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Röm Kap. 12

Impulse, Auslegungen, Kommentare und Bibelzitate aus dem Brief an die Römer Kap. 12


Wie Christen leben sollten 12,1-16,27


Seid ein lebendiges Opfer, das Gott dargebracht wird und ihm gefällt. Ihm auf diese Weise zu dienen ist der wahre Gottesdienst und die angemessene Antwort auf seine Liebe. Röm 12:1 

Führe ein Leben in der Hingabe an Gott! Stelle dein ganzes Leben Gott zur Verfügung! Das Leben besitzt den Wert eines Gottesdienstes, weil ich mich in meinem Leben mit dem Herzen ganz und gar dem Herrn hingebe. Auch wenn ich schwach bin, strebe ich danach der Liebe des Herrn mit meinem Sein zu entsprechen. Wir opfern unser Leben dem Herrn, bringen unser Leben da als lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer immer und immer wieder. Das ist der Gottesdienst des Lebens. Dieser Gottesdienst dauert täglich 24 Stunden. Das, was nun ab Röm 12,3 folgt sind vielfache Beispiele, wie das konkret aussieht. 


Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an, sondern lasst euch von Gott verändern, damit euer ganzes Denken neu ausgerichtet wird. Nur dann könnt ihr beurteilen, was Gottes Wille ist, was gut und vollkommen ist und was ihm gefällt. Röm 12:2

Laßt euch von Gott umwandeln, damit euer ganzes Denken erneuert wird. Röm 12,2

Gott möchte, dass du wächst. Du wächst hin zur “Christusähnlichkeit”, wenn du Entscheidungen im Sinne Jesu triffst. Geistliches Wachstum fängt mit der Erneuerung deines Denkens an. Deine Veränderung beginnt in deinem Kopf. Dein Denken bestimmt dein Fühlen und das bestimmt dein Handeln. Das griechische Wort für Umkehr ist “metanoia” und bedeutet “Veränderung des Denkens”. Wenn Jesus zur Umkehr aufruft, ruft er also zu einer Gedankenveränderung auf, bei der er selbst, das Alpha und Omega, im zentrischen Mittelpunkt steht.


Gemeinsam bilden wir alle den Leib von Christus und jeder Einzelne ist auf die anderen angewiesen. Röm 12:5 

Jeder Gläubige ist Teil des Leibs von Christus und ist darin unaustauschbar und einzigartig. Jeder Gläubige dient diesem Leib mit der Gabe, die ihm geschenkt ist. Erneuertes Denken zeigt sich darin, dass man diese seine Gaben achtsam wahrnimmt und sie in demütiger Bescheidenheit ausübt! “Keiner soll mehr von sich halten, als angemessen ist.” (Röm 12,3) Zur Demut gehört ebenso, dass wir annehmen, dass wir aufeinander angewiesen sind. Wir brauchen diese Erfahrung der Gemeinschaft, wo wir unsere Gaben und vielerlei anderes teilen (Sorgen, Hoffnung, Enttäuschung….). So aber ergänzen und bereichern wir uns gegenseitig. Das Haupt dabei ist und bleibt allein Christus. 

Gott hat jedem von uns unterschiedliche Gaben geschenkt. Röm 12:6

Was sind deine Gaben? Wie dienst du ihm? 


Liebe muss echt sein, ohne Heuchelei! Verabscheut das Böse, haltet am Guten fest! Röm 12:9

Nicht die Menschen, die uns mehr Freude als Mühe machen, müssen wir herzlich lieben, sondern gerade jene, die uns besonders brauchen, müssen wir nicht nur helfen, wir sollen ihnen auch besondere Liebe erweisen. Im übrigen aber müssen wir gegen alle gleich liebevoll sein, denn der Herr hat nicht gesagt: Liebt die guten Menschen, sondern liebt einander so, wie ich euch geliebt habe. Er aber macht keinen Unterschied, schließt keinen aus und wäre er noch so unvollkommen. Franz von Sales 

Seid einander in herzlicher geschwisterlicher Liebe zugetan! Übertrefft euch in gegenseitiger Achtung Röm 12:10 


Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn. Röm 12,11

In meinem Tun nicht träge werden, d.h. Gottes- und Nächstenliebe sollte nicht ein bloßes Abspulen von Worten und Handlungen sein, sondern echt vom Herzen. Der Geist soll in uns brennen, unser Leben ganz und gar durchglühen. Lasst euch vom Heiligen Geist mit neuer innerer Kraft beschenken und von ihm durchglühen! Lass es zu, dass Jesus Christus mit seiner Kraft alle Lebensbereiche erreicht und gestaltet. So und nur so werden wir dienen von Herzen, fröhlich in der Hoffnung, in Bedrängnis standhaltend, beharrlich im Gebet und immer in der Liebe handelnd. 

