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Joh Kap. 11

Impulse, Auslegungen, Kommentare und Bibelzitate aus dem Johannes-Evangelium Kap. 11


Lazarus wird krank und stirbt 11,1-16

Ein Mann namens Lazarus, der in Betanien wohnte, war schwer erkrankt. Im selben Dorf wohnten auch seine Schwestern Maria und Marta. Joh 11:1

Die Auferweckung ist das siebte Zeichen, von dem Johannes in seinem Evangelium berichtet. Die sieben Zeichen sind geschrieben, weil sie Jesus als den Christus und Sohn Gottes offenbaren. Das siebte und letzte Zeichen sagt, dass das ewige Leben vollendet wird in der Auferstehung zur ewigen Herrlichkeit. Es handelt sich um das Zeichen, nach welchem die Hohenpriester den Hohen Rat versammelten und den Entschluß faßten, ihn zu töten.

Von diesem Tag an waren sie fest entschlossen, ihn zu töten. Joh 11:53


Da sandten die Schwestern zu ihm und ließen ihm sagen: Herr, siehe, der, den du lieb hast, ist krank! Joh 11:3

Sie wandten sich in ihrer Not an den Herrn. Sie wussten genau, wo sie für ihren Kummer Mitempfinden und Hilfe erwarten konnten. Wohin gehen wir mit unseren Problemen? Kennen wir die richtige Adresse oder wenden wir uns in erster Linie an Menschen? Der Sohn Gottes hat immer Zeit für unsere Anliegen. Er hört, wenn wir zu Ihm rufen, und wird in seiner unergründlichen Weisheit antworten.

Und wenn irgendwelche neue Belastungen auftauchen, welcher Art auch immer, soll man sie in die Hände Unseres Herrn legen und in Frieden bleiben. Haben Sie nur guten Mut und feste Hoffnung, das ist alles, was Sie augenblicklich brauchen. Franz von Sales


Herr, siehe, der, den du lieb hast, ist krank! Joh 11:3

Sie kamen nicht mit einem fertigen Konzept. Sie teilten dem Herrn nur mit, dass ihr Bruder krank war. Alles Weitere überliessen sie Ihm. Wie anders ist es oft, wenn wir zu Gott beten. Wir kommen mit konkreten Vorschlägen oder haben klare Vorstellungen, wie er helfen soll. Doch es ist viel besser, die Probleme einfach vor Gott auszubreiten und Ihm die Lösung zu überlassen. Sie hatten ein Bewusstsein von der Liebe des Herrn Jesus. Der Herr liebt uns alle gleich. Das wissen wir aus Gottes Wort. Besonders in notvollen Situationen möchte er uns seine tiefe Zuneigung durch sein vollkommenes Mitgefühl zeigen.

Jesus aber liebte Martha und ihre Schwester und Lazarus. Joh 11:5


Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Verherrlichung Gottes, damit der Sohn Gottes dadurch verherrlicht wird! Joh 11:4

Es ist nicht immer sofort verständlich, was ein Kreuz in unserem Leben bedeuten kann. Aber wie oft zeigt es sich, dass jemand durch sein Kreuz hindurch reift, sich besinnt, das Leben neu orientiert und ordnet. Und wie oft ist ein Kreuz der Anlass, sich neu Gott zuzuwenden und zu glauben. Je dunkler die Nacht, desto heller scheint das Licht. Der Herr stand kurz vor dem Ende. Daher tat er jetzt sein größtes Werk, abgesehen von seinem Opfertod aus Liebe zu uns. Jesus setzt die kommende Auferweckung Lazarus in Beziehung zu seiner Verherrlichung, die ihn erwartet am Kreuz.

Jener krank, diese betrübt, alle geliebt. Augustinus


Wenn jemand bei Tag wandelt, so stößt er nicht an, denn er sieht das Licht dieser Welt. Joh 11:9

Jesus macht sich auf den Weg nach Judäa zum toten Lazarus. Gerade noch wollten sie ihn dort steinigen, weswegen ihn seine Jünger davon abhalten wollen. Sie wollten dem Herrn Jesus Rat geben. Er tadelt dagegen ihren Zweifel und Unglauben. Vertrauen wir dem Licht Jesus. Folgen wir ihm nach, so werden wir nicht anstoßen. Empfangen wir seinen Rat. Rufen wir den Tag an, damit er die Nacht vertreibe und das Herz mit seinem Lichte erleuchte.

