wird es auch tun.

Im ganzen Land wird keiner mehr klagen: Ach, ich bin schwach und krank! denn dem Volk wird jede Schuld vergeben sein. Jes 33:24

Jes 35,1

Freuen wird sich die Wüste, und das dürre Land wird jubeln. Die Steppe wird fröhlich singen und aufblühen wie ein Meer von Narzissen. Jes 35:1

Die Botschaft ist der Glaube an den erlösenden Gott, der unsere Hoffnung ist. Unser tiefes Vertrauen ist es, dass wir in seinem Herzen sind. In dieser Liebe gehen wir auf Gott und auf den Nächsten zu. In dieser Liebe, die bis zur Selbsthingabe am Kreuz ging, wissen wir, dass uns nun niemand mehr anklagen, verurteilen und zuletzt von dieser großen Liebe trennen kann. Das ist die Botschaft, die wir verkünden: das äußerste Liebesopfer am Kreuz, das der Sohn Gottes freiwillig gewählt hat ist die Quelle unseres Heils. In der heiligen Eucharistie bleibt diese Tat des Herrn in seinem Herzen in Ewigkeit gegenwärtig. Diese Haltung seines Herzens zieht uns an, vereint uns mit ihm und drängt und dazu, diese frohe Botschaft allen zu verkünden.

Jes 35,3

Stärkt die kraftlosen Hände! Lasst die zitternden Knie wieder fest werden! Jes 35:3

Jeder kennt von uns Tage, an denen wir kraftlos sind, nicht nur körperlich, sondern vor allem auch geistig-spirituell. Da ist mir dann alles zu viel und selbst das Gebet kostet Mühe. Wüstenzeiten! Ich kann hier nicht wie im TV einfach umschalten, sondern muss hindurch gehen. Es ist gut, wenn ich dabei Wasservorrat dabei habe.

Jes 35,4

Fasst neuen Mut! Habt keine Angst mehr, denn euer Gott ist bei euch! Jes 35:4

Die Wüste freut sich. Die Steppe singt fröhlich. Kraftlose Hände werden gestärkt. Zitternde Knie werden fest. Blinde sehen, Taube hören und Gelähmte gehen. Eine heilige Straße für Gottes Volk gibt es. Das Kapitel 35 überschlägt sich in Bildern der Freude und des Heils. Es ist ein Ausblick auf den Zustand, wenn wir nach unserem irdischen Leben ins himmlische Jerusalem einziehen. Was für ein Ausblick. Es ist aber alles andere als eine Vertröstung auf das Jenseits, den in Christus hat dies alles schon jetzt begonnen.

Dann sind Trauer und Sorge für immer vorbei, Glück und Frieden halten Einzug, und die Freude hört niemals auf. Jes 35:10

Jes 35,10

Die Freude hört niemals auf. Jes 35:10

Begreife: diese Verheißung hat sich in Christus erfüllt. So leicht lassen wir uns jedoch diese vollkommene Freude nehmen, wenn wir uns zu ernst und wichtig nehmen. Übe dich stets darin, über dich und deine Menschlichkeit zu lachen, wenn eben mal etwas nicht so perfekt gelaufen ist. Humor ist einer der besten Wege, um Konflikte zu beenden oder erst gar nicht beginnen zu lassen, wenn wir auf eine amüsante und humorvolle Art und Weise ja auch zu unseren Schwächen und Fehlern stehen. Das wirkt sich oft beruhigend auf die Umgebung aus. Versuche vieles, vieles, was dir im Alltag widerfährt mit Humor zu nehmen, so nimmst du diesen Ereignissen die Macht dir die Freude zu rauben. Vertraue allein Jesus, der unsere Freude ist.

Ein fröhlicher Mensch strahlt über das ganze Gesicht, aber einem verbitterten fehlt jede Lebensfreude. Spr. 15:13

Ewige Freude wird über ihrem Haupte sein. Jes 35,10

Christliche Freude ist vollkommene, unzerstörbare, unbegrenzte und immerwährende Freude, die nicht an das Sichtbare gebunden ist, sondern Ausdruck einer tiefen Gotteserfahrung ist. Wer Gott erfährt, der hat in sich eine Freude, die durch äußere Leiderfahrungen zwar überdeckt, aber letztlich nicht genommen werden kann. Wenn ich bei Konflikten und Krisen mich in mich kehre in meine innere Zelle finde ich dort diese göttliche Freude, die mir keiner mehr nehmen kann. Freude ist Ausdruck des bewussten und erfüllten Lebens in Gott. Diese Freude ist immer schon in dir, selbst wenn äußere Wolken diese Freude verdunkeln.Werde dir heute dankbar dieser ewigen Freude in dir bewusst. Gott ist mit dir.

Belagerung Jerusalems durch die Assyrer (Kap. 36-39)

Heilsankündigungen (Kap. 40- 55)

Deuterojesaja – Szenenwechsel

Die Kapitel 36-39 sind vor allem ein geschichtlicher Anhang zum ersten Teil des Jesajabuches. Der Text stimmt weitgehend überein mit  2Kön 18,13- 20,19. Es geht um die Belagerung und Rettung Jerusalems. Ich klammere ihn bei meiner Betrachtung aus.

Im Kapitel 40 gibt es im Buch Jesaja dann einen Bruch: Das Königreich Juda war zerschlagen, der Tempel verbrannt, Jerusalem zerstört! Ein Großteil der Bevölkerung wurde nach Babylonien deportiert. Die Situation ist mehr als schlimm. In dieser Zeit (Mitte 6. Jhd) tritt unter den Deportierten in Babylonien ein Prophet auf, dessen Name nicht genannt wird. Seine Worte wurden an die Aussagen Jesajas angehängt. Man nennt man ihn Deuterojesaja, d. h. Zweiter Jesaja.

In fast allen neutestamentlichen Schriften finden wir Zitate aus seinen Worten. In der Hoffnungslosigkeit der Deportation redet er von dem Gott, der sein Volk liebt und rettet. Als Werkzeug aus der Babylonischen Gefangenschaft wird der persische Eroberer Kyrus genannt, der 539 v. Chr. Babylon kampflos einnahm.

Neben Kyrus wird eine zweite Gestalt genannt: der Knecht Gottes. Die Gottesknecht-Lieder sprechen von Christus und sind einmalig in der Bibel.

Jes 40,3

Bahnt dem Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut eine Straße durch die Steppe für unseren Gott! Jes 40:3

Gott kommt zu uns. Was für ein Trost! Er kommt als Hirte seiner Herde. Er nimmt ihre Schuld auf sich und begleicht sie. Diese prophetische Botschaft hat sich in Jesus Christus verwirklicht. Er hat den Anfang zu einem neuen, nicht mehr nur irdischen, sondern zu einem radikalen und endgültigen Exodus gesetzt: zum Übergang vom Reich des Bösen zum Reich Gottes, von der Herrschaft der Sünde und des Todes zu jener der Liebe und des Lebens. Sein Wort bleibt in Ewigkeit. “Ja, der Herr kommt als ein mächtiger Gott. Er herrscht mit großer Kraft.”  (Jes 40:10)

Du hast eine gute Nachricht zu verkünden. […] Seht, da kommt euer Gott! Jes 40:9

Jes 40,9

Fürchte dich nicht. Jes 40:9

Fürchte dich nicht, ich habe dich beim Namen gerufen« (Jes 43,1), »Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir« (Jes 43,5), »Fürchte dich nicht, denn ich gieße Wasser auf den dürstenden Boden … ich gieße meinen Geist über deine Nachkommen aus« (Jes 44,2b–3a). Immer wieder kämpft der Prophet Jesaja gegen die lähmende Angst der Menschen seiner Zeit an. Mit ganzer Kraft, leidenschaftlich, verteidigt er diese Weltsicht des Glaubenden.

