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Joh Kap. 06

Impulse, Auslegungen, Kommentare und Bibelzitate aus dem Johannes-Evangelium Kap. 6


Fünftausend Menschen werden satt Joh 6,1-15

Mt 14,13-21; Mk 6,30-44; Lk 9,10-17


Zusammen mit seinen Jüngern ging Jesus auf einen Berg und dort setzten sie sich. Das jüdische Passahfest stand kurz bevor. Joh 6:3-4

Das Brotwunder ist ein Wendepunkt im Evangelium. Es ist das einzigste Wunder, von dem in allen vier Evangelien berichtet wird. Kein Wunder war so öffentlich und geschah vor so vielen Menschen. Es ist der Höhepunkt der öffentlichen Beliebtheit Jesu. Die Menschenmenge wollen ihn als König nach Jerusalem führen. Doch als er nach dem Wunder die so entscheidende Brotrede hält, wenden sich viele Jünger von ihm ab. Warum? Er nennt sich das Brot, das sich den Menschen gibt, damit sie durch ihn leben. Dieses Brot sollen sie essen. Das ist für viele eine Zumutung! Da können viele damals und heute nicht mehr mitgehen. Und dennoch: gerade das gibt dem Wunder seine überragende Bedeutung. Der Hinweis auf das Passahfest unterstreicht diese Bedeutung und verweist auf seine Ganzhingabe am Kreuz.

Als Jesus aufblickte, sah er die vielen Menschen, die zu ihm kamen. Joh 6:5


Wo können wir für alle diese Leute Brot kaufen? Er fragte dies, um zu sehen, ob Philippus ihm vertraute. Denn er wusste schon, wie er die Menschen versorgen würde. Joh 6:5-6

Die Formulierung “Jesus wusste” kommt im Johannesevangelium oft vor. Allein im Kapitel 6 vier mal. Johannes gibt uns durch dieses häufige “Jesus wusste” einen indirekten Hinweis von Jesus absoluter und unumschränkten Gottheit. Er wusste, was im Menschen war. Er wusste immer, was er tun wollte (V.6). Er wusste alles, was geschehen würde, dass seine Jünger murrten (V. 61) und wer ihn verraten würde (V. 64). Dies alles wusste er aus sich selbst heraus und nicht, weil es ihm jemand gesagt hätte. Jesus weiß auch über alles Bescheid, was dich angeht. Er kennt dich besser, als du selbst. Was für ein Trost, gerade dann, wenn wir uns mal wieder selbst nicht verstehen.

Ewiger Gott, du kennst auch das Verborgene; du weißt alles, noch bevor es geschieht. Dan 13,42


Philippus überlegte: Wir müssten über 200 Silberstücke ausgeben, wenn wir für jeden auch nur ein wenig Brot kaufen wollten. Joh 6:7

Zweihundert Silberstücke war so viel wie etwa das Jahresgehalt eines Tagelöhner. Doch auch so eine große Summe reicht nicht aus. Beim Brotwunder waren sicher weit mehr als 5000 da, weil damals nur die Männer gezählt wurden. Es ist davon auszugehen, dass es bestimmt 10 Tausend waren. Die Aufgabe ist riesig und unsere Mittel und Kräfte reichen nicht. Der Herr selbst muss handeln. Bevor er handelt, will er uns aber zuerst zeigen, dass wir hilflos und ganz auf ihn angewiesen sind. So steht es uns auch als Jünger in dieser Welt, die wir einen Auftrag haben. Er bedient sich einem kleinen Jungen: Hier ist ein Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische dabei. Joh 6:9

Der Achtlose fragt sich am Morgen: Was werde ich tun? Der Vernünftige schaut: Was wird Gott mit mir tun? Ibn ‘Ata Allah


Dann nahm Jesus die fünf Gerstenbrote, dankte Gott dafür und ließ sie an die Menschen austeilen. Ebenso machte er es mit den Fischen. Joh 6:11

Jesus dankte schon für die fünf Brote und nicht erst für das vermehrte Brot. Wenn wir mit Glauben im Gebet für etwas beten, so können wir bereits danken, als hätten wir das Erbetene schon empfangen. Im Gegensatz zu den anderen Evangelisten berichtet Johannes, dass Jesus selbst das Brot austeilte, um uns deutlich darauf hin zu weisen, dass alles vom Herrn kommt. Obwohl die Brote durch die Hände der Jünger gingen, war es eben doch der Herr, der sie austeilte. Ebenso ist’s bei uns. Geben wir uns in welcher Weise auch immer dem Nächsten, so gibt sich Jesus durch uns dem Gegenüber. Und dieses Geben Jesus ist uneingeschränkt. Sie bekamen alle, so viel sie wollten. Von Jesus und von seinem Segen bekommt jeder, so viel er will, denn Gott hat ihm mit Christus alles gegeben.

