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19 Hebräer

Hebräer – Auslegungen

Hebräer Kapitel 1

Hebr 1,1-2

In der Vergangenheit hat Gott immer wieder und auf vielfältige Weise durch die Propheten zu unseren Vorfahren gesprochen. Doch jetzt, in dieser letzten Zeit, sprach Gott durch seinen Sohn zu uns. Heb 1:1‭-‬2

Ohne Einleitung kommt der Brief zum Thema: die fortschreitende, noch bruchstückhafte Offenbarung Gottes im AT findet in der Menschwerdung seines Sohnes Jesus seine Vollendung. In einmaliger Weise beschreibt Kapitel 1 Christus in seiner Herrlichkeit. Bitte lesen! Christus wird beschrieben als der Erbe aller Dinge, Schöpfer des Weltalls, Abglanz Gottes, Erhalter aller Dinge, Retter von unseren Sünden, König auf Seinem Thron, vom Vater Gezeugter, Gesalbter Gottes und Herr der Ewigkeit. Aufgrund dessen sollen wir “umso mehr auf das zu achten, was wir gehört haben” (Heb 2,1) und das sind die Worte und das Leben von Jesus Christus. Wenn du das Evangelium hörst, dann achte darauf, es mit dem Herzen zu hören und innerlich zu verkosten. Ansonsten wird es keine Frucht bringen.

Hebr 1,14

Engel sind dienende Geister, ausgesandt, um denen zu helfen, die das Heil erben sollen? Hebr 1,14

Ja, du hast einen Schutzengel, aber hüte dich vor einem naiven Schutzengel-Verständnis. Ansonsten würden uns diese Momente des Leids am Schutzengel zweifeln lassen. Der Schutzengel schützt uns kraft des heiligen Willens Gottes nicht vor all diesen Momenten, aber er schützt uns in diesen Momenten! Durch seine Engel ist Gott bei uns in diesen finsteren Tälern und gibt uns Kraft, so wie er unseren Herrn durch einen Engel im Garten Gethsemane kräftigte.

Hebräer Kapitel 2

Hebr 2,17

Deshalb musste er uns […] in allem gleich werden. Dadurch konnte er ein barmherziger und zuverlässiger Hoherpriester für uns werden und sich selbst als Sühneopfer für unsere Sünden Gott darbringen. Heb 2:17

Ging es im Kapitel 1 um die Erhöhung Christi, beleuchtet Kapitel 2 die Erniedrigung Jesu, die Grundlage unserer Erlösung, denn damit identifiziert er sich mit uns, nennt uns Brüder und Schwestern und möchte uns in die Gemeinschaft mit Gott führen. Nachdem Jesus sein Werk auf Erden vollbracht hatte, er für uns alle den Tot erlitten hatte, haben wir nun einen Stellvertreter bei Gott im Himmel, der uns persönlich dort vertritt. Beide Seiten der Herrlichkeit des Herrn Jesus Christus, ganz Gott und ganz Mensch, sind untrennbar verbunden und machen die Schönheit seiner erhabenen Person aus. Darum geht es in den ersten zwei Kapiteln des Hebräerbriefes.

Hebräer Kapitel 3

Hebr 3,1

Daher, ihr heiligen Brüder, die ihr Anteil habt an der himmlischen ­Berufung, betrachtet den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Christus Jesus Heb 3:1

Die Betrachtung ist ein aufmerksames, wiederholtes Nachdenken um den Willen zu heiligen und zu heilsamen Affekten und Entschlüssen anzuregen. Die Seele geht von einem Geheimnis zum anderen, aber nicht nur, um die Schönheit der göttlichen Dinge zu sehen und an ihr Freude zu haben, sondern mit der Absicht, Beweggründe zur Liebe zu finden. Brennend vor Liebe, spricht sie mit Gott, stellt ihm Fragen, hört ihm zu, seufzt, sehnt sich nach ihm, bewundert ihn. Gott seinerseits überhäuft sie mit Freude, regt sie an, rührt und öffnet ihr Herz und teilt demselben klare Erkenntnisse, Erleuchtungen und Wonnen ohne Ende mit. Das Verlangen nach der göttlichen Liebe läßt uns betrachten. So wie die Bienen da und dort Honig sammeln, um sich an seiner Süße zu erfreuen, so pflegen auch wir die Betrachtung, um die Liebe zu Gott zu gewinnen.

