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Koh Kap 01

Impulse, Auslegungen, Kommentare und Bibelzitate zum Buch Kohelet Kap. 1


Die Vergänglichkeit der Welt

Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch. Pred 1,2

Vom Verständnis dieses ersten Satzes hängt die gesamte weitere Auslegung ab. Und wie unterschiedlich er verstanden wurde und wird, zeigt bereits ein Blick in die gängigen deutschen Übersetzungen: Alles ist Windhauch (EÜ). Im Gegensatz dazu: Völlig sinnlos ist alles, es hat alles keinen Sinn (Gute Nachricht). Ich finde hier die Einheitsübersetzung treffender. Auch wenn alles Windhauch ist, also vergänglich, hat es doch seinen Wert. Keineswegs ist alles völlig sinnlos. Die Welt ist vergänglich. Das soll jedoch nicht zur Verzweiflung führen, sondern dazu, sich am Nicht-Vergänglichen zu orientieren, an Gott. Auf Erden ist alles vergänglich, aber dort im Himmel ist alles ewig. Die Welt ist nur ein vorläufiges, bedingtes Gut, keineswegs letzte und einzige Wirklichkeit. Der angemessene Umgang mit ihr ist die relative Geringschätzung der Welt, genauer gesagt die Höherschätzung Gottes


Alles ist Windhauch

Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch. Pred 1,2

Windhauch kommt 37 im Buch Kohelet vor. Der Begriff steht als Bild. Windhauch, der verweht, vorüber ist, hinterher wie eine Täuschung, ja wie Nichts erscheint. Mit dem Bild versucht Kohelet das Vertrauen der Menschen in ihre eigene Leistung und Möglichkeiten zu zerstören, um sie dorthin zu lenken, dass sie sich Gott, dem einzigen Lebenssinn, anvertrauen. Es ist daher wohl beabsichtigt, dass das Wort Gott ebenso 37 mal vorkommt. Wenn wir versuchen, in unseren eigenen Leistungen anstatt in Gott Sinn zu suchen, werden wir niemals zufrieden sein und alles, was wir vollbringen, wird bedeutungslos sein. Nur das Streben nach Gott gibt echte Zufriedenheit. Wir sollen Gott in allem, was wir sagen, denken und tun, ehren.

Seine Liebe ist uns ganz sicher, und das soll uns genügen. Franz von Sales


Kreislauf des Lebens

Die Sonne geht auf, und die Sonne geht unter und sie eilt an ihren Ort, wo sie wieder aufgehen soll. Pred 1:5

Auf den ersten Eindruck können diese Worte deprimierend wirken: immer das Gleiche. Alles Windhauch. Es kann aber auch positiv gedeutet werden. Der Kreislauf des Lebens beschreibt und bestaunt die ewige, beständige Herrlichkeit und Harmonie der Welt. In dieses große Ganze sind wir eingewoben. Es lässt uns spüren, dass wir Teil von Gottes Welt sind. Wenn wir dagegen stets die eigene Person in den Vordergrund stellen, führt das unabänderlich in die Verzweiflung. Die Sonne, die jeden Morgen neu aufgeht und über das Dunkel der Nacht siegt ist wunderbar. Das wurde im Christentum schon von früh an als Bild für die Auferstehung gedeutet.

Ein Geschlecht geht und ein anderes Geschlecht kommt; die Erde aber bleibt ewiglich. Pred 1:4


Nichtigkeit des Übermaßes

Das Auge sieht sich niemals satt, und auch das Ohr hat nie genug gehört.Pred 1:8

Du lebst heute in einer Gesellschaft der Mehr-Kultur.  Die Gefahr ist, dass du dich da reinziehen lässt. Bescheidenheit heilt deine Seele von dem Mehr, Größer und Besser. Hüte dich also vor der Übertreibung und dem Übermaß im materiellen, wie auch im geistigen und spirituellen Bereich. Weniger ist mehr. Die Reduzierung auf das Wesentliche lässt uns intensiver leben, lässt uns den Frieden des Herzen bewahren. Jesus ist das Wesentliche, auf den wir uns reduzieren müssen, dann kehrt Ruhe ein. Diese Ruhe meint dabei nicht das Alltagstreiben, da ist schon mal Tobawo und Hektik präsent, sondern eine tiefe Seelenruhe, die bei all dem Treiben auf einem festen Fundament ruht: Jesus Christus!

Nicht das Vielwissen sättigt die Seele und gibt ihr Genüge, sondern das Fühlen und Kosten der Dinge von innen. Ignatius von Loyola