Wenn aber jemand bei Nacht wandelt, so stößt er an, weil das Licht nicht in ihm ist. Joh 11:10


Unser Freund Lazarus ist eingeschlafen. Aber ich gehe hin, um ihn aufzuwecken. Da sprachen die Jünger zu ihm: Herr, wenn er eingeschlafen ist, so wird er geheilt werden. Joh 11:11-12

Jesus verdeutlicht mit der Metapher des Schlafes, was der leibliche Tod in den Augen Gottes ist. Gott sieht den Tod als einen Schlaf, aus dem er uns auferwecken kann. Die Jünger aber verstanden den Herrn falsch und redeten vom natürlich Schlaf. Interessant: Sie wussten nicht, wie wahr ihr Satz dennoch ist. Er wird geheilt werden. Geheilt kann auch mit gerettet übersetzt werden. Wenn wir auferstehen, ist unsere Errettung vollendet. Wir werden auferweckt und verwandelt.

Daraufhin nun sagte es ihnen Jesus frei heraus: Lazarus ist gestorben.Joh 11:14


Ich bin froh um euretwillen, dass ich nicht dort gewesen bin, damit ihr glaubt. Doch lasst uns zu ihm gehen! Joh 11:15

Herr, die Freundschaft mit dir erspart uns nicht die schwierigen Momente des Lebens und des Sterbens. Dem Anschein nach hast du deine Freunde in höchster Not im Stich gelassen. Doch du sagst uns auch, warum du das alles tust: Ich will das ihr glaubt. Glaube ist eine göttliche Tugend und Tugend muss geübt, muss tüchtig werden. Tugend, die nicht erprobt ist und sich nicht in der Prüfung bewährt, ist keine Tugend. Es ist ein seltsames Ding mit uns. Solange wir unerprobt sind, glauben wir oft nur zu glauben. Widrige Umstände fördern dann zutage, was in unseren Tiefen liegt: Unsicherheit. Jesus möchte uns durch sie hindurch zur Gewissheit des Glaubens führen. Er möchte, dass wir auf ihn vertrauen. Er sucht eine innige Beziehung, die in der Prüfung standhält. Und dennoch werden wir auch immer wieder scheitern. Mutig sagt Thomas hier noch, dass er mitgehen wolle, um mit ihm zu sterben. Gute Vorsätze und doch sind sie dann, als es ernst wurde, fast alle davon gelaufen.

Da sprach Thomas, der Zwilling genannt wird, zu den Mitjüngern: Lasst uns auch hingehen, damit wir mit ihm sterben! Joh 11:16


Jesus tröstet Maria und Marta 11,17-37

Als nun Jesus hin kam, fand er ihn schon vier Tage im Grab liegend. Joh 11:17

Ob es der Tod eines lieben Menschen ist oder die Aussicht auf unser eigenes Ableben, der Tod ist eine bedrückende Wirklichkeit. Jesus lässt dem Tod Raum. Er lässt es so weit kommen, dass die menschliche Hoffnung gänzlich zugrunde geht, dass die ganze Macht irdischer Trostlosigkeit sich einstellt, damit offenbar werde, dass das, was er tun werde, eine göttliche, nicht eine menschliche Tat sei. Der Evangelist erwähnt ausdrücklich den vierten Tag, um die Größe des Wunders hervorzuheben. Nach rabbinischer Tradition schwebt die Seele während drei Tage über dem Körper des Verstorbenen in der Hoffnung, wieder mit ihm vereint zu werden, aber sie entschwindet endgültig, wenn sie feststellt, dass der Leichnam zu verwesen begonnen hat.

Viele von den Juden waren zu denen um Martha und Maria hinzugekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten. Joh 11:18‭-‬19


Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, würde mein Bruder noch leben. Joh 11:20-21

Man betet zu Gott und die Antwort bleibt aus. Gottes Wege sind uns oft schwer verständlich. Warum hilft er nicht gleich? Warum lässt er Leid zu? Manche können nicht mehr an einen guten Gott glauben, weil sie in ihren Hoffnungen auf Seine Hilfe enttäuscht worden sind. Martha hat nicht den Glauben verloren. Sie weiß, dass ihr Bruder auferstehen wird. Diese Gewissheit trägt auch uns. Es ist ein unschätzbarer Trost, das glauben zu können und darauf zu vertrauen. Und mit Marta sprechen wir zu Jesus: Was immer du von Gott erbitten wirst, das wird Gott dir geben.