Alle Werke, die nicht in Liebe empfangen und geboren werden, sind tote Werke und wertlos für die Ewigkeit, so sehr sie auch sonst den Schein des Guten für sich haben mögen. Franz von Sales 


Freut euch über die Hoffnung, die ihr habt. Röm 12:12

Es gibt genügend Gründe, nicht in der Freude zu wohnen: Streit in der Familie, Schmerzen, die nur mit Ibu 800 ertragbar sind, Anschläge, verfolgte Christen u.v.m. Hier bin ich auch immer wieder emotional gedrückt. Dies alles aber bezieht sich auf die menschliche Emotionalität. Hier können wir nie nonstop voll Freude sein. Wenn im Evangelium von der Freude geredet wird, meint das meist die christliche Freude, die in der Hoffnung und dem Glaube auf Christus gründet. Hierzu gibt es ein paar schöne Worte von Papst Franziskus: Der Personalausweis des Christen ist die Freude, Freude des Evangeliums, Freude, von Jesus auserwählt zu sein, Freude, von Jesus gerettet zu sein, Freude, von Jesus neu geschaffen zu sein. Freude jener Hoffnung darauf, dass Jesus uns erwartet, Freude, die auch in den Kreuzen und Leiden dieses Lebens zum Ausdruck kommt: im Frieden und in der Gewissheit, dass Jesus uns begleitet, dass er bei uns ist.


Nehmt Anteil an den Nöten der Gläubigen und helft ihnen! Bemüht euch um Gastfreundschaft! Röm 12:13

Unsere christliche Liebe nimmt sich der Nöte und der Bedürfnisse des Nächsten an und hilft, wo sie nur kann. Sie hat stets ein offenes Herz, dass den anderen gastfreundlich wahrnimmt. Es ist ein Herz, dass sich in keinster Weise ausschließend abgrenzt. Das ist Gastfreundschaft: sein Herz öffnen für den anderen, für seine Fragen, Sorgen und Nöte, um ihm so echte Wertschätzung entgegen zu bringen. Und weiter: ihm gute Worte schenken, Leid mittragen und wo möglich Erleichterung verschaffen. Und zuletzt: für ihn beten.

Dies ist aller Gastfreundschaft tiefster Sinn, dass ein Mensch dem andern Rast gibt auf der großen Wanderschaft zum ewigen Zuhause. Romano Guardini 


Freut euch mit den Fröhlichen! Weint aber auch mit den Trauernden! Röm 12:15

Christliche Liebe freut sich mit den sich Freuenden. Sie verabscheut Neid über den Grund der Freude. Stattdessen freut sie sich ohne Eifersucht, Missgunst und Bitterkeit mit. Christliche Liebe weint auch mit den Weinenden. Sie verabscheut Kaltherzigkeit, Stolz (Ich hab’s ja gleich gesagt!) und Verurteilung (Ist doch selber schuld!). Stattdessen fühlt sie weinend mit.

Alle Werke, die nicht in Liebe empfangen und geboren werden, sind tote Werke und wertlos für die Ewigkeit, so sehr sie auch sonst den Schein des Guten für sich haben mögen. Franz von Sales


Weint mit denen, die weinen! Röm 12:15

Der Mensch, der die Dinge sieht, wie sie wirklich sind, der sich vom Schmerz durchdringen lässt und in seinem Herzen weint, ist fähig, die Tiefen des Lebens zu berühren und wahrhaft glücklich zu sein. Dieser Mensch wird getröstet, aber mit dem Trost Jesu und nicht mit dem der Welt. So kann er sich trauen, fremdes Leid zu teilen, und hört auf, vor den schmerzvollen Situationen zu fliehen. Auf diese Weise findet er, dass das Leben Sinn hat, wenn man dem anderen in seinem Schmerz beisteht, wenn man die fremde Angst versteht, wenn man den anderen Erleichterung verschafft. Dieser Mensch spürt, dass der andere Fleisch von seinem Fleisch ist; er fürchtet sich nicht davor, sich zu nähern und sogar seine Wunde zu berühren; er hat solches Mitleid, das ihn erfahren lässt, dass alle Distanz verschwindet. Franziskus 


Freut euch mit den Fröhlichen! Weint aber auch mit den Trauernden! Röm 12:15

Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Er ist ein Mensch der Gemeinschaft. Nur gemeinsame Freude im Glauben ist vollkommene Freude. Darum lasst uns Gemeinschaft pflegen bei allen damit auch einhergehenden Schwierigkeiten. In Gemeinschaften menschelt es immer. Für ein gutes Miteinander hilft es, immer wieder die Perspektive anderer einzunehmen und so unsere Selbstzentriertheit zu überwinden. Sich bewusst in den anderen hinein versetzen, erkennen, dass sie alle ihre eigenen Sorgen und Ängste haben, einfach weil sie Menschen sind, ihnen Gottes Segen wünschen: das alles stärkt auch uns, lässt das ich zum du und zum wir werden, lässt uns nicht unentwegt nur um unseren eigenen Ärger kreisen.

