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Koh Kap 03

Impulse, Auslegungen, Kommentare und Bibelzitate zum Buch Kohelet Kap. 3


Alles hat seine Stunde

Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit. Pred 3,1

Menschliches Leben vollzieht sich in tiefen Gegensätzen mit seinen Höhen und Tiefen. Das “Alles hat seine Stunde” will uns dahin führen, sich diesen Gegensätzen zu stellen, Schmerz und Verlust an sich heranzulassen, um so auch die Höhepunkte des Lebens als Höhepunkte zu erfahren. Hier und jetzt leben, das Leben in seinem Auf und Ab gehorsam und demütig annehmen, die Gegenwart in all ihren Facetten erleben, darum geht es hier.


Geborenwerden und Sterben

Geborenwerden hat seine Zeit, und Sterben hat seine Zeit. Pflanzen hat seine Zeit, und das Gepflanzte ausreißen hat seine Zeit. Pred 3:2

Wir möchten, dass es auf unserem Weg keine Schwierigkeiten gibt. Wir wünschen uns Freude ohne Rückschlag, immer Gutes ohne Böses, Gesundheit ohne Krankheit, Ruhe ohne Mühen, Frieden ohne Aufregung. Das ist Unsinn! Wir verlangen Unmögliches, denn dies alles gibt es nur im Paradies. In diesem vergänglichen Leben gibt es nichts Gutes ohne das Böses, kein Ruhen ohne Plage, keine Freude ohne Leid, keine Gesundheit ohne Krankheiten. Kurzum, alles ist miteinander vermischt, es ist ein ständiges Auf und Ab, ein Hin und Her. Alles Zeitliche ist ständig im Fluß, den Veränderungen unterworfen. Nicht nur auf die hohen Berge, sondern auch durch die niedrigen Täler gehen wir, stehts mit dem Kreuz in der Hand. Was liegt uns daran, ob Gott aus Dornen oder aus Blumen zu uns spricht? (i. A. an Franz von Sales)


Umarmen und loslassen

Zeit, sich zu umarmen und Zeit, sich loszulassen. Pred 3:5

Jeder Tag trägt Situationen des Loslassens in sich, Gefühle, Beziehungen, Verletzungen, sich selbst, den Tag selbst. Die Herausforderung des Loslassens gehört zum Leben dazu, ob es nun kleine oder große Loslass-Herausforderungen sind. Spätestens am Ende unseres irdischen Lebens lassen wir dann alles los. Und es gibt Zeit, sich zu umarmen. Phil Bosmans sagte einmal, dass der Mensch erschaffen wurde mit zwei Armen, die gerade so lag sind, einen anderen zu umarmen.

Laßt los von allem, da findest du wahren Frieden. Meister Eckhart


12. Weinen und lachen, klagen und tanzen

Weinen hat seine Zeit, und Lachen hat seine Zeit. Klagen hat seine Zeit, und Tanzen hat seine Zeit; Pred 3:4

Heute bin ich fröhlich, weil alles klappt. Gleich darauf bin ich traurig, weil mir etwas Unangenehmes widerfährt. Wir ärgern uns sofort, wenn´s nicht so läuft, wie wir es uns wünschen. Heute freut mich das Beten und erfüllt mein Herz, morgen fällt es mir schwer und der ganze Herzensschwung ist weg. Heute sehe ich eine Person etwas tun, was mir an ihr gefällt, ein andermal aber mißfällt es mir derart, daß ich sie kaum mehr anschauen kann. Heute ist mir ein Mensch sehr lieb, ich unterhalte mich gern mit ihm, morgen geht er mir auf die Nerven. Diese unbeständigen Stimmungen dürfen nicht zu machtvoll werden in unserem Tun. Sie sind da und werden immer wieder kommen und wir lassen sie wieder los. Dennoch in allen Stimmungen halten wir Kraft unserer Vernunft daran fest, in der Freude zu leben, am Gebet festzuhalten und allen Menschen in Liebe zu begegnen.


