Anmeldung ->

03 Levitikus

Levitikus – Auslegungen

Levitikus – Kapitel 1-5

Lev 1,1: Rituale helfen im geistlichen Leben

Der Herr rief Mose zum heiligen Zelt und sprach dort mit ihm. Lev 1:1

Der Inhalt vom Buch Levitikus besteht aus Anordnungen für priesterlichen Dienst, v.a. Rituale und Opfervorschriften. Gott benutzte die Form des Opfers (v.a. Tieropfer), um sein Volk im Glauben zu unterweisen. Die Absicht hinter Gottes Gesetzen und Opfern war, zu einer echten Hingabe zu führen. Die Anbetung Gottes wurde da in festen Ritualen vollzogen. Was sind unsere konkreten Alltagsrituale, in denen Gottes Gegenwart in unser Leben hineinragt und in denen wir uns von Gottes Geist bestimmen lassen?

Anmerkung: die Tieropfer sind uns heute fremd. Damals aber hatten sie eine tiefe Bedeutung: Wenn die Menschen sahen, wie das Opfertier getötet wurde, ging ihnen die Bedeutung ihrer Sünde und Schuld auf. Wenn wir nun den Gekreuzigten, das Opferlamm Gottes, sehen, schauen wir ebenso auf unsere Schuld.

Lev 1,2: Das Brandopfer

Wenn jemand von euch mir, dem Herrn, ein Opfer darbringen will, dann soll er dafür ein Rind, ein Schaf oder eine Ziege aussuchen. Lev 1:2

Das erste Opfer, das Gott beschreibt, ist das Brandopfer. Ein Mensch, der gesündigt hatte, brachte einem Priester ein fehlerloses Tier. Der Mensch legte seine Hand auf den Kopf des Tieres als Zeichen dafür, dass er sich vollständig mit dem Tier als seinem Stellvertreter gleichsetzte. Dann tötete er das Tier und der Priester versprengte das Blut. Sinnbildlich übertrug der Mensch seine Sünden auf das Tier und so wurden seine Sünden weggenommen. Schließlich wurde das Tier auf dem Altar verbrannt, was die vollständige Hingabe dieses Menschen an Gott bedeutete. Am wichtigsten ist, dass diese Opfer auf den Tag hinwiesen, an dem das Lamm Gottes Jesus Christus sterben und ein für alle Mal die Sünde besiegen würde.

Er soll seine Hand auf den Kopf des Brandopfers stützen, so wird es ihm wohlgefällig angenommen und für ihn Sühnung erwirken. Lev 1:4

Lev 1,6: Die Haut abziehen

Er aber soll dem Brandopfer die Haut abziehen. Lev 1:6

Wann sollten wir uns denn abtöten, wenn nicht immer da, wo uns etwas gegen die Natur geht? Wir müssen dem Opfer die Haut abziehen, wenn wir wollen, daß es Gott wohlgefällig sei. So mußte es im Alten Bunde mit jedem Opfertier geschehen, bevor es Gott dargebracht wurde. Auch unser Herz ist erst dann so recht geeignet, der göttlichen Majestät als Dankopfer dargebracht und geschenkt zu werden, wenn es die alte Haut, d.h. die schlechten Gewohnheiten, Neigungen und Abneigungen, die überflüssigen Anhänglichkeiten an unser eigenes Ich und unseren Eigenwillen abgelegt hat. Franz von Sales

Lev 2,13: Das Speiseopfer

Jedes Speiseopfer und auch alle anderen Opfergaben müssen mit Salz gewürzt sein! Niemals darf das Salz fehlen, denn es ist ein Zeichen für meinen bleibenden Bund mit euch! Lev 2:13

Das Speiseopfer (Mehl, Kuchen etc.) war ein Dankgeschenk an Gott. Es erinnerte die Menschen daran, dass ihre Nahrung von Gott kommt und dass sie ihm deshalb ihr Leben verdanken. Das Salz durfte dabei nicht fehlen. Das Salz ist ein Symbol für Gottes Handeln im Leben eines Menschen, weil es alles durchdringt, vor dem Verderben schützt und Heilungsprozesse fördert.Gott will in unserem Leben handeln. Lassen wir es zu, dass er Teil von uns wird, dass er jeden Lebensbereich durchdringt, uns vor dem Bösen, das uns umgibt, schützt und unsere Sünden und Unzulänglichkeiten heilt!