Martha spricht zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird in der Auferstehung am letzten Tag. Joh 11:24


Ich bin die Auferstehung, und ich bin das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, selbst wenn er stirbt. Joh 11:25

Indem er das Wort ich betont, sagt der Herr, dass die Auferstehung, an die Martha glaubt, durch ihn geschehen wird und dass er jetzt da ist. Er ist das Leben, also das Leben ist nicht nur in ihm. Die Reihenfolge die Auferstehung und das Leben ist nicht beliebig. Zuerst Auferstehung, dann Leben. Denn das Leben, das er ist und das die Glaubenden empfangen, ist das Leben, das auf die Auferstehung des Herrn folgt. Er hat in seinem Tod den Tod zunichtegemacht und hat in der Auferstehung Leben ans Licht gebracht. An Jesus glauben heißt leben. Wer an Ihn glaubt, den wird der Tod eines Lieben zwar erschüttern, aber nicht erdrücken.


Wer lebt und an mich glaubt, wird niemals sterben. Glaubst du das? Joh 11:26

Glaubst du das? Eine Frage, die Jesus an jeden von uns richtet. Ja, Herr! Auch wir glauben, trotz unserer Zweifel und unserer Finsternisse. Wir glauben an dich, weil du Worte des ewigen Lebens hast. Wir wollen an dich glauben, der du uns eine verläßliche Hoffnung auf Leben über das Leben hinaus gibst. Daher: Im Licht des Herrn schaue das Licht. Im Geist Gottes richte die Augen auf den Sohn. Wenn du das ganze Wort aufnimmst, dann richtest du die ganze Kraft auf Christi, der heilt und auferweckt.

Ja, Herr, antwortete ihm Marta. Ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes. Joh 11:27


Jesus sah, wie sie und auch die Trauergäste weinten. Da war er tief bewegt und erschüttert. Joh 11:33‭-‬35

Jesus kann es sich leisten, Mitleid zu haben, weil er mit Gott eins ist. Und dort, wo er mit Gott eins ist, hat das Leid des anderen keinen Zutritt. Das ist auch eine wichtige Bedingung für unser Mitleid: Wir sollen unser Herz für den anderen öffnen, mit ihm fühlen, mit ihm leiden. Aber es braucht einen Bereich in uns, der nicht vom Leid des anderen infiziert wird, einen Raum, in dem wir uns zurückziehen können, um von dort aus das Leid des anderen zu spüren. Wir sind solidarisch mit dem Leidenden, aber wir lösen unsere Grenzen nicht auf. Wir haben in uns einen Raum, zu dem das Leid des anderen keinen Zutritt hat. Nur so können wir in und durch Gott Kräfte entwicklen, dem anderen zu helfen.


Jesus sah, wie sie und auch die Trauergäste weinten. Da war er tief bewegt und erschüttert. Auch Jesus kamen die Tränen. Joh 11:33,35

Jesu Tränen über den Tod seines Freundes Lazarus zeigen uns die echte Menschlichkeit seines Herzens. Der Herr hat wirklich ein menschliches Herz. Er liebt uns mit diesem Herzen. Er nimmt an allen unseren Freuden und Sorgen teil. Er findet wirklich keinen Gefallen an unserem Leid und dem Tod. Im Gegenteil. Er möchte uns heilen und uns vor Leid bewahren. Jesus ist die Menschwerdung Gottes, der Liebe, der Barmherzigkeit, der väterlichen und mütterlichen Zärtlichkeit.

Seht, wie hatte er ihn so lieb! Joh 11:36


Auch Jesus kamen die Tränen. Joh 11:35

Jesus ist der Hüter deiner Seele (vgl. 1. Petrus 2,25) und der Hüter leidet, wenn die ihm anvertrauten Schafe leiden. Christus litt das große Leiden in der Passion vor 2000 Jahren, aber auch heute ist er in und mit dir, erleidet deine Leiden mit. Ja, er ist uns als das fleischgewordene Gott in allem gleich geworden, auch im Leiden (vgl. Phil 2,7). Jesus nimmt uns nicht das Leiden, aber er führt uns durch das Leiden. Fürchte nichts, Jesus ist es, der dich nie verlassen wird. Durch diese Zusage werde ich ruhig, fühle ich mich stark, mutig und sicher; ich fühle, wie in mir der Friede und das Licht wiedererstehen. Jesus, der mitleidende Hüter deiner Seele sei mir dir, er segne dich mit innerer Ruhe, Kraft und Mut und schenke dir seinen Frieden, der jegliches Verstehen übersteigt (vgl. Phil 4,7)