Wer hat die Wasser mit der hohlen Hand gemessen? Wer hat den Himmel mit der Spanne abgegrenzt und den Staub der Erde in ein Maß gefasst? Wer hat die Berge mit der Waage gewogen und die Hügel mit Waagschalen? Jes 40:12 

Gott kann! Mit seiner hohlen Hand vermag Er die Wasser der ganzen Erde zu messen. Er ist allmächtig. Seine Hände sind gross genug, um alles zu halten. Wenn wir uns machtlos fühlen, können wir die Sorgen und Nöte unserem starken und weisen Gott anvertrauen. Er behält immer den Überblick über unser Leben. Wollen wir heute nicht aufs Neue lernen, Ihm unsere Sorgen abzugeben und auf seine Hilfe zu warten? Wie freut sich unser Gott und Vater, wenn wir Ihm unser Vertrauen schenken! Nie wird Er eins seiner Kinder enttäuschen, das Ihn beim Wort nimmt: «Befiehl dem Herrn deinen Weg und vertraue auf ihn, und er wird handeln!» (Psalm 37,5).

Jes 40,26

Blickt nach oben! Schaut den Himmel an: Wer hat die unzähligen Sterne geschaffen? Er ist es!  Jes 40:26

Die 70-jährige Gefangenschaft in Babylon war für das Volk Israel zermürbend. Sie hatten die Heimat, die Freiheit und ihre Hoffnung verloren. Die Mahnung für diese damals wie auch für uns: Blickt nach oben! Blickt auf zu dem, der die Sterne in ihren Bahnen lenkt. Er ist größer als unsere Not. Seine Gnade und Vergebung sind größer als unsere Schuld. Er hat eine Lösung und schenkt euch einen Neuanfang. Wenn wir auf uns und unsere eigenen Kräfte sehen, verlieren wir in dunklen Stunden schnell den Mut. Wenn wir aber betend, flehend, voller Vertrauen zu Gott aufsehen, bekommen wir neue Kraft. Wir brauchen nur zu beten, um getragen zu werden. Fassen wir neuen Mut, denn der Herr ist nahe. “Den Erschöpften gibt er neue Kraft, und die Schwachen macht er stark.” (Jes 40:29)

Jes 41,10

Hab keine Angst, ich bin dein Gott! Jes 41,10

Die Angst verweist mich letztlich auf Gott als den eigentlichen Grund meines Lebens. Beispiel: Es kann sein, dass ich z.B. Krebs bekomme. Was ist dann? Ja, es ist furchbar schlimm. Definitiv! Aber auch in meiner Krankheit werde ich in Gottes Hand sein und nicht aus ihr heraus fallen. Wir können unsere Ängste überwinden, indem wir uns die Frage stellen: Was kann mir schlimmstenfalls passieren? Die Angst lädt mich ein, in dem Vertrauen zu leben, dass ich immer in Gottes Hand bin. Alles geht vorrüber (Streß, Krankheit u.v.m.), aber Gott geht nicht vorrüber. Er bleibt und ist immer da. Gott allein genügt. Wer Gott hat, der hat alles. Und irgendwann werden wir in unaussprechlicher Art und Weise bei ihm sein.

Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; schau nicht ängstlich umher, denn ich bin dein Gott; ich stärke dich, ja, ich helfe dir, ja, ich stütze dich mit der Rechten meiner Gerechtigkeit. Jes 41,10

Ein Hammer-Bibelvers, der im Leiden viel Kraft geben kann. Es lohnt sich, ihn mal genauer aufzugliedern: Sein Beistand: Ist es nicht ein starker Trost, dass Gott immer mit dir ist? Wenn Menschen weggehen, bleibt er da. Seine Treue: Wir dürfen in einer Beziehung zu Gott stehen, in der Er immer seine Treue erweist. Diese Treue Gottes ist Quelle der Freude, die uns auch im Leiden heflen kann, unseren inneren Frieden zu bewahren. Seine Stärkung: Gott ist deine Kraft, auch und gerade in deinem Leiden. Seine Hilfe:  Er hilft dir, wenn du nicht weißt, wie es weitergehen soll. Seine Unterstützung:  Er stützt dich mit dem Arm seiner Macht, wenn vieles dich niederdrücken will.

Gott: Er ist da. Er ist treu. Er stärkt. Er hilft. Er unterstützt dich.

Fürchte dich nicht, denn ich stehe dir bei. Hab keine Angst, denn ich bin dein Gott! Ich mache dich stark, ich helfe dir, mit meiner siegreichen Hand beschütze ich dich! Jes 41:10

Die Leute von Juda haben den Untergang ihres Reiches als Niederlage ihres Gottes empfunden. Jesaja macht deutlich: Gott ist weiterhin der Herr der Geschichte. “Wer steht dahinter, wer bewirkt das alles? Ich, der Herr!” (Jes 41:4). Sie sollen daher Mut schöpfen und allein ihm vertrauen. Darin liegt Segen. Von alle anderen Dingen, worauf wir vertrauen spricht Gott deutlich: Sie alle sind nichts als ein großer Betrug. Daher: Wenn du leben willst in Gott, lege die Vergangenheit in seine Hände, überlasse ihm die Zukunft und lebe jeden Augenblick, wie er kommt, in Fülle, nur lebe ihn im Vertrauen auf Gott!

Jes 41,13

Ich, der Herr, dein Gott, ergreife deine rechte Hand und sage dir: Fürchte dich nicht; ich helfe dir! Jes 41:13

Wenn eine besorgte Mutter mit ihrem kleinen Kind ausgeht, so hilft sie ihm und stützt es, wie das Kind es braucht. So verfährt auch der Herr mit unserer Seele. Unaufhörlich ist er um jene besorgt, die seine Kinder sind. Bald läßt er sie gleichsam vor sich hergehen, ihnen bei Schwierigkeiten die Hand reichend, bald trägt er sie durch Müh und Leid hindurch, die ihnen sonst unerträglich wären. Die Beharrlichkeit und Treue ist dabei die wichtigste Gabe, die wir in diesem Leben erhoffen können und zwar von Gott allein. Gewiß würde Gott die Gläubigen nie mahnen auszuharren, wenn er nicht auch bereit wäre, jedem dazu das Können zu schenken.

Jes 42,6

Durch dich schließe ich einen Bund mit den Menschen, ja, für alle Völker mache ich dich zu einem Licht, das ihnen den Weg zu mir zeigt. Jes 42:6

Die Gestalt des Knechtes Gottes begegnet uns bei Jesaja in Kap. 42 das erste Mal. Beschrieben wird vor allem die Art seines Wirkens: Er dient und herrscht nicht. Er wirbt und droht nicht. Er schreit nicht. Er wird kommen, um zu retten und zu heilen. Blinde sehen, Gefangene werden befreit. Das geknickte Schilfrohr wird er nicht abbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen. Dunkelheit wird zum Licht. Das wird wie ein neuer Schöpfungstag sein, an dem Gott noch einmal spricht: Es werde Licht! Das ist unser tiefste Grund jeglicher Freude. Im Alten Testament bleibt sein Name noch geheimnisvoll. Im Neuen Testament erkennen wir den, mit dem Gott sein Versprechen wahr gemacht hat: Jesus – das Licht der Welt

Singt dem Herrn ein neues Lied und rühmt ihn überall auf der Welt. Jes 42:10

Jes 43,4

Darum, weil du kostbar bist in meinen Augen und wertgeachtet und ich dich lieb habe, so gebe ich Menschen für dich hin und Völker für dein Leben. Jes 43:4

Gott betrachtet uns mit Augen der Liebe, deshalb sind wir in seinen Augen teuer und wertvoll. Er sieht uns jetzt schon so, wie wir einst, geläutert von unseren Sünden, in der Herrlichkeit des Himmels sein werden. Er sieht uns jetzt schon in unserer künftigen Schönheit. Das ist der Blick Gottes auf uns. Was für ein Geschenk, diesen Blick Gottes auf uns zu kennen! Dieser Blick seiner barmherzigen Liebe heilt. Er heilt die Wunden der Sünde und den Schmerz, den die unbarmherzigen Blicke der anderen uns zugefügt haben. Dieser Blick Gottes auf uns vermag uns wieder aufzurichten, wenn wir im Blick auf unsere Schwachheit und Sünde verzagt und traurig am Boden liegen.