Jeder bekam so viel, wie er wollte. Joh 6:11


Als alle satt waren, sagte Jesus zu seinen Jüngern: Sammelt die Reste ein, damit nichts verdirbt! Joh 6:12

Für die Reste steht hier wörtlich “die gebrochenen Dinge”, ein Wort, das ausschließlich in den Berichten der Brotmehrung vorkommt. Die Reste sind also jene Brote, die Jesus gebrochen und ausgeteilt hat, die aber nicht gegessen worden waren. Nichts was Jesus gibt ist wertlos. Darum darf davon nichts verderben. Der Herr ist einerseits verschwenderisch mit seinen Gaben, auf der anderen Seite sollen wir lernen, nichts zu vergeuden von dem, was er uns gibt. Denn es ist ein großes Geschenk und eine große Gnade!

Das taten sie und füllten noch zwölf Körbe mit den Resten. So viel war von den fünf Gerstenbroten übrig geblieben. Joh 6:13


Jesus merkte, dass die Leute kurz davor standen, ihn festzuhalten und zu ihrem König auszurufen. Deshalb zog er sich wieder auf den Berg zurück, er ganz allein. Joh 6:15

Als das Volk Jesus zum König machen wollte, machte es dem Herrn das gleiche Angebot, das der Versucher ihm zu Beginn seines Dienstes gemacht hatte. Der Versucher hatte damals Jesus die Herrschaft über alle Reiche der Welt angeboten, wenn er sich nur vor ihm verneigen wollte. Damals hatte der Herr ihn mit dem Wort Gottes abgewiesen, dass man Gott allein dienen und nur ihn anbeten dürfe. Diesmal weist er die Versuchung zurück, indem er sich dem Volk entzieht. Auch wir können Versuchungen widerstehen, indem wir uns aus dem Wort Gottes Hilfe holen oder indem wir uns räumlich der Versuchung entziehen.

Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll, so wie Mose es angekündigt hat! Joh 6:14


Jesus geht auf dem Wasser Joh 6,16-21

Mt 14,22-33; Mk 6,45-52


Sie stiegen in ein Boot, um nach Kapernaum überzusetzen. Die Nacht brach herein, und Jesus war nicht bei ihnen. Johannes Ein heftiger Sturm kam auf und schlug hohe Wellen. Joh 6:17-18

Die Stillung des Sturms ist ein gewaltiges Wunder des Herrn. Über das Wunder hinaus beinhaltet es viel Hilfe für unser Seelenheil. Der Abend steht für unsere Bedrängnis in dieser Welt, wo es um uns herum und in uns dunkel wird und wo Hoffnungslosigkeit unser Herz überfällt. Jeder von uns kennt diese Situationen. Der Sturm steht für die inneren und äußeren Stürme unseres Lebens. Das Boot selbst steht als Sinnbild für die Kirche. Es geht also um eine existentielle Grundsituation unseres Lebens.


Er ging über das Wasser auf ihr Boot zu. Da packte sie die Angst. Joh 6:19

Der Glaube an die bergende Nähe Gottes muss sich immer tiefer verwurzeln. Nur wenn diese Wurzeln tief reichen, bleiben wir in stürmischen Schicksalsschlägen unseres Lebens im Glauben standhaft. Schwere Zeiten haben so auch ihre guten Seiten. Denn sie zeigen einem deutlich dass man sich bedingungslos auf Jesus verlassen kann. So sollte man während dieses wechselvollen Lebens einen unerschütterlichen Gleichmut bewahren. Auch wenn sich auch alles um uns ändert, die Stürme um uns herum toben, immerfort den ruhigen Blick der Seele hingewendet haben zu Gott


