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1. Kor. Kap. 12

Bei jedem zeigt sich das Wirken des Geistes auf eine andere Weise, aber immer geht es um den Nutzen der ganzen Gemeinde. 1. Kor 12:7

Gott wirkt und vollbringt seine Werke in dieser Welt vor allem durch Menschen. Über unsere Kindschaft hinaus beruft er uns. Der heilige Geist wirkt hier. Er will uns gebrauchen. Öffnen wir uns, damit er sich in uns entfalten kann und uns zu Mitarbeiter in Gottes neuer Welt werden lässt. Hört sich abgehoben und unkonkret an? ist es nicht. Wer mit offenen Augen und Herzen in seinem Alltag unterwegs ist und sich immer wieder im Kurzgebet an den Geist wendet “Was soll ich hier tun? Wie soll ich zum Wohl aller dienen?”, der wird sehr schnell diese Konkretheit des Wirkens des heiligen Geistes in seinem Leben heute erfahren.


So wie unser Leib aus vielen Gliedern besteht und diese Glieder einen Leib bilden, so ist es auch bei Christus: Sein Leib, die Gemeinde, besteht aus vielen Gliedern und ist doch ein einziger Leib. 1. Kor 12:12

Die Liebe und der Leib Christi sind unzertrennbar verbunden. Was aber ist nun der Leib Christi? Leib Christi bedeutet, dass wir in der leiblichen Gegenwart des Herrn leben, mit und in Christus sind und dass Christus in uns ist. Ist er in uns allen, so ist er der alles Verbindende, die Brücke zwischen dem Ich und du, das wahre neue Wir. Die Größe dieser Gabe darf uns nicht unbewusst bleiben. Die Folge auch nicht: die tiefe Verbundenheit mit unseren Geschwistern in ihm. 

Was er euch sagt, das tut! (Joh 2,5). Das sagt er uns, dass die Liebe zu ihm und die Liebe zu seinen Geschwistern unzertrennbar miteinander verbunden sind.


Wie jeder Körper besteht dieser Leib aus vielen Teilen, nicht nur aus einem. 1. Kor 12:14

Der Leib hat viele Glieder: Auge, Hand, Fuß etc. Jedes bleibt, was es ist. Hand wird nicht Auge und Auge wird nicht Ohr. Voller Ehrfurcht bin ich davor, wie unterschiedlich der Schöpfer die Menschen schafft. Keiner gleicht dem anderen. Jeder ist einzigartig, unaustauschbar und unverzichtbar. Aber doch sind wir nur, was wir sind als Glieder an dem einen Leib. Gerade wenn wir an dem Anderssein bestimmter Menschen leiden oder versucht sind verächtlich auf sie zu schauen, hilft uns dieses Bild des Leibes, uns durch das Wahrnehmen der Einheit wieder auf die Liebe zu fokussieren. 

Gott liebt den Menschen. Gott liebt die Welt. Nicht einen idealen Menschen, sondern den Menschen, wie er ist, nicht eine Idealwelt, sondern die wirkliche Welt. Bonhoeffer


Deshalb hat Gott jedem einzelnen Glied des Körpers seine besondere Aufgabe gegeben, so wie er es wollte.1. Kor 12:18

Mutter Teresa drückt dies so aus: Was ich tun kann, kannst du nicht tun. Was du tun kannst, kann ich nicht tun. Aber gemeinsam können wir etwas Schönes für Gott tun. Stimmt! Handeln wir gegen den anderen, handeln wir gegen den Leib Christi. Darum stellt der auferstandene Christus dem Christenverfolger Paulus die Frage “Warum verfolgst du mich?” (Apg 9,4). Dieser Leib Christi umfasst alle, die Starken und die Schwachen und jeder hat seinen Platz und seine Aufgabe. Caritas ist falsch verstanden, wenn wir darunter allein verstehen, dass die Schwachen die Starken brauchen. Nein. Die Starken können auch nicht ohne die Schwachen sein. Die Ausschaltung der Schwachen ist der Tod der Gemeinschaft. 

Darum: Öffne dein Herz für den anderen, egal wie er dir sich zeigt und lasse ihn bei dir eintreten, sei er nun stark oder schwach, seist du nun stark oder schwach, öffne dein Herz.


