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Koh Kap 07-08

Impulse, Auslegungen, Kommentare und Bibelzitate zum Buch Kohelet Kap. 7-8


Das Gefühl der Trauer

Trauer verändert den Menschen zum Guten. Pred 7:3

Um in der vollkommenen Freude zu leben, ist es enorm wichtig, wie wir mit unseren Gefühlen umgehen. Trauer ist eines dieser wichtigen Gefühle, dass nicht unterdrückt, sondern gelebt werden muss. Wenn wir berechtigte Trauer über welche Wunde auch immer nicht zulassen, als sei sie nicht da, fängt sie an zu eitern. Ein oberflächlicher Aufruf zur Freude im Sinne von “Lach doch mal” ist zum Scheitern verurteilt. Es sind oft die schmerzhaften Zeiten, die uns in wahrer Trauer enger zusammenschweißen, die in uns Empathie und Mitgefühl entstehen lassen, die intensive Nähe zu Mitmenschen und zu Gott entstehen lassen und so paradoxerweise die Grundlage tiefer Freude bilden.

Wird die Trauer verweigert, können Menschen innerlich erstarren. Anselm Grün


Hüte dich vor dem Zorn

Werde nicht schnell zornig, denn nur ein Dummkopf braust leicht auf. Pred 7:9

Zürne überhaupt nie, wenn es möglich ist. Werden wir einmal aus Schwäche davon überrascht, dann schlage ihn rasch nieder. Nimm schnell aber ruhig deine Kraft zusammen, sobald du ihn aufsteigen fühlst und rufe um Hilfe zu Gott. Er wird unsere Leidenschaft zum Schweigen bringen und es wird eine große Ruhe sein. Wenn wir dagegen heftig gegen den Zorn ankämpfen, machen wir unser Herz oft unruhiger, als es vorher war, so dass es vor Aufregung nicht mehr Herr über sich selbst ist. Hast du im Zorn gehandelt, dann mache den Fehler sofort wieder gut durch einen Akt der Sanftmut gegen jene, über die du in Zorn geraten bist. Es heißt doch, dass frische Wunden am raschesten heilen.


Alles von Gott annehmen

Wenn es dir gut geht, dann freu dich über dein Glück und wenn es dir schlecht geht, dann bedenke: Gott schickt dir beides, und du weißt nie, was die Zukunft bringen wird. Pred 7:14

Die Grundhaltung hier ist zum einen die Bereitschaft, auch die schweren Lebenserfahrungen im Vertrauen auf den Schöpfergott anzunehmen. Zum anderen wird immer wieder zum Genuß aufgerufen. Das ist aber kein Aufruf zum oberflächlichen Genußleben. Sein Aufruf zur Lebensfreude ist vielmehr in seinem Schöpfungsglauben verwurzelt. Wer an die Welt als Gottes Schöpfung glaubt, wird ihre Herrlichkeiten dankbar als Gottes Geschenk genießen. Es gilt, das Gegenwärtige zu ergreifen im Blick auf das Zukünftige. Es gilt zu handeln, zuzupacken, die von Gott geschenkten Möglichkeiten zu nutzen und die dunklen Tage, die kommen werden, von vornherein einzuschließen.


Hüte dich vor Übergerechtigkeit

Du weißt genau, dass auch du schon oft über andere hergezogen bist. Pred 7:22

Es gibt keinen Menschen, der ohne Schuld wäre. Im Blick auf die eigenen Grenzen soll man gerade gegenüber dem Nächsten großzügig sein. Das ist eine gottgewollte, menschenfreundliche Haltung. Denn wer dem Nächsten in strenger Weise ständig die vollkommene Gerechtigkeit vorhält, stellt ein Ziel auf, das unerreichbar ist. Man steht dann in der Gefahr übergerecht zu werden. Übergerechtigkeit bestünde dann darin, die Augen vor der eigenen Fehlbarkeit zu verschließen, aber sofort beim Nächsten den Finger in die Wunde zu legen. Solche Übergerechtigkeit kann gegenüber anderen Menschen leicht zur Erbarmungslosigkeit werden

Ein weiser Mensch hat ein freundliches Gesicht, alle Härte ist daraus verschwunden. Pred 8:1


Leben mit der Ungewissheit

Was geschieht, kann man nicht ergründen. Es ist tief verborgen und nicht zu verstehen. Pred 7:24

Gott ist der schlechthin Andere, zu dem der Mensch beten, über den er aber nicht durch wortreiches Gebet verfügen kann. Es geht darum, Gott als den ganz Anderen, den Transzendenten zu erfahren, dessen tiefes Geheimnis uns Menschen letztlich entzogen bleibt. Der Mensch kann Gottes Tun nicht finden. Den begrenzten Menschen bleibt es unmöglich, die Fülle der Wirklichkeit restlos zu durchschauen. Der Mensch mag sich noch so sehr mühen und anstrengen, er wird auf Grenzen stoßen, die für ihn unüberschreitbar sind. So weiss er nicht, was auf ihn zukommt, und niemand kann ihm sagen, was die Zukunft bringt.

Was Gott tut und auf der Welt geschehen lässt, kann der Mensch nicht vollständig begreifen. Pred 8:16‭