Jes 43,18

Bleibt nicht bei der Vergangenheit stehen! Jes 43:18

Gott hat dich bei deinem Namen gerufen. Du gehörst ihm. Wenn du sinnbildlich durch reißende Ströme gehen musst, ist Gott da, du wirst nicht ertrinken. Wenn es sinnbildlich mal wieder brennt in deinem Leben, bleibst du unversehrt. Keine Flamme wird dich verbrennen. Gott ist dein Retter. Schaue daher nach vorne und vertraue. Gott ist dein Leben. Flüsse sollen fließen, wenn du drohst eine öde Gegend zu werden. Gott erhält dich. Gehst du einmal fehl, so vergibt er dir. Jetzt und in Zukunft ist er der Herr der Welt und deines Lebens.

Bleibt nicht bei der Vergangenheit stehen! Schaut nach vorne, denn ich will etwas Neues tun!  Jes 43:18‭-‬19

Deine Vergangenheit ist wichtig. Sie hat dich zu der Person gemacht, die du heute bist, mit hellen und dunklen Stunden. Gedenke deiner Vergangenheit, Erinnerung ist etwas total Wichtiges, aber Vorsicht: Sei kein Gefangener Deiner Vergangenheit, grübelnd darüber was schief gelaufen ist oder wie es anders hätte kommen können, sondern sei der Architekt deiner Gegenwart. Nur das heute lässt sich unter Gottes Segen konstruktiv gestalten, nur hier ist das Reich Gottes, dessen Mitarbeiter du bist. “Man kann das Leben nur rückwärts verstehen, aber man muss es vorwärts leben.” (Kierkegaard)

Jes 44,5

Ich gehöre dem Herrn !  Jes 44:5

Die Zukunft macht uns immer wieder Angst. Für die Deportierten damals war das nicht anders. Jesaja sieht allerdings prophetisch die Wende. Babylon wird fallen und das Volk wird nach Jerusalem zurück kehren. Alles wird gut. Wenn du an deine Zukunft denkst, so denke an deinen Schöpfer! Er hat dich erschaffen. Darum brauchst du keine Angst zu haben. Dein Gott ist für dich da. Er will dir seinen Geist geben und Geborgenheit schenken. Du bist nicht allein, sondern gehörst und dienst dem lebendigen Gott. Immer wenn uns die Sorge um die Zukunft befällt, erinnern wir uns allein daran: Ich gehöre dem Herrn. Was kann da noch passieren? Er ist der Herr, der alles bewirkt. Er ist der Erste und der Letzte.

Ich habe euch geschaffen, ihr gehört zu mir und seid meine Diener! Niemals werde ich euch vergessen. Jes 44:21

Jes 45,8

Ihr Wolken am Himmel, lasst Gerechtigkeit herabströmen und du, Erde, sauge sie auf und lass Heil und Gerechtigkeit hervorsprießen! Jes 45:8

Gott lädt zur Umkehr ein. Leidenschaftlich tut er das. In Jesus lässt er Gerechtigkeit vom Himmel herab strömen. Er ist die personifizierte Einladung zur Umkehr. Allein in ihm ist Rettung. Was müssen wir tun, wenn wir zu Gott umkehren? Nur eines ist nötig: dass wir uns ihm, unserem Gott, zuwenden, der sich uns allen gerne zuwendet und erfahrbar macht, dieser so nahe und zugleich so allmächtige Gott: “Ich bilde das Licht und schaffe die Finsternis. Ich wirke den Frieden und auch das Unglück lasse ich kommen. Ich bin der Herr, dies alles vollbringe ich.” (Jes 45:7)

Kommt zu mir und lasst euch retten. Nur beim Herrn gibt es Rettung und Hilfe!” (Jes 45:22;24)

Jes 45,18

Er ist es, der den Himmel geschaffen hat. Er gab der Erde ihre Form. Jes 45:18

Es läuft nicht nach unseren Wünschen. Schlimme Dinge passieren. Eine Krankheit, ein Unfall, Beziehungen brechen auseinander uvm. Im finsteren Tal lasst uns daran fest halten, nicht an Gott zu zweifeln oder gar gegen ihn zu murren. Besinnen wir uns täglich neu auf seine Zusagen. Ja, immer wieder ist er ist ein verborgener Gott und handelt, wie es ihm gefällt. Aber er handelt auf jeden Fall so, dass wir leben werden, befreit und erlöst. Darauf dürfen wir vertrauen.

Wendet euch zu mir, so werdet ihr gerettet. Jes 45,22

Jes 46,4

Ich bleibe derselbe. Ich werde euch tragen bis ins hohe Alter, bis ihr grau werdet. Jes 46:4

Das Alter macht vielen Angst. Damit häufig verbundene Krankheiten und Hilfsbedürftigkeit können sehr belastend sein. Wie tröstend ist da die Zusage Gottes uns bis ins hohe Alter zu tragen. Das bedeutet aber auch demütig loszulassen, alles selbst unter Kontrolle zu haben und wiederum eben zu vertrauen, dass er alles in seiner göttlichen Weisheit lenkt und dies nicht nur im Alter, sondern in meinem ganzen Leben. Auch wenn alles um uns herum zusammen zu brechen scheint, kann uns das nicht von Jesus Christus trennen, der allein trägt.

Von Anfang an habe ich euch getragen, seit eurer Geburt sorge ich für euch. Jes 46:3

Ich bin euch nah.  Jes 46:13

Jes 47,10

Du siehst wirklich nur dich selbst. Alles andere nimmst du nicht wahr! Jes 47:10

Nur einmal finden wir bei Deuterojesaja eine Gerichtsankündigung und zwar gegen die Babylonier, die sinnbildlich auch für eine ungute übersteigerte Selbst- und Weltliebe stehen. Sie sehen nur sich selbst. Wer dagegen nach dem Vorbild Christi leben will, muss die Augen des Herzens vor allem nach oben und zum Nächsten erheben, um die Haltung des Dienens ein zu nehmen. Wer an nichts hängt als am Herrn, der dient ihm fröhlich und gleichmäßig in allen Aufgaben.

Denk in der Tat daran, dass du dieselben Hände, die du zu Gott erhebst, um zu erhalten, worum du bittest, für das Vollbringen der guten Werke verwendest. Augustinus

Jes 48,6

Von heute an will ich etwas Neues ankündigen, etwas, das ihr noch nicht wisst, weil ich es bisher geheim gehalten habe. Jes 48:6

Gott will eine persönliche Beziehung. Er will, dass sein Volk ihn persönlich kennt und anredet und liebt. Darum kündigt er Neues an: die Sendung seines Sohnes ist dieses Neue. Er wird uns zeigen, wie der Vater ist. Jesus selbst sagt: Wer mich sieht, sieht den Vater. Auf Jesus Christus läuft also alles hinaus! Er ist Lebensziel und  Kraftquelle in allen Lebenslagen.

Ich lehre euch, was gut für euch ist und zeige euch den Weg, den ihr gehen sollt. Jes 48:17

Jes – Der verworfene  Messias (Kap. 49-57)

Jes 49,6

Ich habe dich zum Licht für alle Völker gemacht, damit du der ganzen Welt die Rettung bringst, die von mir kommt! Jes 49:6

Der Gottesknecht wird angekündigt. Der Prophet beschreibt den künftigen Retter anders, als man ihn erwartet: nicht als übermächtigen und siegreichen Herrscher, sondern als Gottesknecht: verachtet, verabscheut, unterdrückt. Als das fleischgewordene Wort noch im Mutterleib Mariens war, hat der Engel seinen Namen überbracht: Jesus. Am Kreuz ist er scheinbar gescheitert, vergeblich hat er sich abgemüht. Aber von Gott auferweckt ist er das Licht der Hoffnung für dich und alle Menschen in der Welt. Und alle werden sich vor ihm nieder werfen, er, der allein die lebensbringende Quelle ist, er, der das lebensbringende Brot ist.

