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Johannes Kap. 18

Impulse, Auslegungen, Kommentare und Bibelzitate aus dem Johannes-Evangelium Kap. 18

Joh 18,1-11: Jesus wird verraten und verhaftet

Mt 26,47-56; Mk 14,43-52; Lk 22,47-53

Jesus nun, der alles wusste, was über ihn kommen sollte, ging hinaus und sprach zu ihnen: Wen sucht ihr? Joh 18:4

Der Herr ging hinaus, um ihnen zu begegnen, ohne darauf zu warten, dass sie ihn fänden. Das zeigte seine Bereitschaft, ans Kreuz zu gehen. Die Soldaten
hätten ihre Waffen zu Hause lassen können, denn der Heiland wollte sich nicht wehren. Die Frage: »Wen sucht ihr?, zielt darauf ab, aus ihrem eigenen Mund zu erfahren, warum sie gekommen waren. MacDonald

Sie antworteten ihm: Jesus, den Nazarener! Jesus spricht zu ihnen: Ich bin’s! Es stand aber auch Judas bei ihnen, der ihn verriet. Joh 18:5

Sie suchten Jesus, den Nazoräer. Sie erkannten dabei nicht, dass er ihr Schöpfer und Erhalter war – der beste Freund, den sie je haben konnten. Jesus sagte: Ich bin es. Er meinte damit, dass er nicht nur Jesus, der Nazoräer, war, sondern auch Jahwe ist

Joh 18,12-24: Hannas verhört Jesus

Joh 18,24-27: Petrus verleugnet Jesus

Mt 26,69-75; Mk 14,66-72; Lk 22,54-65

Da leugnete Petrus nochmals, und sogleich krähte der Hahn. Joh 18:27

Petrus ist Jesus mit Eifer gefolgt, er hat die Glaubensprüfung bestanden, indem er sich ihm ganz hingab. Trotzdem kommt der Augenblick, in dem er der Angst nachgibt und fällt: Er verrät den Meister. Die Schule des Glaubens ist kein Triumphmarsch, sondern ein Weg, der mit Leiden und Liebe bedeckt ist, mit Prüfungen und einer Treue, die jeden Tag erneuert werden muß. Petrus, der vollkommene Treue versprochen hatte, kennt die Bitternis und die Demütigung der Verleugnung: Der Übermütige lernt auf eigene Kosten die Demut. Auch Petrus muß lernen, schwach zu sein und der Vergebung zu bedürfen. Als ihm endlich die Maske abfällt und er die Wahrheit seines schwachen Herzens, das das Herz eines gläubigen Sünders ist, begreift, bricht er in befreiende Tränen der Reue aus. Nach diesen Tränen ist er bereit für seine Sendung. Benedikt XVI

Joh 17,28-37: Jesus vor Pilatus vor Gericht

Mt 27,11-14; Mk 15,2-5; Lk 23,1-5

Sie führten nun Jesus von Kajaphas in das Prätorium. Es war aber noch früh. Und sie selbst betraten das Prätorium nicht, damit sie nicht unrein würden, sondern das Passah essen könnten. Joh 18:28

Augustinus bemerkt dazu: O gottlose Blindheit! Sie meinten, sich zu verunreinigen, wenn sie in einem Haus blieben, das einem anderen gehörte. Doch darin, dass sie selbst ein Verbrechen begingen, sahen sie keine Verunreinigung. Sie hatten Angst, sich im Prätorium eines heidnischen Richters zu verunreinigen, und fürchteten nicht, sich zu verunreinigen, indem sie das Blut eines unschuldigen Bruders vergossen. MacDonald

Bist du der König der Juden?‭ Joh 18:33

Mit dem Hahnenschrei war der Tag angebrochen. Der hohe Rat bringt Jesus zu Pilatus, da nur er das Recht hatte Todesurteile zu fällen. Der römische Statthalter Pilatus führte meist morgens Gerichtsurteile durch. Jesus beansprucht im Verhör vor Pilatus sein Königsein, allerdings mit einem so ganz anderem Königreich. “Mein Reich ist nicht von dieser Welt.” (Joh 18:36). Was für Pilatus ein entscheidender Punkt war: das Nichtvorhandensein einer militärischen Macht, ein gewaltloses Reich und somit keine Gefahr für das römische Reich. Auf diesem Hintergrund lässt sich verstehen, dass Pilatus geradezu darum ringt, dass Jesus nicht verurteilt wird.

Alles zu wollen, was Gott will, es immer zu wollen, bei allen Gelegenheiten und ohne Einschränkungen, das ist das Reich Gottes, das ganz innen ist. François Fénelon

Mein Königreich gehört nicht zu dieser Welt. […] Mein Reich ist von ganz anderer Art. Joh 18:36

Passion Christi beginnt mit der Karwoche, mit den letzten Tagen in Jerusalem? Nein, sie beginnt mit seiner Geburt. Sein Verzicht auf das Reich als ein Reich dieser Welt ist nicht erst in Golgatha, sondern von Anfang an vollbracht. Jesus hätte Herr der Welt sein können (vgl. Versuchungen Jesu). Er lehnt ab, weil er weiß, dass sein Reich ganz anderer Art ist. Und dieses sein Reich bedeutet hier auf der Erde häufig Niedrigkeit, Schmähung, Verfolgung, heißt unverstanden bleiben, heißt Haß, Tod, Kreuz. In Gehorsam und in Freiheit geht Christus für uns diesen Weg, um uns seine Liebe bekannt zu machen. Oh Herr, hilf mir, immer tiefer dein Königreich zu begreifen.

Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Joh 18,36

Sein Königreich ist grenzenlos, d.h. seine Liebe wendet sich allen Menschen zu! Wir sind im Herzen Gottes, das ist unser tiefes Vertrauen. Im Gebet wenden wir uns dem König zu. Theresia vom Kinde Jesu vergleicht das Gebet mit einer Königin die allzeit freien Zutritt hat beim König und alles erlangen kann, worum sie bittet, denn seine Macht und Herrschaft besteht in der dienenden Liebe, die den Weg des Kreuzes ging. Diese Tat des Herrn bleibt in seinem Herzen in Ewigkeit, ist immer gegenwärtig und diese Haltung seines Herzens zieht uns an, vereint uns mit ihm.

Für mich ist das Gebet ein Schwung des Herzens, ein einfacher Blick zum Himmel empor, ein Schrei der Dankbarkeit und der Liebe, aus der Mitte der Prüfung wie aus der Mitte der Freude; kurz, es ist etwas Großes, Übernatürliches, das mir die Seele weitet und mich mit Jesus vereint. Theresia vom Kinde Jesu

Ich bin in die Welt gekommen, um für die Wahrheit einzustehen. Joh 18:37

Jesus hält beharrlich an seinem Auftrag fest, weswegen er das Fleisch annahm. Der Auferstandene hält auch beharrlich an dir fest. Er lässt dich nicht fallen, gibt dir immer wieder neu die Chance zur Umkehr. Vertrauen wir nicht auf unsere Stärke, sondern auf den Glauben. “Im Licht des Glaubens bin ich stark, standhaft und beharrlich, im Licht des Glaubens hoffe ich: Das lässt mich nicht schwach werden auf dem Weg, und ohne dieses Licht ginge ich in der Finsternis.” (Katharina von Siena). Gerade auch in Glaubenskämpfen, in den vielen Garten Getsemanies der Seelen dieser Welt, wo wir mit Entscheidungen ringen, am Glauben zweifeln, gilt es vertrauend auszuharren. Wer ausharret, wird gekrönt. Halten wir uns beharrlich vertrauend an den Herrn, der beharrlich an uns fest hält. Gibt es bei mir Momente des Zweifels?

Ich bin ein König. Und dazu bin ich Mensch geworden und in diese Welt gekommen, um ihr die Wahrheit zu bezeugen. Joh 18:37

Als Jesus nach dem Wunder der Brotvermehrung merkte, dass die Leute ihn im weltlichen Sinne zum König ausrufen wollten, zog er sich schlicht zurück. Jünger Jesu zu sein bedeutet, sich von jeglichen weltlichen Maßstäben los zu sagen (Macht, Besitz, Erfolg etc ). Jesus bezieht sein Königtum auf die Wahrheit eines Gottes, der die Liebe ist und diesen Gott bezeugen wir. Das ist unsere Berufung als Jünger Christi. Diese Wahrheit, von der Christus Zeugnis gibt, verlangt in besonderer Weise nach unserer Antwort. Sie verlangt nicht nur das Erfassen, nicht nur die Annahme vom Verstand her, sondern eine Antwort, die sich aus dem ganzen Leben ergibt.

Ein König, der ans Kreuz geht, muß der König eines wunderlichen Reiches sein. Nur, wer die tiefe Paradoxie des Kreuzesgedankens versteht, kann den ganzen Sinn des Wortes Jesu verstehen: Mein Reich ist nicht von dieser Welt (Joh 18, 36). Bonhoeffer

Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du also ein König? Jesus antwortete: Du sagst es; ich bin ein König. Joh 18:37

Wie ohnmächtig stehst du, mein Jesus, vor Pilatus, dem römischen Statthalter von Jerusalem! In diesem Moment ist deine göttliche Natur ganz verborgen. So wird sichtbar, dass dein Königtum „nicht von dieser Welt“ ist, also nicht in weltlicher Macht besteht. Du willst vielmehr König in meinem Herzen sein. Dies fordert mich heraus, an dich zu glauben und dir zu dienen. Joachim Richter

Wie übst du, Jesus, deine Herrschaft aus? Wo ist dein Herrschersitz? Du selbst hast gesagt: „Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“ (Mt 20,28). Diese Lebenshingabe hast du zur Vollendung gebracht, als du deinen Thron bestiegen hast: das Kreuz. Joachim Richter

Joh 18,38-40: Pilatus übergibt Jesus zur Kreuzigung

Mt 27,15-26; Mk 15,6-15; Lk 23,13-25

Da schrien sie wieder alle und sprachen: Nicht diesen, sondern Barabbas! Barabbas aber war ein Mörder. Joh 18:40

Gerade die Männer, die eben noch Jesus wegen Verrates gegen den Kaiser angeklagt hatten, erbaten nun die Freilassung eines Mannes, der sich dieses Verbrechens wirklich schuldig gemacht hatte! Die Haltung der Hohenpriester war irrational und haarsträubend, aber so ist die Sünde nun einmal.