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Koh Kap 12

Impulse, Auslegungen, Kommentare und Bibelzitate zum Buch Kohelet Kap. 12


Ehrfurcht vor Gott

Denk schon als junger Mensch an deinen Schöpfer, bevor die beschwerlichen Tage. Begegne Gott mit Ehrfurcht. Pred 12:1;13

Religiöse Praxis muss so sein, dass etwas von dem tiefen Respekt deutlich wird, mit dem der begrenzte Mensch dem unbegreiflichen Gott entgegentritt, dem Gott, der letztlich der geheimnisvolle, ganz andere bleibt. Bei der Gottesfurcht geht es um eine religiöse Grundhaltung, die Gott als den Schöpfer aller Dinge anerkennt und ganz ernst nimmt. Die Gottesfurcht wird ihm zum Kompass, der hilft, sich bei schwierigen ethischen Entscheidungen zurechtzufinden. Zu ihm werden wir zur bestimmten Zeit heimkehren.

Dann trägt man dich in deine ewige Wohnung. [….] Dann kehrt der Leib zur Erde zurück. Pred 12:5;7


Das Gericht

Denn Gott wird Gericht halten über alles, was wir tun, sei es gut oder böse, auch wenn es jetzt noch verborgen ist. Pred 12:14

Das Begegnen mit Christus ist der entscheidende Akt des Gerichts. Vor seinem Anblick schmilzt alle Unwahrheit. Die Begegnung mit ihm ist es, die uns umbrennt und freibrennt zum Eigentlichen unserer selbst. Unsere Lebensbauten können sich dabei als leeres Stroh, als bloße Großtuerei erweisen und zusammenfallen. Aber in dem Schmerz dieser Begegnung, in der uns das Unreine und Kranke unseres Daseins offenbar wird, ist Rettung. Sein Blick, die Berührung seines Herzens heilt uns in einer gewiß schmerzlichen Verwandlung. So wird auch das Ineinander von Gerechtigkeit und Gnade sichtbar: Unser Leben ist nicht gleichgültig, aber unser Schmutz befleckt uns nicht auf ewig, wenn wir wenigstens auf Christus, auf die Wahrheit und auf die Liebe hin ausgestreckt geblieben sind. Im Augenblick des Gerichts erfahren und empfangen wir dieses Übergewicht seiner Liebe über alles Böse in der Welt und in uns. Das Gericht Gottes ist Hoffnung, sowohl weil es Gerechtigkeit wiewohl weil es Gnade ist. Wäre es bloß Gnade, die alles Irdische vergleichgültigt, würde uns Gott die Frage nach der Gerechtigkeit schuldig bleiben. Wäre es bloße Gerechtigkeit, würde es für uns alle am Ende nur Furcht sein können. Die Menschwerdung Gottes in Christus hat beides so ineinandergefügt, daß Gerechtigkeit hergestellt wird


Abschließender Gedanke

Kann man von irgendetwas sagen: Siehe, das ist neu? Pred 1:10

Abschließen möchte ich mit folgendem christologischen Gedanken: im ersten Kapitel stellt Kohelet diese rhetorische Frage: Gibt es etwas Neues? Zur Zeit Kohelets ist die Antwort: nein! In unserer Zeit lautet die Antwort: Ja! Die Frage, ob es auf der Welt etwas Neues geben könnte, können wir seit der Auferstehung mit Ja beantworten. Am Ostermorgen ist alles neu geworden. Eine Neuheit, die das Leben dessen, der sie annimmt, verändert. In der Auferstehung sagt Gott neu: Es werde Licht! Der Auferstandene selbst ist Licht, das Licht der Welt. Er ist das reine Licht: Gott selbst, der eine neue Schöpfung mitten in der alten werden läßt, Chaos zu Kosmos gestaltet.