Lev 3,1: Das Friedensopfer

Will jemand mir, dem Herrn , ein Friedensopfer darbringen und wählt er ein Rind dafür aus, so muss es ein fehlerloses Tier sein. Lev 3:1‭

Das Friedensopfer war Ausdruck von Dankbarkeit und eine Möglichkeit, Gemeinschaft zwischen einem Menschen und Gott herzustellen. Das Friedensopfer zeigt, was Christus für Gott und Menschen bewirkt hat: es ist nun Gemeinschaft möglich. Gott forderte das Volk Israel auf, ihr Friedensopfer persönlich, mit ihren eigenen Händen zu bringen. Mit ihrer Zeit und Kraft sollten sie ihren Dank gegenüber Gott ausdrücken. Jeder kann nur selbst seine Dankbarkeit gegenüber Gott und anderen Menschen zum Ausdruck bringen. Nehmen wir uns die Zeit, Gott und anderen, die uns geholfen und Gutes getan haben, zu danken.

Er selbst bringe die Stücke. Lev 7:30

Lev 4,13: Das Sündopfer

Wenn das ganze Volk Israel unabsichtlich gegen eines meiner Gebote verstößt, dann lädt es Schuld auf sich, selbst wenn es sich dessen nicht bewusst ist. Lev 4:13

Das Sündopfer war für Menschen, die eine Sünde begingen, ohne es zu merken, oder eine Sünde aus Schwäche oder Nachlässigkeit begingen, im Gegensatz zu offener Auflehnung gegenüber Gott. Die Opferrituale konnten einem Sünder nicht helfen, wenn er sein Opfer nicht in einer Haltung der Reue und mit der Bereitschaft, seine Sünden zu bekennen, brachte. Weil Christus am Kreuz gestorben ist, müssen wir heute keine Tiere mehr opfern. Doch das Bekenntnis der Sünden ist immer noch wesentlich, weil es ein Zeichen für Sündenerkenntnis, das Bewusstsein für Gottes Heiligkeit, Demut vor Gott und die Bereitschaft, sich von der Sünde abzuwenden, ist. Der Tod von Jesus hat wenig Wert für uns, wenn wir keine Reue zeigen und ihm nicht nachfolgen.

In allen diesen Fällen muss der Betreffende zuerst seine Schuld bekennen. Lev 5:5

Lev 5,21: Notwendigkeit der Vergebung

Jeder, der einen anderen Israeliten betrügt, wird zugleich mir untreu und sündigt gegen mich. Lev 5:21

Jeder, der dem anderen Schaden zufügt oder sich in welcher Art und Weise gegen ihn verfehlt, der sündigt gegen Gott. Das ist das Ineinander der Gottes- und Nächstenliebe. Und wir verfehlen uns leider viel zu häufig gegen den Nächsten. Darum gab es damals die Opfer. Gott möchte von uns heute kein Opfer von Tieren, aber den Glauben an Jesus Christus, der als Lamm Gottes die Sünde der Welt getragen hat. Denn mit Jesus Christus gibt sich Gott selbst als Opfer für die Schuld der Menschen. So sieht das Neue Testament das Sterben Jesu am Kreuz. Diese unermessliche Liebe und Hingabe Gottes bewirkt Gnade und Vergebung. Sie ist der Zugang zum Himmel. Darüber können wir nur dankbar staunen.

