Anmeldung ->

Eph Kap. 4

Impulse, Auslegungen, Kommentare und Bibelzitate aus dem Brief an die Epheser Kap. 4


Lebt so, dass Gott dadurch geehrt wird. Er hat euch ja berufen, seine Kinder zu sein. Eph 4:1

Kapitel 1-3 beschreiben Gottes gnädiges Handeln an uns. Kapitel 4-6 beschreiben Konsequenzen, die sich daraus für unser Leben ergeben. Die Verbindung dieser zwei Briefteile ist wichtig, ansonsten wäre das Christentum eine reine Moral-Religion. Das aber ist das Christentum nicht: wir haben einen Gott, haben einen Leib, eine Hoffnung, einen Glauben und eine Taufe. Aufgrund dieser Gnade, in der Gott uns seine Kinder nennt, entscheiden wir uns immer wieder neu zur Umkehr zum Vater, betrachten kritisch unser Leben und streben nach einem tugendhaften Leben, das Paulus hier facettenreich darlegt: sich nicht über andere erheben, freundlich und geduldig sein, in Liebe aufeinander zugehen, sich um Einheit bemühen u.v.m.


Überhebt euch nicht über andere, seid freundlich und geduldig! Eph 4:2

Alle Menschen sind dir Brüder und Schwestern. Alle Menschen wurden von Gott in ihrer Einmaligkeit geschaffen. Alle Menschen sind es Wert geliebt zu werden. Alle Menschen machen Fehler. Kein Mensch ist gerecht. “Selig, wer die Schwäche und Mittelmäßigkeit seiner Seele entdeckt, sie eingesteht und sie bis zu seinem letzten Tag vor Gott bekennt“ (Matta Al-Maskin, ägyptischer Mönch). Demut wächst in dir, erstens, wenn du dich unter die Größe des Anlitz Gottes stellst, zweitens, wenn du deine eigenen Schwächen ansiehst und liebevoll annimmst und drittens, wenn du im anderen dein Bruder und deine Schwester erkennst. Amen


Seid euch der eigenen Niedrigkeit bewusst und begegnet den anderen freundlich, habt Geduld miteinander und ertragt euch gegenseitig in Liebe. Eph 4:2

Wir sind alle unterschiedlich. Und da ist es nur natürlich, dass es auch mal emotional knistert. Die Last des anderen tragen bedeutet hier: ihn zu ertragen in seinen Macken, Schwächen, seinem Charakter und seiner Art. Ihn wie er ist und redet und wirkt, lebt und fühlt, ihn, so wie er ist und nicht, wie ich ihn gerne haben würde! Den anderen Menschen so annehmen wie er ist, auch wenn mich manches nervt. “Die Last des Andern tragen heißt, die geschöpfliche Wirklichkeit des Andern ertragen, sie bejahen und in ihrem Erleiden zur Freude an ihr durchdringen.” (Bonhoeffer) Und bedenke: auch du gehst anderen auf die Nerven. Was uns als Christen verbindet, ist nicht unbedingt, dass wir uns alle auf Anhieb so toll und sympathisch finden, sondern es ist Jesus Christus. Er ist das Haupt, das die Gemeinschaft stiftet.


Ertragt euch gegenseitig in Liebe. Eph 4:2

Dazu eine eindrückliche biographische Beschreibung der Therese v. Lisieux: Eine Mitschwester missfiel mir in allem. Ich entdeckte so viel Unangenehmes an ihr, doch wollte ich der natürlichen Abneigung nicht nachgeben. Ich sagte mir: Die wahre Liebe besteht nicht in Gefühlen, sondern in Werken. Ich bemühte mich, ihr so viele Liebesdienste zu erweisen als nur möglich. Wenn ich in Versuchung war, ihr unfreundlich zu antworten, gab ich ihr schnell ein liebenswürdiges Lächeln. Eines Tages fragte sie mich strahlend: Theresia, was ist es, was Sie so sehr an mich zieht? Ich begegne Ihnen nie, ohne dass ich das reizendste Lächeln von Ihnen empfange. Oh, was mich anzog, war der verborgene Herr auf dem Grund ihrer Seele, der auch das Bitterste süß werden lässt.


Mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut, einander ertragend in Liebe. Epheser 4:2

Bleibe vor Gott und den Menschen immer demütig in der Liebe. Bemühe dich, stets die Demut und die Liebe beständig zu halten, denn sie sind die Säulen des geistlichen Baues, und alle anderen sind von ihnen abhängig. Sei stets in der Demut und der Liebe. Die eine ist die tiefste, die andere die höchste. Die Beständigkeit eines Hauses hängt vom Fundament und vom Dach ab. Wenn wir unser Herz immer auf die Ausübung dieser beiden Tugenden ausrichten, werden wir keine Schwierigkeiten in den andern haben. Diese beiden sind die Mütter aller Tugenden, sie folgen ihnen wie die kleinen Küken ihren Müttern folgen. Pater Pio


Begegnet den anderen freundlich, habt Geduld miteinander und ertragt euch gegenseitig in Liebe. Eph 4:2

Wie gehe ich mit diesem Unterschied um zwischen dem, wie es ist und dem, wie ich es mir wünschen würde. Beispiele: Ich würde gerne von allen anerkannt werden, aber ich werde es nicht. Ich würde gerne alles richtig machen, aber ich tue es nicht. Solche Erkenntnis tut weh. Wer sanftmütig werden will, muss leidensfähig sein. Anstatt aus dem Unterschied Hass und Wut auf sich oder andere zu entwickeln, wird der Sanftmütige das Schmerzhafte an diesem Unterschied empfinden und bewusst betrauern, sowie versuchen, die guten Seiten zu erkennen, mag der Ist-Zustand auch noch so schlecht sein. Das führt dazu, dass wir dass annehmen, was ist. Macken, Fehler und Probleme sind schlicht Bestandteil unserer Welt. Und so haben auch die Menschen ihre Fehler und Macken. Das Besondere ist: Gott nimmt diese Welt an, so wie sie ist. Er akzeptiert auch unvollkommene Menschen. Und so sollen es auch wir tun. Der christliche Glaube ist eine Einladung, mit den Unvollkommenheiten der Welt sanftmütig umzugehen, sowohl mit den eigenen wie auch mit den Unvollkommenheiten des anderen.

Das beste Selbsterfahrungsseminar ist die intensive Beziehung zu einem anderen Menschen. Erst in der Begegnung mit einem Gegenüber bemerke ich, wer ich wirklich bin. Und wenn es in der Beziehung mit einem anderen Menschen schwierig wird, dann hat das immer auch etwas mit mir selbst zu tun.


In aller Wahrhaftigkeit wollen wir in Liebe wachsen in allem in den hinein, der unser Haupt ist, Jesus Christus. Eph 4,15

Solange dein Leben dauert eile eifrig Jesus nach! Die Liebe schreitet immer voran. Die heilige Liebe kann in uns ohne Ende vervollkommnet werden, ohne jedoch je unendlich werden zu können, da ihr Gegenstand Gott ist. Sie kann mehr und mehr und immer mehr gesteigert werden, nie aber unbegrenzt. Gott selbst ist es dabei, der das Wachstum der Liebe in uns bewirkt, je nach dem Gebrauch, den wir von seiner Gnade machen. Nicht aus eigener Kraft treibt die Liebe einem Baum gleich ihre Äste. Gott ist es, der in einer Seele die Liebe vermehrt.