Hebr 3,14

Denn nur wenn wir wirklich bis zuletzt an der Zuversicht festhalten, die der Glaube uns schenkt, gehören wir zu Christus. Heb 3:14

Ich liebe die Bildsprache der Bibel, die bis ins Tiefste meiner Seele vordringt. Zuversicht als Haltung fordert mich, ich kann diese Zuversicht wegwerfen oder ich kann sie festhalten. Wenn du die Zuversicht festhälst, geht es nicht um nüchternen Optimismus oder Vertröstung (Marx: Religion als Opium für das Volk), sondern es geht um eine “Potenzierung der Hoffnung” (Benedikt XVI). Sich hoffend, zuversichtlich immer wieder neu zu besinnen, verändert unser Leben. Das Ich wird reif, wenn es sich im völligen zuversichtlichen Vertrauen in Gott verliert, sich hingibt. Wer loslässt, vertrauend, hoffend, zuversichtlich, der empfängt.

Hebräer Kapitel 4

Hebr 4,11

Darum lasst uns alles daransetzen, zu dieser Ruhe Gottes zu gelangen. Heb 4,11

Glaube ist eine Herzenssache! Darum: “Heute, wenn ihr meine Stimme hört, dann verschließt eure Herzen nicht.” (Heb 3:7‭). Das Hauptproblem des wandernden Wüstenvolkes Israel war diese Herzverschließung, das Zweifeln und Murren gegen Gott. Deswegen wurde ihnen der Eintritt ins gelobte Land verwehrt. Dieser Eintritt ins gelobte Land ist ein ein Sinnbild für das Ruhen in Gott. Der Hebräerbrief bezieht dies nun auf Jesus: Wenn wir zur Ruhe Gottes gelangen wollen, müssen wir an Jesus Christus glauben und nicht immer wieder murren. “Die wir ihm vertrauen, werden zu der Ruhe gelangen, die Gott versprochen hat.” (Heb 4,3) “Wenn wir wirklich bis zuletzt an der Zuversicht festhalten, die der Glaube uns schenkt, gehören wir zu Christus.” (Heb 3:14)

Hebr 4,12

Das Wort Gottes ist lebendig. Hebr 4,12

“Die Bibel ist mein edelster Schatz, ohne den ich elend wäre” (Kant). Im Wort Gottes begegnen wir dem Auferstandenen. “Die Schrift nicht kennen, heißt Christus nicht kennen” (Hieronymus). Ja: “Um erwachsene Christen zu werden, müsst ihr euch mit der Schrift vertraut machen.” (Chrysostomus). Sie muss für uns vom Lesebuch zum Lebensbuch werden. Dieses Wort des Lebens Christus soll in unserer Seele wirken, wie der stete Tropfen, der den Stein immer an der gleichen Stelle höhlt. Zu einem Ende werden wir nie kommen, denn “die Bibel gleicht einem Acker, der nie abgeerntet werden kann und deshalb nie öde und leer daliegt. Sie gleicht einer Quelle die beständig fließt und um so reichlicher strömt, je mehr man daraus schöpft.” (Ephräm der Syrer)

Welches Wort der Bibel spricht mich momentan an?