Ihm wird alles vergeben, was er getan hat. Lev 5:26

Levitikus – Kapitel 6-18

Lev 6,6: Das Feuer Gottes

Das Feuer auf dem Altar darf nie verlöschen! Lev 6:6

Das Feuer symbolisierte Gottes ewige Gegenwart. Heute brennt Gottes Feuer seiner Gegenwart im Leben eines jeden von uns durch den Beistand des heiligen Geistes. Er erfüllt unsere Herzen und entzündet in uns das Feuer seiner Liebe. Das ist die passive Seite, das reine gnadenvolle Wirken Gottes in uns. Die aktive Seite ist, dass wir alles uns Mögliche unternehmen, dass dieses Feuer in uns nicht erlischt.

Er will also, daß auf dem Altar unseres Herzens immerfort das Feuer seiner Liebe lodere. Franz von Sales

Lev 8,36: Priesterweihe

Aaron und seine Söhne taten alles, was der Herr durch Mose geboten hatte. Lev 8:36

Die Priesterweihe Aarons und seiner Söhne ist der Beginn einer neuen gelebten Gottesbeziehung. Alles wird genau angeordnet: Amtstracht, rituelle Waschung, Kopfbedeckung und Salböl. Bei der Weihe legen sie ihre Hände auf einen Stier & zwei Widder, während diese getötet wurden. Das war ein Zeichen dafür, dass Heiligkeit allein von Gott kommt und nicht aus dem Amt des Priesters. Für uns heißt das: Allein Gott kann uns geistlich lebendig machen. Reinigung kommt nur von Gott. Sie taten alles genau, wie es der Herr geboten hatte. An ihrem Beispiel erkennen wir, wie sorgfältig wir Gott gehorchen sollen. Gott will, dass wir durch und durch heilig sind und ihm nicht nur so ungefähr nachfolgen.

Das sollt ihr tun, so wird euch die Herrlichkeit des Herrn erscheinen! Lev 9:6

Lev 9,23: Segen Gottes

Als sie wieder herauskamen, segneten sie das Volk. Da erschien die Herrlichkeit des Herrn dem ganzen Volk. Lev 9:23

Es werden nun erstmals Opfer vom Priester dargebracht. Die Priester segneten das Volk nach dem Opfer. Jesus nun ist unser ewiger Hohepriester. Für uns ist in Jesus aller Segen zu uns gekommen. Wo immer Jesus Menschen fand, die bereit waren, ihre Sünde zuzugeben, wurde er von ihnen angezogen und schüttete seine geistliche Hilfe und seinen Segen über sie aus. 

An Gottes Segen ist alles gelegen. Deutsches Sprichwort 

Lev 10,10: Heiligkeit und Reinheit

Ihr sollt unterscheiden zwischen dem, was heilig und dem, was nicht heilig ist, zwischen dem, was rein, und dem, was unrein ist. Lev 10:10

Ich bitte euch, welche Entsprechung kann es denn geben zwischen unserer Vollkommenheit und der seinen, zwischen unserer Reinheit und der seinen,
da er die Reinheit selbst ist? Kurzum, tun wir von unserer Seite, was wir können und bleiben wir im übrigen in Ruhe. Ob Gott uns seiner Tröstungen teilhaft macht oder nicht, wir müssen seinem heiligstenWillen unterworfen bleiben. Er muß der Meister und Führer unseres Lebens sein, weiter haben wir nichts zu wünschen. Franz von Sales

Lev 11,45: Heilig sein

Ich bin der Herr, euer Gott; darum sollt ihr euch heiligen und sollt heilig sein. […] Ihr sollt heilig sein, weil ich heilig bin! Lev 11:44-45