Es wird ihnen gehen wie einer Schafherde, die an den Wegen und selbst auf kahlen Hügeln Nahrung findet. Ich habe Erbarmen mit ihnen und führe sie zu sprudelnden Quellen. Jes 49:9-10

Jes 49,15

Kann eine Mutter ihren Säugling vergessen? […] Selbst wenn sie es vergessen würde, ich vergesse dich niemals! Jes 49:15

Was bleibt von all der Aufregung, von all dem Hin und Her der Gedanken, von all den Sorgen und Befürchtungen, von allen Wünschen und Hoffnungen? Es bleibt von all dem zuletzt nur eines, nämlich die Liebe Gottes, die uns nie vergisst! Alles andere hört auf und vergeht. Seine Liebe höret nimmer auf. Meine Liebe kommt aus Gott. Allein in der Liebe handelt Gott durch uns, während in allem anderen wir selbst handeln. Was von uns ist, muß aufhören, alles aber was von Gott ist, das bleibt, zualler erst seine Liebe. Daher: “Himmel und Erde jubelt, ihr Berge, brecht in Freudenschreie aus!” (Jes 49:13)

Unauslöschlich habe ich deinen Namen auf meine Handflächen geschrieben. Jes 49:16

Jes 49,18

Von überall strömen die Heimkehrer herbei. So wahr ich lebe: Du wirst dich mit ihnen schmücken wie mit kostbarem Schmuck. Jes 49:18

Der Prophet Jesaja beschreibt hier, wie das Volk Israel nach langer Gefangenschaft  aus Babylon heimkehrt. Die Menschen selbst sollen der Schmuck Jerusalems sein. Einen ähnlichen Blick dürfen wir uns auch angewöhnen. Denn was uns im Leben letztlich schmückt, sind andere Menschen, sind Beziehungen, die wir pflegen, ist die Liebe, die wir gegeben und erfahren haben. Ja, wir Menschen sind es, mit denen Gott sich schmückt. Mit geringerem Schmuck sollten auch wir uns nicht zufrieden geben.

Ich enttäusche keinen, der mir sein Vertrauen schenkt. Jes 49:23

Jes 50,5

Gott, der Herr, hat mich bereitgemacht, auf ihn zu hören. Ich habe mich nicht gesträubt und bin meiner Aufgabe nicht ausgewichen. Jes 50:5

Gott weckt in mir das Ohr, dass ich ihn höre. Uns erreicht Gottes Stimme durch dieses innere Hören. Ich habe hier im Leben eine Aufgabe, einen Dienst, den er für mich bestimmt hat. Er gibt mir in seiner Weisheit Eingebungen über den Weg, den ich gehen soll. Das sind keine Erscheinungen oder sonstige große äußeren Phänomene. Nein, seine Eingebungen flüstert er uns leise zu. Sie erzeugen in uns einen Frieden und Ruhe des Herzens. Der göttliche Geist ist wohl gewaltig, aber von einer sanften, milden, friedlichen Gewalt. Gottes Geist gibt mir in seinen Eingebungen ebenso die richtigen Worte:

Gott, der Herr, gibt mir die richtigen Worte, damit ich erschöpfte Menschen trösten und ihnen neuen Mut zusprechen kann. Jes 50:4

Gott der Herr hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. Jes 50,5

Wer ist verantwortlich für dein Leben, für deine Entscheidungen? Du in deiner Freiheit? Kannst du sagen: Hallo, hier bin ich. Ich entscheide und gestalte mein Leben, wie es mir gefällt!  Klar könntest du das sagen. Das wäre ein Leben im Ich-Design. Die Frage, die wir uns immer neu stellen müssen ist: Wo bin ich von dieser Art selbst gemachter Lebensgestaltung gefährdet bzw. betroffen? Benedikt XVI bringts auf den Punkt: In den entscheidenden Momenten im Leben, im Grunde genommen sogar in jedem Moment, stehen wir am Scheideweg: Wollen wir dem Ich folgen oder Gott? Den individuellen Interessen oder dem wirklich Guten? So beten wir mit Zuversicht: Herr, gib mir die Kraft,  mich deinem Willen in Liebe hinzugeben.

Jes 50,6

Meinen Rücken habe ich hingehalten, als man mich schlug. Ich habe mich nicht gewehrt, als sie mir den Bart ausrissen. Ich hielt ihren Beschimpfungen stand und verdeckte mein Gesicht nicht, als sie mich anspuckten. Jes 50:6

Welches Herz wäre nicht gerührt, wenn es seinen Erlöser betrachtet, der gegeißelt, gefoltert, gefesselt, angenagelt, mit Dornen gekrönt und gekreuzigt ist. Schau auf Jesus. Sieh wie er uns auf seinen Schultern dadurch trug, daß er den Auftrag annahm, uns durch seinen Tod am Kreuz zu erlösen. Die Seele unseres Erlösers kannte uns alle bei Namen. Aber besonders am Tag seines Leidens, als er seine Tränen, seine Gebete, sein Blut und sein Leben für alle darbrachte, trug er dem Vater besonders für dich dieses Liebesgedenken vor: Ewiger Vater, sieh ich nehme alle Sünden auf mich und will alle Qualen und den Tod erdulden. Franz von Sales

Jes 50,10

Erschreckt nicht in dunklen Tagen! Verlasst euch auf den Herrn, auch wenn ihr nirgends einen Hoffnungsschimmer seht, denn er hält euch fest! Jes 50:10

Die dunklen Tage im Leben von Jesus Christus waren seine Passion. Seinen Rücken hat er hingehalten, als man ihn schlug. Er hat sich nicht gewehrt, sondern alles über sich ergehen lassen. Als sie ihn anspuckten, verdeckte er sein Gesicht nicht. Sein Weg führt an das Kreuz. Hoffnungslosigkeit kehrt bei allen ein, die ihn liebten. In der Auferstehung wird das Kreuz zum Symbol des Lebens, dass uns die Gewissheit gibt, dass wir auch in den dunklen, scheinbar hoffnungslosen Stunden unseres Lebens festgehalten werden.

Jes 51,1-2

Erinnert euch an den Felsen, aus dem ihr herausgemeißelt worden seid, und an den Steinbruch, aus dem ihr gebrochen wurdet! Ja, denkt an euren Vater Abraham. Jes 51,1-2

Abrahm ist das Urbild des glaubenden Menschen. Im Glauben sind wir Nachkommen Abrahams.  Jeder von uns ist wie Abraham von Gott gedacht, gewollt und geliebt. Wenn uns also Mutlosigkeit oder Angst überfällt, dann lasst uns zurück denken an den Glauben Abrahams, der gegen alle Hoffnung hoffte. Der Name Abraham kommt im neuen Testament ganze 73 mal vor. Das Leben Abrahams ist nicht einfach irgendeine Begebenheit aus dem alten Testament, sondern das neue Testament kann nur im Hinblick auf sein Leben gelesen werden.  Abraham ist eine der größten Gestalten des Glaubens und sein Glaube drückt sich vor allem in seiner persönlichen Gottesbeziehung aus.

Gewiß ist, daß wir immer in der Nähe und unter der Gegenwart Gottes leben dürfen und daß dieses Leben für uns ein ganz neues Leben ist; daß es für uns nichts Unmögliches mehr gibt, weil es für Gott nichts Unmögliches gibt. Bonhoeffer

Jes 51,7

Er macht ihre Wüste wie Eden. Jes 51:3
Meine Gebote sind in euer Herz geschrieben. Jes 51:7

Die Wüste soll zum Paradies werden. Gott schafft etwas ganz Neues. Immer und immer wieder heißt es darum hier: Höret auf mich (51,1). Beachtet meine Worte! Hört mir zu! (51,4). Eine himmlische Freude wird prophezeit. “Dann sind Trauer und Sorge für immer vorbei, Glück und Frieden halten Einzug, und die Freude hört niemals auf.” (Jes 51:11) Von dieser Freude dürfen wir heute schon etwas mit in den Tag nehmen, gerade, ja gerade dann, wenn ich mitten in einer Lebenswüste bin. Gott ist größer als alles, was uns Angst macht! Jesaja richtet unseren Blick auf den Einen, der alles hält. Der Blick auf ihn macht das Herz ruhig, stärkt es von innen heraus, gibt Mut und Kraft zum Handeln. Weil wir ihn an unserer Seite haben, brauchen wir uns vor nichts und niemand fürchten.