Hebräer Kapitel 5

Hebr 5,7

Dieser hat in den Tagen seines Flei­sches sowohl Bitten als auch Flehen mit lautem Rufen und Tränen dem dargebracht, der ihn aus dem Tod erretten konnte, und ist auch erhört worden um seiner Gottesfurcht willen. Heb 5:7

Wir können für den anderen einfach durch unser Da-Sein helfen oder durch tatkräftige Hilfe oder drittens durch unser Gebet für ihn. Wie in allen anderen Dingen auch, ist Jesus hier das große Vorbild. Wir, die wir in seiner Nachfolge stehen, folgen ihm auch im Fürbitten nach. In der Fürbitte verlasse ich meine so häufig egozentrische Sichtweise und öffne mich nach aussen, lebe im wahrsten Sinne des Wortes den Leib Christi. Hin und wieder ertappe ich mich beim Fürbitten im Morgengebet bei der unbewussten Frage “Hört nun Gott mein kleines, unbedeutendes Gebet, das sonst keiner sieht und hört.” Ja “Zweifel können quälen, aber sie können nicht schaden, außer wir geben ihnen nach.” (John Henry Newman), denn ich weiß unser Vater sieht das Verborgene (Mt 6,6). Gott segne dich und dein fürbittendes Dasein für andere!

Hebräer Kapitel 6

Hebr 6,12

Werdet in eurem Glauben nicht träge und gleichgültig. Heb 6:12

Ging es in den ersten zwei Kapiteln um den erhöht-erniedrigten Christus, der allein uns in das Land der Ruhe führen kann, wenn wir ihm vertrauen, legt der Hebräerbrief nach: Werdet erwachsen im Glauben! Nur dann verändert dein Glaube dein ganzes Sein. Dein Glaube ist mehr als Lippenbekenntnisse. Dein Glaube ist mehr als das Mitmachen von Ritualen. Er ist tätiger Glaube, der voran geht und der trotz Rückschläge immer wieder versucht Gott treu zu bleiben. Daraus erwächst der Segen für dein Leben. “Ein Mensch, der Gott treu bleibt, der wird von ihm gesegnet.” (Heb 6:7). Und eben dieser erwachsene Glaube ist unsere Hoffnung, die “ein sicherer und fester Anker ist” (Heb 6:19) in den Lebensstürmen um uns herum und noch viel mehr in unserem Innersten.

Hebr 6,19

Diese Hoffnung ist für uns ein sicherer und fester Anker, der hineinreicht in den himmlischen Tempel, bis ins Allerheiligste hinter dem Vorhang. Heb 6:19

Die Bezeichnung des Langhauses und der seitlichen Gänge als Schiff leitet sich davon her, dass die Kirchenväter die Gemeinschaft der Glaubenden als Schiff bezeichneten, das die Gläubigen aus dem Sturm der Zeit rettet. Das Schiff ist ein sehr altes Symbol für die Kirche. Gemeinsam ist sie unterwegs im Meer der Zeit. Das Meer steht für die Bedrohung durch die Sünde und den Tod. Mit Christus sind die Christen unterwegs zum Hafen Gottes, der Ewigkeit. Der Mast symbolisiert das Kreuz Christi. Der Anker ist hierbei ein Symbol der Hoffnung, der Zuversicht und des Heils. Im Hafen sichert der Anker den Platz des Schiffes, auf hoher See bietet er Sicherheit bei Stürmen. Wie ein Anker gibt Gottes Liebe unserem Leben Halt. Auch wenn wir einmal sterben, bleiben wir mit Gott verbunden. Er hat einen Platz im Himmel für uns bereitet. Die kreuzförmige Ankerform ist Sinnbild für den Tod Jesu Christi am Kreuz, aus dem für uns Christen Hoffnung erwächst.

Hebräer Kapitel 7

Hebr 7,27

Als Jesus Christus am Kreuz für unsere Schuld starb, hat er ein Opfer dargebracht, das ein für alle Mal gilt. Heb 7:27