Das Bemühen um die Reinigung unserer Seele kann nur mit unserem Leben ein Ende finden. Regen wir uns also nicht auf über unsere Unvollkommenheiten: unsere Vollkommenheit besteht darin, dass wir die Unvollkommenheiten bekämpfen. Wir können sie aber nicht bekämpfen, wenn wir sie nicht sehen. Wir können sie nicht überwinden, wenn wir ihnen nicht begegnen. Unser Sieg besteht nicht darin, daß wir sie nicht wahrnehmen, sondern darin, daß wir uns ihnen nicht beugen. Der aber beugt sich ihnen nicht, der sie unangenehm empfindet. Zur Übung der Demut müssen wir wohl manchmal in diesem geistlichen Kampf verwundet werden. Besiegt wären wir aber erst dann, wenn wir das Leben oder den Mut verloren hätten. Eines ist also notwendig: den Mut nicht verlieren! Es ist ein Glück für uns, daß wir in diesem Krieg immer Sieger sind, solange wir nur kämpfen wollen. Franz von Sales

Lev 16,22: Der große Versöhnungstag (1)

Der Ziegenbock trägt alle Schuld mit sich hinaus in die Wüste. Lev 16:22

Der Versöhnungstag war für Israel der wichtigste Tag des Jahres. Am großen Versöhnungstag wurde die Schuld Israels aus dem vergangenen Jahr auf einen Ziegenbock übertragen. Dieser Sündenbock wurde in die Wüste geführt. Er wurde von den Menschen weg in das Land der Vergessenheit geschickt. Als Bild bedeutet dies für uns: Wir dürfen unsere Schuld zu Gott bringen. Er lässt sie wegtragen und denkt nicht mehr daran. Unsere Sünden sollen uns nicht endlos verklagen. Deshalb hat sich Jesus zum Sündenbock für die ganze Menschheit machen lassen.

Lev 16,21: Der große Versöhnungstag (2)

Aaron soll seine beiden Hände auf den Kopf des lebendigen Bockes stützen und über ihm alle Schuld der Kinder Israels und alle ihre Übertretungen in allen ihren Sünden bekennen, und er soll sie dem Bock auf den Kopf legen und ihn durch einen Mann, der bereitsteht, in die Wüste fortschicken. Lev 16:21

Die Symbolik veranschaulicht in tiefer Weise das konkrete Geschehen der Vergebung als eines wirklichen Wegschaffens der Sünde durch die Gnade Gottes, der das Sündenbekenntnis des Volkes und die stellvertretende Übertragung der Schuldenlast aller Sünder auf den Ziegenbock annimmt. Die Menschen dürfen diese ihre Befreiung dankbar erfahren. Vergebung der Sünden ist ein reines Wunder.

Levitikus – Kapitel 19

Lev 19,3: Die Eltern achten

Jeder von euch soll seine Mutter und seinen Vater achten. Lev 19:3

Zur Liebe und Ehre Gottes gehört auch, dass wir unsere Eltern (oder diejenigen, die Gott uns an Stelle unserer Eltern gegeben hat) mit Respekt behandeln. Wir dienen, gehorchen, lieben und ehren sie, weil Gott uns liebt und schätzt. In der Ehrung unserer Eltern, ob sie es verdient haben oder nicht, bringen wir Gott Ehre entgegen. Natürlich geht unser Gehorsam zuerst Gott voraus, daher würde dies nicht den Gehorsam gegenüber unseren Eltern einschließen, wenn sie uns bitten, etwas zu tun, was Gott gegenüber ungehorsam oder entehrend wäre. Wir ehren unsere Eltern, indem wir vorsichtig sind, wie wir über sie sprechen und an sie denken. Wir ehren sie, indem wir sicherstellen, dass wir mit ihnen in Kontakt sind und nicht zulassen, dass sie isoliert und einsam sind. Wir können sie sowohl verbal als auch finanziell unterstützen, wenn dies möglich oder notwendig ist. Das wahrscheinlich Wichtigste, was wir tun können, ist, ihnen zu verzeihen.

Lev 19,3: Den Sabbat einhalten

Jeder von euch soll den Sabbat als Ruhetag einhalten. Lev 19:3

Herr Gott, deine Weisheit und Gnade kennen keine Grenzen! Ich bin so dankbar, dass du mir jede Woche einen Ruhetag geschenkt hast, an dem ich dich suchen und in den Treffen mit meinen Brüdern und Schwestern in Christus gesegnet werden kann. Vater, lehre mich, diesen Tag weise zu nutzen. Sowohl in der Ruhe, als auch in der Suche nach dir. Hilf mir, dieses Gebot zu verstehen und ihm zu gehorchen. Ich bitte im Namen Jesu, Amen.