Schützend halte ich meine Hand über euch. Jes 51:16


Ich bin es, der euch tröstet, ich allein. Jes 51:12

Jes 52,7

Jetzt ist Friede, die Rettung ist da! Jerusalem, dein Gott herrscht als König! Jes  52:7

Israel wird die Erlösung angekündigt. Ein Bote kommt über die Berge mit einer guten Nachricht. Dies ist eine Prophezeiung auf Johannes den Täufer, der Jesus die Wege bahnt. Die Erlösung wird kein Verdienst sein, denn Gott gibt alles umsonst. Gott selbst setzt sie in Gang. Sie ist sein Geschenk wie alles von ihm Geschenk ist. Als ich Kraft suchte, stärktest du mich, als ich Halt suchte, hieltest du mich, als ich Vergebung suchte, vergabst du mir die Schuld. Unsere Antwort: Ihm voll und ganz zu nahen, einzig und allein ihn zu lieben.

Jes 52,9

Ihr Trümmer Jerusalems, freut euch und frohlockt miteinander! Denn der Herr hat sein Volk getröstet, hat Jerusalem erlöst! Jes 52:9

Im Menschen Jesus baut Gott unsere Trümmer wieder auf. Oft genug haben wir das Gefühl, auf einem Trümmerhaufen zu sitzen. Unser Leben ist nicht so geworden, wie wir uns das vorgestellt haben. An Weihnachten formt Gott aus den Scherben unseres Lebens den neuen Menschen, der dem ursprünglichen Bild entspricht, das Gott sich von uns gemacht hat. Das ist Grund zum Jubel. Wir brauchen nicht mehr in der Asche unserer verbrannten Hoffnungen zu sitzen. Wir stehen auf und jauchzen. Denn in Jesus tröstet uns Gott und baut unser Lebenshaus wieder auf, schöner und herrlicher, als es je war.  Anselm Grün

Jes 52,12

Der Herr, der Gott Israels, geht euch voran, und er beschützt euch von allen Seiten. Jes 52:12

Jesaja kündigt hier prophetisch das Leiden Jesus Christus an. Es ist so überwältigend, wie konkret hier schon von dem gesprochen wird, was Jesus später tun und erleiden wird.

Viele waren entsetzt, als sie ihn sahen. Denn in der Tat: Er war völlig entstellt und kaum mehr als Mensch zu erkennen. Gott ließ seinen Diener emporwachsen wie einen jungen Trieb aus trockenem Boden. Er war weder stattlich noch schön. Nein, wir fanden ihn unansehnlich, er gefiel uns nicht! Er wurde verachtet, von allen gemieden. Von Krankheit und Schmerzen war er gezeichnet. Man konnte seinen Anblick kaum ertragen. Wir wollten nichts von ihm wissen, ja, wir haben ihn sogar verachtet.Dabei war es unsere Krankheit, die er auf sich nahm; er erlitt die Schmerzen, die wir hätten ertragen müssen. Wir aber dachten, diese Leiden seien Gottes gerechte Strafe für ihn. Wir glaubten, dass Gott ihn schlug und leiden ließ, weil er es verdient hatte. (Jes 52:14; Jes 53,2-4)

Jes 53,4

Fürwahr, er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Jes 53:4

Wir müssen die Last des anderen nicht aus eigenen Kräften tragen, sondern nur in der Herzensanbindung an Christus. Christus ist der große Lastenträger, dem wir in der Nachfolge hierin nachahmen. Das ist oft nicht einfach. Nachfolge Christi ist kein Kinderspielplatz. Wenn ich Menschen begegne bei denen ich spüre, dass mir momentan nichts anderes übrig bleibt, als sie in ihrem Sosein zu ertragen, dann stelle ich mir gedanklich bildlich vor, wie Christus neben mir steht und voller Liebe auf diesen Menschen schaut. Immer dann spüre ich , dass sich mein Herz für den anderen weitet und öffnet.

Jes 53,5-8

Dies ist das letzte Lied über den leidenden Knecht Gottes und seine Erhöhung. Dass ein Mensch sein Leben als Schuldopfer gibt, ist eine im Alten Testament einmalige Aussage.

Doch er wurde blutig geschlagen, weil wir Gott die Treue gebrochen hatten; wegen unserer Sünden wurde er durchbohrt. Er wurde für uns bestraft – und wir? Wir haben nun Frieden mit Gott! Durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir alle irrten umher wie Schafe, die sich verlaufen haben; jeder ging seinen eigenen Weg. Der Herr aber lud alle unsere Schuld auf ihn.  Er wurde misshandelt, aber er duldete es ohne ein Wort. Er war stumm wie ein Lamm, das man zur Schlachtung führt. Und wie ein Schaf, das sich nicht wehrt, wenn es geschoren wird, hat er alles widerspruchslos ertragen. Man hörte von ihm keine Klage. Er wurde verhaftet, zum Tode verurteilt und grausam hingerichtet. Niemand glaubte, dass er noch eine Zukunft haben würde. Man hat sein Leben auf dieser Erde ausgelöscht. Wegen der Sünden meines Volkes wurde er zu Tode gequält! Jes 53:5‭-‬8

Jes 53,9-12

Man begrub ihn bei Gottlosen, im Grab eines reichen Mannes, obwohl er sein Leben lang kein Unrecht getan hatte. Nie kam ein betrügerisches Wort über seine Lippen.  Doch es war der Wille des Herrn : Er musste leiden und blutig geschlagen werden. Wenn er mit seinem Leben für die Schuld der anderen bezahlt hat, wird er Nachkommen haben. Er wird weiterleben und den Plan des Herrn ausführen. Wenn er dieses schwere Leid durchgestanden hat, sieht er wieder das Licht und wird für sein Leiden belohnt. Der Herr sagt: Mein Diener kennt meinen Willen, er ist schuldlos und gerecht. Aber er lässt sich für die Sünden vieler bestrafen, um sie von ihrer Schuld zu befreien. Deshalb gebe ich ihm die Ehre, die sonst nur mächtige Herrscher erhalten. Mit seinen starken Kämpfern wird er sich die Beute teilen. So wird er belohnt, weil er den Tod auf sich nahm und wie ein Verbrecher behandelt wurde. Er hat viele von ihren Sünden erlöst und für die Schuldigen gebetet. Jes 53:9‭-‬12

Jes 53,11

Von der Mühsal seiner Seele wird er Frucht sehen und sich sättigen. Jesaja 53,11

Die Mühsal seiner Seele spricht von den inneren Leiden des Herrn Jesus am Kreuz. Was hat Er im Herzen erduldet, als Er dort das Werk der Erlösung vollbrachte! Wir denken an seine Empfindungen in den drei Stunden der Finsternis. Wie litt Er in seiner heiligen Seele, weil Er mit unseren Sünden beladen war! Wie schmerzte es Ihn, dass sein Gott Ihn verliess! Auch der Gedanke an den Tod, den Er als Lohn der Sünde erdulden würde, erschütterte Ihn. Obwohl Er keine Sünde getan hatte, musste Er sterben. Wie bitter war das für Ihn!

Sein Leiden und Sterben war nicht vergeblich. Es hat herrliche Ergebnisse erzielt. Alle, die an Ihn glauben und durch sein Blut erlöst worden sind, gehören zur Frucht, die aus seinem Tod hervorgeht.

Jes 54,8

Ich höre nie auf, dich zu lieben. Jes 54:8

Im neuen wie im alten Testament gibt es das Bild des Herrn als Bräutigam und die Gemeinde (NT) bzw. die Israeliten (AT) als Braut. Dies soll die tiefe Liebe Gottes zu uns verdeutlichen. Die Worte des Kapitels 54 beschreiben ein himmlisches Jerusalem, mit dem Gott sein Schöpfungswerk vollendet, wo Braut und Bräutigam vereint sind. Frieden herrscht hier und unser Fundament ist die Gerechtigkeit, die Gerechtigkeit in Jesus Christus.