Nicht die Nägel haben Jesus am Kreuz gehalten, sondern seine Liebe. Keine andere Stelle im NT beschreibt das so tiefgründig wie diese vier Kapitel. Zum Opferkult des AT: beim Passah-Fest wurden ca. 52 000 Lämmer geschlachtet. Das Schlachten erfolgte in drei Schichten neun Stunden lang. Unmengen an Blut floß. Dieser Opferkult macht seit seinem Tod & Auferstehung keinen Sinn mehr, denn Christus ist das “bessere” Opfer, in dem sich alles erfüllt hat: Christus hat sich einmal geopfert. Christus hat sich mit seinem Blut geopfert. Christus starb zur Vergebung unserer Sünden. Christus setzt uns in ein ganz neues Verhältnis zu Gott: “Ich schreibe mein Gesetz in ihr Herz, es soll ihr ganzes Denken und Handeln bestimmen. Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein […] Ich vergebe ihnen ihre Schuld und denke nicht mehr an ihre Sünden.(Heb 8:10;12)

Hebräer Kapitel 8

Hebr 8,1

Wir haben einen Hohenpriester. Heb 8:1

Der Brief an die Hebräer hat uns Christus als ewigen Hohenpriester vor Augen gestellt, der erhöht wurde zur Herrlichkeit des Vaters, nachdem er sich selbst als das eine und vollkommene Opfer des Neuen Bundes dargebracht hat, in dem das Heilswerk vollbracht worden ist. Dieser Aufstieg vor Gottes eigenes Angesicht führt über das Kreuz, es ist der Aufstieg zur Liebe bis ans Endedie der eigentliche Gottesberg ist. Jesus Christus, das fleischgewordene Wort, das geopferte und auferstandene Lamm ist die Offenbarung des Antlitzes Gottes, der die Liebe ist, an jeden Menschen, der auf den zeitlichen Pfaden unterwegs ist zur Ewigkeit. Benedikt XVI

Wir haben einen Hohenpriester, der auf dem Ehrenplatz rechts neben dem Thron des allmächtigen Gottes sitzt. Heb 8:1

Die Botschaft des Briefes ist die Erhöhung und das Wirken von Christus im Himmel. Kein Brief des NT gibt ein so großartiges Bild von Jesus in seiner Göttlichkeit. Manche bezeichnen ihn deshalb auch als das fünfte Evangelium. Während die uns bekannten vier Evangelien von Jesus Erlösungswerk auf der Erde berichten, erleuchtet der Hebräerbrief das Wirken von Christus als unsen Hohepriester im Himmel. Und darin liegt der Wert des Briefes für uns. Durch ihn können wir das Erlösungswerk von Christus in seinem ganzen Ausmaße erst richtig verstehen.

Diese vier Kapitel sind das Herzstück des Briefes! Jesus ist der neue, einzige und ewige Hohepriester, der Mittler und Fürsprecher zwischen Gott Vater und uns. Dies ist er, weil in ihm “unzerstörbares, ewiges Leben ist.” (Heb 7,16). Und dies ist er auf Ewigkeit: “Christus aber lebt in alle Ewigkeit; sein Priesteramt wird nie von einem anderen eingenommen.” (Heb 7:24). Der Hebräerbrief entwickelt eine geistige “Hohepriester-Theologie”, die einzigartig im NT ist. Mit Jesus hat etwas großartig Neues begonnen, das viel wirksamer und besser ist als die vielen, vielen Opfer von den vielen, vielen Hohenpriestern des alten Bundes. Für und in diesem Hohepriester Christus leben wir. Lasst uns dieses Geschenk, diese Gnade in dem Einerlei unseres Alltags nie vergessen. Gelobt sei Jesus Christus.

An kaum einer anderen Bibelstelle wird das Erlösungswerk Christi so verdichtet und eindrücklich dargelegt wie in diesen vier Kapiteln. Die wichtigsten Verse habe ich euch zusammen gestellt.