Doch Jesus rief ihnen zu: Habt keine Angst! Ich bin es! Joh 6:20

Vor dem Sturmerlebnis steht in den Evangelien das Wunder Brotvermehrung. Gerade noch waren die Jünger voller Freude und Verwunderung, nun im Sturm voller Angst. Wenn dies zusammen gedacht wird, ist es ein Bild für unser Glaubensleben. Eben haben wir z.B. eine überwältigende Glaubenserfahrung gemacht, sind voller Freude und Begeisterung, spüren Gott ganz nah, da vergeht nur kurze Zeit und wir stehen mitten im Sturm und geraten in die Dunkelheit schwieriger Situationen und Gottes Nähe scheint ganz fern. Und doch klingen in den Worten Jesu “Ich bin es” die gewaltigen Worte Gottes aus dem brennenden Dornbusch im Buch Exodus denken. Beten wir daher, daß wir inmitten so vieler Sorgen, Probleme und Schwierigkeiten, die das Meer unseres Lebens aufwühlen, im Herzen das beruhigende Wort Jesu erklinge, der auch uns zuruft: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!, damit unser Glaube an ihn wachse.

Ich bin, der ich bin! Ex 3:14


Jesus ist das wahre Brot vom Himmel Joh 6,22-40


Ich weiß, weshalb ihr mich sucht: doch nur, weil ihr von mir Brot bekommen habt und satt geworden seid. Joh 6:26

Die ganze Rede handelt von Jesus als das Brot, das Leben schenkt. Jesus mahnt uns, das Falsche zu suchen: das irdische Brot steht nicht nur für das reale Brot, sondern jegliches irdisches Wünschen und Begehren, gerade auch in unserer Beziehung zu Jesus. So bald werden wir in der Ewigkeit sein und dann erkennen, wie wenig alle Dinge dieser Welt bedeuten. Aber jetzt hetzen wir uns ab, als ob es sich um ganz große Dinge handelte. Also: Was suchst du bei Jesus? Möchtest du nur, dass es dir besser geht? Dass Jesus dir hilft? Oder möchtest du bei ihm sein und von ihm dein Leben ändern lassen nach seinem Willen. Das ist ein gewichtiger Unterschied, denn Jesus will uns mehr geben als ein etwas besseres Leben. Er will sich selbst geben. Er will uns ewiges Leben schenken.

Setzt alles dafür ein, die Nahrung zu bekommen, die bis ins ewige Leben reicht. Diese wird der Menschensohn euch geben. Joh 6:27


Was sollen wir tun, um Gottes Willen zu erfüllen? Joh 6:28

Das wahre Brot Jesus Christus kannst du nur durch Glauben empfangen. Nicht durch ein jegliches Tun, nachdem hier die Menschenmenge fragt. Jesus lenkt nun in einer steigenden Offensivität die Aufmerksamkeit ganz auf sich selbst und darin vom jeglichem Tun auf den Glauben an ihn. Das ist der Kern unseres Glaubens, ihm zu folgen, indem wir auf ihn hören. Dieses Hören ist das Tun, das zum ewigen Leben führt: Nur eins erwartet Gott von euch: Ihr sollt an den glauben, den er gesandt hat. Joh 6:29

Verleihe mir einen Geist, der dich erkennt, ein Herz, das dich liebt, eine Seele, die an dich denkt, ein Tun, das dich verherrlicht, Ohren, die dich hören, Augen, die dich sehen, eine Zunge, die dich preist. Benedikt von Nursia


Was tust du denn für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben? Was wirkst du? Joh 6:30

Gerade hatte Jesus das Brotwunder vollbracht. War das nicht genug? Wir sehen: Kein Zeichen kann Glauben erzeugen. Sie verlangen von ihm, dass er ihnen wie damals bei Moses das Manna vom Himmel gibt. Und wieder lenkt Jesus die Aufmerksamkeit auf sich. Gott gibt seinen Sohn als Speise, damit jeder, der an ihn glaubt, ewig lebt. Das Manna war ein Etwas, das Brot Gottes hingegen ist eine Person. Er ist der, der aus dem Himmel herabkommt.