Lasst uns wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus. Eph 4, 15

Wahrheit und Liebe zusammen ist oft eine Herausforderung z.B. beim Familienzwist: Soll ich Liebe zeigen und geduldig den Mund halten, schwierige Themen liebevoll bedecken oder alle Harmoniesucht überwinden und endlich mal ungeschminkt die Wahrheit sagen, Tacheles reden, was uns vielleicht Streit bringt, aber vielleicht auch einen Schritt weiter? Je mehr Liebe, desto weniger Wahrheit und umgekehrt? Ist dem so? Nein, es geht anders. Das zeigt uns Jesus. Er ist immer klar in der Sache (=Wahrheit), aber er fordert nicht und schimpft nicht, sondern bittet (=Liebe). Alles, was er von anderen erwartet, macht er selber vor. So wird aus dem Entweder-Oder von Liebe und Wahrheit ein Sowohl-als-Auch. So sei es auch in unserem Leben

Schicke mir im rechten Augenblick jemanden, der den Mut hat, mir die Wahrheit in Liebe zu sagen. Antoine de Saint-Exupery


Lebt nicht länger wie Menschen, die Gott nicht kennen (Eph 4:17). Zieht das neue Leben an, wie ihr neue Kleider anzieht (Eph 4:24).

Auch in dieser Stelle geht es nicht in erster Linie darum, dass wir moralisch immer besser werden. Ganz ehrlich, wir wissen doch alle, dass wir uns immer wieder auch verfehlen und versagen werden. In erster Linie geht es hier darum Christus als neuen Menschen anzuziehen und sich erst dadurch in der Folge zum Guten verändern zu lassen. Er, der selbst rein war, hat das Gewand der Sünde angezogen, d.h. beladen mit der Schuld der Welt wurde er gekreuzigt. Durch ihn sind wir gerecht vor Gott. Den neuen Menschen anzuziehen bedeutet Christus anzuziehen, an seine Heilsbotschaft zu glauben. Menschen die Gott kennen, wissen, dass seine Barmherzigkeit groß ist, dass egal was passiert ist oder passieren möge, da diese Zusage dasteht: Du bist mein geliebter Sohn. Du bist meine geliebte Tochter. Ziehe dir heute und immerdar Christus an.


Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn. Eph 4:26

Nicht zornig zu werden ist eine gute Sache. Sollte dich der Zorn aber einmal überfallen, dann darf dein Tag, der davon überschattet wurde, nicht in diesem Schatten enden. Denn es heisst: Lass die Sonne nicht untergehen über eurem Zorn. Sonst könnte es sein, das der Schatten sich über dein Leben verbreitet. Weshalb einen Menschen verabscheuen, wenn er dir weh getan hat? Nicht dieser Mensch ist schuldig, sondern der Teufel. Verabscheue die Krankheit, doch nicht den kranken Menschen. Apophthegmata


Redet nicht schlecht voneinander, sondern habt ein gutes Wort für jeden, der es braucht. Was ihr sagt, soll hilfreich und ermutigend sein, eine Wohltat für alle. Eph 4,29

Gott allein gebührt Lob und Ehre. Das gilt es zuerst fest zu halten. Zu viel Lob tut einem selbst und dem anderen nicht gut. Dennoch sind wir dazu berufen, andere Menschen durch anerkennende Worte aufzubauen und zu ermutigen, nicht um ihr Ego zu mehren, sondern ihr Geliebtes sein durch Gott als seine Kinder näher zu bringen. Echt gemeinte Komplimente sind wirkungsvolle Kommunikatoren der Liebe. Wenn wir unsere Sinne und unser Auge schulen, so werden wir stets am anderen Dinge finden, die es lohnenswert machen, ihn dafür Anerkennung entgegen zu bringen. In unserer Herzen wohnt immer noch das Kind in uns, dass sich nach bedingungsloser Liebe sehnt. Schau heute, wem du Wort der Anerkennung entgegen bringen kannst, die dein Gegenüber eben gerade heute und hier von dir braucht.

