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Jak Kap 1

Impulse, Auslegungen, Kommentare und Bibelzitate aus dem Brief des Jakobus Kap. 1


Autor ist Jakobus, eine starke Persönlichkeit in der Ur-Gemeinde Jerusalems. Der Brief ist in Form einer Mahnschrift verfasst. Allein 54 von 108 Versen stehen im Imperativ (=Befehlsform). Der Name des Herrn wird zwar nur 2x erwähnt, allerdings kommen mehr Worte Jesu vor als in allen anderen Briefe des NT’s zusammen genommen, allein 20 Anspielungen auf die Bergpredigt! Der Brief ist daher eine tiefe, praktische Auslegung der Worte Jesu. Er ist eine praktische Einweisung in das christliche Leben. Es geht um die Bewährung des christlichen Glaubens im Alltag. So lautet auch der Schlüsselvers: “Der Glaube ohne Werke ist tot.” Echter, lebendiger Glaube wirkt sich sich in aktiven, guten Taten aus, nicht deshalb, damit du deshalb gerettet wirst, sondern als Beweis für den erlösenden Glauben.  


Betrachtet es als besonderen Grund zur Freude, wenn euer Glaube immer wieder hart auf die Probe gestellt wird. Jak 1:2‭-‬3

Dein Leid ist eine Prüfung, eine Zeit, in der sich dein Glaube bewähren muss, du kannst es als Herausforderung verstehen, daran zu reifen. Von Christus kannst du lernen, wie du dein Leid überwindest, indem du es trägst. Dies ist gerade im schweren, unveränderbaren Leiden der einzige Weg. Christliche Wahrheit ist, dass nicht die Flucht vor dem Leiden den Menschen heilt, sondern die Fähigkeit, die Schwierigkeiten anzunehmen und an ihnen zu reifen, indem man in ihnen durch die Vereinigung mit Christus einen Sinn findet. “Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst.” (Goethe) und dieses Leben ist Christus selbst. Alles Leid, das mit Jesus Leiden vereinigt wird, hat immer großen Wert. Damit dein Leid Früchte hervorbringen kann, muß es angenommen, erlitten und mit Jesus Leiden vereinigt werden.  

Wenn ich eine Bilanz meines ganzes Lebens ziehe, bin ich fast nur in Zeiten des strengen Regiments der Schmerzen in der Gnade gewachsen. Spurgeon  


Betrachtet es als besonderen Grund zur Freude, wenn euer Glaube immer wieder hart auf die Probe gestellt wird. Ihr wisst doch, dass er durch solche Bewährungsproben fest und unerschütterlich wird. Jak 1, 2-3

Dein Glaube wird durch Leiderfahrungen auf die Probe gestellt. Dein Leben läuft nie nur gerade aus. Du wirst immer wieder vor großen Herausforderungen stehen. Durch die Möglichkeit der Bewährung sind diese Herausforderungen eine Chance für dich, um im Glauben an Gott zu wachsen, so dass dein Glaube immer stärker wird. Daher soll sich jeder den Herausforderungen stellen. Durch die Glaubens-Prüfungen wirst du standhafter, lernst in Geduld und im Gottvertrauen auszuharren. “Ich weiß nichts von der Zukunft, aber ich vertraue auf dich.” (Franz von Assisi). Das meint nicht einfach passives Ertragen, sondern vielmehr ein aktives Wechseln der Perspektive, welche die Wirkung dieser Standhaftigkeit im Leid wahrnimmt, nämlich, dass wir zu reifen Christen werden, dass unser Glaube nicht klein und wackelig wird, sondern groß und stabil.  


Wenn es jemandem von euch an Weisheit mangelt zu entscheiden, was in einer bestimmten Angelegenheit zu tun ist, soll er Gott darum bitten, und Gott wird sie ihm geben. […] Betet aber im festen Vertrauen und zweifelt nicht. Jak 1:5-6

Manchmal weißt du nicht, was in einer Angelegenheit zu tun ist. Simpel und schlicht wird uns hier nahe gelegt, um Gottes Weisheit zu bitten. Ich mache das z.B. immer vor schwierigen Elterngesprächen. Ich bin nie enttäuscht worden. Gott kann, will und wird dir geben und dir helfen. Du darfst nur nicht zweifeln. Spürst du Zweifel in dir aufsteigen, dann erinnere dich an die häufig gesprochenen Worte Jesus: “Dein Glaube hat dir geholfen.” Und bedenke: jeder Zweifel stellt Gott in Frage und blockiert seine uns ewig zufließende Liebe. Beten wir also im unerschütterlichen Glauben. Tun wir dies nicht, sind wir wie Wellen im Meer, die vom Sturm des Lebens hin- und hergetrieben werden.  