Er hat mit seinem Tod am Kreuz diesen Willen Gottes erfüllt; und deshalb gehören wir durch sein Opfer ein für alle Mal zu Gott. […]Für immer und ewig hat Christus mit dem einen Opfer alle Menschen, die zu Gott gehören sollen, in eine vollkommene Gemeinschaft mit ihm gebracht. […] Ich schreibe mein Gesetz in ihr Herz, es soll ihr ganzes Denken und Handeln bestimmen. Ich vergebe ihnen ihre Schuld und denke nicht mehr an ihre Sünden. […]Und so können wir jetzt durch das Blut, das Jesus Christus am Kreuz für uns vergossen hat, frei und ungehindert ins Allerheiligste eintreten. Christus hat den Tod auf sich genommen und damit den Vorhang niedergerissen, der uns von Gott trennte. Durch seinen geopferten Leib hat er uns einen neuen Weg gebahnt, der zum Leben führt. […]Darum wollen wir zu Gott kommen mit aufrichtigem Herzen und im festen Glauben; denn das Blut von Jesus Christus hat uns von unserem schlechten Gewissen befreit […] Haltet an dieser Hoffnung fest, zu der wir uns bekennen, und lasst euch durch nichts davon abbringen. Ihr könnt euch felsenfest auf sie verlassen, weil Gott sein Wort hält.

Hebräer Kapitel 9

Hebräer Kapitel 10

Hebr 10,35

Werft nun eure Zuversicht nicht weg! Heb 10:35

Zuversicht kommt von sehen. Ich sehe zu, wie Gott alles lenkt und leitet, wie er alles zum Guten wendet. Die Zuversicht sieht mehr als das bloß Vorhandene. Sie sieht mehr als die Probleme. Sie sieht zusätzlich zu allem Äußeren die innnerste Wirklichkeit aller Dinge, sie sieht den Dingen auf den Grund. Sie vertraut auf Gott, der mit uns durch diese Welt geht. “Herr, du allmächtiger Gott, glücklich ist jeder, der sich auf dich verlässt!” (Ps 84:13). Dieses innere Sehen auf Gottes Lenkung ist eine Haltung. Das kennzeichnende an einer Haltung ist, dass sie sich diese über eine längere Zeit entwickelt. Die Haltung der Zuversicht gilt es einzuüben sowie Muskeln im Fitnessstudio langsam aufgebaut werden. Ein großes Vorbild in dieser Haltung ist und bleibt für mich Maria.

Hebräer Kapitel 11

Hebr 11,1

Der Glaube ist der tragende Grund für das, was man hofft: Im Vertrauen zeigt sich jetzt schon, was man noch nicht sieht. Heb 11,1

Kapitel 11 enthält eine Aufzählung von Glaubenszeugen des AT, einmalig im NT: Abel, Henoch, Noah, Abraham, Isaak, Jakob, Joseph, Mose, Rahab u.a. Die Auflistung von so vielen Glaubenszeugen soll dich ermutigen, im Glauben fest zu stehen. Auch jüngere Glaubenszeugen (Bonhoeffer, Ratzinger, Edith Stein, Pater Pio …oder auch Menschen aus deinem Bekanntenkreis, ein Freund, ein Familienmitglied) können dich stärken und ermutigen durch ihr Vorbild wie sie glauben, hoffen und vertrauen. Denke du heute besonders an einen Menschen, der DICH im Glauben gestärkt und ermutigt hat und spüre die Gemeinschaft mit ihm durch den gemeinsamen Glaube an Christus.

Hebr 11,27

Er hielt sich an den, den er nicht sah, als sähe er ihn. Heb 11,27

Du und ich, wir halten uns an den, vertrauen auf den, den wir nicht sehen, als ob wir ihn sehen: der dreifaltige Gott. Der Kirchenvater Origines fragt bewusst und provokant: “Was für einen Weg sollen wir dem Herrn bereiten? Etwa einen sichtbaren? Ist nicht vielmehr im Innern des Menschen dem Herrn ein Weg zu bereiten und sind nicht vielmehr in unseren Herzen gerade und ebene Wege anzulegen?” (Origines). Den Himmel im Blick haben, bei dem, was man tut. Wesentliches vom Unnötigen unterscheiden. Den Alltag beten. Wachen und beten. Das ist weniger Handlung als vielmehr eine Haltung. Eine, die aus dem Bewusstsein lebt: Advent ist immer. Weihnachten ist immer. Ostern ist immer. Kommen, Krippe, Kreuz – eine Einheit, damals wie auch heute!

