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Koh Kap 09-11

Impulse, Auslegungen, Kommentare und Bibelzitate zum Buch Kohelet Kap. 9-11


Aufruf zum Genuss und Fröhlichkeit

Iss dein Brot, trink deinen Wein und sei fröhlich dabei! Denn Gott hat schon lange sein Ja dazu gegeben. Pred 9:7

Das Carpe-diem, Genieße den Tag, wird hier in den Horizont der biblischen Schöpfungstheologie gestellt. Eine Genuss-Verweigerung käme der Nicht-Annahme eines Geschenkes gleich und wäre, theologisch gesprochen, eine Form des Unglaubens. Kohelet versteht Freude und Genuss keineswegs bloß als Betäubungsmittel, die dem Menschen helfen, die Erbärmlichkeit seines Lebens zu vergessen. Das fröhliche gemeinsame Essen wirkt vermenschlichend. Dieser humanisierende Akt ist Gott wohlgefällig. Gott freut sich, wenn seine Geschöpfe sich freuen. Essen und Trinken sind ein Geschenk Gottes und ein Recht der Menschen.

Darum empfehle ich allen, das Leben zu genießen. […] Genieße jeden flüchtigen Tag. […] Kein Mensch weiß, wann seine Zeit gekommen ist. Pred 8:15; 9:9; 9:12


Eucharistie und Schrift

Iss dein Brot, trink deinen Wein und sei fröhlich dabei! Denn Gott hat schon lange sein Ja dazu gegeben. Pred 9:7

Es gibt von den Kirchemvätern hier eine christologische Auslegung. Hieronymus sieht in dieser Seelennahrung das Studium der Heiligen Schrift sieht. Aus christlicher Perspektive kommen dann noch die eucharistischen Gaben Brot und Wein dazu. Das Essen und Trinken, an dem man sich erfreuen soll, kann daher, zu Ende gedacht, nur Schrift und Eucharistie sein. So haben wir nur dieses Gut in der gegenwärtigen Welt, dass wir uns von seinem Leib nähren und von seinem Blut trinken, nicht nur im eucharistischen Geheimnis, sondern auch in der Lektüre der Schriften. Denn das wahre Fleisch und Blut, das man aus dem Wort Gottes zu sich nimmt, ist die Kenntnis der Schriften.


Der Nutzen von Gelassenheit

Gelassenheit bewahrt vor großen Fehlern. Koh 10,4

Gelassenheit ist eine wichtige Tugend, die uns ermöglicht in schwierigen Situationen eine innere Ruhe zu bewahren und uns so vor überhitzten Reaktionen und damit einhergehenden Fehlern zu bewahren. Gelassenheit ist eine erstrebenswerte Stetigkeit der Seelenverfassung inmitten der Unbeständigkeit unseres leiblichen wie geistlichen Lebens. Einfach gesagt, schwer umgesetzt. Und dennoch: im Annehmen dessen, dass das Leben mal so und mal so ist, mal hell und mal dunkel, wir aber immer und täglich im Heute dem einen Gott dienen, der uns hier wie dort hält, darin liegt das Eingangstor zur Gelassenheit, in der wir uns nicht mehr vom Auf und Ab unserer Launen beherrschen lassen, was übrigens stressbedingt auch gesundheitliche Folgen hat: Gelassenheit hält auch den Körper gesund, doch Leidenschaft ist Knochenfraß. (Spr 14,30)

Wer eine Grube gräbt, kann hineinfallen. Pred 10:8


Gottes Gaben einsetzen

Am Morgen beginne zu säen. Pred 11,6

Es gilt, die von Gott geschenkten Gaben und Fähigkeiten zu nutzen, das Leben aktiv in die Hand zu nehmen und zu gestalten. Jeden Tag neu! Alles hängt davon ab, ganz im Jetzt zu leben und im Augenblick tatkräftig zuzupacken, wo es sich mir anbietet. Nütze dein kurzes, vergängliches Leben, koste es aus und beziehe Gott von vornherein in deinen Lebensplan ein.

Tu, was dein Herz dir sagt. Pred 11:9


Die Schönheit des Lebens

Wie schön ist es, am Leben zu sein und das Licht der Sonne zu sehen! Pred 11:7

Sich an dem zu freuen, was der Tag bringt, diese Aufforderung zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch. Die Freude ist es, die den Menschen bei all seiner Mühe begleitet. Sie macht menschliches Leben überhaupt erst sinnvoll, gibt ihm Glanz. Die Lebenstage sind Gottes Geschenk und Gabe. Die schönen Dinge des Lebens als Geschenk Gottes dankbar genießen, immer im Wissen um die Begrenztheit des eigenen Lebens, das ist sicher mehr als ein oberflächliches Genieße den Tag. Kohelet steht hier ganz in der Tradition alttestamentlicher Schöpfungsfreude.

Freu dich über jedes neue Jahr, das du erleben darfst! Pred 11:8


Der Umgang mit Sorgen

Lass dich nicht von Kummer und Sorgen beherrschen. Pred 11:10

Krankheit kann man sich auch durch Ärger zuziehen. Seelisches und körperliches Wohlbefinden bedingen einander. Hierzu gibt es einen schönen Text im Buch Sirrach (30,23ff): Überrede dich selbst, und beschwichtige dein Herz, halte Verdruss von dir fern! Denn viele tötet die Sorge, und Verdruss hat keinen Wert. Neid und Ärger verkürzen das Leben, Kummer macht vorzeitig alt. Der Schlaf des Fröhlichen wirkt wie eine Mahlzeit, das Essen schlägt gut bei ihm an.