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Johannes Kap. 09

Impulse, Auslegungen, Kommentare und Bibelzitate aus dem Johannes-Evangelium Kap. 9

Joh 9,1-12: Jesus heilt einen blind geborenen Mann

Und als er vorbeiging, sah er einen Menschen, der blind war von Geburt an. Joh 9:1

Der Mann war im physischen Sinn blind, aber er war es auch im geistlichen Sinn. Dieser Blinde steht für den Menschen schlechthin. Welchen Trost bieten uns dann doch diese Worte! Sie lassen uns die lebendige Stimme Gottes hören, der fürsorgliche und weise Liebe ist! Der Blinde sah den Herrn nicht, aber der Herr sah ihn. So lernen wir auch an diesem Beispiel, dass Jesus gekommen ist, zu suchen und zu retten.

Die Kirchenväter haben die Geschichte von der Heilung des Blindgeborenen immer als Taufgeschichte verstanden. Wir alle sind mehr oder weniger von Geburt an blind. Wir sind unfähig, unsere eigenen blinden Flecken anzuschauen. Und wir sind blind für die Wirklichkeit. Wir sehen die Wirklichkeit nicht so, wie sie ist, sondern durch getrübte Augen. Wir verschließen die Augen vor der Not der Menschen. Und wir verschließen unsere Augen vor den Problemen unserer Welt. Anselm Grün

Gott sieht dich und mich. Er liebt uns so sehr, dass er uns helfen und das, worum wir ihn bitten, tun will. Corrie ten Boom

An ihm sollten die Werke Gottes offenbar werden! Ich muss die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist. Es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. Joh 9:3

Die Jünger fragen, ob der Blinde oder seine Eltern an der Blindheit schuld seien, weil sie gesündigt haben. Weder noch sagt Jesus, sondern an ihm sollen die Werke Gottes offenbar werden. Jesus wirkt, solange es Tag ist. Mit diesem Tag ist nicht der weltliche Tag gemeint, sondern die Gegenwart Christi, der das Licht der Welt ist. Dieser Tag der Gegenwart Christi erstreckt sich bis zum Ende der Welt. Und so vollbringt er die Werke Gottes noch heute. Als seine Nachfolger sollen auch wir wirken, solange es Tag ist. In ihm sind wir das Licht der Welt. Jetzt muss der Glaube durch die Liebe wirken und wenn wir jetzt wirken, das ist der Tag, das ist Christus. Weil Jesus das Licht ist, gibt es für Christen keinen Sonnenuntergang. Er ist Licht vom wahren Licht, das in die Welt gekommen ist, damit die Menschen zu ihm ins Licht kommen.

Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. Joh 9:5

Die Jünger wollen wissen, wer da gesündigt hat, er oder seine Eltern. Damit bringen sie die jüdische Auffassung von Krankheit zum Ausdruck. Krankheit ist immer Schuld des Menschen. Heute sehen wir die Krankheit zwar nicht mehr als Folge einer moralischen Schuld an. Aber viele möchten auch heute hinter jeder Krankheit eine psychische Ursache, eine psychische Schuld sehen. In der Esoterik gibt es den bösen Satz: “Du machst dir deine Krankheit selber.” Damit aber vermittelt man den Kranken zu ihrer Krankheit noch Schuldgefühle. Sie sind durch ihr Verhalten oder ihre innere Einstellung selbst schuld an ihrer Krankheit. Jesus weigert sich, die Krankheit mit irgendeiner Schuld in Beziehung zu bringen. Sie ist einfach da. Für ihn kommt es darauf an, dass das Wirken Gottes an dieser Krankheit offenbar wird. Das Wirken Gottes könnte man so verstehen: Was will mir Gott durch die Krankheit, durch mein Blindsein sagen? Und wie heilt Gott meine Krankheit? Wie wirkt Gott auf mich ein? Anselm Grün

Als er dies gesagt hatte, spie er auf die Erde und machte einen Brei mit dem Speichel und strich den Brei auf die Augen des Blinden Joh 9:6