Meine Liebe zu dir wird nie erschüttert, und mein Friedensbund mit dir wird niemals wanken. Jes 54:10

Jes 55,1

Kommt her, hier gibt es Wasser! Auch wer kein Geld hat, kann kommen. Nehmt euch Brot und esst! Hierher! Hier gibt es Wein und Milch. Bedient euch, es kostet nichts! Jes 55:1

Gottes Liebe ist nichts Abstraktes. Sie ist konkret und lebensnah. Gott macht uns kein abstraktes Angebot, sondern mit ganzem Herzen kämpft er darum, dass wir uns zu ihm hinkehren. Seine Gaben, die er uns geben will, kosten nichts. Seine Gaben lassen sich auch nicht durch fromme Taten verdienen. Nein, vielmehr sind wir in einer frommen Tat Echo auf diese Liebe Gottes, wenn wir lieben, singen wir Gottes Lied weiter.

Hört doch auf mich und tut, was ich sage, dann habt ihr es gut!  […] Nehmt meine Worte an, dann werdet ihr leben! Jes 55:2-3

Jes 55,7

Unser Gott ist gern zum Vergeben bereit. Jes 55:7

Kehrt um und glaubt an das Evangelium. Sucht Gott und betet (vgl. Jes 55:6). Kehrt um und kommt zum Herrn (vgl. Jes 55:7). Vor allem habt Vertrauen, denn seine Gedanken sind nicht deine Gedanken. Seine Gedanken sind höher als deine Gedanken. Seine Wege sind nicht deine Wege. Seine Wege sind höher als deine Wege. (vgl. Jes 55:8-9). Eins ist aber immer sicher: Sein Wort bleibt nicht ohne Wirkung, sondern erreicht, was er will, und führt das aus, was er ihm aufgetragen hat.

Mit eurer Erlösung setze ich für immer ein Zeichen, das nicht mehr aus der Welt zu schaffen ist. Jes 55:13

Die kommende Heilszeit (Kap 56-66)

Geschichtlicher Einwurf

Die Prophetenworte im letzten Teil des Buches Jesaja richten sich nicht mehr an die Verbannten in Babylonien, sondern führen in die Zeit nach der Rückkehr aus dem Exil. Nach der Eroberung Babylons hatte der Perserkönig Kyrus im Jahr 538 v. Chr. ein Edikt erlassen, das den Leuten aus Juda erlaubte, in ihr Land zurückzukehren und Jerusalem und den Tempel wieder aufzubauen. Wegen vieler Schwierigkeiten gerieten die Arbeiten aber bald ins Stocken und wurden erst nach dem Auftreten der Propheten Haggai und Sacharja um 520 v. Chr. weitergeführt. Sucht man nach einem geschichtlichen Bezug für die Botschaft der letzten elf Kapitel des Jesajabuches, so lässt er sich am wahrscheinlichsten in der schwierigen Situation nach der Rückkehr entdecken, die vor allem durch die unterschiedlichen Gruppierungen verursacht wurde: Heimkehrern aus Babylonien und im Land verbliebenen Judäer. Unter diesen gab es viele, die am Gottesdienst der benachbarten Völker teilnahmen und den Glaubenseifer der Heimkehrer nicht verstehen konnten. Hinzu kamen Fremde, die sich während des Exils in Judäa eingerichtet hatten, andere Fremde, die aus Babylonien mitgekommen waren und endlich solche, die zum Wiederaufbau von Tempel und Stadt gebraucht wurden.

Jes 56,2

Glücklich ist, wer an Gottes Geboten festhält und danach handelt. Jes 56:2

Mit diesen Worten wird die Befolgung der Gebote zur einzigen Voraussetzung für die Zugehörigkeit zum Volk Gottes. Geschichtlich ist dies aus der vielfältigen Mischbevölkerung nach der Rückkehr aus dem Exil abzuleiten. Heilsgeschichtlich wirbt Gott hier leidenschaftlich um alle Menschen. Auch wenn er ursprünglich Israel von den übrigen Völkern als sein Volk ausgesondert hatte, gilt sein Liebeswerben allen Menschen. Im alten Testament angedeutet, offenbart er dies in Christus offen und klar. Jesus starb für alle Menschen am Kreuz.

Mein Haus soll für alle Völker ein Ort des Gebets sein. Jesaja 56:7

Jes 57,15

Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind. Jes 57,15

Wir reden am liebsten über die Fehler der anderen. Das wertet uns auf und lenkt von unseren eigenen Fehlern ab. Die Demut dagegen legt erst gar nicht die Vergrößerungslupe auf die Fehler des anderen, sondern betrachtet vielmehr die eigenen. Die Demut ist die Tugend, die es wagt, sich in der eigenen Menschlichkeit und Begrenztheit anzunehmen. Wer das tut, der wird friedfertiger gegenüber allen Menschen. Er hat ja die gleichen Fehler wie sie. So wünscht er sich und den anderen, dass sie in Frieden kommen mit sich selbst. In ein demütiges Herz zieht Gott ein.

Abbas Isaias sagte von der Demut: Sie hat keine Zunge, um von jemandem zu sagen, er sei nachlässig, oder von einem anderen, er sei verachtenswert. Sie hat keine Augen, um die Fehler des anderen zu sehen, noch Ohren, um für die Seele schädliche Dinge zu hören. Sie kümmert sich um nichts anderes als um ihre Sünden. Sie ist friedfertig gegenüber allen Menschen.

Jes 57,19

Ich will mein Volk heilen. Jes 57:19

Gott will unser Heil. Das Heil ist allein in Gott zu finden, denn von ihm kommen wir und zu ihm gehen wir. Folgender Vers ist kein Vorwurf oder Tadel, sondern leidenschaftliches Ringen Gottes um mich: “Warum habt ihr keinen Gedanken mehr für mich übrig, warum vergesst ihr mich?” (57,11). Ja Gott möchte dein Heil und er ist ein fürsorgender Vater. Ob in der Traurigkeit oder in der Freude, ob in der Bedrückung oder in der Hoffnung, ob in der Krankheit oder in der Gesundheit: immer wohnt er bei uns!

Der einzige Ort, an dem Gott uns segnen kann, ist dort, wo wir sind, denn nur hier befinden wir uns wirklich! Foster

Jes 58, 6-11

Die folgende Textstelle hat mich schon immer berührt und fasziniert. Ich möchte sie unkommentiert stehen lassen.

Ein Fasten, das mir gefällt, sieht anders aus: Löst die Fesseln der Menschen […] teilt euer Brot mit den Hungrigen, nehmt Obdachlose bei euch auf und wenn ihr einem begegnet, der in Lumpen herumläuft, gebt ihm Kleider! Helft, wo ihr könnt, und verschließt eure Augen nicht vor den Nöten eurer Mitmenschen! Dann wird mein Licht eure Dunkelheit vertreiben wie die Morgensonne, und in kurzer Zeit sind eure Wunden geheilt. Eure barmherzigen Taten gehen vor euch her, und meine Herrlichkeit beschließt euren Zug. Wenn ihr dann zu mir ruft, werde ich euch antworten. Wenn ihr um Hilfe schreit, werde ich sagen: Ja, hier bin ich. Die Nacht um euch her wird zum hellen Tag. Immer werde ich, der Herr, euch führen. Auch in der Wüste werde ich euch versorgen, ich gebe euch Gesundheit und Kraft. Ihr gleicht einem gut bewässerten Garten und einer Quelle, die nie versiegt. Jes 58:6-11

Jes 58,13

Achtet den Sabbat als einen Tag, der mir geweiht ist und an dem ihr keine Geschäfte abschließt! Er soll ein Feiertag für euch sein, auf den ihr euch freut. Entweiht ihn nicht durch eure Arbeit, durch Geschäfte oder leeres Geschwätz! Achtet ihn vielmehr als einen Tag, der mir, dem Herrn , gehört. Jes 58:13

Der Sonntag ist das wöchentliches Ostern. Am Sonntag geht es zutiefst um die Begegnung mit dem auferstandenen Christus in Wort und Sakrament. Die frühen Christen haben den ersten Tag der Woche als Herrentag begangen, weil er der Tag der Auferstehung war. Aber sehr bald ist der Kirche auch bewußt geworden, daß der erste Tag der Woche der Tag des Schöpfungsmorgens ist, der Tag, an dem Gott sprach: „Es werde Licht“ (Gen 1, 3). Deshalb ist der Sonntag auch das Fest der Dankbarkeit für Gottes Schöpfung und der Freude über sie. Für die frühe Kirche ist dann auch immer mehr in den ersten Tag das Erbe des siebten Tages, des Sabbats, eingegangen. Wir nehmen teil an der Ruhe Gottes, die alle Menschen umfaßt.