Ihr sollt euch nicht an die Götzen wenden. Lev 19:4

Lev 19,11: Nicht stehlen

Ihr sollt nicht stehlen. Lev 19:11

Herr Gott, du bist der Geber aller Dinge. Du hast mich beherbergt und mir Nahrung gegeben. Du hast mir so viele gute Dinge gegeben. Ich bete, dass ich wie der Apostel Paulus in seiner Haltung sein möge, zufrieden zu sein, ganz gleich, wie seine Situation sein mag. Ob hungrig oder wohlgenährt, ob im Überfluss oder im Mangel lebend. Ändere mein Herz, o Gott, dass ich mit allem, was du mir gibst, zufrieden bin. Ich will nicht mehr begehren als das, was du mir in deiner Weisheit und Gnade gegeben hast. Darum bitte ich dich im Namen Jesu, Amen.

Lev 19,11: Nicht lügen

Ihr sollt nicht lügen. 19:11

Deine Sprache soll ruhig, offen und gerade, schlicht, natürlich und aufrichtig sein. Hüte dich vor jeder Doppelzüngigkeit, Geziertheit und Schlauheit. Wenn es auch nicht immer gut ist, unbedingt alles herauszusagen, was wahr ist, so ist es doch nie gestattet, die Unwahrheit zu sagen. Gewöhne dich daran, niemals bewusst zu lügen, weder um dich zu entschuldigen, noch aus einem anderen Grund. Bedenke immer, dass Gott der Gott der Wahrheit ist (Ps 33,4). Hast du aus Unachtsamkeit gelogen, dann stelle womöglich sofort durch eine Erklärung oder Zurücknahme deine Behauptung richtig. Eine aufrichtige Entschuldigung wirkt immer besser als eine noch so schöne Lüge. Franz von Sales

Lev 19,14: Ehrfurcht vor Gott

Begegnet mir, eurem Gott, mit Ehrfurcht, denn ich bin der Herr. Lev 19:14

Als Kinder haben wir keine Angst vor dem Vater, wohl aber Ehrfurcht vor Gott, die Sorge, jene Liebe zu zerstören, auf die unser Leben gegründet ist. Gottesfurcht ist jenes Bewußtsein für die Verantwortung, das wir haben müssen, Verantwortung für den Teil der Welt, der uns im Leben anvertraut ist. Verantwortung, diesen Teil der Welt und der Geschichte, der wir sind, gut zu verwalten und so dem rechten Aufbau der Welt, dem Sieg des Guten und des Friedens zu dienen. Benedikt XVI

Lev 19,15: Gerecht handeln

Es soll bei euch gerecht zugehen. Lev 19:15

Das hebräische Wort für Gerechtigkeit Zedaka ist ein Beziehungswort, soll heißen, es geht darum sich in konkreten Beziehungen, zu Gott, zu den Mitmenschen und zur Umwelt, angemessen zu verhalten im Sinne der Gerechtigkeit. Das hört sich schnell abstrakt und fern an, beginnt aber in meinem unmittelbaren Umfeld: evtl. gibt es an der Arbeit jemanden der ungerecht behandelt wird. Gerecht sein heißt da: mich nicht raushalten, sondern den Mund aufmachen, den Konflikt riskieren und mich nicht resignierend darauf zurück zu ziehen, dass man ja doch nichts machen kann. “Die Nächstenliebe ist immer mit der Gerechtigkeit verbunden.” (Vinzenz von Paul)

Wo geschieht bei dir heute in diesem Sinne die Verlebendigung des göttlichen Wortes?