Jesus erweckt Lazarus von den Toten 11,38-44

Jesus aber hob die Augen empor und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Joh 11, 41

Der Auferstandene ist die Quelle deiner Dankbarkeit. In der Eucharistie schenkt er sich dir in unaussprechlicher Weise. Eucharistie heißt übersetzt Dankeschön. Der Christ ist somit ein dankbarer Mensch und damit zugleich ein demütiger Mensch, denn der dankbare Mensch weiß, dass es kein verdientes Gut gibt. “Dankbarkeit ist die eigentliche Demut Gott gegenüber.(Wüstenväter). Diese demütige Dankbarkeit wird für dich zur Quelle. “Der Mund, der unaufhörlich Dank sagt, empfängt den Segen Gottes. In dem Herzen, das stets Dankbarkeit erweist, verbleibt die Gnade.” (Isaak der Syrer) Dankbarkeit sucht über der Gabe den Geber, in der Eucharistie sind diese deckungsgleich.


Sie schoben den Stein weg. Jesus sah zum Himmel auf und betete: Vater, ich danke dir, dass du mein Gebet erhört hast! Joh 11:41

Das Gebet Jesu, das von Danksagung getragen ist, offenbart uns, wie wir bitten sollen: Schon bevor die Gabe geschenkt wird, stimmt Jesus Gott zu, der gibt und der sich selbst in seinen Gaben schenkt. Der Geber ist wertvoller als die gewährte Gabe. Er ist der Schatz, und bei ihm ist das Herz seines Sohnes. Die Gabe selbst wird dazugegeben Das scheint mir sehr wichtig: bevor die Gabe gewährt wird, dem zuzustimmen, der gibt. Der Geber ist wertvoller als die Gabe. Über all das hinaus, was Gott uns gibt, wenn wir ihn bitten, ist die größte Gabe, die er uns geben kann, seine Freundschaft, seine Gegenwart, seine Liebe. Er ist der kostbare Schatz, um den wir bitten und den wir stets bewahren müssen.

Ich weiß, dass du mich immer erhörst, aber ich sage es wegen der vielen Menschen, die hier stehen. Sie sollen alles miterleben und glauben, dass du mich gesandt hast. Joh 11:42


Dann rief er laut: Lazarus, komm heraus! Joh 11:43

Ich höre in diesem Ruf auch einen Ruf an mich, aus meinem Grab und meinen Fesseln heraus zu kommen. So viele Ängste lasten wie ein Grabstein auf meinem Leben. Der Glaube hebt sie weg, löst die Binden und läßt mich wieder leben. Auch ich kann Lazarus sein, so einer, den Jesus herausruft und wieder lebendig macht. Du bist auferstanden mit Christus. Deine Binden sind gefallen. Falle nicht wieder zurück in den Tod.

Und Lazarus kam heraus. Joh 11:44

Viele von den Juden, die bei Maria gewesen waren, glaubten an Jesus, nachdem sie das Wunder an Lazarus gesehen hatten. Joh 11:45


Juden planen, Jesus zu töten 11,45-57

Kajaphas sprach: Für euch alle ist es besser, wenn einer für das Volk stirbt, als dass ein ganzes Volk zugrunde geht. Joh 11:50

Der Hohe Rat war die oberste Behörde des Judentums unter dem Vorsitz des Hohepriesters Kajaphas. In einer Sitzung diskutieren sie über Jesus, was man gegen ihn tun kann. Kajaphas spricht das entscheidende obige Wort, ohne es zu ahnen, dass er damit zum Vollstrecker des göttlichen Willens wird. Ja: Jesus stirbt für das Volk, wie Kajaphas auf Eingebung hin ganz richtig sagt, mehr noch: er stirbt für alle Menschen. Für uns aus Liebe! In den Worten “pro nobis – für uns” leuchtet die Sinnmitte der Existenz Jesu auf. Diese zwei kleinen Wörtchen pro nobis erschließen uns den Sinn des Lebens, Leidens und Sterbens Jesu. Das Geheimnis der Stellvertretung leuchtet auf, das der tiefste Inhalt von Jesu Sendung ist.

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