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Lk Kap. 18

Impulse, Auslegungen, Kommentare und Bibelzitate aus dem Lukas-Evangelium Kap. 18


Über das Beten: Witwe und Richter Lk 18,1-8

Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis, um ihnen zu zeigen, dass es nötig ist, allezeit zu beten und nicht nachlässig zu werden. Lk 18:1

Das Gleichnis schildert einer Frau, die nicht aufhört, für ihr Recht zu kämpfen, obwohl der Richter korrupt und untätig ist. Die Grundaussage von diesem Gleichnis ist, dass wir alle Zeit beten sollen ohne Nachlässigkeit so wie diese Witwe. Der Glaube versichert uns, daß Gott unser Gebet hört und zur rechten Zeit erfüllt, auch wenn die tägliche Erfahrung diese Gewißheit immer wieder auch zu verneinen scheint. Dennoch: Haltet daran fest! Das Gebet ist der bevorzugte Ort der Gemeinschaft mit Gott.

Wenn ich auch nur einen einzigen Tag das Gebet vernachlässige, verliere ich viel vom Feuer des Glaubens. Martin Luther


Es war ein Richter in einer Stadt, der Gott nicht fürchtete und sich vor keinem Menschen scheute. Lk 18:2

Die Witwe war offensichtlich alleinstehend und mittellos, der Richter hätte schon aus reiner Barmherzigkeit etwas für sie tun müssen. Das mosaische Gesetz sprach in dieser Hinsicht eine sehr deutliche Sprache. Er tat es nicht. Er war in jeder Hinsicht nachlässig und steht da als negatives Gegenbild zur Witwe. Nachlässigkeit im geistlichen Leben lässt es in unserer Seele dunkel werden; und das beginnt sehr häufig mit der Vernachlässigung des persönlichen Gebetes.

Ich konnte als Wurzel aller Schwierigkeiten die Vernachlässigung des Gebets ausmachen. Mutter Teresa


Es war aber eine Witwe in jener Stadt; die kam zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegenüber meinem Widersacher! Lk 18:3

Die Frau war hart hartnäckig und ist uns darin ein Vorbild. Bisweilen werden wir müde, zu beten, wir haben den Eindruck, daß das Gebet keinen großen Nutzen bringt für das Leben, daß es wenig wirksam ist. Daher sind wir versucht, uns in Aktivitäten zu stürzen, alle menschlichen Mittel einzusetzen, um unsere Ziele zu erreichen und wir wenden uns nicht mehr an Gott. Wenn der Glaube von der Liebe zu Gott erfüllt ist, der als guter und gerechter Vater erkannt wird, so wird das Gebet beharrlich, eindringlich, es wird ein Seufzen des Geistes, ein Schrei der Seele, der in das Herz Gottes dringt. Auf diese Weise wird das Gebet die stärkste Kraft, die die Welt verwandelt.

Das Gebet in der Frühe entscheidet über den Tag. Bonhoeffer


Lange Zeit stieß sie bei ihm auf taube Ohren. Lukas 18:4

Der Richter reagiert mit unglaublicher Kälte auf die Frau. Dies ging lange Zeit so weiter. Angesichts schlechter Nachrichten oder täglicher Beschwerlichkeiten des Lebens kommen einem Worte aus den Psalmem in den Kopf, wo es heißt “Wie lange, Herr, soll ich noch rufen, und du hörst nicht?” Aber dann änderte der Richter plötzlich seine Meinung. Genervt gibt er irgendwann nach und verhilft der Witwe zu ihrem Recht. Beim ungerechtesten Richter vermochte also die Beharrlichkeit des Bittenden die Erfüllung des Wunsches zu erreichen. Viel sicherer noch müssen die sein, die Gott beharrlich bitten, den Quell der Gerechtigkeit und der Barmherzigkeit. Daher dürfen wir nie verzweifeln, sondern müssen immer beharrlich im Gebet sein.