Wenn ein Bruder von einem andern Übles redet vor dir, hüte dich, dich von ihm einschüchtern zu lassen und zu sagen: Ja, es ist so. Sondern entweder schweige oder sage zu ihm: Bruder, ich bin selbst verdammt und kann einen andern nicht richten. So rettest du dich selbst mit dem andern. Apophthegmata


Redet nicht schlecht voneinander, sondern habt ein gutes Wort für jeden, der es braucht. Was ihr sagt, soll hilfreich und ermutigend sein, eine Wohltat für alle. Eph 4,29

Wir geraten häufig in Situationen, in denen ein anderer über irgendjemand etwas erzählt. Wir wissen dann oft nicht, wie wir uns verhalten sollen. Wir wollen nicht urteilen, aber auch den, der uns von anderen Menschen erzählt, nicht bloßstellen. Die Mönche raten, entweder zu schweigen oder aber auf sich selbst zu verweisen: Ich bin selbst schwach. Ich habe den gleichen Fehler wie der andere. Ich kann nicht über andere richten. Dann beschäme ich den anderen nicht. Aber ich ermutige ihn dennoch, vom Reden über andere zu lassen. Ich erweise mir, dem Erzähler und dem, über den gerade geredet wurde, etwas Gutes, etwas, was für heisam ist. Anselm Grün


Tut nichts, was den Heiligen Geist traurig macht. Eph 4:30

Den heiligen Geist macht alles traurig, was der Liebe widerspricht: Wut, Zorn, Bitterkeit, einander anschreien, über andere schlecht reden, jede Feindseligkeit. Den heiligen Geist macht alles froh, was aus der Liebe hervorgeht: Freundlichkeit, Barmherzigkeit, Vergebung, liebevoller Umgang. In allem sollen wir als Gottes Kinder seinem Vorbild folgen. Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden. Die beste Grundlage dafür ist das Lesen in der heiligen Schrift, vor allem in den Evangelien. So versuchen wir heute nichts zu tun, was den heiligen Geist traurig macht.


Vergebt euch gegenseitig, wie auch Gott euch durch Christus vergeben hat.‭ Eph 4:32

Vergeben bedeutet nicht gutheißen, was uns zugefügt wurde. Nur wo etwas schlecht war, ist Vergebung überhaupt angebracht. Doch solange wir nicht vergeben wollen, bleiben auch wir selbst in der Fessel verhaftet, in die uns die Sünde des anderen geschlagen hat. Und wir bleiben darin gefangen. Es kann manchmal sehr lange dauern, bis man bereit ist, Vergebung zu schenken. Der Anfang ist gemacht, wenn der Wunsch zu vergeben in uns aufkeimt. Er holt uns aus der Passivität und löst die uns angelegte Fessel. Wir beginnen wieder unsere Würde in Anspruch zu nehmen, die der andere verletzt hat. Wir gelangen allmählich wieder zum Eigenbesitz unserer selbst. Achten wir auf unser Herz, dass es die Härte, die der Vergebung oft im Weg steht, überwindet. Denn: ”

Herzenshärte ist das Schändlichste von allem, weil sie keine Barmherzigkeit kennt, nichts von Liebe wissen will und weil sie nichts Gutes wirken kann. Hildegard von Bingen


Vergebt euch gegenseitig, wie auch Gott euch durch Christus vergeben hat.‭ Eph 4:32

Menschliches Miteinander kann nur aus der Vergebung heraus bestehen. Vergebung reinigt immer wieder die Atmosphäre und auch die Seele. So kann ich den andern wieder bedingungslos lieben, ohne inneren Vorwurf. Wenn Vergebung nicht geschieht, dann wächst die gegenseitige Aversion. Und irgendwann hat man den Eindruck, dass die Liebe in Hass umgeschlagen ist. Die Vergebung heißt zunächst, dass ich mich von der negativen Energie befreie, die durch die Verletzung in meiner eigenen Seele herumschwimmt und sie verunreinigt. Dann bedeutet Vergebung, dass ich die Verletzung beim andern lasse. Ich gebe sie weg. Ich kreise nicht mehr um sie. Ich benutze die Verletzung nicht als Vorwurf gegen den andern, sondern vergebe sie. Die Vergebung geschieht aber nicht aus einer Position des Stärkeren heraus. Immer vergebe ich zugleich mir selbst und dem andern. Nur dann geschieht die Vergebung so, dass der andere sie annehmen kann.

Vergebung ist keine einmalige Sache, Vergebung ist ein Lebensstil. Martin Luther King

📲 Link zum heutigen Impuls