Vielmehr sind gerade die Teile des Körpers, die schwächer und unbedeutender erscheinen, besonders wichtig. 1. Kor 12:22

Das Gesetz des Christus, sich einander in Liebe zu ertragen, ist vollkommen. Es erquickt unsere Seele weil wir in seinem Leib voll Dankbarkeit sind für unser aller Angenommensein. Das erfreut mein Herz. Du kannst Dich fallen lassen. Du darfst auch einmal schwach sein. Gerade das ist ein Zeichen von christlicher Gemeinschaft, dass wir auch unsere Schwäche, unsere Wunden zeigen dürfen. Gerade die schwachen Glieder sind unentbehrlich für den Leib. In seinem Leib nach diesem Gesetz zu leben ist begehrenswerter als Gold und süßer als Honig. So kann ich nur mit ganzem Herzen ausrufen: 

Herr, mein Fels und mein Erlöser! Ps 19:15


Nach seinem Willen soll unser Leib nämlich eine untrennbare Einheit sein, in der jeder einzelne Körperteil für den anderen da ist. 1. Kor 12:25

Wir leben in unterschiedlichsten Formen in Gemeinschaft (Familie, Ehe, Kloster, Kollegen etc.). Diese Gemeinschaft ist nie statisch, sondern stets dynamisch. Beziehung ist lebendig und verändert sich. Darum ist sie nie bleibender Besitz, sondern ist immer auch gefährdet. Sie kann zerbrechen, wenn wir nicht gut miteinander kommunizieren, wenn jeder nur auf sich schaut, wenn jeder sich hinter seinem Vorurteil verschanzt, wenn wir nicht vergeben können. 

Lebe und achte die Gemeinschaft dort wo dich Gott hingestellt hat. Sie ist ein großes Geschenk Gottes. Sei achtsam. Sei dir stets der Gefährdung bewusst.


Wenn ein Glied leidet, leiden alle anderen mit. 1. Kor 12:26

Es ist immer problematisch, wenn einer, dem es gut geht, einen anderen trösten soll, dem es nicht gut geht (Krankheit, Liebesverlust etc.). Häufig bleibt es rhetorisch und pathetisch. Dennoch: Wenn diese Menschen spüren können, das wir Mitleidende sind, dass wir mit ihnen das Kreuz in Gemeinschaft mit Christus tragen wollen, indem wir vor allem mit ihnen beten, ihnen auch mit einem von Sympathie, von Liebe erfüllten Schweigen beistehen, ihnen helfen, soweit es uns möglich ist, dann können wir glaubwürdig werden.  Wir müssen es akzeptieren, dass vielleicht in einem ersten Augenblick unsere Worte nur als blosse Worte erscheinen mögen. Wenn wir aber wirklich in diesem Geist der wahren Nachfolge Jesu leben, finden wir auch die Möglichkeit, anderen mit unserer Sympathie nahe zu sein. Sympathie heisst etymologisch Mit-leiden für den Menschen, indem man ihm hilft, mit ihm betet und auf diese Weise das Vertrauen erzeugt, dass auch im finstersten Tal die Güte des Herrn vorhanden ist.  Wir können das Herz nicht durch unsere Worte öffnen, sondern durch die grosse Lehre Christi, durch sein Bei-uns-Sein, und so helfen, dass das Leiden und der Schmerz tatsächlich zur Gnade des Reifens, der Gemeinschaft mit dem gekreuzigten und auferstandenen Christus wird.


Leidet ein Teil des Körpers, so leiden alle anderen mit, und wird ein Teil geehrt, freuen sich auch alle anderen. 1. Kor 12:26

Wo die Welt den Nächsten verachtet, wird der Christ ihn lieben und ihm dienen. Wo die Welt ihm Gewalt tut, wird er helfen und lindern. Wo die Welt ihn entehrt und beleidigt, wird er seine Ehre geben für die Schande des Nächsten. Wo die Welt Gewinn sucht, wird er verzichten. Wo die Welt ausbeutet, wird er sich entäußern. Wo die Welt unterdrückt, wird er sich herabbeugen und aufrichten. Verweigert die Welt Gerechtigkeit, so wird er Barmherzigkeit üben. Hüllt sich die Welt in Lüge, so wird er seinen Mund für die Stummen auftun und für die Wahrheit Zeugnis geben. Bonhoeffer 

Erfülle uns mit deiner Liebe, damit wir sie weiter schenken. Gib uns deinen Segen, damit wir zum Segen werden


Ihr alle seid der eine Leib von Christus, und jeder Einzelne von euch gehört als ein Teil dazu. 1. Kor 12:27

Im eucharistischen Geheimnis schenkt uns Christus immerfort seinen Leib und macht uns zu seinem Leib. In der Eucharistiefeier essen wir alle von dem einen Brot. Darum sind wir alle einer in Christus. Dieser Glaube ist in seinem Kern unsichtbar. Aber weil wir uns in unserem Menschsein an den einen Christus binden, wird dieser Glaube sichtbarer Leib. Die Inkarnation des Logos setzt sich fort, ja wir sind als Glieder Christi eine Erweiterung seiner persönlichen Gegenwart in der Welt. 

Daraus folgt unsere Sendung in Übereinstimmung mit Christus zu leben und ihn in die Welt zu tragen. Das ist im Kern der tiefste Sinn und das tragende Fundament unseres Lebens!

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