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Phil Kap. 2

Impulse, Auslegungen, Kommentare und Bibelzitate aus dem Brief an die Philipper Kap. 2


Seid bescheiden. Phil 2:3

Bescheidenheit ist die Erkenntnis, dass wir unsere Fähigkeiten allein von Gott empfangen haben. Es sind Geschenke Gottes, für die wir dankbar sein dürfen und die wir nach seinem Willen einsetzen dürfen. Das englische Wort für Bescheidenheit humility geht auf das lat. Humus zurück, was Erdreich oder Boden bedeutet. Bescheidenheit bedeutet auf dem Boden zu bleiben, nicht stets nach immer höher, mehr, besser usw. zu streben, sondern mit dem zufrieden zu sein, was man hat. Dabei geht es vor allem um die Bescheidenheit der Seele: die Demut


In Demut achte einer den anderen höher als sich selbst. Phil 2:3

Demut bedeutet nicht, sich klein zu machen oder seinen eigenen Wert zu leugnen. Demut bedeutet eine realistische Selbsteinschätzung, bei der man seiner eigenen Geringheit Vergleich mit der Größe Gottes bewusst wird. Falsche Demut ist also, wenn man sich selbst nur schlecht macht. Nein. Wir Menschen sind ja Gottes Ebenbild, wenn wir uns selbst verachten, verachten wir Gott. Demütige Menschen sind nicht Menschen, die sich selbst kleinmachen oder entwerten, sondern es sind Menschen, die den Mut zu ihrer eigenen Wahrheit haben und daher bescheiden auftreten. Sie wissen, daß alle Abgründe dieser Welt auch in ihnen sind. Daher verurteilen sie niemanden. Demut besteht nicht darin, dass wir uns für minderwertig halten, sondern darin, dass wir vom Gefühl unserer eigenen Wichtigkeit frei sind. Stattdessen halten wir unser Herz ganz unten, ganz ruhig, zu Füßen des Kreuzes.

Es macht mir nichts aus anzuerkennen und zu wiederholen, daß ich nichts bin und nichts gelte als ein reines Nichts. Der Herr ließ mich aus dem armen Volk geboren werden und hat an alles übrige gedacht. Ich habe ihn machen lassen. Papst Johannes XXIII


Denkt nicht nur an eure eigenen Angelegenheiten, sondern interessiert euch auch für die anderen und für das, was sie tun. Phil 2,4

Es geht beim Geben nicht nur um unser Geld, sondern genauso um unsere Zeit, unsere Kraft und im tiefsten Kern um das Geben unser selbst. Die Großzügigkeit in diesem Geben beschreibt ein nicht kalkuliertes Verhalten, das auf keine adäquate Gegenleistung spekuliert. Es bedeutet ein echtes Interesse am Anderen. Folgendes Bild von der Mantelteilung Martin’s begleitet mich zur Zeit meditativ. Es bewegt mich, weil darin unser Glaube und Überzeugung dargestellt wird, dass das Geringste was wir einem anderen Menschen Gutes tun, wir letztlich Jesus tun. Den Mantel, den der Bettler unten rechts entgegen nimmt, nimmt Jesus oben links entgegen. Im Nächsten begegnen wir ihm.


Jeder soll auch auf das Wohl der anderen bedacht sein, nicht nur auf das eigene Wohl. Phil 2, 4-5

Neid ist die Sünde des Unbehagens über das Glück des Nächsten. Wenn wir unser Leben voll danach ausrichten, selbst gut da zu stehen, machen wir uns selbst zur Nummer Eins. Gott dagegen möchte, dass wir in Liebe uns selbst wie auch den Anderen im Blick haben. “Wie die Wurzel allen Übels die Ichsucht ist, so ist auch die Wurzel alles Guten die Liebe. Ohne sie ist der Reiche arm, mit ihr ist der Arme reich. (Augustinus). Jeden Tag gilt es neu zu erkennen und zu glauben: Mit Gott ist überall gut sein. Ohne Ihn nirgends, denn Gott IST die Liebe.


Nehmt euch Jesus Christus zum Vorbild. Phil 2:5

Christus hat sein Leben für uns hingegeben. Da wir ihm nun nach folgen, geben auch wir uns dem anderen hin. Christliche Existenz ist Pro-Existenz: Dasein für den Nächsten. Wie diese Pro-Existenz konkret aussieht beschreibt Paulus so: gegenseitige Ermutigung, liebevoller Trost, herzliche und mitfühlende Liebe, ganz einig sein, fester Zusammenhalt, in Demut den einen anderen höher achten als sich selbst, nichts aus Selbstsucht tun! Das darf nie als reine Werteethik angenommen werden, sondern wird immer auf Christus bezogen und von ihm bewegt, der unser Vorbild ist. Die Liebe des Herrn ist Grund und Halt für das Zusammenleben mit unseren Mitmenschen.