Lev 19,18: Nicht nachtragend sein

Sei nicht nachtragend! Lev 19:18

Vergeben oder verzeihen bedeutet, einer Person nicht mehr böse zu sein, obwohl sie etwas falsch gemacht hat. Das griechische Wort, das in der Bibel mit Vergebung übersetzt wird, bedeutet wörtlich „fortgehen lassen“. Jemandem zu vergeben heißt, nicht nachtragend zu sein, d.h. loszulassen und dem anderen sein Fehlverhalten nicht nach zu tragen. Das heißt nicht, den Fehler gut zu heißen oder so zu tun, als ob er nie geschehen wäre. Vergeben bedeutet schlicht, nicht nachtragend zu sein.

Lev 19,18: Nächstenliebe (1)

Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst! Lev 19:18

Auch wenn es wohl kein Wort gibt, dass so missbraucht und verkitscht wird, besteht die eigentliche Revolution der Botschaft Jesu in der Liebe. Gott ist die Liebe und in dieser Liebe sollen wir bleiben. Weil er uns liebt, können wir lieben. Liebe muss ständig gepflegt werden, sie braucht viel Geduld und Nachsicht, besonders in Beziehungen mit Problemen und Unstimmigkeiten. Leider: das Bedürfnis des Menschen, im Recht zu sein, ist so groß, dass er bereit ist, dafür sich selbst, seine Beziehungen und sogar die Liebe zu opfern. Dennoch: Jeder Tag ist eine Chance, die Liebe neu zu entdecken.

Hege keinen Hass gegenüber deinem Mitmenschen! Lev 19:17

Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst. Lev 19:18

Das Nächstenliebe-Gebot im AT steht im hebräischen Urtext im Dativ. Es heißt dort nicht man solle jemanden lieben, sondern man solle jemandem lieben. Durch den Dativ ist der Schwerpunkt auf das Tun gelegt. Das heißt, das Gebot der Nächstenliebe und Selbstliebe zielt nicht zuerst auf Gefühl, sondern auf Handeln. In der Tat, Liebe zu mir selbst und zum Nächsten als Gefühl lässt sich nicht vorschreiben oder erzwingen. Aber Liebe als liebevolles Zugehen auf den Nächsten, als liebevoller Umgang mit mir selbst im Handeln und konkretem Tun, das lässt sich recht wohl gebieten.

Der eigentliche Gottesdienst der Christen ist die Liebe. Benedikt XVI

Lev 19,32: Respekt vor älteren Menschen

Steht in Gegenwart alter Menschen auf und begegnet ihnen mit Respekt. Lev 19:32

Den alten Menschen Ehre entgegenzubringen, das umfaßt eine dreifache Verpflichtung ihnen gegenüber: Annahme, Beistand und Wertschätzung ihrer Eigenschaften. Es gilt, sich davon zu überzeugen, daß Achtung und Liebe gegenüber den alten Menschen, die sich trotz des Schwindens ihrer Kräfte als lebendiger Teil der Gesellschaft fühlen sollen, zu einer wirklich menschlichen Zivilisation gehört. Schon Cicero schrieb, daß die Last des Alters für den leichter ist, der sich von den Jungen geachtet und geliebt fühlt.

Levitikus – Kapitel 20-27

Lev 25,35: Hilfe leisten

Wenn dein Bruder verarmt neben dir und sich nicht mehr halten kann, so sollst du ihm Hilfe leisten. Lev 25:35

Wer in der Lage ist zu helfen, erkennt, daß gerade so auch ihm selber geholfen wird und daß es nicht sein Verdienst und seine Größe ist, helfen zu können. Dieser Auftrag ist Gnade. Je mehr einer für die anderen wirkt, desto mehr wird er das Wort Christi verstehen und sich zueignen: ,,Unnütze Knechte sind wir’’ (Lk 17, 10). Denn er erkennt, daß er nicht aufgrund eigener Größe oder Leistung handelt, sondern weil der Herr es ihm gibt. Manchmal kann ihm das Übermaß der Not und die Grenze seines eigenen Tuns Versuchung zur Mutlosigkeit werden. Aber gerade dann wird ihm helfen zu wissen, daß er letzten Endes nur Werkzeug in der Hand des Herrn ist, er wird sich von dem Hochmut befreien, selbst und aus Eigenem die nötige Verbesserung der Welt zustande bringen zu müssen. Er wird in Demut das tun, was ihm möglich ist und in Demut das andere dem Herrn überlassen. Gott regiert die Welt, nicht wir. Wir dienen ihm nur, soweit wir können und er uns die Kraft dazu gibt. Mit dieser Kraft freilich alles zu tun, was wir vermögen, ist der Auftrag, der den rechten Diener Jesu Christi gleichsam immerfort in Bewegung hält: ,,Die Liebe Christi drängt uns’’ (2 Kor 5, 14). Benedikt XVI