O Aufgang, wir blicken mit den Augen unseres Herzens auf dich, den wir nicht sehen und dennoch wahrnehmen.

Hebräer Kapitel 12

Hebr 12,2

Dabei wollen wir nicht nach links oder rechts schauen, sondern allein auf Jesus. Heb 12,2

Im Glauben allein auf Jesus schauen, egal wann und wo, immer und überall. Unser eigenes Tun ist ohnmächtig ohne die Verbindung mit ihm. Jesus sagt, dass es für uns oft nicht einfach sein wird aufgrund unserer Schwäche. Durch die Verbindung mit ihm können wir uns stärken und kräftigen. “Stärkt die kraftlosen Hände! Lasst die zitternden Knie wieder fest werden!” (Heb 12:12). In dieser unseren Schwäche sollen wir ausdauernd und geduldig sein und zuversichtlich sein, dass Gott selbst diese Schwäche dazu gebraucht, um uns zur Vollkommenheit zu führen. Meine Schwächen haben mich näher zu Gott geführt als meine Stärken. Also, egal wo du gerade stehst und was heute auf dich zukommt: Schaue auf Jesus!

Dabei wollen wir nicht nach links oder rechts schauen, sondern allein auf Jesus. Heb 12:2

Allerlei Unangenehmes erfährt uns im Leben, vom ganz Großen bis hin zum einerlei des Alltags: von fernen Menschen, aber viel zu häufig auch von uns nahen Menschen, was ungleich mehr weh tut. Dies und das lässt sich vermeiden, vieles nichts und hier geht es um die Tugend des geduldigen Ertragens der Schwierigkeiten. Schau oft auf den gekreuzigten, nackten, gelästerten, verleumdeten, verlassenen und mit aller Art von Traurigkeit und Leiden beladenen Jesus. Bedenke, dass alle deine Leiden weder in der Art noch im Ausmaß auch nur im geringsten damit verglichen werden können. Lerne von ihm die Ruhend des Ertrages.

Der Glaube gibt uns die Kraft, tapfer zu ertragen, was wir nicht ändern können, und Enttäuschungen und Sorgen gelassen auf uns zu nehmen, ohne je die Hoffnung zu verlieren. Martin Luther King

Nun sitzt er auf dem Ehrenplatz an Gottes rechter Seite. Heb 12:2

Interessant: Im AT gab es für die Priester im Tempel keine Stühle. Sie standen immer. Das “Opferbringen” der Priester fand kein Ende, da kein Mensch die Gebote einhalten konnte und die Opfer die Schuld nur zeitlich begrenzt tilgten. Jesus dagegen hat in seinem Tod einmal das Opfer für alle Sünden von allen Menschen erbracht (Kol 1:22). Das Opfer von Jesus, weil er selber Gott ist, ist so gigantisch umfassend, daß er es nur 1mal erbringen mußte. Nachdem Jesus das Opfer erbracht hat, konnte sich Jesus bildlich gesprochen hinsetzen. Er muß (und wird) nie wieder ein zweites Mal das Opfer für uns erbringen. Es ist vollbracht und wir sind dadurch gerettet.

Blicke auf Jesus. Heb 12,2

In unserem Leben werden wir vielfach angegriffen: Beleidigungen, üble Nachrede, Ängste, Gemurre, Streit, Verleumdungen: das alles richtet sich gegen dich. Wenn du aber dem entkommen willst, dann schaue auf Jesus. Er wohnt in deinem Herzen. Blicke auf Jesus wenn man deine Ehre angreift. Auch ihm ist um deinetwillen die Ehre abgeschnitten worden (vgl. Joh 8,48), wenn du, weil man dir wichtige Dienste überträgt, von einem eitlen Gedanken gebissen wirst, so erinnere dich an Jesu Worte: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Knechte“ (Lk 17,10), wenn in dir die Mißachtung für einen anderen aufsteigt, denn Jesus hat für Sünder, Zöllner und Dirnen größere liebende Fürsorge aufgebracht als für Gerechte, die der Umkehr nicht bedurften (Lk 5,30‒32).