Jeder schaue nicht auf das Seine, sondern jeder auf das des anderen. Phil 2:4


Obwohl er in jeder Hinsicht Gott gleich war, hielt er nicht selbstsüchtig daran fest, wie Gott zu sein. Nein, er verzichtete darauf und wurde einem Sklaven gleich: Er wurde wie jeder andere Mensch geboren und war in allem ein Mensch wie wir. Phil 2:6

Die kommenden Verse beinhalten einen einzigartigen Christus-Hymnus. Er beginnt mit der göttlichen Präexistenz Jesu und seiner Erniedrigung im Menschwerden. Gott ist ein naher Gott, er kommt zu uns herunter, kommt uns in Jesus Christus nahe und wird wie wir, erniedrigt sich darin selbst, teilt unser menschliches Schicksal und ist uns so ganz nahe in unserer Not. Dieser Weg führt ihn ans Kreuz, ein grausamer Tod, den er auf sich nahm, um für den Weg zum Leben freizumachen. Alles tat er im Gehorsam zum Vater. In dem Geheimnis seines Gehorsams bis zum Tod am Kreuz wurde der neue und ewige Bund verwirklicht. Darum hat ihn der Vater erhört. Jesus Name steht nun über allem. Vor Jesus müssen einmal alle auf die Knie fallen. Jeder wird bekennen, dass Christus der Herr ist.

Jesus Christus ist der Herr! Phil 2:11


Die Klugheit wird euch geduldig machen mit euch selbst und mit den anderen. Phil 2,12

Wenn wir weise, wenn wir klug werden wollen, dann brauchen wir ein hörendes Herz. Ein hörendes Herz ist wach, interessiert, aufnahmefähig, schaut in Ruhe hin und nimmt wahr, was geschieht ohne sofort zu urteilen, ohne schon Bescheid zu wissen. Klugheit und ein hörendes Herz sind nicht trennbare Geschwister. Die wahre Klugheit bleibt stets hellhörig offen für die Eingebungen Gottes. Heiliger Geist, erleuchte mein Herz und lass mich das Wort Gottes verstehen. Jesus sei immer in deinen Gedanken, in deinem Herzen und vor deinen Augen.


Tut alles ohne Murren. Phil 2:14

Gegen Gedanken, die uns aufzeigen, dass es viele Bedrängnisse und große Mühsale in der Lebensweise des Mönchtums gibt, sprich: Gut ist der Herr zu denen, die auf ihn harren, und zu der Seele, die ihn sucht, gut zu dem, der in Wahrheit auf die Rettung durch den Herm hofft. KIgl 3,25

Für Benedikt ist das Murren das schlimmste Laster des Mönches. Es verschließt ihn gegenüber Gott. Ja, das Leben ist oft hart. Doch es geht darum, dass wir mitten in der Härte unseres Lebens auf Gott harren und hoffen, die Härte unseres Lebens öffnet uns für Gott. Achten wir außerdem, uns nicht schon von Kleinigkeiten aus der Bahn werfen zu lassen, nicht auf jede kleine Widrigkeit sofort mit schlechter Laune zu reagieren.


Wenn ihr als Kinder Gottes […] lebt, werdet ihr unter euren Mitmenschen wie Sterne am Nachthimmel leuchten. Phil 2:15

Wir leuchten, wenn wir am “Wort des Lebens” (Phil 2,16) fest halten: Jesus Christus. Durch ihn bringt Gott Licht in unser Leben, das uns verändert. Bitten wir den Herrn, dass das Licht seines Wortes und seiner Liebe in uns nicht ausgelöscht, sondern heller und größer wird, so dass wir mit ihm Menschen des Tages seien, Sternenlichter für unsere Zeit. Wir leuchten, so dass die Menschen um uns herum das Licht sehen und zur Lichtquelle hingezogen werden. Das Leuchten des Lichts in uns kann jedoch durch unser Tun geschwächt werden. Paulus mahnt hier vor allem vor dem Murren, dem ständigen sich Beklagen über dieses oder jenes. “Tut alles ohne Murren.” (Phil 2,14) Bedenken wir stattdessen stets das Geschenk, dass er uns seinen Willen offenbart und ebenso die Kraft, ihn auch so auszuführen, wie es ihm gefällt.

Ihr sollt sein wie ein Fenster, durch das Gottes Güte in die Welt hineinleuchten kann. Edith Stein

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