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Johannes Kap. 05

Impulse, Auslegungen, Kommentare und Bibelzitate aus dem Johannes-Evangelium Kap. 5

Joh 5,1-15: Jesus heilt einen Gelähmten an einem Teich

In der Stadt befindet sich nicht weit vom Schaftor entfernt der Teich Betesda, wie er auf Hebräisch genannt wird. Er ist von fünf Säulenhallen umgeben. Joh 5:2

Jener Teich und jenes Wasser scheint mir das jüdische Volk bedeutet zu haben. Jenes Wasser also, d.h. jenes Volk, wurde von den fünf Büchern des Moses wie von fünf Hallen umschlossen. Allein jene Bücher wiesen zwar auf Kranke hin, heilten sie aber nicht. Denn das Gesetz überführte die Sünder, sprach sie jedoch nicht los. Darum machte der Buchstabe ohne die Gnade Schuldige, welche aber auf ihr Bekenntnis hin durch die Gnade befereit wurden. Die fünf Hallen sind das Gesetz. Warum heilten die fünf Hallen die Kranken nicht? Weil wenn das Gesetz so gegeben wäre, daß es imstande wäre zu beleben, die Gerechtigkeit wirklich aus dem Gesetze käme. Augustinus

Viele Kranke lagen in diesen Hallen: Blinde, Gelähmte und Verkrüppelte. Joh 5:3

Das Johannesevangelium schildert uns im 5. Kapitel eine ergreifende Szene am Teich Betesda. Am Teich waren fünf Säulenhallen. In diesen Hallen lagen viele Kranke, darunter Blinde, Lahme und Verkrüppelte. Unter ihnen befand sich  ein Mann, der schon achtunddreißig Jahre krank war. Die Krankheit, von der er so gerne befreit werden wollte, raubte ihm die nötige Kraft. Der Herr fragt: Willst du gesund werden? Ja gewiss, den Willen hatte er, aber er erklärt sein Unvermögen. Die Kraft, die ihm fehlt, sehen wir in Christus. Jesus tritt in sein Leben. Alles ändert sich, als Jesus zu ihm sagt: Steh auf, nimm deine Bahre und geh!  Sofort  wurde der Mann gesund .

Einer von den Menschen, die dort lagen, war schon seit 38 Jahren krank. Joh 5:5

Stehe auf, nimm dein Bett auf und wandle! Joh 5:8

Dies sind die Heilungsworte. Wie finden wir nun in diesen beiden Befehlen des Herrn die zwei Gebote der Liebe angedeutet? Mit der Aufforderung: Nimm dein Bett, scheint er mir gesagt zu haben: Liebe deinen Nächsten. Krank trug das Bett den Gelähmten. Gesund trägt aber er das Bett. Als du krank warst, trug dich dein Nächster. Du bist gesund geworden, trage deinen Nächsten. So wirst du, o Mensch, erfüllen, was dir fehlte. Nimm also dein Bett. Wenn du es genommen hast, bleibe nicht stehen, wandle. Indem du den Nächsten liebst und Sorge trägst um deinen Nächsten, begibst du dich auf den Weg. Wohin gehst du, als zu Gott dem Herrn, zu dem, welchen wir lieben müssen. Denn zum Herrn sind wir noch nicht gekommen, sondern wir haben den Nächsten um uns. Trage also den, mit dem du gehst, damit du zu dem kommst, bei dem du zu bleiben verlangst. Also nimm dein Bett und wandle. Augustinus

Sogleich wurde der Mensch gesund. Joh 5:9

Mehr freuen als verwundern müssen wir uns, daß unser Herr und Erlöser Jesus Christus Mensch geworden ist, als daß Gott Göttliches unter den Menschen vollbracht hat. Denn mehr dient zu unserem Heile das, was er wegen der Menschen geworden ist, als was er unter den Menschen getan hat, und mehr ist es, daß er die Mängel der Seelen heilte, als daß er die Schwächen der dem Tode unterworfenen Leiber heilte. Wie anders also ist dies zu verstehen, als daß jene Macht und Güte mehr auf das abzielte, was die Seelen in seinen Taten für das ewige Heil erkennen sollten, als was die Leiber für das zeitliche Wohl erlangen sollten. Augustinus

Der Geheilte wusste nicht, wer es war, denn Jesus war weggegangen, weil so viel Volk an dem Ort war. Joh 5:13

Wir tragen den Nächsten und wandeln zu Gott, aber wir sehen den noch nicht, zu dem wir wandeln. Darum kannte auch jener Jesus noch nicht. Dieses Geheimnis ist uns nahegelegt, weil wir an den glauben, den wir noch nicht sehen und damit er nicht gesehen werde, verschwindet er in der Menge. Es ist schwer, in der Menge Christus zu sehen. Eine gewisse Einsamkeit ist unserem Geiste nötig. In einer gewisssen Einsamkeit der Beschauung wird er gesehen. Bei der Menge geht es geräuschvoll zu, jenes Schauen verlangt Abgeschiedenheit. Weil der Geheilte nicht abließ, sein Bett zu tragen und zu wandeln, sah ihn Jesus nachher im Tempel. In der Menge sah er ihn nicht, im Tempel sah er ihn. Er kam also zum Herrn, er sah ihn im Tempel, er sah ihn an einem heiligen Orte.