Hebr 12,15

Seht zu, dass keine bittere Wurzel wächst. Heb 12,15

Wenn wir uns weigern, zu vergeben, verschließt sich unser Herz. Die Unversöhnlichkeit ist eine bittere Wurzel, die uns geistig in Ketten legt, Mauern um uns errichtet und unser Herz zu Stein verhärtet. Ich war einmal fast ein Jahr mit einer Kollegin unversöhnlich. Welch grausame Zeit. Gott sei’s gedankt für die Kraft zur Versöhnung. Vor Gott nahm ich mir vor, dass es nie mehr so weit kommen darf. Unversöhnlichkeit hält uns gefangen und öffnet psychosomatischen und seelischen Krankheiten Tür und Tor. Hast du einen Menschen, mit dem du unversöhnt bist? Bitte Jesus, unseren Arzt, dass er die bittere Wurzel der Unversöhnlichkeit aus deinem Herzen reißt! Bitte ihm um die Gnade, allen alles verzeihen zu können!

Durch Unversöhnlichkeit richten wir eine Wand auf zwischen Gott und unserer Seele. Carl Eichhorn

Hebräer Kapitel 13

Hebr 13,1

Liebt einander. Heb 13:1

Nach den hohen theologischen Ausführungen über Jesus als Hohepriester im Himmel, wird´s praktisch. Kapitel 13 enthält eine reiche Aufzählung an Spielarten der Liebe:

• Liebt einander.
• Achtet die Ehe!
• Seid nicht hinter dem Geld her.
• Seid zufrieden mit dem, was ihr habt.
• Setzt eure ganze Hoffnung auf Gottes Gnade
• Vergesst nicht, Guttes zu tun
• Vergesst nicht, mit anderen zu teilen
• Betet für uns
• Führt ein Leben, dass Gott gefällt
• Übt Gastfreundschaft
• Leidet mit verfolgten Christen

Und immer wieder: Vertraut! “Der Herr hilft mir, ich brauche mich vor nichts und niemandem zu fürchten. Was kann ein Mensch mir schon antun?” (Heb 13:6)

Hebr 13,5

Seid zufrieden mit dem, was ihr habt. Heb 13:5

Habgier ist ein Loch ohne Boden, das Menschen durch endlose Anstrengung erschöpft, das Bedürfnis zu befriedigen, ohne jemals Zufriedenheit zu erreichen. Ein wichtiges Gegengift ist das Zufriedensein mit dem was du hast. Das ist eine Entscheidung, die du bewusst fällen kannst. Ja, auch wenn nicht alles immer so ist, wie wir uns das wünschen, so gehe heute in dich und zähle innerlich auf, worin dich Gott schon überreich beschenkt hat. Konzentriere dich auf das halbvolle Glas, nicht auf das halbleere. Konzentriere dich auf das, was du hast und nicht auf das, was du nicht hast. Es ist für mich erstaunlich, wie lang auf einmal meine Liste wurde. Ich bin mir sicher. Das wird sie bei dir auch!

Hebr 13,10

Wir haben einen Altar, das Kreuz, an dem Jesus seinen Leib als Opfer darbrachte. Heb 13:10

Das lat. Wort adolere bedeutet verbrennen. Im Volke Israel gab es Altäre, auf denen dem einen Gott Opfer dargebracht und verbrannt wurden v.a. Tieropfer. Mit dem Kreuzestod Jesu Christi haben solche Opfer jedoch ihren Sinn verloren. Christus hat ein für allemal uns Menschen mit Gott versöhnt. Er ist der Mittler unseres Heils. Er selbst ist für uns der Priester, das Opfer und eben der Altar. Der Altar ist der Ort der Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers, ja ein Symbol für Christus selbst, in der kath. Kirche küsst der Priester den Altar zu Anfang und Ende der Messe. Das Sakrament des Altars ist eine Wiederholung des Opfertodes am Kreuze.