Mit etwas Erde und Speichel macht er einen Teig und streicht ihn dem Blinden auf die Augen. Diese Geste ist eine Anspielung auf die Erschaffung des Menschen. Indem Jesus den Menschen heilt, wirkt er eine neue Schöpfung. Es ist weiterhin eine sehr geerdete, sinnlich massive Handlung. Das heißt: wir, die wir alle blind sind, müssen spüren und verstehen, dass wir es tatsächlich sind. Er war als Licht in diese Welt gekommen, damit die Nichtsehenden, die erkennen und akzeptieren, dass sie blind sind, sehend werden. Dazu ist er in die Welt gesandt. Jesus Christus, der Auferstandene, das bedeutet, dass Gott aus Liebe und Allmacht dem Tod ein Ende macht und eine neue Schöpfung ins Leben ruft, neues Leben schenkt.

Als er dies gesagt hatte, spie er auf die Erde und machte einen Brei mit dem Speichel und strich den Brei auf die Augen des Blinden Joh 9:6

Jesus heilt den Blinden, indem er auf die Erde spuckt, auf den „humus“. Er will ihm zeigen, dass er von der Erde genommen ist, von Gott aus dem Lehm der Erde geformt. Und er streicht ihm den Dreck in die Augen, um ihn zu mahnen: Schau auch auf das Schmutzige in dir. Nur wenn du bereit bist, auch deine Schattenseiten anzuschauen, kannst du wieder sehen. Jesus will dem Mann Demut lehren. Demut heißt im Lateinischen “humilitas”. Das kommt von “humus = Erde”. Jesus beugt sich zur Erde, um uns einzuladen, die eigene Erdhaftigkeit und Menschlichkeit anzunehmen und die Erde in dem Zustand, in dem sie sich heute befindet, mit offenen und ehrlichen Augen anzuschauen. Anselm Grün

Der Speichel, mit dem Jesus den Lehm mischt, erinnert an die Mutter, die mit Speichel die Wunde des Kindes bestreicht. Das Wesen der Mutter ist, dass sie nicht bewertet. Sie nimmt das Kind so wie es ist. Jesus schlägt dem Blinden die Wahrheit nicht um die Ohren, sondern vermittelt ihm liebevoll wie eine Mutter, dass er Mensch unter Menschen ist, mit irdischen Bedürfnissen, mit erdhaften Seiten. Nur wenn uns jemand liebevoll auf die eigenen Schattenseiten hinweist, ohne uns zu bewerten, sind wir bereit, unsere Augen zu öffnen und uns so zu sehen, wie wir wirklich sind. Und nur wenn einer uns mütterlich behandelt, sind wir auch bereit, die Probleme dieser Welt ehrlich wahrzunehmen. Wenn uns jemand eine Moralpredigt hält, wie schlecht wir alle sind, weil wir unsere Augen vor der Wirklichkeit verschließen, dann versuchen wir uns zu rechtfertigen und verschließen erst recht die Augen vor der Wirklichkeit. Anselm Grün

Geh jetzt zum Teich Siloah und wasch dich dort. Siloah heißt übersetzt: der Gesandte. Der Blinde ging hin, wusch sich, und als er zurückkam, konnte er sehen. Joh 9:7

Ein Mensch, der Jesus heißt, machte einen Brei und bestrich meine Augen und sprach zu mir: Geh hin zum Teich Siloah und wasche dich! Als ich aber hinging und mich wusch, wurde ich sehend. Joh 9:11

Die Nachbarn fragen neugierig nach und der geheilte Blinde wird zum Verkünder der Gnade, indem er aus seinem erfahrenen Leben erzählt. Wir können nicht das Evangelium Jesu verkünden ohne das konkrete Zeugnis unseres Lebens. Jesus ist allerdings nicht mehr anwesend. Der Herr wartete nicht auf den Blinden, um ihn im Glauben zu befestigen. Auch uns entzieht sich Jesus immer wieder, um unseren Glauben zu festigen. So werden wir auf die Probe gestellt, ob es uns ernst ist mit unserer Begeisterung über Jesus. Wenn Gott uns entzieht, dann werden wir offen dafür, auf ihn zu hören. Gottes Schutz scheint uns leicht entbehrlich, solange wir ihn besitzen. Zu unserem eigenen Nutzen und Wohl entzieht ihn Gott zuweilen, damit wir erkennen, dass ohne Gottes Schutz der Mensch ein reines Nichts ist.