Das wahre Brot vom Himmel gibt euch jetzt mein Vater. Nur dieses Brot, das vom Himmel herabkommt, schenkt den Menschen das Leben. Joh 6:32-33


Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird niemals wieder hungrig sein und wer an mich glaubt, wird nie wieder Durst haben. Joh 6:35

Die Leute bitten Jesus ihnen jeden Tag dieses Brot zu geben. Sie dachten weiterhin an das Lebensmittel, weshalb Jesus es nun deutlich sagt: Ich bin das Brot! Man empfängt dieses Brot, wenn man zu ihm kommt, d.h. wenn man an ihn glaubt. Zu ihm kommen heißt, an ihn glauben. Wer an ihn glaubt, kommt zu ihm. Und er wird keinen abweisen (Joh 6,37)! Keiner soll verloren gehen. Das ist der Wille des Vaters, den Jesus erfüllen will. Mehrmals spricht Jesus von der Auferweckung. Wer an den Sohn Gottes glaubt, empfängt das ewige Leben. Wer glaubt, wird errettet. Diese so wichtige Wahrheit wiederholt er drei mal.

Kein Einziger von denen, die er mir anvertraut hat, soll verloren gehen. Ich werde sie alle am letzten Tag vom Tod auferwecken. Joh 6:39


Nach dem Willen meines Vaters hat jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, das ewige Leben. Ich werde ihn am letzten Tag zum Leben erwecken. Joh 6:40

Alle diese Menschen, die er mir gibt, werde ich am letzten Tag vom Tod auferwecken. Joh 6:44

Das ist der Wille des Vaters, der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern dass ich es auferwecke am letzten Tag. Joh 6:39

Betrachten wir doch hundertmal des Tages diesen liebenden Willen Gottes. Verschmelzen wir unseren Willen mit dem seinen und rufen wir voll Innigkeit aus: O unendlich beglückende Güte! Wie liebenswert ist doch Dein Wille! Du hast uns für das ewige Leben geschaffen und Dein von unvergleichlicher Liebe glühendes Herz strömt über von Erbarmen. Wir müssen unser Heil wollen, wie Gott es will. Er will aber unser Heil, indem er danach Verlangen trägt. Dieses Verlangen ist ein echtes Verlangen. Deutlich drückt er dies im Gleichnis vom König aus, der zum Festmahl einlädt (Mt 22,2-10) und durch Bitten, Mahnen und Auffordern drängt und fast zwingt zu kommen, sich an den Tisch zu setzen und zu essen.


Leute bestreiten, dass Jesus vom Himmel ist Joh 6,41-59


Jesus sagte zu ihnen: Murrt nicht! Joh 6,43

Fröhlich sein, nicht zu viel jammern, gerade auch über die berühmten großen Kleinigkeiten. Wir merken oft gar nicht, wie wir unsere Unlust zelebrieren, wie wir uns fixieren auf das Negative. Es gibt genügend Gründe, sich zu freuen. Ich war sehr lange Zeit sehr melancholisch veranlagt und ein kleiner Rest steckt sicherlich immer noch in mir drin. Durch meinen Glauben konnte ich immer mehr zu Freude finden. Das bedeutet nicht, dass wir auch mal Tage haben, wo wir mies drauf sind. Dennoch: “Tut alles ohne Murren und Zweifel” (Phil 2,14). Es ist wie mit einem Haus: da bröckelt es auch immer mal wieder hier und da. Aber das Fundament, auf dem das Haus steht, sollte die Freude darüber sein, dass wir unaussprechlich, unfassbar “Beschenkte” und “Geborgene” sind. Darum: Lasst uns fröhlich sein und jubeln und ihn ehren. Offb. 19,7


Da murrten die Juden über ihn, weil er gesagt hatte: Ich bin das Brot. Joh 6:41

Aus dem Fragen und dem Bitten ist Murren geworden. Jesus fordert sie auf, das Murren zu unterlassen und lenkt die Wichtigkeit auf das richtige Hören: Wer auf den Vater hört und von ihm lernt, der kommt zu Jesus. Wer richtig hört, lernt aus dem Wort, wer Gott ist und wer er selbst ist. Er lernt, dass er in der Sünde gefangen ist und dass Jesus der Christus ist, der von der Sünde befreit, und so kommt er zu ihm. Er wird das ewige Leben von ihm erhalten. Wer an ihn glaubt, hat das ewige Leben.