Glaube ist: die Selbstanbetung zu beenden und vor Gottes Altar zu kommen. Pamela Reeve

Hebr 13,14

Denn hier auf der Erde haben wir keine Heimat. Unsere Sehnsucht gilt jener künftigen Stadt, zu der wir unterwegs sind. Heb 13:14

Ich finde folgende Geschichte ziemlich genial, wenn es darum geht, die Bedeutung der Sehnsucht, die Bedeutung des “Hungers” zu verdeutlichen: Ein Wandergeselle kommt des Weges und findet drei Steinmetze Steine bearbeiten. Was tut ihr da?, fragt der Wanderer die drei. Ich muss hier einen Stein behauen, das ist mein Beruf. Das sieht man doch!, gibt der eine zur Antwort. Ich soll hier eine Mauer hochziehen, meint mein Chef!, sagt der zweite. Und der dritte antwortet mit leuchtenden Augen: Wir setzen uns dafür ein, dass hier eine Kathedrale entsteht. Sie wird so groß und schön sein, dass man sie weit ins Land hinaus sehen wird. Den dritten Steinmetzen hat in seiner Seele das Bild einer herrlichen Zukunft. Das motiviert ihn. Obwohl seine Arbeit äußerlich betrachtet genauso anstrengend wie die der beiden anderen ist, wird er sie doch nicht so anstrengend empfinden. Es ist sogar die Frage, ob er seine Aufgabe überhaupt als Arbeit bezeichnen würde. Für ihn mag sie ein Weg zum Glück sein.

Hebr. 13,20-21

Die letzten zwei Verse des Briefes sind an Tiefe und Schönheit kaum zu übertreffen. Er fasst den Brief als Ganzes nochmal zusammen:

Möge Gott, von dem aller Friede kommt, euch helfen, in jeder Hinsicht das Gute zu tun und seinen Willen zu erfüllen. Er hat unseren Herrn Jesus Christus von den Toten auferweckt. Ihn, durch dessen Blut der neue und ewig gültige Bund geschlossen wurde, ihn hat er zum wahren Hirten seiner Herde gemacht. Jesus Christus wird euch die Kraft geben, das zu tun, was Gott gefällt. Ihm gebührt alle Ehre in Ewigkeit. Amen. Heb 13:20‭-‬21

Zwei Schlüsselworte des Hebräerbriefes

• Erstes Schlüsselwort – Lasst uns: “Lasst uns also unerschütterlich an unserem Bekenntnis zu Jesus Christus festhalten.” (Heb 4:14) Das häufige “Lasst uns” will uns in unserer Verantwortlichkeit wachrütteln, ermutigt zum Vertrauen auf Christus, jeden Tag aufs neue!

• Zweites Schlüsselwort – besser: “Jesus ist ja auch der Vermittler eines viel besseren Bundes.” (Heb 8:6) Das häufige “besser” stellt die Vollendung in Christus in den Mittelpunkt. Er ist besser als die Engel, als Mose oder Aaron etc. Er hat den besseren Bund eingesetzt.

So lasst uns in und mit Jesus leben, der besser ist als alles andere in unserem Leben !

Hebr 13,25

Gottes Gnade sei mit euch! Heb 13:25

O Leben, eintönig und grau, wie viele Schätze ruhen in dir! Keine Stunde gleicht der anderen. Einerlei und Grau des Alltags weichen, wenn ich alles mit den Augen des Glaubens betrachte. Die Gnade, die für mich in dieser Stunde steckt, wiederholt sich nicht in der nächsten Stunde. Sie wird mir in der nächsten Stunde gegeben, doch nicht mehr die gleiche. Die Zeit verrinnt und kehrt niemals zurück. Was sie in sich birgt, verändert sich nicht, sie besiegelt es in Ewigkeit. Faustyna