Schließlich sagte er sich: […] Diese Frau lässt mir einfach keine Ruhe. Ich muss ihr zu ihrem Recht verhelfen, sonst wird sie am Ende noch handgreiflich. Lk 18:4‭-‬5


Wie viel mehr wird Gott seinen Auserwählten zum Recht verhelfen, die ihn Tag und Nacht darum bitten! Wird er sie etwa lange warten lassen? Ich sage euch, er wird ihnen schnellstens helfen. Lk 18:7‭-‬8

Jesus will, daß du nicht aufhörst zu beten. Er will, dass du an seine Wohltaten denkst, wenn du bittest. Er will, daß du durch das Gebet empfängst, was seine Güte dir mitteilen möchte. Er wird niemals denen, die ihn bitten, Wohltaten verweigern. Betrachte schließlich, welches Glück dir zuteil wurde, im Gebet mit Gott zu reden und zu erbitten, was du ersehnst. Gott auch wenn er mit Worten schweigt antwortet dennoch mit Wohltaten: Er verachtet deine Bitten nicht, du belästigst ihn nicht, es sei denn, du schweigst. Das immerwährende Beten bedeutet, nie den Kontakt zu Gott verlieren; im Tiefsten unseres Herzens sich immer von ihm berühren lassen und so von seinem Licht durchdrungen werden.


Doch wenn der Sohn des Menschen kommt, wird er auch den Glauben finden auf Erden? Lk 18:8

Das ist eine Frage, die uns nachdenklich macht, eine Frage, die einen größeren Glauben in uns erwecken will. Denn es ist offensichtlich, daß das Gebet Ausdruck des Glaubens sein muß, andernfalls ist es kein wahres Gebet. Wenn einer nicht an die Güte Gottes glaubt, so kann er nicht auf angemessene Weise beten. Der Glaube ist als Grundlage des Betens von wesentlicher Bedeutung. Herr, mögest du uns, wenn du zu uns kommst, mit der brennenden Lampe des Glaubens versammelt finden. Wir glauben und legen unser Vertrauen in dich! Laß unseren Glauben wachsen!


Pharisäer und Zöllner beim Gebet Lk 18,9-14

Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Lk 18:10

Der demütige Zöllner wird gerechtfertigt. Die vielen guten Werke des vorzeigefrommen Pharisäer sind dagegen wertlos. Mit diesem Gleichnis stellt Jesus den damaligen Glaube von der Errettung auf den Kopf. Jesus erzählt dieses Gleichnis jenen Menschen, die auf sich selbst vertrauen, dass sie durch ihre guten Werke gerecht werden. Der entscheidende Unterschied zwischen dem Pharisäer und dem Zöllner lässt sich auf diesen einen Punkt herunterbrechen: Der Pharisäer dachte, er könnte sich Gottes Wohlwollen aus eigener Kraft erarbeiten. Der Zöllner wusste, dass er das nicht konnte.

Mache dir heute mal wieder bewusst, dass du dir Gottes Wohlwollen nicht verdienen kannst durch noch so viele guten Taten, sondern dass dies alles Geschenk und Gnade ist. Danke!


Der Pharisäer stellte sich hin und betete bei sich selbst so: O Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen. Lk 18:11

Auch wenn´s hier und da schwer fällt, versuche von anderen immer eine gute Meinung zu haben. Widerstehe der Neigung von anderen zu kritisch zu denken oder gar dich selber für etwas besseres zu halten. Wir alle sind gebrechlich und fallen immer wieder auf die Nase. Daher sei sanftmütig und barmherzig in deinem Urteil über die anderen. Du selbst willst doch auch von ihnen in deinen Schwächen getragen und ertragen werden. So tue das selbe mit ihnen. Mit guten Menschen im Frieden leben ist nichts Großes. Mit harten und verkehrten Menschen friedsam leben können, das ist eine große Gnade.