Wer unter euch arm ist und wenig beachtet wird, soll sich darüber freuen, dass er vor Gott hoch angesehen ist. Jak 1:9

Dein Glaube wird geprüft beim Umgang mit anderen Menschen, ob du Unterschiede im Handeln an dieser Person machst, abhängig davon ob sie reich/arm ist, ob sie eine gewisse Stellung hat etc. Tun wir das, leben wir nach weltlichen Maßstäben. Im christlichen Glauben dagegen ist jeder Mensch in seiner Würde gleich wertvoll. Auch wenn wir das nie voll und ganz schaffen, sollten wir uns darum bemühen, im Handeln unabhängig von der Anerkennung von anderen zu werden sowie im Handeln am anderen unabhängig zu werden, ob dieser von anderen “anerkannt” ist. Behandeln wir jeden Menschen gleich in Liebe. Bei Gott sind wir alle hoch angesehen.  


Ein Reicher dagegen soll niemals vergessen, wie wenig sein irdischer Besitz vor Gott zählt. Wie eine Blume auf dem Feld wird er samt seinem Reichtum vergehen. Jak 1:10

Unser wirklicher Wert hängt niemals am Reichtum, auf ihn sollten wir nie vertrauen. Christus hat uns alle für wertvoll erklärt. Als Geschöpfe Gottes sind wir kostbare Wesen. Irdische Dinge sind wertlos, werden verrotten. All unser Reichtum bewahrt uns nicht vor Vergänglichkeit und Tod. Die Wurzel vieler Leiden in der Welt im Großen und in der Familie im Kleinen ist die Geldgier.

Der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt. Lk 12,15


Jeder Einzelne wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde gereizt und gelockt wird. Jak 1:14

Die Liebe tastet die Freiheit nicht an und deshalb kann es oft so kommen, daß das Schlechte seine Reize tief in unser Herz hineinwirft und wir zu großes Gefallen daran finden. Die Neigung, an der Versuchung Freude zu empfinden, liegt in unserer Natur. Entweder zeigt die Versuchung uns nämlich etwas, das unseren Sinnen als köstliches Gut erscheint oder ein Gut, das nützlich zu sein scheint, uns zu bereichern, um die Begierlichkeit der Augen, Geiz und Habsucht in uns wachzurufen. Gleich den Dornen wird es die himmlische Gnadensaat ersticken. Gott will es aber nicht verhindern, daß wir Versuchungen erleiden, damit durch unseren Widerstand die Liebe erstarke und im Kampf den Sieg erringe.  

 


Niemand, der in Versuchung gerät, kann behaupten: Diese Versuchung kommt von Gott […] Es sind vielmehr unsere eigenen selbstsüchtigen Wünsche, die uns immer wieder zum Bösen verlocken. Jak 1, 13-14

Eine Versuchung ist noch keine Sünde, sondern erst dann, wenn du ihr erliegst. Ursprung jeder Versuchung liegt im Wesen des Menschen selbst. Gott lässt sie zu, um unseren Glauben zu prüfen. Gott überfordert uns nie, weil er weiß was jeder zu tragen vermag. Das ist ein Zeichen der ewigen Barmherzigkeit Gottes. Es geht um die Erfahrung der eigenen Schwächen. Das Arbeiten an unseren Schwachstellen führt Hand in Hand mit aufrichtiger Bemühung und gutem Willen zur Bewährung im Glauben, die dann Stück um Stück eine Beharrlichkeit im guten Lebenswandel nach sich zieht. Lebensprüfungen sind somit ein wichtiger Bestandteil unseres Wachstumsprozesses.    


Nachdem die Begierde dann schwanger geworden ist, bringt sie die Sünde zur Welt. Jak 1:15

Jeder von uns hat viele Gefühle, Neigungen, Gewohnheiten, Leidenschaften, Fähigkeiten und Kräfte. Über dieses Vielerlei hat Gott den lenkenden Willen gesetzt. Aber die Macht des Willen ist nicht uneingeschränkt und er ist fehlbar. Er kann den Augen nicht das Sehen oder den Ohren nicht das Hören verbieten. Wie oft haben wir sinnliches Begehren, die unserem Willen widersprechen. Darin besteht der tägliche geistliche Kampf zwischen Geist und Fleisch. Auch wenn wir die Versuchung fühlen, können wir unsere Zustimmung zu ihr verweigern. Der Wille hat so viel Macht über dieses Begehren, daß er es zurück schlagen kann. Wir können nicht die Begierde verhindern, wohl aber, daß sie die Sünde gebäre. So richten wir uns nach Gott aus.

 


Und hütet euch vor unbeherrschtem Zorn! Denn im Zorn tun wir niemals, was Gott gefällt. Jak 1, 19-20

Man kann sich endlos hineinsteigern über so unendlich vieles auf dieser verrückten Welt. Doch man erreicht Wertvolleres mehr, wenn man sich nicht so übertrieben toll erbost oder am allerbesten gar nicht erst zu ärgern anfängt. Im Vers 21 heißt es bildhaft, dass wir alles ablegen sollen, was unsauber ist und stattdessen das rettende Wort aufnehmen sollen. Wir werden uns im Zorn oder in anderen Dingen der Unbeherrschtheit immer wieder verfehlen und sündigen. Das ist menschlich. Wenn wir allerdings resignierend der Sünde komplett die Tür öffnen, lässt uns das gegenüber Gottes rettendem Wort ertauben.    