Lev 26,1: Abbildungen des Kreuzes

Ihr sollt keine Götzen machen; ein Götterbild und eine Säule sollt ihr euch nicht aufrichten, auch keinen Stein mit Bildwerk in eurem Land aufstellen, dass ihr euch davor niederwerft; denn ich, der Herr, bin euer Gott. Lev 26:1

Möge man daher Abbildungen des Kreuzes haben. Sie sind ja gemacht, aufgestellt und verwendet zur Erhaltung der schuldigen Erinnerung an die Wohltaten Gottes und um seine göttliche Güte um so mehr zu ehren. Das Kreuz stellt etwas ganz Echtes dar, nämlich den Tod und die Passion des Erlösers und man fertigt es nicht an, um es anzubeten und ihm zu dienen,sondern um in ihm und durch es den Gekreuzigten anzubeten und ihm zu dienen. Deshalb ist der rechte Gebrauch von geweihten
und heiligen Bildern in keiner Weise verboten.

Wer das Bild verehrt, betet in ihm den König selbst an. Athanasius

Lev 26,6;9;11-12: Ich will

Ich will Frieden geben. Lev 26:6

Ich will mich zu euch wenden. Lev 26:9

Ich will meine Wohnung in eure Mitte setzen. Lev 26:11

Ich will in eurer Mitte wandeln. Lev 26:12

Dies ist ein mächtiges “Ich will!” Mehrmals kommt es in diesem Kapitel vor. Eines wird aus diesen Versen ersichtlich. Gott will uns vor allem sich selbst schenken. Er weiß, daß wir uns bald in Schwierigkeiten befinden werden, wenn wir uns von ihm entfernen. Deshalb versichert er uns, daß er unendliche Barmherzigkeit ist, die sich immer neu dem Menschen zuwendet und daß wir immer zu ihm zurückkehren können, zum Haus des Vaters. 

Die eigenen Wege führen im Kreise immer zu uns selbst zurück. Gottes Wege führen zu Gott. Gott leitet uns durch Glück und Unglück immer nur zu Gott. Bonhoeffer

Lev 27,34: Abschluss

Das sind die Gebote, die der Herr Mose aufgetragen hat an die Kinder Israels, auf dem Berg Sinai. Lev 27:34

Der Grundgedanke der Gottesbegegnung zieht sich durch das ganze Buch Levitikus. Die Begegnung, die Verbindung, der Bund mit dem lebendigen Gott führen zu gelingendem Leben, wenn Gottesdienst und Alltag nach Gottes Weisung gestaltet werden. Das ist für mich der wesentliche Kern des Buches Levitikus: Rechter Gottesdienst und gerechtes Handeln im Alltag müssen zusammenkommen.

Dazu ein Abschlusstext von Faustina: Eine Gott liebende Seele, die in ihm versenkt ist, geht ihrer Pflicht mit derselben Einstellung nach, wie zur heiligen Kommunion und verrichtet die geringste Tätigkeit mit großer Sorgfalt, unter dem liebenden Auge Gottes. Sie ist nicht verwirrt, wenn sich nach einiger Zeit eine Sache als weniger geglückt erweist. Sie bleibt ruhig, denn während ihres Handelns hat sie alles getan, was in ihrer Macht war. Faustina