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18 Philemon

Philemon – Auslegungen

Philemon Kap. 1

Phlm 1,1:

Paulus, ein Gefangener Christi Jesu, und Timotheus, der Bruder, Philemon, dem Geliebten und unserem Mitarbeiter. Phlm 1:1

Es ist der kürzeste der Briefe von Paulus. Er behandelt eine sehr persönliche Angelegenheit. Es geht um Philemon und seinen entlaufenen Sklaven Onesimus, der zu ihm zurückkehrt und für den Paulus sich einsetzt. Onesimus war sicher nach Rom geflüchtet, um dort unter zu tauchen, lernte Paulus kennen und wurde von ihm bekehrt. Niemand von uns hat etwas mit entlaufenen Sklaven zu tun, die zurückkommen. Doch Probleme zwischen Menschen kennen wir alle. Die Liebe hat die Kraft, diese zu überwinden. Und so beginnt Paulus seinen Brief, indem er Philemon als Geliebten angeredet. Die Liebe sucht nicht nach den Fehlern und Schwächen der anderen, die man immer finden wird, sondern sieht sie zunächst immer mit den Augen Gottes als solche, die geliebt sind.

Die Liebe hört niemals auf. 1. Kor 13:8

Phlm 1,4-5:

Ich habe von deinem Glauben an unseren Herrn Jesus gehört und davon, wie du allen Christen in Liebe verbunden bist. Phlm 1:4‭-‬5

Bevor Paulus auf sein Anliegen zu sprechen kommt, anerkennt er alles Gute und Positive bei Philemon. Ein ehrliches Lob ermutigt und motiviert. Die Gefahr, dass der andere durch ein Lob stolz wird ist wesentlich geringer als die Gefahr, dass er durch das fehlende Lob frustriert und entmutigt wird! Wir stehen manchmal in Gefahr, das Positive nicht zu erwähnen. Doch vergessen wir nicht, dass der Mensch auch Ermunterung und Trost braucht. Das sind keine Psycho-Tricks, sondern Ausdruck einer durch Gottes Gnade veränderte Herzenshaltung.

Phlm 1,9:

Um der Liebe willen möchte ich dir nichts befehlen, sondern dich schlicht und einfach bitten. Phlm 1:9

Paulus nimmt die Stellung eines Bittenden. Er hätte Philemon mit apostolischer Autorität gebieten können. Aber um das Herz Philemons zu gewinnen nimmt Paulus sich selbst völlig zurück. Er äußert zwar seinen Wunsch, dies tut er jedoch in aller Bescheidenheit und Demut. Versuchen auch wir unsere Meinung nie mit Streit und Zank durchzusetzen

Die Liebe tut nicht groß. 1. Kor 13,4

Phlm 1,12:

Nimm ihn auf wie mein eigenes Herz! Phlm 1:12

Paulus bittet Philemon, den zurück kehrenden Sklaven Onesimus auf zu nehmen, der für Paulus ein geistlicher Sohn geworden ist. Die Liebe, die Philemon zu allen Heiligen hatte, sollte jetzt auch Onesimus gelten. Im liebevollen Umgang miteinander darf es nicht um Pflicht gehen, sondern um die Erkenntnis, dass wir eine Verantwortung füreinander haben. Dietrich Bonhoeffer schreibt dazu: “Der Mensch lebt notwendig in einer Begegnung mit anderen Menschen und ihm wird mit dieser Begegnung in einer je verschiedenen Form eine Verantwortung für den anderen Menschen auferlegt.” Diese Verantwortung gründet in der Liebe und beinhaltet auch den Umgang mit der Schuld des anderen.

Die Liebe lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu. 1. Kor 13:5

Phlm 1,14:

Eine gute Tat sollte nicht erzwungen sein, sondern freiwillig geschehen. Phlm 1:14

Eine gute Tat ist etwas, das seinem Wesen nach gut ist. Voraussetzung für solche gute Taten ist, dass wir unseren Herrn lieben. Die Gnade kommt ohne Zwang aus. Gott sucht Herzen, die Ihm zugewandt sind und aus Liebe für Ihn handeln. Was wir also in dem Brief an Philemon besonders zu beachten haben, ist die Kraft der Liebe. Franz von Sales schreibt dazu: Die Liebe hält keine Sträflinge und keine Sklaven, sondern stellt alles unter ihren Gehorsam mit einer so bezaubernden Kraft, dass zwar nichts so stark ist wie die Liebe, aber auch nichts so liebenswert wie ihre Kraft.

Phlm 1,15:

Vielleicht ist dir Onesimus nur deshalb für eine kurze Zeit genommen worden, damit du ihn für immer zurückerhältst. Phlm 1:15

Gott ist immer souverän in den Mitteln, die er nutzt, um seinen Plan zu erreichen. Vielleicht verstehen wir das Handeln Gottes nicht. Manchmal erkennen wir erst am Ende, welche Absicht zu unserem Guten Gott hatte. Es ist fest davon aus zu gehen, dass Onesimus und Philemon jetzt Brüder waren. Wer selbst die Gnade Gottes kennengelernt hat, wird zu dem hingezogen sein, der ebenfalls durch Gnade verändert worden ist. Gnade und Liebe verändern alles im Leben eines Menschen. Brüder waren sie jetzt und auch wir sind untereinander Geschwister. Für die Beziehung in der Familie Gottes gilt, dass sie innig ist, weil wir Brüder und Schwestern sind. Sie ist darüber hinaus ewig für immer, und sie ist geistlich im Herrn

Du wirst viel mehr an ihm haben: einen geliebten Bruder. […] Er gehört ja zu dir als Mensch und nun auch als Christ. Phlm 1:16

Phlm 1,20

Nimm Onesimus auf, als würde ich selbst zu dir kommen. […] Erquicke mein Herz in Christus. Phlm 1:20

Dieser Vers erinnert uns an die Worte Jesus: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder oder für eine meiner geringsten Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan! Auch hier: es geht nicht um Pflicht, sondern um Liebe zum Herrn im Nächsten. Die Liebe ist die höchste Tugend, denn: die Liebe befiehlt der Geduld langmütig zu sein, der Hoffnung zu hoffen, dem Glauben zu glauben. Die Geduld ist nicht geduldig genug, der Glaube nicht treu genug, die Hoffnung zu wenig vertrauensvoll, die Güte zu wenig gütig, wenn die Liebe sie nicht beseelt und belebt. Wenn ich allen Glauben besäße, sodass ich Berge versetzte, aber keine Liebe hätte, so wäre ich nichts. (1. Kor 13:2)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch! Phlm 1:25