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Röm Kap. 01

Impulse, Auslegungen, Kommentare und Bibelzitate aus dem Brief an die Römer Kap. 1


Es ist ein einzigartiger Brief und der einzigste, der eine umfassende Darlegung der frohen Botschaft enthält. Was Paulus da verfasst hat, haut einen geistlich vom Hocker. Im Kern geht es um die Rechtfertigung durch den Glauben an Jesus Christus. Melanchthon nannte ihn die Zusammenfassung der christlichen Theologie. Augustinus wurde durch diesen Brief zum Christentum bekehrt. Luther bekam durch diesen Brief die Erkenntnis, dass allein Gottes Gnade gerecht sein lässt.


Einleitung (Röm 1,1-17)


Paulus, Knecht Jesu Christi, berufener Apostel, ausgesondert für das Evange­lium Gottes, das er zuvor verheißen hat in heiligen Schriften durch seine Propheten. Römer 1:1-2

Knecht Jesu Christi nennt sich Paulus. Das weist auf eine Beziehung der völligen und bedingungslosen Zugehörigkeit zu Jesus, dem Herrn, hin. In dieser frei gewählten lebensbestimmenden Abhängigkeit von Jesus stehen auch wir. Berufener nennt sich Paulus. Auch wir sind berufen, jeder auf seine Art und Weise. Gott (be) ruft dich täglich. Ausgesondeter für das Evangelium nennt sich Paulus. Im Zentrum steht dabei das Evangelium, die rettende Botschaft, die Botschaft von der göttlichen Gnade, die den Menschen in Christus mit Gott, mit sich selbst und mit den anderen versöhnt. Diese rettende Botschaft hat Gott im alten Testament schon lange und häufig angekündigt. 

Im Glauben nun trifft dies auch auf dich zu. Du bist Knecht Jesu Christi, Berufener durch Gott, Ausgesondeter für das Evangelium!


Euch hat Jesus Christus zum Glauben gerufen, ihr gehört jetzt zu ihm. Röm 1:6

Wir wollen Christus gehören, sonst niemandem! Voller Sehnsucht drängt es uns zu ihm. Er soll mein Element sein, in dem ich lebe, wie die Luft, in der ich bin und die in mir ist. In ihm sind wir “Geliebte Gottes” (Röm 1,7), was für eine Gnade! In der Hingabe an ihn sind wir nun Liebende Gottes. Ganzhingabe an ihn bedeutet, dies nicht halbherzig zu tun. “Ihm diene ich von ganzem Herzen” (Röm 1:9) durch einen demütigen im Alltag gelebten Glauben in Familie, Arbeit und Freundschaft. 

Sage heute ganz bewusst: Ich bin ein Geliebter Gottes.Ich bin sein Diener mit ganzem Herzen. Ich bin ein zu Christus Gehörender.


Ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht. Röm 1:16

Nicht jeder wollte damals und will heute eine Botschaft über einen Gott, der am Kreuz stirbt. Sich des Evangeliums nicht zu schämen, bedeutet sich bedingungslos zu Christus zu bekennen, d.h. klar Zeugnis zu geben, wenn wir gefragt werden. Ich selbst weiß aus eigener Erfahrung, dass man immer häufiger mal schräg, mal belächelnd angeschaut wird, wenn man sich klar als gläubiger Christ bekennt. Neben Worten sollte vor allem unser Handeln auch ein klares Zeugnis sein. In unserem Handeln sollte das Handeln Jesus heraus zu lesen sein. Franz von Assisi hat das so ausgedrückt: Verkündet das Evangelium und, sollte es nötig sein, auch mit Worten.