Seid immer sofort bereit, jemandem zuzuhören; aber überlegt genau, bevor ihr selbst redet. Jak 1, 19

Ich habe heute viele Gesprächstermine. Um das richtige Wort zur rechten Zeit zu finden, ist es wichtig, mich empathisch in die Situation und in den anderen hinein zu fühlen. Bin ich mir bewusst, dass das Hören wichtiger ist als das Sprechen? Ob nun in der Beziehung zu Gott oder zum Mitmenschen. Denn das Hören geht dem Sprechen voran. Hören* darauf, was der andere denkt und fühlt. Hören* darauf, was Gott mir heute sagen möchte. Fragen sind dabei sehr hilfreich.

Ob ein Mensch klug ist, erkennt man viel besser an seinen Fragen als an seinen Antworten. Francois G. de Levis)


Im Zorn tun wir niemals, was Gott gefällt. Jak 1:20

Selig ist jener Mensch, der sich nicht leicht erzürnt. Ein Solcher lebt jederzeit im Frieden. Wer den Geist des Zorns von sich vertreibt, ist frei von Krieg und Verwirrung und befindet sich allzeit in tiefster Seelenruhe und verrät durch sein Gesicht schon die innere Freude. Wer nicht jähzornig ist, läßt sich nicht von jedem leeren Worte aufbringen. Er hält sich ohne Mühe zurück und erträgt leicht die Redsüchtigen. Er hat keine Freude an Streitigkeiten, denn er zeigt sich gegen alle liebevoll. Wer dem Zorne nicht ergeben ist, hat kein Vergnügen an Wortzänkereien. Er hat seine Freude am Frieden. Er wird eine Wohnung des hl. Geistes. Ephräm der Syrer  

Gott, durch das Blut, das aus deiner Seite floß, hast du über höchste Höhen und die tiefsten Tiefen den Frieden gebreitet. Sende deinen Frieden unter die zürnenden Menschen! Ephräm der Syrer

 


Denn im Zorn tun wir niemals, was Gott gefällt. Jakobus 1:20

Makarios sprach: Wenn du einen zu tadeln hast und dabei in Zorn gerätst, dann befriedigst du deine eigene Leidenschaft. Statt dass du andere rettest, verdirbst du dich selbst. Apophthegmata  

Es gibt viele Gründe, einen anderen zu kritisieren. Aber wenn ich kritisiere, muss ich immer wissen, in welcher Absicht ich es tue. Wil ich ihm helfen, sich selbst besser kennenzulernen und manches zu verbessern? Oder will ich mich über ihn stellen? Wenn ich ihn tadle und dabei in Zorn gerate, dann kreise ich zu sehr um meinen Zorn. Ich lasse mich vom Zorn hinreißen. Dann helfe ich dem anderen nicht weiter und schade mir selbst. Denn ich lasse mich vom Dämon des Zorns beherrschen und mir die innere Freiheit und Ruhe rauben. Meine Worte kommen nicht aus meinem Herzen, sondern werden mir vom Zorn aufgedrückt. Das tut mir nicht gut. Ich verderbe mich selbst. Anselm Grün  


Denn im Zorn tun wir niemals, was Gott gefällt. Jakobus 1:20

Wenn wir bereit sind, dem Zorn in uns Raum zu geben, schneiden wir uns von der Liebe ab. Dann setzen wir das Gebot der Liebe, das Jesus uns gegeben hat, außer Kraft. In den Gedanken des Zorns das Gebot Jesu hineinzustellen, scheint uns auf den ersten Blick eine zu einfache Lösung. Aber auch darin liegt für mich Weisheit. Denn wir sollen mit dem Zorn nicht diskutieren. Wenn ich einfach das Gebot Jesu von der Liebe hineinstelle und damit dem Geist Jesu in mir Raum gebe, wird er den Zorn allmählich auflösen. Der Zorn hat keine Argumente mehr für sich. Das Wort Jesu steht einfach klar dagegen. Dieses Gebot immer wieder vorsagend, werde ich Jesu Liebe in mir erfahre können, die den Zorn überwindet.

 


Allerdings genügt es nicht, seine Botschaft nur anzuhören; ihr müsst auch danach handeln. Alles andere ist Selbstbetrug! Jakobus 1:22

Vor deinem Handeln kommt dein Hören auf Gottes Wort. Dieses darf nie nur leeres Wissen sein. Unser Alltag muss vielmehr zum Gottesdienst werden. Wir sollen Hörer und Täter des Wortes sein. Der Glaube an Jesus ist etwas Aktives, verändert uns und drängt zur Tat. Durch jede selbstlose Liebetat wird der zarte Gottesfunke in unserem Herzen mehr und mehr entfacht, so dass wir wachsen in der Liebe. So können wir fragen: Hörst du noch oder liebst du schon? Dazu gehört eine ehrliche Sicht auf sich selbst und seine Schattenseiten. Jakobus hebt hier besonders die Macht der Zunge heraus:

Wer sich für fromm hält, aber seine Zunge nicht zügeln kann, der macht sich selbst etwas vor. Seine Frömmigkeit ist nichts wert. Jak 1:26

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