Wenn ihr das tut, werde ich die Quelle eurer Freude sein. Jes 58:14

Jes 59,2

Eure Schuld, sie steht wie eine Mauer zwischen euch und eurem Gott! Eure Sünden verdecken ihn, darum hört er euch nicht. Jes 59:2

Christus annehmen als Erlöser ist daran gebunden, dass ich meine Erlösungsbedürftigkeit erkenne. Warum bin ich auf die Erlösung angewiesen: weil ich als Mensch immer wieder schuldig werde. Diese Schuld trennt mich von der Heiligkeit des Vaters. Dadurch, dass Jesus diese Schuld auf sich lädt, überbrückt er diese Trennung. Bekennen wir immer wieder unsere Schuld, nicht nur formal und gestisch, sondern mit der Aufrichtigkeit des Herzens. Das ist es, was wirklich zählt: die Umkehr zu Gott mit wahrhaft reumütigem Herzen, um sein Erbarmen zu finden, dass er uns schenkt in Christus.

Jes 59,12

Wir haben dir, o Gott, den Rücken gekehrt. Unsere Schuld ist groß und unsere Sünden klagen uns an. Jes 59:12

Es geht weiter um das zentrale Thema der Umkehr. Es geht um Sünde. Sünde ist Abwendung von Gott. Ohne Sünde müssen wir nicht umkehren, ohne ihre Erkenntnis werden wir nicht umkehren. Erst die Ehrlichkeit vor Gott macht einen erlösenden Neustart möglich. Die Israeliten hatten sich von Gott entfernt und das bekennen sie. Auf dem Weg zu Gott werden wir die dunklen Stellen unseres Lebens erkennen müssen. Er selbst stößt uns in seiner väterlichen Güte darauf hin. Wir brauchen aber nicht mehr daran zu verzweifeln, sondern können sie ihm sogleich bringen. Im Vertrauen darauf, dass sein Wort wahr ist, können wir seine Vergebung und den Frieden empfangen.

Mein Heiliger Geist, der auf euch ruht, wird bei euch bleiben, und die Worte, die ihr von mir empfangen habt, werden von Mund zu Mund gehen. Jes 59:21

Jes 60,1

Das Licht ist gekommen, das deine Finsternis erhellt. Die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir wie die Sonne. Jes 60:1

Christus ist Licht und das Licht kann nicht verdunkeln, sondern nur erleuchten, aufhellen, enthüllen. Als Nachfolger Christi geben wir von diesem Licht, das in die Dunkelheit der Welt eingetreten ist, Zeugnis. Dieses Licht leuchtet auch in unserer Zeit und zeigt uns den Weg zum wahren Leben. Da ist kein Schatten, und sei er noch so düster, der das Licht Christi verfinstern könnte. Deshalb verlieren jene, die an Christus glauben, nie die Hoffnung, denn: “Über dir leuchtet das Licht des Herrn auf und seine Herrlichkeit erscheint über dir.” (Jes 60:2)

Ich der Herr, werde dein ewiges Licht sein, dein Gott, die Sonne, die dir scheint. Es wird nie wieder dunkel um dich werden. Denn anders als Sonne und Mond werde ich nie aufhören, dein Licht zu sein. Dann ist deine Trauerzeit vorbei. Jes 60:19-20

Jes 61,10

Er hat mich mit Gerechtigkeit bekleidet wie mit einem schützenden Mantel. Jes 61:10

Er hat mich gesandt, den Armen die frohe Botschaft zu bringen und die Verzweifelten zu trösten. Ich rufe Freiheit aus für die Gefangenen, ihre Fesseln werden nun gelöst und die Kerkertüren geöffnet. Jes 61:1

Ich rufe ihnen zu: Jetzt erlässt der Herr eure Schuld! Jes 61:2

Vorbei ist die Leidenszeit. Jesaja 61:3

Gott, der Herr wird uns retten und das Gute bei uns wachsen lassen. Jes 61:11

Jes 62,1

Mein Herz schlägt für Jerusalem, darum kann ich nicht schweigen. Jes 62:1

Dies ist ein Hymnus über Jerusalem. Mit starken Bildern zeigt Gott seine Liebe zu Jerusalem: die Stadt und seine Bewohner als Diadem in Gottes Hand (V. 3), als Braut, über die sich der Bräutigam freut (V. 5), als Freie, die nicht mehr den Lohn ihrer Arbeit den Besatzungsmächten abliefern muss (V. 8f), als Straßenbau- und Infrastruktur-Zentrum, als heilige Mitte der Gottesnähe. Erfüllung der göttlichen Verheißungen nur in Andeutungen zu sehen- Prophet spricht Mut zu – Hoffnung. Der Prophet sucht nach Worten und Namen, um zu sagen, dass Gott Jerusalem und dass diese Liebe zu seinem Volk die eigentliche Gabe Gottes das Unterpfand des kommenden Glückes ist.

Du heißt dann meine Liebste. Jes 62:4

Wie ein Bräutigam sich an seiner Braut freut, so wird dein Gott sich über dich freuen. Jes 62:5

Jes 63,1

Wer ist der, der von Edom kommt und einherschreitet in seiner großen Kraft? Jes 63,1

Kapitel 63 bis 64 Christus kehrt von dem Gericht aus Kapitel 34 zurück, mit Kleidern, die von dem Schlachten seiner Feinde beschmutzt sind (Jes 63,1-3). Danach folgen die Fürbitten des Geistes der Weissagung. Der Prophet hat hier das Bild der Rache vor Augen. Er bezeugt Gottes strafendes Gericht, das beispielhaft für die Völker der Welt an Edom vollzogen wird. Das Grenzvolk im Süden war mit Israel verwandt, aber seit vielen Generationen auch ein „Erbfeind“. Die erlittenen Gräuel sind unvergessen. Jeder, der selbst schlimmes Unrecht erfahren hat, kann wohl den Wunsch nach Vergeltung nachvollziehen. Auch die Sehnsucht nach einem Gott, der Unrecht sühnt und Schuldige straft. Wie gut, wenn dann daran erinnert wird, dass Gott selbst sich das letzte Urteil vorbehält.