Gott nötig haben ist nichts, dessen man sich schämen müsste, sondern es ist die Vollkommenheit, und es ist am traurigsten, wenn etwa ein Mensch durchs Leben ginge, ohne zu entdecken, dass er Gott nötig hat. Kierkegaard


Das Evangelium ist Gottes Kraft zur Errettung für jeden, der glaubt. Denn es wird darin geoffenbart die Gerechtigkeit Gottes aus Glauben zum Glauben. Röm 1:16‭-‬17

Diese beiden Verse sind der Kern des Römerbriefes. Unser Glaube an Christus ist das Entscheidende, denn durch ihn werden wir gerechtfertigt vor Gott. Christ ist der Mensch, der seine Gerechtigkeit und damit sein Heil nicht mehr bei sich selbst und seiner Lebensgestaltung sucht, sondern bei Jesus Christus alleine. Unsere Schuld wird durch ihn gesühnt, so dass wir Gemeinschaft haben können mit Gott. Gemeinschaft mit Gott! Diese hast du heute durch Christus! Durch ihn sind wir gerecht mitten in der Sünde. Das ist das Evangelium, das Ruhe für unsere Seele bringt und uns zugleich immer neu zur Umkehr bewegt.

Wir müssen zwei gleich feste Vorsätze fassen: Nicht unruhig werden, wenn wir das Unkraut in unserem Garten wuchern sehen zugleich aber den Mut haben, es ausreißen zu wollen. Die Eigenliebe stirbt nicht, solange wir leben, und sie bringt immer wieder ihr Unkraut hervor. Franz von Sales


Wir sind Sünder! (Röm 1,18 – 3,20)


Sie tun, was Gott missfällt und treten so die Wahrheit mit Füßen. Röm 1:18‭

Sich als gerettet zu erkennen setzt voraus, dass wir uns zuvor als verloren erkennen. Der Abschnitt 1,18 bis 3,20 zeigt sehr konkret diese Verlorenheit auf. Zugegeben: Es ist eine einzige, lückenlos geführte Anklage gegen den Menschen, die recht heftig zu lesen ist. Dennoch: Diese Klageschrift muss sein. Der Mensch muss ins Licht gestellt werden, um so zu erkennen, das er erlösungsbedürtig ist. Er muss erkennen, dass er schuldig ist, denn nur in dieser Erkenntnis erkennt er sein Angewiesensein auf das Evangelium, auf die rettende Botschaft. Verloren muss man sich wissen, dann will man gerettet werden.

Wo tue ich etwas, das Gott missfällt? 


Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn. Röm 1:18 

Von Gottes Liebe lesen wir gern. Bei Gottes Zorn erschrecken wir. Wir lesen das ja sehr menschlich. Gottes Zorn ist allerdings keine negative Gefühlswallung, so wie bei uns. Gottes Zorn ist vielmehr Ausdruck seiner Heiligkeit, in der er nicht über das Böse hinweg sehen kann, sondern es verurteilen muss. Es geht wie gestern darum, dass ich mein Sündersein erkenne. Klar können wir sagen: “Ich bin wie ich bin und das ist gut so!” oder “Hey, ich mach doch viel Gutes.” Also hat Gott doch nun wirklich keinen Grund, zornig zu sein. Aber ist dies tatsächlich so? Definieren wir uns dann nicht selbst als gerecht und übersehen, dass wir jeden Tag aufs Neue an uns arbeiten müssen? 

Wir müssen daran denken, dass wir jeden Tag mit unserem Fortschritt oder unserer Vervollkommnung wieder zu beginnen haben. Franz von Sales 


Gott war ihnen gleichgültig; sie gaben sich keine Mühe, ihn zu erkennen. Röm 1:28

Der gleichgültige Mensch stumpft nicht nur gegenüber Menschen ab, sondern auch gegenüber Gott. Und alles hängt mit allem zusammen. Ist mir Gott gleichgültig, sind mir auch seine Gebote gleichgültig (lieben, dienen, aufeinander achten, helfen etc.). Genau das ist gemeint, wenn Johannes schreibt: “Wie kann Gottes Liebe in einem Menschen sein, wenn dieser die Not seines Bruders vor Augen hat, sie ihm aber gleichgültig ist?” (1. Joh 3:17)

Kehren wir immer wieder in unsere innere Kammer ein, um im Gebet, der Bibellese, in guten Werken und in der Stille in der Gotteserkenntnis voran zu schreiten, um seine Gebote nicht als Moralvorschriften (“Du sollst”) zu empfinden, sondern immer tiefer sie in ihrem Wesenskern zu erkennen, der die Liebe ist und aus dem ein “Ich will”, ein “Mich-drängt-es” entspringt.


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