Die wichtigsten Reisen im Leben jedes Menschen sind die vom Ich zum Du. Ernst Ferstl


Seid einmütig untereinander! Strebt nicht hoch hinaus und seid euch auch für geringe Aufgaben nicht zu schade . Hütet euch davor, auf andere herabzusehen. Röm 12:16

Das alles sind Ausdrucksweisen der Liebe. Konkret und umsetzbar in unserem Leben. Wir orientieren uns dabei nicht an einem moralischen Katalog von Anweisungen, sondern in allem sind unsere Handlungen Ausdruck unserer Nachfolge Christi. Ahmen wir die Demut des Herrn nach. In den Ereignissen im Abendmahlsaal erkennen wir doch zutiefst seine Demut, da sich hier der Schöpfer in einem Überfluß an Liebe seinen Geschöpfen zuneigt, die Eucharistie einsetzt, damit wir Ihm immer nahe sein können, unserem Herr und Gott, unserem Schöpfer und Erlöser. Aus dieser geschenkten Liebe heraus schauen wir eben nicht auf andere herab, wenden uns jeglichem Werk zu, dass der Herr bereitet hat, damit wir es tun. 

Ein einziges gutes Werk wiegt allen leeren Wortkram auf. Franz von Sales


Haltet euch nicht selbst für klug! Röm 12:16

Achte darauf, dass deine Klugheit demütig ist. Umstände, die für Entscheidung wichtig sind, können oft schwer abgeschätzt werden. Als Tugend der Entscheidung beinhaltet die Klugheit immer auch das Risiko der Fehlentscheidung. Nicht der ist klug, der niemals irrt, sondern der, der es fertigbringt, seine Fehler zu berichtigen, und dabei auch die Möglichkeit in Kauf nimmt, zehnmal neu zu irren, anstatt sich in bequemes Nichtstun zu flüchten. Das größte Hindernis auf dem Weg zur Klugheit ist daher die Überheblichkeit, die meint, schon alles zu wissen. Wer sich für wissend hält, der hört nicht mehr hin. Der nimmt nicht mehr wahr.


Vergeltet niemand Böses mit Bösem! Seid auf das bedacht, was in den Augen aller Menschen gut ist. Röm 12:17 

Am Karfreitag feiern wir den Sieg der Liebe über den Hass. Christliche Liebe rächt sich nicht, tut nicht Böses mit Bösem vergelten. Sie ist bereit Böses mit Gutem zu vergelten. Christliche Liebe will für alle Menschen nur das, was in Gottes Augen gut ist. Sie steht in der Nachfolge Christi, der uns gerufen hat, uns so zu lieben, wie er uns geliebt hat. Gehen wir also in seine Lehre und lernen immer mehr zu lieben. Eine sehr wichtige (!) Ausdrucksform der Liebe ist dabei das Bemühen um den Frieden: “Ist es möglich, soviel an euch liegt, so haltet mit allen Menschen Frieden.” (Röm 12:18)

Das Kreuz ist für die alte Kirche ein Siegeszeichen. Der Ort, an dem Jesus die grausamste Todesstrafe erfährt, die das römische Reich kannte, wird zugleich zum Ort, an dem die Liebe siegt. Anselm Grün 


Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute. Röm 12:21

Erino Dapozzo war im KZ. Er litt Hunger und Krankheit. An Weihnachten 1943 ließ ihn der Kommandant zu sich rufen. Dapozzo musste hungernd zusehen, wie der KZ-Leiter üppig speiste und noch die Kuchen aß, die Dapozzos Frau ihrem Mann geschickt hatte. Hass war die naheliegende Antwort. Dapozzo betete gegen den Hass an. Er bat um Liebe und konnte so den Hass überwinden. Nach dem Krieg fand er den Kommandanten nach langem Suchen. Dapozzo berichtet: Ich sagte zu ihm: „‚Ich bin Nummer 17531. Erinnern Sie sich an Weihnachten 1943?’ Da bekam er plötzlich Angst. ‚Sie sind gekommen, um sich an mir zu rächen?’ Ja, bestätigte ich und öffnete ein großes Paket. Ein herrlicher Kuchen kam zum Vorschein. Ich bat seine Frau, Kaffee zu kochen. Dann aßen wir schweigend den Kuchen und tranken Kaffee. Der Kommandant begann zu weinen und mich um Verzeihung zu bitten. Ich erzählte ihm, dass ich ihm um Christi willen vergeben hätte.


Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute. Röm 12:21 

Nichts besaß der Herr, als er in die Welt kam. Nichts besitzt er jetzt, da er von uns geht, nicht einmal das Grab ist sein eigen. Lasst uns ebenso uns nicht an weltliche Dinge klammern. Einfachheit. Schlichtheit. Habe bei allen Handlungen eine ganz einfache Absicht, nämlich Gott zu gefallen. Sein Wille ist es, dass wir das Böse durch das Gute besiegen. 

Beispiel: ein Mensch hat uns enttäuscht. Wir klagen ihn an und spüren Wut. Auch wenn das als erste Reaktion menschlich ist, so breitet sich das Böse in uns aus, wenn wir nun nicht entgegen lenken. Ganz bewusst entscheiden wir uns nun für das Gute und versuchen ungute Gefühle loszulassen. Wir segnen den anderen, statt ihn anzuklagen. So finden lieblose Gedanken in uns keinen Raum mehr. Es beginnt mit einem Entschluss in unserem Innern: Ich will das tun, was Gott gefällt. Jesus schenkt uns dann die Kraft. 

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