Danach findet ihn Jesus im Tempel und spricht zu ihm: Siehe, du bist gesund geworden. Sündige hinfort nicht mehr. Joh 5:14

Joh 5,16-30: Jesus behauptet, Gottes Sohn zu sein

Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke auch. Joh 5:17

Mein Vater wirkt bis jetzt. Ihr schauet die Werke Gottes. Ich war dabei, als sie entstanden, durch mich sind alle gemacht worden. Der Vater hat das Licht hervorgebracht. Aber er sprach, es solle das Licht werden. Wenn er sprach, hat er durch sein Wort gewirkt. Sein Wort war ich, bin ich: durch mich ist die Welt geworden in jenen Werken, durch mich wird die Welt gelenkt in jenen Werken. Mein Vater hat damals gewirkt, als er die Welt erschuf, wie er auch jetzt noch wirkt, da er die Welt regiert. Also hat er sie durch mich erschaffen, da er sie erschuf, und er regiert sie durch mich, da er sie regiert. Siehe, er ist in ihm, siehe er wirkt. Der Sendende trennt sich nicht vom Gesandten, weil der Sendende und der Gesandte eins sind.

Der Vater liebt den Sohn und zeigt ihm alles, was er selbst tut. Joh 5:20

Warum sagte er: der Vater wird dem Sohne zeigen? Weil wir Glieder des Sohnes sind und, was wir Glieder gleichsam lernen, er gewissermaßen in seinen Gliedern lernt. Wie lernt er in uns? Wie er in uns leidet. Wie beweisen wir, daß er in uns leidet? Aus jener Stimme vom Himmel: Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich? Ist nicht er es, der sagen wird:  Wenn ihr einem aus meinen Geringste, etwas gegeben habt, so habt ihr es mir gegeben. Also lasset uns Glück wünschen und Dank sagen, daß wir nicht bloß Christen geworden sind, sondern Christus. Verstehet ihr, fasset ihr die Gnade Gottes an uns? Staunet, freuet euch, Christus sind wir geworden. Denn wenn jener das Haupt ist, wir die Glieder, dann ist der ganze Mensch er und wir.

Er wird ihm noch größere Werke zeigen als diese, sodass ihr euch verwundern werdet. Joh 5:20

Welches sind aber jene größeren Werke? Größere Werke als die Heilung des Gelähmten also sind die Erweckung von Toten. Wer vom Tode zum Leben hinübergegangen ist auferstanden. Es findet bereits jetzt eine Art Auferstehung statt: vom Tode des Unglaubens zum Leben des Glaubens.  Es ist also auch dies eine Auferstehung der Toten. Ich also habe die Worte meines Herrn gehört und geglaubt. Ich war ungläubig und bin nun gläubig geworden. Wie er mich mahnte, bin ich vom Tode zum Leben übergegangen, ich komme nicht ins Gericht, nicht wegen meines Selbstvertrauens, sondern durch seine Verheißung.

Wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will. Joh 5:21

Die Stunde kommt und ist schon da, wo die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie hören, werden leben. Joh 5:25

Diese Stunde ist keine Stunde von den zwölf Stunden des einen Tages. Von da an, wo er sprach, bis zu dieser Zeit und bis zum Ende der Welt dauert jene eine Stunde. Also ist sie jetzt. Sie werden hören, d.h. sie werden gehorchen. Viele hören und glauben nicht. Indem sie hören und nicht glauben, gehorchen sie nicht. Die also aber gehorchen, werden leben. Gepredigt wird Christus, das Wort Gottes, der Sohn Gottes. Wenn also das Wort kommt und den Hörenden eingegossen wird und diese nicht bloß Hörer, sondern auch Befolger des Wortes geworden sind, so erhebt sich die Seele von ihrem Tode zu ihrem Leben. Wer tot war, lebe. Es höre die Stimme des Sohnes Gottes, wer tot dalag, er stehe auf und lebe.

Wie der Vater das Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohn verliehen, das Leben in sich selbst zu haben. Joh 5:26

Ich bin das Leben. Dies sagt dir dein Heiland: Du hast nirgends hinzugehen als zu ihm. Du hast auf keinen andern Wege zu gehen als dem, der er ist. Jetzt also währt diese Stunde und es dauert immerdar fort. Es stehen Menschen auf, die tot waren, sie gehen hinüber zum Leben, sie leben auf die Stimme des Sohnes Gottes hin, sie leben von ihm, verharrend im Glauben an ihn. Es hat ja der Sohn Gottes das Leben, er hat, wovon die Glaubenden leben.

Ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen des Vaters, der mich gesandt hat. Joh 5:30

in seinem vollkommenen Menschsein erfüllt Jesus Augenblick für Augenblick den Willen  des  Vaters. Jesus hört sein Wort und gehorcht ihm mit seinem ganzen Sein. Er kennt den Vater und hält an seinem Wort fest. Er berichtet uns vom Vater. Jesus zeigt also, daß er der göttliche Logos ist, der sich uns hinschenkt, aber auch der wahre Mensch, der in jedem Augenblick nicht den eigenen Willen, sondern den des Vaters erfüllt. In vollkommener Weise hört er das göttliche Wort, verwirklicht es in sich selbst und teilt es uns mit. Jesus Christus ist dieses endgültige und wirkkräftige Wort, das vom Vater ausgegangen und zu ihm zurückgekehrt ist und das in der Welt seinen Willen vollkommen verwirklicht hat. Benedikt XVI

Joh 5,31-47: Jesus nennt Bestätigungen für Behauptung

Ein anderer ist es, der von mir Zeugnis ablegt. Joh 5:32

Der erste Zeuge den Jesus benennt ist Johannes der Täufer. Dies bezieht sich v.a. auf die Ereignisse aus dem ersten Kapitel des Johannesevangelium. Johannes der Täufer zeugt von Jesus ewiger Existenz: Er war vor mir (Joh 1,15),  von seiner Gottheit, denn Jesus ist der Herr (Joh 1,23). Er zeugt von Jesus Würde, denn er war nicht würdig, die Sandale zu lösen (Joh 1,27). Er zeugte von Jesus Opfer, denn er sagt: Jesus ist das Lamm (Joh 1,29). Er zeugte von seiner Herrlichkeit, denn der Geist kommt wie eine Taube herab (Joh 1,32). Er zeugte von Jesus göttlichen Rechten, denn Jesus tauft mit dem Geist (Joh 1, 33) und er zeugte von Jesus Gottessohnschaft (Vers 34).

Darum bezeuge ich, dass dieser Mann der Sohn Gottes ist. Joh 1:34

Die Werke, die mir der Vater gab, dass ich sie vollbringe, eben die Werke, die ich tue, geben Zeugnis von mir, dass der Vater mich gesandt hat. Joh 5:36

Welche Werke hat Jesus damals wohl gemeint: Das Heilen von unheilbaren Krankheiten? Das Austreiben von Dämonen? Seine vollmächtige Rede, die die Menschen in ihren Bann gezogen hat? Sicher ja. Trifft alles zu. Aber ein Werk steht im Zentrum: die Auferstehung. Ein Werk, das auch heute unerklärlich bleibt.

Durch die Auferstehung ändert sich alles. Der Tod ändert sich. Er war immer das Ende; jetzt ist er der Anfang. Max Lucado 

Ihr forscht in der Schrift, weil ihr meint, durch sie das ewige Leben zu finden. Aber gerade die Schrift weist auf mich hin. Joh 5:39

Der 3.Zeuge ist die Schrift. Das besondere ist, dass die Bibel von Jesus zeugt. Die Bibel, und um es genau zu nehmen, das Alte Testament, ist der dritte Zeuge den Jesus hier aufruft. Die Bibel ist ein klarer Zeuge für Jesus. Hier steht alles drin, alles Wichtige ist gesagt. Wenn in der Kirche die Heiligen Schriften gelesen werden, spricht Gott selbst zu seinem Volk und verkündet Christus, gegenwärtig in seinem Wort.

Das Neue Testament ist im Alten verhüllt, das Alte im Neuen enthüllt. Augustinus

Wir verstehen das Neue Testament nur dann richtig, wenn wir es aus der Perspektive des Alten  Testaments heraus lesen. Guido Baltes

Ich nehme nicht Ehre von Menschen. Joh 5:41

Es gibt eine Sache, die uns im Weg stehen kann. Es ist die Suche nach unserer eigenen Ehre. Wir nehmen viel zu oft die Ehre von Menschen und streben danach.

Der Blick auf Jesus heilt davon, da er nicht die eigene Ehre suchte, sondern für Gott auch bereitwillig Hohn und Spott ertrug. Ein Blick auf Johannes den Täufer kann hilfreich sein, der sagt: Jesus muss wachsen, ich aber muss abnehmen. Er schickte er seine Jünger weg, damit sie Jesus nachfolgen. Die Ehre Jesu war wichtiger als die eigene. Und so sollte es auch in unserem Leben sein.

Ihr seid doch nur darauf aus, voreinander etwas zu gelten. Aber euch ist völlig gleichgültig, ob ihr vor dem einzigen Gott bestehen könnt. Joh 5:44