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der hat ewiges Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Joh 6:47-48


Da murrten die Juden über ihn, weil er gesagt hatte: Ich bin das Brot. Joh 6:41

Angesichts des mürrischen Protests hätte Jesus auch auf beruhigende Worte ausweichen und sagen können: „Freunde, macht euch keine Sorgen! Ich habe von Fleisch gesprochen, aber es handelt sich nur um ein Symbol. Was ich möchte, ist nur eine tiefe gefühlsmäßige Verbundenheit“. Aber nein, Jesus hat nicht derartige milde Worte verwendet. Er hat an seiner Aussage, an ihrem ganzen Realismus festgehalten, selbst auf die Gefahr hin, dass sich viele seiner Jünger zurückziehen würden.


Ja, ich bin das Brot des Lebens! Joh 6:48

Das Bild war früher sicherlich noch eindrücklicher, als Brot das Grundnahrungsmittel schlechthin war. Heute bei unserem Überfluss an Essen ist es schwieriger, das Bild in sich wirken zu lassen. Und trotzdem lässt sich erspüren, was Jesus sagen will: wenn du mich nicht an dich ran lässt, mich nicht aufnimmst, so wie das tägliche Essen, so wirst du sterben, nicht körperlich, sondern seelisch-geistig. Die Gottesverbindung nährt unsere Seele. Wenn wir nicht täglich essen (sprechen, beten zu Gott, Lesen in der Bibel), wird unsere Seele verhungern: Herr, unser täglich Brot gib uns heute.


Ich bin das Brot des Lebens. Joh 6:48

Jesus nennt sich das Brot des Lebens. Wie zu jedem Essen zumeist das Brot gehört, so sollen auch wir Christus in allen unseren Gebeten und Handlungen betrachten, ansehen und suchen. Wenn du Christus oft betrachtest, wird deine Seele von ihm erfüllt, du lernst seine Art und Weise kennen und deine Handlungen nach den seinen formen. Kinder lernen sprechen, indem sie der Mutter zuhören und alles nach zu sprechen versuchen. So werden auch wir, wenn wir Christus betrachten, sein Denken und Fühlen beobachten, bald durch ihn reden und handeln.

Man ist oft in der Gefahr, auf seinen eigenen Glauben zu schauen. In der Bibel steht aber: Lasst uns aufsehen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens. Corrie ten Boom


Hier ist das wahre Brot, das vom Himmel herabkommt. Wer davon isst, wird nicht sterben. Joh 6:50

Johannes überliefert in seinem Evangelium nicht das Abendmahl. Dafür wird in der Brotrede in einer kaum zu überbietender Deutlichkeit gesagt, was wir mit dem Abendmahl verbinden: das Essen seines Leibes und Trinken seines Blutes. Vor dem Vers 6,50 spricht Jesus vom Glauben an ihn, nun spricht er es offen aus: Wenn er das Brot vom Himmel ist, dann muss man von ihm essen. Essen heißt, etwas in sich auf zunehmen. In den jetzt folgenden Versen verwendet er immer und immer wieder das Wort essen. Die Verse 50-58 sind in ihrer Art der Wiederholung einmalig in der Bibel und unterstreichen die Bedeutung dieser Wahrheit für unser Leben:

Ich selbst bin dieses Brot, das von Gott gekommen ist und euch das Leben gibt. Wer von diesem Brot isst, wird ewig leben. Dieses Brot ist mein Leib, den ich hingeben werde, damit die Menschen leben können. Joh 6:51

Wenn ihr den Leib des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Joh 6:53

Nur wer meinen Leib isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ihn werde ich am letzten Tag auferwecken. Joh 6:54

Mein Leib ist die wahre Nahrung und mein Blut der Leben spendende Trank. Joh 6:55

Wer meinen Leib isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm. Joh 6:56

Ich lebe durch die Kraft Gottes, des lebendigen Vaters, der mich gesandt hat. Ebenso wird jeder, der meinen Leib isst, durch mich leben. Joh 6:57


Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Joh 6,51

Indem er die Schwelle des Todes überschreitet, wird Jesus lebendiges Brot. Im sich austeilenden Brot erkennen wir das Geheimnis des Weizenkorns, das stirbt und so Frucht bringt und so zur Brotvermehrung wird bis ans Ende der Welt. Dieses Brot essen heisst eintreten in die Gemeinschaft mit der Person des lebendigen Herrn. Diesen Herrn empfangen wir alle. Weil wir den gleichen Herrn empfangen und er uns aufnimmt, in sich hineinzieht, sind wir auch untereinander eins. “Weil wir ein Brot sind, sind wir viele auch ein Leib.” (1 Kor 10,17) Das muß sich im Leben zeigen in der Fähigkeit des Vergebens, in der Sensibilität für die Nöte des anderen, in der Bereitschaft zu teilen, im Einsatz für den Nächsten.


Viele Jünger wenden sich von Jesus ab Joh 6,60-71


Wer dieses Brot isst, der wird leben in Ewigkeit! Joh 6:58

Nach diesen Worten kam es unter den Juden zu einer heftigen Auseinandersetzung. Will dieser Mensch uns etwa seinen Leib zu essen geben? Jetzt murren die Juden nicht wie zuvor, sondern jetzt stritten sie untereinander. Sie beginnen, vom Herrn abgewandt, ihre Einwände, Gründe und Gegengründe zu diskutieren. Nach dieser Rede wandten sich viele, die Jesus gefolgt waren, von ihm ab und gingen nicht mehr mit ihm.

Das ist eine Zumutung! Wer will sich so etwas anhören? Joh 6:60


Die Worte aber, die ich euch gesagt habe, sind aus Gottes Geist und bringen das Leben. Joh 6:63

Jesus fragt seine zwölf Jünger: Wollt ihr mich auch verlassen? Petrus spricht für die Jünger, indem er dies verneint dies: “Du hast Worte ewigen Lebens.” (Joh 6:68). Auch wenn der Glaube der Jünger noch schwach ist, so suchen sie mit aufrichtigem Herzen. Wann werden auch wir endlich nur Gott suchen? O wie glücklich werden wir sein, wenn wir an diesem Punkt angelangt sind, denn dann werden wir überall haben, was wir suchen, und überall suchen, was wir haben. Denn das ewige Leben besteht in einer vollkommenen Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott. Es ist das Bleiben in seinen Händen, in seiner Liebe.


Wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Christus bist, der Sohn des lebendigen Gottes! Joh 6:69

Auch wir wollen heute mit tiefer Überzeugung ausrufen: Ja, Jesus, du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Wir tun dies in dem Bewußtsein, daß Christus der wahre »Schatz« ist, für den es sich lohnt, alles zu opfern; er ist der Freund, der uns nie verläßt, da er die tiefsten Sehnsüchte unseres Herzens kennt. Jesus ist der »Sohn des lebendigen Gottes«, der verheißene Messias, der in die Welt gekommen ist, um der Menschheit das Heil anzubieten und den Durst nach Leben und Liebe zu stillen, den jeder Mensch in sich trägt. Welch großen Nutzen würde die Menschheit daraus ziehen, nähme sie diese Botschaft auf, die Freude und Frieden mit sich bringt! Benedikt XVI


Judas war es dann auch, der Jesus später verriet. Joh 6:71

Beobachte dich selbst und zwar ruhig und nicht urteilend. Erkenne deine eigenen Abgründe, wo du dich letztlich von Jesus abwendest, weltliche Dinge wichtiger sind, du ihn – benutzen wir dieses harte Wort – verrätst. Durch das Beobachten deiner eigenen Abgründe, erkennst du umso besser Gottes Geduld und Erbarmen mit deiner Seele. Der größte Abgrund sind häufig unsere springenden Gedanken, die ununterbrochen alles kommentieren und bewerten. Bedenke: Situationen die uns in der einen Stunde negativ erregen, werden häufig schon in wenigen Stunden oder Tagen dies nicht mehr tun! Wenn wir das begreifen, können wir uns entschließen, diesen Gedanken von Anfang an nicht so viel Macht und Kontrolle über mich einzuräumen. Sei dir sicher: Deine Seele ist viel beständiger und ruhiger als es deine Gedanken und Gefühle je sein könnten.

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