Wo ist er? Er antwortete: Ich weiß es nicht! Joh 9:12

Joh 9,13-34: Juden befragen blind geborenen Mann

Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält! Andere sprachen: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? Und es entstand eine Spaltung unter ihnen. Joh 9:16

Mit der Heilung hat Jesus aus der Sicht vieler Pharisäer den Sabbat gebrochen. Sie fordern den geheilten Blinden auf Gott zu ehren, weil Jesus ein Sünder wäre. Was sie fordern ist eine Unmöglichkeit. Man kann Gott nicht ehren, wenn man den Sohn nicht ehrt. Der Streit eskaliert soweit, dass der Blinde hinaus gestoßen wurde, weil er ein ganz in Sünde Geborener wäre. Das war nicht nur ein körperliches Entfernen, sondern glich einem Ausschluss aus dem jüdischen Glauben. Sie hatten zwar recht, denn der geheilte Blinde war in Sünden geboren. Nur waren sie es auch. Auch sie waren in Sünden geboren und damit ebenfalls Blinde und als solche keine tauglichen Leiter der Blinden. Jene nun stoßen aus, der Herr nimmt auf. Um so mehr ist er ein Christ geworden, weil er ausgestoßen wurde.

Sie stießen ihn hinaus. Joh 9:34

Joh 9,35-41: Jesus lehrt über geistliche Blindheit

Glaubst du an den Sohn Gottes? Wer ist es, Herr, damit ich an ihn glaube? Jesus aber sprach zu ihm: Du hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist es! Joh 9:35-37

Am Anfang sah Jesus den Blinden, nun hört er ihn, denn Gott hört das Seufzen der Bedrängten. Er suchte ihn, er fand ihn und nun am Ende führt er ihn in das tiefe Geheimnis ein, dass er der Sohn Gottes ist. Jesus war der Grund für die Freude des Blinden, dem er nicht nur das körperliche Sehen, sondern auch das geistige Licht verlieh. Der Blinde glaubte und erhielt das Licht Christi. Dagegen blieben die Pharisäer, die sich allwissend und sehend glaubten, blind auf Grund ihrer Hartherzigkeit und ihrer Sünden. Wie wichtig ist für uns das Licht Christi, um die Wirklichkeit in ihrem echten Ausmaß zu sehen! Ohne das Licht des Glaubens wären wir blind. Der Glaube dagegen rührt Gott tief im Herzen und ist somit die verlässlichste Quelle des Lichtes. Wir haben das Licht Jesu Christi erhalten und unser ganzes Leben muss durch dieses Licht erhellt werden. Und noch mehr: dieses Licht muss so heilig leuchten, damit es viele Menschen anzieht, die es noch nicht kennen. All dies setzt Bekehrung und wachsende Nächstenliebe voraus. Die Heilung des Blinden ist eine Metapher für die Befreiung von der Sünde, die Christus anbietet.

Er aber sprach: Ich glaube, Herr! und fiel anbetend vor ihm nieder. Joh 9:38

Ich bin zum Gericht in diese Welt gekommen, damit die, welche nicht sehen, sehend werden und die, welche sehen, blind werden. Joh 9:39

Die Nichtsehenden sind alle, die durch Gottes Wirken zur Einsicht gekommen sind, dass sie nicht sehen. Das ist Gottes erstes Werk, das er an allen tut, denen er die Augen öffnet. Er überführt sie ihres wahren Zustands vor Gott. Er öffnet ihnen die Augen für die Sünde und für die Gerechtigkeit. So suchen sie den Arzt Jesus. Auf diesem Weg werden sie sehend. Du bist das Licht. Du bist der Tag. Du befreist von der Finsternis. Die Sehenden dagegen sind alle, die von sich selbst halten, sie seien sehend. Alle aber sind zuerst blind. Da ist keiner, der verständig ist. (Röm 3,11). Wer sich für sehend hält, sucht aber nicht den Arzt Jesus und wird so durch das Licht Jesus nur in seiner hohen Meinung von sich selbst bestärkt. Das Licht wird ihm zum Gericht über seinen Hochmut und seinen Unglauben.

Nun sagt ihr aber: Wir sind sehend! Deshalb bleibt eure Sünde. Joh 9:40-41