Ich bin nicht wie die übrigen Menschen. Lk 18,11

Wir urteilen über den Nächsten bei jeder Gelegenheit mit unerbittlicher Strenge, uns selbst aber richten, das wollen wir niemals. Bekämpfen wir die Ursachen, wie z.B. der Stolz, der meint sich selbst zu bestätigen und zu bewundern, indem er den anderen herabsetzt und sich an ihren Fehlern freut und wie gut man doch selber ist. Diese Selbstgefälligkeit ist so versteckt und getarnt, daß man sie nicht entdeckt, wenn man nicht sehr gute Augen hat. Andere wiederum denken immer nur gut von denen, die sie lieben, und nur schlecht von jenen, die sie nicht mögen. Die Liebe ist das wirksamste Heilmittel gegen das Urteilen. So mußt auch du immer zugunsten des Nächsten urteilen, soweit es nur möglich ist. Hätte eine Handlung hundert Gesichter, so sollst du das schönste ansehen. Wenn wir auch die Sünde nicht entschuldigen können, so wollen wir doch Mitleid haben und sie der noch am ehesten erträglichen Ursache zuschreiben, wie der Unwissen-heit oder Schwäche

Denn wenn wir uns selbst richteten, würden wir nicht gerichtet werden. 1. Kor. 11:31


Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme! Lk 18:12

Das Tun des Pharisäers sind zweifelsfrei gut. Seine Irrweg besteht darin, dass er von seinen guten Taten so geblendet ist, dass er völlig übersieht, wie sehr er Gott gegenüber auf dessen Güte angewiesen bleibt. Er hat zu viel Vertrauen in sich selbst. Um Gott zu erkennen, müssen wir immer wieder neu den Hochmut ablegen, wir hätten alles selbst in der Hand. Wir haben es nicht! Verlaß dich daher nicht auf dich selbst, setze vielmehr dein ganzes Vertrauen auf Gott. Tu, was du tun kannst und Gott wird deinem guten Willen beistehen. Der Pharisäer redet über Äußerlichkeiten, indem er seine Taten auflistet, aber er geht nicht zum Kern, seinem Herzen. Allein danach aber verlangt es Gott in seiner Sehnsucht nach uns. Echtes Gebet ist ein Gespräch von Herz zu Herz.


Der Zöllner stand von ferne, wagte nicht einmal seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug an seine Brust. Lk 18:13

Der Zöllner stand ferne. Das ist ein Zeichen der Demut. Er blieb am Rande der Tempelanlage stehen, weil er wusste, dass er es nicht verdiente, in die Gegenwart Gottes zu kommen. Der Zöllner hatte einen gesenkten Blick, ebenso ein Zeichen der Demut. Und das Gebet des Zöllners war kurz und knackig, dafür aber aufrichtig. Er bittet ehrlich und eindringlich um Gnade. Und diese ehrlichen, demütigen Worte erreichen das Herz Gottes. Versuche von diesem Zöllner zu lernen: begegne Gott stets in Demut. Ich beispielsweise schätze die Geste der Verbeugung oder des Kniens, weil ich mich hier klein mache und die Ehrfurcht vor dem Großen wächst.

Auf den Knien bekommst du die richtige Perspektive, um die Größe Gottes zu sehen. Jan Dobutowitsch


O Gott, sei mir Sünder gnädig! Lk 18:13

Der Zöllner wurde gerechtfertigt, dass heißt, er wurde von seiner Schuld befreit. Davor bekannte er, dass er ein Sünder ist. Es ist sehr wichtig, diese erst einmal leer dastehende Erkenntnis “Ich bin ein Sünder” auch zu füllen. Bei den Katholiken ist das die heilige Beichte, in anderen Konfessionen sieht das anders aus. So oder so ist es aber unumgänglich, dass wir Orte und Wege für uns finden, wo wir in uns gehen und von Zeit zu Zeit Inventur machen, wo wir gesündigt haben. Gott vergibt nicht Schuld im Sinne einer billigen Gnade, also bedingungslos. Bedingung ist, dass wir unsere Sünden erkennen und bekennen.

Ich habe dreissig Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass Sündenerkenntnis und Sündenvergebung die Hauptbotschaft des Neuen Testaments ausmacht. Sebastian Moore


Ihr könnt sicher sein, dieser Mann ging von seiner Schuld befreit nach Hause, nicht aber der Pharisäer. Lk 18:14

Der Zöllner kehrt als Befreiter nach Hause zurück. Wir können trotz und gerade wegen unserer Sünden zu Gott gehen. Aus dieser Begegnung kehren wir als Gerechte zurück. Das größte Hindernis in unserem Leben ist nicht unsere Schwachheit, sondern das Nichtbekennen unserer Schuld. Wie häufig tun wir Dinge, die unsere Beziehung mit Gott und unseren Mitmenschen verletzen. Bitten wir ebenso häufig um die Gnade der Vergebung. Denn das Blut Jesu reinigt von uns von bekannten Sünden. Das Wort “erhöht” im Folgevers ist in diesem Zusammenhang ein ein Synonym für die Rechtfertigung. Derjenige, der sich selbst erniedrigt, indem er seine Schuld bereut und sich Jesus Christus anvertraut, wird Gerechtigkeit erlangen.

Jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden. Wer aber sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden. Lk 18:14


Jesus segnet die Kinder Lk 18,15-17

Mt 19,13-15; Mk 10,13-16

Sie brachten aber auch kleine Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Lk 18:15

Dies ist ein wunderbares Bild für die Fürbitte. In der Fürbitte bringen wir Menschen zu Jesus, damit er sie segnet. In der Fürbitte stelle ich den anderen Menschen unter die besondere Aufmerksamkeit Gottes. Gemeinschaft lebt aus dieser Fürbitte füreinander. Machen wir viel von ihr Gebrauch. Die Fürbitte verändert auch mich. Sie führt mich aus der Egozentrik meiner eigenen Probleme in den befreienden Raum des Dienstes und verändert meine Einstellung zum anderen. Ich finde Zugang zu den Herzen derer, für die ich bete.

Die Fürbitte ist eine Art, den anderen zu lieben. Richard J. Foster


Lasst die Kinder zu mir kommen und wehrt ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes. Lk 18:16

Alle drei Evangelisten berichten von der Segnung der Kinder durch Jesus. Die Stelle hat Gewicht! Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen! Der Vorzug der Kinder besteht darin, dass sie völlig aufs Beschenktwerden angewiesen sind. Das Kind ist in erster Linie Empfangender. Glaube ist wie eine leere, zum Empfangen geöffnete Kinderhand. Gott nötig haben in allem. Kindlich Abba sagen können. Immer wieder mit leeren Händen staunend vor Gott kommen und von ihm lernen wollen. Ein Kind kann sich nicht vorstellen, daß Vater und Mutter etwas nicht können. Das soll die Haltung des Glaubens sein unserem Gott gegenüber.


Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird gar nicht hineinkommen! Lk 18:17

Jesus sagt, nicht auch, sondern nur Kindern gehört die Gottesherrschaft. Im Kind gibt es etwas, das einem, der in das Himmelreich kommen will, nie fehlen darf. Der Himmel ist allen zugesagt, die einfältig sind wie die Kinder, allen, die wie sie von vertrauensvoller Hingabe erfüllt, die rein und reich an Güte sind. Sie allein können in Gott einen Vater finden und durch Jesus zu Kindern Gottes werden.

Schlimm wäre es, das Wort des Heilands zu vergessen: Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so einfach, demütig und fügsam wie sie, werdet ihr in das Himmelreich nicht eingehen. Franz von Sales


Jesus spricht reichen jungen Mann Lk 18,18-30

Mt 19,16-30; Mk 10,17-31


Dritte Leidensankündigung Lk 18,31-34

(Mt 20,17-19; Mk 10,32-34)

Sie verstanden nichts davon und dieses Wort war ihnen zu geheimnisvoll und sie begriffen das Gesagte nicht. Lk 18:34

Mit der Ankündigung seines Leidens weist Jesus auf sein Wesen als leidender und dienender Messias hin. Sein Kreuz zu nehmen und zu tragen in der Nachfolge Christi ist ein beschwerlicher Weg, der immer wieder auch schwer zu begreifen ist. Darin liegt die Tiefe des Glaubens, bei allem Unverständnis bis hin zur Ratlosigkeit bzgl. des eigenen Kreuzwegs mit allem Leiden, das darin steckt (Leiden an sich selbst, Erleiden des anderen, schlimme persönliche Erlebnisse, dunkle Gefühle u.v.m.) immer neu aufzustehen, die Ärmel hoch zu krempeln und bewusst zu bekennen: Jesus Christus, ich vertraue dir! Ich glaube an dich!


Jesus heilt einen blinden Bettler Lk 18,35-43

Mt 20,29-34; Mk 10,46-52

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