Warum sind deine Kleider so rot? Hast du Trauben in der Kelter zerstampft? Jesaja 63:2

Jes 63,6

Ja, ich ließ meinem Zorn freien Lauf und brachte die Völker zum Taumeln. Wütend zertrampelte ich sie und tränkte die Erde mit ihrem Blut. Jesaja 63:6

Was muss man tun, um die Schwäche der Seele zu überwinden? Es gibt zwei Möglichkeiten: das Gebet und die Loslösung von sich selbst. Jesus empfiehlt uns, wachsam zu sein. Wir müssen wachsam sein, wenn wir ein reines Herz haben wollen, aber wachsam in Frieden, damit unser Herz berührt werden kann. Denn es kann von guten wie von schlechten Dingen berührt werden, von innen oder von außen. Wenn

Die Liebe muß sich in konkrete Gesten gegenüber den Nächsten umsetzen, besonders gegenüber den Armen und Notleidenden. Die Konkretheit der Liebe ist eines der wesentlichen Elemente für das Leben der Christen, die von Jesus ermutigt werden, das Licht der Welt zu sein. Der Liebesdienst ist nicht eine Art Wohlfahrtsaktivität, sondern daß er zu ihrem Wesen gehört, unverzichtbarer Wesensausdruck ihrer selbst ist

• Lobpreis: Immer wieder erzähle ich von seinen ruhmvollen Taten wie er mit Liebe und Güte das Volk Israel umsorgte. (Jes 63:7). Kein Auge hat gesehen einen Gott außer dir, der so wohltut denen, die auf ihn harren. (Jes 64,3)

• Bittgebet: Bitte, wende dich uns wieder zu! (Jes 63:17) Komm zu uns herab! (Jes 63:19)

• Schuldbekenntnis: Wir haben gesündigt und uns völlig in unsere Irrwege verrannt. (Jes 64:4)

• Klage: Ist deine Liebe erloschen? Du bist doch unser Vater! (Jes 63:15-16). Wie lange schaust du noch schweigend zu? (Jes 64:11)

Und in alldem steht der Glaube an einen Gott-mit-uns: Wenn sie in Bedrängnis waren, litt auch er. Immer wieder ist er durch seinen Engel zu ihnen gekommen und hat sie gerettet. (Jes 63:9)

Jes 65,12

Ich redete und ihr habt nicht gehört. Jes 65,12

Auch wenn unser Gott uns zuweilen zurechtweist, so will er nur unser Bestes. Seine Worte zielen auf Einsicht und Umkehr. Manche müssen erst aus Schaden klug werden, aber unser himmlischer Vater will das seinen Kindern eigentlich ersparen. Darum redet er zu uns, dass wir auf ihn hören sollen. Manchmal durchaus streng, aber immer zu unserem Vorteil. Also: Alle Störgeräusche runterfahren und hinhören auf das, was er uns zu sagen hat! In Jesus hat er uns vor allem gesagt, dass das Heil zu allen Menschen kommt:

Zu Menschen, die nicht aus meinem Volk waren, habe ich gesagt: Seht her, hier bin ich! Jes 65:1

Jes 65,17

Ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen. Jes 65:17

Trotz guter Absichten irren wir immer wieder vom Weg ab. Wie wundervoll und tröstlich ist da diese Verheißung: eine vollkommen erneuerte Welt. Der verherrlichte Jesus spricht am Ende des Buches der Offenbarung: siehe ich mache alles neu. In Jesus Christus sind wir jetzt schon mit hineingenommen in diese neue Schöpfung. Aber sie ist noch nicht vollendet. Wir dürfen darauf warten und dabei alles von Gott erwarten: Freut euch und jubelt ohne Ende über das, was ich tue. Alles Weinen und Klagen wird dann verstummen. Jes 65:18-19

Ehe sie zu mir um Hilfe rufen, stehe ich ihnen bei, noch während sie beten, habe ich sie schon erhört. Jes 65:24

Wolf und Lamm werden friedlich zusammen weiden. Jes 65:25

Jes 66,2

Ich habe das alles doch geschaffen, Himmel und Erde kommen aus meiner Hand! Dennoch achte ich auf die Menschen, die in Not sind. Ja, ich kümmere mich um die Verzweifelten und um alle, die voll Ehrfurcht auf meine Worte hören. Jes 66:2

Bewegt von der großen Not des Menschen, gab Gott ihm das Gesetz und die Propheten. Schließlich gab er sich selbst für das Leben der Welt dahin. Er hat uns großzügig beschenkt mit Aposteln, Evangelisten, Lehrern, Hirten, Heilungen und Wundern. Er hat uns wieder lebendig gemacht, den Tod vernichtet. Gott überschüttet uns mit geistlichen Gütern, wenn wir sie nur annehmen wollen. Zögere also nicht, denen zu Hilfe zu kommen, die Hilfe brauchen. Vor allem gib dem, der dich bittet. Ebenso wie Gott ist auch dir der Arme anvertraut. Gregor von Nazianz

Jes 66,10

Freut euch mit Jerusalem und frohlockt über sie, ihr alle, die ihr sie liebt; frohlockt, teilt nun auch ihre Freude mit ihr, ihr alle, die ihr euch um sie betrübt habt, Jes 66:10

Gott will, dass wir zufrieden sind. Es bedarf keiner großen psychologischen Kenntnisse um zu verstehen, dass jemand, der nicht zufrieden ist, mit der Zeit an Leib und Seele erkrankt. Allerdings muss unsere Freude gut fundiert sein, sie muss der Ausdruck eines ernsthaft ausgefüllten Lebens sein. Ansonsten artet unsere Freude in Oberflächlichkeit und Albernheiten aus. Die heilige Therese unterschied mit Recht zwischen einer heiligen Freude und einer verrückten Freude. Letztere ist nur äußerlich, kurzdauernd und hinterlässt einen bitteren Geschmack.Rev. D. Joan Ant. MATEO i García

Jes 66,12

Ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom. Jes 66,12

Gott schenkt diesen Frieden. Ja, Gott will auch uns diesen Frieden schenken. Seine Gnade führt deine Seele dorthin im Gebet. Das Bittgebet gründet auf der Gewissheit, dass wir aus uns selbst nichts tun können, dass Gott jedoch alles kann. Das Gebet ist notwendig, um Licht und Kraft zu erlangen. Der Herr will, dass wir uns danach sehnen, ihn zu lieben, damit er uns trösten kann wie eine Mutter ihr Kind (vgl. Jes 66:13).

Wenn ihr das alles seht, werdet ihr wieder von Herzen fröhlich sein, und neue Lebenskraft wird in euch aufkeimen wie frisches Gras. Jes 66:14

Jes 66,13

Ich will euch trösten wie eine Mutter ihr Kind. Jes 66:13

Wie ein Kind sich nach (s)einer liebenden Mutter sehnt, so sehnen wir uns wissentlich oder unwissentlich nach dem letzten Urgrund Gott, denn des Menschen Heimat ist Gott (Hildegard v.B.), all unsere Quellen sind in Gott (Ps. 87,7) und Gott ist in uns. “Der Himmel ist in dir! Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.” (Silesius) Darum ist die lebenslange Gottessuche so unerlässlich, wenngleich wir Gott nicht aus eigener Kraft finden können, sondern er sich vielmehr finden lässt (Jes. 55,6). Die Gottessuche lässt durch die Gnade Gottes vielerlei Früchte in uns entstehen: sie führt zur Gottesehrfurcht, die uns erleuchtet, vertieft unser Vertrauen in ihn, lässt uns die Offenbarung Gottes und seine Anwesenheit in unserem Leben erkennen und führt zur einer immer tieferen Hingabe an ihn.

Jes 66,18

Ich komme, um Menschen aller Völker und Sprachen zu versammeln. Von überall strömen sie herbei und sehen meine Größe und Macht. Jes 66:18

Bei den Israeliten gab es keinen Missionsauftrag, war Israel doch das auserwählte Volk. Man konnte sich zwar dem Gott Israel anschließen, aber eine Verkündigung gab es nicht. Diese Bibelstelle am Ende des Buches ist eine Prophetie, die den Missionsbefehl Jesu Christi im Voraus ankündigte, der sich dann entfaltet in der Apostelgeschichte und der bis in die heutige Zeit hinein reicht.

Jes 66,19

Ich will einige von ihnen, die errettet sind, zu den Völkern senden, wo man nichts von mir gehört hat; und sie sollen meine Herrlichkeit unter den Völkern verkündigen. Jesaja 66,19

Abschließende Worte: Jesaja ist und bleibt für mich ein steter Lebensbegleiter. Sein ganzes Buch atmet schon den Geist des Evangeliums. Kein anderer Prophet enthüllt so viel von Gottes Heilsgedanken wie Jesaja. Kein anderes Prophetenbuch wird so oft im NT angeführt wie der Prophet Jesaja; überall im NT wird bezeugt, daß Jesus Christus die Erfüllung aller Prophetien des Jesaja über den kommenden Messias ist.