Schweigen und reden

Schweigen hat seine Zeit, und Reden hat seine Zeit. Pred 3:7

Schweigen, um hörfähig zu werden für Gott und den Nächsten. Reden, um Beziehung aufzubauen und sich mit zu teilen. Es braucht beides.

Aber Schweigen und Kontemplation haben ein Ziel: Sie dienen dazu, in der Zerstreuung des täglichen Lebens eine ständige Einheit mit Gott zu bewahren. Das ist das Ziel: daß in unserem Herzen immer die Einheit mit Gott gegenwärtig ist und unser ganzes Sein verwandelt.

Nur wer wesentlich schweigen kann, kann wesentlich reden. Kierkegaard


Sehnsucht nach Gott

Das alles hat er schön gemacht zu seiner Zeit. In das Herz des Menschen hat er den Wunsch gelegt, nach dem zu fragen, was ewig ist. Pred 3:11

Gott hat den Menschen die Aufgabe gegeben, über seine Gegenwart hinauszufragen. Das bedeutet, dass wir mit irdischen Vergnügen niemals vollkommen zufrieden sein können. Weil wir nach seinem Bild erschaffen wurden, haben wir einen geistlichen Durst. Gott hat uns eine rastlose Sehnsucht geschenkt und das ist schön. Sie drängt uns, ihn immer mehr und mehr zu suchen und wir werden dabei an kein Ende kommen. Wir sind nicht in der Lage, das Handeln Gottes in seiner Ganzheit zu erfassen. Gott bleibt der Verborgene, der ganz andere, dessen Wirken dem begrenzten Menschen letztlich immer auch unverständlich bleibt.

Der Mensch kann Gottes Werke nie voll und ganz begreifen. Pred 3:11


Gegenwärtig leben

So kam ich zu dem Schluss, dass es für den Menschen nichts Besseres gibt, als fröhlich zu sein und das Leben zu genießen. Pred 3:12

Immer wieder kommt dieser Aufruf im Buch vor. Die Welt hält Glückserfahrungen für den Menschen bereit, die er genießen darf. Sie sind Geschenk Gottes, nicht verfügbar und nicht machbar. Es ist ein Aufruf dazu, gegenwärtig zu leben. Die Gegenwart gilt es ganz ernst zu nehmen. Es gilt, die jetzt geschenkten Möglichkeiten von Glück und Freude wahrzunehmen. Wenn Gott uns die richtige Sicht schenkt, entdecken wir, dass echte Freude darin besteht, alles, was wir haben, als Geschenke Gottes zu genießen.

Wenn er zu essen und zu trinken hat und sich über die Früchte seiner Arbeit freuen kann, ist das Gottes Geschenk. Pred 3:13


Ehrfurcht vor Gott

Ich begriff, dass Gottes Werk für immer bestehen wird. […] So hat Gott es eingerichtet, damit die Menschen Ehrfurcht vor ihm haben. Pred 3:14

Als Kinder haben wir keine Angst vor dem Vater, wohl aber Ehrfurcht vor Gott, die Sorge, jene Liebe zu zerstören, auf die unser Leben gegründet ist. Gott ist gegenwärtig. Lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten. Der Mensch ist geschaffen um Gott unseren Herrn zu loben, ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen.

Ehrfurcht ist der Angelpunkt der Welt,  Ehrfurcht  gegenüber der Natur, dem Mitmenschen und Gott. Goethe


Vergänglichkeit des Menschen

Sie alle gehen an denselben Ort: aus dem Staub der Erde sind sie entstanden, und zum Staub der Erde kehren sie zurück. Pred 3:20

Bitten wir Gott, uns die Augen zu öffnen für die Vergänglichkeit alles Irdischen, auch dafür, daß ich selber wie alle Dinge nur ein vorübergehendes Dasein habe. Unsere Vergänglichkeit ruft uns auf, über den Augenblick hinauszuschauen auf ihn hin. Unsere Vergänglichkeit ist zugleich überwunden durch den Tod Christi, der sie in Auferstehung umgewandelt hat. Unsere Vergänglichkeit dürfen wir immer zugleich als Einladung und als Wegweisung zur Auferstehung mit Christus hin sehen.